Biographie W. A. Mozart 's
Georg Nikolaus von Nissen, Constanza
Maria Weber von Nissen
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(is.lt« der WTllwt* Mozarf
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Biographie
W. A. Mozart's
Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn
Geschriebenen , mit vielen neuen Beylagen,
Steindrücken , Musikblättern und einem
Feie - simile*
ii'c ^j v\ j • -r^v
<&eotö Jliftoiaust bon $Limxi,
Dänischem wirklichen Eutsrath und Ritter vom Dannebrog-
Orden etc. etc.
Nach dessen Tode herausgegeben
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Constanze, Wittwe von Nissen,
früher Wittwe Mozart.
Mit einem Vorworte vom ZJr. Feuerstein in Pirna.
Leipzig, I ß 2 8.
Gedruckt und in Commiwion bey Breitkopf und Härtel.
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Ihrer Majestät,
der Allerdijrchlauchtigsten , Allergnädigsten
Fürstin und Frau,
Frau
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j&Ätie SopTjfe fiXtittitt,
meiner allergnädigsten Königin,
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Constanze, Wittwe von Nissen.
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AUerdurchlauchtigste Fürstin,
Allergnädigste Königin und Frau!
Allerhöchstdieselben haben bereits so viele Be-
weise huldreicher Fürsorge für Beschützung und
Förderung der Wissenschaften und Künste gegeben
und Sich .dadurch bleibende Denkmale errichtet«
Auf solche Weise ward mir selbst das Glück, von
Ihro KönigL Majestät zu hören, wie sehr Sie
die Talente meines vorigen Gemahls anerkenneten
und den Verlust durch dessen so frühen. Tod be-
dauerten«
Nicht weniger ist Ihrer König!, Majestät
mein späterer Gemahl von Nissen* in seinen lang-
jährigen königlichen Diensten für so vielseitige Be-
weise der Allerhöchsten Gnade den unversiegbarsten
Dank schuldig. Da nun auch er nicht mehr ist,
und sich mir hier eine so passende Gelegenheit zeigt,
so dürfte ich wohl zunächst verpflichtet seyn, diesen
Dank Ja tiefster Unterthänigkeit hier öffentlich aus-
zusprechen*
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Und. so wagt * dehtf die »kfgebeugle WkW*
mit diesem Danke zugleich diese Arbeit ihres leist-
verstorbenen Mannes, rder bis an seinen Tod den Ma-
nen des früheren so viele Liebe; und Verehrung zollte,
Allerllöchstderos^lbeil Gnade anzuvertrauen*
In der frohen Hoffnung, dass ich
etiler, ganz ungnädigen Aufnahme versichert glauben
darf, ersterbe in tiefster jBhrfurcht
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.: . . . H*er ^niglicheft; Majestät, • .
• ; '. /• 'rhtitier ;Alletgnädigsten Kdnigm
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aUerunterthänicste treticehorsamsto Dieneriii
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Iiis ist wohl eine unwiderlegbare ^el?^upt^ing,
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dass A. Momart das grösste musikalische ,Ge-y
nie nicht allein seines Zeitalters war, sondern
dass er es auch höchstwahrscheinlich für alle
künftigen Zeitalter bleiben wird.
Die Welt freuet sich .daher : mt Recht üi}er
ein sq , seltenes Geschenk der Natu* und ^a*^
es auf gleiche Weis« : 4er Vorsehung, 4ie ihr
Sinn für solch oms, allen Nationen verstHndUcJbe;
Sprache gegeben hat. . ri. r^;, . , ,.r,..;r..
Nicht weniger wird aber auch wohl jeder
Freund der Musen, so wie jede edle Menschen-
brust mit Trauer über das allzufrühe Dahin-
scheiden dieses grossen Meisters erfüllt, und
sick selbst nur damit einigen Trost, dals
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VIII .
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i
nach Erfahrungen früh entwickelte Blumen auch
früher dahin welken, wie eben Mozart sich sehr
früh zum unerreichbaren Koloss seines Faches
hinaufschwang, und — kaum würdig erkannt,
ging er wieder seiner Heimath zh.
Ihm bleibt sein Andenken : er war das Wun-
der seiner Zeit, und wird es aller der nachfol-r
gcnden bleiben, und so lange man seine genia-
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len Schöpfungen zu empfinden fähig ,ist, wird
der Qiiell seiner Verehrung und seines Ruhmes
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nicht versiegen.
Der Verfasser des Vorwortes zur nachste-
henden Biographie kann dabey einem eigenen
Wehmüthigen Gefühle nicht widerstehen , und
indem er gewiss mit Recht sein Zeitalter mit
jenem des grossen Geistes vertauscht wünscht,
glaubt er sich mehr als des ' vortheilhaften Tau-
sches gewiss. . ...
- Die Volker fast aller Zeiten haben uns schon
gezeigt, auf welche, wenn auch verschieden rühm-
liche Weise sie sich bemühten, das Andenken
Berühmten und Ausgezeichneten aus ihrer
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IX
■I ■
Mitte auf die Nachwelt zu bringen ; und indem
ein Gleiches bereits von unserm Mozart und
i
auch anderen berühmten TomVünstlern — abge-
rechnet, dass sie sich die bleibendsten Denkmale
in ihren Werken selbst aufstellten; — den Nach-
kommen niedergelegt ist, folgten wir ihrem
rühmlichen Muster. • .
:■ So viel aber auch mehr oder weniger aus-
führliche Biosranhicen von -Mozart erschienen
seyn mochten, so war sich der den Seinigen
und auch mir 2U früh verstorbene Freund Nissen,
obschon seinem Charakter gemäss bescheiden
und ganz anspruchslos, doch und sicher nicht
mit Unbill bewusst, wie sehr willkommen der
Welt seine neue Bearbeitung der vorliegenden
Biographie seyn könne; daher möge dieser be-
sonnen und mit so grosser Vorliebe gewundene
Kranz im Tempel der Musen seinen wohlver-
dienten Platz einnehmen, .um so mehr, als der
Geber die Blümchen dazu ao lange und mit
solcher Liebe pflegte. !: 1 *
Da ich längere Zeit mit Nissen und mit dem
Plane der beabsichtigten Biographie bekannt war
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u&d weiss, wie ihn nur Liebe zur Kunst und
Verehrung der Manen des grossten musikalischen
Meisters zu seinem so rühmlichen Unternehmen
trieb/ « also »ur Ää inniger Wärrae «eifrig und
raSeh arbeitete, mit welcher Anstrengung, selbst
nicht ohne grosseil Aufwand er seit mehren Jah-^
ren sammelte, vorzüglich in der letzten Zeit sei-[
Bü X«ebens,. wo^ec/sich Yjoa seinen sonstigen
Geschäften für dön König von Dänemark mehr
zurückgezogen hätte; to dem Werke selbst die
^qglicbste Vollständigkeit su geben 5 ierner, wie
W --feilte- so sichere Quelle fcn seiner Gemahlin
fcatte, und da jmit aus^rordetttlieher Sorgfalt
alles Benutzenswerthe gewissenhaft anbrachte und
ordnete,} da es wa^r ist, wie zärtlich er um seine
Gattin besorgt war und wie. SP sehr edel er sich
en seinen Kindeto hewiess, wovon die: Welt schon
weiss , was #r »n. ihnen Jhat, *md Wie er sich
überhaupt lak Mensch M seiaein ganzen Leben
Hon Jkeiner uxLem als zedier und grossen Seite
kund that, und so auch mit dem Bewusstsejrn*
»iclits als Gutes gestiftet iu hafcen , aus der Welt
gehen, konnte, ; übe* . srelohö seine H«ridlungen
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fflm sein Koni« van Dänemark (wie er ihn selbst
zu nennen pflegte und dem er so gern jmd treu
diente) die kräftigsten Beweise wiederholt zu ge-
* * » • • • •
"ben geruhte, und so vieles Andere, was Alles
uns auf den bedeutenden Gewinn seiner mehr-
**** # # ii
jährigen Arbeit rechnen lässt ; — so bin ich sehr
bereit, diesen Beweis seines biedern Charakters
zu unterschreiben, und ich kann dabey nur noch
\ninschen, dass das Werk selbst ihm dieses Zeug-
mss nicht versagen wolle.
a
Ob durch Nissen's Tod (denn er 6tarb über
seiner Arbeit am a45ten März 1826) noch man-
cherley Unbekanntes von und über Mozart un-
bekannt bleiben wird, weiss ich nicht \ nur das,
und zwar mit grossem Bedauern, kann ich bestä-
tigen, dass er, nach Siebigice? s Vorschlag, noch
ein besonderes Capitel der allmähligen Ausbil-
dung MozarVs und dem stufenweisen Gange sei-
nes Genie's gewidmet hatte, in so fern sie sich
aus der Kritik einer chronologischen Sammlung
seiner früheren und frühesten Werke erkennen
lassen, was nun aber einem mit MozarVs sämmt-
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xn
• liehen Werken ganz Vertrauten überlassen blei-
ben muss.
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Sollte ich die geistige Seite Nissens nur ei-
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nigermaassen treffend angedeutet haben, so ist
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mein Zweck schon vollkommen erreicht
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Pirna a. <LEl]be, im July 1828.
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D. Feuerstein.
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Schon an 1 io*en November 1767 schrieb der
Vater Leopold Mozart, welcher voraus sah, dass
sein Sohn ein grosser Mann werden würde,
einem Freunde, dass er die Lebensgeschichte
seines Sohnes seiner Zeit in den Druck geben
werde- Er muss aber von diesem Entschlüsse
-abgekommen seyn , denn nach seinem Tode ist
davon keine Zeile aufgefunden worden, indessen
hat man es diesem Entschlüsse zu danken, dass
er sehr häufig der Frau und fochtet - empfahl,
alle Briefe, die er ihnen auf Reisen mit dem
Sohne schrieb, sorgfältig auf zubewahr en< Und
auf diese Art haben sich nach ihm wohlverwahrt
folgende Sammlungen gefunden: '1
r i) Des Vaters Briefe von der Reise mit
seiner ganzen Familie nach Wien, angetreten
den i8ten September 1763 und geendigt im Ja-
nuar 1765. Diese Briefe sind an den Kaufmann
Hagenauer, seinen FVeukd und Hausherrn , der
sie behalten hat, gerichtet. • «. - r" •
2) Des Vaters Briefe an denselben , von der
grossen ausländischen Reise mit seiner ganzen
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Familie , angetreten den 9ten Juny 1763 und ge-
endigt im November 176G.
3) Des Vaters Briefe an denselben , von der
zweyten grossen Reise nach Wien mit der gan-
zen Familie; angetreten den nten September
1767 und geendigt im December 1768.
. Witten diese Briefe an einen Gelehrten oder
an einen Musikyerstöadigen geschrieben gewesen,
so hätte der Briefwechsel ,, ih.no»: sieher mehr
Interesse gegeb.eny, als .sie entlialten. , .
1. ; Ich habe aus diesen Briefen die biographi-
schen Nachrichten herausgezogen, um. damit die
gedruckte Lebensbeschreibung zu ergänzen- MtWrr
ches kömmt darin ; von ßta^ik und den Sitten
au besonders geistlichen Höfen vor. . fch habe
pur einige Proben- der Denket , besondere der
religiösen stehen lassen, dio bey dem Vater Mo-r
zarfs zur Bildung des Sohnes ihro'Mefkwiicdig-r
Nun folgen Briefe : voi> grösserm Interesse,
denn di<5 Ff au konnte mehr Antheil nahmen,
als Hagena^er* ' „:: , \r .. . •< . " <
, 4) Briefe des Vaters an die Frau^ und: Brief-
chen YQrikW* A. Mozart an Mutter und ScWe-
ster auf der ersten, italienischen Reise mit dem
Sohne, angetreten den December x/6g bis
März *77*. .1 [j : , , , •,
6); Brief* des Vaters an die Frau auf der
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zweyten italienischen Reis« vom li^11 August
-1771 bis i5te* Decemberi77i.
6) Briefe des Vaters auf det dritten italie-
nischen Reise voin 24sUn Öctober 1773 bis i3ten
Marz 1775. - : ' ' ' ' ' :'
' ' 7) Briete cfes Vaters ari die Fraü, auf der
Reise nach Wieft mit demr Sohne, von* Julius
1775 bis 2 a8t*Q- September 1 773. : i'1 ' " %
8) Briefe des Väters äh äfö FraWj iulder
Reise nach München mit dem -'Sohne, vom De-
cember 1774 bis 7ten März 1778. ' W:
• Von jetzt beginnt eiri höheres Interesse der
Briefe — Mann an Mann. : ■
9) W; A» Mozart VBriefe an seinen Väter
Und die der Mutter an ihren Mann , 'auf der Reise
nach Paris mit der Mutter , 'und des Vaters Ant-
worten an Beyde, vom September 1777 bis Ja-
nuar 1779. •• ' ' ' '* ' ' ' "
to) Brieiwechsel W." A: Mozart' 8 mit Vater
und Schwester, auf der ftöise nach München
Und währerfd seiner DomicilijMing in \Vieh, vom
8tftn Noveinber 178a bis Julius 1784. Die Briefe
des Vaters gehen nur bis 223tei* März 1781. :*
W. A. Mozart war nun fcu beschäftigt, zri
zerstreut und zu unabhängig Vbm Vater ; um'tfes^
sen Briefe zu verwahren oder fleissig zu schreiben.
Im Jahre 1786 waren seine Briefe äusserst selten
und bestanden meistens nur iri 1 6 bis i ii Zeilen.
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XVI
! Als 1785 der Vater den Sohn besuchte, liess
er diesen zum Maurer aufnehmen. Die Schwe-
ster Mozart's meinte, dass die Spuren davon iu.
ihres Bruders Briefen den Vater vermocht haben,
dessen Briefe seit dieser Epoche zu vernichten.
Ein einzelner findet sich vom Jahre 1787, den
dxe ICrankheit des "Vaters , der daran starb , *m_
der Vernichtung verhindert haben kann, und der
wirklich auch eine Allusion auf die Ordensver-
bindung .enthält, welche der Vater aufzubewahren
Bedenken tragen konnte. * , ' .
. \ .Aus obigem Verzeichnisse flieht man, dass
die wichtigeren Briefe W. At Mozart9 s nur den
Zeitraum vom September 1777 Julius 1784
begreifen. Es sind zwar eine Menge Briefe früher
( rer, Zeit an die' Sphjvester da, sfe. haben aber
wenig Werth. Witz, Lebhaftigkeit uud Charak-
teristik ist unleugbar darin, aber geschmackloser
{ .Wite, kindische, zum Theil pöbelhafte Mieter-
keit,. ja Ausgelassenheit, die sehr weit geht,
machen das Meiste aus; wenig von der Tom:
kunst. Es gehört viele Auswahl dazu, um etwas
Anziehendes und Charakteristisches b^raty* zu
finden, was ,mfM dem Publicum bieten darf,
ohne dem. Ruhme und der Achtung d<^ Namens
Menschen zu schaden.1 r, ( : ■.
svA\<M <*en Briefen W. A. Mozart's von 1777 ^
si^ ipa^che v^ hohem Werthe. Aber da§
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XVII
Ganze ist nicht befriedigend, nicht erschöpfend.
Er war kein Brief- er war ein Notenschreiber, und
damals beschäftigter, zerstreuter, freyer geworden.
Die Briefe des Vaters hingegen empfehlen
i& fast alle, und der Welt ist wohl damit ge-
feit, sie zu kennen. Der Mann ist schon an
äh merkwürdig, aber hier erscheint er zugleich
als Vater, Erzieher, Bilder W. A. Mozarts}
besser und vollständiger kann man ihn nicht ken-
nen lernen, als in allen diesen vertraulichen
Besserungen , selbst über anscheinende Gering-
fügigkeiten, deren Bekanntmachung er nicht be-
rechnete. Man sieht, wie viele Bildung der Vater
auf den Sohn übertragen tonnte. Seine Schreib-
art ist freylich die der lrüheren Jahrzehente des
vorigen Jahrhunderts , aber der Schreiber war ein
gelehrter, verständiger, geistreicher, kluger und
umsichtiger Mann, ein Beobachter.
•Die Briefe der ersten Sammlungen sind voller
statistischer Nachrichten, breiten sich über die
Sitten der Länder aus ijnd verdienten wohl den
Druck. Sed non hic locus. Allenthalben besähe
er die Sehenswürdigkeiten un 4 besuchte die Män-
ner von Talent in allen Fächern, Gelehrte und
Künstler aller Gattungen des Schönen.
Er führte den Sohn, auf den er stolz war,s
den er ein Wunder nannte, allenthalben mit,
weckte dessen Sinn für alles Schöne und bildete
den Reichthum und die Vielseitigkeit der Ideen
desselben. Er machte Register der Sachen, der
>
Bekannten und Freunde, Hess einige von W.
Amadeus machen und verwahrte sie, wie man
sie noch hat. Kurz, er war ein Muster von
Ordnung, und Alles war bey ihm zweckmässig.
Auch scheint er Materialien zu einer Biographie
gesammelt zu haben.
Da wären denn Materialien zur Supplirung
vieler Lücken in den erschienenen Biographieen
Mozart's. Sie sind authentisch, zusammenhän-
gend und bis gegen das Ende vollständige Samm-
lungen mit vielen Beylagen.
Aus den Briefen des Vaters an seine Toch-
ter, geschrieben während seines Aufenthaltes in
Wien bey dem Sohne 1785, leuchtet einige Kälte
gegen diesen hervor, welche sich mitgetheilt ha-
ben kann. Auch dieses mag die Lauigkeit des
darauf folgenden Briefwechsels erklären, so wie
es von der Unabhängigkeit des Sohnes, an die
der Vater nicht gewöhnt war, zum Theil erör-
tert werden kann.
Uebrigens war auch der Sohn mit seinem
Besuche in Salzburg 1783 nicht recht zufrieden
gewesen. Er hatte gehofft, dass man seine Frau
mit einigen seiner Jugendgeschenke erfreuen
würde, welches gänzlich unterblieb.
Die Briefe gehen von 176a bis 1784, wo
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XIX
dann der von W. A. Mozart geführte thematische
Katalog anfängt. Die einzigen Lücken sind von
den Zwischenräumen der Reisen, die Mozart in
Salzburg zubrachte. Um einen guten Theil der
Chronologie seiner Werke und Beschäftigungen
zu haben , bedarf es nur noch des Verzeichnisses
der Werke vor 1784, welches Herr Andre in
Offenbach hat und welches derselbe bald heraus
zu geben sich erklärt hat
Nicht leicht hat sich der Enthusiasmus für
einen Tondichter je so lebhaft, so allgemein und
so lange erhalten , als für Mozart. Auf welche
Art wird er nicht gefeyert! — Kein gemütli-
ches Werk , worin er nicht genannt ist ! — Kein
Dichter, der ihn nicht besingt ! — Und 34 Jahre
sind schon verflossen! —
Freylich hat er durch den Einfluss, den er
auf die Veredlung und Verschönerung des Lebens
ausgeübt hat, und noch ausübt, durch seine
Werke sich das bleibendste Denkmal gestiftet.
Doch hat man seine Biographie nicht! So-
genannte giebt es wohl gegen Zwanzig, wovon
D. Lichtenthai die Namen gesammelt hat: 17 oder
18 davon sind indess blosse Abschriften. Nur
Schlichtegroll, Niemtschek und vielleicht der Ver-
fasser von „Mozarfs Geist« haben aus Quellen
geschöpft. Sie verdienen aber alle Dank für die
Versuche, die sie geliefert haben, da sie Alles
XX
gaben, was ihnen zu Gebote stand, wenn ihre
Leistungen auch nur Skelette blieben und blei-
ben musstcn , weil ihnen die Materialien fehlten.
Der Nekrolog bekam die seinigen von MozarVs
Schwester, an die er gewisse bestimmte Fragen
gerichtet hatte, auf deren Beantwortung sie sich
einschränkte und auch nicht viel weiter hätte
ausbreiten. können. Niemtschek hatte W. A. Mo-
zart selbst und seine Frau in einigen Jahren
gekannt.
Keiner von allen aber wusste diese Briefe,
ohne welche Kenntniss nichts von einigem Be-
lange zu leisten möglich ist, da es Briefe sind,
deren Vollständigkeit aus dem Datismus deren
fortlaufender Ordnung erhellt. Diese Briefe ent-
halten Nachrichten von Reisen ausser der aller-
ersten drey wöchentlichen nach München 1762.
In den Briefen selbst ist Vieles in Chifferrt
geschrieben, damit der Erzbischof , mit dem sie so
viele Ursache hatten unzufrieden zu seyn, ihre
Aeusserungen und Plane nicht erfahren konnte.
Ich habe alle Pläne dechiffrirt Es waren zwey
Chifiern :
In der einen bedeuteten die Buchstaben a, e,
i, o, u, nachstehende m, 1, f, r, h, und umgekehrt
m wieder a, 1 wieder e, u. 8. w.; alle anderen
Buchstaben des Alphabets blieben unverändert:
Der zweyteii Chiffer war gar nicht anzu-
»
m
XXI
merken , class sie eine war ; sie war etwas müh-
sam zusammenzusetzen. Die Anfangsbuchstaben
jedes Substantivs musstcn zusammengebracht wer-
den, um den verdeckten Sinn zu finden; z. B.
die Stadt hat ein Alter, welches die Ursache
ihrer Leiden ist, hiess: SauL Die ausnehmende
Vorsichtigkeit, Umsicht und Klugheit des Vaters *
ist in dem Gebrauche derselben zu erkennen.
Manchmal fragt man sich sogleich, warum er
diess oder jenes chiffrirt hat; man findet aber
immer eine gegründete Ursache.
Die Briefe sind als Sittengemälde einer vor-
übergegangenen Zeit nicht un merkwürdig. Wie
diese Briefe zu benutzen sind:
De mortui* nil , nisi benel
De mortui* nil. nisi verel
-
(Vcrschweigiwg ist schon Unwahrheit)
Der Mann soll gezeigt werden, wie er war,
diess ist die Forderung an den Biographen, der
aber durch gar viele Rücksichten gehemmt wird.
•
Es mag wold von einem neulich Verstorbenen
keine treue Lebensbeschreibung existiren, in
welchem Falle man sich begnügen muss, sich
der Wahrheit und der Genauigkeit zu nähern.
Man will, man darf seinen Helden nicht öffent-
lich ganz so zeigen, wie er sich etwa selbst, in
Abenden der Vertraulichkeit geschildert hat:
könnte er befragt «werden, würde er es selbst
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schwerlich zugeben: er war und bleibt der Herr
seiner Worte, die er hätte ungeschrieben lassen
können, und die er nicht hinschrieb, als für
einen, dem er beichten wollte. Er hatte Schwä-
chen, Fehler, die er etwa später verbesserte,
welches man nicht etwa Gelegenheit hat zu zei-
gen. Durch alle Wahrheit kann man seinem
Ruhme, seiner Achtung und dem Eindrucke sei-
ner Werke schaden* In diesen Briefen kommeni
von allen Seiten sogenannte unanständige Aus-
drücke vor, die es zu der Zeit, in dem Lande
weniger waren, und die wohl Jedermann sich
gegen Verwandte mehr oder weniger noch im-
nier erlaubt. Sollen diese ausgemerzt werden?
Wenn von solchen Personen, ja Freunden oder
Lehrern und Wohlthätern des Helden Uebles
auch Wahres gesprochen wird, wirft's Schalten
von Undankbarkeit, was man zu sagen gern
vermeidet?
Nun leben auch noch einige jener Personen
oder ihre nahen Anverwandten, es betrifft einen
Fürst -Erzbischof — man scheuet sich.
Und der Held wird nicht ganz geschildert
— die Menschenkenntniss hat durch die Biogra- |
phie nicht Alles gewonnen, was sie konnte, hat
nicht gehörig zugenommen.
Es könnte heissen, man wünsche nur die
Briefe W. J. MozarVa zu kennen ; wer verlangt
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die de« Vaters? Aber hier ist in den ersteren
Biographie, und die späteren machen einen Theil
des Briefwechsels mit dem Sohne aus, dessen
Briefe ohne die Mittheilung der anderen nicht
' verständlich wären. Dazu kommt, dass nicht
allein der Verfasser der Violinschule ein höchst
schätzbarer Mensch war, sondern dass seine
Briefe eine fortlaufende Erziehung des Sohnes
sind, dass sie mithin im Ganzen weit mehr In-
teresse als die des Sohnes haben und sich immer
auf ihn beziehen. Man lese sie daher und hof-
fentlich wird man sie mit Vergnügen gelesen
haben. .
Auch sind darin viele Kleinigkeiten und un-
bekannte Namen aus einer Zeit, die nicht mehr
ist In so fern sind sie aber Literatur zur Ge-
schichte der Musik und Kunde von Künstlern,
fragmentarische Chronik, wie man sie in voriger
Zeit nicht sammelte, wie man in jetziger Zeit
zu thun pflegt, und so habe ich wohl manchem
Menschen wenn auch meistens nur Nachrichten
geben können. # j
Aus den Briefen lernt man einige Compo-
sitionen MozarVs kennen, von deren Existenz
Niemand mehr etwas wusste, und wovon viele .
vergebens gesucht wurden. Wären die Briefe
für den Druck bestimmt gewesen, so würde
sicher ihr Inhalt gewichtiger. Aber so zeigen
■
»
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XXI Y
\
sie die Menschen J wie sie waren, sind somit
charakteristischer als wenn sie zierlicher wären,
wo sie in familiärer Nachlässigkeit von Herz an
Herz geschrieben sind.
Gar zu kindische und gemeine Spässe findet
man noch in 7V. A. MozarVs Briefen von seinem
21*tcn jahre, wo überhaupt sein Leichtsinn, sein
übermässiger Hang zur ausgelassenen Lustigkeit
i
ersichtlich ist Seine Ausdauer, vtrenn ich so
sogen kann, in letzterer, die Muhe, der er sich
dabey unterwerfen konnte, bezeugen vielfältig
die P.S. seiner Briefe, die hier nicht alle gege-
ben sind. Uebrigens behielt er die jugendliche
Spaassmacherey bis an seinen Tod. •
In neueren Zeiten hatte sich Mozart so sehr
angewöhnt, Gedankenstriche zu machen, dass
ihrer in allen seinen Briefen unendliche sind.
Seiner Frau hatte er wenig geschrieben, da sie
fast stets bey einander waren, und die wenigen
Briefe sind kein zusammenhangendes Ganze, da
sie nur seine stete Geldnoth, eine ungezügelte,
alle Schranken überschreitende Ausgelassenheit
und eine ungemeine Zärtlichkeit für seine Frau
bezeugen.
(So weit gehen Nissen** JVorte.)
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Subscribentenverzeichniss,
St Majestät , der Kaiser von Oestreich
Uro Majestät, die Kaiserin yon Oestreich
Sc. Majestät, der König yon Dännemark
Ulto Majestät, die Königin yon Dännemark
Se. Majestät, der König von Baiern
Duo Majestät, die Königin von Baiern
Se. Majestät, der König von Sachsen
s k. K. Hoheit, der Vicekönig v. Italien
Ihro K. K. Hoheit, die Vicekönigin v. Italien
Diro Majestät, die Herzogin von Parma
Se. Königl. Hoheit, der Grossherzog von
Sachsen - Weimar - Eisenach
Se. Durchlaucht, Friedrich Joseph , Fürst
von Schwarzenberg, in Salzburg
Se. Durchlaucht, Fürst von Lichnovsky,
in Troppau
Se. Fiirstl. Gnaden, Fürst - Erzbischof
Augustin von Gruber, Primär von
Deutschland, Sr. Majestät wirkL
Geheimer Rath zu Salzburg
Catharine , Freifrau von Frimont v. An-
I 9
trodoco, geb. Mitterpacher von
Mitternburg.
I
XXVT
Berlin.
Se. Majestät, der Konig von Preussen
Se. Königliche Hoheit, der Kronprinz
von Preussen .................................
Se. Königliche Hoheit, der Prinz Wilhelm
von Preussen, Sohn Sr. Majestät
Se. Königliche Hoheit, der Prinz Carl
von Preussen ;
Ihro Königliche Hoheit, die Prinzessin
Carl von Preussen. ......................
Se. Königliche Hoheit, der Prinz Albrecht
von Preussen
Se. Königliche Hoheit, der Prinz Wil-
helm von Preussen, Bruder Sr.
Majestät.
Se. Königliche Hoheit, der Prinz August
von Preussen
Se. Königliche Hoheit, der Herzog von
Cumberland
>
Se. Hoheit, der Herzog Carl v. Mecklen-
burg - Strelitz. ..............................
Se. Durchl., der Fürst Radzivill
Se. Durchlaucht, der Fürst zu Sayn-
> Wittgenstein, Königl. Ober-Kam-
merherr und wirklicher Geheimer
Staats -Minister
f
I
xxVn
Herr Graf Ton Alopeus , Excellenz, KaiserLRuss. J
Gesandter in Berlin
— Baron von Altenstein, Excellenz, König!.
wirklicher Gcli. Stünts — Älimstcr
— Baron von Braudel, Excellenz, Königl.
Schwedischer Gesandter in Berlin
— von Brochhausen, Excellenz, Königl. Ge-
- heimer Staats - Minister
— Bimsen, Königl. Geheimer Legationsrath
und Minister -Resident am päpstlichen
Stuhle
— Graf von Gneisenau, Excellenz, Königl.
General - Feldmarschall
— Graf von Hatzfeld, Excellenz, Königl.
wirklicher Geheimer Rath
— Graf v. Luxburg, Excellenz, Königl. Baier.
Gesandter in Berlin
— von Motz, Excellcnz, Königl. wirklicher
Geh. Staats -Minister
— von Nagler, Excellcnz, Königl. General -
Postmeister und Gesandter am deut-
s c Ii c 1 1 33 u ndcs
— Baron v. Beden, Excellenz, Königl. Han-
noverscher Gesandter in Berlin.
Sir Brook Taylor, Excel lenz, Königl. Gross -
Britanischer Gesandter in Berlin
Herr Graf von Trautmannsdorff, Excellenz, K.K.
Oesterreichischer Gesandter in Berlin
— von JVatzdorff, Exccllenz, Königl. Säch-
sischer Gener allicutcnant und Gesandter
in Berlin
Königliche Kapelle inBerlin.
Herr General - Musikdirector Spontini
— Kapellmeister Seidel
— Kapellmeister Schneider
— Musikdirector Moeser
— Conccrtmcistcr Seidler
— Conccrtmcistcr Henning, senior
— Ballet -Iltpetitcur Flügel
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Kammer musike
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♦ Henning, jun.
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Herr Cubelius
— Schmidt
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— Griebel, Sohn f J
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— Gabrielsky, d. j.
— WestenhoU
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— Nehrlich
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Desargus, Harfenist
— TtfcA*, Klavierspieler
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— Schunke, Vater
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— Pfaf*
— Zerner
— Stölzel
— SchunkeL, Sohn
— ■ SchunkelLSohn
ri Schubert
— Bagans
— JVendroth
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— Hentschel, Pauker
W4 Jirenske
'— — Ludwig
~ 5cÄtf/s ] Triangel
— Hemme] Trommel.
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Posannen.
' . Accessisten.
— Ronneburger \
~ VioHne.
— JVendick* ) i
— Benelli, Professor der Gesangschulo.
Dlu Schmäh, Gesanglehrerin. (
Herr JLeidel, Chor-Director.
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Herr Wibrecht, Königl. Geh. Cahinetsrath
-i- C. /f. Amelang
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. — Baron v. Arnim, Königl. Kammerherr
,— Graf v. Arnim, Königl. Kammerherr und
Domkapitular
— Graf v. Arnim, Rittmeister a. D.
— Arnold, Musiklchrer
— Bach, Organist
— Bader, Königl. Sänger
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XXXI
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Frl. Albertine v. Barddeben
Herr Bardt, Kaufmann
— Bauer , KönigL Justiz - Commissarius
D11* Bauer, KönigL Schauspielerin
Mad. Amalie Beer
Herr Heinrich Beer, Banquicr
— WUh. Beer, Banquicr
— Begösse, Professor
— Behrnauer, KönigL Geh. Ob. Regierungsrath
JVfacL L* Benecke
Herr Wilhelm Berger .
— Bernard, Kaufmann
— Bitthow, Kammergerichts -Referendarius
— Heinr. Blume, Königl. Sänger
Frau v. Boguslawshy
Herr Brassert, KönigL Kammergerichtsrath
— EratscnecK , itector
— Breiting, KönigL Sänger
— Graf von Brühl, General - Intendant der
Königl. Schauspiele
— Busolt, Königl. Sänger
— Calcara, Kapellmeister
— /. Coulon, KönigL Hofrath
— Crelinger, KönigL Geh. Kriegsrath
Mad. Crelinger, KönigL Schauspielerin
Herr Crelle, KönigL Geh. Ober -Baurath
— Cursch, Königl. Reisepostmeister
— Dehn, Attache bei der KönigL Schwedi-
schen Gesandtschaft i
— Delcour, Schauspieler aus Paris
— Louis Delmar , Banquicr
— Devrient junior, KönigL Sänger
Mad. Dötsch, KönigL Schauspielerin
Herr Duncker, KönigL Geh. Ob. Regierungsrath
— Ebers , KönigL Lieutenant
— Ebers, Musikdirector
— Joachim Ebers , Banquier
— Victor Eber» , Banquicr
— Eichhof, Buchhändler
— D* Elben
— Engelhardt, Gutsbesitzer *
— JVilh. Ermeler , Kaufmann
— Esperstedt, KönigL Hofrath
XXXTI
Herr Eunicbe, Königl. Sanger
— C. JSmanuel Ezechel, Königl. Geh. Commer-
z\pnrath
mmm Heinr. Ezechel, Banguier
— A. Falkmann
Frau Dr Förster
Mad. Fränhel
— Friebe , gel). Wach
Herr A. Friedländer, Kaufmann
— Gäde, Königl. Justizrath
— Eduard Gehe, in Dresden, Grosshcrzogl.
Hessen -Darmstädtischcr Hofrath
— Gern, d. Sohn, König], Schauspieler
— Gern, d. Vater, König]. Sänger
jy v. Gräfe, Königl. General - Stabs - Arzt
und Geh. Ober Medizinalrath
>— ^ Graw ander, Musicus
— Greulich, Musiki ehrer
— Gropius , Königl. Theater - Inspektor und
Decorations - Maler
— -v.Grunenthal, König], Geh. Ob. Finanz-Rath
— v. Hänlein, Königl. Legationsrath u. Ge-
schäftsträger am Churf. Hofe zu Cassel
— Hansmann, Königl. Geh. exped. Secrctair
— Heilborn, Königl. Lieutenant
— Heütvig, Musikdircctor
— Henschel, Maler
— Hertlots, Iii cater dichter bei der Kön« Bühne
Heun, Königl. Geheimer Hofrath '
— Heuser, König], Geh. Rcgistrator
— A. Hirschwald, Buchhändler
Dlu Hoffmann, Kömgl. Sängerin
Herr C. von Hollei
Dlu Honig
Fr. v. Horn, geb. Graun
Herr Alexander von Humboldt, Königl. Kam-
merherr
— Jacobson
— Jacoby, Königl. Hofrath und Rendant
— Jordan
— Jordan, Königl. Geh. Justizrath
— t. Jvernois, Königl. Major
— Jungken, Professor
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XXXTII
■
Herr X. Junge, Kaufmann
— Kisting, Instrumentenmacher.
— C. Klagt ' 9 Musüd ehrer *
— — Bernhard Klein
— - Joe, Klein , . .
— Hobes , Rentier
— äö/s, Königl. Geh. Kriegsrath.
— • Baron von König
— Körner , Königl. Geh,. Ob. Rrgicrungsrath
C. F. Äor»
— Krahmer, Königl. Baurath
— Kremnitz, Königl. Hofrath
— Krüger, Königl. Schauspieler
Frau Professor Krüger, geb. iüunicke
Herr Baron von Krull
— v. Lestocq, Königl. General - Major
— Lettow , Königl. Ii eieren dar ius
Baron von Lichtenstein
— Lichtenstein, Professor
— Limberger, Kaufmann . • . .
— Loos , Königl. Münzrath
— Ludolf, Königl. Justizrath
— Marchqnd, Königl. Justizrath ,.,
— Baron Carl v. Martens
— D* A. Martern \
— Marx, Königl. Refcrcndarius fcl
— v. Massow , Königl. Kammcrhcrr und Hof-
marschall Sr. K. H. des Kronpru
— Matton, König]. Geh. Rcgistrajor , ,
— Maurer, Buchhändler ,
— Felix Mendelssohn i, .. • « v-
Dlu Marie Mendelssohn
,— Carl Merz, Musiklehrer
— - Metzle . Scehandlunes Buchhalter
f • . .|
Mad. Milder, £önigl. Sängerin
Herr Moser, Königl. Baurath «
. — Müller, Königl. Geh. Kriegsrath /
Naumann , Stadtrath
— Neithardt, Königl. Stabshautboist t n
. T" i Nicolai, Königl. Divisions - Auditeur . t fc
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Herr Nicolovius , König!
. rungsrath
-u Graf v. Kostitz,
Gen. -Adjutant
Dr von Olfen, Kc._p_.
— JD. Oppenfeld , Banquier
-r M. Oppenfeld,
_ Otto
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i. tirenerainiajor
Legatio nsT a th
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— Dr Parthey
— Pascal
— Patzig, König]. Geh. Regierungsrath
DUo Per thaler, aus Grate
Herr Plantier, Kaufmann
^ — D* S. L. Plehn
— von P Lessen, König! Lieutenant
»— Dr Georg Pölchau
— Rauch , Professor
— 'Raumer, Profescor
— * Ravene1, Königl. Hof iihrmaehef
Rebenstein Königl. Schauspieler
' — — Graf von Redern , König K Kammerherr*
— £. Reimann , Kaufmann
< — £. Rellstab
Mad. Marie Richter
— Robert '
Herr Ludwig Robert
— Rönisch, Königl. Solo - Tänzer
1 -j- Rother, Königl. Präsident
i Rungenhagen , Musikdirector
— D* Rust, Königl. Gen. Stabsarzt und Geh.
Ob. Medizinalrath
I _ Sola, Kaufmann
— Schadow, Dircctor der Academie der
Künste
Frl. v. Schätzel, Königl. Sängerin
Herr v. Scheue, Königl. Präsident
: 4- Schinkel, Königl. Geh. Ober -Baurath
•' 4" M. Schlesinger, Musicalienliandler
' — J.P. Schmidt, Königl. Hofrath
— Schoch, Königl. Geh. Registrator
Ff. v. Schüu
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Fj W.Schultze, JKaufmana ; „ n
Jtlad. Schulze , Küni^ I. Sängerin
Herr Schweder si y , Kaufmann
Herr Graf von Schwerin, £önigl. Kammcrgc
* riebtsratb
Df Carl Seidel
— Seijfart
. — Semmler , König]. Gell. R cgiern ngsratfi
£>IU Solmar
— llenriettc San tag , Königl. Kammersängerin
Jlcrr Solzmann, Königl. Geb. Ob. Finauzratb
— Graf v. Spauer
— LT S/u'i*>r
— Snitzeder San cor a. Köniasstadtiscben Thea
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Mao. Spontini \
litrr Stawinfibx) Regisseur der Königl. Scbau
, » spiele
— Steibelt, Königl. Hof-Instmmentenmacbcr
4- von Steinsdorf, Königl. Ilofratb
— von Strampff
T- Ä*w. Stumer, Königl. Sänger
— Stuhr , B u cbl la n d 1 er
— SiuümüUer, Königl. Solo -Tänzer
— Teichmann, .Kaufmann
— Teichmann, Kon. Geb. exped. SecreUir
. — TWfe, König). Bajletmeistcr
— Ternüe, Kön. Hofmaler Gallericdirector
^Thursclwdt .
DUc Constanze Tibaldi .
Herr 71**, Professor
— Titus , König]. Balletmeister
— T. Trautwein, Buch- u. Musiealienbändlir
— von Tschirschfy, KönigL Geb. Ob. Tribn-
nalsratb
— Tzschoppe, Königl. Geb. Regier ungsratb
— U/rici, Kaufmann
— Unzelmann, Königl. Sebanspiclcr
— Valentina, Prpfessor
— Varnhagen v. Ense, Königl. Geb. Lcgations-
Rath
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Herr Wach, .?rafc«or _ ;
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Herr Wagener, Kön. Hofstaat«-
Höh. des Prinzen Carl von Prenssen
Herr Wagenfuhr, Buch- u. :
Fr. Ober - Medizinalrätinn
Herr Wauer , Königl.
— W egener, Kaufmann
— Weitzmann, Königl. Sänger
— Weiler, Königl. Stabshautboist
— Wichmann, Professor
' — Königl. Kammergerichtsrath
— Wutich, Buchhändler
Frau Generalin von Witzleben
Herr Aug. Worlitzer , Banquicr
_ Wolfram, Bürgermeister in Töplitz
Wustrow, Königl Hofrath •
Königsstädtischen
Theater«
Die musikalische Akademie m München
Herr §4derholz, Buchhändler in Breslau
— Aiblinger , Königl. Kapellmeister in München
— Dr. Albert, Abt zu St. Peter in Salzburg
— Baron Schweizer von Aisina , in Hamburg
— Hofrath Andri in Offcnbach a/M.
— Artaria u. Comp., in Wien
— Matthia* Artaria, in Wien
— Aschenfeldt, I., in Lübeck
— Graf Jgnaz von Aiterns, Excellenz, Lands-
hauptmann in Graz
— C. Bachmann, Hofmusikhandl. in Hanover
\9 Seminarist in Querfurth
\, Buchhändler in Eisenach
Frau Josephine v. Baroni, geb. Gräfin Castiglione
in Lemberg
Frau Gräfin von Bathyany in Mailand
Herr IC Bartweh, Archidiac. zu Pirna a. d. Elbe
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August Johann Baumeister, Rechnung* -
Official des K. K. Hof baurath« - Filial -
1 Departem. zu Lemberg
• — C. Bäche, Flötist in Leipzig
— Perthes u. Besser, Buchhändler in Hamburg
— B. F. Beutler, Musikdirector in Mühlhauscn
Die Bibliothek des Kön. Hoftheater« zu München
Herr Black Young et Young in London
— von Bö deren in Groningen
— Maximil. Böhme, Königl. Baier. Hofmusicus
in München
— Moritz Böhme, in Stettin
Börne, geb. von Rönne, Justizräthin in Preetz
ral-l
— Bohne1 , in Cassel
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in Carlsruhe
von Bretfeld, geb. Grä
Ahlefeid in Verona
in Rovercdo
in Copcnhagen
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— Bürhly, Obrist- Lieutenant u. Vicepräsident
d. allg. Musikgcsellschaft in Zürich
— Anton W. Bundesmann , K. K. Einrcichungs-
Protoc. Adjunct bei der Gr all. Kammer-
Procuratur in Lemberg /
— Busch, Buchhändler in Altona
— Fr» Campe , Buchhändler in Nürnberg
MacL Catherina Conti , Königl. Hof- Oper- und
Kammersängerin in Württemberg
Herr" Jo. Nepom. Cavaüo , Königl. Hofmusicus
in München
von Cornelius, Ritter, Königl. Director d.
bildenden Künste in München
Jos. Georg Cornet, K. K. Forstadjunct bei
deT Gefällen Verwaltung für Tyrol und
Vorarlberg, zu Inspnick
— Crotersche Buchhandlung in Jena
— Ludwig Crophius, Abt des Stiftes Thein in
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, ,(ü oonte) in Wien
i, (ü confcs) EsceUenz,
in Wien; : • ;
C. DUUr, Buchbinder in Pirna *. d. £U>q
Nonnenberg in Salzburg v
Heinrich Dusens jr in Prag ni »
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Engelmansv, Buchhändler in Leipzig
Faustin Ens, Prof., dei Musetun» in Troptonu
i, geb. Graumann in Mailand
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i — CÄr. iEW, in ZitUÜ v it . ■
4r ! X C Falkenberg in CobltoÄ M »■ /
+- FedrigoUi in RoYcredo ' -^O . vV . .'.
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Carl Ferga in Prag J.u \A
— , Dft:/Wvf«*B, Arzt in Pirna a. d. Elbe ;
JViad von flhfry geb. Kanzler, MinirterialrätUin
i in München . ; I . . A\ . \
Herr CG. Förster, AfujiUHenhandJ. in. Breslau
, +m Ant. Ton Frantin, Tyrokr Landmann urtd
<. : K. K. AppeUatioiMgcricUUrcpotitor zh
i 1 n spr u ck. i
Franzi ny ZU Inapruck 1 m »
l — /^^ricA3uch.u.Mn8.Hdlg,uiFrankf.a/M.
7?» Frommann Buchhändler in Jen* ' •
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j. . • ••«•IN
J7«try GaÄ* in' Hamburg . > .
! — Freyherr Gustav van Geramb, Lieutenant
de» IQ KgerbataiD. in Trupp** ,
_ iV. Gereon, .Großhändler inCopenhage»
,Mad. Elise Goldstein, in Prag
.Herr Jos. Gosztonyi von Gowo/iy» u. Kövea-Sza-
ry , R. A#^a W. m; f, O. ft in
XXXIX
Herr Gräfe, Buchhändler in Leipzig
mmm Cr äff f Buchhändler in St. Petersburg I
— Till von Griesinger, Konigl. Sacks. Legati-
| uns rat Ii am Wiener Hofe
— • Graf von Camilla Gritti in Mailand
— Graf von Griinne, König]. Niederl. Gene-
ral - Lieuten. u. B
jPrankfurt a/M.
Dr. S.v. Häher l, Ob. Medicinalr.in München
Louis Hähne in Altona i
0. F. Hagen , Weinhändler in Copenhagcn
Franz Hanfstaengl, Lrthograh in München
Jos. Hannes, Claviermeister in München
Hartleben f Buchhändler in Perth .
Graf Front von Hatüg, Exccllenz, in Gräz,
(Gouverneur in Steiermark)
Haueisen, Musiklehrer in Frankfurt a/M.
Hausen, Mitglied der Oper in Frankf. a/M.
Hauser, Mitglied der Oper in Frankf. a/M.
• mim * - ■
— Vusensy- Heiner ich in Prag
— Hempely Hauptmann in
— Jos. von Henichstein, Ritter, in Wien
— Eduard Henissen in
Mad. £Ä*a Ära in Prag
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Hesse, Kaufmann in
Jo.Jlilveti, Fiirttl. JLichnovaky'ficher Wlrth-
.schaftsinspector zu Troppaü . ;* • &
Carl Hocheber , Ewenhändler in Graz
pr. Holderich , Pfarrer zu Reichcnhall
Holscher , Buchhändler in Coblenz
F. JV. Hof- Buch,-, und Kunsthandlung in
Neuwied r
Dr. von Hoffbauer au Gräz .
Joseph Hof mann, Supplcnt der latcin. und
griech. Philologie an der Universität zu
Lemberg • ■
Hoff mann u. Campe in Hamburg
C. F. Holm, Königi. Gevollmächtigter in
« Copenhagen
Herr PeL Harr, Musiklchrer in Oflenhacb a/M.
— - Baron Hrabowsky vonHarbona, Obrist, zu
Jähndl, Chordirector bei <L adeli-
• I
— ÄTor/tf Jessen, Buchhändler in Flensburg
Diö Königl. Hofmusik -//i*«danx in München.
Herr /w£*/i in Sorau ,
i • . • • • • •
• . X % ■• ......
r- Pastor Karmrode in Altona . .
/. .F. C. Äaywr. in Hamburg
i— JTdfer, erster Organist an. d. Kön,
Baier. Hofcapellc zu Altotting
— Kipper, Gcsanglchrer in Coblenz
— Heinrich KleinfelUr, Handelsm. in Kitzingen
r-y KolUr, Buchhändler in London
r~ JT/ti^/ Kaufm. in Offenbach a/M.
r-t i\ C. Kaufmann in Offenbach a/iVL
Mai Therese Kramer y geb. Bcrra, in Mailand
Herr Krieger , Buchhändlerin Marburg
— .PÄtf. Ä>w//, Buchhändler in Landshuth
— />. C Ämwer, Buchhändler in Leipzig
— FL Kupferberg, Buchhändler in Main« '. \
— Leopold von Lämel in Prag , i..;
Mad. Maria Frey fr au von Lauer, geb. Von Ha-»
? berecker , in Verona , ....
Herr Baron von Lazarini in Mailand .
— * C. Lebrün* Director des Theaters in Harn-
i ! bürg
Mad. j^rnit^ /V-eym vonXec&rw, geb. von Tratt-
ner, in Verona . . .
Herr Lehnhold, Musikhändler in Mosco
— LesJbe, in < Darmstadt
— Leuchart, Musicalienhandler in Breslau,
i . (für sich, für Oberlehrer Hintssch in
Breslau u. für D.
frei.)
— Dr. Lichtenthai in Mailand
Her* Carl Lissner, Musicalicnhandler in St Pe-
tersburg
— Victor Locher in Mailand
— Baron von Löwenschild in Copenkagcn
— Max. Lötventhal in Wien
— C. C. Lose , Musikhändler in Copenhagen
— Lubbers u. Schobert in Hamburg
— Cantor Maerhel in Stadt -Wehlen a. d. Elbe.
Abbe^ Jos. Mainzer, in Trier.
— Jgnaz Schumann Y.Mansegg , Domcapitular
und Consistorialrath in Salzburg.
— Lorenz Friedrich Graf v.Marzani in Ho veredo
— L. MassonneaUy Grossh. Mckl. Schwer. Con-
certmeistcr.
— — Mansche Buchhandlung in Salzburg.
— Lud*». Graf von Mazuchelli% Generalf eld-
mar schall -Lieutenant und Divisionar in
Graz.
' — Pietro Mechetti, Musicalienhandlcr in Wien
— Ja* Meiners in Mailand
— Adolph Meissner in Pirna a. d. Elbe
— A. Methfessel , Miwikdirector in Hamburg
— Aug. Mittag , K. K. Hof- und Kammermu-
sicus in Wien
Mad. P. Moder in Copenhagen
Herr L, Moissl, K. K. pens. Landrichter in
Lofer .
— Morigottiy K. B. Oberappellations-Dircctor
in München
Frau Theophi/4 Frederique Comtessc Mozyuska,
nee Comtcsse Moszyusha in Lemberg
Mad. A. Müßelmann in Copenhagen
Herr Miilltr y Gelehrter in Bremen
Die Grosherz. Musicalien- Bibliothek in Darm-
stadt
Herr Heinrich Mylius in Mailand
♦
— Senf. Kailea in Lemberg
— Baron Alex and. von Neffzer in Mailand
— Franz, Edler von Neuhäuser , Gouvernal
rath u. Landcsprotomedicus in Lemberg
• — G* Neukirch in Cassel
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XLTI
Herr Fr. Nohr, Hcrzogl. Meining. Concertm. in
Meiningen
— Jos. Nowaczek , Fürstl. Schwarzcnb. Kastner
in Wrschowitx in Böhmen
— Georg Oberpfrinniger in Salzburg
— von Oppel, Excel!., IL S. Coburg. Geb.
Rath zu Gotha
— Ferd. Orlandi, Kapellmeister in München
— Carl, Graf von Pachta in Mailand
- — Palm, Buchhändler in München
— — für d. Kön. Hof-Ccntral-Bibliothek das.
— Anton, Freiherr von Paumann, Concepts-
practicant bei d. K. K. galizischcn Lan-
dcss teile zu Lemberg
— Ph. Passavant , Kaufmann in Frankfurt a/M.
— W M. Paul in Dresden
— Baron Carl von Pazzotini in Mailand
— - /oh. Perlhaler, K. K. Hauptmann, Amts-
Controlleur in Graz
— Adolph Pfeifer, jur. utr. Dr. zu Lemberg
— Dr. Ernst Pienitz , Ritter des König 1. Sachs.
Civilverd. Ord. u. Director der Kranken-
Anstalt auf Sonnensteiu a. d. Elbe
— M. Piüwitz , Hospitalprcdiger in Pirna a. d.
Elbe
- — Pixis in Paris
• — Freyherr von Poissl, Königl. Hofmusik-
u. Hoftheatcr - Intendant in München
— Baron , Jean BapU von Pulhon , Chef des
Schüllerschcn Handelshauses in Wien
/o, Ladislaus von Pyrter, Patriarch u. Erz-
bischoft" von Erlau, Sr. Majcst, wirkl.
Geh. Rath etc. in Wien
■
— Dr. 77*. /. Rappel in München
— C. A. Reichel in Danzig
— Reit sei, Buchhändler in Copenhagen
— F. Graf von Riesch, Königl. Baier. Kammer-
herr in München
— Sigisrn* von Robinig, Grosshändler in Salz-
burg • ;
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Herr Wenzel Jos. Rollet sehe k, Kapellmstr. an der
Mctropolitankirche in Lemberg
— Art. Costa Jloseili, K. K. Gouvernal - Con-
eipient in Triest
— Carl Hilbeck, MusicalienMndler in Lübeck
— C. F. Rudolph, Organist in Naumburg
— Joseph SandritU in Mailand
— Baron von Sazdagna in Mailand
— Schalbacher u. Comp., Buchhändler in Wien
— Schtlble, Dircctor des Cäcilien verein» in
Frankfurt a/M. .
— /. Aloys Schlosser, Buch- u. Kunsthändler
in Augsburg
— Jos. Schos/er, Burgcraeister zu. Troppau
— B. Schott Söhne in Mainz
— /. Bapt. Schröß, Pfarrchomegent an der
MctropoJitankirche 211 München
— Schwaan, Musiklehrer in Rostok
— Schwabe, Rcgierungssecretair in Coblenz
— Graf von Seinsheim, Exceilenz, Königl. Re-
gicrungsdirector etc. in München
— Baron von Sinnig, Kais. K. Major in Wien
— Traugott Frcih. von Sksbenskyni in Troppau
— Särgel, Musikdirector in Nordhausen
— Sonneivald , Buch - u. Musicalienhändler in
Stuttgart
— Sonntag, Buchhändler in Naumburg
— Max. Ludu>* von Sosmaus , Kais. K. Hof-
u. K um m (Tunisiens in Wien
— Andr. Spaeth , Musikdirector zu Morgcs im
Waadtlande
Frau Thekla, Gräfin Stadnicka , geb. Gräfin Stad-
nicka in Lemberg
— Stahl, Buchhändler in Würzburg
— — Stein, Buchhändler in Nürnberg
licrr Cajetan Strobl, Theatincr in Salzburg
— Graf Julius von Slrassoldo , Präsident des
Landesgouvernements in Mailand
— Strela, Krcissjustizcommissar u. Stadtrichter
zu Friedeberg am Gneis
— Hh von Slruve, Exceilenz, Kais. Russisch.
wirklicher Staats - Rath u. .Minister bei
den freien Hansestädten, in Hamburg
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Der Sludtntenverein in Copcnhagen
Herr General , Baron von Swinbure zu Mailand
— Graf Vincent Ssapary, Excellenz, Kämme-
rer zu Graz
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— , Joseph Tatzauer in Lemberg
— von Thannhausen, Kön. Postsecr. in München
— Jo. Wenzel Tomascheck, Tonkünstl. in Prag
— Toresani, K. K. wirkl. Geheimer Rath und
Gcneralpolizeidirector in Mailand
— Treuttely Sohn u. Richter in London
— Treuttel u. IVurz in Strasburg
— - B. A. Tunckel, Kais. Russ. Consul. Secrctair
— E. Tutein, Sccretair in Copenhageu
Mad. Caroline Unger jm Mailand
Herr Valentin Kaufmann in Dresden
— Velten, Kunsthändler in Carlsruhe
— Carl Voigt in Hamburg
— //. C. Volke u. Gebr. Hartmann in Haag
— <» Waagepetersen , Königl. dänis. Hofagent in
Kopenhagen
— Johann Weillaff in Prag
— C. W. Wenzel in Zeyst bei Utrecht
Herrmann Wiener in Prag '
— Professor Weysse, in Copcnhagen
— HercuL Wieser, Cantor in Tegernsee bei
München
— Wiesicke, Buchhändler in Brandenburg
— Wittasseck, Domkapcllmcister in Prag
Frau Gräfin Sophie Woyna, Hofdame in Mailand
Herr Graf Ferdinand von Wurmbrand, Lieute-
nant beim 12. Jägerbataül. in Troppau
- Raimund Ximenes in Mailand
— Zinch, Hof organist in Copcnhagen
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Die Vier und Zwanzig ersten Jahre
von Mozarts Leben.
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Assentior: nil tarn facile in animos teneroa atque molles
quam hu jus hominis sonos, quorum dici vix potest%
sit vis in utramque partim» Namque et ineitat
languentes, et languefacit excitatosy et tum remittit änimosx
tum contrahit. — •
Cicbro.
Ist auch unseren Bergen die Nachtigall versagt, so hat uns
Gott mit dem herrlichsten Sänger der Welt, Mozarten, ersetzt»
Lorenz kühner,
in der Oberdeutschen Litteraturzeituntr.
• t .
Jener, dessen Tonwerke nach schon rlerzjV Jahren,
statt zu veralten, gleichfalls immer mehr noch entzücken
werden, möge mit Mozart um den Vorrang rechten.
, ". Boffbauer.
** • • f l . I »i I *
Unter den feerühmten Namen; die für alle Zeiten
in der Geschichte der deutschen Musik glänzen wer-»
den, steht ohen an Johannes Chrisostomus Wolfgang
• « ...... », .
Amad. (Gottlieh) Mozart.
Sehr wahr und treffend spricht Herr Hofrath
Rochlitz, in dem Jahrg. 1798 der Leipz. music. £eit.:
„Es ist das Schicksal ausgezeichneter Männer von
„jeher gewesen, dass sich der Haufe gemeiner, von
„allen Seiten beschränkter Geister gleichsam in Masse
»gegen sie vereinigt, um, wenn es ihnen nicht ge-
lingt, jenen Genie's das Verdienstliche und Ausge-
i
•
' 2
• • i
„zeichnete ihrer Werke wegzudeinonstriren oder
„wegzuwitzeln, wenigstens irgend eine schwache
„Seite, die jeder grosse Mann, da er doch immer
„Mensch bleibt, hat, hervorzusuchen , aufzustützen,
„hie und da Manches aus eigenem Schatze des Her-
„zens hinzu zu thun , nun das Ganze emsig bekannt
„zu machen, und dann lächelnd oder prahlend
zurufen: Adam ist worden wie unser Einerl So
„ging es auch dem wackern M., so lange er lebte,
„und so geht es ihm grösstenteils noch. Man. hört
„seine vortrefflichen Compositionen, kann dem ge-
waltigen Eindrücke derselben nicht widerstehen,
„kann diesen sich selbst und Andern nicht ableug-
„nen, bricht desshalb allenfalls in ein allgemeines Lob
„und gleichfalls im Allgemeinen Inn und her gezerr-
„tes Geschwätz darüber aus — welches Beydes M.
„selbst fast so bitter wie Schurkerey hasste — knüpft
„aber immer und owig Bemerkungen daran, wie:
„Sollte Iflan's glauben , dass ein solcher Mann doch
„übrigens Zeitlebens ein Kind war? und dergl.
„Freylich gab M. bey seinem liberalen Leben, bey
„seinem nur, allzu ; offenen Charakter, bey seiner Vor*
„achtung alles Geschwätzes über ihn, — einer. Ver-
„achtung, welche zu tief war,, als dass er jemals
„etwas Anderes hätte thun, als darüber lachen sol-
len — Gelegenheit zu solchen Urtheilen. Seit ei-
„nigen Jahren hat die Biographie Mozarts in Schlich-
„tegroüs Nekrolog, wo es denn doch gewiss Zeit
„und Ort gewesen wäre, den Mann ganz und zwar
„mehr in seinem Öffentlichen als Privatleben darzu-
„stellen — noch mehr zur Verbreitung solcher klein-
„licher Anekdoten beygetragen, und diesen sogar
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dauerhafte Haltung und ziemliche Autorität
„verscliafFt ; indess Mozart's künstlerische Verdienste
„fast einzig mit einem allgemeinen himmelhohen Lohe
„abgefertigt werden. Dieses ist nicht gegen den
„wackern Herausgeher dieses Werks gesagt 5 ich
„weiss — dieser Üiut Alles, um sein Institut seinem
„Zwecke so nahe zu bringen, als es — in Deutsch-
„land möglich ist: sondern gegen Mozart'* nähere
„Bekannte und gegen Kenner und Verehrer seiner
„Verdienste spreche ich, die dem Herausgeher des
„Nekrologs nichts weiter gaben und geben wollten*
„Ich behaupte hiermit nicht, dass die kleine Samm-
lung zusammen gereiheter Anekdoten, welche dort
„die Stelle einer Biographie des Künstlers einnimmt,
„offenbare Unwahrheiten enthalte: aber wie viel
„kömmt nicht auf die Art der Darstellung
„selbst solcher kleinen Züge an? auf den Zweck
„des Erzalüers — blos zu unterhalten oder zu he-
„lehren u. s. w. ? Man braucht wahrlich einen Mann
„nicht vorsätzlich verläumden zu wollen; ja man
„braucht sogar der Wahrheit der Thatsachen kein
„Jota wissentlich zu vergeben : und kann dennoclj,
„aus weiss — , wenn auch nicht schwarz, doch
„schmutzig grau machen* Und dann, was eine
„Hauptsache ist: sind denn Anekdoten aus dem Pri~
^vatleben eines Mannes für die Welt, eines grossen
„Künstlers, das Wichtigste, was man von ihm zu
„sagen hat ? Ist es denn nicht eben so gehässig als
„kleinlich (ich spreche lner nicht mein: gegen den
„Nekrolog), sich, wie bey Mozart, so oft der Fall
„war — in eines bedeutenden Mannes Bekanntschaft
drängen \ sich von ihm freundschaftlich aufge-
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■
4
;,nommen, unterlialten, vergnügt zu sehen; dabey im
„Hinterhalte zu liegen und ihm irgend eine Schwach-1 ■
„heit abzulauern, dann davon zu ziehen, freudig
„über den getlianen Fund , und diesen nun mit
„grosser Herrlichkeit der Welt aufzutischen? Ja,
„ich setze hinzu: dürfen wir einen Mann von so
j,eigcnen Kräften und so eigener Thätigkeit, einen
^,Mann, der so einzig in seiner Ideen- und Phanta-
/ „sieen-Welt lebte, einen Mann, dessen Geist, eben
•„weil und damit er das werden und seyn konnte,4
'„was er ward und war, nur in seiner Kunst weben,
i,nur hier Befriedigung, nur hier wahres Interesse
r„finden konnte, dagegen Alles, was im weitesten
„Sinne des "Wortes Verhaltni ss heisst , vernach-
lässigen, verachten musste — dürfen Wir einen
„solchen Mann nach dem Maassstabe beurüi eilen , der
„mit Recht für uns mittelmässige Leutchen zum Rieht-
;,scheit dient ? Duo dum faciunt iderri, non est idem."
So spricht Herr Hofrath Rochlitz, welcher Mozart
in Leipzig kennen lernte, an den meisten" Gesell-
schaften, in die er dort kam, und die von der Art
waren, dass sich Etwas mit den Leuten an-
fangen Hess, wie sich M. ausdrückte, Theil ge-
habt, und später die ^ekanntschaft seiner Wittwe
und einiger vertrauter Freunde M.'s gemacht hatte.
Wem, der jemals bey den Harmonieen dieses*
grossen Tonkünstlers sich bald in süsse Empfindun-
gen verloren gefühlt, bald den unerschöpflichen
Reichthum seiner Ideen bewundert hat, und die Ge-
walt, mit der er das Gebiet seiner Kunst in ihrem
weiten Umfange beherrschte; wem also von allen
Kennern und Freunden der Musik muss es nicht
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I
I
willkommen seyn, etwas von der merkwürdigen Le-
bensgeschichte dieses früh entwickelten, grossen nnd
originellen Genie's zu frören! "Wer von allen diesen
wird es nicht denjenigen seiner Freunde, die seit
frühen Jahren Zeugen seines bewunderungswürdigen
Talentes, und des unerhört schnellen Ganges der
Entwickelung desselben waren, recht warm und in-
nig danken, dass sie den Freunden der süssesten
unter allen Künsten das Vergnügen nicht haben vor-
enthalten wollen, den Zauberer, der ihnen so man-
che frohe Stunde verschönert, so manche trübe er-
heitert hat, in der Geschichte seiner Kindheit und
Jugend , die leider die Geschichte seines ganzen Le-
bens ist« näher kennen zu lernen? — - .
Der Mens di, mit wunderähiüichen Gaben und
Fertigkeiten von der Natur beschenkt, ist selten ein
allgemeines lauster zur Nachahmung für Andere.
So wie seine Vollkommenheiten uns Upbiigen uner-
reichbar sind, so können auch seine Fehler nicht zu
unserer Entschuldigung gereichen. Um sich brauch-
bare Regem fiir das praktische Leben als Mensch im
Allgemeinen abzuziehen, und durch Aufmerksamkeit
auf Bey spiele sich dem erreichbaren Grade der Aus-
bildung unserer Natur zu nähern, müssen wir nicht
jene seltenen Menschen zum Muster auswählen; son-
dern vielmehr Geister von mittleren Gaben, die aber
diese Anlagen gleicliförmig und vorsichtig ausgebil-
det haben, und denen wir es gleich zu thun hoffen
dürfen.
Aber mibesclireiblich schätzbar und wichtig bleibt
ungeachtet dessen dennoch das Andenken jener Men-
schen mit seltenen Kräften und Anlagen zu einzelnen
• »
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»
Fertigkeiten. Sie sind Phänomene, die man anstaunt,
d deren treue Abbildungen der Forscher der Men-
schennatur als unschätzbare Kabinetsstücke ansieht,
zu denen er oft zurückkehrt, um an ihnen den un-
begrenzten Umfang des menschlichen Geistes zu be-
wundern. -Zu ihnen gehört Mozart, ein Wunder
eines früh reifen Talents; man würde das, was voh
ihm erzählt wird, kaum glauben kennen, wenn er
nicht unser Zeitgeuosse gewesen wäre, und wenn
diese Erstaunen erregenden Züge nicht von so vielen
Menschen bestätiget wurden. ' . "
Der genaue Zusammenhang, der zwischen den
Schicksalen Mozarts mit denen seines Vaters Statt
findet, und durch welchen er sich schon ein blei-
bendes Denkmal seines fluhmes und seiner Verdienste
gestiftet hat> und dazu die Bildung seines Sohnes,
erfordert eine Erwähnung des Letztern.
Der Vater dieses ausserordentlichen Genie's, Leo-
pold Mozart, Vice -Kapellmeister, Violinist und An-
fuhrer des Orchesters in der Fürst -Erzbischöflichen
Kapelle zu Salzburg, geboren zu Augsburg den 14.
December 1719, gestorben zu Salzburg am 3». May
1787, war der Sohn eines Buchbinders, und trat,
nachdem er die Jurisprudenz in Salzburg studirt
natte^ dann Kammerdiener bey dem Grafen von
Thurn, Domherrn daselbst, gewesen war, endlich
1743 in erwähnten Dienst * denn der Fürst machte
ihn zu seinem Hofmusicus, weil er sich ganz der
Tonkunst widmete und die Violine besonders schön
spielte.
1 In dieser Kapelle waren bis in die spätesten Zei-
ten der Unabhängigkeit des Landes eine Menge aus-
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■
gezeichneter Künstler, z. B#* Eberliii, Michael Haydn,
Adlgasser u. xhv A, - « Ä *. . v.L
Die Fürsten, und noch der letzte Unter ihnen,
besoldeten $id unglaublich Ächlechl^ •
Was sie anzog und hielt, Vfiu4 die, obgleich ge-
ringe, Versorgung der WittWejdie Umgebung des
Hofes und da« behagliche und- wohlfeile Leben. • '
Im J. t7€2 wurde or^ Viee - Kapellmeister. Er
i beschäftigte sich neben soirtom Dienste an* Hofe und
in der Metropolt tankirche* init- tfnterweisüng auf der
Violine und rattComponiren. T Seit 1743 hat er sich
von jeder Seite um die Musik verdient genlacht;
erstlich als Schriftsteller, dann &Ia Cor npoiüst, ünd
durch die vortreffliche und ehrenvolle musikalische
Erziehung seines Sohnes utid seiner Tochter. Wie
I viele Ehre erwarh er sich auf der grossen Reise mit
| seinen Kindern. In Paris verewigte man sie alle
drey durch einen Kupferstich, auf welchem der Sohn
I den Flügel, der Vater hinter ihm die Violine Spielt,
indem die daneben stehende Tochter singt, mit fol-
gender lnsshrift 5 ' ' f / '
L. Mozart, pire de Marianne Mozart, vfrttiose
Agie de onze ans, et dm J. C. JV olfgang Mozart,
compoätear et Mattre d&Muaique, /ige de sept ans.
Im Jahre 1756 liess er zu Augsburg Äuf seine
fc Kosten drucken: Versuch einer gründlichen
Violinschule^ ttiit viel? Kupfertafeln sälnmt
einer Tabelle versehen' u. s. w. Sie ist ins
* Französische und Holländische übersetzt. Eine 2te
und 3te Auflage sind 1770 und 1792 zu Augsburg
herausgekommen. Spaterhin; ist das Werk bey Küh-
ne! in Leipzig unter dem Titel; Violinschule, oder
m
(
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Anweisung, die Violine zu spielen; neu umgearbei-
tete Ausgabe von Neukomm (mit der Lehre vom
guten Vortrage) herausgekommen. ( < j
Man findet in diesem Werke den gründlichen
und geschickten Virtuosen, den vernünftigen, und
methodischen Lehrmeister und de*v gelehrten Mua*-
cus. Schubart sagt v4n demselben: „Durch (dieses
„Buch, das in sein- gujem Deutsch und mit tiefer
„Einsicht ; abgefasst istr , hat er sich ein grosses Ver-
dienst erworben. Die IJeyspiele sind trefflich ge-
„ wählt, und seine Applioatur ist nichts weniger als
„pedantisch. Er neigt sich zwar zur Taitini'scben
„Schule, lässt aber doch dem Schüre* inehr Freyheit
„in der Bogenlenkung, als dieser.'?
/Nach dem Zeugnisse« ider grössten Meister ist das
Werk von dem ausgebreifcetsten Nutzen gewesen 5 die
treulichsten Violinisten, die Deutscliland in der zwei-
ten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts besessen, sind
tfurch fo^elbe gebildet worden. .;
^BLurz^ er war einer von denen,, welchen die.
Ehre vorbehalten war, die ersten Urheber einer ge-
läuterten Methodologie in der ausübenden Kunst zu
werden; r. . * \ ? ' . . .... .
Sohubart sagt ferner von ihm: „Er hat die Mu-
„sik in Salzburg auf einen trefflichen Fuss gestellt.
„Selbst, ist er auch als Componist ehrenvoll bekannt.
„Sein Styl ist etwas altvaterisch, aber gründlich und
„voll contrapunktischer Einsicht. Seine Kirchen-
Stücke sind von grösserm Werthe als seine Kam-
„merstüeke." • ■ • ;• . .
Von eeiuen vielen mit Beyfall aufgenommenen
praktischen Werken sind blos 6 Violin-Trios,
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die er 1740 selbst in Kupfer radirt hat, herausge-
kommen, und 1759 zwölf Ciavierstücke zu
Augsburg, unter dem Titel: Der Morgen und
der Abend, den Einwohnern von Salzburg
melodisch und harmonisch angekündigt. Es
sind diess diejenigen zwölf Stücke, welche da» soge-
nannte Ilornwerk. oder vielmehr Orcrelwerk. auf der
Festung Hohen- Salzburg Morgens und Abends spielW
••• j • • # . .
im 3ia.nuscript waren Hingegen von mm zwoit
Oratorien und andere Kirchensachen, eine
Menge theatralischer Werke, worunter die
Semiramis und die verstellte Gärtnerin be-
kannt sind , auch Pantom im e n und eine grosse
Anzahl von Symphonien, über 30 grösse Sere-
naden, eine Menge Concerte für Blasinstrumente
und noch mehr Trios u; s. w.' ' : 1 1 1* . *
Im neuen Künstler-Lexikon ist folgender Zusatz :
i,Noch hat man von ihm folgende Composiüonen :
„Bastien und Basti enne, eine Operette; la
" ■ ■
„Cantatrice ed il Poeta, Intermezzo zu zwey
„Personen; musikalische Schlittenfahrt (ar-
„rangirt für Pianoforte bey Kühnel in Leipzig)."
Aber auch durch Unterricht hat er viele Künst-»
ler und Künstleiinnen gebildet; denn die Zeit, die,
ihm «eine Amt^geschäfte übrig liessen, widmete er
dem Unterricht in der Composition und auf der
Violine.
Seine fleissige Correspondenz mit seiner Familie
lasst ihn als einen Mann von vielen vortrefflichen
Eigenschaften erkennen. Es charaktorisirt ihn auch,
das« er an Geliert, den protestantischen andächtigen
Dichter, einen Brief geschrieben hat, der ihm foU
gendo Antwort zuzog: .
„ \ u . • . „Hochedler, Hoctau verehrender Herr ! . .
- „leb müsste sehr unempfindlich «eyn, wenn mich
die ausserordentliche Gewogenheit,- mit der Sie mich
ehren, nicht hätte rühren sollen 5 und ich würde der
undankbarste Mann «oyn, wenn ich Hiren so freunde
scbafüichen, Brief ohne Erkenntlichkeit hätte lesen*
l$nnen. Nein, mein ; wertester ( Herr , ich nehme
Ihre Liebe und Ihre Freundschaft mit eben der Auf-
ricjitigkeit an, mit der Sie mir sie janbieten, unöVich
nehme sie nicht allein ant sondern ich bitte Sie dai>
um, und will mich bemühen # «ie zu, verdienen, je
weniger ich sie vielleicht noch verdienet habe. Ich
werde oft mir uliig, wenn ich gehe, dass mir meine
Schriften die Gewogenheit so vieler rechtschaffenen
Leute , zuwege bringen 5 denn ich will diess Glück
nicht allein erlangen, sondern auch behaupten; und
äazu gehören noch mehr Verdienste, als ich -habe. —
Also lesen Sie meüie Schriften gern, hochzuvereh-
render Herr, und ermuntern auch Eire Freunde, sie
zu lesen? Diese Belohnung, wie ich Ihnen aufrich-
tig sage, habe ich von dem Orte, aus dem ich sie
erhalte, ohne Eigenliebe kaum hoffen können. Wie
* * «
glücklich bin ich, wenn ich glauben darf, dass ich
zur Erhaltung des Geschmacks und der guten Sitten
auch ausser meinem Vaterlande etwas bey trage! Hat
der Christ, eines von meinen letzten Gedichten, auch
Ihren Beyfall? Ich beantworte mir diese Frage bey-
nahe mit Ja. Seih Inhalt, Ilir edler Charakter, den
Sie, ohne es zu wissen, in Ilirem Briefe mir ent-
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worfen haben, und meine redliche Absaht, scheinen
mir dieses Ja zu erlauben. — "
„Ich würde mehr mit Ihnen reden, wenn ich
nicht im Begriffe stände, in das Carlsbad zu reisen,
dahin mich die elendeste Krankheit, ich meyrie die
Hypochondrie, toR*v: Möchte es doch Gott gefallen,
' mich von diesem Orte, den er für so viele tausend
Kranke gesegnet hat/ üud an dem ich schon vor dem
Jahre oft mit Thronen* und Heiterkeit des Geistes
gebetet habe, mich, sage ich, gesünder zu rück zu-
bringen , : als ich dahin tfeise! Doch vielleicht wun-
e «che ich zu viel, vielleicht gar etwas, das mir nicht
gut **yri würde. Begleiten Sie mich indessen mit
Ihren Wünschen, werthester Herr. Bin ich im
{ Stande, Ihnen hie* in Leipzig, e* sey worinne es
wolle, zu dienen: so Will ich Ihnen beweisen, dass
I ich des Vertrauens, das Sie in mich setzen, nicht
unwertn bin. Allen Ihren Freunden, wenn sie Ihnen
gleichen (unck wie sollten Sie Freunde haben, die
Ihnen nicht ähnlich wären?), empfehle ich mich
bestens; Ihnen aber danke ich nochmals für den
schönen , beredten und empfindungsvollen Brief, mit
dem Sie mich erfreuet haben, und bin mit der voll-
kommensten Hochachtung • '
' ■ Euer HochedL . " ' '
gehorsamster Diener
Christian Fürchtegott Gellerl.«
P. S. Der Herr Professor Fortney in Berlin hat einen
kleinen Roman vons mir, Leben de* schwedi-
schen Grafin, in das Französische schön über-
setzt, wenn Sie vielleicht dieses Werk leaen wofleziJ
■
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, Ein Zeichen von der Achtung, wekhe fer, sogar
, in der Ferne genoss, ist, dass der erste der kritir
f eilen Briefe über die Tonkunst, die in Berlin 1759
und 1760 herausgegeben wurden, an ihn, der damals
noch Geiger in der Salzburgischen Kapelle war (Hof*
Compon ist wird er in der Ueberschrift genannt, hiess
aber nicht so zu Salzburg), , gerichtet war. Der Brief
nimmt acht Quartseiten ein. Es wird ihm darin ge-
meldet« dass eine Gesellschaft dieses musikalische
WochenUatt schreiben will, und dass diese Briefe
immer au Personen von Verdienst gerichtet werden
sollen (so wie sie qs auch wirket an Eraanuel und
friedemanu Bach, Kirnberger, 'Marpurg, Zachariä,
Benda^ gönnte, heisst , die Gesellschaft
Jb,ey (diMem... Vorsatze einen ^ückH©hera
A/uf ang .als, :mit Ihnen machen? , 9
• j .Jn seinen J ) x 1 1 ' f\- 1 1 «in , tlio Frau und den Sohn
schildert er sich am besten. In Salzburg wird er als
satirischer; Humorist charakterisirt; Ejie Briefe be-
zcuflfeii dieses aucli. Alan muss das Glück unser«
einen Va-
ter gab, der .selbst mehr als gemeiner Musiker, ein
durch .ajlerley: Studien gebildeter Kopf war., und als
solcher die frühen Regungen des Genie's erkannte,
und sie nicht durch sein Verfahren unterdrückte«
sondern sie zu befördern wusste.
Leopold Mozart war mit Anna Bertlina (geboren
den 25. Dee. 1720), Pflege- Tb chtör von St. Gilgen,
seit dem %U Npy. 1743 verheirathet ; Beyde waren
von einer so vorteilhaften Körpergestalt, dass man
sie zu .ihrer Zeit für das schönste Ehepaar in Salz-
burg hielt, . ;.. : , 4, ,r . • 5
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<3
Er zeugte sieben Kinder, aber nur zwey blieben
am Leben; ein Madchen nnd ein Knabe. Der Sohn,
der im J. 1756 am 27. Jänner geboren ward, hiess
Johannes Chrysostomns Wolfgang Gottlieb oder Ama-
deus*), und die Schwester, die älter war, geboren
1751 den 29. August, hiess Maria Anna. Der Vater
hatte bisher jede Stunde, die er dem starken Hof-
dieöste abkargen konnte, bey seiner schlechten Be-
soldung, der Composition und dem Unterrichte im
Violinspielen weihen müssen. Freudig mit achtem
Künstlerstolze gab er Beydes auf, als er die treff-
lichen Anlagen seiner Kinder zur Musik bemerkte,
und sorgte ausschliesslich für ihre Bildung.
Der Vater, aufimerksam auf die frühzeitigen Ta-
lente Beines Sohnes, übernahm seine Bildung und
Erziehung bereits in den Jahren, wo man den Geist
der Kinder in Unthätigkeit schlummern lässt. '
Der Shakespeare der Musik hat Eines gemein
mitMengs, so drückt sich Hornmayer aus,} Eines,
was nicht Vielen zu Theil geworden ist : dass der'
Götterfunke des Genie's, in' den Tiefen seiner kind-
lichen Seele verborgen, mit allem Fleisse einer plan-
massigen , sorgsamen Erziehung ausgebildet wurde*
Ni<Sht in Torquato Tasso hat sich der Dichtkunst
heiliges Feuer früher -und entschiedener geäussert,
als bey Mozart die Spuren seines musikalischen Ge-
nie's. Die ersten Eindrücke, die sein Olir aüffasste,
■
Harmonieen und Gesang 5 die Musik die er-
*) Auf dem Titel »einer ersten Werte In Paria lind London
hei«t er J. G. Wolfgangs »päter iit er Wolfgang
Amadeus geworden.
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. sten Begriffe, die sich in seino Seele ergossen. So
und überall kamen die gründlichen Kenntnisse des
Vat cv3 dem aufkeimenden Talente entgegen» , . ,
war, ent-
sprach der väterlichen Unterweisung so gut, dass sie
in der Folge bey den Reisen der Familie die Be-
wunderung, die man dem Sohne zollte, durch ihre
Geschicklichkeit theilte, Sie machte 1762 bis 1768
mit ihrem Vater und Bruder die grosse Reise nach
Frankx*eich* Holland. England. "Wien. In den Jah-
Ken ihres ledigen Standes, die sie im väterlichen
Hause zubrachte, gab sie einigen jungen Frauenzim-
mern der Stadt Salzburg Unterricht im Clavierspie-
len. Sie verehelichte sich daun 1784 mit Freyherrn
Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg, Salz-
burgischem Hofrath und Pfleger zu St. Gilgen, wo
sie in anspruchsloser Stille ganz den schönen, Pflich-
ten der Gattin und der Mutter lebte, und gegen
20 Jahre glücklich verheirathet war. Als Wittwo
begab sie sjch 1801 wieder in ihre Geburtsstadt Salz-
burg zurück, und ertheilte Unterricht im Clavier-
spiele, welchen sie auch noch gegenwärtig (1826) in
ihrem 76sten Lebensjahre nicht ganz aufgegeben hat.
Viele und sehr vortreffliche Schülerinnen sind aus
ihrer Schule hervorgegangen, und noch jetzt findet
man dort die geschickten Schülerinnen der Nanette
Mozart durch Nettigkeit, Präcision und wahre Ap-
plicatur vor allen Uebrigen heraus.
Der Sohn war damals drey Jahre alt, als der
Vater seine siebenjährige Tochter auf dem ClavTere
zu unterweisen anfing. Der Knabe zeigte schon da
sein ausserordentliches Talent» Er unterhielt sich oft
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? Mozart:
Beilage zu Seite 15.
:.jcutU in. einer Jialbcu Slunde, No. 12. am
*J !e er im Jaiu 1762. No. 16. comp, er am
* "er tfra 16. Juli 1762. No. 20. comp, er am
Messet dedizirte Sonate, (SieJie Seite 64.)
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lange beym Ciavier mit Zusammensuchen und An-
schlagen der Terzen, und war entzückt, wenn es
ihm glückte, ein harmonisches Intervall zu treffen*
Als vierjähriger Knabe behielt er immer die brillanr
testen Solostellen der Concerte im Gedächtnisse. Im
vierten Jahre seines Alters fing sein Vater gleichsam
zum Scherze spielend an, ihm einige Menuets und
andere Stüqfce *) zu leliren. Zu einer Menuett
brauchte er eine lialbe Stunde, zu einem grössern
Stück eine Stunde, um es zu lernen, und es dann
mit der vollkommensten Nettigkeit und mit dem
festesten Takte zu spielen. Von nun an machte er
solche Fortschritte, dass er in seinem fünften Jahre
schon kleine Stücke componirte, die er seinem Va-
ter vorspielte und von diesem zu Papier bringen
Hess.**)
In der Leipziger allgemeinen musikalischen Zei^
tung (1817) schreibt Professor Fröhlich auf Anlass
der grossen Symphonie Voglers : „Eine eigene Rich-
tung der Denk- und besonders der Gefiihlskraft hat
jedes Genie als eine reiche Mitgabe von der ^Natur
erhalten. Die Art hingegen, wie sich beyde ent-
wickeln und ausbilden , ja sogar oft eine eigene
.Wendung derselben, hängt häufig von den Lebens-
verhältnissen des Künstlers ab. Recensent hat das
Buch gesehen, worin die ersten Stücke, welche Mo-
" .\ Ol . H t.rr.\. • « • ' •
*) Von diesen, die der Vater in ein eigenea Buch schrieb, be-
sitze ich fcwÖif daraus abgeschrieben. " :
•*) Von diesen besitze ich ans demselben Buche fünf, wovon
dio »teste rom Jänner 176a und noch drey grössere aus
dem Jahre i763. Die Schwester beaitat das ganie Buch
und bewahret diese kostbare Reliquie auf.
1
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2art," dieser Heros der Tonkunst; in seinem vierten
Jahre lernte , nebst den ersten eigenen Versuchen
desselben in seinem fünften Jahre, von seiner eige-
nen Hand geschrieben (nicht alle), enthalten sind.
So wenig Interesse lur die Kunst selbst diese kleinen
Arbeiten von wenigen Zeilen haben mögen, so zeigt
sich doch darin die eigentümliche Richtung dieses
grossen Geistes, angeregt durch jene in seinen Ue-
bungsstucken enthaltene Form, welche er aber mit
seiner Eigenheit in diesen ersten Versuchen gestal-
tete, und dann, in der Folge, bis zu der erstau-
nenswerthen Höhe ausbildete/1
• • •
Vor der Zeit, ehe er Musik kannte, war er,* sei-
_____ * ■
nein lebhaften Temperamente nach, für jede Kinde-
rey, wenn sie nur mit eiuem wenigen Witze gewürzt
war, , so empfänglich, dasS er darüber Essen und
Trinken und alles Andere vergessen konnte. Ueber-
all zeigte sich ein liebendes, zärtliches, lebhaftes Ge-
fühl in ihm, so dass er die Personen, die sich mit
ihm abgaben, oft zehnmal an einem Tage fragte,
ob sie ihn lieb hätten ? und wenn man es ihm im
Scherze verneinte, sogleich die hellen Thränen im
Auge zeigte. Aber von der . Zeit an, wo er mit der
Musik bekannt wurde, verlor er allen Geschmack an
den gewöhnlichen Spielen und Zerstreuungen der
Kindheit, und wenn ihm ja noch diese Zeitvertreibe
gefallen sollten, so mussten sie mit Musik begleitet
seyn. Wenn z. B. er und ein gewisser Freund *)
*) Andreas Sehachtner , Hoftrompeter m Salzburg, der auch ein
wiwenschaOlich gebildeter Mann und roriügiich guter Dich-
ter war.
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vom Hause, der sich viel mit ihm abgab, Spielzeug
aus einem Zimmer in's andere trugen, niusste allemal
derjenige von beyden, der leer ging, einen Marsch
dazu singen, oder auf der Geige spielen. Sein Ton-
sinn behielt nun die Oberherrschaft.
Er war in diesen Jahren überaus gelehrig, und
er begriff zu gleicher Zeit auch andere Wissenschaf-
ten 5 so machte ihn der mit dem Ton- und Farben-
sinne so innig verbundene Zahlensinn in der Folge
zu einen der geübtesten Rechenmeister, welcher
"Wissenschaft er sich eine Zeit lang mit demselben
umfassenden Eifer wie der Tonkunst widmete, so
dass er darüber alles Andere, selbst die Musik, auf
einige Zeit zu vergessen schien« Als er z. B. rech-
nen lernte, waren Tisch, Sessel, Wände, ja sogar
der Fussboden von ihm mit Kreide voll Ziffern ge-
schrieben. Er war im Ganzen voll Feuer, und hing
jedem Gegenstande leicht an 5 er wurde daher in
Gefahr gewesen seyn, auf schädliche Abwege zu
geralhen, wenn ihn nicht seine treffliche Erziehung
dafür geschützt hätte. Aber bald war es wiederum
die Musik, von der seine Seele voll war, und mit
der er sich unablässlich beschäftigte. Mit Riesen-
schritten ging er darin vorwärts, so dass selbst sein
Vater, der doch täglich um ihn war und jede Stufe
der Fortbildung bemerken konnte, oft davon über-
rascht und darüber, wie. über ein Wunder, in Er-
staunen gesetzt wurde. f .
Ja, wunderbar waren seine Anlagen, und die
Entwickelung und Aeusserung seines Genie's schritt,
den grössten Erwartungen vor. In der That war die
ausserordentliche Fertigkeit, die er auf dem Chi viere
8
1
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!
<8
besass, und die tiefe Einsicht in die Kunst, in einem
Alter, wo Kinder sonst noch gewöhnlich keinen
Kunsttrieb äussern, erstaunend und über alle Vor-
stellung. Was man ihn lehren Wollte, davon schien
sein Geist dunkle Ahnungen gehabt zu haben, die
zur völligen Deutlichkeit nur einer Erinnerung be-
durften.
Unser Mozart hatte als Knabe nocli keine Kennt-
nisse der Composition, gleichwohl verfiel er auf den
Gedanken, ein Clavierconcert zu compohiren. Konnte
er auch kein wirkliches Kunstproduct liefern, so
zeigte er doch einen kindischen Versuch für das,
was -er werde leisten können, wenn seinem Talente
die Regeln der Kunst zu Hülfe kämen. Er strich
aus, wischste und klekste so lange an dem Mach-
werke, *bis er glaubte es vollendet zu haben. Als
sein Vater aus der Kirche mit einem Freunde nach
Hause zurück kam , trafen sie den kleinen Wolfgang
mit der Feder beschäftigt au. Was machst Du denn
da? fragte ihn sein Vater.
Wolfg. Ein Concert für das Ciavier 5 der erste
Theil ist bald fertig. ' '
, Vater. Lass sehen, das muss was Sauberes seyn.
Wolfg. Nein, es ist noch nicht Fertig.
Der Vater nahm es ihm weg und zeigte seinem
Freunde diess Geschreibsel, das man vor Klecksen
kaum lesen konnte, indem es grösstenteils auf aus-
gewischte Dintenflecke hingeschrieben war; denn der
Kleine hatte allemal mit der Feder bis auf den -Grund
des Dintenfasses getaucht, und so musste denn der
Feder immer ein Fleck entfallen, den er dann mit
der flachen Hand wieder auswischte und immer wic-
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1
1!)
der darauf fortschrieb. Beyds Freunde lachten
fangs über diesen GalimaÜxias von Noten* Als aber
der Vater die Composition selbst mit Aufmerksam-
keit betrachtete, blieb sein Blick lange starr auf das
Blatt geheftet, bis endlich helle Thränen, Thränen
der Bewunderung und der Freude, seinen Augen
entfielen. Es waren nämlich Gedanken darin be-
merkbar, die weit über seine Jahre gingen* „Sehen
Sie, Freund," sagte er mit Rührung und Lächeln,
„wie Alles richtig und nach der Regel gesetzt ist 5
nur kann man es nicht brauchen, weil es so ausser-
ordentlich schwer ist, dass es kein Mensch zu spielen
...... r I ..... T
im Stande wäre." — „Dafür," fiel der kleine Wolf-
gang ein, „ist es auch ein Concert; man muss so
lange exerciren, bis man es herausbringt. Sehen Sie,
so muss es gehen.u Er fing nun an zu spielen,
konnte aber auch nur so viel herausbringen, dass
man sali, welches seine Ideen gewesen waren. Denn
er hatte sich damals den Begriff gebildet, dass, Con-
cert spielen und Mirakel wirken einerley seyn müsse 5
darum war sein Aufsatz von zwar grösstenteils rieh-"
tigen, aber so schwer zusammengesetzten Noten, dass
es selbst jedem Meister unmöglich war, sie zu spie-
len. Uebrigens war das Concert mit Trompeten nnd
Pauken und Allem, was sich blasen und geigen lässt,
Zu dieser Zeit hatte es der Knabe in der Musik
schon so weit gebracht, dass der Vater ohne Beden-
ken auch das Ausland zum Zeugen der ausserordent-
lichen Talente seines Sohnes machen konnte.
• »■
...... ,:t
• • j.
•v * 1
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30
I,te ' Reise des Vaters mit dem Sohne und der
Tochter nach München.
Die erste Reise, die der Vater mit den beyden
Kindern unternahm, war nacli München im J. 1762
den 12» Januar, wo also unser Mozart noch nicht
das sechste Jahr vollendet hatte. Von dieser ersten
Reise sind weiter keine Nachrichten vorhanden, ab
dass sie dort drey Wochen geblieben, wo Wolfgan^
vor dem Churfursten ein Concert spielte, und mit
seiner Schwester die grösste Bewunderung einerntete.
Als sie nach Salzburg zurückgekehrt waren, und
beyde Kinder nun täglich vollkommener auf dem
Claviere wurden, ging die gesammte Familie im
Herbste, den 19« Sept. 1762, also auch im sechsten
Altersjahre Mozarts, nach Wien, wo die beyden
kleinen Virtuosen dem kaiserlichen Hofe vorgestellt
wurden.
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*
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. ■ . ?* * 1 • •»
II* Reise des Väterd mit den beyden Kindern
• » - 1 1 > • • i
nach Wien.
\ Schon während der Reise nach Wien schrieb
der Vater an den Kaufmann Hagenauer nach Salzr
burg unter andern Folgendes i
(Leopold Mozarts Brief No. i.)
- •
Linz, 3. October 176a. J
Haben Sie nicht geglaubt, wir wären schon iu
Wien, da wir doch noch in Linz sind? Morgen,
wenn Gott will, gehen wir dahin ab. Wir
wären schon in Wien, wenn wir nicht in Passau
fünf ganze Tage hätten sitzen müssen. Diese Ver-
zögerung, woran der dasige Bischof Schuld war, ist
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*
mir um achtzig il. Schade, die 'ich in Linz einge-
nommen hätte, wenn ich früher gekommen wäre,
da ich mich nun mit etlichen vierzig fL begnügen
jnu. ss, die mir aus dem' vorgestern gegebenen Con-
certe geblieben sind. Wolfgang hatte die Gnade,
sich bey dem erwähnten Fürsten zu produciren, und
dafür bekam er einen ganzen Ducate^n.
In Passau waren wir den 20« September ange-
kommen. Am 26. Sept. reisten wir mit dem Dom-
herrn Grafen Ilerberstein hielier, ^uid trafen an dem-
selben Tage ein, Die Kinder sind lustig und überall
wie zu Hause. Der Bube ist mit allen Leuten, be-
sonders mit Offizieren, so vertraulich, als wenn er
sie schon seine ganze Lebouszeit hindurch gekannt
hatte. Meine Kinder seyn übrigens alle in Verwun-
derung, sonderheitlich der Bube.
Graf Herberstein und G raf Schlick , der hiesige
Laudeshauptmann, wollen uns in Wien einen grossen
Lärm vorangehen lassen. Allem Ansehen nach wer-
den unsere Sachen gut gehen. Gott erhalte uns nur,
wie bisher, gesund« Ich bitte Sie, auf unsere Inten-
tion vier heilige Messen zu Maria- Piain *) zu ver-
■
austalten.. und zwar so bald es möglich ist,
(Leopold M. Brief No. 2.) " %
Wien, iG. Oc;tbr. 176a.
I mm m a * # %#
t * • • •
Am Fesle des heil. Franziscus sind wir von Linz
abgereist und in Matthatisen angelangt. Den folgen-
den (Dienstag) Erchtag kamen wir nach Ips, wo zvvey
Miuoriten und ein Beuedicliner, die unsere Wasser-
•) Ein berühmter, eine kleine Stunde ron der Stadt cnüegoner
/ Wallfalirlsoit.
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reise mitgemacht hatten, heilige Messen lasen, unter
welchen unser Woferl *) sich auf der Orgel so her-
um tummelte und so gut spielte, dass die Franzis-
caner Patres, dio eben ; mit einigen Gasten an der
Mittagstafel sassen, sammt ihren Gästen das Essen
verliessen, dem Chöre zuliefen und sieh last zu Tode
wunderten. Nachts waren wir zu Stein, und am
Mittwoch langten wir hier an. Auf der Schänzel-
mautli wurden wir ganz geschwind abgefertigt, und
von der Hauptmauth gänzlich dispensirt. Das hat-
ten wir unserm Herrn Woferl zu danken, denn er
machte sogleich Vertraulichkeit mit dem Mauthner,
zeigte ihm -das C lavier,« machte seine Einladung,
spielte ihm auf dem Geigerl ein Menuett.
Bis jetzt sind wir, trotz des abscheulichsten Wet-
ters, schon bey einer Akademie des Grafen Collalto
gewesen , und die Gräfin SinzendorfF hat uns zu dem
Grafen Wilschegg und den 41. zu dem Reichs- Vice-
kanzler Grafen von Colloredo gefuhrt, wo wir die
ersten Minister und Damen zu sprechen die Gnade
hatten, namentlich den ungarischen Kanzler, Grafen
Palffy, den böhmischen Kanzler, Grafen Chotek, den
Bischof Esterhazy. Erwähnte Gräün ist sehr für uns'
bemüht, und alle Damen sind in meinen Buben ver-
liebt. Nun sind wir schon aller Orten in Ruf. Als
ich am 10. October in der Oper war, hörte ich den
Erzherzog Leopold aus seiner Loge in eine andere
hinüber erzählen: es sey ein Knabe in Wien, der
das Ciavier so trefflich spiele etc. Selbigen Abend
um ii Uhr erhielt ich Befehl, am 12« nach Schön-
•) d. K. Wull'gang.
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23
«
braun zu kommen. Am folgenden Tage ward ich
aber auf den 13. bestellt, weil am ±% der Maximi-
lians- und folglich ein Galla -Tag wäre, und man
die Kinder in Bequemlichkeit hören will. Alles er-
staunet ob dem Buben, und ich habe noch Niemand ,
von ihm sprechen hören, der nicht sagte, dass seine
Fähigkeit unbegreiflich ist. Der Baron Schell be-
müht sich sehr für mich, und erkennt mit dankba-
rem Gemüthe die Güte, die er in Salzburg genossen
hat, welches ich dem gnädigen Herrn Chiusolis an-
zuriihmen bitte; ich .hatte an ihn ein Schreiben von
dem Grafen Daun zu meinen Gunsten. Er macht
mir gute Hoffnung, und es scheint, dass er es darf,
da der Hof uns zu hören verlangt hat, ehe wir uns
gemeldet haben. Dieses ist so zugegangen : Ein jun-
ger Graf Palffy ging durch Linz, als eben unser
dortiges Concert anfangen sollte. Er wartete der
Gräfin Schlick auf, die ihm von dem Knaben er-
zählte und ihn bewog, die Post vor dem Rathhause
halten zu lassen und mit ihr in das Concert zu ge-
hen. Er horte es mit Erstaunen an und machte bey
seiner Anherkunft die Erzählung dem Erzherzoge
Joseph, der sie der Kaiserin wiederholte. So bald
es nun bekannt war, dass wir in Wien wären, er-
ging der Befehl an uns, bey Höfe zu erscheinen. —
Ich hätte Ihnen sogleich berichtet, wie unsere Er-
scheinüiig ausfiel, wenn wir nicht schnurgerade von
Schönbrunn zum Prinzen von Hildburghausen hät-
ten fahren müssen. Es überwogen solchergestalt sechs
Ducaten das Vergnügen, Ihnen unverzüglich zu schrei-
ben. Noch heute lässt mir die Zeit nicht zu, Ihnen
mehr zu sagen, als dass wir von den Majestäten so
?4
ausserordentlich gnädig aufgenommen worden bind,
dass man meinen Bericht für eine Fabel halten würde.
Der Woferl ist der Kaiserin auf den Schoos« ge-
sprungen , hat sie um den Hals genommen und recht-
schaffen abgeküsst« Wir sind von 3 bis 6 Uhr bey_
ihr gewesen, und der Kaiser kam selbst in das zweyto
Zimmer hinaus, mich Ii ine in zu holen, um die In*
fantin auf der Violine spielen zu hören. Gestern,
als am Theresien-Taae. schickte die Kaiserin uns
durch den geheimen Zalilmeister, der in Gala vor
unsere Wohnung gefahren kam, zwey Kleider, eins
für den Buben, eins für das Mädel. Der geheime
Zahlmeister wird sie immer nach Hofe abholen.
Heute Nachmittag müssen sie zu den . zwey jüngsten
Erzherzögen , dann zu dem genannten Grafen Palffy,
Gestern sind wir bey dem Grafen Kauniz und vor-
gestern bey der Gräfin Kinsky und dem Grafen
Udefeld gewesen. (
(Leopold M. Brief No. 3«)
Wien, ig. October 1762.
— _ *_ Heute wurde ich zum geheimen
Zahlmeister gerufen. Er empfing mich mit der gröss-
ten Höflichkeit und fragte im Namen des Kakers:
ob ich mich nicht hier noch einige Zeit aufhalten
könnte? Meine Antwort war: dass ich mich Seiner
Majestät zu Füsson legte. Der Zahlmeister händigte
mir darauf 100 Ducaten ein, mit dem Beysatze: dass
Seine Majestät uns bald wieder rufen werden. Ich
mag es betrachten, wie ich es immer will, so sehe
ich vor, dass ich vor dem Advent kaum nach Hause
komnieu werde 5 allein ich werde schon vorher noch
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wegen Verlängerung der Erlaulmiss bitten. Denn
ich muss, wenn ich auch in vierzehn Tagen oder
drey Wochen von hier weggehen könnte, wegen der
Kinder langsam reisen, damit sie zu Zeiten ein paar
Tase ausruhen und nicht krank werden*
» , | * ' .
Heute waren wir bey dem französischen Bot-
wir zu einem Grafen
Harrach. Aller Orten werden wir durch die herr-
schaftlichen Wagen , mit einem Bedienten abgeholt
und zurückitefuhrt. Von sechs bis neun Uhr sind
wir für sechs Ducaten zu einer grossen Akademie-
veraecordirt, wobey die grössten Virtuosen, die der-«
mal in Wien sind, sich produciren werden? Man
bestellt uns viej , fünf, sechs, bis acht Tage voraus,
um nicht zu spät zu kommen 5 so bey dem Oberst-
Postmeister, Grafen Paar, auf den Montag. Einmal
sind wir um halb drey bis gegen vier Uhr an einem
■ ■
Orte gewesen. Da liess uns der Graf Hardegg mit
seinem Wagen holen und zu einer Dame in vollem
Galopp fuhren, wo wir bis halb sechs Uhr blieben;
dann ging es zum Grafen Kauniz, bey dem wir bis
gegen neun Uhr waren»
Wollen Sie wissen , wie des Woferls Kleid aus-
sieht? Es wt vom feinsten Tuche, lillafarben; die
Weste von Moir, nämlicher Farbe; Rock und Ca-
misol mit doppelten und breiten Gold -Borten. Es
war für den Erzherzog Maximilian gemacht. Der
Nannerl ihr Kleid war das Hofkleid einer Erzher-
zogin. Es ist weiss brochirter TafFent, mit allerhand
Garnirungcn. — — ' ' *
. (LeopoWM. BrUf Np. M ' .
• , % Wien, 5o. October 176a.
OT mm mmi .mm Glück und Glas, wie bald bricht
ein Essigkrug l Ich dachte e& fast, dass wir vierzehn
Tage nach einander zu glücklich waren« Gott hat
uns ein kleines Kreuz zugeschickt, und wir danken
seiner unendlichen Güte, dass es noch so abgelaufen
ist* Den 21. waren wir Abends um sieben Uhr aber-
mals bey der Kaiserin. Woferl war schon nicht
recht wie sonst. Später zeigte es sich, dass der
Woferl eine Art Scharlach - Ausschlag hatte. Die
Herrschaften1 -hatten wicht nur die Gnade, sich tag-
lieh um die Umstände des Buben erkundigen zu las-
sen, sondern sie empfahlen ihn auf das Eifrigste dem
Arzte der Gräfin Sinzendorf,' Bernhard, der auch
sehr besorgt war. Jetzt nähert sich die Krankheit
sehr dem Ende. Indessen ist sie mir, gering gerech-
net, fünfzig Ducaten Schade. Ich bitte, dass drey
heilige Messen zu Loretto bey dem heiligen Kindel,
und drey dito in Bergl bey dem heil. Franz de Paula
gelesen werden mögen.
(Leopold M. Brief No. 5.)
. * * Wien, 6. November 170a.
Die Gefahr meines Woferls und meine Angst
sind, Gottlob! Überständern Gestern liaben wir uu-
sern guten Arzt mit einer Musik bezahlt. Einige
Herrscliaften liaben indes* zu uns geschickt, um sich
nach WolfgÄiigerl zu erkundigen und ihtn zum Na-
menstage Glück zu wüuschen. Das war aber auch
Alles; nämlich der Graf Ferdinand Harrach, Graf
Palify, der französische Botschafter, Gräfin Küasky,
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I
-22-
Baron Prohmann, Baron Kurz, Gräfin Paar. Wäre
er nicht schon bald vierzehn Tage zu Hause gewe-
sen, so würde es nicht ohne Geschenk© abgegangen
seyn. Jetzt müssen wir sehen, dass die Sache wie-
der in ihren Gang kommt, dor reclitschaffen gut
• • . .
• • • *
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• • • • ; t
■ ' »(Leopold M. BrkfNö. 6.) > \ ' *
* '* : Wi©«,' io. November 1^6 ! '
■ — — Beyliegende Reime bürden
mir in dem Concerte, das gestern bey der Marquisin
Pacheco war, von dem Grafen Collalto überreicht;
• • • • i
ein gewisser Pußendorf hat sie bey Anhörung mei-
nes Buben niedergeschrieben.
Auf den kleinen sechsjährigen Clavieristeu
aus Salzburg.
• » . .
• i * " -
Wie ii, den 25. December 1763.
•
Ingenium coeleste suis velocius annis
Surgit , et ingratae fert male damha morae\
Bcwtitid^rtingÄWcrthcs KincH, tlcss FcrtigVeft man prcw't,
Und Dich den kleinsten, doch den gröasten Spieler heisst,
Die Tonkunst hat für Dich nicht weiter viel Beschwerden:
Du kannst in kurzer Zek der gTÖsste Meister werden ;
Nur wünsch» ich, dass Dein Leib der Seele Kraft aussteh',
Und nicht, wie Lübeck'« Kind»), zu früh eu Grabe geh».
•) Dieses Wunder von einem gelehrten Kinde, welches gana
Deutschland vou sich reden gemacht, und in soinem sechsten
Jahre viele Sprachen und Wissenschaften in seiner Gewalt
>, starb BMi etlichen Jahren, und bewies leider mit
Beyspielo den GnmdsaU; Fructus t**4 idetn diutur*
nus ac praecox nequit.
• • •» . Puff end&rf.
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2ft 1
-
ti / (LcopoJd M, Brief No. 7.)
-r . ■ . • ' Wien, den a4. November 17G2.
— — — Wir müssen mit Geduld abwar-
ten, unsere Sachen in den guten alten Gang bringen
zu können. Es furchtet sich nämlich die hiesige
Noblesse sehr vor Blattern und allen Gattungen de*
Ausschlags. Folglich hat uns die Krankheit des Bu-
ben fast vier Wochen zurückgeschlagen. Denli, ob-
wohl wir, seitdem er gesund ist, 21 Ducaten einge-
nommen haben, so ist's doch nur eine Kleinigkeit,
weil unsere Ausgaben taglich nicht unter einem Du-
caten zu bestreiten sind. Unterdessen leben wir sonst
guten Muthes. Die Gräfin Theresia Lodron hat uns
mit ihrer Loge bedient, und meinem Woferl Schuh-
schnallen verehrt, die goldne Platten haben. Am
Elisabeth tage haben wir die Gallatafel gesehen. Die
Ehren und Gnaden, die uns da von der Noblesse
widerfahren sind, waren ausnehmend, und es kann
Ihnen genügen, zu wissen, dass die Kaisenn mich
von der Tafel weg augerufen, ob der Bube nun
recht gesund scy. Boy dem Capelimeis ter Reitter
und Herrn v. Wohlau siud wir für immer eingehe
den 5 allein es möchte der Gesundheit meiner Kinder
schädlich seyn, oft davon zu profitireu. —
• vi
. (Wl»old M- Brief No. 8.) .
Wien, den 39. December 176a.
Wir sind von einer Reise nach Pressburg zurück,
die wir am H. angetreten hatten. Da dio Gräfin
Leopold Kinsky täglich sich nach uns hatte erkun-
digen lassen, so eilte ich bald zu ihr. Sie hatte mit
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Schmerzen auf uns gewartet, und eine Tafel verscho-
ben, die sie dem Feldmarschall Daun geben wollte,
der uns zu kennen wünschte. Diese Tafel ist geger-
ben, und am Frey tage kehre ich zu Ihnen zurück.
Eine verehrungswürdige Dame, die damals am
Hofe war, versicherte mich (schreibt Professor
Niemtscheck ) , dass beyde Kinder ein allgemeines
Erstaunen erregt haben; man konnte kaum seinen
Augen und Ohren trauen, wenn sie sich producirten.
Vorzüglich, hat der verewigte Schätzer der Künste,
Kaiser Franz L, an" dem kleinen Hexenmeister
(wie er ihn scherzweise nannte) viel Wohlgefallen
"gefunden. Er unterhielt sich vielmal mit ihm. l-
Kaiser Franz sagte unter andern im Scherze
zu dem Sohne: „es sey keine Kunst, mit allen Fin-
gern zu spielen; aber nur mit einem Finger und
auf einem verdeckten Claviere zu spielen, das würde
erst Bewunderung verdienen." Anstatt durch diese
unerwartete Zjumutnimg betroiien zu werden, spielte
der Kleine sogleich mit einem Finger so nett, als es
möglich ist; Hess sich auch die Claviatur bedecken,
und spielte dann mit solcher bewunderungswürdigen
Fertigkeit, als wenn er es schon lange geübt hatte.
Das Lob der Grossen machte schon als Kind keinen
solchen Eindruck auf ihn, um darauf stolz zu wer-
den. Schon in seinen damaligen Jahren spielte er
nichts als Tändeleyen und Tänze, wenn er sich vor
Personen musste hören lassen, die nichts von Musik
verstanden.
Er zeigte hier schon immer des Künstlers Selbst-
gefühl und war von Ruhmredigkeit und Verlegen-
Digitized
30
heit gleich weit entfernt. Hingegen war er allezeit
ganz Feuer und Aufmerksamkeit, wenn Kenner zu-
gegen waren ; desshalb musste man ihn oft hinter-
gehen und seine vornehmen Zuhörer für Kunstver-
ständige ausgeben. Als sich der sechsjährige Knabe
beym Kaiser Franz I. an das Ciavier setzte, und
er vielleicht merkte, dass er Von lauter Hofleuten
umgeben wäre, die er nicht für Kenner kannte oder
hielt, saute er zu dem Kaiser: ..Ist Herr Wacenseil
nicht hier? Der soll herkommen $ der versteht es."
Der Kaiser liess darauf Wagenseil an seine Stelle .
ans Ciavier treten, zu dem nun der kleine Mozart
sagte: „Ich spiele ein Concert von Ihnen 5 Sie müs-
sen mir umwenden. *)
Von dieser Reise hat man noch folgende Anek-
dote. Als der Knabe einst hey der Kaiserin war,
führten ihn zwey der Erzherzoginnen, unter welchen
•\ Zu dieser Anekdote Esst eich folgende, freylich fn eine viel
; spätere Zeit gehörende, anführen. Mozart* Gattin hatte
einen Hund , der ihr sehr zugethan war. Auf einem Spazier-
gange im Auga-ftcn scherzten sie vor dem treuen Thiere,
und sie sagte: „Thno nur,: als wenn Du mich schlü-
gest." Als Mozart 4»Q** that, trat der menschenfreundliche
Kaiser Joseph aus seinem Sommerhause: Ey, ey, drey
\vVehen erst verheirathet, und schon Schläge!44
. Mozart erzöilt» den Zusammenhang und der Kaiser lachte.
. In der. Unterredung, die er fortsetzte, fragte er Mozarten:
„Erinnern Sie sich noch der Anekdote mit Wagenseil?
und wie ich Violine spreite und Sie unter den Zuhörern im
. Vorzimmer bald Pfui, das war falsch! bald Bravo riefen?"
Ein ander Mal (1785), als viel von der unglücklichen
Heirath der Madame Lang (Schwester der Mozart) öffentliche
Rede war, und der Kaiser der Mozart begegnete, sagte er zu
ihr: „Was für ein Unterschied ist's, einen liebenden Mann
zu haben I" —
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st '
- ^
die nachmalige unglückliche Königin von Frankreich,
\m Antoinette, war, herum. Er fiel auf den, ihm
ungewohnten , geglätteten Fusshoden. Die eine der
Prinzessinnen machte sich. nichts daraus; die andere,
Marie Antoinette, hob ihn auf und that ihm
gütig. Er sagte zu ihr: „Sie sind brav? ich
will Sie heirathen.44 Sie erzahlte das der Mut-
ter, und als diese den Wolfgang fragte, wie ihm
dieser Entschluss käme, antwortete er t „Aus Dank-
barkeit; sie war gut gegen mich, während
ihre Schwester sich um nichts beküm-
merte.*4 . : ' t ' . x
Bis jetzt hatte Mozart bloss das Ciavier gespielt,
v und es schien, als wenn man bey der beyspiellosen
Fertigkeit, mit welcher er für seine Jahre dieses In-
strument behandelte, an einen Knaben keine Forde-
rung, auch andere Instrumente zu spielen, wagen
dürfe. Aber der Geist der Harmonieen, der in sei-
ner Seele wohnte, kam allen Erwartungen und allem
N Unterrichte bey weitem zuvor. Er hatte aus Wien
eine kleine Geige mitgebracht, die er dort geschenkt
bekommen hatte, und auf der er, wicter Wissen des
Vaters, Fortschritte gemacht hatte. Kurz darauf,
als die Familie wieder nach Salzburg zurückgekehrt
war, kam Wenzl, ein geschickter Geiger und ein
Anfanger in der Composition , zu dem Vater Mozart
und bat sich dessen Erinnerungen über sechs Trio's
aus, die er während der Abwesenheit der Mozart'-
schen Familie gesetzt hatte.
• • • • » m * I
Schachtne», eili zur selbigen Zeit lebender Hof-
Trompeter in Salzburg, den der kleine Mozart be-
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sonders Lebte, war eben gegenwärtig. „Der Vater,"
so erzählt dieser glaubwürdige Augenzeuge, „spielte
mit der Viola den Bass, Wenzl die erste Violine,
und ich sollte die zweyte spielen. Der kleine Wolf-
gang bat, dass er doch die zweyte Violine spielen
dürfe. Aber der Vater verwies ihm seine kindische
Bitte, weil er nocli keine Anweisung auf der Vio-
line gehabt hätte und unmöglich etwas Gutes vor-
bringen könnte. Der Kleine erwiederte: dass, um
die zweyte Violine zu spielen, man es ja wohl
nicht erst gelernt zu haben brauche 5 aber sein Va-
ter hiess ihn halb unwillig fortgehen, damit er' uns
nicht weiter störe, Hierauf fing der Knabe bitter-
lich zu weinen an und lief mit seiner kleinen Geige
davon. Ich bat, man möchte ihn doch mit mir
spielen lassen. Endlich willigte der Vater ein und
sagte zu Wolfgang: Nun, so geige mit Herrn
Schachtner, aber so stille, dass man Dich
nicht hört; sonst musst Du gleich fort*
Wir spielten, und der kleine Mozart geigte mit mir.
Aber bald bemerkte ich mit Erstaunen, dass ich da
ganz übrig sey. Ich legte still meine Geige weg und
sah den Vater da,« an, dem bey dieser Scene Thrä-
nen der gerührten und bewundernden Zärtlichkeit
aus den väterlichen Augen über die Wangen rollten.
Wolfgang spielte so alle sechs Trio's mit Präcision
und Nettigkeit durch. Nach Endigung derselben
wurde er durch unsern Beyfall so kühn, dass er be-
hauptete, auch die erste Violine spielen zu können.
Wir machten zum Scherz einen Versuch und muss-
ten herzlich lachen, als er auch diese, wiewolil mit
lauter unrechten und unregclmässigen Applicaturen,
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» » — -
tpielte; doch aber so, dass er wenigstens nie ganz
stecken blieb." .
Von nun an zeigte es sich auch, dass das ganze
innere Seyn, die eigentliche Individualität des Kna-
ben, der Musik hingegeben und nur durch sie vor-
handen war; denn nur Musik beschäftigte ihn, nur
Musik war das Mittel, wodurch die Seele im Kör-
per «ich kund thaL Auch ist es schon aus dieser
Periode höchst bemerk ens werih und giebt uns über
den Charakter aller seiner Werke einen so höchst
befriedigenden Aufschluss , dass seinem Gehöre jeder
Missklang, ja sogar schon jeder rauhe, falsche, durch
Zusammenstimmung nicht gemilderte Ton ihn un-
willkürlich auf die Folter spannte. Die Zartheit
seiues Gehörs müss ausserordentlich gewesen seyn!
Finden wir die Wirkung von diesem, nur für das
Schöne der Kunst empfänglichen, Gemütbe nicht in
allen Werken Mozarts wieder? Herrscht nicht, trotz
der gewohnten Vollstimmigkeit, in jedem Takte der-
selben eine Klarheit, eine Lieblichkeit, die selbst in
ihren kühnsten Uebergängen und Fortschreitungen
auch dem ungebildetsten musikalischen Sinne zur
Wohllust wird.? Bewirkt nicht eben diese klare
Verständlichkeit der Mozart'schen Werke, dass sie
sammtlich ohne Ausnahme aufgeführt, gesungen und
von Jedermann mit gleichem Entzücken genossen
■
werden? ... .
In dieser Periode der Kindheit und fast bis iil
das zehnte Jahr hatte Mozart eine unbezwingliche
Apathie gegen die Trompete, besonders wenn sie
allein geblasen wurde, und es wirkte oft schon feind-
lich auf ihn, wenn man ihm ein solches Instrument
3
I
34
•
nur vorhielt. Sein Vater wollte ihm diese kindische
Furcht benehmen und befahl einmal, däss mau, trotz
•einer Bitten, auf ihn zu bliese. Aber gleich beym
ersten Stosse wurde er bleich und sank zur Erde,
und leicht hätte ihm etwas Aergeres widerfahren
können, wenn man das Schmettern nicht unterlassen
hätte. Um diese Zeit spielte er einmal auf der Geige
Schachfcners , dieses schon erwähnten Freundes des
Afozart 'sehen Hauses, und lobte sie sehr wecen ihres
sanften Tones , wess wegen er sie auch immer nur die
^uttergeige nannte. Einige Tage darauf traf Jener
den kleinen Mozart an, als er sich eben auf seiner
eigen en Geige u nter hielt. W as macht Ihre But-,
tergeige? fragte er ihn sogleich und fuhr dann in
seiner Phantasie fort. Endlich dachte er eine kleine
"Weile nach und sagte dann zu Schachtner: „Wenn
Sie Ihre Geige doch so gestimmt Hessen, wie sie
war, als ich das letzte Mal darauf spielte 5 sie ist um
einen halben Viertelten tiefer, als meine da." Man
lachte über diese genaue Angabe in einer Sache, wo
das geübteste Kennerohr kaum einen Unterschied zu
bemerken im Stande ist; aber der. Vater, der schon
mehrere Proben Von dem ausserordentlich zarten
Tongefuhl und von dem Gedächtnisse dieses Kindes
hatte, Hess die Geige holen und znm allgemeinen
Erstaunen traf die Angabe zu; /
Ungeachtet er täglich neue Beweise von dem
Erstaunen und , der Bewunderung der Menschen über
seine grossen Anlagen und seine Geschicklichkeit er-
hielt, so machten ihn diese durchaus nicht selbst*
süchtig, stolz oder eigensinnig, sondern er war ein
überaus folgsames und gefälliges Kind. . . . '
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3.5
Mozart hatte eine so zärtliche Liebe zu seinen
Eltern, besonders zu seinem Vater, dass er eine Me-
lodie componirte, dje er taglich vor dem Schlafen-
gehen sang, wozu ihn sein Vater auf einen Sessel
stellen und immer die Secunde dazu singen musste.
Wenn diese Feyerlichkeit vorbey war, welche kei-
nen Tag unterlassen werden durfte , kiisste er dem
Vater noch ein Mal mit innigster Zärtlichkeit die
Nasenspitze und sagte oft: wenn der Vater alt wäre,
würde er ilm in einer JCapsel, vorn mit einem Glase,
vor aller Luft bewahren , um ihn immer bey sich
un4 in Ehren zu halten. Auch während des Sin-
gens kiisste er bisweilen die Nasenspitze des Vaters,
und legte sich dann mit voller Zufriedenheit und
Ruhe zu Bette. Dieses trieb er bis in sein zehntes
Jahr. Die Worte waren ohngefahr: oragna ßgata
fa marina gamina fa.
Eine Redensart, die er häufig brauchte, war die:
Nach Gott kömmt gleich der Papa. Wahr-
scheinlich war diess nicht allein Ausdruck von Lie-
be, sondern auch von Bewunderung, weil er wusste,
dass der kluge Vater für Alles Rath schaffte.
Niemals bezeigte er sich unzufrieden über einen
Befehl meines Vaters, und wenn er sich gleich den
ganzen Tag hindurch Jiatte hören lassen müssen, so
spielte er doch noch Jedem ohne Unwillen vor, so
3*
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•bald es sein Vater wollte. Nie hat er sinnliche Stra-
fen verdient. Jeden Wink seiner Eltern verstand
und befolgte er, und er trieb die Anhänglichkeit an
sie so weit, dass er sich nicht einmal getrauete, ohne
Erlaubniss derselben auch nur das Geringste zu essen
oder anzunehmen, wenn ihm Jemand etwas bot.
Anch war er für seinen zarten Körperbau viel-
leicht zu fleissig. Man musste ihn oft mit Ernst von
dem Claviere treiben. Diese Vergessenheit seiner
selbst blieb ihm bis an sein Ende eigen. - Täglich
spielte und phäntasirte er am Fortepiano, wesshälb
man hier behaupten kann, dass das Genie seinen Ge-
genstand immer allmächtig mit ganzer Seele umfasste.
Am 9. Jun. 1763, also im siebenten Jahre seines
Alters, als Mozart nicht allein Blüthen, sondern auch
schon Früchte zeigte, machte die Mozart'sche Fami-
lie die erste grosse Reise ausser Deutschland, wo- .
durch nun der Ruhm dieses frühen Künstlers sich
* •
allgemein verbreitete.
. ...
IIIte Reise ausser Deutachland nach Paris, Lon-
don, Holland, oder die erste grosse Reise
genannt.
O Gloria del giovine maestro si sparse general-
mente dietro i passi suoi e fini in breve col precederli.
Schon aus Wasserburg in Baiern schrieb der Va-
ter an seinen Hausherrn , den Kaufmann Hagenauer :
(Leopold M. Brief No. 9.)
■ • • •
; Wasserburg, ^en 11. Jtin. 1763.
— — — — — Um uns zu unterhalten, sind
wir auf die Orgel gegangen, und ich habe dem Wol-
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37
- J_ ■ .
ferl das Pedal erklärt. Er legte gleich steinte pede
Probe abdrückte den Schemel hinweg, präambulirto
stehend und trat das Pedal dazu, und zwar so, als
wenn er es schon viele Monate geübt hätte. Alles
gerieth in Erstaunen, und es ist eine neue Gnade
Gottes, die Mancher nach vieler Mühe erst erhält.
.r.
. . i
Sie kamen den 12. Juuius in München an, wo
der junge Mozart boym Churfiirsten ein Concert auf
der Violine spielte und zwischen den Cadenzen aus
dem Kopfe präambulirte. Das Weitere erzählt uns
der Vater.
pf« ff (Leopold M. Brief No. ioJ.
München, den ai. Jun. 1763.
— — — — Am i2. angekommen. ,Am fol-
genden Tage fuhren wir nach Nymphenburg. Der
rrmz von Zweibrücken, der uns von Wien kannte,
sähe uns vom Schlosse aus im Garten spazieren und
gab uns ein Zeichen vom Fenster. Nachdem er Vieles
mit uns gesprochen hatte, fragte er: ob der Chur-
fürst wüsste, dass wir hier wären? Auf unsere ver-
neinende Antwort schickte, er gleich einen neben ilun
stehenden Cavalier mit der Fräse zum Churfürsten:
oh er die Kinder mcht hören wollte? In der That
kam bald ein Läufer mit dem Befehle, dass wir um
acht Uhr bey der Musik erscheinen sollten, — Der
YVolferl machte seine Sachen cut. Au den folgenden
beyden Tagen waren wir bey dem Herzoge Clemens,
Nun hat es Hitze, wie wir von hier weiter kommen,
da der Gebrauch hier ist, lange warten zu lassen, so
dass man froh seyn muss, das zu bekommen, was
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man verzehrt. Am 18. speis'te der Churfiirst in der
Stadt. Wir gingen zur Tafel. Er* seine Schwester
und der Prinz von Zweibrucken unterhielten sich mit
uns die ganze Tafel durch. Ich liess den Buben sa-
gen: dass wir morgen abreisen. Der Churfiirst be-
zeugte zwey Mal, dass es ihm leid wäre, das Mädel
nicht gehört zu haben. Bey dem Zweyten Male er-
wiederte ich: dass es nicht darauf ankäme, noch ein
paar Tage zu bleiben. Bey dem Herzoge wercle ich
nicht eigentlich aufgehalten, allein er erwartet zu
sehen, was der Churfurst giebt. Herr Tomasini hat
Ursache, mit Letzterem übel zufrieden zu seyn.
Nachdem er sich zwey Male producirt hatte, musste
er lange warten und hat endlich nur acht Maxd'or
bekommen. Der Herzog hat ihm doch eine schöne
goldne Uhr gegeben. Ueber den Churfursten habe
ich mich nicht zu beklagen. Er ist gnädigst. Er
sagte mir gestern: Wir sind schon alte Bekannte,
denn es wird neunzehn Jahre seyn, dass wir uns
kennen. Aber die Apost6ln denken Jeder an sich
selbst und den Beulel. Wir haben hier zwey
sächsische Käthe, Messrs. de Bose und Üopfgarten,
kennen gelernt, die die artigsten Leute sind.
N. S. Nun sind wir expedh t. Von dem Chur-
Kirsten habe ich 100, von dem Herzoge 75 fiV be-
kommen. — ■ Die Nannerl hat mit dem grössten Ap-
plaus bey beyden dieser Herrschaften gespielt und
sie haben uns bey der Beurlaubung eingeladen, bald
wieder zu kommen. Der Prinz von Zweibrucken
will uns in Manheim selbst ansagen. Der Herzog
Clemens hat uns an den Churfursten von der Pfalz
ein Empfehlungsschreiben gegeben. — — —
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Die Salzburg»- Zeitung vom 19. July 1763 eut-
lüUt hierüber Folgende« :
<
• - Augsburg, den 9. July.
Vorgestern ist der Salzburgische Vice -Kapell-
meister Li. Mozart mit seinen zwey bewuriderungs-
werthen Kindern von hier nach Stüttgard abgeregt,
um seine Reise über die gfössten Höfe Deutschlands
nach Frankreich und England fortzusetzen. Er hat
den Li wohnern seiner Vaterstadt das Vergnügen ge-
macht, die Wirkung der ganz ausserordentlichen
Gaben mit anzuhören, die der grosse Gott diesen
zwey lieben Kleinen in so grossem Maasse mitge-
theilt und deren der Herr Kapellmeister sich mit so
unermüdetem Pleisse als ein wahrer Vater bedient
hat, um ein Mägdlein von eilf und, Was unglaublich
ist, einen Knaben von sieben Jahren als ein Wunder
unserer und voriger Zeiten auf dem Clavecm der
musikalischen Welt darzustellen. Alle Kenner ha-
ben dasjenige, was ein Freund vdn Wien ehedem
von diesen berühmten Kindern geschrieben und in
den allhiesigen Intelligenz -Zettel ist eingerückt wor-
den, so unglaublich es schien, nicht nur wahr, son-
dern noch weit bewuudemngswertlier gefundeu.
(Leopold M. Brief Nu, w.)
Ludwigs bürg, den Ii. Jnly 1763.
Augsburg liat mich lange aufgehalten und mir
wenig genutzt, weil Alles hier ungemein theuor ist.
Was in die Concerte k.am , waren fast durchaus Lu-
theraner. • •
Wir verliesseu Augsburg am 6. Als wir über
Ulm nach Plochingen gekommen waren, hatten wir
• 40
die Fatalität, zu erfahren, dass der Herzog nach sei-
nem Jagdschlosse Grafenegg reisen wollte. Wir be-
gaben uns dalier, statt nach Stuttgard, gleich über
Canstadt hieher, um den Herzog noch anzutreffen.
Am 10. sprach ich mit dem Ober -Kapellmeister Jo-
melli und dem Ober- Jägermeister Baron Pöllniz, an
die ich Briefe von dem Grafen Wolfegg hatte; al-
lein es war nichts zu machen. Auch Iii'. Toraasini,
der kurz zuvor hier war, kam nicht dazu, sich hö-
ren zu lassen. Zudem hat der Herzog die schöne
Gewohnheit, die Künstler lange- warten zu lassen,
bis er sie beschenkt. Ich sehe die ganze Sache ala
ein Werk des Jomelli an, der sich alle Mühe giebt,
die Deutschen an diesem Hofe auszurotten. Es ist
ihm auch schon fast gelungen und wird ihm immer
mehr gelingen, da er, nebst seinem Gehalte von
4000 11., Portion für vier Pferde, Holz und Licht,
einem Hause in Stuttgard und einem hier, die Gnade
des, Herzogs im ersten Grade besitzt. Seine Wittwe
erhält 2000 fl. Pension. Ueberdiess hat er bey seiner
Musik unumschränkte Macht, und das ist es, was
die Musik gut macht. Wie sehr er für seine Nation
eingenommen ist ? können Sie daraus scliliessen, das«
I er und seine Landsleute, deren sein Haus immer
voll ist, um ihm aufzuwarten, sich vernehmen Hes-
sen, es sey kaum glaublich, dass ein Kind deutscher
Geburt ein solches musikalisches Genie seyn und so
viel Geist und Feuer haben könne.
Ich habe einen gewissen Nardini gehört, der in
der Schönheit, Reinigkeit, Gleichheit des Tones und
im singbaren Geschmack von Niemanden übertroflen
werden kann; er spielte aber nicht gar schwer. —
— •
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I
«I
m ■ — ■ .
(Leopold M. Brief No. ix)
Schwetzingen, den 19. JuJy 17G5.
•i— «m — — Wir sind über Bruchsal hieher
gegangen, wo der Hof den Sommer zubringt» Aus-
ser der Empfehlung, die ich von Wien an den Mu-
sik-Intendanten Baron von Eberstein hatte, war ich
im Beskz eines eigenhändigen Briefes des Prinzen
Clemens von. Bayern an die Churfiirstin , den der-
selbe mir nach Augsburg nachgeschickt hatte, und
der Prinz von Zweibrücken liatte uns angesagt» Ge-
stern ward eigends unsertwegen Akademie gegeben;
es war die zweyte seit dem May. Sie dauerte von
fünf bis neun Uhr. Ich hatte das Vergnügen, nebst
guten Sängern und Sängerinnen, einen bewunderungs-
würdigen Flüttraversisten Wendling zu hören. Das
Orchester ist ohne Widerspruch das beste in Deutsch-
land, und lauter junge Leute, durchaus von guter
Lebensart, weder Säufer nochxSpieler, noch lieder-
liche Lumpen, 'so dass sowohl ihre Conduito als ihre
Productionen hochzuschätzen sind. Meine Kinder
haben ganz Schwetzingen in Bewegung gesetzt. Die
churfiirstlichen Herrschaften hatten ein unbeschreib-
liches Vergnügen und Alles gerieth in Verwunderung.
Die französische Comödie ist hier, besonders
wegen der Ballette und der Musik unverbesserlich.
(Leopold M. Brief No. i3.)
*
Maynz, den 5. Augorf 1765.
— — — — — — Nachdem wir eüie Spazier-
fahrt nach Heidelberg gemacht hatten, wo unser
Wolfgangel in der heil. Geistkirche die Orgel mit
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I
42
solcher Bewunderung gespielt hat, dass zum ewigen
Andenken sein Name mit Umständen, auf Befehl des
Stadt* Dechants, an der Orgel angeschrieben worden,
sind wir mit einem Geschenke von fünfzehn Louis-
d'or über Worms hieher gegangen. In Manheim
schenkte ein französischer Oberster der Nannerl ein
Ringel und dem Wolfgangerl ein artiges Zahnstöcher-
BüchseL In Worms speis'ten wir bey dem Baron
Dalberg.»)
Hier gehören die Grafen Schönborn, Ostein und
Bassenheim unter unsere Gönner. Wir haben bey
einem Canonicus Stark cesueis't. — <— —
(Leopold M. Brief No. i4.) v
■ • • ■
Frankfurt, den i3. August 1763.
— — — — — Wir wareu nicht bey dem
Churfürsten von Maynz, weil er krank ist. Indessen
haben wir dort ein Concert im Römischen König
* ■
gegeben und sind hieher gefaliren.
(Leopold M. Brief No. i5.) • • '
Frankfurt, den 20. August 1763.
Am 18. war unser erstes Concert hier.
Es war gut! Alles gerieth in Erstaunen. Gott giebt
uns die Gnade, dass wir gesund sind und aller Or-
ten bewundert werden. Der Wolfgangerl ist ganz
ausserordentlich lustig, aber auch schlimni. Die Tsan- <
*) Diese Familie isi so alt, dass man einen Brief von lusammen-
gerolltem Zeuge, das einer Baumrinde ähnlich ist, vorzeigt,
in welchem ein Herr von Dalberg unter andern Neuigkeiten
berichtet: dass ein Zimmermanns -Sohn, der sich Tür den
Messias angab, cum Krcusgalgen verurtheilt worden sey.
CrtdibiU ut vetercs, latro »tu praesul et hospeß.
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43
■ ■
nerl leid* nun durch den Buben nichts mehr, indem
sie so spielt, dass Alles ihre Fertigkeit bewundert«
Einmai auf der Reise fing der Wolfgangerl bey
dem Erwachen an 2u weinen. Ich fragte um die
Ursache. Er antwortete: es wäre ihm so leid, die
Herren Hagenauer, Wenzl, Spitzeder, Reibl, Leit-
geb, Vogt, Cajetan, Nazerl und andere Freunde
nicht zu sehen. *) ♦
In Mainz hat die Nannerl einen englischen Hut
und ein Galanterie - Flaschenkellerl zum Geschenk
bekommen (es ist ein Werth von vier Ducaten), hier
eine Tabatiere von Lac -Martin und ein Gamitur-
Palatin; Wolfgangerl eine Tabatiere von Porzellain,
(Leopold M. Brief No. x6.)
Köhlens, d«n ai. Sept. 1763.
_ — — Vor der Abreise aus Maynz mussto
ich der Noblesse noch ein Concert geben. Der Ba-
ron Walderndorf und der Graf Bergen, kaiaerl. Ge-
sandter, hatten bald nach unserer Ankunft hier rnei«-
ne Kinder bey der Hand zum Churfursten geführt.
Daher haben wir uns schon am 18. produciren kön-
nen. Wir wurden auch sogleich mit zehn Louisd'or
beschenkt.
Wir leben viel in der Familie des Baron Kerpen,
der churfürstl. Geheimerrath und Ritterhauptmann
(Chef des Adels) isU Er hat sieben Söhne und zwey
1 - ■ 11
*) Diese sind , bis auf den ersten, lauter Namen tou Hoftnnsi-
kem au« der Capelle. Cajetan ist der Vorname des A Hl -
gasser; Naserl der des Lipp. Bey de waren Orgauisteu
und Compoiitettri.
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Töchter | (Jie. fast Alle Ciavier und theils Violin und
Violoncell spielen, tlieils singen. Sonst besucht uns
noch der Baron Hohenfeld. Was werden Sie sagen,
wenn ich Ihnen melde, dass wir, seit wir von Salz-
burg weg sind, schon 1068 fl. ausgegeben haben? ,
Doch diese Ausgaben haben Andere bezahlt. Uebri-
gens müssen wir, zur Erhaltung unserer Gesundheit
und zu meines Hofes Reputation, noblement reisen.
Dagegen haben wir auch keinen Umgang, als mit
dein Adel und distinguirten Personen, und empfan-
gen ausnehmende Höflichkeiten und Achtung.
(Leopold M. Brief No. 17.)
* 1
• 1
Brüs«el, den 17. October 1763.
— — — — — In Bonn war der Churfürst
nicht anwesend. f
Li Aachen war zwar die Prinzessin Amalie, des
Königs von Preussen Schwester, allein sie hat kein
Geld. Wenn die Kusse * die sie meinen Kindern,
zumal dem Meister Wolfgang, gegeben hat, Louis-
d'ors waren, so hätten wir froh seyn können. Aber
.weder der Wirth noch die Postmeister lassen sich
mit Küssen abfertigen. Ihr Zureden, nicht nach Pa-
ris, sondern nach Berlin zu gehen, konnte mich un-
möglich bestimmen. Der Prinz Karl hat mir selbst
gesagt, dass er meine Kinder hören will. Aber es
hat das Ansehen, dass Nichts daraus wird. Der
Prinz hat manche andere Liebhaberey, tind am Ende
kömmt heraus, dass es ihm an Gelde fehlt. Indessen
darf ich weder abreisen, noch ein öffentliches Con-
cert geben, sondern muss den Entschluss des Prinzen
»abwarten. Da wird's um die Bezahlung meiner 'Zeche
%
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und Reisekosten nach Paris, zu welcher letztem ich
200 fl. brauchen werde, schlecht aussehen. Meine
Kinder haben zwar verschiedene kostbare Geschenke
bekommen, die ich aber nicht zu Gelde machen will.
Z. B. Wolfgang zwey magnißque Degen> vo» Welchen,
der eine von dem ErZbischof von Mechern, Grafen
Frankenberg, der zweyte von dem General Grafen
Ferraris. Das Mädol hat niederländische Spitzen vöni1
Erzbischof, von Andern Saloppen, Mäntel u. dergh*
erhalten. Von Tabatieren, Etuis u. s. w. könnte»
wir bald eine Boutique errichten. Schon in Salzburg
liegt eine Schachtel, die unsere peruanischen Kost-1
barkeiten und Schätze enthält. Aber an Gelde bin
ich arm; Ich habe zwar Hoffnung, am Montage, da
ein grosses Concert seyn wird, eine gut* Beute von
Louisd'ors und grossen Thalcni zu machen-;
man sich aber allezeit sicher stellen muss, bitte ich
Sie um einen neuen Cretlitbrief.
Wenn Salzburg sich bisher über meine Kinder
verwundert hat, so wird es, wenn Gott uns zurück«^
kommen lässt, vollends erstaunen. Der Graf Coro-
nini ist unser bester I>eun4. *) . , tl . ;.,
* • * * i l r n iimi i_
4' •» •■
■r
f • I • .» .
Am 18. November kamen sie in Paris an, wo
sie sich ein und zwanzig Wochen aufhielten. Die
weitere Correspondenz des Vaters an Hagenauer in
Salzburg lautet so:
*) In diesem Briefe heisst es auch: „Sind die Portraite
»einer Kinder noch nicht in Ihren Händen?4
Also damals schon waren Portraite gemacht.
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46
... ; . (Leopold M. Brief No. 18.) ; • - •
Pari«, den 8. Pecember 1765.
*** ~ Nachdem wir in Brüssel ein grosses
Coheert, in welchem der Prin^ Karl gegenwärtig war,
gegeben ivdien, sind wir unter der traurigen Beur-
laubung vieler guter Freunde von dpi?t abgereist.
Am 18. November kamen wir hier in dem Hotel
de« Bayerschen Gesandten Grafen van Eyck an, der
uns mit der Gräfin freundlichst empfing uu(j uns bey
sich ein Zimmer einräumte, wo wir gelegen und gut
wohnen? ein Vortheil, den wir der Empfehlung der
Familie der Gräfin *) verdanken.
Morgen müssen wir zu der Marqnisin Vüleroi
und zu der Gräfin Lillibonne. Die Trauer wegen
der Infantin hindert uns noch, am Hofe spielen zu
können. — — ,
' ' • •
Ein Brief aus Paris an einen deutschen Fürsten,
•vom 1. December 1763, welcher aus Grimm's und
Diderot's Correspondenz 1753— 1779 entnommen ist,
lautet: ' * . «
Die ächten Wunder sind zu selten, als dass man
nicht gern davon plaudern sollte, wenn man einmal
das Glück gehabt hat, so etwas zu sehen. Ein Ka-
pellmeister von Salzburg, Namens Mozart, ist hier
so eben mit zwey ganz allerliebsten Kindern einge-
troffen. Seine eilfjährige Tochter spielt das Ciavier
auf eine brillante Manier; mit einer erstaunlichen
Präcision führt sie die grössten und schwierigsten
Stücke aus. Ihr Bruder, der künftigen Februar erst-
•) Siö war die Tochter dei salaburgischen ©beratkauiimcrera
Grafen Arpo.
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I
I
47
sieben Jahre alt seyn wird, ist eine so ausserordent-
liche Erscheinung, dass man das, was man mit eige-
nen Augen sieht und mit eigenen Ohren hört, kaum
glauben kann. Es ist dem Kinde nicht nur ein Leich-
tes, mit der grössten Genauigkeit die allerschwersten
Stücke auszuführen, und zwar mit Handchen, die kaum
die Sexte greifen können; nein, es ist unglaublich,
wenn man sieht, wie es eine ganze Stunde hindurch
phantasirt und so sich der Begeisterung seines Ge-
nie'» und eine* Fülle entzückender Ideen hinpebt,
welche es mit Geschmack und ohne Wirrwarr rauf
einander folgen lasst. Der geübteste Kapellmeister
kann unmöglich eine so tiefe Kenntniss der Harmo-
nie und der Modulationen haben, welche es auf den
wenigst bekannten, aber immer richtigen, Wejgen
durchzuführen weiss. Es hat eine solche Fertigkeit
in der Claviatur, dass, wenn man sie ihm durch eine
darüber gelegte Serviette entzieht, es nun auf der
Serviette mit derselben Schnelligkeit und Pracisüm
(brtspielt. Es ist ihm eine Kleinigkeit, Alles, was
man ihm vorlegt, zu entziffern; es schreibt und
componirt mit einer bewunderungswürdigen Leich-
tigkeit, ohne sich dem Cla viere zu nähern und seine
Accorde darauf zu suchen. Irih habe ihm eine Me-
nuett aufgesetzt und ihn ersucht , den Bass darunter
zu legen; das Kind hat die Feder er griffen, und ohne
sich dem Claviere zu -nahen, hat es der Menuett flen
Bass untergesetzt. Sie können wohl denken, dass es
ihm nicht die* geringste Mühe kostet, jede Arie, die
man ihm vorlegt, zu transponiren und zu spielen,
aus welchem Tone man es verlangt. Allein Folgen-
des, was ich gesehen habe, ist nicht weniger uobe>
• «
■
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greiflich. Eine Frau fragte ihn letzthin: ob er wohl
nach dem Gehör, und ohne sie anzusehen, eine italie-
nische Cavatine, die sie auswendig wusste, begleiten
würde? Sie fing an zu singen. Das Kind versuchte
einen Bass, der nicht nach aller Strenge richtig war;
weil es unmöglich ist, die Begleitung eines Gesanges,
den man nicht kennt, genau im Voraus anzugeben l
Allein, so bald der Gesang zu Ende war, bat er die
Dame, von vorn wieder anzufangen, und nun spielt«!
er nicht allein mit der rechten Hand das Ganze, son-
dern fügte zugleich mit der Linken den Bass ohne
die geringste Verlegenheit hinzu; worauf er zehn Mal
hinter einander sie ersuchte, von neuem anzufangen,
und bey jeder Wiederholung veränderte er den Cha-
rakter seiner Begleitung. Er hätte noch zwanzig Mal
wiederholen lassen, hätte man ihn nicht gebeten, auf-
zuhören. Ich selie es wahrlich noch kommen, dass
dieses Kind mir den Kopf verdreht, höre ich es nur
ein einziges Mal, und es* macht mir begreiflich, wie!
schwer es seyn müsse,; sich vor. Wahnsinn zu be-
wahren, wenn man Wunder erlebt. 1 */ •
•
- ' Herrn Mozarts Kinder haben die Bewunderung
aller derer erregt, die sie gesehen haben. Der Kai-,
ser und die Kaiserin haben sie mit Güte überhäuft.
Dieselbe Aufnahme haben sie in München und Man-
heim erfahren. Schade, dass man sich liier zu Lande
«o- wenig auf Musik versteht! :• :> •.
s Huer ist nun eine Lücke. Es fehlt nämlich der
Bericht von der Aufnahme am Pariser Hofe zu Ver-
sailles. Die Schwester erinnert sich davon nur, dass
die Pompadour ihren Bruder auf einen Tisch stellen
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I
40
Hess, dass er «ich gegen sie hinüber neigte, um sie
zu küssen, was sie aber abwehrte, und er darauf un-
willig fragte: „Wer ist die da, dass sie mich
nicht küssen will? Hat mich doch die Kai-
serin geküsst!" '
„Die Madame Pompadour ist eine noch schöne
Person, etwas Aehnliches von der Bildung der Rö-
mischen Kaiserin, besonders in den Augen. Sie ist
von einem grossen Hochmuth und regiert zur Stunde
noch Alles." — So die Schilderung des Vaters in
einem Briefe aus Versailles vom 8. Dec. 1763.
Sie Hessen ^sich vor der königlichen Pamüie in
Versailles hören, auch spielte der kleine achtjährige
Knabe in der dortigen Kapelle, in Gegenwart des
ganzen Hofes, die Orgel. Man schätzte zu dieser
Zeit sein .Orgelspiel noch höher, als sein damaliges
ClavierspieL Dem Publicum gaben sie zwey grosse
Akademieen in einem Privatsaale. Sie fanden hier,
wie leicht zu erwarten war, sehr ihre Welt; gleich
nach ihrer Ankunft wurde der Vater und die bey-
den Kinder niedHch in Kupfer gestochen, und aus-
serdem überall sehr ehrenvoll behandelt. Hier war
es auch, wo Wolfgang seine beyden ersten Werke
fertigte und bekannt machte, und sich also selbst
schon ein Denkmal setzte. Das erste dedicirte er
der Madame Victoire, der zweyten Tochter des Kö-
nigs 5 das andere der Gräfin Tesse. Beyde Stücke
sind in Paris gestochen. Er war damals acht Jahre
alt. Es sind Sonaten für das Ciavier, mit Begleitung
einer Violine. Die Nachricht, dass der Vater diese
corrigirt hat, welche man irgendwo findet, ist so wahr-
scheinlich , dass man sie für gewiss annehmen darf.
4
Die
50
(Ltopold M. Briof No. 19.)
Vertaillei (ohne Datum).
_ — — — Meki Bube hat von der Gräfin
/fesse eine goldeao Tabetiere, mein Mädel von der
Prinzessin Carignan eine kleine durchsichtige, mit
Gold eingelegte Tabatiere, so wie mein Sohn von
derselben ein Sackschreibzeug von Silber mit silber-
nen Federn zum Componiren erhalten. Meine Kin-
der machen hier fast Alles zum Narren; allein man
merkt ajler Orten die Folgen des letzten Krieges, —
An Madame Hagenauer von Mozarts Vater.
Paris, den 1. Februar 1764.
Man mufis nicht immer an Mannspersonen schrei-
ben, sondern sich auch des schönen und andächtigen
Geschlechts erinnern» Ob die Frauenzimmer in Pa-
ris schön sind, kann ich Ihnen mit Grund nicht sa-
gen, denn sie sind, wider alle Natur, wie die Berch-
tesgadner Docken, so gemalt, dass auch eine von
Natur schöne Person durch diese garstige Zierlich-
keit dem Auge eines ehrlichen Deutschen unerträg-
lich wird. Was die Andacht anbelangt, so kann ich
versichern, dass man gar keine Mühe haben wird,
die Wunderwerke der französischen Heiliginnen zü
untersuchen 5 die gross ten Wunder wirken diejeni-
gen, die weder Jungfern, weder Frauen noch Witt-
wen sind; und diese Wunder geschehen alle bey
lebendigem Leibe. Genug! man hat Mühe, hier zu
unterscheiden, wer die Frau vom Hause ist; Jeder
lebt wie er will, und . (wenn Gott nicht sonderheit-
lich gnädig ist) so geht es dem Staate von Frank-
reich wie dem ehemaligen persischen Reiche.
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Ich würde seit meinem letztern Schreiben an«
Versailles 13 inen ohnfehlbar wieder geschrieben ha-
ben, wenn ich nicht immer gezaudert hätte, um den
Ausgang unserer Afiaire zu Versailles abzuwarten
und folglich Ihnen benachrichten zu können» Allein,
da hier Alles noch mehr als an anderen Höfen auf
der Schneckenpost geht, sonderlich diese Sachen
durch die Menu des plaisirs müssen besorgt werden,
bo muss man Geduld haben* Wenn die Erkennt-
lichkeit dem Vergnügen gleich kömmt, welches mei-
ne Kinder dem Hofe gemacht haben , so muss es
sehr gut ausfallen* Es ist wohl zu merken, dass hier
keinesweges der Gebrauch ist, den königlichen Herr- ,
schaften die Hände zu küssen, oder sie ctu passage,
wie sie es nennen, wenn sie nämlich durch die kö*
niglichen Appartements und Gallerie in die Kirche .
gehen, weder mit Ueberreichung einer Bittschrift zu
beunruhiger, noch solche gar zu sprechen; wie es
auch hier nicht üblich ist, weder dem Könige, noch j
Jemanden von der königL Familie, durch Beugung
des Hauptes oder der Kniee einige Ehrenbezeugung
zu erweisen, sondern man bleibt aufrecht ohne min-*
deste Bewegung stehen, und hat in solcher Stellung
die Freyheit, den König und seine Familie hart bey
sich yorbey gehen zu sehen» Sie können sich dem-
nach leicht einbilden, was es denen in ihre Hofge-
bräuche verliebten Franzosen für einen Eindruck und - '
Verwunderung muss gemacht haben, Wenn die Töch-
ter des Königs nicht nur in ihren Zimmern, sondern
in der Öffentlichen Passage, bey Erblickung meiner |
Kinder stille gehalten, sich ihnen genähert, sich nicht
nur die Hände küssen lassen, sondern solche gekusst
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und sich ohne Zahl küssen lassen. Eben das Näm-
liche ist von der Madame Dauphine zu Verstehen.
Das Ausserorden tlichste schien denen Herren Fran-
zösen, dass au grand couvert, welches am Neuen-
Jahrstage Nachts war, nicht nur uns Allen bis an
die königliche Tafel hin musste Platz gemacht wer*
den 5 sondern dass mein Herr Wolfgangus immer
neben der Königin zu stehen, mit ihr beständig zu
sprechen und sie zu unterhalten, ihr öfters die Hän-
de zu küssen, und die Speisen, so sie ihm von der
Tafel gab, neben ihr zu verzehren die Gnade hatte.
Die Königin spricht so gut Deutsch, als wir. Da
nun aber der König nichts davon weiss, so verdol-
metschte die Königin ihm Alles, was unser helden-
müthiger "Wolfgang sprach. Bey ihm stand ich; auf
der andern Seite des Königs, wo an der Seite der
Mr« Dauphin und MÄe* Adelhaide sass, stand meine
Frau und meine Tochter. Nun haben Sie zu wissen,
dass der König niemals öffentlich speist; als alle
Sonntage Nachts speis't die ganze Familie beysammen.
Doch wird nicht gar Jedermann dazu eingelassen.
Wenn nun aber ein grosses Fest ist, als der Neu-
jahrstag, Ostern, Pfingsten, die Namenstage u. s. w.,
so heisst es das grosse Couvert, dazu werden alle
Leute von Unterschied eingelassen; allein der Platz
ist nicht gross, folglich ist er bald voll. Wir kamen
spät, man musste uns demnach durch die Schweizer
Platz machen, und man führte uns durch den Saal
in das Zimmer, das hart an der königl. Tafel ist,
und wodurch die Herrschaft in den Saal kommt. Im
Vorbeygehen sprachen sie mit unserm Wolfgang und
zur Tafel.
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Dass ich Ilinen übrigens Versailles beschreiben
sollte , das können Sie oh n möglich von mir verlan*-
gen. Nur das will ich Ihnen sagen, dass wir am
Weyhnadtts -Abende da angelangt sind und in der
königlichen Kapelle der Metten und den drey heili-
gen Messen beygewohnt haben. Wir waren in der
königlichen Gallerie, als der König von der Madame
Dauphinc zurückkam, wo er ihr wegen der erhalte-
nen Nachricht des Todesfalles ihres Bruders, des
Churfursten von Sachsen, Nachricht gab.
' j Ich hörte da eine schlechte und gute Musik«
Alleq was mit einzelnen Stimmen war und einer
Arie gleichen sollte, war leer, frostig und elend,
folglich französisch; die Chöre aber sind alle gut,
und recht gut. Ich bin taglich mit meinem kleinen
^ Manne desswegen in die königl. Kapelle zu des Kö-
nigs Messe gegangen , um die Chöre in der Motette,
die allezeit gemacht wird, zu hören. Des Königs
Messe ist um ein Uhr, geht er aber auf die Jagd, so
ist seine Messe um zehn UHr und der Königin Messe
um halb ein Uhr. In sechszehn Tagen hat es uns in
Versailles gegen die zwölf Louisd'or gekostet. Viel-
leicht ist es- Ihnen zu viel und unbegreiflich ? In
Versailles; sind keine Carosse& de remise noch Fiacres,
sondern , lauter Sessel trager ; für jeden Gang müssen
L zwölf Sols bezahlt werden. Jetzt werden Sie bald
einsehen, dass uns manchen Tag, da wir, wo nicht
drey, doch, allezeit zwey Sessel haben inussten, die
Sessel auf einen Laubthaler und mehr
denn es war immer böses Wetter. Wenn Sie nun
vier neue schwarze Kleider dazu rechnen, so wer-
den Sie sich nimmer wundern, wenn uns die Reise
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nach Versailles auf 26 bis 27 Louisd'or zu stehen
kommt. Nun wollen wir sehen, was uns dafür vom
Hofe einkommt. Ausser dem, was wir vom Hofe
zu hoffen haben, haben wir in Versailles mehr nicht
als zwölf Louisd'or in Gelde eingenommen. Dann
hat mein Meister Wolfgang von der Madame la
Comtesse de Tetsd eine goldene Tabatiere, eine
goldene Uhr, die wegen ihrer Kleine kostbar ist,
dann die Nanerl*) ein ungemein schönes, starkes,
ganz goldenes Zahnstocher -Etui bekommen.
Von einer andern Dame hat der Wolfgang ein
silbernes Reise -Schreibzeug und die Nanerl ein un-
gemein feines schildkrötenes Tabatierl mit Gold ein-
gelegt bekommen. Unsere Tabatieres sind mit einer
rothen mit goldenen Reifen, mit einer von, weiss
nicht, was für glasartigen Materie in Gold gefasst,
mit einer von Laque Martin, mit den schönsten
Blumen von gefärbtem Gold uud verschiedenen Hir-
teninstrumenten eingelegt, vermein t worden, uazu
kommt noch ein in Gold gefasster Carniolring mit
einem Antique Kopf, und eine Menge Kleinigkeiten,
die ich für Nichts achte, als: Degenbander, Bänder
und Ann -Maschen, Blumen zu Hauben und Hals-
tüchel etc. für die Nannerl etc. Mit einem Worte!
in Zeit von vier Wochen hoffe etwas Besseres von
Louisd'or berichten zu können 5 denn es braucht mehr
als zu Maxglan**), bis man in Paris rechtschaffen be-
kannt wird; und ich kann Sie versichern, dass man
die schlechten Früchte des letzten Krieges ohne Au-
•) Nanerl, Nannette Moaart, di« Tochter.
**) Ein Dorf bey Saltborg.
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gg
genglas aller Orten sieht. Denn den äusserlichen
Pracht wollen die Franzosen im höchsten Grade fort-
führen, folglich ist Niemand reich als die Pächter;
die Herren sind voll Schulden. Der grösste Reich-
thum befindet sich etwa unter hundert Personen, die
sind einige grosse Banquiers und Fermiers generaux,
•
das meiste Geld wird auf Lucretien,
sich nicht selbst erstechen, verwendet. Dass man
übrigens hier ganz besonders schöne und kostbare
Sachen sieht, das werden Sie sich wohl einbilden;
man sieht aber auch erstaunliche Narrheiten. Die
Frauenzimmer tragen nicht nur im Winter die Klei-
der mit Pelz garnirt, sondern sogar Halskreserl oder
Halsbindel, und statt der Einsteckblümchen alles der-
gleichen von Pelz gemacht in den Haaren» auch an-
statt der Maschen an den Armen u. s. w. Da* ;Lä-
M
cherlichste ist, ein Degenband (welche hier Mo^'J
sind) mit einem Pelze um und um ausgeschlagen zw
sehen. Das wird gut seyn, dass der Degen nicht
eingefriert. Zu dieser ihrer narrischen Mode in allen
Sachen kommt noch die grosse Liebe zur Bequem-
lichkeit, welche verursacht, dass diese Nation auch
die Stimme der Natur nicht mehr hört, und desswe-
gen giebt Jedermann in Paris die neugebornen Kir.'
der auf das Land zur Auferzichung. Es sind eigens
geschworne sogenannte Führerinnen, die solche Kinder
auf das Land führen; jede hat ein grosses Buch, da hin-
ein
r
wo das Kind hingebracht wird, der Name der Amme,
oder besser zu sagen, des Bauern und seines Weibes,
von dem Parocho loci eingeschrieben wird; und das
thun hohe und niedere Standespersonen, und man
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5f>
zahlt ein Bagatelle, Man sieht aber auch die er-
bärmlichsten Folgen davon; Sie werden nicht bald
einen Ort finden, der mit so vielen elenden nnd
verstümmelten Personen angefüllt ist. Sie sind kaum
eine Minute in der Kirche und gehen kanm durch
ein paar Strassen, so kommt ein Blinder, ein Lah-
mer, ein Hinkender, ein halb verfaulter Bettler, oder
es liegt einer auf der Strasse , dem die Schweine als.
ein Kind die Hand weg gefressen; ein anderer, der
als ein Kind (da der Nährvater und die S einigen im
Felde bey der Arbeit waren) in das Kaminfeuer ge-
fallen und sich einen halben Arm weggebrannt u. s.w.,
und eine Menge solcher Leute, die ich aus Ekel im
Vorbeygehen nicht anschaue. Nun mache ich einen
Absprung vom Hässlichen auf das Reizende, und
zwar auf dasjenige, was einen König gereizt hat
Sie möchten doch auch wissen, wie die Madame
Marquise Pompadour aussieht, nicht wahr? — Sie
muss sehr schön gewesen seyn; denn sie ist noch
sauber, Sie ist von grosser, ansehnlicher Person; sie ist
fett, wohl bey Leibe, aber sehr proportionirt, blond
und in den Augen einige Aehnlichkeit mit der Kai-
serin Majestät. Sie giebt sich viel Ehre und hat ei-
nen ungemeinen Geist. Ihre Zimmer in Versailles
sind, wie ein Paradies, gegen den Garten zu, und
in Paris der Fauhourg St. Honort, ein ungemein
prächtiges Hotel, so ganz neu aufgebauet ist. In
dem Zimmer, wo das Clavecin war, welches ganz
vergoldet und ungemein künstlich lakirt und gemalt
ist, ist ihr Portrait in Lebensgrösse und an der Seite
das Portrait des Königs. Nun was Anderes!
Hier ist ein bestandiger Krieg zwischen der franzö-
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51
sischen und italienischen Musik. Die ganze franzö-
sische Musik ist kein T— — ■ werthj man fangt aber
nun an grausam abzuändern 5 die Franzosen fangen
nun an stark zu wanken, und es wird in zehn bis.
fünfzehn Jahren der französische Geschmack, wie ich
^~ , hoffe, völlig erlöschen^ Die Deutschen spielen in
Herausgabo ihrer Compositionen den Meister, darun-
ter Mr. Schoberth, Eckard, Hannauer für's Clavierj,
Mr. Hochbrucker und Mayr für die Harfe sehr be-
liebt sind, Mr, le Grand, ein französischer Ciavierist,
hat seinen Goüt gänzlich verlassen und seine Sonaten
sind nach unserm Gesehmacke. Die Herren Schoberth,
Eckard, le Grand und Hochbrucker haben ihre ge-
stochenen Sonaten alle zu uns gebracht und meinen
Kindern verehrt. Nun sind vier Senaten. .vou_Mr.
Y Wolfgang Mozart beym Stecher. Stellen Sie sich
den Lärmen vor, den dies© Sonaten in der Welt
machen werden, wenn aufm Titel steht, dass es ein,
Werk eines Kindes von sieben Jahren ist, und wenn
man die Ungläubigen herausfordert, eine Probe diess-
falls zu unternehmen , wie es bereits geschehen ist,
wo er Jemanden eine Menuett oder sonst etwas nie-r.
derschreiben lässt und dann gleich (ohne das Ciavier
zu berühren) den Bass, und wenn man will, auch
das zweyte Violino darunter setzt. Sie werden sei-
ner Zeit hören, wie gut diese Sonaten s^nd ;, :;ciu
Andante ist dabey von einem ganz sonderbaren Goüt.
Und ich kann Ihnen sagen, dass Gott täglich neue
Wunder an diesem Kinde wirkt. Bis wir (wenn
Gott will) nach Hause kommen, ist er im Stande,
Hofdienste zu verrichten. Er accompagnirt wirk-
lieh allezeit bey öffentlichen Concerten. Er transpo-*
1
1
\
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nirt sogar priniq viata die Arien beyin Accompagui- *
ren, und aller Orten legt man ihm bald italienische,
bald französische Stücke vor, die er vom Blatte spielt.
Mein Mädel spielt die schwersten Stücke, die
wir jetzt von Schoberth und Eckard etc. haben, dar-
unter die Eckard'schen Stücke die schwereren sind,
mit einer unglaublichen Deutlichkeit und so, dass
der niederträchtige Schoberth seine Eifersucht und
seinen Neid nicht bergen kann, und sich bey Mr.
Eckard, der ein ehrlicher Mann ist, und bey vielen
Leuten zum Gelächter macht.
(Leopold M. Brief No. ao.)
Pari«, den aa. Februar 1764.
— — — Ich bitte, vier heilige Messen zu
Maria -Piain und eine heil. Messe bey dem heiligen
Kindel zu Lorctto , so bald es seyn kann , lesen zu
lassen. Wir haben sie wegen meines lieben Wolf-
gangs und der Nannerl , die beyde krank waren, ver-
sprochen. Ich hoffe, die anderen heiligen Messen zu
Loretto werden allezeit fortgelesen werden, so lange
Wir aus sind, wie ich gebeten habe.
Wir werden in vierzehn Tagen wieder nach
Versailles gehen , wohin es der Duc d'Ayas gebracht
hat, um das Oeuvre I0f der gestochenen Sonaten der
Madame Victoire, zweyten Tochter des Königs, zu
überreichen, welcher es dedicirt wird. Oeuvre II«1«
wird, glaub* ich, der Gräfin Tesse" dedicirt werden.
In Zeit von vier Wochen müssen, wenn Gott will,
wichtige Dinge vorgehen. Wir haben gut angcbauet;
nun hoffen wir auch* eine gute Ernte. Man muss
Alles nehmen, wie es kömmt. Ich würde wenigstens
89
—
«wölf Louisd'or mehr haben, wenn meine Kinder
nicht einige Tage das Haus hätten hüten müssen.
Ich danke Gott, dass ihnen besser ist. Die Leute
wollen mich alle bereden, meinem Buben die Blat-
tern einpfropfen zu lassen. Ich aber will Alles der
Gnade Gottes überlassen. Es hängt Alles von seiner
göttlichen Gnade ab, ob er diess Wunder der Na-
tur, welches er in die Welt gesetzt hat, auch darin:
erhalten, oder zu sich nehmen will. Von mir wird
Wolfgang gewiss so beobachtet, dass es eins ist, ob
wir in Salzburg, oder auf Reisen sind. Das ist es
auch, was unsere Reise kostbar macht.
Mr* d'Hebert, Tresorier de menu plaiair du Roi,
hat dem Wolfgang fünfzig Louisd'or und eine gol-
dene Dose vom Könige eingeh
i Hit IM
(Leopold M. Brief No. ai,)
Pari«, den 4. Mar* 1764. ,
— — — — Ich hätte Ihnen längst schreiben
sollen; aber die Beschäftigungen, die ich einige Tage
hatte und bis zum I0ten> haben Werde, um zu ma-
chen, dass ich am iOten Abends von sechs bis neun
Uhr 75 Louisd'or einstecke, haben mich billigst g«-
hmutut. — — — —— :
Sur les enfans de Mr. Mozart
Mörtels clUtls des Dieux et des Äois.
que l'harmome a de puissanceJ
Quand les son$ modulis soupirent sous vos doigts,
que de Finesse et de Science !
Pour Vous louer, on n'a que le silence.
Avcc quel sentiment le boie pibre et fremii!
Vn Corps muet devient sonore et sensible» t,
A Vous, mortels hcureux , est-il rien (Pimpossible !
Tont jusqu'au iact en Vous a de Vesprit.
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■
(Leoppld M. Brief No. aa.)
• r • • Parit, dau u April 1764. • .
-y- —1—7 r-^.— — Ich hoffe, in wenig Tagen
dem Banquier M.. 2QQ Louisd'or einzuhändigen, um
sie nach Hause, zu schicken. Am 9-ten dieses liabe
ich wieder einen solchen Schrecken auszustehen ge~
habt, , als ich am loten März hatte. Doch zweifle ich,
pb djeser zweyte Schrecken so gross als der erste
aeyu, wird. Am iOten M^ürz nahm ich 1111 JLouisd'or
ein. :^un, .50 bis . $0.sind anchr nicht zu verachten.
Unsere Concerte werden gegeben au TlUatre de
Mr. Felix, rue et forte St* Honvr,e\ Diess ist ein.
Saal in dem Hause ; eines vornehmen Afannes, in
welchem ein kleines Theater steht, auf dem fae No-
blesse unter sich Schauspiele aufführt. Und diesen^
Platz habe ich durch Madame de Clermont, die in
dem Hause wohnt, erhalten. Die Erlaubniss aber,
diese zwey Concerte zu halten, ist etwas ganz Be-
sonderes und schnurgerade wider die Privilegien der
Oper, des Goncert spirituel und der französischen
und italienischen Theater 5 sie hat durch Botschaften
und1 eigene Zuschriften des Herzogs von Chartres,*
des Herzogs vöh:Durat, des Grafen Tesse* und vieler
der ersten Damen an den Herrn Särtiü, Lieutenant
ge'ndral de la police* erhalten werben müssen.
Ich bitte, vom l^ten April an acht Tage nach
einander taglich eine heilige Messe für uns lesen zu
lassen. Sie mögen sie nach Ihrem Belieben ausfei-
len, wenn nur vier davon zu Loretto bey dem heil.
Kindel und vier auf einem Unserer lieben Frauen
Altare gelesen werden. Nur bitte, ja die erwähnten
Tage gewiss zu beobachten. Sollte mein Brief, wi-
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>
61
w-w- . ■ •mumm'
der Vennuthen, nach dem 12ten April erst ankoni-
* • *
men, so bitte ich, gleich den andern Tag anfangen
zu lassen. Es hat* seine wichtigen Ursachen. Nun
! ist's Zeit, Ihnen von meinen zwey sächsischen Freun-
den, den Baronen Hopfgarten und Bose, mehr zu
sagen« Als sie von hier nach Italien gingen, gab ich
ihnen einen Empfehlungsbrief an Sie mit. Sie sind
unsere getreuen Reisefreunde gewesen 5 bald haben
wir ihnen, bald sie uns Quartier bestellt. Sie wer-
den da ein paar Menschen sehen, die Alles haben,
was ein ehrlicher Mann auf dieser Welt haben soll.
Und wenn sie gleich Lutheraner sind, so sind sie
doch ganz andere Lutheraner und Leute, an denen
ich mich oft sehr erbauet habe. Zum Abschiede hat
der Baron Bose dem Wolfgangerl ein schönes Buch, /
Gellerts Lieder, zum Angedenken verehrt und Vor-
an Folgendes hinein geschrieben:
• • • r
Nimm, kleiner siebenjähriger Orpheus, diess
Buch aus der Hand Deines Bruders und Freuu-
des. Lies es oft — und fühle seine göttlichen
Gesänge und leihe ihnen (in diesen seligen Stun-
den der Empfindung) Deine unwiderstehlichen
Harmonieen, damit sie der fuhllose Religions-
verächter lese — und aufmerke damit er sie
• . •
höre — und niederfalle und Gott anbete.
^ » Friedrich Carl Baron v. Bose.
Nun sind wir mit allen hiesigen Gesandten der
auswärtigen Potentaten bekannt« Mylord Bedford
• und sein Sohn sind uns sehr gewogen. Fürst Galli-
zin liebt uns wie seine Kinder. Die Sonaten, die
der Herr Wolfgangerl der Gräfin Tessd dedicirt.
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wären fertig, wenn die Gräfin zu überreden gewesen
wäre, die Dedication anzunehmen, die unser bester
Freund Mr. Grimm gemacht hat. Man musste also
eine Aenderung vornehmen. Allein die Gräfin will
nicht gelobt seyn; sie und mein Bub sind beyde in
dieser Schrift lebhaft abgeschildert« Es ist recht
Schade, dass sie nicht hat dürfen gestochen werden.
Späterhin schenkte die Gräfin Tess6 dem Wolfgang
noch eine goldene Uhr und der Nannerl ein goldo-
nes jLiLiii. i
Dieser Mr. Grimm, mein grosser Freund, von
dem ich hier Alles habe, ist Secretair des Herzogs
von Orleans, ein gelehrter Mann und ein grosser
Menschenfreund. Alle meine übrigen Briefe waren
Nichts. Ja wohl, der französ. Botschafter in Wien!
Ja wohl, der kaiserliche Gesandte in Paris und alle
Empfehlungsschreiben vom Minister zu Brüssel, Gra-
fen Cobenzl! Ja wohl, Prinz Conti, Herzogin von
Aiguillon und die Anderen, deren ich eine Litaney
hersetzen könnte. Der einzige Mr. Grimm, an den
ich von einer Kaufmannsfrau in Frankfurt einen Brief
hatte, hat Alles cethan. Er hat die Sache nach Hofe
gebracht. Er hat das erste Concert besorgt. Er allein
hat mir 80 Louisd'or bezahlt, also 320 Billets abge-
setzt, und noch die Beleuchtung mit Wachs bestrit-
ten; es brannten über 60 Tafelkerzen. Nun, die-
ser Mann hat die Erlaubniss zu dem Concerte aus-
gewirkt und wird nun auch das zweyte besorgen,
wozu schon hundert Billets ausgetheilt sind. Sehen
Sie, was ein Mensch kann, der Vernunft und ein
gutes Herz hat! Er ist ein Regensburger, aber schon
über fünfzehn Jahre in Paris, und weiss Alles auf
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■
die rechte Strasse so einzuleiten« dass es ausfallen
muss, wie er will.
Mr. de Mechel, ein Kupferstecher, arbeitet über
Hals und Kopf an unsern Portraiten, die Herr von
Carmontelle, ein Liebhaber, sehr gut gemalt hat*
Der Wolfgang spielt Ciavier, ich, hinter seinem
Sessel, Violine; die Nannerl lehnt sich auf das Cia-
vier mit einem Arme, mit der andern Hand hält sie
Musikalien, als sauge sie. >
i
// Sonates pour le Clavecin,
quipeuvent se jouer avec Vaccompagnement de Violon,
dediees ä Madame Victoire de France*
Par J> G* Wolfgang Mozart de Salzbourg, age de sept ans.
Oeuvre premier. Prix 4 liv. 4 S. Gravees par Mme. Vend6me%
ci-devant rue St. Jacques, u präsent rue St. Jlonore vis -ä- vis
le Palais Royal. A Paris aux adresses l>rdinaires.
Privilege du Roi.
A Madame Victoire de France.
Madame!
Les cssais que je ni0s ä Vos pieds , sont sans
doute mtäiocres; mais lorsque Votre bontd me per-
met de les par er de Votre auguste Nom, le succes
n'en est plus douteux, et le Public ne peut manquer
d'indulgence pour un Auteur de sept ans, qui pa-
roit sous Vos Auspices.
Je voudrois . Madame . aue la lansue de la Mw-
siqueßit celle de la reconnaissance $ je eerois moins
embarrassd de parier de Vimpression que Vos bien-
faits ontfait sur moi. Natur e qui m'afait Musicien
comme eile fait les rossignols, m'inspirera, le Nom
de Victoire restera gravi dans ma memoire avec
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f>4
le& \ iraits ineffacables qu'il porte dans le coeur de
tous les Francois. N
Je suis avec le plus profond respect,
• »•• , • *
Madame,
9 «j m m
Tofre /ri* humble. tres obeissant et trh pefit serviteur
.. *
. J. G. Wolf gang Mozart.
» • ■ •
• Von diesen beydeu. Sonaten befindet sich die
erste in den Oeuvres complettes de JV. A. Mozart,
Cahier XVII. Sonata III. pag. 67, bey Breitkopf u.
Härtel, und die Sonata IL pag. 76 in demselben als
IV. Sonata. Nach der Ausgabe b. Steiner u. Comp,
in Wien ist die erste im VII. Hefte Sonata I. und
die 2\veyte im VHI. Hefte als VII. Sonata.
Sonates pour le Clavecin,
qui pewent se jouer avec taccompagmt. de Violon,
• • *
didiees h Mme» la Comtesse de Tessd,
Dame de Madame la Dauphine*
Par J. G. W. Mozart de Salzbourg, age de sept ans. Oeuvre II.
A Madame la Cofoesse de Tessd,
Dame de Madame la Dauphin«.
Madame! ' \
Votre goüt pour la Musique et les honte's, dont
Vous m'avez- combld , me donnent le droit de Vous
consacrer mes foibles talens. Mais lorsque Vous en
agreez Vhommage, est-il possible que Vous difen-
diez h un enfant texpression des sentimens dont son
coeur est plein? , *
Vous ne poulez pas, Madame, que je dise de
Vous ce que tout le Public eti dit. Cette rigueur
diminuera le regret que j'ai de quitter la France.
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CS
■
Si je Ttai plus le bonheur de Voua faire ma cour,
j'irai dana lea paya oü je parieren du moina tont
que je voudrai, et de ce que Voua itea, et de ve
que Voua doia. '
Je suis uvec un profond reapect,
petit Meruitiur
. , . • /. G. JVolfgang Mozart.
Von diesen zwey Sonaten ist nur die erste in
genannter Leipziger Ausgabe Galt. VIT, und in der
erwähnten Steinerschen im X. Hefte enthalten, des-
sen Thema folgendes isti
Sonata II. Mlegro spirituosö*
Violino.
W#=s r r r Mg^ztirfa
1 ■ ' l I " ■ ■
TT? .
■ ■■ I
' 1
I
■ • - k a
Am loten Aprü 1764 reis'ten sie über Calais nach
England, wo sie sich bis in die Mitte des folgenden
Jahres aufhielten. Schon am 27e*en desselben Monats
5
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66
Hessen sich die Kinder vor den beyden Majestäten
hören; eben so wieder im folgenden Monate, wo
der Sohn auch die Orgel des Königs spielte. Alle
schätzten hier sein Orgelspiel weit höher als sein
Ciavierspiel. Sie gaben nun ein Benefiz, oder eine
grosse Musik zu ihrem Vortheile , wobey alle Sym-
phonieen von der Composition des Sohnes waren :
eine andere gaben sie zum Vortheile des Hospitals
der Wöchnerinnen« Nach einem gefährlichen Hals-
weh , das den Vater an den Rand des Grabes brachte,
und das er in Chelsea überstand, kehrten sie nach
London zurück und spielten wieder vor der könig-
lichen Familie und dem vornehmsten Adel.
Als der Vater in England todtkrank lag, durfte
kein Ciavier berührt werden. Um sich zu beschäf-
tigen, componirle das Kind seine erste Symphonie
mit allen Instrumenten, besonders mit Trompeten
und Pauken. Die Schwester musste, neben ihm siz-
zend, abschreiben* Indem er componirte und schrieb,
sagte er einmal zu ihr i „Erinnere mich , dass ich
dem Waldhorne was Rechtes zu thun gebe."
Es lasst sich denken, dass die Kinder, und vor-
züglich der Sohn Runter dem reichen BeyfaUe, des-
sen sie sich von allen Seiten ungeiheilt zu erfreuen
hatten, nicht bloss auf der erreichten Stufe stehen
blieben, sondern sich immer mehr fortzubilden be*>
eiferten. Beyfall konnte den jungen Mozart nichi
zum Uebermuthe verleiten, vielmehr strebte er im-
mer mehr dem Ziele entgegen, das er zuletzt er-
reichte. Sö spielten jetzt* beyde Kirifder 'tiberall Con-
certe auf zwey Ciavieren; auch sang der Sohn Arien
mit der grössten Empfindung. In Paris sowohl als
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J
auch in London legte man dem Sohne verschiedene
schwere Stücke von Bach, Händel, Paradies und an-
deren Meistern vor, die er nicht nur vom Blatte
spielte, sondern sie sogleich in dem angemessenen
Takte und mit aller Nettigkeit vortrug. Als er beym
Könige spielte > nahm er eine blosse Bassstimme und
spielte eine* vortreffliche Melodie darüber. Johann
Christian Bach, der Lehrmeister der Königin, nahm
den kleinen Mozart auf den Schooss und snielte ei«
nige Takte, dann fuhr Mozart fort, und so abwech-
selnd spielten sie eine ganze Sonate mit einer solchen
Präcision, dass Jeder, der ihnen nicht zusah, glauben
musste, das Stück würde nur von Einem gespielt •
!Siebigke sagt in seinem Werkchen über Mozart:
„Dass der junge Componist bey seinem Aufenthalte , '
in London schwere Stücke von Bach, Handel, Para-
dies und andern Meistern mit a]ler Nettigkeit vom
Blatte gespielt habe, ist vielleicht eine nicht genug
geprüfle Sage, die sich von Nichtkennern hei'schreibt
u. s. w."
Siebigke hat nicht Unrecht, hier misstrauisch zu
seyn; er lese aber Barrington's und Grimm's Zeug-
nisse, und er wird aufhören, an der freylich un-
glaublich scheinenden Sache zu zweifeln.
Während dieses Aufenthaltes in England, und
folglich im achten Jahre seines Alters, componirte er
sechs Sonaten, gleichfalls mit Begleitung einer Vio-
line, die er in London stechen Hess und der Köni-
gin widmete.
Die Corrospondenz des Vaters während seines
Aufenthalts in England ist die: . .
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es
(Leopold M. Brief No. a3.) »
London, den a8. May 1764;
*
_ _ — — Den 27sten April , fünf Tage nach
unserer Ankunft, waren wir von 6 bis 9 Uhr Abends
bey den Majestäten. Das Präsent war zwar nur 24
Guineen, die wir im Herausgehen aus des Königs
Zimmer empfingen. Allein die uns von beyden ho-
hen Personen bezeugte Gnade ist unbeschreiblich.
Ihr freundschaftliches Wesen Hess uns gar nicht den-
ken, dass es der König und die Königin von J&ner-
land wären. Man hat uns an allen Höfen noch aus-
serordentlich höflich begegnet; allein, was wir liier
erfahren haben, übertrifft alles Andere. Acht Tage
darauf gingen wir in St. James Park spazieren. Der
König kam mit der Königin gefahren, und obwohl
wir Alle andere Kleider anhatten, erkannten sie uns,
grüssten uns nicht nur, sondern der König öffnete
das Fenster, neigte das Haupt heraus und griisste
lächelnd mit Haupt und Händen, besonders unsern
Master Wolfgang.
Ich habe neuerdings zu bitten, folgende heilige
Messen baldigst lesen zu lassen : drey heilige Messen
bey dem heiligen Kindel zu Loretto, drey zu Maria-
Piain, zwey bey dem heil. Franz de Paula im Ber-
gel und zwey bey dem heil. Johann von Nepomuck
in der Pfarre, oder wo Sie wollen 5 dann auch zwey
bey dem heil. Antonius in der Pfarre.
Wir haben die meiste Bagage bey dem Banquier
Hummel in Paris gelassen, z. B. alle Tabaiieren,
2 Uhren und andere kostbare Sachen. Mr. Grimm,
unser geschwomer Freund, der Alles in Paris für
uns gethan hat, hat zum Abschiede über alle seine
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89
Gulthaten noch der Nannerl eine goldene Uhr und
dem Wolfgangerl ein Confect- Obstmesser, dessen
Heft von Perlmutter in Gold gefasst ist und das eine
Klinge von Gold, eine von Silber hat, verehrt.
Den I9ten May hahen wir abermals Abends von
6 bis 10 Uhr bey den Majestäten zugebracht, wo
Niemand als die zwey Prinzen, der Bruder des Kö-
nigs und der Bruder der Königin zugegen waren.
Bey dem Austritte aus dem Zimmer wurden mir
abermals 24 Guineen gereicht. Nun werden wir ein
sogenanntes Benefiz am Öten Juny haben. Es ist jetzt
eigentlich keine Zeit mehr, Conoerte zu geben, und
man kann sich nicht viel versprechen, da die Unko-
sten sich auf 40 Guineen belaufen. Basta! Es wird
schon gut werden, wenn wir nur mit der Hülfe Got-
tes gesund bleiben und wenn Gott nur unsern un-
überwindlichen Wolfgang gesund erhält. Der König
hat ihm nicht nur Stücke von Wagenseil, sondern
auch von Bach, Abel und Händel vorgelegt; Alles
hat er vrima vista wexrfresnielt. Er hat auf des Kö-
nigs Orgel so gespielt, dass Alle sein Orgelspiel weit
höher als sein Ciavierspiel schätzen. Dann hat er
der Königin eine Arie, die sie sang, und einem Flü-
traversisten ein Solo accompagnirt. Endlich hat er
die Violonstiinme der Handeischen Arien, die von
ungefähr da lagen, hergenommen und über den glat-
ten Bass die schönste Melodie gespielt, so dass Alles
in das äusserste Erstaunen gerieth. Mit einem Worte:
das, was er gewusst hat, als wir Salzburg: verliesseu,
ist ein purer Schalten gegen das , was er jetzt weiss.
Es übersteigt alle Einbildungskraft. Er empfiehlt sich
Ihnen vom Claviere aus, wo er eben sitzt und Bach s
Digitized
I
»
Trio durchspielt; es vergeht kein Tag, wo er nicht
wenigstens dreyssig Mal von Salzburg und seinen
und unseren Freunden und Gönnern spricht. Er hat
jetzt immer eine Oper im Kopfe, die er von lauter
jungen Salzburgern aufführen lassen will. Ich habe
ilun oft alle jungen Leute zusammen zahlen müssen,
die er zum Orchester aufschreibt» — — —
(Leopold M. Brief No. a4.) . .
London, den 8. Juny
— — • ■— Ich hatte wieder einen Schrecken
vor mir, nämlich 100 Guineen in Zeit von 3 Stun-
den einzunehmen. Es ist glücklich vorbey. Da Alles
aus der Stadt ist, so war der 5te Juny der einzige
Tag, an dem man etwas versuchen konnte, weil der
4te der Geburtstag des Königs war. Es war mehr,
, um Bekanntschafton zu machen. Nur ein paar Tage
hatten wir, um Billette zu vertheilen, weil Niemand
eher in der Stadt war. Da zu einer solchen Ver-
theilung sonst vier bis acht Wochen gebraucht wer-
den, so hat man sich verwundert, dass uns 200 ab-
genommen .worden sind. Es waren alle Gesandten
und die ersten Familien Englands zugegen. Ich kann
noch nicht sagen, ob mir 100 Guineen Profit bleiben,
weil icli noch Geld von Mylord March für 36, von
einem Freunde aus der Stadt für 40 Billette haben
soll, und die Kosten erstaunlich gross sind. Für den
Saal, ohne i Beleuchtung und Pulte, 5 Guineen; für
jedes Ciavier, deren ich, wegen der Concerte mit
zwey Ciavier«, zwey haben musste, eine halbe Gui-
nee; dem Sänger und der Sängerin, Jedem 5 bis 6
Guineen; dem ersten Violinisten 3 u. s. w.; und so
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71
auch die Solo- oder Concertspieler, 3, 4, 5$ den ge-
meinen Spielern ~ Jedem eine halbe Guiuee. Allein
ich hatte das Glück, dass die ganze Musik mit Saal
und Allem nur auf 2Q Guincen zu stehen gekommen
ist, weil die meisten Musiker Nichts angenommen
haben. Nun Gottlob! diese Einnahme ist vorbey.
Particularitäten kann ich. Ihnen nicht mehr be-
richten, als was Sie hier und in Zeitungen finden.
Genug ist es,' dass mein Mädel eine der geschickte-
sten Spielerinnen in Europa ist, wenn sie gleich nur
zwölf Jahre hat; und dass der grossmächtige Wolf-
gang, kurz Zu sagen, Alles in diesem seinem acht-
jährigen Alter weiss , was man von einem Manne von
vierzig Jahren fördern kann. Mit Kurzem: wer es
nicht sieht und hört, kann es nicht glauben.- Sie
selbst Alle in Salzburg wissen Nichts davon, denn
die Sache ist nun ganz etwas Anderes.
» • » - -
• • " I (Leopold M. Brief No. i5.) - •
t »«r:;!. -~.:* 1a tdadön, den aB. Jdny t764.
— — * — i ~ — Ich habe wieder 10Q Guineen
nach Salzburg zu schicken,, die ich zwar um die
Hälfte vermehren könnte, phne mich zu entblössen.
Küiiftige Woche gehen wir nach Tunbridge, wo
sich viel Adel im July und August zum Bade ver-
sammelt. , . ,
• • Ii. J J»-l Ii«/* ' **■ »»• •' * »
In , lUnelagh . wird & ; Benenz zum Vortheile ,
eines neu aufgerichteten Spitals für Wöchnerinnen
gegeben. Da lasse ich den Wol%angerl ein Concert
auf der Orgel spielen , um dadurch den Act eines
englischen Patrioten auszuüben. Sehen Sie, das ist
ein Weg, sich die Liebe dieser Nation zu erwerben.
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• • ...
• . (Leopold M. Brief No. a6a.)
London, den 5. August i764.
i
— — — — Der grosse Gott hat mich mit einer
jähen und schweren Krankheit heimgesucht, die ich
mir durch eine Erkaltung bey dem Zuhausegehen
aus dem bey Mylord Thanet gehaltenen Concert zu-
gezogen habe, mm ~~ ~+ :» «
(Leopold M. Brief No. a6 5.)
London, den 9. August 1764.
Seit dem 6ten befinde ich mich eine Stunde aus-
ser der Stadt, um meine Besserung abzuwarten. Das
Allernotliwendigste nun, warum ich Sie bitte, ist,
sobald als möglich für mich lesen zu lassen: 7 heil.
Messen au Maria- Piain, 7 zu Loretto bey dem heil.
Kindel, zwey bey der heil. Walpurgis, diese in der
Kirche am Nonnberg, weil nirgends sonst ein solches
Bild ist 5 2 heil. Messen in der St. Wolfgangs - Ka-
pelle zu St. Peter; und zu veranstalten, dass auch
4 hejiige Messen auf dem Mariahilf- Berge zu Passau
(Leopold M. Brief No. 36c.)
- — • 1 CheU*a, den i3. 8ept. 1764.
Meiner Unpässlichkeit wegen haben wir hier ein
Haus bey Mr. Randal in Fivefield-Row gemiethet.
Unter meinen Freunden in London ist ein gewisser
Sipruntini, ein grosser Virtuose auf dem Violoncelli
Er ist der Sohn eines hollandischen Juden, fand aber
diesen Glauben und seine * Ceremonieen und Gebote,
nachdem er Italien und Spanien durcbgereis't hatte,
lächerlich und verliess den Glauben. Da ich neulich
von Glaubenssachen mit ihm sprach, fand ich aus
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•allen seinen Reden, das« er sich dermalen begnügt,
Einen Gott zu glauben und ihn zuerst, dann seinen
Nebenmenschen wie sich selbst zu lieben und als ein
ehrlicher Mann zu leben. Ich gab mir Mühe, ihm
Begriffe von unserm Glauben beyzubringen, und ich
brachte es so weit, dass er nun mit mir einig ist,
dass unter allen christlichen Glauben der katholische
der beste ist» Ich werde nächstens wieder eine* At-
taque machen; man muss ganz gelinde darein gehen.
Geduld! Vielleicht werde ich noch Missionarius in
England* — ,h
(Leopold M.Brief No. a7.) (
* » » London, den a> Not. 1764. I
— — — — — Noch ist die Noblesse nicht in
der Stadt. Ich muss aus dem Beutel zehren* Seit
Jidy bin ich um 170 Guineen geringer geworden;
Ueberdiess habe ich eine grosse Ausgabe , 6- Sonaten
ron unserm Herrn Wolfgang stechen und drucken
*u lassen, die der Königin nach ihrem Verlangen
dedicirt werden. * • •
* Als ich aüs Ihrem Briefe -'die Standesveranderung
Ihres Sohnes (er war geistlich geworden) -vorlas,
weinte der Wolfgang. Auf Befragen, warum, ant-
wortete er: es wäre ihm leid, weil er glaubte, dass
er ihn nun nicht mehr sehen würde. Wir belehrten
ihn eines Anderen, und er erinnerte sich, dass Ihr
Sohn ihm oft Fliegen gefangen , die Orgel aufgezogen
und die Polzel -Windbüchse gebracht hatte-, so bald
er nach Salzburg zurück komme, wolle er nach St.
Peter gehen und sich von ihm eine Fliege fangen
lassen, und dann müsse er mit ihm Pölzel {kleine
Bolzen) schiessen. — '•»•
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(Mop9ld M. Brief No. a&} . .. ; :, .
. I \ . ■ ' • " ' London, den 5. flec. i764.
. — * — — Mir ist leid, daas einige Fehler
ini Stechen der Pariser Sonaten und «in der Verbes-
serung nach geschehener Correotur stehen . geblieben
sind. Madame Vendome, die sie gravirte , und ich
wen zu'sehiv ÄirtfenTt, und da Alles in Eile, .ge-
schähe^ so hatte ich nicht Zeit, einen zweyten. Pro-
beabdruck machen zu. lassen, welches verursachte,
dass besonders in Oeuvre IL in dem letzten Trio
drey Quinten mit der Violine stehen-geblieben sind,
die mein junger Herr gemacht und die ich dann
corrigirt hatte, Es ist, immer ein Beweis, dass unser
Wolfgangerl sie selbst gemacht bat, welches, wie
biiüg, vielleicht nicht Jeder glauben wird. Genug,
es ist doch also,; ~ .
. ; Mein Wolfgangerl empfiehlt sich Ihnen sämmt-
lich ufcd : besonders Hru. Spitzeder, und er soll Sr.
Hochlürstl. Gnaden die Sonaten produciren und Hr.
Wenzl das Violin dazu spielen. Den 2osten Octbr.,
am Krönungstag© ;de^ Königs, waren wir von 6 bis
jftfl Uhr beym Kömge und der Königin.
' (Leopold M. Brief No. ag.)
• i» :: v . ,•«■#•■
J . . , London, >n 8. Febr. i765.
..! ^.r" t. Am 15ten werden wir ein Concert
auffuhren, welches mir wohl 150 Guineen vcrsehaf-
fen wird. Ob und was mir werden .wird, muss die
Zeit 1( In en. Der König hat durch die Zurücksetzung
der Einberufung des Parlament* den Künsten und
Wissenschaften grossen Schaden gellian.
Niemand macht diesen Winter grosses Geld , als
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Manzuoli und einige Andere von der .Oper. Man-
zuoli hat 1600 Pfd. St. für diesen Winter, und das
Geld hat müssen in Italien assecurirt werden, weil
der Impresario vorigen Jahres, Dejardino, fallirte.
Sonst wäre er nicht nach London gegangem Nebst
diesen hat er auch «in Benefiz. Man hat ihn recht-
schaffen bezahlen müssen , nm der Oper aufzuhelfem
Füiif oder sechs* Stücke werden aufgeführt. Das erste
war Ezio, das zweyte Berenice (alle beyde Pasticci
von entschiedenen Meistern), das dritte Adriano in
Syria, von Bach neu componirt. Es kömmt noch
Dcmofeonte, von Vento neu componirt. y
Die Symphonieen im Concerte werden alle von
Wolfgang seyn.' t—' — » • ■ " •
■
(Leopold M. Brief No. 5o.) A > • . .
London, den 19. Mär» 1765.
Mein Concert ward erst den 21sten Februar ge-
geben und war wegen der Menge der Plajsirs nicht
so stark besucht y als ich es hoffte, Doch wären es
130 Guineen, wovon 27 für Unkosten . abzurechnen
sind. Ich weiss aber auch, wo es fehlt und warum
man uns nicht reiclilicher behandelt hat; ich habe
einen mir gemachten Vorschlag nicht angenommen.
Allein was hilft s, viel von einer Sache zu sprechen,
die ich nach reifer Ueberlegung und schlaflosen Näch-
ten mit Wohlbedacht gethan habe, und die nun vor-
bey ist, da ich meine Kinder an keinem so gefähr-
lichen Orte (wo der meiste Theil der Menschen gar
keine Religion hat, und wo man nichts als böse Bey-
spiele vor Augen hat) erziehen will. Sollten Sie die
Kinderzucht hier sehen t Sie würden erstaunen. Von
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übrigen Religionssachen ist gar Nichts zu sprechen.
Die Königin hat unserm Wolfgang für die Dedica-
iion der Sonaten 50 Guineen geschenkt. Und doch
werde ich nicht so viel Geld hier gewonnen haben,
als es Anfangs das Aussehen hatte.
Ich bitte, drey heilige Messen lesen zu lassen,
eine zu Loretto bey dem heiligen Kindel, eine bey
den Franziscanern auf dem Hochaltare und eine im
Nunnherge,
: .,5*r Sonates pour le Clavecin,
qui peupent se jouer avec l'accompagm*> de Violon
ou Flute traversiere,
tre*s humblement dediees ä Sa Majeste
Charlotte, Reine de la Gr ande- Bretagne.
Composees par J. G. IV olfgang Mozart , dgi de halt ans.
Oeuvre III. London,
.
Ala Reine*
* Madame !
- Plein d'orgueil et de joie d'oser Vous offrir un
hommage, fachevois ces Sonates pour les porter aux
pieds de Votre Majeste*^ j'dtois, je l'apoue, ivre
de panite* et rari de moi mtme, lorsque j'appercu le
Genie de la Musique ä ebti de moi.
„Tu es bien pain" me dit-il, „de eavoir icrire
a un dge ou les autres apprennent encore ä tpeller.«
„Moi, pain de ton Ouvrage?" lui r4pondis-je.
„Non, j'ai d' autres motifs de vanitL Rdconnois le
fapori de la Reine de ces Isles fort unies. Tu pre-
tendsp que nie loin du rang supreme qui la distin-
gue, sex talens Uauroient illustree: eh bien! placee
sur le trdne, Elle les honore et les protege. Qu Elle
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te permctte de lui faire une offrande, tu es avide
de gloire, tu feras si hien que tonte la terre le
saura; plus philosophe, je ne confie mon orgueil
qu'a mon clavecin, qui en devient un peu plus elo-
quent. Voila tout,
„Et cette eloquence produit des Sonates! * • . ;
Est-il hien sür que j'aie jamais inspird un faiseur
de Sonates?"
Ce propos me piqua. Fi, mon p&re, lui dis-je,
tu parles ce matin comme un pddant . . . Lorsque
la Reine daigne m'dcouter, je m'abandonne h toi,
et je deviens sublime; loin d'Elle le cliarme s'aßbi-
blit, son auguste image m'inspire encore quelques
idees que l'art conduit ensuite et acheve • • • Mais
que je vive, et un jour je lui offrirai un don digne
d'Elle et de toi; car avec ton sdcours, j'dgalerai la
gloire de tous les grands hommes de ma patrie, je
deviendrai immortel comme Händel et Hasse, et mon
nom sera aussi cdlebre que celui de Bach,
Un grand dclat de rire deconcerta ma noble
confiance. Que Votre Majeste juge de la pa-
tience qu'il me faut pour vivre avec un Etre aussi
fantasque! • . • Ne vouloit-il pas aussi que j'osasse
rdprocher ä Votre Majestd cet excts de honte qui
fait le sujet de mon orgueil et de ma gloire? Moi,
Madame, Vous rdprocher un ddfautl Le beau dd-
faut! Votre Majeste* ne s>en corrigera de sa vie.
On dit qu'il faut tout passer aux Gdnies; je
dois au mien le bonheur de Vous plaire, et je lui
pardonne ses caprices. Daignez, Madame, recevoir
mes foibles dons. Vous fätes de tout temps destinde
ä regnet sur un peuple libre: les enfans du Gdnie
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ne le aont paa moins que le Peuple Britannique,
librea aur tout deine leura hommagea, ila se plaiaent
u entourer Votre fröne* Vpa vertua, Voa tcüena,
V oa bienfoita aeront ä jamaia prfoena ä ma mt~
moire; partout oü je vivrai, je me regarderai conir-
me le aujet de Votre Mctj eatd.
Je auia avec le plua profond reapeet,
Madame,
de Votre Majeatd
\ . . U tri* humble et tri* obiissant
4 Londres, Pet**
t* 18. Javier 'i765. /. G. IV. Mozart.
•
Diese VI Sonaten sind in Cah. XV. Son. I VI.
der Breitkopf u. Härteischen Ausgabe in Leipzig.
In der Steinerschen Ausgabe ist Sonata /. im
IX. Hefte Sonata XL, Son.IL im XI. Hefte Son. XXI.,
Son. III. im X. Hefte Son. XIV., Son. IV. im IX. H.
Bon. XII., Sön. V. im XI. H. Son. XXII., Son. VI.
im Vm. Hefte Sonata VI. ...
• • • . . •
^ (Leopold M. Brief No. 3i.)
London, den 18. April i765.
— ^y '.ym yfir haben in dem Jahre ,. das wir
hier zugebracht haben, 300 P£ St. ausgegeben.
. — — —
Die Salzburger Zeitung vom 6. Aug. 1765 ent-
hält Folgendes aus London, den 6« July. .
• Der allhiesige sehr berühmte Claviermacher Bur-
kard Thudy, ein geborner Schweizer, hatte die Ehre,
für Seine Königl. Preuss. Majestät einen Flügel mit
zwey Manuals zu verfertigen, welches von Allen, die
es sahen, sehr bewundert worden. Man hat es als
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etwas Ausserordentliches bemerkt, dass Herr Thudy
alle die Register in ein Pedal angebracht , so dass sie
durch das Treten so nach einander können abgezo-
gen und das Abnehmen und Zunehmen des Tones
dadurch nach Belieben kann genommen werden, wel-
ches crescendo und decrescendo die Herren Clavieri-
sten sich längst gewünscht. Herr Thudy hatte aus-
serdem den guten Bedacht genommen, seinen ausser-
ordentlichen Flügel durch den ausserordentlichsten
Clavierspieler dieser Welt das erste Mal spielen zu
lassen, nämlich durch den sehr berühmten sieben-
oder neunjährigen Musikmeister Wolfg. Mozart, be-
wunderungswürdigen Sohn des Salzb. Herrn Kapell-
meisters L. Mozart- Es war ganz etwas Bezaubern-
des, die vierzehn Jahre alte Schwester dieses klei-
nen Virtuosen mit der erstaunlichsten Fertigkeit die
schwersten Sonaten auf dem Flügel abspielen, und
ihren Bruder auf einem andern Flügel solche aus
dem Stegreife aecompagniren zu hören. Beyde tlmn
Wunder! Das Museum Britannicum hat sich nicht
nur die in Paris gedruckten und hier publicirten So-
naten sammt dieser geschickten Familie Portrait« aus-
gebeten, um solches Alles der Seltenheit ihrer wun-
l9
einige Original -Manuscripte von diesem Wunder-
kinde, darunter ein kleiner Chor von vier Stimmen
auf englische Worte ist, auf Ansuchen erhalten.
«- ... .« »»
... . • » % . • v •
• ••\» i.l
»
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/ 80
Abschrift de» 6diriftlicl.cn Ansuchens des
•
Museum Britannicwn.
Sir!
I am ordered by the Standing Committee of
the Tnistees of the British Museum, to signify to You,
tliat they lutve received the present of the Musi-
cal Performances of Your very ingenious
son, ivhich You were pleased lately to male Them,
and to retour You their llianhs for the same.
Briti.h Museum, ' Maty,
July 19. 1765.
Philosophical Transactions.
Vol. 60. For the year 1770.
Received Nov. a8. 176g.
Zondon. Printed for Cochyer Davis etc. MDCCLXXI. 4.
VIII. Account of a very remarhable young Musi-
cian. In a letter from tlie Honour able Daines
Barrington F.R.S. to Matliew Maly M.D.Sec.R.S.
Re*« si Sir!
F«br. 15. mo. jf j wa8 to 9en^ you a weft atte8ted
account of a hoy u>ho measured seven feet in height,
when he was not more than eight years of age9 it
might be considered as not undeserving the notice
of the Royal Society. '
The instance which I now desire you will com-
municate to that learned body, of as early an exer-
tion of most extraordinary musical talents, seems
perhaps equally' to claim their attention.
Joannes Chryostomus IVolfgangus Theophilus
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Mozart 14X18 born at Saltzbourg in Bavaria on the
of Jan. 17-56. *)
. / have been informed by a most able tnusician
and composer, that he frequently sau> him at Vienna>
when he was little more tlian four years old.
By this time Jie was not only capable of execu~
fing lessons on hü favourite Instrument the Jiarpsi*
chordß but composed some in an easy etile and taste,
which ivere much approved of . ;V-
flis extraordinary masical talents eoon reached
the ears of the present emperess dowager, who used
to place Mm upon her hnees, ivhilst he played on
the liarpsichord.
This notice taken of him by so gfeat a perso*
nag*> together with a certain conscioumess of his
most singular abilities, liad much emboldened the
i ^
*) ' I here subjoin a copy of the iranstation from the regieret
at Saltzbourg, as it was procured from his excellency Courtt
Haslang, envoy extraordinary and minister plenipotentiar^
of the eJectors of Bavarits and Palatine*
,J, the ünä*er- written, certify, thät in tnh yeat 1756
the 17«* *; of Jan*, at eight o* dock in the evening; was
born Joannes Chrisost antue IVolfyangus Theophilux, son of
Mr. Leopold Mozart, Organist of his higness the prince of .
Saltzboürg, and of Mario) Ann, hie lawful Unfe (wfiose
mt ten o> dock in the morning, at the prince' s chathedrai
church here; his godfather heing Gottlieh Pergmayr, mer-
chant in this city. In ttuih whereof I haue taken this
certificate from the parochial regist <r of christnings, and
ander the usual seal, eigned the same with my ou>n hand.
Saltzbourg, Leopold Comprecht,
Jan. 1769, Chaplain to his Highness in this city.u-
°) Mosa ein Druck - oder Schreibfehler seyn* Der 27»te war
der GebdrUla*, ^ •
6
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IlH-Ic 71J.H '• S l < 1 1 1 • JSdn-g tliercfore t IhO TIC\ t year (it
one of the German courts, wJiere tlie elector encour
raged him by saying, tliat he had nothing to fear
from hie august presence, Utile Moeart immediately
sat down with great conßdence to his harpsicliord
informing his highness, that he had played before
tlie emperess*
• At neven years of äge hie fatJier oarried him
to Paris, where he so distinguished hirnseif by Jiis
compositions) that an engraving was made of hirru
this print are excessively like their portraits, as is
also Utile Mozart, who is stiled: „Compositeur et
Maitre de Musique, age de sept ans/' ...
After the name of the engraver follows the date,
which is in 1764,* Mozart was tlierefore at tJus tune
in the eight year of Iiis age* — *
Upon leaving Paris, he came over to England,
whcre he continued more than a year. As during
this Urne I was witness of his most e$traojrdinary
abilities as ß musician, both at some gublick con-
certs, and Uhewise by having been alone with him
for ä cönsiderable time at his father's hou#e$ / send
you tlt*foH.owing account* amazing and incredible
almost as it may appear.
I carried to him a mdnuscript duet, which was
composed by an English gentleman to some favou-
rite words in Metastasixfs opera of Demofoonte.
Tlie whole score was in five parts, viz. aecom-
paniments for a first and second vioUn, the two
•** •**■* • ^ •
vocal parts and a base,
/ shall here Uhewisen mention, tliat the parts
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*
»3
for the first and second poice were written in wliat
the Italiens stile the Contnalto cleff; tlie reason
for tahing notice of which particular will appear
hereafier. , . . .. .
My intention in carrying with me tMs manu-
script ( omposition , was toliave an irrefragahle proof
of his abilities as a player at sight, it being abso-
hitely impossible, tfat lie could have ever eeen tlus
musiel before. ^ . .
TJie score was no sppner put upon his, desl,
than hs began to play tlie sympliony in a moH ma-
tter ly manner ^x as welk as in the time and, stile
which. corresppnded with the intention of tlie com-
I mention tliis circunistance, because tlie greatest
masters ofUn fail in tiiese particulars Qfl the first
triaL , ,
The symphony endedr he tooh Ute upper part
leaving the unier one to Ms fatlier. ... . .
His poiee in tlie tone of itu?aetten.and infan-
tine but nothing could qxceqd tlie masterly manner
in wluch he sung. His Jather , who tooh the under
part in this duet, was once or twice ouf,,though
tlie passages were not more difficult than those in
the upper one$ on which occasions the son loohed
back with some anger , pointing out tö Mm his mis-
takes, and setting Mm rights
He not only howeper did complete justice to the
duet, by singing his own part in the truest taste,
and with thß greatest precisiont he also t/irew in
the aecompaniments of the two violins, wherever they
were most necessary and produced the best ejfects.
• , Digitized by Google
i pA
«
It is well hnown, that none but'tht most capital
musicians are capable of accompaning in this supe-
rior stile.-+- ' v>' • •V' •
t \As many of those, who may be present, when
this letter may have the honour ofbeing read before
the society, may not posstbly be acquainted with the
difficuliy of playing thus from a müsical score \ I
will endeävoxir to estplain it by the most similar
comparison I can think of
. 1 ihiist <tt the same thtie admit, that the illmtra-
tiori will fail in one particular, as the voice in rea-
ding bannot comprehend more than what is contai-
rted in a single line l muH süppose however, that
the reader's eye, by habit and quiclness, may talce
in other 7mes, though tke-toice carinöt articulate
tnem, as the musician accompanies i/ie Wofds of an
air by the harpsichord, • •
- Let'Wbe imagined therefore, that a child of
ei ght years old was directed to read five Tines,*) at
once in fotir-f) qf which the letters of the alpliabet
were to liape different powers.
For'example, in the first line A, to have it*
common powers, 1 1 **»
V By tfds I ine an, '»*> *V» i ; .
The two parts for the violins
The upper part for the voice
The words set to nntsic
And- lastly the base . , *
fj By this I mean .
The violin parts. in the common f reble cleff
The upper part for the Voice in the ronfralto cleff as
jiefore mentioned
The words in common characters
And the base in its common cleff'.
1
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«5
•:V\
In the second that of B
In the tJürd that of C ... v\ ....
In tlie fourth of D
Let it be conceived also, that the Unea so
posed of characters with different powers are not
ranged so as( to he read at all times one exactly
ander the ot/ier , but often in a desultory manner.
Suppose then, a capital Speech in Shakespeare*)
neuer seen before and yet read by a child of eight
years old, with all the patltetic energy of a Garrick.
Let it be conceived lihewise, tJiat the same child
is reading with a glance of the eye, three different
connnents ort this speech tending to its Illustration;
and that one comment is abritten in Greeh, the se-
cond in Hebrew, and the third in Etruscan duz-
r acters* ■ ■ A*
Let it be also supposed, tliat by different signs
he could point out which comment is most matei%ial
upon evry word; and sometimes that perhaps all
three are so, at others only two of thcm.
IVhen all this is conceived , it will convey some
idea of wliat the boy was capable of, in singing
such a duet at'sight in a masterly manner from the
score, throwing in at tlie same time all its proper
accompaniments. J
When he had ßnished the duet, he expressed
himself highly in its approbation , asling with some
eagerness, whether I had brought any more such
• • • *
nuisic*
;"\\t» .. • •«•••<•
*) The worda in Ißelasta&io's duet, which Utile Mozart sung,
I *
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Having beert informed, however that he was
often visited with musical ideas, to which even in
m
the midst of the night, he would give utterance on
his harpsichord; I told his father, that I should be
glad to hear some of his extemporary composition3.
The father shooh his head at this, saying , that
it depended intirely upon his being as it were mu-
sicallv insnired: but that I mitritt ash htm. whether
he Utas in humour for such A composition.
Happening to hnow tliat little Mozart wäs much
tahen notice ofby Manzoli, tlie famous singer who
came over to England in 1764 , I said to the boy,
that I should be glad to hear an extemporary Love
Song, such as his friend Manzoli might choose in
an opera*
The boy on this (who continued to sit at his
harpsichord) loohed back with some archness, and
imtnediately began five or six lines of a jargon re-
citive proper to introdace a love song.
He then played a symphony, which might cor-
respond with an vir composed to the single word
AffettOt
It bad a first and second part, which, together
with the symphonies, was of the length tliat opera
songs gener ally last: if this extempory composition
was not aniazingly capital, yet it was really above
mediocrity, and shewed most extraordinary readi-
uess of invention.
Finding that hs was in humour and as it were
inspired, I tlien desired him to compose a Song of
Rage such as miglU be proper for the opera stage.
The boy again loohed back with much arclmess,
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and begari five or six lines of a jargon recitive pro-
per to precede a Song of Anger.
This lasted also about the same time with the
Song of Ltove; and in the middle of it, he had
harpsichord lihe a person possessed, rising someti-
mes in chair. ' s
The word he pitched upon for this eecond ex-
temporary composition tvas Perfidq.
After this he played a difficult lesson, which he
had finished a day or two before:*) his execution
was amazing, considering that his little fing er s
could scarcely reach a fifth on the harpsichord.
His astonishing readiness, however did not arise
merely firom great practice; he had a thorough
knowledge of the fundamental principles of compo-
sition, as upon producing a t reble, he imniediately
wrote a base under it, which, when tried, had a
very good effect.
He was also a great master of modulation, and
his transitions from orte hey to another were exces-
*) He published sif Sonatas for the harpsichord, with an ac-
companimeitt for the violin, or German flute,*) which are
sold by JR. Bremner, in the Strand, and are intituled:
Oeuvre Troi*m*#
He is said in the title page to have been only eight
- years of age when he composed these sonatas.
The dedication is to the Queen and is dated at London
Jan, 18, 1766- He subscribes hiniself „trea humble et uh%
obcissant petit serviteur."
Tha>e lessons are composed in a very original Stile, and -
some of t/iem are masterly.
•) Auf dem Titelblotte heisst es: Printed for the auf hör
and sold at his lodgings at Mr' PFilliatnson in Thrift
Street Hoho,
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sivel'V natural and iudicious z he oractised in this
manner for a considerable time with a liandkerchief
Qver the heys of the harpsicliord.
The facts, I have been mentioning, I.waa my-
aelf an eyewitness of^to which I must add, that I
liavebeen informed by two or three able musicians,
wfien Bach tlie celebrated composer liad begun a
fugue and left off abrupt ly, tliat little Mozart liatli
immediately talen it up, and worked it after a most
rnasterly manner.
Witness as I was myaelf of mo$t of theae ex-
traordinary facta, I muat own
auspecting hia fatjier imposed with regard to tlie
real age of the boy, though he liad not only a most
cJiildish appearance, but lihewise all the actione of
that stage of life.
For example, whilst lie was playing to me, a
fauourite cot came in, upon which he immediately
left his harpsicliord, nor could we bring him back
for a considerable time.
He wo\dd also sometimes run ahout tlie room
with a stich between hia lege by^ way of a horse.
I found lihewise the most of the London musi-
ciona were of tlie aome opinion with regard to his
age, not believing it poaaible tliat a child of ao ten-
der yeare could aurpasa most of the mosters in tliat
science.
I luive tlierefore for a considerable time made
the best inquiriea I was able from some of the Ger-
man musicians resident in London, but could never
receive any further Information than that he was
born ntar Saltzbourg , tili I was so fvrtunate as to
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mM
procure an extract from the register of that place,
tlirough his excelience count Haslang.
Ii appears from this extract, tliat Mozart* s fa-
ther did not impose with regard to /äs age when
he was in England for it was in June, ±765; tliat
I was witness to wfiat I have above related, when
the boy. was only eight years and five months old.
I Jiave niade frequent inquires with regard to
this very extraordinary genius since he left Eng-
land, and was told last Miirmripr tlmt hp tun.* tfu>n.
at Saltzbourg, where he had composed several ora*
torios, which Ufere much admired.
I am also in for med, that the prince of Saltz-
bourg, not crediting that such masterly compositions
were really tliose of a child, shut Jiim up for a
week, durin g which he was not permitted to see
any one and was left only with music-paper , and
tlie words of an oratorio.
Düring this short time he composed a very ca~
pital oratorio, which was most highly approved of
upon being performed.
Having stated the above mentioned proofs of
Mozarfst fTpjiij tu . tuhpn of al most an infantine, a&p
■ V mm » %f U Ks* rill Vf 9 r'r Hl /* / •Ww»'» * \r %M Wf * r W W 9 *rß W V* f p
it may not be improper perhaps to compare them
with what hath been well attested with regard ta
Amongst tliese John Barratier hath been most
particulary distinguished , wlw is said to liave un-
dprttnnil. T^ntirt tuhpn Jlp tvrut hu.t four vrars nid
Hebrew when six, and three other languages at the
oge o^ nine*
This same prodigy of plulological L aming also
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90
■ i um ii ■.. ■
traaslaled the travels of Rabbi Benjamin when ttle-
*>e/j year* o/c?, accompanying his version with notes
arid dissertations. Before Jus death, wlucJi Jiappe-
have astonisJied Germany with his arnazing exte/U
of learningi and it need not be said, that its in-
crease in such a soil, from year to year, is com-
mordy arnazing.
Mozart, however is now not mach more tlian
thirteen years of age, and it is not tlierefore neces-
sary to carry my comparison further.
The Rev, Mr. Manwaring (in his Memoirs of
Handel) hath given us a still more apposite in-
stance, and in the same science.
This great musician began to play on the Cla-
vichord, when he was but eeven years of age, and
is said to liave composed some church Services when
he was only nine years old, as also the opera of
Almeria, when he did not exceed fourteen.
Mr. Manwaring lihewise mentions tliat Handel,
when very young, was Struck sometimes whilst in
bed with musical ideas, and that, like Mozart, he
us cd to try their ejfect immediately on aspinnet,
which was in his bedchamber.
v » / am tJie more glad to state tJiis short compa-
rison between these two early prodigies in music,
as it may be hoped tliat little Mozart may possibly
attain to the same advanced years as Handel, con-
trary to the common Observation that such ingenia
praecocia are generally sliort lived.
I tliinh I may say without prejudice to the me-
mory of this great composer , that the scale most
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9i
•
Charly preponderatea on the aide of Mozart in this
comparison, as J haue already stattet that he was a
coniDOser wheti he did not ntuch exceed the nee, of
*
£Kf extemporary compositions also, of which I
uvas ci. tvitnetm nrotfß Iii** frpnirißt nnd znvpntian to
Zwz^ oe?e/j mos* astonishing; lernt however I ahould
insenaibly become too atrongly hia panegyriat permit
nie to eubscribe myself, Sir,
Dainee Barrington.
Philosophical Tranaactions.
60r- Band, Für das Jahr 1770.
Erhalten den a8. Nov. 1769.
London, bey Cockyer Davis etc. MDCCLXXI. 4-
■
fTZI. Nachricht von einem sehr merkwürdigen
jungen Musiker. In einem Briefe von Daiues
Barrington, Mitgliede der königlichen Gesellschaft, an
Matthew Maly, Secr. der königl. Gesellschaft.
vorgelesen, Mein Herr!
d. 15. *cbr. 1770. \yenn jCn Ihnen eine wohl beglaubigte
Nachricht von einem Knaben senden sollte, der, bey
einem Alter von nicht mehr als acht Jahren, sieben
Fuss lang wäre, so könnte es immer als etwas der
Kenntniss der königl. Gesellschaft nicht Unwürdiges
angesehen werden.
Das, was ich jetzt Sie ersuche, der gelehrten
Versammlung mitzutheilen, von einem so früh sich
zeigenden, ganz ausserordentlichen musikalischen Ta-
lente, scheint ebenfalls Anspruch auf ihre Aufmerk-
samkeit machen eu dürfen.
»
Digitiz<?d by Google
92
, Johann Chrysostomus Wolfgang Mozart ward
zu Salzburg in Bayern am 27. Jan, 1756 geboren. *)
J dl 1)111 von einem sehr geschickten Musiker und
Tonsetzer benachrichtigt worden, dass er ihn häufig
zu Wien gesehen habe, als er noch nicht viel über
vier Jahre alt war.
Zu jener Zeit war er nicht nur im Stande, Ue-
buugsstücke auf seinem Lieblings »Instrumente, dem
Cla viere, zu spielen, sondern er componirte auch ei-
nige in einem leichten Styl und Geschmacke, die
vielen Bevfall gefunden haben.
Sein ausserordentliches musikalisches Talent kam
bald der jetzigen verwittweten Kaiserin zu Ohren,
die ihn auf ihren Schooss zu setzen pflegte, wenn er
auf dem Claviere spielte.
Der Umstand, dass eine so hohe Person Kennt-
niss von ihm nahm, und ein gewisses Selbstgefühl
*) Ich füge hier eine Abschrift der Uebersetzung aus dem Kir-
chenbuche zu Salzburg bey, wie solche von Sr. Ex cell, dem
lljerrn Grafen Haslang, ausserordentlichem Botschafter und
bevollmächtigtem Minister bey den Churfürsten von Bayern
und von der Pfalz, eingesandt worden.
„Ich Endesunterschriebener bezeuge hiermit, dass im J.
1756 den 17. Jan. Abends um acht Uhr, Johann Chrysosto-
mus Wolfgang Theophilus, Sohn von Hrn. Leopold Mozart,
Organisten Sr. Durchlaucht des Fürsten (Fürst -Erabischofs?)
von Salzburg, uud von Maria Anna, dessen Ehegattin, gc-
horoen Pertlin, geboren, und am folgenden Tage, um zehn
Uhr des Morgens, in der erzbischöflichen Domkirche allhier
getauft worden; Pathe war Gottlieb Pergmayr, ein hiesiger
Kaufmann. Zu dessen Urkunde habe ich dieses Zeugruss aus
dem Taufregister der Kirche ausgezogen und mit Beysetsung
des gewöhnlichen Siegels solches eigenhändig unterzeichnet.
Salzburg, Leopold Comprecht,
den 3w Jan. 1769. Capellan Sr. Durchl. in dieser Stadt.
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93 _
seiner so vorzüglichen Fähigkeiten hatten den klei-
nen Tonkünstler kühn gemacht* Als er daher im
folgenden Jahre an einem der deutschen Höfe war,
wo ihm der Churfurst Muth machen wollte und ihm
sagte: er habe nichts von seiner hohen Gegenwart 211
furchten, setzte sioh der klein© Mozart mit grossem
Selbstvertrauen an sein Ciavier und sagte Sr. Durch-
laucht: er habe schon vor der Kaiserin gespielt* ß*-
Als er sieben Jahre alt war, nahm ihn sein Vä-
ter mit nach Paris, und dort zeichnete er sich so
selir durch seine Compositionen aus, dass ein Kupfer-
stich auf ihn gemacht wurde.
Der Vater und die Schwester, die in diesem
Kupferstiche mit vorgestellt sind, sind so genau ge-
troffen, wie der kleine Mozart selbst, der auf dem-
selben „Compo&iteur et Maitre de Musique, dge de
8ept ans" (Tonsetzer und Musikmeister, sieben Jahre
alt) genannt wird.
• mm • V •
Nach dem Namen des Stechers folgt die Jahrzahl
1764? folglich war Mozart damals im achten Jahre
seines Alters. , ^ %t .x • . u .
Als er Paris verlassen hatte, ging er nach .Eng-
land, wo er über ein Jahr lang blieb* Da ich wäh-
rend dieses Zeitraumes Zeuge seiner ganz ausserorK
deutlichen Fertigkeiten als Tonkünstler gewesen bin,
sowohl in einigen öffentlichen Concerten, als auch in
seines Vaters Hause, wo ich lange Zeit mit ihm al-
lein war; sende ich Ihnen folgenden Bericht, so
steunenswürdig und fast unglaublich er auch erschei-
♦
nen mag* . /. :
brachte ihn* ein geschriebenes Duett,
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94
nir* von einem Engländer auf einige Lieblingsworte
in Metastasio's Singspiel Demofoonte.
Die ganze Partitur bestand aus fünf Abtheilun-
gen, nämlich die Begleitung für die erste und zweyte
Violine > die zwey Singstimmen und ein Bass.
Ich muss hier gleichfalls erwähnen, dass die Par-
thieen für die erste und zweyte Stimme in dem von
den Italienern so genannten Contralto- Schlüssel ce—
schrieben waren. Es wird sich in der Folge zeigen,
warum ich hierauf aufmerksam mache«
. Absichtlich brachte ich ihm diese Composition
im Manuscripte, um einen unwidersprech liehen Be-
weis von seiner Fähigkeit, vom Blatte zu spielen, zu
erhalten, da es durchaus unmöglich war, dass er
diese Musik je zuvor gesehen- haben konnte.
Kaum war die Partitur auf sein Notenpült ge-
legt, so fing er an die Symphonie höchst meisterhaft
zü spielen, und zwar sowohl in Hinsicht des Taktes,
als auch des Styles, der Absicht des Componisten
entsprechend.
Ich erwähne diesen Umstand , weil oft die gross-
ten Meister in diesen Stücken bey der ersten Probe
fehlen. ,\ • . \
Die Symphonie endete, er nahm die höhere Sing*
stimme und überliess die tiefere seinem Vater*) J . i
Seine Stimme hatte einen schwachen, kmderar-
tfgert Ton, aber' nichts konnte die meisterhafte Art,
womit er sang, übertreffen. Sein Vater, der die
tieferd Stimme« in diesem Duette übernommen hatte,
kam ein oder zwey 1 Mal heraus, obgleich die Passat
gen nicht schwerer waren, als die in der höhearn
Als diess vorfiel, sah sich der SoJm mit
V
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einigem Unwillen um, zeigte ihm seine Fehler mit
dem Finger nnd wiess ihn wieder zurecht* ■ ;
Er lies* indessen nicht nur dem Duette Tollige
Gerechtigkeit widerfahren, indem er seine eigeno
Parthie in dem richtigsten Geschmack nnd mit der
grössten Pricision sang, sondern auch «he, Begleitung
der beyden Violinen mit hinein brachte > wo sie am
nöthigsien waren und die beste Wirkung hervor-
1 trachten* • ••« •* *
. Es ist wohl bekannt , dass nur die aljervorzüg-?
liclist.cn Tonkiüistler in einem so ausgezeichneten
Style zu begleiten im Stande sind.:1*)- v».J .
• Als er das Duett beendigt hatte, drückte er sich
sehr stark in seinem Beyfalle aus und fragte etwas
hastig» pty ich nicht noch mehr solche Musik mitge-
bracht hätte? , ( . . .......
Ich hatte gehört, dass ihm oft musikalische Ideen
einiämen, die er, selbst mitten in der Nacht, auf
seinem Claviere ausführe; ich sagte daher seinem
- •
*) Hr. Barrragton, um auch Unkundigen iu «eigen, wie schwer,
es «cy, von einer Partitur zu fpielehV Vergleicht es mit Her
Schwierigkeit, fünf über einander stebonfk* Jkilen, i.B* eine
Stelle aus Shakespeare (da die Worte in Metastasio's Duette,
« die der kleine Mozart sang,' sehr voller Pathos waren), zu
Jesen, wo die oberste Zeile den Test, dann die andern CW>
mentare enthielten, mit verschiedener pchrifl geschrieben*
oder so, dass in der ersten Zeile a ein a, in der.zweyten
• aber ein 6, in der dritten ein c u. s. w. Bedeutete. Denke*
man sich nun dabey ein Kind von acht Jahren, das- diese
nie vorhergesehenen Zeilen mit einem Blicke auflasst,
mit der Energie eines Garrick ausspricht \ durch verschiedene
Zeichen »ngleirh andeitet, welcher Commentar am treffen d- *
sten über jedes \Vor$ ist, so könne man sieh einen Begriff
von der Fähigkeit des Knaben machen, der ein solches Duett
• vom Bütte aus der Partitur sang und spielte* :
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96
Vater, es würde mich sehr freuen, einige von «ei-
nen extempörirten Compositioneri zu hören.
Der Vater schüttelte den Kopf dabey und sagte,
diess hange gänzlich davon ab, ob er so zu sagen
musikalische Eingebungen habe, doch möchte ich
ihn fragen, ob er bey Laune wäre zu einer solchen
Composition. . «
Da ich wusste, dass der kleine Mozart sehr von
Manzoli, dem berühmten Sänger, der nach England
1764 kam, geachtet wurde, sagte ich zu dem Kna-
ben, es würde mir angenehm seyn, einen extempo-
rirten Liebes -Gesang zu hören, so wie ihn sein
Freund Manzoli in einer Oper etwa gern haben
mooiiie. *
Der Knabe (der noch immer an seinem Claviere
saass) sah sich ein wenig listig um und fing sogleich
fünf oder sechs Zeilen von einem recitirenden Jargon
ariy passend zu' eiiier' Introduction zu einem Liebes-
gesänge.- : ' • ' ' ■ '
Hierauf spielte er eine Symphonie, welche einer
Arie, über das einzige Wort Ajfetto (Neigung, Liebe)
componirt) entsprechen konnte*
* _ Sie hatte einen ersten und zweytcn Theil, und
diess mit den Symphonieen zusammen war von der
Länge, wie gewöhnlich Operngesänge dauern. Wenn
auch diese extcmporirte Composition nicht so ganz
zum Erstaunen treiflich war« so war sie doch merk-
lich über das Mittelmässige erhaben und zeigte sehr
ausserordentliche Fertigkeit im Erfinden.
Da ich fand, dass er hey Laune war und so zu
sagen Eingebungen hatte, bat ich ihn, einen Gesang
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- 97
i
der Wuth zu compöniren, so Wie er fiir die Sing-
spiel-Bühne geeignet seyn dürfte.
Der Knabe sah sich wieder sehr listig um und
begann fünf oder sechs Zeilen von einem recitiren-
den Jargon, der passend zu einem Vorspiele für einen
Zorngesang war.
Dieses dauerte ungefähr eben so lange, als bey
dem Liebesgesange, und in der Mitte davon hatte er
sieh zu einer solchen Begeisterung hinauf gearbeitet,
dass er sein Ciavier wie ein Besessener schlug und
einige Mal in seinem Stuhle sich empor hob«
Das Wort, das er zu dieser zweyten extempo-
rirten Composition erwählte, war Perfido.
Nach diesem spielte er ein schweres Uebungs-
stück, das er einen oder zwey Tage zuvor beendigt
natte. *) Seine Ausführung setzte in Erstaunen, da
seine kleinen Finger kaum eine Quinte auf dem Cla-
viere spannen konnten.
Seine Staunens Würdige Fertigkeit' entsprang nicht
• ■ • •,«««•*•• • # i #
■J Er gab sechs Sonaten für das Ciavier heraus, mit Begleitung
einer Violine oder deutschen Flöte , •) die zu haben sind bey
R, Bremner, in dem Strand, und betitelt sind: Oeuvre trois"**' ,
Auf dem Titel wird gesagt, er sey nur acht Jahre alt ge-
wesen, als er diese Sonaten compönirte*.
Sie sind der Königin gewidmet, und datirt: London, den
18. Jan. 1765« Er unterzeichnet sich: tres humble et tres
obtissant petit serviteur (unterthäuigster und gehorsamster
kleiner Diener.)
• Diese Musikstücke sind in einem sehr originellen Style
gesetzt; einige davou sind meisterhaft.
»
•) Auf dem Titelblatte heisst es: Printed for the author
and sold at Ais lodgingS at Mr» fViÜiamson in Thrift
Street Hoho (gedruckt auf Kosten des Verf. und ver-
kauft in dessen Wohnung bey Herrn "Williamson in
Thrift-Street Öoho. •
7
»
■
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9ft
bloss aus grosser üebung; er hatte eine vollkommene
Kenntuiss der Grundsätze der Tonsetzkunst; so schrieb
er, wenn man ihm einen Discant vorlegte, sogleich
einen Bass darunter, der, wenn man ihn probirte,
sehr guten Effect machte. •«.■.!
Er war auch ein grosser Meister in der Finger-
setzung, und seine Uebergänge von einer Taste zur
andern waren ungemein natürlich und wohl überlegt;
er spielte auf diese Art eine lange Zeit unter einem
Tuche, das über die Tasten des Claviers gelegt war.
Von Allem dem, was ich hier erwähnt habe,
war ich Augenzeuge; diesem muss ich noch beyfü-
gen, dass zwey oder drey geschickte Musiker mir
gesagt haben, dass, als der berühmte Tonsetzer Bach
eine Fuge angefangen und plötzlich abgebrochen hatte,
der junge Mozart sie sogleich aufgenommen und in
einer höchst meisterhaften Manier ausgearbeitet habe.
Da ich selbst Zeuge von diesen ausserordentlichen
Dingen war, muss ich gestehen, dass ich mich des
Verdachtes nicht erwehren konnte, der Vater könne
vielleicht das wahre Alter des Knaben verbergen;
doch war sein Ansehen sehr kinderhaft, und eben
so auch trugen alle seine Handlungen das Gepräge
dieses Lebensalters. Zum Beyspiele: während er mir
vorspielte, kam eine Lieblingskatze herein, worauf er
sogleich sein Ciavier verliess, auch konnten wir ihn
eine gute Zeit hindurch nicht wieder zurück bringen.
Zuweilen ritt er auch auf einem Stocke zwischen
den Beinen im Zimmer herum.
Ich fand ebenfalls, dass die meisten Londoner
Tonkiinstler dieselbe Meinung wegen seines Alters
hatten; sie glaubten, es aey nicht möglich, dass ein
*
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Kind in so zartem Alter die meisten unter den Mei-
stern in dieser Kunst übertreffen könne.
Desswegen habe ich lauge Zeit hindurch die be-
sten Erkundigungen, die ich vermochte, bey einigeu
deutschen, in London wohnhaften Tonkünstlern ein-
zuziehen gesucht, aber ich konnte weiter nichts er-
fahren , als dass er nicht weit von Salzburg geboren
wäre, bis ich so glücklich war, mir einen Auszug
aus dem Kirchenbuche jenes Ortes, durch Sc. Exe.
den Hrn. Grafen Haslang, zu verschaffen. :
Aus diesem Auszuge ergiebt sich, dass Mozart's
Vater dessen Alter nicht falsch angegeben hatte, als
er in England war 5 denn es war im Juni 17657 als
ich Zeuge war von dem, was ich oben' erzählte, da
der Knabe erst acht Jahre und fünf Monate alt war.
Ich habe mich hau (ig nach diesem ausserbrdent-
liehen Genie erkundigt, seitdem er England verlas^
sen hat, und letzten Sommer hörte ich, er1 wäre' 5h
Salzburg, wo er einige Oratorien, die sehr bewun-
dert wurden, componirt habe.« ■ • • •
Auch habe ich die Nachricht erhalten, dass 'der
Fürst (Erzbischof) von Salzburg, weil er nicht glau*-
ben konnte, dass solche meisterhafte Compositiondn
wirklich das Werk eines Kindes waren, ihn eine
Woche lang eingeschlossen und während dieser Zeit
ihm nicht erlaubt, irgend Jemand zu sehen, auch
ihm bloss Notenpapier und die Worte eines Orato-
riums gelassen habe. " ": •
Während dieser kurzen Zeit componirtc er ein
sehr vorzügliches Oratorium, welches den grössten
Beyfall fand, als es aufgeführt wurde.
Nach den oben angeführten Beweisen von Mo-
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100
■
I
zart's Geist, in einem Alter, wo er fast noch ein
Kind war, mag es nicht unpassend seyn, sie mit
dem zu vergleichen, was von andern Beyspielen die-
ser Art durch Zeugnisse bestätigt ist«
Unter diesen war Joh. Barratier besonders aus-
gezeichnet, der, nur vier Jahre alt, Lateinisch, sechs
Jahre alt, Hebräisch, und als er neun Jahre war,
noch drey andere Sprachen verstanden haben soll»
Eben dieser übersetzte, eilf Jahre alt, die Rei-
sen des Rabbi Benjamin und begleitete seine Ueber-
setzung mit Anmerkungen und Abhandlungen. Vor
seinem Tode, der noch vor dem Alter von zwanzig
Jaliren erfolgte, scheint Barratier Deutschland durch
seine ungemein ausgebreitete Gelehrsamkeit in Stau-
nen versetzt zu haben. ; •/
Mozart indessen ist nun nicht viel über dreyzehn
Jahre alt, und daher ist es nicht nöthig,. meine Ver-
gleichung weiter zu treiben.
Der hochwürd. Hr. Manwaring (in( seinen Denk-
würdigkeiten von Händel) hat uns ein noch pas-
senderes Beyspiel und in derselben Kunst aufgestellt.
Dieser grosse Tonkünstler fing an das Ciavier zu
spielen, als er nur sieben Jahre alt war, und soll
einige Kirchenmusiken, als er nur neun Jahre, und
auch die Oper Almeria, als er noch nicht über vier-
zehn war, componirt haben.
Hr. Manwaring sagt auch, dass Händeln, als er
noch sehr jung war, zuweilen im Bette musikalische
Ideen bey fielen, die er dann sogleich auf einem Spi-
net, das in seiner Schlafkammer stand, ausführte.
Ich stelle diese kurze Vergleichung zyrischen zwey
so frühzeitigen Wunder -Genies in der Musik an, da
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man hoffen darf, der kleine Mozart werde vielleicht
ein gleich hohes Alter wie Händel erreichen, der
gewöhnlichen Bemerkung entgegen, das« solche in-
Ich glaube, ohne Nachtheil für das Andenken
jenes grossen Tonsetzers, sagen zu können, dass die
Waagschale in dieser Vergleichung sehr merklich
auf Mozart's Seite sinkt, da ich schon gezeigt habe,
dass er componirte, als er noch nicht viel über vier
Jahre alt war. •
Seine extemporirten Com Positionen auch, wovon
ich Zeuge war, beweisen, dass sein Geist und seine
Erfindung höchst Staunenswerth waren; doch um
nicht zu sehr sein Lobredner zu werden, erlauben
Sie mir, mich zu unterzeichnen etc.
Daines Barrington.
.4 *
•» • «
Shakespeare Mirchant of Venice. A. 5. S. 1.
— — — — The poet '«
did feign that orpheus drew trees, stones and fioods '
since nouglü so stockish hard and füll of ragef
but Musick for the time doth chatige his Nature.
The man that hath no Musich in himself
nor is not mov'd with coucord of sweet faundt%
is fit for treasons, stratagems and spoils
the motions of his spirit are dull as nifht, '
and his affection» drak as ßrebusi
ht no such man be trusted.
(Leopold M. Brief No. 3a.)
London, <Jea 9. 4"ty 1765.
— — — . _ _ Ich bitte, gleich sechs heilige
Messen lesen zu lassen, zwey bey dem heil. Kindel
zu Loretto, zwey in der Pfarre und zwey äu
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- *
103
Piain. Diese sollen uns den Weg über das Meer
bahnen« ■
Man verlangt, dass ich nach Hause eile? Ich
bitte, man wolle mich mir machen, und dasjenige,
was. ich mit Gott angefangen habe, auch mit dessen
Hülfe ausmachen lassen. Ich hoffe, es wird Alles,
gut werden, wenn die Häftel daran kommen. Gott
yerlässt keinen ehrlichen Teutschen* , .
, Jch habe meinen Freund Mr. Grimm gebeten,
eine Quantität von unsern Portrait - Kupferstichen
nach Salzburg zu senden. Diese Kupfer sind gemalt
WPrden,: als der Bube sieben, das Mädel eilf Jahre
ajt war, gleich bey unserer Ankunft in Paris. Mr«
Grimm, war der Anstifter. In London hat Wolf-
gangerl sein erstes Stück für vier Hände gemacht«
Es warg bis dahin noch nirgends eine vierhändige
Sonate gemacht worden.
• j •■ i
1 Mozart's überreiche Phantasie war schon in den
Kinderjahren, wo sie im gewöhnlichen Menschen
noch schlummert, so wach und so lebhaft, und er
vollendete das, was er einmal begriffen hatte, schon
so, dass man sich nichts Sonderbareres und in ge-
wissem Betrachte Rührenderes denken kann, als die
schwärmerischen Schöpfungen derselben, welche, da
der kleine Mensch noch so wenig von der wirklichen
Welt wusste, himmelweit von dieser verschieden
waren.
Da* die Reisen (erzählt seine Schwester) , die wir
machten, ihn in so manche verschiedene Länder
führten, so sann er, während wir von einem Orte
zum aendern zogen, sich ein Königreich aus, welches
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103
> •
er, ich weiss nicht mehr warum, das Königreich
Kücken nannte. Dieses Reich und dessen Einwoh- .
ner wurden mit Allem begabt, was sie zu guten und
fröhlichen Kindern machen konnte. Er war der Kö- f
nig des Reichs. Und diese Idee haftete so in ihm 0
und wurde von ihm so weit verfolgt, dass unser Be-
dienter, der ein wenig zeichnen konnte, eine Charte
davon machen musste, wozu er ihm die Namen der
Städte, Märkte und Dörfer dicürte.
Im Julius 1765 fuhren sie wieder nach Calais
über und reis'ten durch Flandern, wo Wolfgang oft
die Orgeln der Klosterkirchen und der Kathedralen
spielte. In Haag lagen beyde Kinder so hart dar-
nieder, dass man ihren Tod fürchtete. Da Wolf-
gang das Bett nicht verlassen konnte, so musste man
■
ihm ein Bret auf der Decke einrichten, um darauf
schreiben zu können; und wenn gleich die Finger
der Feder den Dienst versagten, so liess er sich
doch nicht vom Spielen und Schreiben abhalten.
(Leopold M. Brief No. 33.) ' / * ''/' '.
» •
Haag, deu 19. Sept. 1765.
— — — Der holländische Gesandte in London
war" uns vielmals angelegen, nach dem Haag zu dem
Prinzen von Oränien zu gehen, aber er hatte tauben
Ohren gepredigt. Allein, nachdem wir London am
24. July verlassen hatten, blieben wir einen Tag in
Canterbury und bis zu Ende des Monats auf dem
Laudgute eines englischen Cavaliers. Noch am Tage
unserer Abreise hatte uns der Gesandte in unserem
Quartiere gesucht, fulur bald darauf zu uns und bat
uns um Alles, nach dem Haag zu gehen, indem die
# "
104
1
Prinzessin von Weilburg, Schwester des Prinzen von
Oranien, eine ausserordentliche Begierde hätte, die-
ses Kind zu sehen. Ich musste mich um so eher
entschliessen, da man einer schwangern Frau Nichts
abschlagen darf«
Am i. August verliess ich England. In Calais
waren die Herzogin von Montmorency und der Prinz
de Croy unsere Bekanntschaften. In Lille wurde ich
und Wolfgang durch Krankheit vier Wochen aufge-
halten und waren in Gaud noch nicht recht herge-
stellt. Hier spielte Wolfgang auf der grossen neuen
Orgel bey den P. P. Bernhardinern, so wie in Ant-
werpen auf der grossen Orgel in der Kathedralkirche.
In Haag sind wir nun acht Tage. Wir waren
zwey Mal bey der Prinzessin und ein Mal bey dem
Prinzen von Oranien, der uns mit seiner Equipage
bedienen Hess. Nun war meine Tochter krank ge-
worden. Wenn sie besser ist, sollen wir wieder
zum Prinzen und zu der Prinzessin von W. und zu
dem Herzog von Wolfenbüttel.
Die Reise ist bezahlt; wer nun aber die Rück-
reise bezahlt, muss ich erst sehen.
Meine Frau lässt Sie bitten, sechs heil. Messen
lesen zu lassen, nämlich drey bey dem heil. Johann
von Nep. in der Pfarre, eine zu Maria -Plaint, eine
zu Loretto bey dem heil. Kindel und eine zu Ehren
der heil. Walpurgis, wo Sie wollen. — -
( L e ci j) o 1 (1 M. Brief No. 54.)
. Haag, den 5. November 1765.
Ich musste wider meine Neigung nach Holland
gehen, um da, wo nicht gar meine arme Tochter zu
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105
verlieren, doch schon fast in den letzten Zügen lie-
gen zu sehen. So weit war es mit ihr gediehen. Ich
bereitete sie zur Resignation in den göttlichen Wil-
len, Sie erhielt nicht nur das heil. Abendmahl, son-
dern auch das heilige Sacrament der letzten Oelung.
Hätte Jemand die Unterredungen gehört , die ich,
Frau und Tochter hatten, und wie wir letztere von
der Eitelkeit der Welt, von dem glückseligen Tode
der Kinder überzeugten , so würde er nicht ohne
nasse Augen geblieben seyn, da inzwischen Wolf-
canc sich in einem andern Zimmer mit seiner Musik
f
unterhielt«
, Zuletzt sandte mir die Prinzessin von W« den
ehrlichen alten Professor Schwenkel zu, der die
Krankheit auf eine neue Art behandelt« Sehr oft
war meine Tochter nicht bey sich, weder schlafeud,
noch wachend, und sprach immer im Schlafe bald
die eine, bald die andere Sprache, so dass wir bey
aller Betrübniss manchmal lachen mussten« Diess
brachte auch den Wolfgang etwas aus seiner Trau-
rigkeit. Nun kömmt es darauf an, ob Gott meiner
Tochter die Gnade giebt, dass sie wieder zu Kräften
gelangt, oder ob ein sie in die
Ewigkeit schickt. Wir haben uns jederzeit dem gött-
lichen Willen überlassen, und schon ehe wir von
Salzburg abgereis't sind, haben wir Gott instandigst
gebeten, unsere vorhabende Reise zu verhindern, oder
zu segnen. Stirbt meine Tochter, so stirbt sie glück-
selig. Schenkt ihr Gott das Leben, so bitten wir ihn,
dass er ihr seiner Zeit eben so einen unschuldigen,
seligen Tod verleihen möge, als sie jetzt nehmen
würde« Ich hoffe das Letztere, indem, da sie seh»
Digi
schlecht war 4 am nämlichen Sonntage ich mit dem
Evangelium sagte: „Domine, descende, bevor meine
Tochter stirbt 5" und diesen Sonntag hiess es: „die
Tochter schlief, dein Glaube hat dir geholfen." Su-
chen Sie nur im Evangelium, Sie werden es linden.
Nun bitte ich, wegen meiner Tochter eine heiL *
Messe zu Maria-Piain, eine heilige Messe bey dem
heil. Kindel zu Loretto, eine zu Ehren der heiligen
Walpurgis und zwey zu Passau auf dem Mariahüf-
Berge lesen zu lassen. Nun hat mein Mädel auch
an die fromme Crescentia gedacht und auch ihr zu
Ehren eine heil. Messe wollen lesen lassen. Allein,
da wir noch nicht dergleichen zu' thun befugt sind,
bevor unseve Kirche in Betreff dieser frommen Per-
son Etwas decidirt hat, so überlasse ich Ihrer Frau/
mit etlichen Patribus Franciscanern ein Consistorium
darüber zu halten, und die Sache so einzurichten,
dass meine Tochter zufrieden gestellt, die Satzungen
Gottes und unserer Kirche aber nicht beleidigt werden.
So bald die Besserung meiner Tochter mir's er-
laubt, fahre ich mit Wolfgang auf etliche Tage nach
•#
(Leopold M. Brief No. 35.)
Haag, den la. December 1765.
Nun hat auch unser lieber Wolfgang einen fürch-
terlichen Strauss ausgestanden: er hatte ein hitziges
Fieber, welches ihn mehrere Wochen sehr elend
machte. Geduld! Was Gott sendet, das muss man
annehmen- Jetzt kann ich also Nichts thun, als die
Zeit abwarten, da seine Kräfte ihm zu reisen erlau-
ben. Auf die Kosten ist nicht zu denken. Hole der
1
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Kukuk das Geld, wenn wir nur den Balg davon tra-
Gnade Gottes gehabt hätten, würden meine Kinder
diese schweren Krankheiten und wir diese drey Mo-
nate nicht haben uberstehen können* Nuu bitte ich
Sie, folgende heil. Messen alsobald lesen zu lassen:
drey bey'm heil. Kindel zu Loretto, eine zu Maria-
Piain, eine zu Passau auf dem Mariahilf- Berge, zwey
bey der heil. Anna bey den P» P. Franziscanern in
der Pfarrkirche, eine zu Ehren der heil. Walpurgis
und eine zu Ehren des heil. Vincentii Ferrery*
Die Krankheit meiner Kinder hat nicht nur uns.
sondern auch unsere Freunde hier in Betrubniss ge-
setzt. Wer aber diese Freunde sind, kann ich nicht
eine Grosssprecherey hal-
ten möchte* .. / i
Wiewohl bey unserer Anwesenheit in Amster-
dam wegen der Fastenzeit alle öffentlichen Vergnü-
gungen streng verboten waren, wurde es uns doch
erlaubt, zwey Concerte zu geben, und zwar, wie die
fromme und besonnene Resolution lautete, weil die
Verbreitung der Wundergaben meiner Kinder zu
Gottes Preis diente. Auch wurde Nichts als Wolf-
gangs eigene Instrumental -Musik gegeben. — — —
Erst nach vier Monaten erholten sich beyde Kin-
der wieder und dann bestand die erste Arbeit des
Sohnes in sechs Sonaten für das Ciavier, mit Beglei-
tung einer Violine, die er mit einer Zuschrift an die
Prinzessin von Nassau- Weilburg stechen Hess. Im
Anfange des Jahres 1766 brachten sie vier Wochen
in Amsterdam zu und reis'ten dann zum Installatious-
*
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I
•
Feste des Prinzen von Oranien, und von da wieder
in den Haag. Der Sohn setzte für diese Festlichkeit
ein Quodlibet für alle Instrumente, nebst verschiede-
nen Variationen und einigen Alien für die Prinzen-
sin. Alle diese genannten Compositionen wurden
theils in Haag und theils in Amsterdam gestochen.
Nachdem sie öfters beym Erbstatthalter gespielt hat-
ten, reis'ten sie wieder nach Paris, blieben dort zwey
Monate, während welcher Zeit sie zwey Mal in Veiv
sailles waren.
(Leopold M. Brief No. 36.)
Paria, den 16. May 1766. .
Nachdem ich Ihnen in langer Zeit nicht geschrie-
ben und nur durch Freunde Ihnen Nachrichten von
uns gegeben habe, fange ich selbst wieder an.
Wir gingen von Amsterdam zu dem Feste des
Prinzen von Oraiüen (am Ilten März) wieder nach
Haag, wo man unsern kleinen Compositeur ersuchte,
sechs Sonaten für das Ciavier, mit Begleitung einer
Violine, für die Prinzessin von Nassau- Weilburg zu
verfertigen, die auch gleich gravirt wurden. Ueber-
diess musste er zum Concert des Prinzen Etwas ma-
chen, auch für die Prinzessin Arien componiren
u. s. w. Ich sende Ihnen dieses Alles, und unter
andern zweyerley Variationen, die der Wolfgaug
über eine Arie« die zur Minorennität und Installa-
tion des Prinzen gemacht worden ist, hat verfertigen
müssen, und die er über eine andere Melodie, die
in Holland durchaus von Jedermann eesuimen , ce-
blasen und gepfiffen wird, in der Geschwindigkeit
hingeschrieben hat. Bs sind Kleinigkeiten. Ferner
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erhalten Sie meine Violinschule in holländischer
Sprache. Diess Bnch hat man in dem nämlichen
Format in meinem Angesichte ins Hollandische über-
setzt, dem Prinzen dedicirt und zu seinem Instalia-
tions- Feste überreicht. Die Edition ist ungemein
schön. Der Verleger (Buchdrucker in Harlem) kam
mit einer ehrfurchtsvollen Miene zu mir und hänr
digte mir das Buch ein, in Begleitung des Organi-
sten, der unsern Wolfgang einlud, auf der berühm-
ten grossen Orgel in Harlem zu spielen, welche«
auch am folgenden Morgen geschah. Diese Orgel ist
ein trefflich schönes Werk von 68 Registern 5 Alles
Zinn, weil Hol* in diesem feuchten Lande nicht
dauert. •• • . ...
Wir «ind über Mecheln gereis't, wo wir niwern
alten Bekannten, den Erzbischof, besuchten. Hier
haben wir ein von unserm Freunde Mr. Grimm für
uns bestelltes Quarüer bezogen. .".
Für meine Kinder und meinen Geldbeutel wäre
es zu beschwerlich, schnurgerade nach Salzburg auf-
zubrechen. Es wird Mancher noch Etwas zu dieser
Reise bezahlen, der jetzt Nichts davon weiss- — *- ' ,
(Leopold M. Brief No. 57.)
• • . • - » ••'•*.
Paris, den 9. Juny X766.
Künftige Woche sollen wir wieder nach Ver-
sailles, wo wir vor zwölf Tagen ganzer vier Tage
waren. Wir haben die Gnade gehabt, den Erbprin-
zen von Braunschweig bey uns zu sehen. Er ist ein
sehr angenehmer, schöner, freundlicher Herr. Und
bey seinem Eintritte fragte er mich gleich: ob ich
der Verfasser der Violinschule wäre? — — — -
-
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Lettre de Paris ±766.
(Probableinent icrite par Mr. Grimm.) -
Nous venons de poir ici les deux aimablee en-
fans de Mr. Mozart, maitre de Chapelle du Printe
ArclUvique de Salzbourg , qui ont eu un si grand
succes pendant leur sijour ä Paris en 1764. Leur
pere, aprhs avoir passi pres de 18 mois en Angle-
terre et 6 mois en Hollande, vient de les reconduire
ici, pour s'en retourner a Salzbourg. Partout, oü
ces enfans ont fait quelque sejöur, ile ont reuni
tous les suffrages, et cause' de titonnement aux
connoisseurs. M&+ Mozart, &g4e maintenant de 13
ans, d'ailleurs fort embellie, a la plus belle et la
plus brillante exdcution sur le Clavessin: il n*y a
que son fr&re, qui puisse lui enlever les suffrages.
Vetenfant meroeilleux a actuellenient neu/ ans: il
n'a presque pas grandi$ mais il a faxt des progres
prodigieux dans la musique. II dtoit deja Composi-
teur et auteur de Sonates il y a deux ans : il en a
fait grauer six depuis ce tems-la a Londres , pour
la Reine de la Grande- Bretagne; il en a publiS six
autres en Hollande pour Mme> la Princesse de Nas-
sau - TVeilbourg $ il a composi des Simphonies ä
grand OrcJiestre, qui ont ete executies et ginirale-
ment applaudie'es ; il a mime ecrit plusieurs airs
Italiens, et je ne desespere pas qu'avant qu'il ait
att eint l'dge de 12 ans, il tfait dt ja fait jouer un
Opdra sur quelque Theatre df Italic Ayant entendu
Munzuoli a Londres pendant tout un hiver, il en a
si bien profitd, $ue quoiqu'il ait la voix excessive-
ment foible, il clumte avec autant de goilt que d'ame.
Mais ce qu'il y a de plus incomprdhensible , c'est
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IM
cette profonde science de Pharmonie et de ses passa-
ges les plus cach^s, qu'il pos seile au suprime dtgre",
et qui a fait dire au Prince hirtdüaite de Broun-
swick, juge trls-compitent en cette mattere, comme
en beaucoup d'autres, que dee mattree de Cluxpelle*
pris ce que cet enfont fait a neuf ans. Nou's lui .
avons vu soütenir dee assauts pendani une heure et
grosses gvuttee, et avöient toute la peine du monde
ä se tirer -d^affaire avec un enfant, qui quittoit le
combat sans itre fatiguL Je l'ai vu sur l'orgue d6~
router et faire taire des organistes, qut se croioient
fort habt les ä Lomir es. Bach le prCnoit entre .ses*
genoüx, et ils jouoient ainsi de töte alternativernen £
sur le mime Clavessin deucc heu res de suite, en pr&«
eence du Boi et de la Beine. Ici il a subi la intimer
dpreuve avec Mr. Baupach, nobile musicien, qui a
ete long tems ä Petersbourg , et qui improvise avec
une gründe suptriorite. On pourroit s*entretenir
longtems de ce Phenomene singulier. t**st d'ailleurs
une des plus aimobles creatures, qu'on puisse voir,
mettant ä tout ce qu'il dit et ce qu'il fait, de Zes-
prit et de Ponte avec la grace et la gentillesse de
son dge. II rassure mime par sa gaiete contre la
crainte qufon a, qu'un fruit si pre'coce ne tombe
avant sa maturite*» Si. ces enfans vivent, ils ne
resteront pas a Salxbourg. Bientbt les Souverains
se disputeront, ä qui les aitra. Le pere est non-
eeulement nobile musicien, mais komme de sens et
d*un bon esprit, et je n'äi jamais vu un komme de
sa profession riunir h son talent tant de me'rite. —
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Brief aus Paris 1766.
(wahracheinlich von Hrn. Grimm geschrieben.)
So eben haben wir hier die beyden liebenswür-
digen Kinder Hrn. Mozart's, Kapellmeisters bey dem
fürst -Erzbischof von Salzburg gesehen , die so vie-
len Beyfall während ihres Aufenthalts in Paris 1764
gehabt haben, Ihr Vater ist achtzehn Mona* in Eng-
land und sechs Monat in Holland gewesen , und hat
sie vor Kurzem hierher zurück gebracht , um von
hier nach Salzburg zurück zu kehren. Ueberall, wo
«ich diese Kinder einige Zeit aufgehalten haben, ist
-nur Eine Stimme zu ihrem Vortheile gewesen und
«ie haben alle Kenner in Staunen gesetzt, Mademoi-
8elle Mozart, jetzt dreyzehn Jahre alt, übrigens sehr
Von der Natur begünstigt, hat die schönste und glan-
zendste Ausführung auf dem Claviere; nur ihr Bru-
der allein vermag die Stimme des Beyfalls ihr zu
Tauben. Dieser wundervolle Knabe ist jetzt neun
Jahre alt. Er ist fast gar nicht gewachsen; aber er
hat ungeheure Fortschritte in der Musik gemacht.
Er hat schon vor zwey Jahren Sonaten componirt
und geschrieben, er hat sechs Sonaten seitdem in Lon-
don für die Königin von Gross britannien stechen
lassen; sechs andere hat er in Holland für die Prin-
zessin von Nassau -Weilburg herausgegeben, er hat
Symphonien für ein grosses Orchester componirt , die
aufgeführt und mit allgemeinem Bevfali aufeenom-
men worden sind. Er hat sogar mehrere italienische
Arien geschrieben, und ich gebe die Hoffnung nicht
auf, dass er, noch ehe er zwölf Jahre alt ist, schon
eine Oper wird haben auf irgend einem Theater
Italiens spielen lassen. Er hatte Manzuoli in London
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Winter hindurch gehört, und diese»
so gut benutzt , da.ss er, obgleich seine Stimme aus-
serordentlich schwach ist, doch mit eben soviel Ge-
schmack als Gefühl singt. Aber das Unbegreiflichste
ist jene tiefe Kenntnis* der Harmonie und ihrer ge-
heimsten Passagen , die er im höchsten Grade besitzt,
und wovon der Erbprinz von Braunschweig, der gül-
tigste Richter in dieser Sache, so wie in vielen an-
dern, gesagt hat, dass viele in ihrer Kunst vollendete
Kapellmeister stürben, ohne das gelernt zu haben,
was dieser Knabe in einem Alter von neun Jahren
leistet. Wir haben ihn anderthalb Stunden lang
Stürme mit Musikern aushalten sehen, denen der
Schweiss in grossen Tropfen von der Stirne rann,
und die alle Mühe hatten, sich aus der Sache zu zie-
hen mit einem Knaben, der den Kampf ohne Er-
müdung verliess. Ich habe ihn gesehen, wie er auf
der Orgel Organisten, die sich für sehr geschickt
siegte und zum Schweigen brachte. Bach
zuweilen zwischen seine Kniee, und\sie
nahm
spielten so zusammen abwechselnd auf dem nämlichen
Ciaviere :awey ; Stunden lang in Gegenwart des Kö-
nigs und def Königin. Hier hat er die nämliche
Probe mit Hrn- Raupach bestanden, einem geschick-
ten Tonkünstler, der lange in l*etersbnrg gewesen ist,
und mit groser Gewandtheit phantasirt. Man könnte
lange sieh mit diesem besondern Phänomen unter-
halten. Uebrigens ist er eines der liebenswürdigsten
Wesen, die Ä sehen kan»i in alles, was er sagt
und thut, bringt er Geist und Gefühl, vereint mit der
Anmuth und dem holden . Wesen seines Alters. Er
benimmt sogar durch seine Munterkeit die Furcht,
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die man hat, dass eine so frühreife Frucht vor der
Zeit abfallen mochte. Bleiben diese Kinder am Le-
ben, so werden sie nicht in Salzburg bleiben. Bald
Der Vater ist nicht nur ein geschickter Tohkünstler,
sondern er ist auch' ein 'Mann von Verstand und
Geist, und noch nie sah ich einen Mann von seiner
Kunst, der mit seinem Talente so viel Verstand
verband. • • • ' *,
R o n d e a u
. ' ,. • ».«*•• i .j
, de la compositio* de S. Mademoi*elle
(ßlle äu 'Üuc d Orleans "),
• •• »• •••• • • § «• •
qui prena la liierte de presenter son ouvragc
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Violon.*
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♦) Es hfU&t, das» KaUer Joseph II. dieso Vi in/estin hatte hei-
ratliPfi Milien, und das« er, weil die Ein»iiinmung »einer
Miller abging, hetclrloss, Heh nicht mchf'*» Ycrehelithe«.
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m.
:
Wir
(Leopold M. Brief No. 38»)
Lyon, den 16. August i?6ß.
irid am 9- J»ty von Paris nach Dijon
gegangen und dort 14 Tage geblieben. Der Prinz
von Conde* hatte uns wegen der Versammlung der
Stände von Burgund dahin eingeladen.
Sie gingen dann über Lyon durch die Schweiz,
wo der ganzen Familie viel Ehre erwiesen wurde.
Salomon Gessner schenkte der Familie seine Schrif-
ten und «schrieb vor dem Titelblatte hinein:
„Nehmen Sier wertheste Freunde, diess Geschenk
mit der Freundschaft, mit der ich es Ihnen gebe.
Möchte es würdig seyn, mein Andenken beständig
bey Ihnen zu unterhalten. Geniessen Sie, vereh-
. rungs würdige Eltern, npch lange die besten Früchte
der Erziehung in dem Glücke Ihrer Kinder; sie
seyen so glücklich, als ausserordentlich ihre Ver-
dienste sind! In der zartesten Jugend sind sie die
Ehre der Nation und die Bewunderung der Welt.
Glückliche Eltern! Glückliche Kinder! Vergessen
Sie Alle nie den Freund, dessen Hochachtung und
Liebe für Euch sein ganzes Leben durch so leb-
haft seyn werden als heute."
t Zürich • ■ Salomon Gessner." ■
d. 3. Wmnmonat 1766.
• .... * ■,«■> ♦ ...
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U7
Judith, geborne Heidegger, Gessner's Frau,
schenkte der Familie die poetischen Schriften Wie-
lands, und ihr Bruder Heidegger dem Vater deu
1 » _ x „ „ IT.. J'l. »
verueurscnten rnjuiDicis.
Von der Schweiz gingen sie nach Schwaben, wo
sie einige Zeit in Donaueschingen bey dem Fürsten
von Füvstenberg verweilten.
Aus München, wo sie den 8» November anka-
ii schrieb der Vater folgende drey Briefe:
(Leopold M. Brief No. 59.)
München, den 10, fJorbr. 1766.
— — — In Lyon blieben wir vier Wochen.
In Genf, wo die Unruhen in voller Flamme waren,
hielten s wir aus. In Lausanne wollten wir uns nur
einige Stunden aufhalten; allein bey dem Absteigen
kamen die Bedienten des Prinzen Ludwig von Wiir-
temberg, der Madame d' Autbonne, der Madame
dUermenche, des Mr. de Severy zu uns, und ich
ward beredet, fünf Tage zu bleiben. Erwähnter Prinz
war noch bey uns , als wir einstiegen, und ich musste
ihm, da wir schon im Wagen waren, bey dem Ilän-
dedrack versprechen, ihm oft zu schreiben und von
unsorn Umstanden Nachricht zu geben. Hier ver-
schweige ich noch das Meiste, da ich weiss, wie ver-
schieden dieUrtheile nach Verschiedenheit der manch-
mal sehr schwachen Einsicht der Menschen sind.
Von Lausanne nach Bern und Ziirch. Am ersten
Orte 8 Tage, am zweyten 14 Tage geblieben. Den
letzten Aufenthalt machten die zwey gelehrten Herren
Gessner »ehr angenehm und unsern Abschied sehr
betrübt. Wir haben die Merkmale ihrer Freund-
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schaft mit uus genommen. Von da über Winter- j
ih um nach Schaflhausen , wo ein viertägiger Aufent-
halt auch sehr angenehm war; dann nach Donau-
eschingen. Der Fürst empfing uns ausserordentlich
gnädig: wir hatten nicht nöthig uns zu melden. Man
erwartete uns schon mit Begierde, und der Musik-
direktor Rath Martelli kam gleich, uns zu compli-
mentiren und einzuladen. Wir blieben £2 Tage. In I
9 Tagen war Musik von 5 bis 9 Uhr Abends : wir
machten allezeit etwas Besonderes. Wäre die Jahres-
zeit nicht so weit vorgerückt, so hätte man uns nicht
fahren lassen. Der Fürst gab mir 24 Louisd'or, und
jedem meiner Kinder einen diamantenen Ring. Die
Thränen flössen ihm aus den Augen, da wir uns
beurlaubten; auch weinten wir alle. Er bat mich,
ihm oft zu schreiben. Dann über Möskirchen, Ulm,
Günzburg und Dillingen, wo wir zwey Tage blieben,
und von dem Fürsten zwey Ringe abholten. Vor-
gestern sind wir hier angelangt. Gestern haben wir
den Churfursten bey der Tafel besucht , und wurden
gnädigst empfangen. Wolfgang musste gleich neben
Sr. Durchlaucht ein Stück auf der Tafel componiren,
davon der Kurfürst ihm den Anfang oder Idea von
ein paar Takten vorsang. Er musste es auch nach
der Tafel im Cabinet spielen. Wie erstaunt Ieder-
inan war, dieses zu sehen und zu hören, ist leicht
zu erachten.
(Leopold M. Brief No. 4o,)
München, den i5. Norbr. 1766.
Um dem instandigen Verlangen des Prinzen J^ud-
wigs von Würtemberg und der Fürsten von Fürsten-
/
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berg und Taxis ein Genüge zu ihun , müsste ich nach
Regensburg gehen, aber ich muss sehen, ob die Um-
stände meines Sohnes, der wieder krauk geworden,
es erlauben werden, — — —
■
, (Leopold M. Brief Nu. 4a.)
. . München, den aa. Norbr. 1766.
Es kömmt darauf an, dass ich zu Hause
eine Existenz habe, die besonders für meine Kinder
zweckgemäss ist. Gott (der für mich bösen Menschen
allzugütige Gott) hat meinen Kindern solche Talente
gegeben , die, ohne der Schuldigkeit des Vaters zu
denken , mich reitzen würden , alles der guten Er-
ziehung derselben aufzuopfern* Jeder Augenblick,
den ich verliere, ist auf ewig verloren, und wenn
ich jemals gewusst habe, wie kostbar die Zeit für
die Jugend ist, so weiss ich es jetzt. Es ist Urnen
bekannt , dass meine Kinder zur Arbeit gewohnt sind : '
sollten sie aus Entschuldigung, dass eins oder das an-
dere, z. B. in der Wohnung und ihrer Gelegenheit
sie verhindert, sich an müssige Stunden gewöhnen,
so würde mein ganzes Gebäude über den Haufen fal-
len. Die Gewohnheit ist ein eiserner Pfad, und Sie
wissen auch selbst, wie viel mein Wolfgang noch zu
lernen hat. Allein, wer weiss, was man in Salzburg
mit uns vor hat! Vielleicht begegnet man uns so,
dass wir ganz gern unsere Wanderbündel über den
Rücken nehmen. Wenigstens bringe ich dem Vater-
lande, wenn Gott will, die Kinder wieder. Will
man sie nicht, so habe ich keine Schuld. Doch wird
man sie nicht umsonst haben. — —
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- i
*
Endlich kamen sie nach einer Abwesenheit von
länger als drey Jahren zu Ende des November 1766 j
wieder in Salzburg an, nachdem sie Gewinn gehabt
und Ehre genossen hatten. Mit der kleinen Zauber- |
hand das Reich der Töne schon bemeisternd, hatte
Wolfgang nun schon in den Erstlingsbliithen seiner
Composition den künftigen Wundersatz der Kunst
ali neu lassen. *
Von dieser grossen Reise weiss man noch, dass
der Knabe auf dem gräflichen Schlosse Babenhausen
die Beweise seiner Geschicklichkeit ablegte, und dass
er im Markte Biberach einen musikalischen Wett-
streit auf der Orgel mit dem nachherigen Pater Six-
tus Bachmann (geb. 1754, zuletzt im Kloster March-
thal an der Donau) hatte, in welchem Jeder sein
Aeusserstes tliat, um dem Andern den Vorzug strei-
tig zu machen. Der Ausgang war für Beyde sehr
rühmlich.
In Salzburg blieb nun die Mozart'sche Familie !
mehr als ein Jahr in Ruhe. Diesen Zeitraum der
Müsse wendete der junge Künstler auf das höhere
Studium der Composition, dessen grösste Tiefe er
nun bald ergründet hatte. Emanuel Bach, Hasse,
Händel und Eberlin waren seine Männer — ihre
Werke sein unablässiges Studium I Dadurch erwarb
er sich eine ausserordentliche Fertigkeit und Ge-
sell windigkeit der, linken Hand. Er studirte fleissig
die Werke der strengen alten Componisten und be-
reitete sich dadurch zu den kolossalen Arbeiten vor,
mit denen er in seinem männlichen Alter als der
Reformator der Instrumental- und besonders der
Theater -Musik so glänzend auftrat.
■
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Keineswegs vernachlässigte er die allen italieni-
schen Meister , deren Vorzüge in Rücksicht der Me-
lodie und der Gründlichkeit des Satzes so auffallend
gegen die heutigen Italiener abstechen. So schritt
er immer näher der Stufe der Vollkommenheit , auf
• welcher ihn bald darauf die Welt ajs eine seltene
• Erscheinung erblickte.
IV* Reise, mit Sohn und Tochter nach Wien,
angetreten den Ü, September 1767, geendigt
im Decembcr 1768-
Den Ii. September 1767 trat die ganze Familie
die Reise nach Wien an. Kaum aber dort angekom-
men, wurde sie durch die in Wien grassirenden
Blattern veranlasst, nach Ollmütz zu gehen, wo
beyde Kinder diese Krankheit auch bekamen. In
Ollmütz, wo der Knabe an den Blattern so krank
war, dass er neun Tage blind lag und mehrere Wo-
chen nach seiner Genesung die Augen sehr schonen
musste, wurde ihm die Zeit lang. Der erzbischöfl.
Kaplan Hay, nachheriger Bischof von Königsgraz,
besachte die Familie taglich. Dieser war in Karten-
künsten sehr geschickt. Der Knabe lernte diese mit
vieler Behendigkeit von ihm. Da der dortige Fecht-
meister auch öfters hinkam, so musste ihn dieser
das Fechten lehren.
Schon früher hing Wolfgang mit inniger Zärt-
lichkeit an jeder Art von Kunst. Jeder Compositeur,
Maler, Kupferstecher, den die Familie auf ihren
Reisen keimen lernte, hatte ihm von seiner Arbeit
ein Andenken geben müssen, welches er sorgfaltig
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aufbewahrte. Nun hören wir des Vaters Briefe wah-
rend seiner Abreise von Salzburg. ,
■ •
(Leopold M. Brief No. 4a.)
* * •
Wien, den IX Sept. 1767.
Unterweges hat uns der Prälat von Lambach zu
Mittag eingeladen. Als wir in Mölk waren, gingen
wir ins Kloster, und Hessen uns die Zimmer zeigen,
und gaben uns weiter nicht zu erkennen, bis wir bey
Beschauung der Kirche und der Orgel dem Organis*
ten Gelegenheit gaben, den Wolfgangerl am Spielen
zu kennen, oder vielmehr zu errathen.
Von unsern hiesigen Verrichtungen ist noch
Nichts zu berichten. Se. Majestät sind erst aus Un-
garn zurück, und die Kaiserin hatte dieser Tage ihre
allmonatliche Andacht wegen des Todesfalls des seli-
gen Kaisers.
(Leopold M. Brief No. 43.)
Wien, den 29. Sept. 1767.
Ich weiss Ihnen Nichts zu berichten, als dass
wir alle Gottlob ! wohl auf sind , und das ist ganx
sicher schon das Postgeld werth.
Die Oper von Hasse ist schön, aber die singen-
den Personen sind NB. für eine solche Festivität gar
nichts Besonderes. Sign. Tibaldi ist der Tenor, und
Sign. Raucini von München der beste Castrat, Prima
Donna die Sign. Deiberin, eines wienerischen Hof-
violinisten Tochter. Die Tänze aber sind trefflich:
die Hauptperson ist der berühmte Vestris.
(Leopold M. Brief No. 44.)
Wien, den 7. October 1767.
Dass die Blattern bey I. K. H. der
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Prinzessin Josepha, des Königs von Neapel Braut*
ausgebrochen sind, macht uns in etwas auch einen
Strich durch unsere Rechnung. — — —
(Leopold M. Brief No. 45.)
Wien, den i4. October 1767.
Wir haben noch nirgends gespielt, weil
wir nicht bey Hofe haben spielen können. — — —
(Leopold M. Brief No. 46.)
. . ., Wien, den 17. October 1767.
— Die Prinzessin Braut ist eine Braut des
himmlischen Bräutigams geworden.
Wir haben Umgang mit dem Herzoge vjjn Bra-
ganza, Fürsten Kaunitz, Mr. de l'Augier, dem Ba-
ron Fries.
Vergessen Sie nicht, für uns zu beten, denn
wenn Gott nicht über uns wachte, so würden wir
gewiss übel daran seyn, wie Sie seiner Zeit hören
werden.
(Leopold M. Brief No. 47.)
Ollmütz, den 10. Norbr. 1767.
Te Deum Laudamua ! Der Wolfgangerl hat die
Blattern glücklich überstanden und wo? In OUmütz
und wo? In der Residenz Sr. Excellenz des Herrn
Grafen Podstatsky.
Sie denken sich die Verwirrung, die in Wien
gewesen ist. Nun muss ich Linen einige besonder©
Sachen erzählen, die uns allein angehen, und daraus
Sie sehen werden , wie die göttliche Vorsehung Alles
so zusammen verbindet, dass wir, wenn wir uns
derselben mit gänzlichem Vertrauen überlassen, un-
ser Schicksal nicht verfehlen können.
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Ein Sülm unsers Wirths bekam die Biatlem
■
gleich bey unserer Ankunft, wie wir ein paar Tage
später erst er rühren. Vergebens suchte ich in der
Geschwindigkeit eine andere Wohnung. Ich floh
mit Wolfgang allein zu einem Freunde. Nun hörte
man von Nichts als von den Blattern reden, an de-
neu unter zehn Kranken neun starben. Wie mir \
zu Muthe war, lässt sich leicht einbilden. Die Nächte
schlief ich nicht und bey Tage hatte meine Frau
keine Ruhe. Ich war entschlossen, gleich nach dem
Tode der Prinzessin nach Mähren zu gehen, bis die
erste Traurigkeit vorüber war. Allein man Hess uns
nicht weg, weil der Kaiser oft von uns sprach, dass
es nie sicher war, wann es ihm einfiele, uns kom-
men zu lassen. Sobald sich aber die Erzherzogin
übel befand, licss ich mich von Nichts aufhalten,
denn ich konnte den Augenblick kaum erwarten,
meinen Wolfgang aus dem mit den Blattern gänzlich
angesteckten Wien in eine andere Luft zu führen. -
Wir eilten nach Brünn, wo ich mit dem Wolfgan-
gerl dem Grafen Scluattenbaoh und der Gräfin Her-
berstein aufwartete. Es wurde von einem Coneerte
gesprochen, um die Kinder zu hören; allein ich hatte
einen innerlichen Trieb, den ich mir nicht aus dem
Kopfe bringen konnte, und der mir auf einmal kam,
nach Ollmütz zu reisen, und das Concert in Brünn
bey der Rückkunft zu machen, Graf Scliratteubach
war es zufrieden. . . .
Gleich bey, unserer Ankunft erkrankte Wolfgang.
Ich ging ^u dem hiesigen Domdechant Grafen Pod-
statsky (der in Salzburg Domherr ist). Als ich ihm
von der Krankheit sprach, und meine Furcht äus-
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serte, dass es die Blattern waren, erbot er sich, uns
zu sich zu nehmen, weil er diese Krankheit nicht
scheute. Er befahl gleich seinem Hausmeister, zwey
Zimmer für uns in Ordnung zu bringen, und schickte
seinen Arzt uns zu. Darauf kamen wir in die Dom-
dechantey. Es wurden wirklich die Blattern; aber
er ist schon in der Besserung.
Sie sehen schon, dass mein Leibspruch wahr ist:
In te, Domine, aperavi, non confundär in aeterhum.
Ich überlasse Ihnen zu betrachen, wie wunderbarlich
wir durch unser Schicksal nach OHmutz gezogen
worden sind,« und \vie ausserordentlich es ist, dass
Graf P. aus eigenem Triebe uns mit einem Kinde
aufgenommen hat, das die Blattern bekommen sollte.
Ich will nicht melden , mit was für Güte, Gnade und
Ueberfluss wir in Allen bedient sind; sondern ich
will nur fragen, wie' Viele es etwa noch dergleichen
geben mögte, die eine ganze Familie mit einem Kinde,
das in solchen Umstanden ist, und noch dazu aus
eigenem Triebe der Menschenliebe in ihre Wohnung
aufnehmen würden. Diese That wird .dem Grafen
in der Lebensgeschichte unseres Kleinen, die ich sei-
ner Zeit in den Druck geben werde, keine geringe
Ehre machen, denn hier fängt sich auf eine gewisse
Art eine neue Zeitrechnung seines Lebens an.
Aber nun werde ich später in Salzburg eintref-
fen, als ich gedacht hatte, um nicht Wolfgangs Le-
ben in Gefahr zu setzen. Inzwischan bitte ich, drey
heil. Messen zu Loretto bey dem heil. Kindel, und
drey heil. Messen zu Maria -Piain lesen zu lassen.
Aus dem offenen Schreiben des Mr. €*rimm, 'das
Sie mir sandten, werden Sie gesehen haben, was er
Di
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mir vom russischen Hofe und von dem Erbprinzen
von Braunschweig schreibt*
Uebrigens sehen Sie wohl, wie krumm alles ge-
gangen ist Da wir glaubten, dass Alles recht arg
wäre, hat Gott uns mit der grossen Gnade erfüllt,
und unsera lieben Wolfgang die Blattern, glücklich
überstehen lassen. Nun achte ich gar nichts, so mir
dieses gut vorbey ist. Da wir nichts verdienen, so
habe nun
aufgenommen. Basta! wer weiss, wem der Vater
den Schimmel schenkt? .
(Leopold M. Brief No. 48.)
Ollmut*, den 39. Norbr. 1767.
Iterum, itemmque Te Deum laudamus.
• — Meine Tochter hat die Blattern glück-
lieh überstanden. Ich bilte zu Loretto beym. heil.
Kindel eine heil. Messe lesen zu lassen. -**
(Leopold M. Brief No. 4g.)
• • •
Wien, den 1a. Januar 1768.
Wir haben uns 14 Tage in Brünn aufgehalten.
Die Gnade, die wir im gräfl. Schrattenbachschen
Hause empfangen . haben , und die sonderbare Ach-
tung, die der ganze Brünnische hohe Adel für uns
hatte, kann ich nicht beschreiben. • —
Anfangs Januar 1768 ging die Familie nach Wien
zurück und die Kinder spielten vor dem Kaiser Jo-^
seph, der dem zwölfjährigen Knaben den Auftrag
gab, eine Opera buffa zu schreiben. Sie hiess La
ßßta seniplice und erhielt den wahren oder aus Höf-
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V27
lieh kei t bezeugten Beyfall des Kapellmeisters Hasse
und MetastasioV wurde aber nicht aufgeführt.
Dagegen wurde die von ihm für ein Gesellschafts-
Theater des. bekannten Freundes der Mozart'schen
■ »- • "
Familie, Dr. Mesmer, componirte deutsche Operette,
Bastien und Bastienne, in dqm Gartenhause
Mesmers in einer Vorstadt Wiens aufgeführt. , Es
war eine von Anton Schachtner ' in deutsche Verse
übersetzte Opera comique.
Sein scharfer Beobachtungsgeist, sein Abstractions-
Vermögen mit umfassendem Verstände zeigten sich
auffallend in seiner Fähigkeit, aus dem Stegreife Be-
gleitungen zu setzen. Eine simple Arie oder Melodie,
italienische oder jede andere, durfte ilun nur vorge-
legt werden, und er schrieb im Beyseyn der grossten
Gesellschaft die Stimmen dazu rur alle Instrumente,
ohne inne zu halten. Bey den Kapellmeistern. Bond
und Hasse, bey dem Dichter. Metastasio, bey dem
Herzoge von jßraganza, bey dem Fürsten Kauniz und
Anderen liess der Vater immer die erste beste ita-
lienische % Arie aufschlagen, und der Sohn setzte auf
der Stelle in Gegenwart dieser Personen alle Instru-
mente dazu. Dieses Factum bestätigen mehrere noch
lebende verehrungswürdige Zeugen , aus deren Munde
ich diese Anekdote gehört habe,, sagt tfiemtscheck."
Die gründliche Kenntniss eines Orchesters und
die hiezu nötliige und schnell und richtig gefasste
Idee waren w^haft wunderbar bey rfnenTzwotf-
jährigen Knaben , fnnd entsprachen seinem Vermögen,
in diesem Altfer ein zahlreiches Musikcorps bey Auf-
führung seiner iMesse, welche W'WIlnmt -Offtrto^um
und einem Trompeten - Conoerte zur Bin weihung der
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*28
Waisenhaus -Kirche gesetzt hatte, in der Kirche vor
dem kaiserlichen Hofe zu dirigiren»
(Leopold Brief No. 5o.)
Wien, den a5. Januar 1768.
Am löten waren wir von halb drey bis halb
fünf Uhr bey der Kaiserin. Der Kaiser kam heraus
in das Vorzimmer, wo wir warteten, bis der Caifee
genommen war, und führte uns selbst hinein. Der
Prinz Albert und alle Erzherzoginnen waren da:
sonst keine Seele. Es würde zu lange seyn , Ihnen
Alles zu schreiben, was gesprochen ward, und was
alles .geschah. Ueberhaupt will ich nur anführen,
dass Sie sich unmöglich vorstellen können, mit wel-
cher Vertraulichkeit die Kaiserin mit meiner Frau
«prach, und sich theils wegen der Blattern ihrer
Kinder ? und theils wegen unserer grossen Reise un-
terhielt, sie über die Wangen strich i jund bey <Jeh
fänden drückte, da inzwischen der Kaiser mit mir
und mit dem Wolf^angerl von der Musik und vielen
andern Sachen sprach, und der Nannerl sehr oft die
... * . . j, > ■
Rothe ins Gesicht trieb. Mündlich mehr. Ich liebe
nicht Sachen zu schreiben, die mancher hinter dem
Öfen sitzender aufgeblasener Gogelhopf (das ist eine
schwäbische , baiersche Benennung) für Lügen halten
würde. Sie müssen aBer aus dieser ausserordentlichen
^gkeit nicht auC.eine Wnältnl^^e kW-
tige Beschenkung schliessen. —
-.i.h 7/ Wien, den ^Jimnar, 1768,
• *
miEs.ist Zeit, Urnen eine mehrere und JOärere Nach-
richt mn unsern, ich weiss nicht glücklichen oder
7.. . i A ij
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129
unglücklichen Umstanden ^fujeben. Wenn das Gold
die einzige Glückseligkeit der Menschen ausmacht, so
sind wir ohne Zweifel dermalen zu bedauern, indem
wir so viel von dem Unsrigen ausgelegt haben, dass
wenig scheinbare Hoffnung übrig ist, uns wieder er-
holen zu können. Ist hineeeen die Gesundheit und
die Geschicklichkeit in Wissenschaften das beste Gut
des Menschen, so sind wir, Gott sey gelobt! noch
wohl daran. Der gefahrlichste Hauptsturm ist über-
•
standen. Wir sind alle durch die Gnade Gottes ge-
sund, und meine Kinder haben gewiss Nichts ver-
gessen, sondern, wie es sich. zeigen wird, grossem
Fortgang gemacht. . \ «
Nichts wird Urnen nun unbegreiflicher seyn, als
wie es zugeht, dass« unsere Sachen keinen bessern
Fortgang haben. Ich werde es Ihnen, sot gut ich
kann, erklären, obwohl ich die Sachen, die der Feder
nicht anzuvertrauen sind, weglassen muss. Da&s tdie
"Wiener in gertere reden, nicht begierig sind, Ernst-
haftes und Vernünftiges zu sehen, auch wenig oder
gar keinen Begriff* davon haben, und nichts als när-
risches Zeug, Tanzen, Teufel, Gespenster, Zaube-
reyen, Hanswurste, Lipperl, Bernardon, Hexen und
Erscheinungen sehen wollen, ist eine bekannte Sache
und ihre Theater beweisen es täglich. Ein Herr,
auch mit einem Qrdensbande, wird wegen einer
hans wurstischen Zote oder einfältigen Spasscs mit
den Händen klatschen, lachen, dass er fast aus dem
Athem kömmt, hingegen bey der ernsthaftesten Sce-
ne, bey der rührendsten und schönsten Action und
bey den sinnreichsten Redensarten mit einer Dame
so laut schwatzen, dass andere ehrliche Leute kein
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1 *30
i • • •
Wort verstehen. Das ist nun der Hauptgrund. Die
Hauswarthschaft des Hofes, die ich hier nicht be-
schreiben kann, ist eine Sache, die viele Folgen nach
sich zieht, und der zweyte Grund. Aus diesen zwey
Gründen entspringen unzählige wunderliche Sachen,
weil Alles von dem puren blinflen und ungefähren
Glücke, auch öfters von einer abscheulichen, doch
nicht allen Menschen gegebenen, Niederträchtigkeit,
oder gar von einer recht kecken und verwegenen
Windmacherey abhängt. Nun auf unsere Sache zu
kommen, so haben sich viele andere widrige Zufalle
ereignet. Bey unserer Ankunft konnten wir nichts
Anderes thun, als uns den Eingang nach Hofe zu
eröffnen. Allein die Kaiserin hält keine Musik mehr
bey sich; sie geht weder in die Oper noch in die
Comödie. Sie liess uns an den Kaiser anweisen.
Allein, da dieser Herr Alles, was Ausgaben nach
sich ziehen möchte, im höchsten Grade verabscheut,
so ging es lange her, bis er zu einem Entschlüsse kam.
Darauf folgte der Todesfall der Prinzessin Braut.
Nach unserer Rückkunft aus Mähren kamen wir
zu den allerhöchsten Herrschaften, ohne dass wir
daran dachten. Kaum wurde der Kaiserin erzählt,
• • •
was in Oilmütz vorgegangen war und dass wir zu-
rück waren, erhielten wir Tag und Stunde, wann
wir erscheinen sollten. Allein, was hilft alle die er-
staunliche Gnade , die unbeschreibliche Leutseligkeit?
Was ist die Wirkung davon? Nichts, als eine Me-
daille, die zwar schön ist, aber so wenig beträgt,
dass ich gar nicht einmal deren Werth hersetzen mag.
Sie überlässt das Uebrige dem Kaiser, und dieser
schreibt es in das Buch der Vergessenheit ein und
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131
glaubt ganz gewiss, dass er uns mit seinen gnadig«
sten Unterredungen bezahlt hat.
Was die Noblesse in Wien thut? Die Ausga-
ben schränken sie Alle ein, so viel es möglich ist,
um sich dem Kaiser gefallig zu machen. So lange
der Fasching dauert, denkt man hier auf Nichts als
das Tanzen, In allen Ecjcen ist Ball, aber NB. Alles
auf gemeine Unkosten. Sogar die Redoute bey Hofe
ist für baares Geld. Und wer hat den Nutzen da-
von? Der Hof; denn alle Tanze, Redouten, Bälle
und Spectakel sind verpachtet. Andere haben den
Namen und der Nutzen wird zwischen dem Hofe
und den Pachtern so zu sagen getheilt* Wer also
hingeht, erweis't auch dem Hofe einen guten Dienst«
Diess sind demnach die politischen Ausgaben des
Adels. "Wir haben die grossten Personen desselben
zu unserer Protection. Der Fürst Kaunitz, der Her-
zog von Braganza, die Fräulein Guttenberg, die das
, Unke Auge der Kaiserin ist, der Oberst- Stallmeister
Graf Dietrich
■
»WM
welcher Alles bey
vermag, sind unsere Freunde. Aber welcher Zufall!
Noch haben wir diess Mal den Fürsten Kaunitz nicht
sprechen können, weil er die Schwachheit hat, die
Blattern so zu furchten, dass er Leute scheuet, die
auch nur noch' rothe Flecken im Gesichte haben.
Da dieses der Fall mit Wolfgang ist, so lies« er uns
nur durch unsern Freund de TAugier sagen, dass er
in der Fasten für unser Interesse sorgen werde, weil
man in der Faschingzeit die Noblesse nicht unter
einen Hut bringen könne. Als ich nun diese Sache
am besten überlegte und bedachte, dass ich bereits
so viel Geld ausgelegt hätte, so ereignete sich eine
9*
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>
' 13*
ganz andere Begebenheit. Ich erfuhr, dass. alle Cla-
vieristen und Componisten in Wien sich unseren
Fortgange widersetzten, ausgenommen der einzige
Wagenseil, der aber, da er krank ist, wenig oder
nichts für .uns thun kann. Die Hauptmajime dieser
* *
Leute war, alle Gelegenheit, uns zu sehen und die
Wissenschaft des Wolfgangerls einzusehen, sorgfal-
tigst zu vermeiden. Und warum? Damit sie bey
den so vielen Fällen, wo sie gefragt werden, ob sie
diesen Knaben gehört haben und was sie davon hal-
ten, allezeit sagen könnten, dass sie ihn nicht gehört
haben und dass es unmöglich wahr seyn könnte; dass
es Spiegelfechterey und Harlekinade wäre; dass es
abgeredete Sachen wären, da man ihm Musik zu
spielen gäbe, die er schon kenne; dass es lächerlich
sey, zu glauben, er componire. Sehen Sie, desswe-
gen fliehen sie uns. Denn wer gesehen und gehört
hat, kann nicht mehr so reden, ohne sich in Gefahr
zu setzen, seine Ehre zu verlieren. Einen von die-
ser Art Leute habe ich in das Garn bekommen.
Wir hatten mit Jemand abgeredet, uns in der Stille
Nachricht zu geben, wenn er zugegen wäre. Er
sollte aber daliin kommen, um dieser Person ein
recht ausserordentlich schweres Conoert zu überbrin-
gen, welches man dem Wolfgangerl vorlegen sollte.
Wir kamen also dazu und er hatte hiemit die Gele-
genheit, sehr Concert von dem Wolfgangcrl so weg-
spielen zu hören, als wüsste er es auswendig. Das
Erstaunen dieses Compositeurs und Ciavieristen , die
Ausdrücke, deren er sicli in seiner Bewunderung be-
diente, gaben uns Alles zu verstehen, was ich Ihnen
oben angezeigt habe. Zuletzt sagte er j. ich kann
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als ein ehrlicher Mann nicht anders sagen,
als dass dieser Knabe der grösste Mann ist,
welcher dermalen in der Welt lebt: es war
unmöglich zu glauben.
Um nun das Publicum tu überzeugen, was ei-
gentlich an der Sache ist, so habe ich es auf einmal
auf etwas ganz Ausserordentliches ankommen zu las-
sen mich entschlossen. Nämlich, er soll eine Oper
für das Theater schreiben. Und was glauben Sie,
was für ein Lärmen unter der Hand unter dmi Com-
ponisten entstanden ist: „Was? heute soll man
einen Gluck, und morgen einen Knaben
Ton zwölf Jahren bey dem Flügel sitzen
und seine Oper dirigiren sehen?" Ja, trotz
allen Neidern ! Ich habe sogar den Gluck auf unsere
Seite gebracht, so zwar, wenn es ihm auch nicht"
von Herzen geht, dass er es nicht darf mer-
ken lassen, denn unsere Protectoren sind" auch die
seinigen. Und um mich wogen der Acteurs sicher
zu stellen, die den Componisten gewöhnlich den mei-
sten Verdruss machen, so habe ich die Sache mit
ihnen selbst angefangen und einer von ihnen musste
mir selbst alle Anschläge dazu geben. Den ersten
Gedanken aber, den Wolfgangerl eine Oper schrei-
ben zu lassen, gab mir, die Wahrheit zu bekennen,
der Kaiser selbst, indem er den Wolfg, zwey Mal
gefragt hat, ob er nicht eine Oper schreiben und
selbst dirigiren wolle. Dieser antwortete freylich: Jaj
allein der Kaiser konnte auch mehr nicht sagen, in-
dem die Opern den dfftigio angehen.
Nun darf ich mich kein Geld gereuen lassen,
denn es wird wohl heut oder morgen wieder kom~
134
• >
men. Wer Nichts wagt, gewinnt Nichts; ich muss
die Sache recht ans Licht bringen. Es muss gehen
oder brechen. Und was ist dazu geschickter als das
Theater?
Es , ist aber keine Opera seria, denn es wird
keine/ Opera seria mehr jetzt gegeben und man liebt
sie auch nicht, sondern eine Opera huffa. Nicht aber
eine kleine Opera huffa, sondern zu drittehalb bis
drey Stunden lang. Zu seriösen Opern sind keine
Sanger hier. . Selbst die traurige Gluck'sche Oper :
Alceste ist von lauter Opera huffa - Sängern aufge-
führt worden. Jetzt macht G. auch eine Opera huffa.
Für die Opera huffa sind excellente Leute da: Sig-
nori Caribaldi, Caratoli Poggi, Laschi, Polinij die
Signore Bernasconi, Eberhard* , Baglioni.
Was sagen Sie dazu? Ist der Ruhm, eine Oper
für das Wiener Theater geschrieben zu haben, nicht
der beste Weg, nicht nur einen Credit in Teutsch-
land, sondern in Italien zu erhalten? ^— ^— —
(Leopold M. Brief No. 52.)
• . Wien, den So, Märt 1768.
Wir befinden uns Alle gesund und, Gott sey
Dank gesagt, in guten Umständen. Pas Eis ist ge-
brochen, iiicjit WW auf der Donau, sondern in un-
sern Angelegenheiten. Unsere Feinde sind geschla-
gen, NB, hier in Wi«n» Es kann Nichts auf einmal
geschehen. Ich habe durch FMegma Bestien in Men-
♦ sehen verwandelt und sie ihrer eigene» Beschämung
überlassen. .: 1 .
Vorige Weche war für uns ein grosses Concert
bey dem russischen Botschafter, Fürsten Gallizin.
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Mit der Oper (?) geht es auch gut, Allein sie iyird
erst bey der Rückkunft des Kaisers aus Ungarn viel-
leicht aufgeführt werden. — —
* • w ■ Ii,'
(Leopold M. Brief No. 53.)
Wien, den 11« May 1768.
Von uiiserm Oberst -Hofmeister habe icli fol-
gendes Sclireiben erhalten:
„Per espresso comando di S. A. Rma. dep o far
sapere a V. S.> qualmente il clcmentissimd Principe
Padrone niente abbia in contrario, che il Sign. Mo-
zart se ne possi restar fuori a suo piacimento sin
tanto che yuole, ed inoltre gli passerä ancora questo
mese di Marzo il suo salario; ma inavvenire, quando
non sej attualmente presente in Salisburgo, sara ben
si mantenuto conie prinia nel suo servisio, ma du~
•'..«— St
rante la sua assenza non gli lasciera piu correre il
solito salario."
Sehen Sie, welche Gnade! Ich kann nach mei-
nem Belieben ausbleiben, wenn ich nur nicht begeh-
f * *
re, dass man mich bezahle. "Ich bin sein* wohl da-
mit zufrieden. Wenigstens kann ich ohne fernem
Vorwurf ausbleiben. Dass ich durch den Vorsprach
des Herrn Bruders Sr. hoehfürstlichen Gnaden die
Besoldung als Instructor in det Violine in dem fürst-
lichen Kapellhause und erster Geiger wieder erbet-
teln könnte, wie man mir schreibt, mag wohl wahr
seyn. Der Bruder weiss die schöne IJistorie 5 ich
erzählte sie ihm liier. Allein wie kann ich mit Bil-
ligkeit und Ehre etwas erbetteln, was ich, da ich
meinen Dienst in Salzburg nicht verrichte, nach dem
gewissesten Ausspruche der meisten dasigen Hofleuto
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136
nicht verdiene? Es ist im Gegentheile dieses dasje-
nige , was mir eine Erlaubniss zur Reise nach Italien
erleichtert: eine Reise, die, wenn man alle Umstän-
de in Erwägung zieht, nicht mehr kann verschoben
werden und dazu ich vom Kaiser selbst allen Vor-
schub in alle kaiserl. Staaten und nach Florenz und
Neapel habe. Oder sollte ich vielleicht in Salzburg
sitzeri, in leerer Hoffnung nach einem bessern Glücke
seufzen, den Wolfgangerl gross werden und mich
und meine Kinder bey der Nase herumführen lassen,
bis ich zu Jahren komme, die mich, eine Reise zu
machen, Verhindern, und bis der Wolfgangerl in die
Jahre und den Wachsthum kömmt, die seinen Ver-
diensten die Verwunderung entziehen? Soll mein
Kind durch die Oper in Wien den ersten Schritt
umsonst gethan haben und nicht auf dem einmal so
breit gebahnten Wege mit starken Schritten fort-
(Leopold M. Brief No. 54.)
...» • •••». ,x
. Wien, den 27. Juuy 1768.
Iph hätte Ihnen eine schwere Menge von allen
Gattungen der ausgesonnensten Ränke und boshaften
Verfolgungen zu erzählen. Allein ich bin zu müde,
sie in meinen Gedanken zu wiederholen, und will es
besser auf mündliche Unterredung versparen,
■
Wir befinden uns, Gottlob! Alle gesund, wenn
gleifch der Neid auf allen Seiten auf uns losstürmt.
Ich bleibe bey meinem alten Spruche: In te, Domi-
ney speravi} ßat volantas tua. WaS Gott nicht will,
will ich auch nicht.
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I
(Leopold M. BtttfjNft 55.) '
Wion, den 5o. Jujy 1768.
i Unsern so langen* Aufenthalt hier-
selbst betreffend, sind wir höchst rriissvergnügt 5 ja,
Nichts als unsere Ehre hält uns zurück, sonst wür-
den wir bereits lange in Salzburg zurück seyn. Demi
wollten Sie Wohl, dass man 4ri ganz Wien sagen"
sollte, der Wolfgangerl hätte die Oper in Wieri
nicht verfertigen können, oder sie wäre so elend
ausgefallen, dass man sie nicht hätte aulrühren kön-
nen, oder er hätte sie nicht gemacht, sondern der
Vater? Wollten Sie, dass man mit kaltem Blute *
erwarten sollte, dass derley Verlaumdungen in alle
Länder ausgeschrieben würden ? Wurde dieses Wohl
zu unserer Ehre, ja, würde es zur Ehre unsers gnä-
digsten Fürsten seyn? Sie , werden fragen, was der
Kaiser dazu sagt. Hier muss ich die Sache, nur kurz
berühren, denn ausführlich lässt es sich nicht be-
schreiben. Doch Sie werden es einsehen; Hätte ich
Alles gewusst, was ich nun weiss, und hätte ich Zu-
fälle vorhersehen können, die sich ereignet haben^
so wurde der Wolfgangerl gewiss keine Note ge-
schrieben haben, sondern längst zu Hause seyn. Das
Theater ist verpachtet, oder vielmehr einem -gewis-
sen Affligio überlassen. Dieser muss jährlich' einige
tausend Guldeit an Leute bezahlen , die der Hof sonst
bezahlen musstc. Der Kaiser und die ganze kaiserl.
Familie zahlen Nichts für die Eutree. Folglich hat
diesem Affligio der Hof nicht ein Wort zu sagen,
indem Alles auf seine Gefahr gehfund er nun wirk-
lich in Gefahr steht, ins Verderben zu gerathenV 1 s
Der Kaiser fragte einst unsern Wolfgangerl, ob
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13S
er nicht eine Oper schreiben möchte, und setzte hinzu,
dass er ihn. gerne bey dem CJaviere die Oper dirigi-
ren seien würde. Der Kaiser liess dieses auch dem
Affligio zu erkennen geben, der es denn auch gegej*
Bezahlung von 100 Dukaten mit uns richtig machte.
Die Oper sollte anfangs auf Ostern gemacht werden;
allein <Jer Poet war der erste, der es hinderte, in-
dem, er., um nur da und dort nothwendige Verän-
derungen vorzunehmen, es immer verzögerte, so das«
man von den veränderten Arien um Ostern erst zwev
von ihm erhalten konnte. Es wurde auf Pfingsten,
und dann auf die Rückkunft des Kaisers aus Ungarn
festgesetzt. Allein Jii^r fiel die Larve vom Gesicht.
Denn unter dieser f Zeit haben alle Componisten, da-
runter Gluck eine. Hauptperson ist, Alles untergra-
ben, um den Fortgang dieser Oper zu hindern. Die
Sänger wurden aufgeregt, das Orchester aufgehetzt,
und Alles angewandt, um die Aufführung der Oper
einzustellen. Die Sänger, die ohnehin kaum die No-
ten < kennen, und darunter ein und Anderer Alles
gänzlich nach dem Gehöre lernen muss, sollten nun
sagen; sie könnten ihre Alien nicht singen, die sie
doch yorhcr im Zimmer bey uns hörten , genelimigT
ten, applaudirten , und sagten, dass sie ihnen recht
wären. Das Orchester sollte sich nun nicht gerne
von einem Knaben dirigiren lassen, u. s. w. Inzwir
sehen wurde von Einigen ausgesprengt, die Musik
sey keinen blauen Teufel Werth j von. Andern^ die
Musik sey nicht auf die Worte, und wider das Me-
trum geschrieben , indem der Knabe nicht genug die
ilalienkche ßprache verstehe. Kaum hörte ich dieses,
^ bewiess ich an den ansehnlichsten Orten, das« der
9 • * *
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139
Musikvater Hasse und der grosse Metastasio sich dar-
über erklärten, dass1 diejenigen Verleumder, die die-
ses aussprengten, zu ihnen kommen sollten, um aus
ihrem Munde zu hören, dass dreissig Opern in Wien
aufgeführt worden wären, die in keinem Stücke der
Oper dieses Knaben beykämen, welche sie beyde in
höchstem Grade bewunderten. Nun hiess es, nicht
der Knabe, sondern ü!ep Vater habe sie gemacht Aber
auch hier fiel der Credit der Verläumder, denn sie
verfielen ab uno extremo ad aliud, und hier saassen
sie gleich, im Pfeffer. Ich liess den nächsten besten
Theil der Werke Metastasio's nehmen, das Bueh öff-
nen, die erste Arie, die in die I Lande kam, dem
Wolfgangerl vorlegt n. Er ergriff die Feder und
schrieb, ohne sich zu bedenken, in Gegenwart vieler
Personen von Ansehn die Musik dazu mit vielen In-
strumenten in der erstaunlichsten Geschwindigkeit.
Diess that er bey dem Kapellmeister Bono, bey Me-
tastasio, bey J lasse, bey dem Herzoge von Braganza
d bey dem Fürsten Kaunitz. Indessen war wieder
eine andere Oper ausgetheilt worden: da aber nun
nicht mehr zu widersprechen ist, so soll Wolfgan-
gerls gleich darauf gemacht Wörden* v : j; t .
Hundertmal liabe ich wollen zusammen packen
und davon ziehen. Und wäre es eine Opera aeria,
wäre ich den Augenblick, ja den ersten Augenblick
abgereist, und hätte sie Sr. hochfurstl, Gnaden zu
Füssen gelegt. Allein, da es eine Opera buffa ist,
und zwar eine solche, die besondere Charaktere von
persone buffe erfordert, so muss ich unsere Ehre
hier retten, es kos^e, was es wolle. Es steckt die Ehre
unseres gnädigsten Landesfürslen ebenfalls darunter.
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' 140
*
Sc. hochfürstl. Gnaden haben keinen L ügner, keinen
Charlatan, keinen Leutebetrüger in Ihren Diensten,
die mit Vorwissen und gnädigster Erlaubniss an frem-
de Orte gehen, um den Leuten, gleich den Taschen-
spielern, einen blauen Dunst vor die Augen zu ma-
chen, nein, sondern ehrliche Männer, die zvu? Ehre
ihres Fürsten und Vaterlandes der Welt ein Wun-
der verkündigen, welches Oott in Salzburg hat las-
seh gdbohren werden. Ich bin diese Handlung dem
allmächtigen Oott* schuldig 5 sonst wäre ich die un-
dankbarste Creatur. Und wenn ich jemals schuldig
bin, die Welt dieses Wunders halber zu überzeugen,
so ist es eben jetzt, da man Alles, was nur ein Wun-
der heisst, lächerlich macht, und allen Wundern
widerspricht. Man muss sie demnach überzeugen ;
und war* es nicht eine grosse Freude und ein gros-
ser Sieg für1 mich, da ich einen Voltairianer mit ei-
nem Erstaunen zu mir sagen horte: Nun habe ich
einmal in meinem Leben ein Wunder g'ese-
lien; das ist das erste. Weil nun aber dieses
Wunder zu sichtbarlich und folglich nicht zu wider-
sprechen ist, so will" man es unterdrücken. Man
will Gott die Ehre nicht lassen. Man denkt,
. . • • • ■
es kömmt nur noch auf einige Jahre an, alsdann
verfällt es ins Natürliche und hört auf, ein Wunder
Gottes zu seyn. Man will es «demnach den Augen
der Welt entziehen; und wie würde es sichtbarer,
als in einer grossen volkreichen Stadt durch ein öf-
fentliches Spectakel? Aber sollen wir uns üljer frem-
de Verfolgungen wundern,' da fast dergleichen in
3em Geburtsorte dieses Kindes geschehen? "Welche
Schande! Welche Unmenschlichkeit!
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I
*
I
Nun werden Sie sich noch wundern, warum der
Fürst Kaunitz und andere Grosse, ja der Kaiser selbst
nicht befehlen, dass die Ojter aufgeführt wird. Erst-
lich können sie es nicht befehlen, weil «3 nur das
Interesse des Sign. Affligio (den einige Graf Affligio
heissen) betrifft. Zweytens würden sie, es ihm zu
einer andern respective befehlen. Allein, da der
Fürst Kauniz wider den Willen des Kaisers den Af-
fligio beredet hat, dass er französische Comödianten
hat kommen lassen, die ihm jährlich über 70000 fl»
kosten, und die ihm nun, da sie den gehofften Zu-
lauf nicht haben, den Untergang bringen, und A.
die Schuld auf den Fürsten Kauniz wälzt, dieser;
Fürst hingegen sich Hoffnung machte, den Kaiser
dahin zu bewegen, dass er an dem französischen
Theater Belieben habeh und die Unkosten dem A#
ersetzen sollte, so Hess der Kaiser sich viele Wochen
in keinem Spectakel sehen- Sehen Sie den verdriess-
iichen Umstand, der sich zu gleicher Zeit ereignen
musste, und der auch dazu half, dass A. sich leicht
bereden liess, die Oper des Wolfgangerls vom Hals
zu schieben, und die 100 Dukaten im Sacke zu be-
halten, und die anderer Seits verhinderte, dass aus
Furcht des Ersatzes der 70000 ü» Niemand mit einem
scharfen und befehlenden Nachdruck mit A. sprechen
wollte. Inzwischen ist doch Alles dieses unter der
Hand geschehen. A. schob den Verschub auf die
Sänger, und sagte, sie könnten und wollten die Oper
nicht singen. Die Sanger, hingegen schoben es auf
den A. , und gaben vor, er hätte gesagt,- dass er sie
nicht auffuhren werde; sie könnten sich ja ein und
anderes ändern lassen. Sie soll also aufgeführt wer-
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I
142
den. Sollte nun aber ein neues Hindernis* sich aus-
sern, so werde ich meine Klage an die Majestäten
gelangen lassen und eine solche Genugthuung ver-
langen, die unsere Ehre vor der ganzen ehrlichen
Welt rettet 5 denn es würde keine Ehre für uns, ja
für den Hof zu Salzburg seyn, wenn wir uns durch
den uns verfolgenden Neid so platterdings abtreiben,
und den Bosshaften Platz liessen, nach unserer Ab-
reise dem unwissenden Publicum vorzusagen (wie es
bereits geschehen), dass der Wolfgang die Oper gar
, nicht zu Stande gebracht habe , oder dass sie so
schlecht ausgefallen, dass man sie gar nicht habe auf-
führen können. So muss man sich in der Welt durch-
raufen. Hat der Mensch kein Talent, so ist er un-
glücklich genug. Hat er Talent, so verfolgt ihn der
Neid nach dem Maasse seiner Geschicklichkeit. Ueber
alles dieses fällt jetzt die Sängerin Bernasconi in einen
starken Katharr, und die Baglioni ist auch nicht wohl. .
Das wird wieder die Sachen auf drey. Wochen ver-
schieben, so dass ich mit dem äussersten Verdrusse,
dergleichen ich auf unsern vorigen Reisen keinen
gehabt habe, den Ausgang dieser verhassten Säche
abwarten muss. Alle vernünftigen Menschen müssen
mit Schaam bemerken, dass es eine Schande für un-
• sere Natron ist, dass wir Teutschen einen Teut-
schen zu unterdrücken suchen, dem fremde Nationen
durch die grösste Bewunderung, ja durch öffentliche
Schriften haben Gerechtigkeit wiederfahren • lassen.
Allein mit Geduld und Standhaftigkeit muss man
die Leute überzeugen, dass die Widersacher boshafte
Lügner, Verläumder und neidische Creaturen sind,
die über ihren Sieg in die Faust lachen' würden,
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/
143 /
» — — — — — —
wenn man sich erschrecken oder ermüden Hesse, um
so mehr als solche Leute in Wien, die etwa eine
Prinzessin oder einen k. Prinzen zu unterrichten ha-
ben; ja auch diejenigen, die nur die hiesige Luft
einschlucken, sonst stolz genug sind, weil hi
Sitz des Kaisers ist, Leute, die auswärtigen Für-
sten dienen, mit Verachtnng anzuschauen, üriJ von
auswärtigen Fürsten höhnisch und niederträchtig zu
sprechen. Nun, glaube ich, wissen Sie meine Um-
stände, und dennoch habe ich nur überhaupt erzählt;
Ich würde auch diese Begebenheit an Se. hochfürstl.
Gnaden unsern gnädigsten Herrn selbst gerichtet ha-
ben, wenn ich Höchstdieselben mit einer so langen
Geschichte, in wich tigern Sachen zu stören, nicht
Anstand genommen hätte« Wir- empfehlen uns Ihro
Hochwürden und Gnaden, dem gnädigen Hrn. Beicht-
vater, und bitten, er möchte uns Sr. hochfiirstlichen
Gnaden ztt Füssen legen.
Sie sehen aus Allem, dass meine Feinde in Salz-
burg es gut mit uns meynen, da sie daselbst aus-
sprengen, der Wolfgang hätte 2000 fl. für die Oper
bekommen. * ' ' '
(Leopold M. Brief No. 56.) .
Wifen, den 6. Angurt 1768.
— — — Ich würde der verdriesslicheri Begeben-
heiten, die mich hier halten, müde seyn, wenn ich
nicht aus Erfahrung wüsste, dass manche Sache oft
eine ganz andere Wendung bekömmt , als man jemals
hoffen hönnte. Wie manchmal hat mich die gött-
liche Vorsehung augenscheinlich mit Gewalt arige*
trieben oder zurückgehalten l — — —
Digitjzed by Google
(Leopold M. Brief No. 57.)
;: : . . • . •
... „; yKtu, den i3. Sept. 1768. ;
, — Das Beste ist npch, dass wir Alle,
Gottlob! gesund sind. Ich kann Ihnen unsere Sachen
unmöglich umständlich genug beschreiben: es fehlt
an Zeit und Geduld. Mündlich sollen Sie Alles und
zwar erstaunliche Sachen hören. Sobald unser Han-
del aus ist, reisen wir augenblicklich ab.
"Wir speisen manchmal bey dem P. Parhammer,
und waren auch bey ihm, als der Kaiser den Grund-
stein zu der neuen Kirche legte. Damals fragten
Se. Majestät, wie Mehrere hörten, den Wolfgang,
wie weit er mit der Oper gekommen wäre, und
sprach sehr lange mit ihm. — .
\ (Leopold M. Brief No, 53.) . ' ]
Wien, den i4, Sept. 1768. ,
— « Was die Oper des \Volfg* anbelangt»
kann ich Ihnen kurz nichts anders sagen , als' dass
die ganze Musikhölle sich empört hat, um zu ver-
hindern, dass man die Geschicklichkeit eines Kindes
sehen soll. Ich kann sogar auf die Aufführung nicht
dringen, da man sich verschworen hat, sie, wenn es
aeyn müsste, elend aufzufuhren, und zu verderben.
Ich jnusste die Ankunft des Kaisers erwarten : sonst
würde die Bataille längst ihren Anfang genommen
haben. Ich werde Nichts unterlassen, was die Ret-
tung der Ehre meines Kindes erheischt. Ich wusste
es schon lange: noch länger aber argwohnte ich es.
Ich sagte es sogar deni Grafen von Zeil, welcher
aber glaubte, dass alle Musici für den Wolfg. ein-
genommen wären, weil er auch nach dem Aeusser-
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in im i
liehen artheilte, und ihm die innerliche Bosheit die*
ser Vieher nicht bekannt war. Geduld! die Zeit
wird Alles aufklären, und Gott übst Nicht* verge-
bens geschehen. — *— . . * .
/
(Leopold M. firfef fto. 5g.)
Wien, den a4. Sept 1768.
- •
Heute habe ich an Se. JTochfurstliche Gnaden
geschrieben. Ich hoffe, der Bruit, von dem Sie
1 melden, werde ohne Grund seyri. Sollte aber Gott
etwas Anderes mit uns vorhaben, so stünde es zu
ändern, nicht in unserer Gewalt. Immer hoffe ich,
Sie werden mich nicht in Ungewissheit lassen, auch'
nur einen Augenblick.
. ■**,•»
Am 21. d. M. hatte ich bey dem Kaiser Audienz
und überreichte ihm meine Beschwernisse wider deu
Theaterimpressar. Es ist auch schon die Untersu-
chung dem Grafen Spork übergeben, und Aflligio
hat Befehl sich zu verantworten. Der Kaiser war
auf das gnädigste und versprach alle Gerechtigkeit.
Heute habe ich wieder Geld aufnehmen müssen. t)et
Himmel wird Alles wieder ersetzen. — — — •
« »
»
. Species facti. '
. • . . . Wian.
Nachdem viele des hiesigen Adels sowohl durch
auswärtige Nachrichten als durch eicene Untersuchung"
■
und angestellte Proben von dem ausserordentlichen
Talente meines Sohnes überzeugt waren, wurde es
durchgehend* als eine der bewunderungswürdigsten
Begebenheiten dieser und der vorigen Zeiten ange-
sehen, wenn ein Knabe von zwölf Jahren eine Oper
schreiben und selbst dirigiren sollte. Eine gelehrte
10 1
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i46
Schrift aus Paris bestärkte diese Meinung, indem sol-
che, nach einer ausführlichen Beschreibung des Ge-
nie's meines Sohnes, behauptet: es wäre kein Zweifel,
dieses Kind werde in einem Alter von zwölf Jahren
auf einem oder dem andern Theater Italiens eine
Oper schreiben. Und Jederman glaubte, ein Deut-
scher müsse solch einen Ruhm nur seinem Vaterlande
' ■ _ * w %
vorbehalten. Ich wurde hierzu einhellig aufgemun-
tert. Jch folgte der allgemeinen Stimme, und der
holländische Gesandte, Herr Graf von Degenfeld war
der erste > welcher dem Theaterimpressarius Affligio
den Vorschlag machte, weil ihm die Fähigkeit des
Knaben schon von Holland aus bekannt war. Der
Sänger Carattoli wer der zweyte, der es dem Affli- '
gio vortrug. Und die Sache ward bey dem Leib-
medicus . Laugier in Gegenwart des jungen Baron
von Swieten und der zwey Sänger Carattoli und
Caribaldi mit dem Impressarius beschlossen, um so
mehrmals Alle, sonderbar die zwey Sänger, mit gröss-
tem Ausdruck behaupteten, dass eine auch «ehr mit«
telmassige Musik von einem so jungen Knaben we-
gen des ausserordentlich wunderbaren, und schon um
dieses Kind ein. Orchester beym Ciavier sein Werk
dirigiren zu sehen, die ganze Stadt ins Theater zie-
hen müsse. Ich liess also meinen Sohn schreiben.
\ / febbald der erste Akt fertig war, bat ich den
Garattoli selbst, solchen zu Koren und zu benrth ei-
len, um mich sicher tu stellen. Er kam, und seine
Verwunderung war so gross, dass er gleich den fol-
genden Tag wieder bey mir erschien J tfnd den Cari-
baldi mit sich brachte. Caribaldf, nicht weniger er-
staunt , führte ein paar Tage darauf den Pöggi zu
mir/ Alle zeigten einen so ungemeinen Beyfall, dass
sie alle auf mein wiederholtes Fragen: ob sie wohl
glaubten, dass es gut wäre? ob sie dafür hielten,
dass er fortfahren sollte ? sich über mein Miss trauen
ärgerten, und öfters mit vieler Bewegung ausriefen:
Cosa! Come! Questo e* un portento. Questa opera
andra alle stelle. CuncLjneraviglia. Nondubiti, che
scrwi avantil samrat einer Menge anderer Ausdrücke* *
Das Nämliche sagte mir Carattoli in seinem eigenen
Zimmer.
• • •
Durch den Beyfall der Sänger eines erwünschten
Erfolgs versichert, liess ich meinen Sohn in der Ar-
beit fortfahren, bat aber auch den Leibmedicüs Logier,
mit dem Impressarius der Bezahlung halber in mei-
nem Namen Richtigkeit zu machen. Es geschähe,
und Aflligio versprach 100 Ducaten. Um nun mei-
nen theuern Aufenthalt in Wien zu verkürzen,
machte ich damals den Antrag, dass die Oper noch
vor der Abreise Sr. Majestät nach Ungarn aufgeführt
werden möchte. Allein einige Abänderungen,* die
der Poet im Texte zu machen hatte, hemmten die
Composition; und Affligio erklärte sich, dass er sol-
che auf die Zurückkunft Seiner Majestät wolle auf-
führen lassen.
• , . . .■,.»•
Nun lag die Oper schon einige Wochen fertig.
Man fing zu copiren an, und der erste Akt wurda
den Sängern, gleich darauf der zweyte, ausgetheilt,
da unterdessen mein Sohn eine und andere Arie, ja
sogar das Finale des ersten Akts bey verschiedenen
Gelegenheiten der Noblesse beym Ciavier produciren
rausste, welche von Allen, bewundert worden, davon
.. 10*
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148
bey dem Fürsten von Kauniz Affligio selbst Augen-
und Ohrenzeuge war, •■ •
Nun sollten die Proben ihren Anfang nehmen.
Allein, wie hätte ich dieses vermuthen sollen l hier
nahmen auch die Verfolgungen gegen meinen Sohn
ihren Anfang. .
Es geschieht sehr selten, dass eine Oper gleich
bey der ersten Probe vollkommen gut ausfallen , und
nicht hin und wieder eine Abänderung erleiden sollte.
Eben desswegen pflegt man Anfangs beym Flügel al-
lein, und bis nicht die Sänger ihre Parthien, beson-
ders die Finalen wohl zusammen studirt haben, nie-
mals mit allen Instrumenten zu probiren. Doch hier
geschah das Gegentheil. Die Rollen waren noch nicht
genug studirt, es war keine Probe der Sänger bey
dem Claviere gemacht, die Finalen nicht zusammen-
studirt; und dennoch nahm man die Probe des ersten
Acts mit dem gauzen Orchester vor, um nur der
Sache gleich Anfangs ein geringes und verwirrtes
• Ansehen zu geben. Niemand, der zugegen war, wird,
es eine Probe nennen, ohne darüber zu erröthen.
Das lieblose Betragen derjenigen, denen es ihr Ge-
wissen sagen wird, will ich nicht anführen. Gott
mag es ihnen verzeihen!
Nach der Probe sagte mir Affligio : es wäre gut ;
doch da ein und anderes zu hoch wäre, so müsste da
und dort einige Veränderung gemacht werden; ich
möchte nur mit den Sängern sprechen: und da Se.
Majestät schon in zwölf Tagen hier wären, so wolle
er die Oper in vier, längstens sechs "Wochen aufrüh-
ren, damit man Zeit habe, Alles in gute Ordnung zu
bringen, ich solle mich darüber gar nicht aufhalten;
i
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• I
149
er sey Mann von seinem Worte, und werde in Allem
sein Versprechen halten; es sey nichts neues; auch
bey andern Opern gingen Veränderungen vor,
Bs wurde demnach dasjenige, was die Sänger
verlangten, abgeändert, und in dem ersten Acte zwey
h neue Arien gemacht, unterdessen aber im Theater
- la Caschina aufgeführt. . .
Nun war die bestimmte Zeit verflossen , und ich
hörte, Affiigio habe abermals eine andere Oper aus-
theilen lassen. Es ging sogar die Rede, Affligio
werde die Oper gar nicht aufführen; er hatte sich
verlauten lassen, die Sänger könnten sie nicht sin-
gen. — Und diese hatten sie vorher nicht nur gut
geheissen, sondern auch bis in den Himmel erhoben.
Um mich auch wider dieses Geschwätz siclier zu
« stellen, musste mein Sohn bey dem jungen Baron
von S wie ton in Gegenwart des Grafen von Spork,
des Duca di Braganza und anderer Musik verständigen
die ganze Oper beym Ciavier produciren. Alle ver-
wunderten sich höchstens über das Vorgeben des
Affligio und der Sänger: Alle waren sehr gerührt
und erklärten einhellig, dass ein so unchristliches,
unwahrhaftes und boshaftes Vorgeben nicht zu be-
greifen wäre; dass sie diese Oper mancher italieni-
schen vorzögen, und dass, statt ein solches himmli-
sches Talent zu ermuntern, eine Kabale dahinter
stecke, welche sichtbarlich nur dahin abeiele, dem
unschuldigen Knaben den Weg zu seiner verdienten
Eine und Glück abzuschneiden.
Ich begab mich zu dem Impressarius , um die
wahre Beschaffenheit der Sachen zu erfahren. Die-
ser sagte mir: er wäre niemals dagegen, die Oper
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150
aufzuführen; ick werde es ihm aber nicht verdenken,
wenn^er auf sein Interesse sehe; man hatte ihm ei-
nigen Zweifel beygebracht, dass die Oper vielleicht
nicht gefallen möchte; er habe die Caschina und
wolle nun auch die Buona figliuola probiren lassen,
dann aber gleich des Knaben Oper aufführen; sollte
sie nicht, wie er wünsche, gefallen, so wäre er we-
nigstens schon mit zwey andern Opern versehen.
Ich schützte meinen bereits laugen Aufenthalt vor,
und -dessen Verlängerung. Er erwiederte: Ey was!
acht Tage mehr oder .weniger!. 'Ich lasse sie
dann gleich, vornehmen. Bey diesem blieb es
nun. Des Carattoli Arien .waren geändert, mit Ga-
ribaldi Alles richtig gemacht, desgleichen mit Poggi
und Laschi, Jeder versicherte mich insbesondere: er
hätte nichts einzuwenden, Alles käme lediglich auf
den Affligio an. Inzwischen verflossen mehr als vier
Wochen. Der Copist sagte mir, er habe noch keine
Ordre, die. veränderten Arien abzusclireiben; und da
ich bey der Hauptprobe der Buona figliuola ver-
nahm , Affligio wollte wieder eine andere Oper vor-
nehmen, stellte ich ihn seibst zur Rede. Hierauf
gab er in meiner und des Poeten Coltellini Gegen-
wart demCopisten Befehle dass Alles in zwey Tagen
ausgetheilt und die Oper längstens in 14 Tagen mit
dem Orchester probirt werden sollte.
Allein die Feinde des armen Kindes (wer sie
immer sind) haben es abermals hintertrieben. An dem
nämlichen Tage bekam der Copist Befehl, mit dem
Schreiben i einzuhalten. Und in ein paar Tagen er-
fuhr ich, Affligio hätte nun Beschlossen, die Oper
des Knaben gar nicht auf das Theater zu geben. Ich
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151
wollte Gewissheit in der Sache haben, ging zu ihm,
und erhielt den Bescheid: Er hätte die Sänger zu-
sammen berufen, diese geständen ein, dass die Oper
zwar unvergleichlich componirt, aber nicht theatra-
lisch wäre, und folglich von ihnen nicht könnte auf-
geführt werden v. Diese Rede war mir unbegreiflich»
Deun sollten wohl die Sänger wirklich wagen, das-
jenige, ohne schamroth zu werden, zu verachten, was
sie vorher bis au die Stqrne erhoben, zu welchem
sie den Knaben selbst aufgemuntert, und was sie
dem Aflligio selbst als gut angepriesen haben? Ich
antwortete ihm: er könnte nicht .verlangen, .dass der
Knabe die grosse Mühe, eine Oper zu schreiben , um-
sonst unternommen habe. Ich erinnerte ihn seines
Accordes. Ich gab ihm zu verstehen, dass er uns
vier Mouato herumgezogen, und uns iu mehr als
160 Ducaten 'Unkosten gebracht habe. Ich .ariiincrto
ihn der v^n. njir, versäumten Zeit, und versiegte
ihm, dass icl> mich sowohl der iOO Ducaten, dLC Cr
mit dem, Lcibinedicus Laugier; accordirt- Ji^tte, als
übrigen Unkosten halber; ,an ihn „Judten; wej^le. Auf
diese meine billige Forderung ertheilte exv inir eine
unverständliche Antwort, die seine Verlegenheit Vcr-
rieth, mit der 5?r(. sich, ich weiss nicht wricj voi,' <jer
ganzen Sache loszumachen suchte, bis er endlich hiich
mit den schändlichst lieblosen Ausdrücken verliess:
wenn ich den -Knaben wollte prostituirt haben, b0
Werde er die Oper belachen . mid auspfeifen lasse^.
Coltellini hörte dieses Alles. . ,
Dicss wä>e also 4er Lohn, der meinem Söhnt*
für seine grosse .Bemühung , eine Oper zu schreiben,
davon sein Original £58 Seiten beträgt, für die ver7
i
152
säumte Zeit und die gemachten Unkosten angeboten
wird! Und wo bliebe endlich, was mir am meisten
am Herzen liegt, die Ehre und der Ruhm meines
Sohnes, da ich nun nicht mehr wagen darf, auf die
Vorstellung der Oper zu dringen, nachdem man mir
deutlich genug zu verstehen gegeben hat, dass man
sich alle Mühe geben wurde, solche elend genug zn
produciren; dass man ferner bald vorgiebt, die Com-
positum sey nicht zu singen, bald, sie sey nicht thea-
teralisch, bald, sie sey nicht nach dem Texte, bald,
er wäre nicht fähig gewesen, eine solche Musik zu
schreiben, und was derley albernes und sich selbst
widersprechendes Geschwätz immer ist, welches doch
Alles bey einer genauen Untersuchung der musika-
lischen Kräfte* meines Kindes, — um welche ich
hauptsächlich zu seiher Ehre angelegentlichst und
aUtöruntertliänigst bitte — zur Schande der neidischen
ehrenrauberischen Verlaumder wie ein Rauch ver-
ackernden und Jederman überzeugen wird, dass es
ledigen dahin abziele, ein unschuldiges Geschöpf,
dem Gott ein ausserordentliches Talent verliehen,
Welt%nes andere Nationen bewundert und aufgemun-
tert haben, in der Hauptstadt seines deutschen Va-
terU&des zu unterdrücken önd unglücklich zu machen.
4. • *
* * • * • • w#a*«/*^w ii $ ■ « '#',4 •
/ . (Leopold M. Brief No. 60.) "
% . »• ' >' 1 ! .7 h. Wien, den ia. Not. 1768.
— — Am- Feste der unbefleckten Em-
piangniss wird die neue Kirche des F. Parhammer-
ischen Waisenhauses benedicirt werden. Der Wolfg.
hat zu diesem Feste eine solenne Messe , ein OlFer-
torium und Trompeten - Concert für einen Knaben
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. . 153
componirt und dem WaisetiRause verehrt. Glaublich
wird der Wolfg. selbst tactiren. Es hat Alles seine
Ursachen« — • — — • *
(Leopold M. Brief No. 61.)
, / • • Wien, den i4. Dec. 1768.
k — — Wir haben unsere Sachen erst jetzt
beendigen können.
Die Messe, die am 7. Decbr. in Gegenwart des
kaiserl. Hofes bey dem P. Parhammer von Wolfg.
ist aufgeführt worden und wobey er selbst den Tact
geschlagen hat. hat dasjenige, was die Feinde durch
Verhinderung der Oper zn verderben gedacht haben,
wieder gut gemacht, und hat den Hof und das Pu-
blicum, da der Zulauf erstaunlich war. von der
Bosheit unserer Widersacher überfuhrt. Das Um-
(► standliqhere mündlich.
1 Nioht weniger ist ein schönes Präsent von der
Kaiserin erfolgt — ~: .
1 ' Sinngedicht
für Ehre des Herrn WolTgang Mozart.
.«
Es hatte die Natur der alten Richter Traume
Mit Ekel lan-' ceuuxr ceduldic angehört: • •
D O D D D o ~ v
Bald wenn ein Orpheua die Thiere, Felsen, Bäume,
Auf seiner Lauten Schall, entzückt zu tanzen lehrt;
*£ald lässt sich ein ApoU dort auf die Erde nieder, .
.. Wenn von dem Göttersitz» ihn seine. Schuld verbannt,
Und als verstellter Hirt macht er die ersten Lieder .
Bev seiner Lämmer Schaar den Sterblichen bekannt;
, Bald muss Mercur'. Gesang den Argus schläfrig mache*,
Der für die «chöne Kuh mit hundert Augen wacht.
Gedichte, Fabehverk, ein Chaos selt'ner Sachen,
Ein eitles Himcesninst der sclilafclosen Nacht.
Gelehrte Missgeburt, die oft bey freyen Stunden
Des Dichter« leichter Geist in seiner Hitz' gebar,
Zum Trotze der Natur, zum Scherze nur erfunden,
Womit das dumme Volk selbst gern geäfTet war«
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t
So überstieg der Mensch durch fipreluder Erfrechen
>ie Ordnung der Natur , die dieser Schimpf verdross,
Und um den kühnen' Stolz nrit gleicher Art su rächen,^ * H
Eia neues Wunderwerk zu schafla» sioh-enUehloz*. .
Da, wo der Salzastrom aus finstera Klippen eilet,
Wo er das fiache Land mft reiner Fhith begrüsst,
Und dem -beglückten Ort die schöne Stadt vertheUet,
Die sich jetzt eine tfurg you dessen NameaJieissi,
Liess die Natur ein Kind des Tages Licht betreten, .
Ein Kunststück ihrer Hand, ein wundervolles Kiud,
' Durch dessen Fähigkeit die Fabeln der Poeten,
Die man mit Recht verlacht, Geschichten worden sin<L
O KnabM Dein edler Geist hat Dich' so weit erhoben,
Öass mein zu schwacher" Kiel von Dir nur niedrig spricht,
• - Ja« toll man Deinen Werth, wie Du- Verdienest, loben,
So- hält die ^aqhwpU doch den RnWfüj -eju Gedicht. „
Wer glaubte, dass ein Kyi4 »°ß«r m*1 «ieben Jahren
Schon in der Musik -Kunst den ersten Geistern gleicht? '
, iDass, .was *a«ta Wenige durch langen «eiss erfahre*
, Statt eitlen ICindewpiel Dein früher ?ric,b erreicjit? ,
'V Öocn nein! der schnelle Ruf, der Lohn so selt'ner Gaben
Hat Deinen Namen schon der ganzen Welt geweiht,
:; Proben ^eve/Konzt, io ferne Völker iiaben,
Verkünden Deinen Ruhm der spaten Ewigkeit.
Mit Dir nat die Natur die GränzenlTberschritten,
Die Häupter diese? . ^ety .erkennen* feinen Werth:
Der Deutsche, der Franzos', der tiefe Sinaf,der Britten
Sind stolz auf den Besuch, mit dem Du sie beehrt;
' Sie preisen jenes Land^ so Dich der Weit' geboren,
Und Deiner Vaterstadt beneiden sie das Glück-,
Sie klagen, dass «ie Dich bald wiederum verloren.
Und denken ndch entzückt auf Deine Kunst zurück.
Der Zufall gönnte mir die Ehre, Dich zu kennen,
Und Dein belebter Geist nahm mich gleich Andern ein:
Dtr -würdigtest Dich gar, mifch Deinen Freund zu nennen.
Mein Wolfgang, könnt» ich doch Hof Dir riöch länger seynl
ich wünsche Dir . (darf ich noch meiden Wunsch 'beyfügen)
Nur die Unsterblichkeit, sie Ist Dein Eigenthum.
Ja ! wir st Dn doch, mein V reundi den Eltern zum Vergnügen,
Die Doincr würdig sind, unsterblich, wie Dein Rühm!
, ' Ergebener Diener und Freund
' M-l Christ 9ph von Zabueijng, roa Aug «bürg,
»o z. Marz. ' » > J^.T« .
als Durchreisender.
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tgg
Das Jahr 1769 braclite Wulfcane mit seinem Vat
ter in Sababurg zu, tlieik mit dem Studium der Ita-
lien i^cbea. Sprache und theils mit der Fortsetzung
des tiefem Eindringens in die Tiefen der Composi*
tion. In demselben Jahre wurde unser Mozart zum
Concertmeister bey dem Salzburgischen Hofe ernannt
und ist in den Salzburgischen Hofkalendern voü den
Jahren 1770 bis 1777 als fürstlicher Concertmeister
angeführt, Mozart hatte nun die ansehnlichsten Län-
der Europa's gesehen, der Ruhm seines grossen, früh
gereiften Künstlertalents blühte bereits von den Ufern
der Donau bis zur Seine und Themse hin; aber er
war noch nicht in dem Vaterlande der Musik gewe-
sen. Die Tiber sollte nun das Diplom seines Ver-
dienstes besiegeln 5 oder vielmehr zu voller Ausbil-
dung seiner Kenntnisse und seines Geschmacks war
diese Reise nöthig, wesswegen er auch seine Stelle
niederlegte.
Mozarts frühere Arbeiten aus seiner Lehrlings-
Periode sind noch immer Nachahmungen von vor-
handenen Formen und nichts weniger als classisch.
Da, wo die beginnende Reife allmählig eintritt, er- .
scheint auch seine Originalität kräftiger, und wenn
man seinem Geiste vom ersten bis zum letzten Pro-
ducta cbrpnologisch nachschleicht,, so wird die alle-
in ähl ige Ausbildung und Progression seines Genie's
erst klar, wie selbst seine Form sich nach und nach
in sich selbst reinigt und sich der innorn Vollendung
nähert, woraus die späteren Producte natürlich immer
reiner, reifer und vollendeter hervorgehe* müssen.
Auch war es ja seinem nach . Vollkommenheit
strebenden Geiste daran gelegen, die Blütbe der Ton-
t
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156
kunst — den Gesang — auf seinem natürlichen Bo-
den zu beobachten, und die vielen grossen Männer,
die damals Italiens Ruhm in der Musik, stützten, zu
— und von ihnen zu lernen.
Vle Reise des Vaters mit dem Sohne nach Italien,
angetreten den 12. December 1769,
* ' geendigt Ende März 1771. * ' '
Nachdem also unser Wolfgang durch anhalten-
des Studiren der Werke Bach 's, Hasse's und Ilän-
del's sich zu Höherem vorbereitet und die Schöpfuu-
gen dieser Männer sich zu Mustern gewählt hatte,
trat er mit dem Vater allein im December 17G9 eine
Reise nach Italien an, um sich durch lebendige Mu-
ster und dufch die Bekanntschaft mit den dortigen
Meistern noch mehr auszubilden.
Auf dieser Reise gaben sie in Inspruck eine Aka-
demie beym Grafen Künigl, wo der Sohn ein Cou-
cert prima vista spielte. Ueber den dortigeu Em-
pfang und Aufenthalt schreibt der Vater selbst:
- o . • j ./(Leopold M. Brief No. 60.) . ' .
Inspruck, den 17. Dec. 1769.
Graf Spftur hat uns sehr wohl empfangen, und
uns sciuen Wagen angetragen. Wir wurden bald
zu einem bey dem Grafen Leopold Künigl veranstal-
«
teten Concert eingeladen, wo Wolfgang ein sehr
schönes Concert, das er da prima vista spielte, zum
Geschenk bekam. Wir sind wie gewöhnlich mit
allen Ehren empfangen, auch mit zwölf Dukaten be-
schenkt worden. Kurz wir sind vollkommen zu-
frieden.
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I
*
Die Insprucker Zeitung vom 18. Dec« 1769 ent-
hält folgenden Artikel über oben genanntes Concert:
Den i4ten d. M. ist hier angelangt Hr. Leopold fc/
Mozart, Hochf. Salzb. Kapellmeister, mit seinem Sohne
Hr. W.Mozart, dermalen wirkL Hochf. Sakb. Con-
certmeister, welcher wegen seiner ausserordentlichen
musikalischen Wissenschaft sich schon seit , seinem
sechsten Jahre an vielen Höfen und durch das ganzo
römische Reich berühmt gemacht hat. Gestern wurde
derselbe zu einem Concerte. welches der hohe Adel
veranstaltet hatte, eingeladen, in welchem er die
schönsten Proben seiner ganz besondern . Geschick-
lichkeit ablegte. Dieser zunce Tonkünstler, welcher
dermalen dreyzehn Jalire alt ist, hat also auch hier
seinem Ruhme einen neuen Glanz heygelegt, und
durch sein ausserordentliches Talent die Stimmen
aller Musikverständigen zu seinem Lebe vereinigt.
Hatte der kleine Mozart in den von, ihm bereis*-,
ten Ländern schon Bewunderung erregt, so konnte
es wohl nicht fehlen, dass seine Erscheinung in Ita-
lien sehr willkommen seyn musste, wo die Musik in
ihrem eigenen Boden wurzelt und die Kunst, we-
nigstens damals, unter die ersten Verdienste gezählt
wurde.
Vater und Sohn besuchten dann von. Inspruck
auf ihrem Wege nach Mailand die Städte Roveredo,
Verona, Mantua, worüber uns des Vaters Briete
Folgendes berichten: • „
(Leopold M. Brief No. 63.)
Verona, den 7. Januar 1770.
— — — In Roveredo erzeigte una sogleich der
■
1
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m
Kreishauptmann alles Liebe. Bey ihm fanden wir
den Grafen Septimo Lodron und Mehrere, tlie un-
sere Ankunft herbey gelockt hatte. Kurz darauf
hielt die Noblesse ein Concert in dem Hause des
Baron Todescy. Was sich der Wolfgang für. eine
Ehre gemacht, ist unnöthig zu schreiben. Den Tag
darauf gingen wir auf die Orgel der Hauptkirche,
Und obwohl es nur sechs bis acht Hauptpersonen ge—
wusst habon, «o fanden wir doch ganz Roveredo in
der Kirche versammelt, und es mussten eigens starke
Kerl* vorangehen, um uns den Weg auf das Chor
zu bahnen, wo wir dann eine halbe Viertelstunde
zu thun hatten, um an die Orgel zu kommen, weil
jeder der nächste seyn wollte.
• In Verona hat die Noblesse erst nach 7 Tagen
ein Concert veranstalten können (dazu wir eingeladen
waren), weil täglich Oper ist. Die Cavaliere, an die
wir empfohlen waren, sind Marchese Carlo tti, Conte
Carlo Einily, Marchese Spolverini, Marchese Dioni-
sio S. Fermo, Conte Giusti del Giardino, Conte
Allegrn Bey Carlotti waren wir für allezeit einge-
laden, wie auch bey Hrn. Locatelli. Zweymal speis-
ten wir bey Ersterm, dann bey Emily* zweymal
bey Giusti, u. w. Heute war eine völlige Ver-
wirrung. Wir waren bey einem Hrn. Ragazzoni
eingeladen. Der Generaleannelöner von Venedig Hr.
Luggiatti bat die Cavaliere, mich zu ersuchen, dass
ich erlauben möchte, den Wolf gang abmahlen zu
lassen. Gestern Vormittags geschah es, und .heute
nach der Kirche sollte er das zweyte Mal sitzen.
Lugiatti bat zu diesem Zwecke Ragazzoni, uns ihm
zu überlassen. Dieser musste es geschehen lassen,
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weil L. eine grosse Hand in Venedig hat. Es kam
aber wieder ein Stärkerer, nemlich der Bischof von
Verona, aus dem Hanse Giustiniani, welcher uns nicht
nur nach der Kirche, sondern auch zu Tische bei sich
haben wollte. Auf die ihm gemachte Vorstellungen,
dasswir auf der Abreise wären, willigte er ein , dass
wir bey Luggiatti zum Speisen gingen, hielt uns aber
bis nach ein' Uhr bey sich auf. Nun wurde W.'s Por-
trait ausgemalt und um drey Ulli* zu Tische gegangen.
Später fuhren wir nach der Kirche St. Tomaso , um
dort auf zwey Orgeln zu spielen ; und obwohl dieser
Entschluss erst während der Mahlzeit genommen und
durch Billete dem March. Carlotti und dem GVafen
reciemonte oeKannt gemacnt woraen war, so war aen*
noch bey* unserer Ankunft in der Kirche eine so loh o
Menge versanimelt, dass wir "kaum ■ Raum hatten, aus
der Kutsche zu steigen. Es war ein solches Gedränge,
dass wir gezwungen waren, durch das Kloster zu
gehen, wo uns dann in einem Augenblicke so 'viele
Menschen zuliefen, dass wir nicht würden Platz ge-
funden haben, wenn uns nicht die Tatred, die uns
schon an de* lÜosterpforte erwarteten, in dre Mitte
genommen hätten. Als es vorbey war, war der Lär-
men noch grösser, denn jeder wollte den kleinen
Organisten sehen. Morgen fahren wir mit Locatelli
zu dem Amphitheater und den übrigen Merkwür-r'
dfgkeiteni -1 * ■ %
•ff _ •* • • (V •••• «»• f * * ■ • » . .
. \ ' (Wolfg. A. Mo*trt*. Brief No. u) »
Verona, 7. Genna jo' 1770,
• * " Allerliebste Schwerter! —
feinen spannenlangen Brief habe ich gehabt, weil
160
1 1 I
i
ich auf eine Antwort vergebens gewartet habe 5 ich
hatte auch Ursache, weil ich Deinen ,Brief noch nicht
em nfane eu hatte* Jetzt hört der teutsche Töne! auf
und das wälsche Tölperl fangt an. Lei e piu franca
nella lingua italiana di quel che mi ho ima gl netto.
Lei mi dica la cagione, percM Lei non fä nella
commedia che anno , giqcato i Cavalieri. Adesso sen-
tiamo sempre una Opera titolata: II Ruggiero.
Oronte, il padre di Bradamante, e un principe
(/a il Sign, Affer i), bravo cantante, un baritonoß
ma gezwungen, wenn er in Falset hinauf piepet, aber
doch nicht so sehr, wie Tibaldi in Wien« Brada-
mantef innamorata di Ruggiero, {ma sie soll den
Leone heirathen, will aber nicht) fä una povera Ba-
ronessa, che Iw avuto una gran disgrazia, ma non
sö la quäle Recita unter einem fremden Namen, ich
weiss aber den Namen nicht ; ha una voce passabile
e la statur a non sarr ebbe male, ma distuona come
il diavolo. Ruggiero, un rieco principe innamorato
di Bradamante , e un Musico: canta un poco man-
zuolisch ed a una bellissima voce forte ed e gib.
vecchio s ha 55 anni ed a una läufige Gurgel. Leone
soll die Bradamante heirathen, ricchississimo e$ ob
er aber ausser dem Theatro reich ist, das weiss ich
nicht. La moglie di Afferi che lia una bellissima
voce, ma & lanto sussuro nel teatro che non si sente
niente. Irene fa una sorella di Lolli del gran Vio-
linista die luibbiamo sentito a Vienna, a una schrof-
felte voce e canta sempre um ein Viertel zu Iiardi o
troppo a buon' ora. Ganno fa un signore che non
sb come si chiama: & la prima volta che lui recita»
Zwischen einem jeden Act ist ein Ballet. Es ist ein
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braver Tänzer da, der sich nennt Monsieur Roesler.
Er ist ein Teutscher und tanzt recht brav. » Als wir
das letzte Mal (aber nicht gar das letzte Mal) in der
Oper waren, haben wir den Mi*. Roessler in unsern
Palco herauf kommen lassen (denn wir haben die
Loge des Mr. Carlotti frey, denn wir haben den
Schlüssel dazu) und mit ihm geredet. A propos,
Alles ist in der Maschera jetzt, und was das Com-
modeste ist , wenn man eine Larve aüf dem Hute hat
und hat das Privilegium, den Hut nicht abzuziehen,
wenn Einer mich grüsst, und nimmer beym Namen
zu nennen, sondern allezeit: Servitore umiliasima,
Signora Maschera. Cospetto di Bacco , das spritzt.
"Was aber das Rareste ist, ist dieses, iWs wir um
halb acht Uhr zu Bette gehen. Se Lei indovinaase
questo, io dirö certamente che Lei sia la Madre di
tutti gli indovini, Küsse anstatt meiner der Mama
die Hand, und Dich küsse ich zu tausend Mal und
versichere Dich, das» ich werde bleiben immer •
Dein aufrichtiger Bruder.' '
Portez Voua hien et aimez moi toujours*
(Leopold M. Brief No. 64.)
Mantua, den 11. Januar. 1770.
Gestern sind wir angelangt und eine Stunde dar-
i£ in die Oper gegangen. Wir sind, Gott Lob! ge-
sund. Der Wolfgangerl sieht aus* als wenn er einen
Feldzug gemacht hätte, nämlich ein wenig rothbraun,
sonderheitlich um die Nase und den Mund, von der
Luft und dem Kaminfeuer; so zum Beyspiel wie Se.
Majestät der Kaiser aussehen. Meine Schönheit hat
11
•
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162 -
♦
noch nicht viel gelitten; sonst würde ich in Ver- \
zweiflung seyn.
Heute suchte ich den Fürsten von Taxis, der
»
aber nicht zu Hause war, und seine gnädige Dame
hatte so nothwendig Briefe zu schreiben, dass sie nicht
uns, ihre Landsleute, sprachen konnte. Morgen sind
wir zu Mittage bey dem Grafen Franz Eugen von
Arco. In Verona sahen wir noch das Museum lapi-
darium. In Keysler's Reisebeschreibung kannst Du
davon lesen. Uebrigens bringe ich Dir ein Buch von
den Alterthümern in Verona mit. Ich würde die
Briefe zu sehr beschweren und theuer machen, wenn
ich die Zeitungsblätter, die von dem Wolfgang in
Mantua und andern Orten schreiben, einsenden wollte.
Hier schliesse ich doch eins bey, in welchem zwey
Fehler sind. Nämlich es heisst wirklicher Kapell-
meister und — in einem Alter von noch nicht 13 Jah-
ren, anstatt 14 Jahre» Ich könnte Dir noch andere
Sachen schicken, denn die Poeten sangen in Verona
in die Wette über ihn. Hier ist die Abschrift des
in unserer Gegenwart aus dem Stegreife verfertigten
Sonnetls von einem gelehrten Liebhaber, Zaccaria
Betti, und eines andern von Meschini, so wie auch
selbst der Kapellmeister Danieli Barba über den W.
die schönsten Verse gesungen hat. ■
• • • •
■
AI
S i g n o r e Amadeo Mozart,
Giopenetto ammirabite»
Sonnetto estemporaneo,
1 ' Se nel puro del Gel la Cetra ol conto
desta fra dolci carmi il divo Anipre,
onde quanto e quaggiu col vario error*
al conosciuto suon risponde intanto: ■ *
«
«
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163
Bene, o a mobil GarzoTiy darti-puoi vantu,
che tu reformi l'armonia migliore;
poi che natura in te scolpi nel core
tutte le note di quel plettro santo.
Voi, che tanV anni in sä le dotte carte
per isfogar Varmonico desto
Vopra chiedetey ed il fat or de l'Arte.
Voi sapete fegli erra il pensier mio$
che al dolcs suon de le sue note spartt
ite dicendo: se la fe col Dia.
In Argumenta di Maraviglia e di Amore
Zaccaria Betti.
A m a de o Mozart
• • •
Dulcissimo Puero
et elegant issimo Lyristae
Antonius Maria Meschini
Vcroncnsis.
..,»«. • ,
51 raptilt sylvas Orpheus, »l tarlara wo vif,
Kuno tu corda, l utrr »urripU, astra moves.
Cosi come tu fait
suonando il biondo Apollo
colla sua cetra al collo
spandea celesti rai.
Ma noy che col suo canto
teco perdeva il ranto.
Leopold M. Brief No. 65. (an seine Frau.)
Mailand, den 26. Januar 1770.
Am löten war in Mantua im Saale der Accademia
ßlarmonica das gewöhnliche wöchentliche Concert,
wozu wir eingeladen waren. Ich wünschte, dass du
das Teatrino dieser Accademia gesehen hättest. Ich
habe in meinem Leben von dieser Art nichts Schö-
neres gesehen. Es ist kein Theater, sondern ein wie
die Opernhäuser gebauter Saal mit Logen. Wo das
Ii*
Theater stehen soll, ist eine Erhöhung für die Mu-
sik, und hinter der Musik abermal eine wie Logen
gebaute Gallerie für die Zuhörer, Die Menge der
Menschen, das Zurufen, Klatschen , Lärmen und
Bravo über Bravo, kurz die allgemeine Bewunderung
kann ich dir nicht genug beschreiben. Wir haben
bey dem Grafen Eugen von Arco in Mantua alle
Gnaden und Höflichkeiten empfangen. Aber bey
dem Fürsten von Taxis haben wir nicht das Glück
gehabt, zur Audienz zu kommen. Als wir zum zwey-
ten Male hingingen, traten sie vor uns in's Haus.
Es ward uns aber geantwortet: der Fürst habe jetzt
noth wendige Verrichtungen, und wir möchten gleich-
wohl ein ander Mal kommen. Das Gesicht, die zit-
ternde Stimme des Bedienten, und seine halbgebro-
chenen Worte zeigten mir gleich, dass der Fürst
keine Lust habe, uns zu sehen. Behüte mich der
Himmel, dass icli Jemanden in seinen Geschäften störe,
sonderlich da ich noch überdiess desswegen weit lau-
fen oder einen Lehenwagen bezahlen sollte. Zum
Glück haben wir beyderseits dadurch, dass wir uns
nicht in der Nähe gesehen, Nichts verloren (denn
wir sahen uns in der Ferne), sondern ich ersparte
das Geld hinzufahren, und der Herr Fürst die Angst,
die er etwa hatte, verbunden zu seyn, uns einige
kleine Höflichkeiten für die am Salzburger Hofe und
von der salzburgischen Noblesse empfangenen Ehren
wieder entgegen zu erweisen. •
Hier schliese ich dir aberraal eine Poesie bey,
die von einer Signora Sartoretti kömmt, bey der
wir in Mantua zu Gaste waren. Den Tag darauf
kam der Bediente, und brachte auf einer schönen
i
»
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1 ic>r,
Schaale einen ungemein schönen Blumenstrauss , an
dem unten rothe Bänder, und in der Mitte der Bän-
der ein Medaille von vier Ducaten eingeflochteii
lag: oben darauf war die Poesie. Ich kann dich ver-
sichern, dass ich . noch an jedem Orte die liebsten
Leute gefunden habe, und aller Orten fanden wir
unsere besonderen Leute, die bis zu dem letzten
Augenblick unserer Abreise bey uns waren, und
alle ihre Kräfte anwandten, uns den Aufenthalt an-
genehm äu machen. Ich nenne dir z. B. das Gräf-
lich Spaursche Haus in Insprukj den Baron Piccini,
den Grafen Ladron, Cristiani, Cosmi hl Roveredo,
den Grafen Carlo Emily, Marquis Carlo tti, Graf
Giusti, das Haus Lugiatti und besonders den Herrn
Locatelli in Verona, in Mantua das Gräflich Arcoi-
sche Haus und vornämlich den Signor Bcttinelli,
welcher sammfc seinem Bruder und seines Bruders
Frau völlig zu unseren Diensten waren. Die Frau
war wie eine Mutter für den Wolfg. besorgt, und
wir verliessen einander mit weinenden Augen. Hier
schliese ich auch eine Zeitung von Mantua bey.
Ich muss dir noch sagen, dass weder die dorti- »
gen Akademieen noch die in Verona für Geld gege-
ben werden. Alles geht frey hinein: in Verona nur
die Noblesse, weil sie von ihr allein unterhalten
wird; in Mantua aber Noblesse, Militair und an sehn-
liebe Bürgerschaft, weil sie von der Kaiserin eiue
Stiftung hat. Daraus lernst du, dass wir in Italien
nicht reich werdeu, und du weisst, dass genug ge-
than ist., wenn man seine Reisekosten macht. Diese
habe ich auch allezeit gemacht. In den 6 Wochen,
da wir nun von Salzburg weg sind, haben wir 70
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™1^^^— 1
Ducaten ausgeben müssen; denn wenn man gleich
a parto lebt und iiberdiess meistens nicht zu Hause
speisst, so ist dach das Nachtessen, Holz, Zimmer
so Üieuer, dass man unter sechs Ducaten aus keinem
Wirtlishaus kömmt, wo man 9 bis Ii Tage war.
Ich danke Gott, dass ich euch zu Hause gelassen.
Erstlich würdet ihr die Kälte nicht haben ausstehen
können; zweytens hatte es erstaunliches Geld gekos-
tet, und wir hätten die Freyheit der Wohnung nicht
gehabt, die wir jetzt haben, nämlich im Kloster der
Augustiner di S. Marco, wo wir zwar nicht frey ge-
halten weiden, aber bequem, sicher und nahe bey
Sr. Exc. dem Grafen Firmian wohnen« Alle Nacht
werden unsere Betten eingewärmt, so dass der Wolf-
gang bey dem Schlafengehen allezeit in seinem Ver-
gnügen ist. Wir haben' einen eigenen Bruder Fra-
ter Alphonso zu unserer Bedienung. «— —
*
(Wolfg. Amad. Mozart's Brief No. a.)
a6. Jauuar 1770.
Mich freut es recht von ganzem Herzen, dass
v Du bey der Schlittenfahrt, von der Du mir schreibst,
Dich so sehr ergötzt hast, und ich wünsche Dir tau-
send Gelegenheiten zur Ergötzung, damit Du recht
lustig Dein Leben zubringen mögtest. Aber Eins
verdriesst mich, dass Du den Herrn von Mölk so
unendlich seufzen und leiden hast lassen« und dass
Du nicht mit ihm Schlitten gefahren bist, damit er
Dich hätte umschmeissen können. Wie viele Schnupf-
tücher wird er nicht denselbigen Tag wegen Deiner
gebraucht haben vor Weinen. Er wird zwar vor-
her schon drey Loth Weinstein eingenommen haben.
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167
die ihm die grausame Unrein igkeil seines Leibes , die
er besitzt , ausgetrieben haben wird. Neues weiss
ich Nichts^, als dass Hr. Geliert, der Poet zu Leip-
zig gestorben ist, und dann nach seinem Tode, keine
Poesieen mehr gemacht hat. Just, ehe ich diesen
Brief angefangen habe, habe ich eiue Aria aus dem
Demetrio verfertigt, welche so anfangt:
Misero tu non seii
tu spieghi U L/.- dolore.
B sti non deJ& amort,
Titrotfi almen pietä.
Misefu ben soh iö,
che nel segretto laccio
emo, non. spero e taccio,
e l'idol mio nol sä.
Die Oper zu Mantua ist hübsch gewesen. Sie
haben den Demetrio gespielt. Die prima Donna singt
gut, aber still; und wenn man sie nicht agiren sähe,
sondern singen nur allein, so meynte man, sie sänge
nicht, denn den Mund kann sie nicht offnen, son-
dern winselt Alles her, welches uns aber nichts Neues
ist zu hören. Die seconda Donna macht ein Ansehen
wie ein Grenadier, und hat auch eiue starke Stirn-
ine, und singt wahrhaftig nicht übel, für das, dass
sie das erste Mal agirt. // primo uomo, il musico
singt -schön, aber hat eine ungleiche Stimme. Er
nennt sich Caselli. secondo uomo ist schon alt,
und mir gefallt er nicht. Der Tenor nennt sich
Ottini: er singt nicht übel, aber halt schwer, wie
alle italienischen Tenore; er ist unser sein? guter
Freund« Wie der zweyte heisst, weiss ich nicht.
Er ist noch juog, aber nicht viel Rares. Primo bal-
lerinoy gut; Prima ballet ina, gut, und mau sagt,
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_______
sie sey gar kein Hund; ich aber habe .sie nicht in
der Nähe gesellen. Die üebrigen sind wie alle An-
dere. Ein Grotesco ist da, der gut springt, aber
nicht so schreibt wie ich: wie die Saue brumzen.
Das Orchester ist nicht übel. Zu Cremona ist das
Orchester gut, und der erste Violinist heisst Spagno-
letta. Prima Donna nicht übel; schon alt, glaube
ich, wie ein Hund; singt nicht so gut, wie sie agirt,
und ist die Frau eines Violinisten, der bey der Oper
mit geigt, und sie nennt sich Masci. Die Oper hiess
La clemenza di Tito. Seconda Donna, auf dem
Theater kein Hund; jung, aber nkhts Rares. Primo
uomo, musico, Cicognani, eine hübsche Stimme und
ein schönes Cantabile. Die andern zwey Castraten,
jung und passabel. Der Tenor nennt sich:
hat ein angenehmes Wesen, sieht dem lo Roi zu Wien
natürlich gleich. Baller ino primo, gut und ein sehr
grosser Hund. Eine Tänzerin war da, die nicht übel
getanzt hat, und was das nicht für ein capo Lopera
ist, ausser dem Theater und in demselben kein Hund.
r
Die Uebrigen wie Alle. _£in Grotesco ist auch dort,
der bey jedem Sprunge einen hat streichen lassen.
Von Milano kann ich Dir wahrhaftig nicht viel schrei-
ben j wir waren noch nicht in der Oper. Wir haben
gehört, dass die Oper nicht gerathen hat. Primo
uomo, Aprilo, singt gut, hat eine schöne gleiche Stim-
me. Wir haben ihn in einer Kirche gehört, wo
just ein grosses Fest war. Madame Piccinelli von
Paris, welche in unserm Concerte gesungen hat, agirt
bey der Oper. Herr Pick , welcher zu Wien tanzte,
tanzt jetzt hier. Die Oper nennt sich Didone ahban-
donata, und wird bald aufhören. Sign. Piccini, wel-
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169
eher die zukünftige Oper schreibt, ist hier* Ich habe
gehört , dass seine Oper heisst : Ceaare in Egitto.
Wolfgang de Mozart,
Edler ton Hocheuthal, Freund des ZaMhausen*.
Verona, 9. Genna jo.
Questa Citta non pub non annunziare il valor
portentoso, che in etä di non ancor 13 anni, ha
nella musica il giovanetto Tedesco Signor Amadeo
IV olfgango Mozart, nativo di Salisburgo , e figlio
deW attuale Maestro di Cappella di Sua Altezzä,
Rma. Monsig. Arcivescovo Principe di Salisburgo
suddetto, JEsso giovane nello scorso Venerdl S.
deW andante in una sala della Nobile Accademia
Filarnwnica, in faccia alla publica Rappresentansa, .
ed a copiosissimo concorso di Nobiltä deW uno, e
l'altro sesso, ha date tall prove di sua perizia nelV
arte predetta, che ha fatto stordire. Egli, fra una
scelta adunanza di valenti Professori, ha saputo,
prima d'ogn' altra cosa, esporre una bellissima sin-
fonia d'introduzione di composizione sua, che ha
meritato tuttö Vapplauso. Indi lia egregiamente "
sonato a prima vista un concerto di cembalo, e suc-
cesswamente altre sonate a lui novissime. Poi sopra
ijuattro versi esibitigli lux cornposta sul fatto un'
aria d'ottimo gusto nelV atto stesso di cantarla.
Un soggetto, ed un Finale progetta togli, egli mi-
rabilmente concerto sulle migliori leggi deW arte.
Suonö all3 impropviso assai bene un Trio del Boche-
rini, Compose benissimo in partitura un Sentimento
da togli sul violino da un Professore. In somma si
in questa, che in altre occasione, esposto a' piü
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%
170
I
ardui cimenti. gli ha tut Ii sunerati con indicibil
i valore e quindi con universale arnmirazione, special-
mente de' Dilettantin tra' quali i Signori Lugiati,
che, dopo aver goduti, e fatti ad altri godere piu .
saggi maravigliosi delV abilitä di tal giovine, hanno
infino voluto farlo ritrar re in tela al naturale, per
serbarne eterna memoria. Ne* e giä nuovo questo
pensiero; imperciocchi , da che cgli va girando per
entro l' Europa col padre suo, per dar pruova di
se, ha tanta meraviglia eccitata in ogni parte, fino
dalla tenera etä di 7. anni, die se ne serba tutta
via il ritratto in Vienna, in J?arigi, dope sono *
anclte i ritratti di tutta la sua jamiglia, in Olan-
da, ed in Londr a, in cui si collacb esso ritratto
suo insigne
sione, che celehrava la stupenda sua bravura nella
musica nella verde eta d'anni 8., che soll allora
oontava. Nel per tanto nun
seguimenio del suo viaggio, che ora fa per V Ita-
lic, non sia per apportare eguale stupore, dovun~
quc ei recJierä, massunamente agü Esperti, ed In-
telligenti.
■
* » •
y • Die Mantuaner Zeitung lieferte folgende Nach-
richten :
Den l6ten <L M. Iiielt man auf dem Schauplatze
der köiiicl. Akademie die gewöhnliche nhilliarmoni-
sehe Akademie , lun bey der Durchreise des unver-
gleiclilichen Knaben W. A. Mozart Gelegenheit zu
- haben, das wundersame Talent und die ausserordent-
lich meisterliche Geschicklichkeit in der Tonkunst,
welche er in seinem Alter von 13 Jahren besitzt, von
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171
dieser ganzen Stadt bewundern zu lassen. Sowohl
für die Sänger als fiir die klingenden Instrumente in
so vielen concertirenden und obligaten Stimmen, als
man nur will, gleich den besten Meistern zu schrei-
ben, ist ihm eine so leichte und geringe Sache, dass
er es ebenmässig auch auf dem Claviere zu spielen
weiss. Eben diesen Abend, in Gegenwart aller ho-
hen politischen, militairischen und geistlichen Stan-
despersonen, dann der Bürgerschaft nnd einer auser,
lesenen Versammlung der akademischen Liebhaber
und Professoren, spielte er nebst zwey Symphonieen
von seiner Compositum, wovon die eine die Akade-
mie erofFnete und die andere dieselbe beschloss, Con-
certe, Sonaten, und diese mit den schönsten Varia-
Tonarten wiederholte. Er sang prima vista eine
Arie, welche aus lauter von ihm niemals gehörten
Versen bestand, mit richtigem Accompagnement.
Von dem Orchester - Directeur wurden ihm zwey
Gedanken auf der Violine angegeben, worüber er
gleich zwey Sonaten, eine nach der andern compo-
nirte, und selbe sehr artig in der Secund- Stimme
mitmachte. Es wurde ihm eine Violin-Stimme von
einer Symphonie vorgelegt, wozu er auf der Stelle
die andern Stimmen componirte. Was aber uoch
am meisten bewundert wird, ist, dass er zur näm-
lichen Zeit eine Fuge über ein ganz einfaches The-
ma, welches man ihm vorlegte, componirte, diese
in eine meisterhaft harmonische Verbindung brachte
und sie wieder so leicht auflös'te, dass Alle von der
Akademie darüber erstaunen mussten. Alles dieses
produckte er auf dem Claviere. Endlich spielte er
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1 17'2
»
ein Trio von einem sehr berühmten Meister nur auf
der Violine allein unvergleichlich. •
Nach verschiedenen besonderen Prüfungen^ wel-
che unsere Professoren und Meister der Musik wäh-
*
rend der wenigen Tage seines hiesigen Aufenthalts
mit ihm noch vorgenommen, fürchteten sie nicht zu
viel zu sagen, wenn sie behaupteten, dass dieser Jung-
ling nur die in der Musik erfahrensten Männer zu
beschämen ihnen geboren zu seyn scheine, welche
Meinung mit der eines angesehenen Gelehrten von
Verona völlig übereinstimmend ist, der an den Se-
cretair hiesiger philharmonischen Akademie, eben
um diesen Hrn. Wolfgang anzuempfehlen, schreibt:
dass er eben ein "Wunderwerk der Natur sey, gleich-
wie Terracinen, die Mathematiker zu demüthigen,
und Corillen, die 'Poeten zu beschämen, geboren
worden sind*
• * ■
Er reiset mit seinem Hrn. Vater, Leopold Mo-
zart, welcher ebenfalls ein Manu von Talent und ein
angesehener Kapellmeister ist, durch ganz Italien.
Der italienische Boden, der doch sonst der Sitz des
guten Geschmacks, besonders in dieser Kunst ist,
wird in diesen Zweyen genug zu bewundern finden.
Die Akademie ist also sehr glänzend und mit
der grössten Zufriedenheit ausgefallen, da überdem
auch noch zwey Arien, ein Duett, ein Concert für
die Violine und eines für die Oboe, lauter ausge-
zeichnete Compositionen , von Unserii Meistern da-
zwischen aufgeführt wurden.
Der Concertzettel selbst war folgender :
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— —
Concert - Zettel.
m >
Serie delte Compoaizioni musiccili da eaeguirsi nelt
Accodemia pubblica Filarmonica di Mantova, la aera
del di 16. del corrente Gennajo, L7*70.
in occaaione dellct venuta deW espertissimo giovanetto
Sign. Amadeo Mozart.
* ■
1. Sinfonia di Compoaizione d'eaao Sign. Amadeo.
2. Concerto di Gravecembalo eaibitogli, e da lui eae-
.„ . ■
guito aiF improvviao. • v
3. Aria d'un Profeasora
4. Sonata di Cembalo alt improwiao, eaegiiita dal
Giovine, con variazioni analoghe d'invenzione aua
e replicata poi in tuono diverao da quello in cui
e* acritta. •
5. Concerto di Violino d'un Profeaaore. .
6. Aria compoata, ' e cantata nelt atto atesao dal i
Sign. Amadeo all' improwiao, co' debiti accom-
pagnamenti eaaeguiti aul Cembalo, aopra parole
fatte espressamente $ ma da lui non vedute in
prima.
7. Altra aonata di Cembalo compoata inaieme, ed
eaeguita dal medeaimo aopra un motivo muaicale,
propoatogli improwiaamente dal primo Violino.
8. Aria d'un Profeaaore.
9. Concerto d'Oboe d'un Profeaaore*
10. Fuga muaicale, compoata ed eaeguita dal Sign.
Amadeo aul Cembalo, e condötta a compiuto ter-
mino aecondo le leggi del Contrappunto , aopra
un aemplice tema per la medeaima, preaentato-
gli all' improwiao.
11. Sinfonia dal medeaimo, concertata con tutte le
■
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parti sul Cembalo sopra una sola parte di Vio-
lino postagli dinanzi improwisamente.
12. Duetto di Professorin
13. Trio, in cui il Sign. Amadeo ne sonerä col
Violino una parte aW improwiso.
14. Sinfonia ultima di composizione del Suddetto.
I
Bey derselben Gelegenheit verfasste Signora Sar-
toretti in Mantua folgendes Gedicht:
AI Sign. Amadöo JVolfgango Motzzart.
Ana
Genietti lepidi,
Genietti gai,
Qua presto rapidi,
Ck>io Vinvitai,
Fate Corteggio
AI dolcc Arpeggio.
No non ingannomi,
Voi siete quellt
Vezzosi amabili
Cortesi, e belli,
Che ä Danze liefe
E Grazie, e Veneri
Vengon con Voi;
Piacer vi deggiono
I preggi suoi , .
Genietti ei v>amoy
Suona e vi chiamo.
A sei bell» indole
Ai capei d'oro, „
Quasi uno sembrami
Del vostro coro :
Come furbetti
Son quelli ochiettil
Non v>innamorano
Le Vermigliozze
E ritonduzzef
Stiansi librate
I/ali dornte.
Non v'innamorano
Que> vivi accenti
Che in note or languide
Ora vementi
<
i ' T t \ * rr ) 'r ** fr rr # <i e n /> C C/l
Kxvr gy "g, ff • ** ** jjCo ö u
Con Felo istesso?
Vi come tremola
Le ditay e vibra,
AI docil Cembalo
Tenta ogni Fibra;
E a Voi fä parte
Dell* agil arte.
Europa videlo ■ . • ■
In fresca etade
Di se riempiere
' Le sue contrade?
Guaj, se l'udiva
\Za Cipria Diva:
Dunque ä che noiavi
Tardaro un puoco?
EUipub accendervi n
Del suo bei fuocoi ,
Genietti e v'ama,
U e vi
I
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Bsela
Di scelti fiori
Clie i pensier torbidi Le tempie teuere
Da Valma obblia, Intanto onori ,
Che desto in petto Voi giel reccate
L'astro, e l'affetto, GeniJ, e n'andate.
Tanto dileitavi, • Di me tacceteli
Ralegra , e piacet Qual io mt sin,
Frenate il eelero Meai pik nobile
Volo fugace; E grata sia
Ma nö, se udite, Questa Corona
Piü non partite Che il genio dona.
(Leopold M. Brief No. 66.)
■
Mailand, den 3. Febr. 1770.
Wir waren gestern in der Hauptprobe der neuen
Oper Cesare inEgitto, die recht gut ist, und haben
den Maestro Piccini und die Madame Piccinelli ge-
sehen und gesprochen. Der Wolfg., der sich alle
Tage in sein gutes eingewärmtes Matraz freut, kann
heute nicht schreiben, weil er zwey lateinische Mo-
tetten componirt für zwey Castraten, deren einer
15, der andere 16 Jahre alt ist. Sie haben ihn da-
rum gebeten, und weil sie Cameraden sind, und schön
singen, konnte er es ihnen nicht abschlagen. Ich
habe dieser Tage wieder Etwas in den Zeitungen
gefunden, wie sie uns in Bozolo ordentlich furgepasst
haben. — — — —
(Leopold M. Brief No. 67.)
Mailand, den 10. Februar 1770.
/ -Da der Graf Firmian sich nun besser
*
befindet, so haben wir bey seiner Tafel gespeiset.
Se. Excell. verehrte nach der Tafel dem Wolfg. die
Theile der Werke des Metastasio. Es ist eine
1 ,
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der schönsten Editionen, nämlich die Turiner, und
sehr schon eingebunden« Du kannst Dir vorstellen,
dass diess ein sowohl mir als dem Wolfg. sehr an-
genehmes Present ist. Der Graf ist durch die Ge-
schicklichkeit des W. äusserst gerührt und distinguirt
uns mit besonderer Gnade und Vorzüglichkeit; und
es würde zu weitläufig seyn, Dir zu erzählen, was
der Wolfg. in Gegenwart des Maestro Sammartino
und einer Menge der geschicktesten Leute für Pro-
ben seiner Wissenschaft abgelegt und alle in Erstau-
nen gesetzt hat. Du weiss t ohnedem, wie es in der-
gleichen Fällen geht: Du hast es oft genug gesehen.
Wir? haben Gelegenheit gehabt, verschiedene Kir-
chenmusiken zu hören; unter andern, gestern das
Requiem für den alten Marquis Litta, welcher zum
Verdrusse der grossen Familie jetzt im Fasching ge-
storben ist, da sie ihm doch das Leben gerne bis in
die Fasten gegönnt hatte. Das Dies irae von diesem
Seelenamte dauerte gegen drey viertel Stunden; um
zwey Uhr Nachmittags war Alles aus.
*
Du musstDir nicht einbilden, dass ich Dir eine
Beschreibung der hiesigen Andachten machen werde ;
ich könnte es vor Aergerniss nicht thun. Alles be-
steht in der Musik, und im Kirchenaufputz: das
Uebrige ist alles die abscheulichste Ausgelassenheit«
Der Wolfg. freut sich auf einen Brief.
Nachschrift ron Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. 3.)
Wenn man die Sau nennt, so kömmt .sie- gerennt.
Ich bin wohl auf, Gott Lob und Dank, und kann
kaum die Stunde erwarten, eine Antwort zu sehen.
Ich küsse der Mama die Hand, und meiner Schwe-
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ster schicke ich ein Blattern — — Busserl, und
bleibe der nämliche aber wer? — der näm-
liche Hanswurst Wolfgang in Deutschland. Amadeo
m Italiens r » • ' • • »
: . • MorzantinL
(Leopold J&'Brief No. G8.)
Mailand, den 17. Februar 1770, .
Wir sind Gottlob! beydo gesund. Dass, wie
Du schreibst, der Winter nicht so gefährlich in Ita-
lien ist wie der . Sommer, will ich wohl glauben.
Allein wir hoffen, Gott werde uns erhalten. Und
wenn man seine Gesundheit nicht durch Unordnung
und überflüssiges Fressen und Saufen verdirbt, auch
sonst keinen innerlichen Naturfehler hat, so ist Nichts
zu besorgen. "Wir sind aller Orten in der Hand
Gottes. Mit Essen und Trinken wird sich der Wolfg.
nicht verderben. Du weiss t, dass er sich selbst mas-
sig l, und ich kann Dich versichern, dass ich ihn
noch niemals so achtsam auf seine Gesundheit gese-
heu habe als in diesem Lande. Alles , was ihm nicht
gut scheint, lässt er stehen, und er isst manchen Tag
gar wenig und befindet sich fett und wohl auf und
den ganzen Tag lustig und fröhlich.
Eben jetzt war der Schneider da mit Mänteln
nndBajuten, die wir uns haben müssen machen las-
sen. Ich sähe mich im Spiegel f als wir sie probir-
ten, und dachte mir: nun muss ich in meinen alten
Tagen auch noch diese Narredey mit machen. Denl
Wolfg: steht es unvergleichlich an , und da wir schort
diese närrische Ausgabe machen mussten* so ist mein
Trost, dass man es zu ^allerhand andern Sachen wie-
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der brauchen, und wenigstens zu Kleid erfutter, Für-
tuch etc. gebrauchen kann.— — •
Morgen kömmt der Herzog und die Prinzessin
ron Modena zum Grafen Firmian, um Wolfg. zu
hören. Abends werden wir en masque in die Oper
in Galla fahren, nach der Oper wird der Ball seyn,
und dann werden wir mit unserm sehr guten Freunde
. . » •* *
Sign. Don Ferdinando, Haushofmeister des Grafen,
nach Hause fahren. Künftigen Freytag wird Akade-
mie fiir's ganze Publicum seyn 5 dann wollen wir
selicn , was heraus kömmt. — Viel wird in Italien
überhaupt nicht heraus kommen.* Das einzige Ver-
gnügen ist, dass eine mehrere Begierde und Einsicht
hier ist, und dass die Italiener erkennen, was der
• »» * • * *
Wolfg. versteht. Uebrigena muss man sich freylich
meistens mit der Bewunderung und dem Bravo be-
zahlen lassen , wobey ich Dir aber auch sagen muss,
dass wir mit aller nur ersinnlichen Höflichkeit aller
Orten empfangen und bey allen Gelegenheiten zur
hohen Noblesse gezogen werden. Der Wolfg. lässt
Ihro Exc. der Gräfin von Arco die Hände unterthä-
nigst küssen und dankt für den geschickten Kuss,
der ihm viel angenehmer ist, als viele junge Busserl.
......
Nach.chrift Tön Wolfg. A. M. {dessen Brief No. 4.)
• • • •
Da bin ich auch, da habt's mich: Du Mariandel,
mich freut f$. recht, dass Du so erschreckheh — — -
Justig gewesen bist. Dem Kindsmensch, der Uraorl,
aage, dass ich immer meyne, ich hätte ihr alle Lie-
der wieder zurück gestellt; aber allenfalls, ich' hätte
sie in den wichtigen und hohen Gedanken nach Ita-
lien mit wir geschoben, so werde ich nicht erman-
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179
geln, wenn ich es finde, es in den Brief hinein zu
prägen« Addio, Kinder, lebt's wohl, der Mama küsse
ich tausendmal die I Tande , und Dir schicke ich hun-
dert Busserln oder fSchmazerln auf Dein wunderbares
Pferdgesicht, Per fare ilfine, bin ich Dein etc.
(Leopold M. Brief No. 69.)
• * • j :
.« Fiwching- Erch- (Diens-) Tag 1770.
nun vorbey: sie war am
Freytag. Es ging wie aller Orten, und braucht keine
weitere Erklärung. Wir leben gesund, Gott sey
gelobt! und wenn wir gleich nicht reich sind, so
haben wir doch immer mehr als die Noth wendigkeit.
In der zweyten Fastenwoche werden wir mit Gottes
Hülfe Mailand verlassen, und nach Parma eehen. In
der ersten Woche, will Graf Krmian noch qine grosse
Akademie für die Damen in seinem Hause geben $
und es sind noch ^andere Sachen auszumachen. ■
Das Unglück des Hrn. von Aman, von dem Du
schreibst, hat uns nicht nur höchstens betrübt f son-
dern dem Wolfgi viele Thränen gekostet: Du weisst,
wie empfindlich er ist. — —7 — ,
Nachschrift ton Wolfg. A. M. (dessen Brfef N* &.)
Und ich küsse die Mama und Dich. Ich' bin
völlig verwirrt vor lauter Af&iren. Ich kann un-
möglich mehr schreiben. ; ' # ■
• • • •*{'••• > ' Ihm S • >
(WoLCgf AuMosart^flrief No. 6.) , ,,,,
• I.ii .wV '. i\»r den 5. Mär« 1770. ,
Cara sorella mia! » • :
Recht vom ganzen Herzen freut es mich, dass
Du Dich so lustig gemacht hast. Du mögtest aber
12* .
1*0
i
k •
etwa glaubten, ich hatte mich nicht lustig gemacht.
Aber Ja, ich könnte ea nicht zahlen. Ich glaube ge-
wiss, wir waren sechs oder rieben Mal in der Oper,
und dann in den feste di ballo, welche, wie zu .
Wien, nach der Oper anfangen, aber mit dem Un-
terschied , dass zu Wien mit dem Tanzen mehr Ord-
nung ist. Die facchinata und clucelierata haben wir
auch gesehen. Die erste ist eine Maskerade, welche -
schön zu sehen ist, weil sich Leute anlegen als fac-
chini oder als Hausknechte, und da ist eine barca
gewesen, worin viele Leute waren, und viele sind
auch zu Fusse gegangen. Vier oder sechs Chöre
Trompeten und Paucken, und auch etliche Chöre
Geigen und andere Instrumente. Die clucelierata ist
auch eine Maskerade. Die Mailänder heissen chic-
chere diejenigen, die wir petits mattres heissen, oder
Windmacher halt, welche denn alle zu Pferde, wel-
ches recht hübsch war. Mich erfreut es jetzt so,
dass es dem Hrn. von Aman besser geht, als wie es
mich betrübt hat, wie ich gehört habe, dass er ein
Unglück gehabt hat. Was hat die Madame Rosa für
eine Maske gehabt? Was hat der Herr von Molk .
für eine gehabt? Was hat Herr von Schidenhofen
für eine gehabt? Ich bitte Dich, schreibe es mir,
wenn Du es weiss t: Du wirst mir einen sehr grossen
Gefallen erweisen. Küsse statt meiner der Mama
die Hände 1000000000000 Male. An alle gute Freunde
Complimente, und Dir tausend Complimente von
(wenn Du ihn erwischest, so hast Du ihn schon)
wansten derwischt, so hasten schon, und von Don
Casarella, absonderlich von hinten her«. —
■ ■
#
»
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181
■ ■ m
i
i •
(Leopold M. Brief No. 70.)
Mailand, deu i3. Marx 1770.
Zu dem Concert, welches gestern im Firnnani-
schen Hause war, hat Wolfg. drey Arien und ein
Recitativ mit Violinen componiren müssen: und
ich war gezwungen, die Violinpartes selbst heraus zu
schreiben, und dann erst verdoppeln zu lasson, da-
mit sie nicht gestohlen werden. Es waren über 150
Personen da vom ersten Adel: die Hauptpersonen
waren der Herzog, die Prinzessin und der Cardinal.
Zwischen heute und morgen wird auch noch eine
andere Sacli« ausgemacht. Man will nämlich, d;*ss
der "Wolfg. die erste Oper kommende Weihnachten
schreiben soll. Wir haben genug zu thun, dass wir
auf die Charwoche nach Rom kommen. Du weisst,
dass Rom der Ort ist, wo man sich nothwendig auf-
halten muss. Dann kommen wir nach Neapel, so
ist dieser Ort so beträchtlich , dass, wenn uns nicht
eine scrittura, die Oper in Mailand zu machen , zu-
rück zieht, sich leicht eine Gelegenheit ereignen kann,
die uns den ganzen kommenden Winter allda zurück-
hielte. Sollte nun aber die scrittura gemacht wer-
den, so wird uns das Buch gesclückt, der Wolfgang
kann die Sache ein wenig ausdenken, wir können den
Weg über Loretto nehmen, und dann in Mailand
wieder seyn. Und da der Compositeur nicht länger
verbunden ist zu bleiben, als bis die Oper in
rteena ist, so können wir alsdann über Venedig nach
Hause gehen. Ich überlasse Alles der Vorsehung
und Anordnung Gottes.
Morgen speisen wir zum Abschiede mit Sr. Exc.
welcher uns mit Briefen nach Parma, Florenz, Rom
f
1
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Neapel versieht Ich kann Dir nicht beschreiben,
wie gnädig er uns die ganze Zeit unseres Aufent-
halts begegnet ist. —
Nachschrift ron Wolfg. A. M. (deweu Brief No. 7.)
Ich empfehle mich und küsse die Mama und
meine Schwester Millionen Male und lebe gesund,
Gott sey Dank* Addio,
Das Mutterland der Musik, Italien, drückte also
auch diesen ihren Sohn an's warme Herz. Selbst der
sonst feste Nationalstolz und das Vorurthcil der Ul-
tramontaner machten dem Ruhme des zwölfjährigen
Genius Platz, der dem Olymp entsandt schien, um
Anthusa's Mauern mit Amphions Leyer zu beleben«
Nachdem er in Mailand grossen Beyfall im Firmian-
ischen Hause eingeerntet und auch Verschiedenes
dort componirt hatte, reis'ten Beyde, nachdem
Wolfgang zuvor noch die Scrittura zur ersten Oper
für das Carneval 1771 in Mailand erhalten und zu
Lodi Abends im Wirthshause ein Quartett compo-
nirt, hatte, im März 1770 weiter nach Bologna. Dort
fand Mozart einen enthusiastischen Bewunderer an
dem grossen Conträpunctisten, Pater Maestro Martini.
Dieser war nebst anderen Kapellmeistern ganz ausser
sich, als ihm der dreyzehnjährige Mozart über jedes
Fugenthema, welches Martini' ihm hinschrieb , die
dazu eehöriee Iii dos ta nach dem Riirore modi angab
und die Fuge augenblicklich auf dem Qaviere aus-
führte« Hierüber und über den Aufenthalt in Bo-
logna schreibt der Vater selbst umständlicher:
>
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1*3
; ■
(Leopold M. firief No. 71.)
. Bologna, d«n a4. Mari 1770.
Heute angelangt. Wir sind gesund, und leben
der Hoffnung , Gott werde uns gesund erhalten. Wir
werden über vier Tage nicht bleiben, in Florenz , .
fünf bis sechs. Folglich sind wir mit Gottes Hülfe
in der Charwoche in Rom und sehen sicher die funo-
tiones am grünen Donnerstage u. s. w.
Die Scrittura oder der schriftliche Contract we-
gen der Oper, die Wolfg. machen soll, ist gemacht,
und gegen einander ausgewechselt. Es kömmt jetzt
nur auf die Erlaubniss unseres Fürsten an, die ich
nachgesucht habe. Wir bekommen 100 Gigliati und
freye Wohnung. Die Oper fängt in den Weih-
nachtstagen an. Die Recitative müssen im October
nach Mailand geschickt werden, und den lsten No-
vember müssen wir in Maüand seyn, dass der Wolfg.
die Arien schreibt. Die Prima und Seoonda Donna
sind die Signora Gabrielli und ihre Schwester, der
Tenor Signor Ettore, dermalen U Cavaliere Ettore,
weil er einen gewissen Orden trägt. Die Ucbrigea
sind noch nicht bestimmt. Die Gabrielli ist in ganz
Italien als eine erstaunlich hochmüthige Närrin be-
kannt, die nebst dem, dass sie all' ihr Geld ver-
schwendet, die närrischsten Streiche machL Wir
werden sie unterwegs antreffen. Sie kömmt -von
Palermo, und dann werden wir sie wie eine Königin
ehren und recht hoch erheben > dann kommen wir
in Gnaden. In Parma hat uns die Signora Guari,
oder sogenannte Bastardina oder Bastardella zum
Speisen eingeladen, und hat uns drey Arien gesun-
gen. Dass sie bis ins C sopra acuto soll hinauf sin-?
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gen, war mir nicht zu glaube» möglich: allem die
Ohren haben mich dessen überzeugt. Die Passagen,
die der WoLfg. aufgeschrieben, waren in ilirer Arie,
und diese sang. sie zwar etwas stiller, als die tiefern
Töne, allein so schön wie eine Octavin- Pfeife in ei-
ner Orgel. Kurz die Triller und Alles machte sie
sa, wie Wolfgang es aufgeschrieben hat: es sind die
nämlichen Sachen von Note zu Note. Nebst dem
hat sie eine gute Alt- Tiefe bis ins G. Sie ist nicht
schön, doch auch nicht eben garstig, hat zu Zeiten
mit den Augen einen wilden Blick, wie die Leute,
die der Fraiss (Convulsionen) unterworfen sind, und
hinkt mit einem Fuss. Sonst hat sie eine gute Auf-
führung, folglich einen guten Charakter und guten
Namen.
Der Graf Firmian hat dem Wolfg. eine Taba-
tiere, in Gold gefasst, und in derselben 20 Gigliati
' verehrt. — — — — —
■
(Wulfg. A. Moiart'i Brief Nu. 8.)
• ' a4. Mär« 1770.
O Du Fleissige Du!
Weil ich gar so lange faul war, so habe ich ge-
dacht, es schadete nicht, wenn ich wieder eine kurze
Zeit flcissigwäre. Alle Posttage , wann die deutschen
Briefe kommen, schmeckt mir das Essen und Trin-
ken viel besser. Ich bitte, schreibe mir, wer bey
den Oratorien singt Schreib' mir auch, wie der Ti-
tel von den Oratorien heisst. Schreibe mir auch, wie
Öir die Haydirschen Menuette gefallen, ob sie besser
ab die erstem sind. Dass Herr von Aman wieder
gesund ist, freut mich von Grund meines Herzens:
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ich bitte Dich, sage ihm, er soll sich wohl in Obacht
nehmen; er soll keine starke Commotion machen.
Sage es ihm, ich bitte Dich, Aber sage ihm auch,
dass ich so oft an Dich denke, wie wir zu Trieben-
bach Handwerker gespielt haben, und da er durch
den Schrettbeutel und durch das Ischmachen, den
Namen Schrattenbach (Name des Fürst- Erzbischofs
von Salzburg) vorstellte. Und sage ihm auch: dass
ich so oft daran denke, da er oft zu mir gesagt
hatte folgende Worte : Wollen wir uns, vertheilen ?
„und da ich ihm allezeit antwortete: Wie z'wieder!
Aufs nächste werde ich Dir ein Menuett, welchen Mr.
Pick auf dem Theater tanzte, schicken, und welchen
dann in feste di hallo zu Mailand alle Leute tanzten,
nur damit Du daraus siehst, wie langsam die Leute
tanzen. Der Menuett an sich selbst ist sehr schön.
Er ist natürlich von Wien, also gewiss von Teller
oder von Starzer. Er hat viele Noten. Warum?
«
weil es ein theatralischer Menuett ist, der langsam
geht. Die Menuette aber von Mailand oder die wäl-
schen haben viele Noten, gehen langsam und viel
Takte. Z. B. der erste Theil hat 16, der zweyte
20 auch 24 Takte. — .
/ Zu Parma lernten wir eine Sängerin kennen,
und hörten sie auch recht schön in ihrem eigenen
Hanse, nämlich die berühmte Bastardella, welche
i) eine schöne Stimme, 2) eine galante Gurgel, 3) eine
unglaubliche Höhe hat. Folgende Töne und Passagen
hat sie in meiner Gegenwart gesungen:
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IM
Nota. Ursprünglich im Sopranschlüssel geschrieben.
(Leopold M. Brief No. 73.)
Bologna, den 27. Märs 1770.
Gestern war bey dem Feldmarschall Grafen Pal- '
lavicini ein Concert, dazu der Cardinal und die erste
Noblesse eingeladen waren. Du kennst den Grafen
Carl v. Firmian (er war aus Salzburg) 5 ich wünschte,
dass Du auch den Grafen Fallavicini kennen inöch-
test. Diess sind ein Paar. Cavaliere, die in allen
Stücken gleiche Denkungsart , Freundlichkeit, Gross-
muth, Gelassenheit und eine besondere Liebe uikJ
Einsicht in alle Gattungen der Wissenschaften be-
sitzen. Kaum hörte Letzterer, dass ich in der hei-
ligen Woche in Rom einzutreffen wünschte, so sagte
er, er wolle trachten, es sö einzurichten, dass er am 1
folgenden Tage das Vergnügen haben könne, diesen
jungen ausserordentlichen. Virtuosen nicht nur zu hö-
ren, sondern auch dem ersten Adel dieser Stadt das
nämlichor Vergnügen zu verschaffen. Der berühmte
Pater Martino ward auch eingeladen, und obwohl er
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187 '
1
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sonst niemals in ein Concert geht, kam er dennoch.
Das Concert, wobcy 150 Personen zugegen waren,
fing um halb acht Uhr an und dauerte bis halb zwölf
Uhr, weil die Noblesse keinen Aufbruch machte.
Die Signori Aprile und Cicognani sangen*
Was mich sonderheitlich vergnügt, ist, dass wir
hier ungemein beliebt sind, und dass der Wolfgang
hier noch mehr bewundert wird, als in allen andern
Städten Italiens, weil hier der Sitz und Wohnplatz
ron vielen Meistern, Künstlern und Gelehrten ist.
' Hier ist er auch am stärksten versucht worden, und
diess vergrössert seinen Ruhm durch ganz Italien,
weil der Pater Mar tino der. Italiener Abgott ist und
dieser mit solcher Verwunderung von dem Wolfg.
r spricht und alle Proben mit ihm gemacht hat. Wir
haben den Pater Martino zwey Mal besucht und je-
des Mal hat der Wolfg. eine Fuge ausgeführt, da-
von der Pater Martino nur den Ducem oder la Guido.
mit etlichen Noten aufgeschrieben hat* Wir haben
den Cavaliere Broschi oder sogenannten Sign. Fari-
nelli auf seinem Gute ausser der Stadt besucht. Wir
haben die Spagnoletta hier gefunden, die in der Oper,
«die im May gespielt wird, prima donna seyn wird,
anstatt der Gabrielli, die noch in Palermo ist und
die Bologneser, angesetzet hat.
\ Noch haben wir hier den Castraten Manfredini
ange tr o ff en , der , von Russland kommend, bey uns
in Salzburg war.
Wir sind in dem htituto gewesen. Was ich
da Alles gesehen habe, übertrifft das Museum Bri-
tannicum. Denn hier sind nicht nur die Natur -Sel-
tenheiten, sondern Alles, was nur immer Wie-
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t
senschaft heisst, gleich einem Lexikon in schö-
nen Zimmern reinlich und ordentlich verwahrt zu
sehen; Du würdest erstaunen. Von Kirchen, Male-
reyen, schöner Baukunst und Einrichtung verschie-
dener Palläste will ich gar nichts sagen.
Wegen des Pferdes hast Du nicht die mindeste
Meldung zu machen. Wer meine Sache ohne mein
Wissen und Willen verschenkt, »wird mir solche
mit etwas Besserm ersetzen, wenn er ein Cavalier
i#t, der nicht anders als edel denken kann. Meine
Freunde werden mir verzeihen, dass ich ihnen nicht
schreibe. Kommabit aliquando Zeitus bequemus
schfieibendu Nunc Kopffus meus aemper voUus est
multis Gedanlibus. —
Von Bologna reis'tcn sie nach Florenz, wo dio
fiewunderung besonders dadurch stieg, dass der dor-
tige Musik -Director, Marchese Ligneville, ebenfalls
ein starker Contrapunclist, dem jungen Künstler die
schwersten Fugen und Themata vorlegte, die er so-
gleich vom Blatte spielte.
(Leopold M. Brief No. 73.)
Floren*, den 5. April 1770.
Den 30« März angelangt. Den i. April gingen
wir zu dem Grafen Rosenberg, der uns gleich vor-
liess, . obwohl fünfzig Personen im Vorzimmer waren,
weil wir einen Brief vom Grafen Firmian hatten,
und weil er schon durch den Grafen Joseph Kauniz,
der mit uns beym Grafen Pallavicini gespeis't hatte,
von uns Nachricht hatte« Rosenberg schickte uns
gleioh nach Hofe zum Duca Salviati, mit Vermelden,
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dass er uns dem Grossherzoge vorstellen sollte* Der
Grossherzog war ungemein gnädig und fragte nach
der Nannerl; er sagte, seine Frau wäre seh* begie-
rig, den Wolfgang zu hören. Er sprach eine gute
Viertelstunde mit uns.
Den 2ten April wurden wir naoh dem Schlosse
ror der Stadt abgeholt und blieben bis nach 10 Uhr.
Die Sache ging wie gewöhnlich, und die Verwunde-
rung war um so grösser, da der Marquis Ligneville,
der Musik -Director, der stärkste Contrapunctist in
ganz Italien list und folglich dem Wolfg. die schwer-
sten Fugen • vorgelegt und die schwersten Themata
aufgegeben hat, die der Wolfg., wie man ein Stück
Brod isst, weggespielt und ausgeführt hat« Nardini
accompagnirte. Heute gehen wir zu Manzuoli. Der
Castrat Nicolini, der mit dem Guadagni zu Wien
war, ist auch hier. '. : »•..'%..,
• Ich bin sehr betrübt, dass wir am Freytage schon
abreisen müssen, um in Rom einzutreffen. Ich
wünschte, dass Du Florenz selbst und die ganze Ge-
gend und Lage der Stadt sehen könntest:4 Du 'wür-
dest sagen, dass man hier leben und sterben soll.
Ich werde in diesen Paar Tagen Alles sehen, was
zu sehen ist. — — — .u :
In Florenz machte Mozart noch die Bekanntschaft
eines jungen Engländers, Thomas Liridley, eines Kna-
ben von vierzehn Jahren , also mit ihm von gleichem
Alter. Dieser war ein Schüler des berühmten Nar-
dini und spielte sein Instrument mit einer bezau-
bernden Fertigkeit und Lieblichkeit. Diese Bekannt-
schaft, die zwischen diesen beyden bewunderten Kna-
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190
ben ein liebliches Bild des Erkennens und Wieder-
findens verwandter Geister ist, erreichte gar bald
einen hohen Grad von Zärtlichkeit; ihre Freund-
4 schaft war nicht bloss Knaben -Anhänglichkeit, son-
dern Zärtlichkeit zweyer tieffühlender, übereinstim-
mender Seelen: sie achteten sich als Künstler und
benahmen sich wie Männer« Daher war ihnen die
Trennung auch so bitter.
• Burney, in seinem Tagebuche seiner musikaliT
sehen Reise, erwähnt des Tomasino Lindley als ge^-
schickten Künstlers, und auch der, wie er sie nennt,
übernatürlichen Fähigkeiten des jungen Deutschen
(Mozart's), da er zu dieser Zeit mit Beyden zugleich
in Verschiedenen Städten Italiens war. ; .
• Vater und Sohn Mozart reis'ten von Florenz
wieder ab und kamen am H. April in Rom an, von
welcher Reise und ihrem Aufenthalte in Rom uns
des Vaters und des Sohnes Briefe Folgendes erzählen.
(Leopold M. Brief No. 74.)
Rom, den i4. April 1770.
Am Uten angelangt. In Viterbo sahen wir die
heil» Rosa, die, so wie die heil. Catharina di Bologna,
in Bologna unverwesen zu sehen ist. Von der ersten
haben wir Fieberpulver u. Reliquien, von der zweyten
einen Gürtel als Andenken mitgenommen. Am Tage
unserer Ankunft gihgen wir schon nach St. Peter in
die Capetta Sixti, um das Miserere in der Mette zu
hören. Am 12ten naben wir die Functiones und, da
der Papst bey der Tafel den Armen aufwartete, ihn so
nahe gesehen, dass wir oben an neben ihm standen.*
Unsere gute Kleidung, die teutsche Sprache und mei-
ne gewöhnliche Freyheit, mit welcher ich meinen
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m teutscner opracne aen genarnisciiteii
Schweizern zurufen Hess, dass sie Platz machen soll-
ten* halfen uns aller Orten bald durch. Sie hielten
den Wolfgang für einen teutschen Cavalier, Andere
gar für einen Prinzen , und der Bediente liess sie im
Glauben: ich war für seinen Hofmeister angesehen,
Eben- so gingen wir zur Tafel der Cardinale. Da
begab fes sich, dass Wölfgang zwischen die Sessel
zweyer Cardinale zu stehen kam, deren einer der
Cardinal Pallavicini war 5 dieser gab dem Wolfgang
Wink , und sagte : , Wollten Sie- nicht die Guto
n, mir im Vertrenen zu sagen, wer Sie sind.
Wolfg. sagte es ihm. Der Cardinal antwortete ihm mit
der grössten Verwunderung : Ey sind Sie der berühmte
Knabe, von dem mir so Vielem geschrieben worden
ist? Auf dieses fragte' Ihn Wolfgang: Sind Sie nicht
der Cardinal Pallavicini? Der Cardinal antwortetet
der bin ich 5 warum? vDer Wolfg. sagte ihm dann,
dass wir Briefe an Se. Eminenz hätten, Und unsere
Aufwartang machen wurden. Der Cardinal bezeugte
ein grosses Vergnügen darüber, sagte, dass Wolfg.
gut italienisch spräche, und setzte- hinzu': ick kan
auk ein benig deutsch sprekken. Als wir weg gingen
küsste ihm Wolfgang die Hand, und der Cardinal
nahm das Baret Vom Haupt, und machte^ ihm ein
sehr höfliches Compliment. »• "
Du «w«isk, dass das hiesige berühmt* Miserere
so hoch geachtet ist, dass den Musitis der Kap eile
unter der Excomrnunication verboten ist, eine Stim<-#
me davon aus der Capelle wegzutragen, zu copiren
oder Iemanden zu geben. * Allein, wir haben es
schon. Wolfg. hat' es schon aufgeschrieben , und
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■ •
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■ ■ ■ ■■
wir würden es iu diesem Briefe nach Salzburg ge-
schickt haben, wenn nicht unsere Gegenwart, nra
es zu machen, nothwendig wäre. Die Art der Pro-
' duction muss mehr dabey tliun als die Composition
selbst. Wir indessen wollen es auch nicht in andere
Hände lassen, dieses Geheimniss, ut non incurrtmus
St. Peterskirche haben wir schon rechtschaffen durch-
gesucht, und es soll gewiss Nichts unbeobachtet blei-
ben, was zu sehen ist. Morgen werden wir, wenn
Gott will, Se. Heiligkeit pontificiren sehen. Nach
den Functionen, am Montage, werden wir anfangen
unsere 20 Empfehlungs - Schreiben abzugeben. So
froh ich bin, dass ihr nicht mit uns gereist seyd,
so leid ist mir, dass ihr alle die Städte Italiens > be-
sonders Rom, nicht sehet. Ich rathe Dir noch ein-
mal Kaysslers Reisebeschreibung zu lesen. Wir sind
durch den Abbate Marcobruni in einem Privathause
abgestiegen, müssen aber, um empfangen zu können,
eine ansehnlichere Wohnung nehmen. Wo Lfg. be-
findet sich cut. und schickt einen Contratanz. Er
wünscht, dass Hr. Cyrillus Hoßnann *) die Schritte dazu
componiren möchte, und zwar möchte er, dass, wenn
die zwey Violinen als Vorsänger spielen, auch nur
zwey Personen vortanzen, und dann allezeit , so oft
die ganze Musik mit allen Instrumenten eintritt, die
ganze Compagnie zusammen tanze. Am schönsten
wäre es, wenn es mit fünf Paar Personen getanzt
würde. Das erste Paar fangt das erste Solo an, das
zweyte tanzt dass zweyte und so fort, weil fünf
Solo und fünf Tutti sind.
•) Dieser war ab T;mEmei*ter am Hofe xu Salzburg. ■ : •
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Nun kömmt die Zeit, die mir die meiste Un-
ruhe macht, weil die Hitze kömmt« Doch sagt mir
Jedermann, das« Neapel unvergleichlich mehr Luft
hat, und viel gesünder als Rom ist* Ich werde also
alle mögliche Vorsicht brauchen, sonderheitlich we-
gen der Malaria, unsere Rückreise ohne Lebensge-
fahr anzustellen. Bittet fleissig den lieben Gott für
unsere Gesundheit: an uns wird es nicht fehlen,
denn ich kann Dich versichern, dass wir alle mög-
lichste Sorge haben, und der Wolfg. so Acht auf
seine Gesundheit hat, als wäre er der erwachsenste
Mensch. Gott erhalte euch gleichfalls gesund! — ,
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Wolfg. A. Mozart's Nachschrift. Brief No. 9.
_X i-- 1 1 1)1 Ii j oLt *I"_jOlj 11 1 1 cl T-3(tlllv % llt-l^iSt ITlC-llK^l
miserablen Feder, gesund und küsse die Mama und
die Nannerl tausend, oder 1000 MaU Ich wünschte
nur, dass meine Schwester zu Rom wäre, dpnn ihr
würde «iiese Stadt gewiss Wohlgefallen, indem die
Peterskirche regulär, und viele andere Sachen zu
Rom regulär sind. Die schönsten Blumen tragen sie
jetzt vorbey; den . Augenblick sagte es mir der Papa.
Ich bin ein Narr, das ist bekannt. O ich habe eine
Noth. In unserm Quartier ist nur ein Bett. Das
kann die Mama sicli leicht einbilden, dass ich bev
dem Papa keine Ruhe habe* Ich freue mich auf das
neue Quartier« Jetzt habe ich just den heij. Petrus
mit dem Schlüsselamt, den heiligen Paulus mit dem
Schwert, und den heil. Lukas mit meiner Schwester
etc. etc. abgezeichnet. Ich habe die Ehre gehabt, des
heil. Petrus Fuss zu S. Pietro zu küssen, und weil
13
I
„194
ich dasÜügliick habe, so klein zu seyn, so hat man '
midi als- den-näralichen allen • • . !" " ■
. » '*•'- - * Wolfgang Mozart
hinauf gehoben, .!.;;:.*:«. ■
• » ■ i » • .
• • • • ■ • i ■ ,
• • • « *
. - . (Loop.ojd 1% Brief No. 7$.) ;
: i .!. Rom, den. ai. April 1770. ,;
-Wir haben hier den. Mr. Beckfort getroffen, der
uns bey der Lady Effingham in London kannte.
Wir wohnen jetzt- im Hause des Päpstlichen Couriers
Uslinghi. Die Frau und die Tochter wissen nicht
genug, wie sie uns bedienen sollen. Der Mann ist
in Portugall, und sie sehen uns als Herren vom
Hause an. Es sind bereits Nachrichten von unserer
Anwesenheit in Bologna und Florenz zu lesen ; allein
ich mag dergleichen Sachen nimmer einschicken.
J:::r:je::tiefer wir in Italien hinein kommen, desto
menr wäfchst Mio Verwunderung. Wolfg. bleibt mit
semer ^"Wissenschaft auch nicht stehen, und wächst
von Tage- zu Tage so, dass die grössten Meister und
Kenner nicht Worte finden, ihre Bewunderung an
den Tag zu legen. Vor zwey Tagen waren wir bey
einem Neapolitanischen Prinzen S. Angelo, gestern
bey dem Prinzen Ghigi , wo der sogenannte
(Plnghitterra oder Prätendent, und der Staatssecretair
Cardinal Pallavicim waren. Wir werden bald Seine*
Heiligkeit vorgeführt werden.
Aber ich habe t)ir noch eine artige Begebenheit
zu schreiben. «• . • • ... . ..r<
In Florenz fanden wir einen jungen Engländer,
welcher ein Schüler des berühmten Nardini ist. Die-
ser Knabe, welcher wunderschön spielt, und in Wolf-
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I
195
gangs Grösse und Alter ist, kam in das Haus der
gelehrten Poetin Sign.1 Corilla, wo wir uns auf Em-
pfehlung des Mi-. Laugier befanden. > Diese zwey
Knaben producirten sich wechselweise den ganzen
Abend unter beständigen Umarmungen. Den andern
Tag liess der kleine England er, ein allerliebster Kna-
be, seine Violine zu uns bringen, und spielte den
-ganzen Nachmittag, \Vplfg. accosnpagnirte ihm auf
der Violine. Den>Tßg darauf sppisten wir bey Mr.
öaoard, Administratdr "der "Grossherzogl. Finanzen,
und die- zWey Knaben spielten den ganzen Nachmit-
tag wechselweise , nicht als Knaben, sondern als Mäm
ner. Der kleine Tommaso begleitete uiaa nach Hause,
und weinte die bittersten Thrarten, wedl wir den
Tag darauf abreisen sollten. Da er aber vernalim,
dass unsere Abreise erst auf den. Mittag festgesetzt
sey, so kam er Morgens um neun Uhr, und gab
dem Wolfg. unter vielen Umarmungen iblgende Poe-i
sie, die die Sign.: Gorilla den Abend vorher hatte
machen müssen, und dann begleitete er nnsern Wa-
gem<bis. zum Stadtthore. Ich wünschte, dass Du diese
Scciie gesellen: hättest. .: 10 >* /
•i ."• '"2 •. '•'« .„.i., ,;,.d . *" i! ' m- .
• . <-..•• •
Per Iß partenza clel 'Sgr. fV.. A. Mozart
da £ Lr enze.
Da poi che il fato ff ha da me divifüit
io non fb che seguirti col pensiero, ,
ed in pianto cangai la gioja'e il ' ri«o%'
ma in mezza al pianto rivedetä .#•• sper*.
QueJla dolce armonia di pa^adiso ■
che ha un cstasi d'amor mi apr\ il sentfero,
mi rimona fiel ttrtr,1 e d> improwso *
mi porta in cielo a contemplare il vetf*. .
13*
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Oh lieto giorno t O fortunato ist mite
in cui ti vidi e attonito ascoltai
e della tua virtü divenni amante !
Voglian Ii • Dei che dal tuo cuor giammai
non mi diparta ! lo ti amero costante
emul di tua virtu de ognor mi avrau.
In aegno di sincera »tima ed affetto
Tommas o Linier,
m ™ ■ I
(Wolf g.' Amad. Mozart's Brief No. 10.)
Rom, den 21. April 1770. *■
Cara sorella mial
■\ Ich bitte Dich, Du wirst die Künste -von dei-
Rechenkunst finden, denn Du hast sie selbst aufge-
schrieben, und ich habe sie verloren, und weiss also
Nichts mehr 'davon. Also bitte ich Dich, sie mir
zu copiren, nebst andern Rechenexempeln, und mir.
sie her zu schicken.
Manzuoli steht im Contrapt mit den Mailändern,
bey meiner Oper zu singen. Der hat mir auch dess-
wegen in Florenz vier oder fünf Arien gesungen,
auch von mir einige, welche ich in Mailand compo-
niren habe müssen, weil man gar nichts von thea-
tral. Sachen von mir gehört hatte, um daraus zu
sehen, dass ich fähig bin, eine Oper zu schreiben.
Manzuoli ■ begehrt 1000 Ducaten. Man weiss auch
nicht, ob die Gabrielli sicher kommen wird. Einige
sagen, es wird die de' Amicis singen, welche wir in
Neapel sehen werden. Ich wünschte, dass sie und
Manzuoli recitirten. Da waren nun zwey gute Be-
kannte und Freunde von uns. Man weiss auch nocli
nicht das Buch. Eins von Metastasio habe ich dem
Don Ferdinando und dem Herrn von ^Troyer re-
commandirt» • •
1
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I
0
197
— >
Jetzt habe ich just die Arie: seardire e speranza
I
An Leopold Mozart/ s Gattin; "
Madame!
Sino dai primi del presenle anno ammirb questa
nostra Cittä nella pregiatissinia persona de Ama-
deo PVolJgango Mozart, di Leifiglio, un portento,
si pub dire, di Natura nella Musica, giacche tarte
aficora non potea esercitare il suo uffizio, se pure
non avesae con questo prevenuta la tenera etä sua,
Tra gli ammiratori io lo fui al certo, mentre
qualche diletto avendomi sempre recato la Musica,
e per quanto abbia ne miei viaggi di questa inteso,
ne posso far quel giudizzio che spero non sia fal-
lace; ma di si raro e portentoso Giovane e certa-
mente giustissimo , tanta avendone voncepita stima
clie lo feci al naturale ritrarre coli* iscrizione ri-
coppiata sul fine della cantata, che Gli sara grade-
vole di leggere. — La dolce sua ejffigie mi £ di
conforto, ed altre si di eccitamento a ripr ender c
qualche fiata la musica per quanto le publice e pri-
vate occupazioni me lo permettano, non avendo perb
mai perdute le traccie del S'- Amadeo e S*-- Leopoldo
anuibilissimo suo padre, avendone da Mantova, Mi-
lan o ed ultimamente da Firenze avute con piacere
notizie del loro stato ed universale riportato ap~
plauso, come fra poco da Roma sarb per avere>
dove allespiu illustri persone Ii ho giä diretti.
— Io non faccio die risvegliare a Lei, o Ma-
damnut, quel piacere die provb quando ancor piu
tenero nelle prime Citßä d'Europa lo condusse seco
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t
p
I
colla portentosa flglia, che fa il soggetto delle vir-
tuose universali ammiraziom , oeme lo e Egli pre-
sentemente, Quanto io stimo l'uno e l' ultra, lo pub
da questu 'itiitt rilevare e(f in consequenza quanto
abbia in prezio i suoi genitori, che con si atterita
educazione coltivati abbiano ei rari talenti, che loro
poi recata avenda ei esuberante compiacenza, ancora
universale ne apportarono al Mondo l'ammirazione.
. Degni aggradir.e tai sentimenti, che nascono da
buon aniniOy vera stirna , giacche a cid fare sommh-
nistra Voccasione l'adempire all* impegno contraUo
c°l ßgti° di far gli tenere due pezzi di JMjisica, da
lui venduti presso di me in quey momcnti, che sog-
giornb meco, i quali lw io fatti ricopiare occib Ii
gradisca e se ne serva pienamente.
Finisco augurandole ogni mag' felicitä e cosl
alla sua prtgiam<** famiglia, nel mentre con sincera
divota stirna mi dichiaro «
di Madama
Verona, divolmo- olbligtmo' tervidore
ss. Aprlü ,77o. Pietro Lugiati. *)
«
* ■ (Wolfg. Amad. Moaart's Brief No. 11.)
a5. April 1770.
Card sorella mial
Io vi accerto, che io aspetto con una incfedibile
premura tutte le giornate di posta qualche lettera
di Salisburgo, Jeri fummo a S. Lorenzo, e sen-
timmo il Vespero , e oggi niatina la messa cantata,
e la sera poi il secondo vespero, perchi era la festa
*) General -Einnehmer In Venedfg, von dem in den Briefen oft
die Rede war.
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della Madonna dal Buonconfiglio. Quevti giorni
fiumnp nel Campidoglio o.viddemmo varie helle cose.
Se io voUssi scrivere tutto quelche viddi, npn baste-
rebbe qucsto fogliettoi In due Accudtmic buunai , c
domani suonero anche in una. — Subito dopo pran-
so giuochiamq a Potsch. Quesio e uri giuoco che
imparai qui quando verro a casa, ve l'imparerb.
Finita questa lettera finirb una sinfonia mia, che
cominciai, Varia e finita, una sinfonia e dal co-
pista {il quäle 6 il mio padre) perchet noi non la
vogliamo dar via per copiarla; altriniente ella sa-
rebbe rubatai •
Roma caput mündig TV o If ga ngo, in .Germania,
ü JpriU anno i77p, Jmadeo Mozart injtatia.
ndl' anno venturo 1771.
Hinten wie vorn und in <3er Mitte doppelt.
■••■*#« ,i i«
, (Leopold M. BriefNo, 7G.) . . I .
, Rom,- den. 28. April 177».
Wir waren bey der Principessa Barbarini, wo
wir den Prinzen Xaver von Sachsen, auch den Prä-
tendenten abermals antrafen; heute sind wir bey dem
Ambassadeur von Malta. Morgen hat uns der Duca
di Bracciano zur Akademie des Duca Altems (Hohen
Ems) eingeladen. Montag speisen wir bey den Au-
gustinern. Am May wollten, wir mit Qottes
Hülfe mit dem Procacciö nach Neapel reisen, wo
wir schon Wohnung bestellt haben. Die Wege sind
sehr unsicher: ich gehe nicht weg, bis ich weiss,
dass Sicherheit ist, und mit dem Procacciö ist man
in einer grossen Compagnie. Wolfg. befindet sich,
Gottlob! gesund; nur hat er, wie gewöhnlich, ein
wenig Zahnweh auf einer Seite.
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■ 200
i " r
NtS. von Wolfg. Am ad. Mozart (dessen Briefe No. 12).
Meine Schwester küsse ich ins Gesicht, und der
Mama die Hände. loh habe noch keine Scorpionen
und Spinnen gesehen: man redet und höret gar nichts
davon. Die Mama wird wohl meine Schrift kennen.
Schreibe die Mama mir'* geschwinde, denn sonst
setze ioh meine Namen her.
(Leopold M. Brief No. 77.)
Rom, den a. May 1770.
Du willst wissen, ob Wolfgang noch singt und
geigt. Er geigt, aber nicht öffentlich. Er singt, aber
nur allzeit, wenn man ihm einige Worte vorlegt.
Er ist etwas gewachsen. Wir haben Gelegenheit,
mit 4 Augustinern naoh Neapel zu reisen. Ich hoffe,
Gott ^werde Dich und die Nannerl gesund erhalten,
und uns gesund nicht nur nach Neapel, und dann
wieder zurück , sondern auch seiner Zeit glücklich
nach Hause kommen lassen. In Neapel halten wir
uns etwa fünf Wochen auf. Dann über Loretto nach
Bologna und Pisa, und dorten die grösste Hitze an
einem Orte auswarten, der am kühlsten und gesun-
desten ist. Heute haben sich Herr Meissner, der
aus Neapel augekommen ist, und Wolfgang im deut-
schen Collegium producirt.
N.S. von Wolfg. Amad. Moeart (f.essen Briefe No. i3).
Ich bin Gott Lob und Dank gesund, und küsse
der Mama die Hand, wie auch meiner Schwester
das Gesicht, Nase, Mund, Hals, und meine schlechte
Feder. »
m
1 ■
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10i
Da sich Wolfgang das Miserere nach genauem
Anhören zu Mause aufgeschrieben hatte, hielt er spä-
ter, als dieses Miserere am Charfreytage wieder ge-
geben wurde, sein Manuscript im Hute, um noch
einiges berichtigen zu können. Dieses wurde in Rom
bald bekannt und erregte allgemeines Aufseilen. Es
gab Gelegenheit, dass Mozart sein nachgeschriebenes
Stück in einer Akademie beym Claviere singen musste,
wobey der Castrat Christofori, der es in der Kapelle
gesungen hatte, zugegen war, und welcher durch
sein Erstaunen Mozart's Triumph documentirte. Man
darf nur bedenken, welche Anstrengung es kostet,
eine einfache Melodie zu behalten, um hier in zwei-
felndes Erstaunen zu sinken! Dieses lange kritische,
Choralstück, und noch dazu zweychörig, voller Imi-
tationen und Repercussionen, ewig wechselnd im
Einsetzen und Verbinden der Stimmen unter einan-
der «— welche Kenntniss des reinen Satzes, des Con~
^(^^m^st^^s ^ xi 1 1 i fei *s >s g n ( >s d tt ^ J 1 1 1 1 1 >s >s ^ ^^^^^Ic^Jli,
ein Ohr, welchen allumfassenden Tonsinn erforderte
dieser in seiner Art einzige musikalische Diebstahl!
In Rom verweilten sie bis zum 8. May, von wo
sie dann nach Neapel reis'ten.
(Leopold M. Brief No. 78,)
• » •
Neapel, den 19. May 1770.
Wir sind" den 8. May in Gesellschaft dreyer
anderer Sedien oder zweysitzigen Wagen von Rom
abgereist, haben zu Marino im Augustiner Kloster
Mittagsmahl genommen, und sind den Uten zu Sessa
abermals in einem Augustiner Kloster über Nacht
wohl bewirthet worden, am i^ten in Capua bey den
202
■ ■ Ml ■ H *
Augustinern angelangt, uud wollten Abends in 3Sea-
pel seyn. Allein es fügte sich,, dass. den Sonnlag
darauf, den 13teu, die Einkleidung einer Dame in
dem Kloster vor sich gehen sollte, wo einer meiner
Reisegefährten, Pater Segarelli, vor . einigen Jahren
Beichtvater war. Er sollte also dieser Einkleidung
bey wohnen, und bat
die Einkleidung. Ausser den nächsten Verwandten
war Niemand zur Mittagstafel in dem Frauenkloster
eingeladen, als wir.
Schon am i2ten langte ein Kapellmeister sammt
drey bis vier Wagen mit Virtuosen an, die gleich
durch Symphonien und ein Salve Regina den Anfang
der Feyerlichkeit machten1. Alle diese Virtuosen
wohnten in dem nämlichen Augustiner Kloster. Am
l4ten kamen wir hier an. Wir wohnten zwey Nächte
in einem Hause, das dem Kloster der Augustiner
a S. Giovanni Carbonaro gehört. Jetzt sind wir in
einer Wohnung, wo wir monatlich vier Salzburger
Ducaten bezahlen. Gestern fuhren wir vergebens
nach Portici, um dem Minister Marquis Tanucci auf-
zuwarten. Abends besuchten wir den englischen Ge-
sandten Hamilton, unser n Bekannten aus London,
dessen Frau ungemein rührend das Ciavier spielt,
und eine sehr angenehme Person ist. Sie zitterte,
da sie vor dem Wolfg. spielen sollte.
Am löten haben wir bey Baron Tschudy ge-
speisst, der uns unzählige Mal geküsst und seine
Dienste angetragen hat.
* ■
Wenn die Portraite gut gemacht sind , magst Du ,
bezahlen, was Du willst. . ..
*
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203 .
i — —
. , IWolfg. A»ad. Mourt't Brief No. i4J . .
Neapel, den 19. Waj 1770.
• C S. M.
■ Vi prego di acrivermi presto e futti i giorni
di posti . Io vi ringrazio di avermi mandato queati
Rechenhistorie, e vi prego, sa niai volete avere mal
di testa, di mandarmi ancora un poco di queati
Künste. Perdonate mi che scrivo ai malamente, vui
la razione i perchö anche io ebbi un poco mal di
testa. Der 12te. Menuett von Haydn, den Du nur
geschickt hast, gefällt mir recht wohl, und den Bass
hast Du unvergleichlich dazu coinpoiiirt, und ohne
mindesten Fehler* Ich bitte Dich, probire öfter sol-
che Sachen.
Die Mama soll nicht vergessen, die Flinten alle
beyde putzen zu lassen. Schreibe mir, wie es dem
Herrn Canari geht. Singt er noch? Pfeift er noch?
Weiss t Du, warum ich auf den Canari denke? Weil
in unserm Vorzimmer einer ist, welcher ein G'seis
macht, wie unserer. A propoa, der Herr Johannes
wird wohl den Gratulations- Brief empfhngen haben,
den wir haben schreiben wollen. Wenn er ihn
aber nicht empfangen hatte , so werde ich ihm schon
selbst mündlich sagen zu Salzburg, was darin hätte
stehen sollen. Gestern haben wir unsere neuen Klei-
der angezogen; wir waren schön wie die Engel. An
die Nandl meine Empfehlung, und sie soll fleissig
für mich beten. Den 30ten wird die Oper anfangen,
welche der Jomelli componirt. Die Königin und den
König haben wir unter der Messe zu Portici in der
Hof kapeile gesehen, und den Vesuvius haben wir
auch gesehen. Neapel ist schön, ist aber volkreich
wie Wien und Paris. Und von London und Neapel,
in der Impertinenz des Volkes, weiss ich nicht, ob
nicht Neapel London übertrifft ; indem hier das Volk,
die Lazzaroni, ihren eigenen Obern, oder Haupt ha-
ben, welcher alle Monate 25 Durati d'argento vom
Ftönig hat, um nur die Lazzaroni in einer Ordnung
zu halten. •
Bey der Oper singt die de Amicis. Wir waren
bey ihr. Die zweyte Oper componirt Caffaro; die
dritte Ciccio di Majo, und die vierte weiss man noch
nicht. Gehe fleissig nach Mirabell in die Litaneyen,
und höre das Regina coeli oder das Salve Regina,
und schlaf gesund und lass Dir nichts Böses träumen.
An Hivvon Schideuhofen meine grausame Empfeh-
lung tralaliera, tralaliera. Und sage ihm, er soll
den Repetiter- Menuett auf dem Cla viere lernen, da-
mit er ihn nicht vergessen thut. Er soll bald darzu
thuu, damit er mir dio Freude thut machen, dass
ich ihm einmal thue accompagniren. An alle andere
gute Freunde und Freundinnen thue meine Empfeh-
lungen machen, und thue gesund leben, und thue
nit sterben, damit Du mir noch kannst einen Brief
thun, und ich Dir hernach noch einen thue, und
dann thuu wir immer so fort, bis wir was hinaus
thun, aber doch bin ich der, der will thun, bis
es sich endlich nimmer thun lässt. Indessen will
ich thuu bleiben
W. M.
(Leopold M. Brief No. 79.)
Neapel, deu 22. May 1770.
Gestern waren wir bey der Kaiserl. Gesandtin,
Gräfin Kauniz, geborner Fürstin von Oellingen. —
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205
«
Die Marquise Tanucci schickte gestern ihren Haus-
hofmeister zu mir, und Hess mir melden, dass der-
selbe jederzeit zu meinem Befehle wäre, uns aller
Orten herum zu führen, und uns alle Seltenheiten
zu zeigen. Diess ist eine Distinction, die Jedermann
in Verwunderung setzt, da dieser Minister eigenüich
König ist, und sehr hoch gehet. Die Opera huffa
ist hier sehr gut. Die alte Principessa Belmonte sah
uns da, und machte uns viele Complimente, obwohl
unsere Loge von der ihrigen weit entfernt war. —
• mm
* • « »
N. S. von Wolfg. Amnd. Mozart (dessen Briefe No. i5).
Ich bin Gott Lob und Dank gesund, und küsse
der Mama die Hände, und alle Beyde küsse ich zu
tausend Mal.
• i* ■ •
■ »
(Leopold M. Brief No. 80.)
Neapel, den a6. May 17*0.
Die Aussichten und Seltenheiten Neapels hoffe
ich Dir in Kupfer zu bringen , wie ich sie schon
von Rom habe. ....
Am Montag wird eine Akademie seyh, die die
Gräfin Kauniz, Lady Hamilton, Principessa Bel-
monte, Principessa Francavilla, Duchessa Calabritta,
veranstalten , und die uns glanblich 150 Zechinen ein-
bringen wird. Wir haben aber auch Geld nöthig;
denn gehen wir fort, so haben wir eine lange Reise,
ohne Etwas einzunehmen. Bleiben wir hier, so
müssen wir fünf Monate aushalten. Freylich hier
wir immer unsere Nothwendigkeit einnehmen.
Dass ich Dir nichts ausfuhrlich ers von Rom ge-
schrieben habe, hat «feine Ursachen,- Du wirst Alles
umständlich hören.
Die Frau Hagenauer wird wohl zu Reiten ein
Vater Unser für uns betenw "Es thut wirklieh • Noth*
denn wir beten nicht gar vieL /•<
. ) (Leopold M. Brief No. Ii.) ^ .
, . t . " , . ; .Ne.apel, deaag. Waj 1770..
Gestern) hatten wir unsere Akademie, diu sehr
. gut ausfiel» Morgen kommt der Hof in die, Stadt,
um des Königs rSfaraensfesfc mit Opern t icwzu.feyern.
- - "Wenn «wir den löten von hier reisen , so gehen
wir bis nach Marino, wo wir im Augustinerkloster
absteigen. J)et Pater Prior allda hat sich 's ausge-
beten. Er will mit uns nach Gcnzano, um uns das
wunderlhatige fiild Maria von guten Rath zu
zeigen. Wir können dann eine "Woche bey unseren
Freunden in Rom bleiben; und dann unsere Reise
nach Lorefte" antreten. In Rom habe ich für Kost
und Zimmer keinen Kreuzer bezahlt. Ich war gänz-
lich Herr vom Hause, und da die Frau sich über
keine Bezahlung erklären wollte, so werde ich nun
bey der Rückkunft Etwas kaufen, und der Tochter
ein ansehnliches Präsent machen.
Wenn ■ wir nun die besagte Zeit abreisen, so
werden wir am Ende, so zu sagen, ganz Italien ge- '
sehen haben, denn wir werden von den Gegenden
über Loretto hinaus, wo es uns einfallt, nach Bo-
logna oder Florenz, Pisa, Lucca, Livorno u. s. w.
gehin, die heissen zwey Monate an dem bequemsten
dieser Orte zubringen, und glaublich über Genua
nach Mailand kommen. Wenn Wolfg. nicht schon
die Scrittura' zur Oper in Mailand hatte, so würde
er sie zu Bologna, Rom und Neapel bekommen ha-
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»
•J07
ben: sie ist iiim an allen diesen drey Orten angetra-
gen worden. Ungeachtet die Hitze jetzt nicht sehr
stark ist, werden wir ziemlich schwarz nach Hause
kommen, denn diu Luft bringt es mit sich; 1)ü
weisst, dass Wöl fg. sich immer wünscht, brünett
zu seyn. Er kann die Post tage kaum erwarten y und
bittet Dich, Du sollst die Woche zu Zeiten zwey?
Mal schreiben, sonderheitlibhy wenn es 'etwas Neues
Der Vcsuvius hat mir das Vergnügen noch nicht
gemacht, sich brennend oder vielmehr feuerspeyend
zu zeigen» Wir werden ihn dieser Tage naher*
■.'(1 fauv
!• • •
* »4 • •
• • •
• • •••».'
• t
<
(Wolfg, A. Mozart'* Bx\ei No. x6.)
..y'i 3 j- Nea;aeJri4eu a9. May i77p.
• * *» .1 *»,..'
Jert Vattto fmimo nella prova deW opera det
Sign. Jomelli ,Ma qnide e una opera che 4 ben sdritta
e che me piace veramente. II Sign, Jomelli' ei ha
parlati ed ern molto citdle. E fummo anche in una
chiesa a aentir una Musica la quäle fü del SigW.
Ciccio de Majo, ed era una betlissima Musica* Anr-
eite lui ci parlo ed era molto compito. La Signora
De Amicia cantb a meraviglia* Stiamo Dio grazia
bene di salute, particolarmente io, qitandwvene
una lettera di Salisburgo. Vi prego di acrivermi
tutti giorni di pesta, e tre anelie non avete hiente
da ecrivermi, solamente porre: averlo per aver qual-
che lettera tutti giorni di posta. Egli non Rar r ebbe
mal fatto, ae voi mi acriveste quakhe volta una hei-
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iLeopold M. Brief No. 82.)
Neapel, den 5. Juny 1770.
Unser Concert ist sehr gut abgelaufen, aber vom
Hofe kann ich Dir noch Nichts schreiben. Die Prin-
cipessa Francavilla hat uns auch ein schönes Präsent
gemacht, und wir haben zu noch ein paar Kleinig-
■
leiten Hoffnung, - »
Du wirst übel zufrieden seyn, dass ich Dir un-
sere Einnahme nicht umständlicher schreibe. Ich
thue es darum nicht, weil man in Salzburg nur
die Einnahme ansieht, und auf die Ausgabe nicht
denkt, und wenige wissen, was Reisen kostet« Es
wird Dir genug seyn, dass wir an Nichts, Gottlob I
Mangel haben, was immer uns nothwendig ist, unsere
Reise mit aller Ehre fortzusetzen. Bey allen Kut-
schen werden Abends die Plambeaux auf der Spazier-
tour angezündet, um eine Art von Illumination zu
machen. Da wir täglich mitfahren , und allezeit durch
einen herrschaftlichen Wagen bedient werden, so
haben wir allezeit zwey Flambeaux. Der herrschaft-
liche Bediente hat sein Flambeau , un^unser Bediente
das Unserige. Auf der Promenade grüsst I. M. die
Königin uns allezeit mit ganz besonderer Freundlich-
keit. Am Pfiugstsonntage waren wir bey dem gros-
sen Balle, den der franz. Gesandte wegen Vermäh-
lung des Dauphins gab, durch zwey Billete einge-
laden. .
Mein Entschluss ist noch, den l6ten mit den
Procaccio, oder glaublicher, wenn ich . eine gewisse
Sedia bekomme, mit dem kaiserlichen Gesandten
Graf Kauniz, per posta am 2 Osten nach Rom zu
reisen. — •
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^^^^fc^
Ich kann mich nicht genug wundern , dass in
Salzburg Alles theuer wird. Man denkt dort halt
nicht daran, dass, wenn das System in einer Sache
ändert , . man darauf bedacht seyn muas, auf einer
andern Seite ein System zu formiren , so dass sich
das Ganze in seinem nöthigen Gleichgewichte er-
hält. .. . .. .
(W°Ifg. Amad. Mozart'a Brief No. 17.)
t • • « . • • 1 •
. Neapel, den 5. Jnny 1770.
c. s. M.
Heut raucht der Vesuvius stark. Potz Blitz und
ka nent, aini. Haid homa gfresa beym Herr Doli.
Dos is a deutscha Compositör und a brawa Mo.
Anjetzo beginn' ich meinen Lebenslauf zu beschrei-
hen. Alle 9 ore, qualche volta anche alle dieci mi
sveglio, e poi andiamo fuor di casa, e poi pranzia-
mo da un trattore, e dopo pranzo scriviamo, e poi
sortiamo, e indi venia im > , rna che cösa? AI giorno
di grosso, un^nezzo pollo owero un piccolo boccone
d'arrostoi al giorno di magro, un piccolo pesce; e
di poi andiamo a dormire. Est-ce que V pus apez
compris? Redma dafir soisburgarisch, don as is
gschaida. Wir sand Gottlob gesund , da Voda und i.
Ich hoffe, Du wirst Dich auch wohl befinden, wie
auch die Mama. Neapel und Rom sind zwey Schlaf-
städte. A> scheni Schrift 1 Net wor? Schreibe mir
und sey nicht so faul. AHrimente avrete qualche
eist* ffirfät Ii c. / t ^ et 1 ^ i \ r* $ */t ^£ C^X^ä^^*^Xj Iti f ( fc >
Ich freue mich schon auf die Porträte, und i bi ko-
lios, wias da gleich sieht 5 ^ons ma gfoin, so los i
mi un den Vodan a so macha. Mädli, las Da saga,
14
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210
wo bist dan gwesa, he? Die Oper hier ist von Jo-
• • ...
melli; sie ist schön, aber zu gescheut und «u altva-
terisch füYs Theater. Die De Amicis singt uii ver-
gleichlich,' wie auch der Äprüe, welcher 201 Äfäiland
i gesungen hat. Die tolnzef sind miserabel pompös.
Das Theater ist schön« Der König ist grob neapoli-
tanisch auferzogen, und steht in der Oper allezeit
auf einem Schemerl, damit er ein Bissel grösser alt
die Königin scheint. Die Königin ist schön und höf-
lich, indem sie mich gewiss sechs Mal im Molo (das
ist eine Spazierfahrt) auf das Freundlichste gegrüsst
hat. 1
N. S. Meinen Handkuss an die Mama !
. . {Leopold M. Brief No, 85.)
Neapel, den 9. hmj 1770.
Dt. ist . auf eine gewisse Art Schade, dass wir
nicht länger hier bleiben können, indem verschiedene
artige Sachen den Sommer durch hier zu sehen sind,
und eine beständige Abwechselung der Fruchte, Krau-
ter und Blumen , von Woche zu Woche hier zu se-
hen ist; *)ie Lage des Orts , Fruchtbarkeit , Lebhaf-
tigkeit, Seltenheiten u. s. w. hundert schöne Sachen
machen mir meine Abreise aus Neapel tranrig. Die
Uuflaterey, tlie Menge der Bettler, das abscheuliche
"VWk, ja das gottlose Volk, die schlechte Erziehung
der Kinder, die unglaubliche Ausgelassenheit sogar
in den Kirchen, macht, dass man auch das Gute
mit ruhigeren Gemüthe verlässt. Ich werde nicht
nur alle Seltenheiten in vielen schönen Kupferstichen
mit bringen, sondern habe auch von Hr. Mäuricoffro
eine schihle Sammlung Von der Lava des Vesuvs
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erhalten; nicht von der Lava, die Jedermann leicht
nahen kann,, eondern untersuchte Stücke mit der Be-
schreibung der .Mineralien, die sie enthalten , die rar
sind. Du warst schöne^ Sachen sehen , wenn wir zu-
rück kommen* Nächste Woche werden wir den
Vesnv, die zwey versunkenen Städte, Oasexta etc.
kurz alle Seltenheiten besehen, wovon ich schon di«
Kupferstiche in Händen habe. # , k
m^^^^W ^^^Br^BM ^^^^^^P'^P^ ^H^^^B- ^^^V ^■^■^^■^^ ^
(Leopol* M. Brief No. 84.)
m m I . i ml ■ - *• * « « •
, .... Neapel, den i6. Jon* 1770..,
Wir können noch nicht den 20* ten abreisen, da
der Graf Kauniz niclit bis dahin fertig wird« Am
13ten sind, wir in einem Wagen nach Puzzuolo, und
von da zu Schiffe nach Baja gefahren, und haben da
gesehen die Neronwchen Bäder, die unterirrdische
Grotte der Sibylla Cumana, Logo tfAvernQ, Tenir-
pio di Vener e9 Tempio di Diana, Sepolcro d'Agrip*
pina, die elisäisphen Felder, das todte Meer, wo
Charon Schiffinann war, Iß piscina mirahih, die
cento camereile n. s« wr. im Rückweg viele, filtfi:JSäder,
Tempel, unterirrdische Zimmer , montenuovo, monte
gauro, molo äi Puzx6B, ^totisseo 9 Solfatara, As-
trorti, groita Hel cane, lago di Agnano, vor allen
aber la grotta di VustiuMi und das Grab des' Vir-
gils. Heute speisten wir zu Mittag auf der Hohe
a G. Martina bey den Carthauserh , und besahen alle
des Orts ontd bewtm-
Aussicht, Montag und Erchtag geht es
an den Vesuv, Pompeji, Hercohuium, die dort ge-
fundenen Sachen,, Caserta und Capo di Monte, wel-
iAUc8 )Geld! kosten wird.
14*
• ■
1 . . • > ■ •
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N.S. ron Wolfg. Amad. Mowrt (dessen JBriefJNo- 18).
Ich bin auch noch lebendig und beständig lustig
wie alle Zeit, und reise gern: nun bin ich auf dem
mediteranischen Meer auch gefahren* Ich küsse der
Mama die Hand und die Nännerl zu 1000 Malen
und bin der Sohn Steffi?! und der Bruder HansLj -i-
Als Wolfgang in Neapel in dem Conservatorio
alla pieta spielte , fielen seine Zuhörer unter andern
wegen der ausserordentlichen Fertigkeit und Ge-
schwindigkeit seiner linken Hand auf den Gedanken,
dass in seinem Ringe die Zauberey »tacke;* er zog
daher^deri Ring ab, spielte eben so, und nun wurde
natürlich die Verwunderung erst recht gross. Da er
in Neapel kein Piano forte fand, so musste er seih
M<u stria nur auf einem soKto Cembalo hören ksseri.
Von Neapel kehrten sie, und Wolfgang mit e?-
mem Rufe, der nur selten einem Künstler voraus-
geht, nach Rom zurück , wo sie den 25sten Juirius
ankamen, und von Wo aus der Vater folgende Briefe
an seine Frau nach Salzbürg schrieb: v» ^ •••*"
t • r • •
< " *V; •» - • *...*...» »w«« »» • • • - A
... ..." : (Leopold M. Brief, Wo. 86.) •.. .. , ,
.... 1«,/ . , .. . ßom, den Jiwy 1770; ,,
. .* Gestern angelangt« Nur 27 Stunden auf der
Reise,- auf welcher wir, mit dem Vetturm fünftehalb
Tage zubrachten. Graf Kauniz kam erst heute. .Ich
dachte, es wäre besser allein- zu reisen, weil man
oft nieht-Pferde genug auf den Stationen* findet; auch
wusste ich, dass zwey Reisende zwölf Pferde auf
der ganzen Route brauchten. Wir reisten also allein
Ich gab mich für den Haushofmeister des kaiserl.
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Gesandten ans] weil die Haushofmeister solcher Her-
ren in diesen Orten in vielem Ansehen stehen* diess
machte meine Reise sicher, verschaffte mir gute Pfer-
de, und geschwinde Beförderung, und in Rom durfte
ich nicht in die Mauth zur Visitation fahren; mau
machte mir beyin Thore sogar ein tiefes Compliment,
hies* mich gerade- nach Hause fahren, und ich warf
ganz vergnügt ihnen ein paar Paoli ius Gesicht.
Wir hatten in 27 Stunden unserer Reise nur zwey
Stunden geschlafen. Sobald wir ein , wenig Reis und
ein paar Ey er gegessen hatten, setzte ich den: Wolf-
gang auf einen StuhL Er fing augenblicklich an zu
schnarchen und so fest zu schlafen, das* ich ihn völ-
lig auszog und ins Bett legte, ohne- dass er das min-
deste Zeichen gab, dass er? wach werden konnte.
Er schnarchte immer fort, obwohl ich ihn zu Zeiten
von dem Sessel aufheben und wieder niedersetzen,
nnd endlich gänzlich schlafend ins Bette schleppen
musste. Als er nach neun Uhr Morgens erwachte,
wusste er nifcht, wo er war und wie er ins Bett ge-
kommen. Er lag schier die gan^o Nacht auf dem
nämlichen Platze. Nun werden wir die Feuerwerke,
die Girandole und alle dergleichen schöne Sachen,
dann die Ueberreichung des Neapolitanischen Tributs,
und das Amt und Vesper in St. Peter sehen. In
Neapel hat der Iinpressar Sign. Amadoii, da er den
Wolfg. bey Jomelli gesehen und gehört hatte, ihm
angetragen, eine Oper auf dem König!.. Theater S«
Carlo zuschreiben, welches wir wegen Mailand nicht
annehmen konnten. * : . : \ • - : .
Hrw Meuricoffer, der abgereiset ist, hat uns die
g*össteri FreuhdscluifUtückö erwiesen/ und uns noch
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214
zuletzt 125 Ducaten aufgetrieben, theils Komani, tffcils
Gigliati und Zechinen, um wenigstens das meiste un-
- ,-rcs neapolitanischen Geldes auszuwechseln» — —
Oh wir hey dem Könige von Neapel gespielt
haben? Nichts weniger; es ist bey dem puren C«uu-
plimenten geblieben, die uns die Königin aller Orten,
wo sie uns sah, gemacht hat»: Die Königin kann
Nichts thun, und was der König für ein Subject ist,
schickt sich besser zu erzählen, als zu beschreiben.
Du kamist Dir leicht einbilden, wie es an diesem
Hofe zugeht. Der junge Violinist Lamotte, der in
der Kaiserin Diensten ist und auf ihre Ordre und
Ünkosten nach Italien irereis't ist. war lange Zeit in
Neapel und blieb drey Wochen langer, weü mau
ihm das Maul machte, der König und die Königin
Würden ihn hören; dennoch geschah es nicluV Ich
werde seiner Zeit eine Menge lustige Sachen, yon
diesem Hofe erzählen. Du wirst auch das Portrait
des Königs sehen. *p» Ich habe noch nirgends meine
Aufwartung hier i machen können. Die Ursache habe
ich Dir im ersten Briefe verschwiegen» Weil es nun
aber besser aussieht, so muss ich Dir den bösen Zu-
fall berichten. Du weisst, dass zwey Pferde und ein
Postillon drey Bestien sind. Auf der letzten Post
nach Rom schlug der Postillon das Pferd, welches
zwischen den Stangen geht und folglich die Sedia
auf dem Rücken tragt. Das Pferd stieg in die Höhe,
verwickelte sich inj dem mehr als spanntiefen Sand
und Staube, und fiel mit Gewalt nach der Seite zu
(Leopold M. Brief tfo. 86.)
Rom, fcfj 3q. Juuy 1770.
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Boden , fis^ folglich den vordem Theil der Scdia
mit sich, weil diese nur zwey Räder hat. Ich hielt
den Wolfg. mit einer Hand zurück, damit er nicht
hinaus stürze; mich aber riss die Gewalt mit dem
rechten Fusse dergestalt an das mittlere Eisen des zu-
rückfallenden Spritzleders. dass ich das halbe Schien-
bein des rechten Fusses fingerbreit aufriss u. s . w.
(Leopold M. Brief No. 87.)
Rom, den 4. July 1770.
Morgen Mittag speisen wir bey dem Cardinal
Pallavicini, übermorgen bey dem toscanischen Ge-
sandten, Baron Saint Odile. Wir sollen morgen eine
Neuigkeit erfahren, die Euch in Verwunderung setzen
wird. Der Cardinal Pallaticini soll nämlich Ordre
haben vom Papste, dem Wolfgang ein Ordenskreuz
und Diplom zu überreichen. Sage noch nicht Vielos
davon; ist es wahr, so schreibe ich Dir es nächstens.
Da wir letzthin beym Cardinal waren, sagte er et-
liche Male zu Wolfgang: Signore Capaliere;
wir glaubten es sey Spass. Wolfgang ist in Neapel
siditbarJUch gewachsen. ^- -r — — ,..
• • • * • • •• • t •• • •
(Leopold M. Brie£No. 88.)
. Rom> 4en, 7. July 1770.
Was ich Dir letzthin von einem Ordenskreuzc *)
feschrieben habe» hat seine Richtigkeit. Es ist das
f ' 1 4 • • ' .• . . . % . . 1
*) Dissen Orden, durch den er eben sowohl den Namen der
Ritter Ton Mozart ah Gluck, den, der Ritter von
Gluck erworben hatte, trng er nie, ab in der Jugend in
Reichsstädten, auf seiner Reise nach Paris nach seine« Vaters
Vorschrift. Gluck soll den seinigen getragen haben.
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t
216 .
■ ■ ■ -
•
nämliche, was Gluck hat, und heisst: te creamus
auratae rnilitiae equitem. Er imiss ein schönes gol-
denes Kreuz tragen, das er bekommen hat, und Du
* kannst Dir einbilden, wie ich lache, wenn ich alle-
zeit zu ihm Sign. CavaKere sagen höre. Wir wer-
den morgen desswegen beym Papst Audienz haben.
Nachschrift von Wolfß. Amad. Mozart.
Ich habe mich recht verwundert, dass Du so
schön componiren kannst. Mit einem Worte, das
Lied ist schön, Probire öfter Etwas. Schicke mir
bald die andern sechs Menuetten von Haydn. Jfß%
j'ai l'honneur d'itre Votre tres humble eerviteur et
frere Clievalier dt Mozart. — Addio.
... .
(Leopold M. Brief No. 89.)
Bologna, den ax. July 177°-
Wir gratuliren Euch zu Euerem verflossenen
gemeinschaftlichen Namenstage, und wünschen Euch
die Gesundheit, vor Allem aber die Gnade Gottes:
sonst haben wir Nichts nöihig; das Uebrige findet
sich Alles. In Civita Castellana hörten wir eine
Messe: nach derselben spielte Wolfg. die Orgel. In
Loretto traf es just auf dem I6ten, dass wir da un-
sere Andachten machten. Ich habe sechs Glöckel
und verschiedenes Andere gekauft. NB. Nebst Re-
liquien bringe ich auch einen heil. Kreuzpartikel von
Rom mit. Zu Sinigaglia haben wir den Jahrmarkt
in Augenschein genommen. Gestern kamen wir hier
an ; am loten hatten wir Rom verlassen. Graf Palla-
vicini hat uns hier alles Nöthige angeboten: «einen
Wagen habe ich accepürt.
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■
Weiih der Wolfgang so fort wächst 9 wird er
ziemlich gross nach Hause kommen. —
"' Nach*thrift Ton Vf^fe. 4,1?. 6^ Briefe, No. 19.J ;
Ich gratulire der Mama zu dem Na mens feste,
und wünsche , tlass die Mama noch möge , viele 'hun-
dert Jahre leben und immer gesund bleibe«, welches
ich immer bey Gott verlange, und bete alle Tage
und werde alle Tage für Sie Beyde beten. , Jch kann
unmöglich mit Etwas aufwarten, als mit etlichen
Loretto Glöckeln und Kerzen und Haubeln und
Flor, wenn ich zurück komme. Inzwischen lebe die
Mama wohl, ich küsse der Mama 1000 Mal die Hände
und verbleibe bis in den Tod 1 .
. ... Ihr getreuer Sohn.
Nachschrift von Wolfg. Ä'. ÄL (dessen Briefe No. ao.)
Jo vi auguro d'Iddio Vi dia sempre salute, e
vi lasci vivere ancora centf anni, e vi faccia morire,
quando avrete mille anni. Sjpero die Vo\ impare-
rete meglio conoscermi in ayvenire, e che poi ne giu-
dicherete come ch9 egli vi piace. II tetripo non mi
permette di tcriver molto. La penna non vale un
corno, ne pure quello.che la dirigge. II titolo deW
opera che ho da comporre a JMilano, non si sä an-
cora. Ich habe die Tausend und eine Nacht in ita-
lienischer Sprache von unserer Hausfrau zu Rom zu
schenken bekommen; es ist recht lustig zu lesen.
(Leopold M. Brief No. go.) •
Bologna, den 38. Jnly 1770.
Ich habe noch meine Fusskrankheit, welcher
Stoss mir wohl zwölf Ducaten kosten wird; denn in
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r
" Wirthshäusern ist es nicht lustig, krank > W «ejn.
Wenn ich in Neapel 1000 Doppien eingenommen
verschmerzen. —
Genug, ich habe immer mehr als wir brauchen, und
damit sind wir zufrieden und loben Gott.
Gestern haben wir das Opernbüchlein und die
Namen der Recitirenden, erhalten. Die Oper heisst:
Mitridate, Re di Ponto, und ist von einem Poeten
aus Turin, Namens Vittorio Amadeo Cigna -Santi.
Sie ist dort im Jahre 1767 aufgeführt worden. Die
Personen sind; • • - .
« Mitridate, Re di Ponto. Sign. Gugliemo d'Et-
tore, Tenor.
Aspasia, promessa eposa di Mitridate. Signora
Antonia Bernasconi, Prima Donna*
Sifare, figlio del etesso, amante di Aspasia. Sign.
Santo rini, Soprano* primo uomo (welch ei-
erst verflossenen Carneval in Turin recitirt hat).
' Farnace, prin%o ßglio di Mitridate, amante della
medesima Aspasia. Sigr. Cicognani.
Ismene, figlia del Re de* Parti, amante di Far*
[ nace. SJgra. Varese, II** Donna Soprano.
Arbate, Govematore di Ninfea. Soprano.
Marzio, Trihuno romano. Tenor e.
, Sartorini hat uns in Rom gesungen. Die Ber-
nasconi kannten wir auch schon. Cicoguani ist un-
ser guter Freund.
Die zwey Portraite gefallen uns sehr wohl, und
um sie gut zu finden, nnpsa -man sie nicht nahe an-
sehen ; denn Pastell ist kein Miniatur: sie sind et-
was zu fett, allein in einer kleinen Entfernung ver-
liert sich Vieles, und wir sind zufrieden : das ist genug.
»
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219 #
(Woli^. Amad. Mozart s lidei: Ho. atjt %r- t . fy
. 61 8. M.
Jq VI devo confetaarty che ho un grandinsinw
piacere, cAe ci avst« inandati i ritratti, i quali mi
piacoiono molto.
(Lipoid M.Brief Wo. 9*.)
bologna, den 4. Augu«t 1770,
Schwerlich komme ich bey meiner Krankheit
aus dem Wirthshause unter 20 Ducaten, wenir*s riür
kleckt. in Gottes Namen, wenn man nur immer
•eine Haut davon bringt. Hole der Plunder das Geld!
Misliwetschek, der eben bey mir war, hat die Scrit-
tura, in Mailand die erste Oper des Carnevals 1772
zu machen; Die zweyte heurige Oper wird die Ni~
tettl seyn. ; *• . «
N. S. ?on Wolfg. A. Mozart (deaaen Briefe No. aa).
Ich bedaure recht von Herzen, da«, die Jung,
frau Martha immer so krank ist, und bete alle Tage
für sie, damit sie gesund werde« Sage ihr" anstatt
meiner, sie soll nicht viel Bewegung machen und
brav gesülzt e Sachen essen« (SU hatu die Abzehrung.)
A propos , hast Du denn Robini siegerl meinen
Brief gegeben? Du schreibst mir Nichts davon,. Ich
bitte, wenn Du ihn siehst, so sage ihm., er «oll auf
mich gar vergessen. Ich kann unmöglich schöner
schreiben, denn die Feder ist eine Notenfeder und
keine Schriftfeder. Nun ist meine Geige neu besai-
tet und ich spiele alle Tage. Aber diese* setze ich
nur hinzu, weil meine Mama einmal zu wissen ver-
langte, ob ich noch geige. Gewiss ihrer sechs Mal
habe ich die Ehre gehabt, allein in die Kirchen und
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I
220
prächtige Functionen zu gehen. Unterdessen habe
ich schon vier italienische Symphonien componirt,
ausser den Arien, deren ich gewiss fünf oder sechs
schori gemacht habe, und auch ein Motetto.
Kömmt der Herr Tölpel öfters? beehrt Euch
noch mit seinem unterbaltlichen Discourse? Und
Herr Edler Karl von Vogt, würdigt er sich noch,
Eure unerträglichen Stimmen anzuhören? Der Herr
von Schidenhofen soll Dir fleissiu Menuette schrei-
ben helfen , sonst bekömmt er kein Zuckerl nit. t
Meine Schuldigkeit wäre, wenn es mir die Zeit
erlaubte, Herrn v. Mölk und Schidenhofen mit ein
Paar Zeilen Beyde zu belästigen, aber da mir das
Noth wendigste dazu mangelt, so &Ue ich, meinen
Fehler zu verzeihen und mir auf das Zukünftige
diese Ehre aufgehoben seyn zu lassen« Meine einzige
Lustbarkeit besteht dermalen in englischen Schritten,
Cäpijiölen und Spaggat machen. Italien ist ein Schlaf-
land : es schläfert Einen immer. ( — — — — )
Uli VAU V . .• . • m» i
i ;uJ - ' (Leopold M. Brief No. 92.) t
^ysvA* Vom Landgute ausser Bologna,
»« ... I' • . .. den is« August 1770.
1 Wir leben hier bey-dem Feldmarschall Pallavi-
cini auf fürstliche 'Art ," und haben für ' uns einen
Läufer* uria einen Bedienten : der erste schläft in uii-
serm Vorzimmer, um immer bey der Hand zu seyn.
Wir haben die kühlsten Zimmer neben der nala
terrena. Der junge Graf, der die beste Erziehung
und Talente hat, ist der beste Freund Wolfgangs
und dieser der seinige. — Die Herrscliäft lasst mich
niemals stehen, sondern ich rauss immer sitzen, und
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I
m
■ - ■ ■ ■
den Fuss auf tauen andern Sessel legen. Sogar haben
sie mir heute in der Kapell« l?ey :der Messe zwey
Sessel zurecht stellen lassen., Um. zwölf, UI*r ist alle
Tage die heilige Messe, wo der junge Graf, der,
ungeachtet in Wolfgangs Alter, schon kais. Kammer-
herr ist, miwtrirt: nacli der Messe wird ein Rosen-
kranz, die Liuncy, das Sähe Regina und; das rfr
Prvftmdi9 gebeteU ■ I »-.., ' ,|..J
" Wolf)^ fahrt mit der Grafinn und' dem Sohne,
ich mit dem alten Grafen spazieren. Wir bleiben*
hier, bis mein Fuss ganz hergestellt ist — —
> Utk ••••• •«< "».»».
/ • -A (Leopold JH. Brief No. 93.)
Wir sind noch auf dem Landgut© aüa croce deJ
Bmoeo , welches ' dem Grafen Bolognetti gehöfct,J afce»
vom Grafen I Pailavichii au f ein ige Jahre • ib iBestaifd
genommen ist; Am 30s ten wird »da* jährliche gifesse
Fest seyn, welche« die Mitglieder der bologneaischen
philharmonischen Gesellschaft mit Vesper und I loch-
amt prächtigst halten« — -u<':i.\ r. "; '"wwixtd
• • r • • m
N. S. Ton W o 1 fg. A. Mozart (dessen Briefe jNo. . . ,r •
;Ioh bin auch noch lebendig und zwar sehr lustig.
Heute kam mir die Lust, auf einem Esel znjt reg-
ten; denn in Italien ist es der Brauch, und also: l|abe
ich gedacht, ,ich jmass es d0ch auch probiren.: ^fir
haben die Ehre, imt einem gewissen Pomin£caner
umzugeben, wfclcher für heilig gehalten , wird. Ich
«war glaube es nicht recht, denn er nimntf zum
Frühstück oft eine Tasse Chocolade, gjeich darauf
ein gutes Glas starken spanischen Wein? pd ich
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habe selbst die Ehre gehabt , mit diesem Heiligen
211 speisen, welcher brav Wein und auf die Letzte
ein ganzes Glas voll starken Weins bffy der Tafel
getrunken hat, zwey gute Schnitze Melonen, Pfir-
siche, Birnen, fünf Schalen Kaffee, einen ganzen
Teller Voll Nageln, zwey volle Teller Milch mit
Limonien. Doch fliese« könnte er mit Fleiss thun,
aber ich glaube nicht, denn es wäre zuviel, und aber
er nimmt' viele Sachen zur Jausen (Collation) auf
Nachmittag. iV««.* • ! s .i .;
• • • • » •
(Leopold M. Brief No. 94.)
• YologiiA, den a5. August 1770.
«Noch auf Üem Lande. Da wir die Gelegenheit
haben, hier einen Pater Dominicaner zu haben, der
eiik teutscher Böhme ist* so haben wir heute in der
Ifarrkirche unsere Andacht verrichtet, gebeichtet
und commimioirt , dann den Kreuzweg mit einander
gemacht: zu Mittag waren wir im Schlosse bey der
^ewohoUchen Messse und Rosenkranz. Du kannst
inzwischen in Salzburg- ein- Paar schön vergoldete
Scheine für uns machen lassen, denn wir kommen
siehe*' als Heilige nach Hause. — Meine Freunde
sollen ^mir ' die Saumseligkeit meines Briefwechsels
nicht 'verübeln. Lange geborgt, ist nicht geschenkt
tiitd' Heoer epät als gar nicht — sind zwey Sprüche
wärtery die meiner Nachlässigkeit ein wenig hinaus-
helfe«. UnÜ auf Reisen hat man an tausend Sachen
«U denken. Meine Bücher und Musikalien wachsen
merklich an. An Wolfg. wird Alles zu enge. Die
viele «Seide j die an «einem Brillantring war, ist alle
weg, und nur ein »wenig Wach« übrig 5 alle seine
■ 223
Glieder sind grösser und stärker geworden» Stimm«
zum Singen Kai er jetzt fear keine. BieW ist völlig
wegf er hat weder Tiefe noch Höhe, und nicht fünf
reine Töne. Die*» verdriesst ihn sehr, denn er kann
aeine eigenen Sachen nicht singen, dio er doch
manchmal singen möchte. — — • ,
•*' ■ (teopolä M. Ä-ief No. 950 ' ' '
' Ä " " Bologna, den *. Sept. 1770." '
Noch auf dem Lande. Am 3Östen hörten wir
in der Stau* t da« Amt und die Vespe* der fttilhar-
moniker, welches vdn zfehn 'Verschiedenen Meistern
conipbnirt ist. Das K^rie ünd Clotfa'von ^Eineni,
das Credo von einem Andern u. n» w. Jeder schlug
den Takt seiner Cömposition* Es mussten aber lau-
ter Mitglieder der Akademie seyni' 1 ' • §; v -lial
(Leopold M. Brief Ko. 06.) « >r *
Bologna, den 8. Sept. 1770.
Unterlasse nich't mir zu schreiten , was für geist-
liche Rat h e in Salzburg angelangt sind, und wie es
mit öieirem Congresse gent , und wo er*' genalten wird/
Kannst Du es nicht, so bittd Diesen' tfÄeif Jenen da-
: Nun denken Wir' "bald nach Mailand zu gehen,
ich Livorno nicht habe sehen können, so weitle
Tum.
Da
ich von Mailand aus eine- Tour nach d*n: seheüswiir-
en borromäischen Inseln machen.
tfi*. Ton Woffg. A* Ät. (defcen1 &SeiVfc6.
Damit ich nicht wider meine Schuldigkeit fehle,
so will ich auch - ein Paar "Worte' sclireiten. Ich
bitte; mir zu schreiben, in welchen Bruderschaften
icVüin, und mir1 ffie'dazü nothwend'igen Gebete zu
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0
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wissen zu machen. Jetzt lese ich just im Telemach
ich bin schon im «weyten Theile. ,
(Wölfg. A. Mozart'a Brief No. a4.)
3 * Bologna, den ax Sept. 1770.
mW ■ •
Ich hoffe, meine Mama wu'd wohl auf seyn, wie
;h Du, und wünsche,' dass Du mir doch ins Künf-
tige auf meine Briefe besser antworten wirst, clenn
es ist ja weit leichter, Etwas zu beantworten, als
selbsten Etwas erfinden.
Die sechs Menuetten von Haydn gefallen mir
besser als die ersten zwölf. Wir haben sie der Grä-
fin oft machen müssen, und wir wünschen, dass wir
im Stande, wären, den teutschen Menuett -Gusto in
Italien einzuführen, indem ihre Menuette bald so
lang wie ganze Symphonieen dauern. Verzeihe mir.
dass ich so schlecht schreibe; allein ich könnte es
schon besser, aber ich eile.
•1
- Ii , •
(Leopold M. Brief ^o. 97.) ... , -
Bologna, den 39. Sept. 1770.
Sowohl Wolfg- als iqh sind unglaublich betrübt
der $uten Martfierl. Gqtt stärke sie! Was
ist zu machen? Wir könne^ sie Beyde den ganzen
Tag nicht aus dam Kopfe bringen* . , 4
Wolfgang hat heute die Recitative «ur Oper
angefangen.
N.S. Ton Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. *5).
Damit der Brief ein wenig voller wird, will ich
auch ein paar Wort« hinzusetzen. Mir ist von Her-
zen leid wegen der so lang anhaltenden Krankheit,
weiche die arme Jungfrau Martha empfinden und mit
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I
225
Geduld übertragen mus*. Ich hoffe, mit der Hülfe
Gottes wird sie schon wieder gesund werden. Wo
nicht, so muss man sich nicht zu stark betrüben,
denn der Wille Gottes ist allezeit der beste; und
Gott wird schon besser wissen, ob es besser ist, zu
seyn auf dieser Welt, oder in der andern. Aber sie
soll sich trösten, indem sie jetzt von dem Regen in
das Schöne Welter kommen kann. — ~
(LedpoidM. Brief No. 98.) . .
4 'Bologna, den 6. October 1770.
Wir sind nun schon fünf Tage in der Stadt und
haben das Fest des heil. Petronius gesehen, das sehr
herrlich begangen wird, und wo in der sehr grossen
Kirche dieses Heiligen eine Musik aufgeführt wird,
wobey alle Musici von Bologna erscheinen. Wir
wollten am Dienstage nach "Mailand aufbrechen; al-
lein es ist Etwas, das uns ein paar Tage aufhalten
wird. Ein Etwas, welches, wenn es zu Stande
kömmt, dem Wolfg. eine ausserordentliche grosse
Ehre macht.
Meine Violinschule hat Pater Martino jetzt durch
Euch erhalten. Wir sind die besten. Freunde zu-
- sammen. Jetzt ist der zweyte Theil seines Werkes
fertig. Ich bringe beyde Theile nach Hause. Wir
sind täglich bey ihm und halten musikalisch - histo-
rische Unterredungen.
Ihr habt also drey Akademieen gehabt? Nur
brav darauf! Und uns habt Ihr nicht eingeladen?
Wir wären flugs erschienen und dann wieder davon
geflogen. . B .
15
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Nachschrift von Wolfg. A. M. (dessen Briefe »o. *jt)
Mich freut es recht vom Herzen, dass« Du Dieh
so lustig geraucht hast; ich WÜnsöhe, ich Wäre da-
hey gewesen. Ich hoflfe, *las*-üie Jtihgfraü' Ma¥tha
hesser seyn Wird. Heute spiefte ich bey den Domi-
nicanern die Orgel. Mache meinen Gluckswunseh an
^ und sage ihnen, dass ich vom Herzenswün-
sche, dass sie noch können uie Secuudiz Von Pater
Dominicus erleben, und damit wir Alle wieder so
vergnügt beysammen seyn können. An alle There-
sein meinen Glückswunsch und an alle Freunde in
und ausser -dem Hause mein ComplimenU Ich
wünschte, dass ich bald die Berchtesgadener Sym-
phonieen hören könnte, und etwa ein Trorapeterl
oder P£eiferl dazu blasen. Ich habe das grosse Fest
des heil. Petronilla in Bologna gehört und gesehen.
Es war schön, aber lang, und die Trompeter haben
von Lucca kommen müssen , um, den Tusch zu raa-
chen, welche aber abscheulich geblasen haben.
' (Leopold M. Brief No. 99.)
Mailand, den ao. October 1770.
• • • • ■ /•
Am 1 8 ten angekommen. In Parma waren wir'
einen ganzen lag. Die Accademia Filarm. 'au Bo-
logna hat den Wolfg. mit einhelliger Stimme in ihre
Gesellschaft aufgenommen und ihm das Patent des
Accademico überreicht. Es ist aber solches mit allen
nöthigen Umständen und vorausgegangener Prüfung
geschehen. Er mueste nämlich den 9ten Öct. Nach-
mittags um vier Uhr in dem akademischen Saale er-
scheinen. Da gab ihm der Princeps Academiae und
die zwey Censoren (die alle alte Kapellmeister sind)
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• • »
Beilage zu Seite 227.
. »
V
ON.ICI
turis, felicitatem.
-t — *
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omparet Nomen, attamen pro
maj<Hinc est quod hujusce nosirae
PHBulere, sinffulonunciue Acaderni-
conia. Wolfgangum Amadeum
Mo jcademiae nostrae MAGISTROS
et merita perenni benevolentiae
monSque
- v . 1 !
• : cl
oysius Xav. Ferri, «
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Camplonerius j
C*jetinus Croci.
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d den zwei Censoren vorgelegte
> ad Magnificat. Dom» XIV. post Pentecost.
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227
in Gegenwart aller Mitglieder eine Antiphona aus
dem Antiphonarium vor, die er in einem Neben-
zimmer, wohin ihn der Pedell führte und die Thüre
zuschloss, vierstimmig setzen musste. Nachdem er
sie fertig hatte, wurde sie von den Censoren und
allen Kapellmeistern und Compositoren untersucht,
und votirt durch schwarze und weisse Kugeln« Da
nun alle Kugeln weiss waren, so wurde er gerufen.
Alle klatschten bey seinem Eintritte mit den Händen
und *wuns61iten ilim Glück, nachdem ihm vorher der
Princeps im Namen ü* er Gesellschait die Aufnähme
angekündigt hatte. ' Er bedankte sich uria* 'damit war
es vor bey. Ich war unterdessen mit meinem Beglei-
ter auf einer andern Seite des Saales eingesperrt in
^ ...... . - ■ » * »
der akademischen Bibliothek, Alle wunderten sich,
dass er es so .geschwind fertig hatte, da Manche drey
Stunden mit einer Antiphona von drey Zeilen zuge-
bracht haben. Du musst aber wissen, dass es nichts
Leichtes ist, indem diese Art der Coraposition. viele
Sachen ausschliesst, die man nicht darin raachen darf,
wie man ihm vorhergesagt hatte. Er hatte es in ei-
ner starken halben Stunde fertig. Das Patent brachte
uns der Pedell ins Haus. Es sind unter andern die
Worte darin.: Testamur Dominum W* A. jtf.
inter Academiae nostme Magistroz Compositores
' • • • • * •*
adscriptum fuisxe etc.
* •
Bologna, 1! la. öct. 1770.
Attesto io infrascrittOy cpme avendo aputo sotto degü
occhi alcune composizioni tnusicalj di pario stile, * avendo
piu polte ascoltate suonare il Cembalo , il Violino , e cantare
il Sign. Cav. Amadeo IVolf gango Mozart di Salisburgo,
Maestro di Musica della Camera di sua. AUezza V.ecceho
Principe Arcivescovo Salisb. in etä di anni circa i4, con
15*
*
Digitiz
mia fingolare ammirazione , e /'Ao ritrovato rersatissimo in,
ognuna delle acccnnatte qualUä di Muiica, avendo faito la
prova sopra tutto nel mono di Cembalo con dargli parj sog-
X getti all' improvviso, i quali con tutt£ maestria ha condotti
con qualunque condizione, che richiede l'Arte. In Jede di
die ho scritta e sottoscritta la presente di mia mono.
P. G i ambatta Martin,
minor Conventuale. *)
• «
Es macht ihm dieses um so mehr Ehre, als die
Akademie über 100 Jahre alt ist und, ausser dein
Padre Martino und anderen ansehnlichen- Leuten Ita-
liens, auch die ansehnlichsten Männer anderer Na-
tionen Mitglieder der Academia bononiensi* sind,
N. S. ron Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. aS.)
Meine liebe Mama, ich kann nicht viel schrei-
bcn, denn die Finger thun sehr weh von so vielem
Recitativ schreiben. Ich bitte, bete die Mama für
mich,' dass die Oper gut geht, und dass wir dann
glücklich wieder beysammen seyn können. Ich küsse
der Mama tausend Mal die Hände, und mit meiner
Schwester hätte ich viel zu reden. Aber was? Das
weiss nur Gott und ich allein. Wenn es Gottes
"Wille ist, werde ich ihr es mündlich, wie ich hoffe,
_
•) Man begreift nicht, wozu gegenwärtiges "Zcugniss verlangt
und gegeben worden seyn kann. Drey Tage vorher war
W. A. Mozart Philharmoniker von Bologna geworden, war,
wie sein Diplom sagt, inier Magist ros Compositores der
dasigen Akademie eingeschrieben worden. Das war denn
doch wohl weit ehrenvoller und empfehlender zu einer An-
stellung, d$e gesucht worden seyn mag, alt selbst des be-
rühmten Padre noch dazu ziemlich laues Zeugniss. Noch
weniger ist begreiflich, dass der Padre ihn nicht Filarmo-
nico di Bologna in diesem Zeugnisse nennt, wo natürlich das
Vortheilhafteste von seinem Klienten Statt haben musste.
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-339
„
bald eröffnen können. Inzwischen küsse ich sie tau-
send Mal. Wir haben die gute Marth erl verloren,
doch werden wir *sie mit der Hülfe Gottes in einem
guten Stande finden«
Nun eilten sie, um nach Mailand zurück zu
kommen,' weil der Sohn sich zur Composition der
dortigen ersten Carneval - Oper verbindlich gemacht
hatte. Wäre diess nicht gewesen, so hätte er die
Sprittura zur eisten Oper auch in Bologna, Neapel
..." i ■** '
oder Rom erhalten können. Am 'l'8ten October ka-
men sie in Mailand an, wo nun der Sohn in seinem
vierzehnten Jahre die Opera seria: Mitridate com-
ponirte.- Hierüber, so wie über den ganzen Aufent-
halt in Mailand, sagen folgende Briefe das Weitere:
(Leopold M. Brief N0.100.)
Mailand, deu 37. October 1770.'*
• « 1 *
Wir werden, wenn Gott will, nach dem halben
Januar von hier abreisen, und über Bresciä, Verona,
Farma, Vicenza, Padua nach Venedig gehen , um
dort das Ende' des Karnevals zu sehen, und dann
auch einige Akademieen in der Fasten ' zu hören,
welches die beste Zeit seyn soll , sich zu produciren.
Ich mochte durch Kämthen zu Euch kommen/ denn
ich habe Tyrol gesehen, und finde keine Freude, den
Weg zwey Mal zu machen, wie die Hunde.
Misliwelschek hat uns in Bologna öfters besucht
und wir ihn. Er schrieb ein Oratorium ' Für' Padua,
und geht nach Böhmen. Er ist ein Ehrenmann, und ,
wir haben vollkommen Freundschaft mit einander
gemacht. ' . .
■ •
. 1 - .
••• •
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I
N, S. Ton Wolfg. A. M. (de«eu Briefe No. 29.)
» . ' ** , . *"' l». Ii.
Allerliebste Schwester! Du w.qisst,, dass ich ein
grosser Schwätzer bin, und auch als solcher Dich ver-
lassen habe. Nun verlege ich mich aber, mehr auf
das Deuten, indem der Sohn vom Hause stumm und
gehörlos ist. Nun habe ich zu schreiben für 4ie Oper,
Es ist mir von Herzen leid, dass ich Dich wegen,
der verlangten Menuette n\cht bedienen kann; doch,,
wenn Gott will, auf Ostern vielleicht wirst Du sie
samrat mich selbsten bekommen. Mehr kann ich
und weiss ieji nicht zu sclireibeu. Lebe wohl und
bete für mich,
J ' (Leopold M. Brief No. ioj.) * " *
Mailand, den 3. Novbr. 1770.
Wolfgang bedankt sich für Deinen Glückwunsch
zu seinem Namenstage, und. hofft, „wenn uns der
liebe Gott wieder glüoküch einander sehen lasst,
Dir in Allein, was Du ilim gewünscht hast, voll-
kommenes Vergnügen und Freude zu machen.
Uebrigens weiss ich Dir nichts zu scjire^ben, als
dass wir, Gott Lob! gesund sind, un4 wünschten,
dass sc}ion der Neujahrstag wäre, oder wenigstens
Weihnachten; denn bis dahin giebt es immer etwas
zu thun oder was zu denken, vielleicht einen kleinen ,
Verdruss, dass man Pomeranzen schmeissen möchte,
und folglich unruhige Tage. Geduld! es ist so vie-
les Unternehmen , Gott sey gebenedeyet! glücklich
vorbey, und, noch eiumal Gott sey gelobt! mit Ehre
vorbey. Wir werden uns mit der Hülfe Gottes
durch die unvermeidlichen Verdrusse, die jeder Ka-
pellmeister von der Virtuosen - Canaille ausstehen
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I
inuss, auch glücklich durchbeißen, wie der Haiu-
w ms i durch den Dr — berg»
N. Sv* von Wölfg. A.' M. (dewen Bricfö No. 5o. )
: '• lAÜerlietistes HerzeTtsschweslerchen !
* Ibh bedanke mich bey der Mama und bey Dir
für die redlichen" Wünsche, und brenne' vor Begierde,
Euch Beyde bald wieder in Salzburg zu sehen.. Auf
Deinen Glückwunsch zu kommen, so kann ich Dir
sagen, dass ich bald gewähnt hätte, dass Hr. Marti-
nelli Dir Deinen welschen Wunsch aufgesetzt hätte.
Weil Du aber immer die kluge Schwester bist, und
es so witzig gewusst hast anzustellen, indem Du nach
Deinem Velschen Glückwunsch gleich die Empfeh-
lung von Herr Martineiii, welche in nämlicher
Schreibart geschrieben war, darunter gesetzt, so habe
ich es, und war es mir unmöglich zu merken, und
ich sagte gleich zum Papa: Ach, könnte ich doch so
klug und witzig werden! Dann sagte' der Papa: Ja,
das ist wahr ; und ich sägte 'hernach : mich schläfert,
und er sagt jetzt just: Höre auf! Addio, bitte Gott,
dass die Oper güt gehen möge. Ich bin Dein Bruder
1 <*'■■' ~. '• ;' '' • : w.-'m.
' dessen Finger vom Schreiben müde sind.
i . • • i ■ ■ i «I.« •» ,
4
(Leopold M. Brief No. loa.)«
>
... t | . Mailand, den 10. Novbr. j 770.
Wenn unsere guten Freunde, wie letzthin, zu
Zeiten einen Spaass in Deine Briefe schreiben, thun
sie ein gutes Werk 5 denn Wolfgang ist jetzt mit
ernsthaften Sachen beschäftigt* und folglich sehr emst-
haft: ich bin froh, wenn er zu Zeiten etwas Lusti-
ges unter die Hände bekommt. Meine Freunde müs-
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m
sen mich entschuldigen, dass ich ihnen nicht schreibe.
Jetzt bin ich weniger als jemals dazu aufgelegt. Du
wirst Dich mit der Zeit verwundern, was für einen
Sturm wir haben abschlagen müssen, dazu Gegen-
wart des Geistes und beständiges Nachdenken nöthig
ist. Die erste Bataille haben wir, Gottlob! gewon-
nen, und einen Feind geschlagen, welcher der Pri-
ma Donria alle Arien ins Haus gebracht, die sie in
unserer Oper zu singen hat, und sie bereden, wollen,
keine von Wolfgang's Arien zu singen. Wir haben
sie Alle , gesehen ; es sind Alles neue Arien : weder
sie noch wir wissen aber, wer, sie componirt hat.
Sie hat es aber diesem bösen Menschen abgeschlagen,
und ist ganz ausser sich vor Freuden über die Arien,
die ihr Wolfgaug nach ihrem \Villen und Wunsch
gemacht hat, so wie auch ihr Maestro Lam pugnajii,
welcher mit ihr ihren Part repetirt, der des Wolf-
gang's Arien nicht genug loben kann. Es steht aber
noch ein anderer Sturm am theatralischen Himmel,
den wir schon iu der Ferne sehen. Allein mit Got-
tes Hülfe und guter Art werden wir uns wohl durch-
schlagen. Du musst Dich aber gar nicht wundern.
Diess sind unvermeidliche Sachen, die auch den
grössten Meistern begegnen. Wenn wir nur gesund
sind, das Uebrige hat Nichts zu sagen. Man muss
sich die Sachen nicht stark zu Herzen nehmen.
(Leopold M. Brief No. io3.)
Mailand, den 17. Novbr. 1770.
Wolfgang hat seinen gewöhnlichen Zahnfluss auf
einer Seite gehabt.
Einen eweyteu Sturm haben wir zwischen ge-
s
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•
stern und heute abgeschlagen. Obwohl noch Eins
und das Andere vorfallen wird , so hoffe ich , dass
mit der Hülfe Gottes Alles gut gehen wird; denn
dass eine Oper in Italien einen allgemeinen Beyfalt
erhalte, ist ein Glückszufall, der sich selten ereignet,
weil viele Factionen sind. Genug, es ist schon Vieles
mit uns vorbey; auch dieses wird mit Gottes Bey-
stande sein glückliches Ende erreichen. Öes Nach-
mittags gehen wir gewöhnlich spaziren , denn nach
dem Essen will ich nicht, dass Wolfgang schreibe,
ohne die grösste Notwendigkeit..
(Leopold M. Btfef No. io4.)
Mailand, den a4. Novbr. 1770.
Wolfg. hat die Hände voll za' thun, indem die
Zeit anrückt, und er für den Primo uomo erst eine
einzige Arie gemacht hat, weil er noch nicht hier
ist, und doppelte Arbeit will er nicht haben, folg-
lich Leber seine Gegenwart abwarten, um das Kleid
recht an den Leib zu messen. 1 ■ ♦
,. (Leopold M. Brief No. io5.)
Mailand, den 1. Decbr. 1770. .
Eure Glücks wünsche zu meinem Namenstage,
deren Ausbleiben ich Euch neulich vorwarf, sind
nun angekommen. Wolfg. hat mir ganz traurig ge-
sagt: „die Mama uhd du? Nannerl erbarmen mich
recht, weü der Papa solche spaasshafte Stichreden
ihnen in seinem vorigen Briefe geschrieben hat."
' Du schreibst mir von einer" Gräfin Lodron. Al-
lein von welcher? Man muss eine Sache nicht halb,
sondern ganz schreiben.
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234
Da gjaul)3t,7 die Oper ist schon fertig; 'Du irrest
Dich sehi-. Wenn esi an unserm, Sohne gelegen- halte,
SP. würden .z^ej Opern fertig seyn. Allein in Ita-
lien geht es ganz, närrisch zu ; zu seiner^ Zeit , sollst
Du Alles qr&Jnsen. , Der Prirnp norm lärmt erst
feflpf?» •.*.;*/„•. ;.i 8v > - r
JEf|f* A,,#^rt> *Uoh*hrin. Brief No; .
a
"'•>•' ' ;<Liebe SchtresterT- ' • " • «v-;L-
Weil ich so lange nicht geschrieben haKe, so
habe ich gedacht, Deinen Verdruss oder Verschmach
zu besänftigen mit gegenwärtigen Zeilen. Nun habe
ich viel zu , schreiben und zu arbeiten an meiner
Oper. Ich hoffe, es wird. Alles gut gehen mit der
Hülfe Gottes.' * \ J
(leopold M. Brief No. 106.)
, , , Mailand, <fep 8. »cebr. j 770.. .
».. *««4 Vilm 1 h », •• «■ •■ • »•
Heute ist nach Betläuten die zwey$e RfcifcaiiyT
Probe. Die erste ging so gut, dass man nur ein ein-
ziges Mal die 'Fäder ; in die Hand nahm, um einen
einzigen Buchstaben :zu andern und della in dalla
zu, verändern. Diess rmachts, dem, Gopisten Ehre und
bey Allen machte es Verwunderung. Ich w:ünsehe,
dass es bey den Instrumental -Proben auch so gehe.
ir So viel ich ohne väterlich*, Partheylichkeit sagen
kann, finde ich, dass er die Oper, gut und mit vie-
lem Geiste geschrieben Jiat. Die Säuger sind gut:
nun kömmt es auPs Orchester au. und letztlich auf
{He Caprice der Zuhörer, Folglich kömmt auch
Vieles aufs Glück an, wie in. einer Lotterie»
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235
.... . Mailand, den, i5, Docbr. im.
. Ain ^Un^ar.die, ers,te mit Insti*menten,
aber nur init i^P^soueiU 11m, zuhisejie*, ob.^Ue*.
correct geschrieben -ist. Den *7ten ist die erste Probe
mit ganze» ^qliestjer, ;welcJkes^n{0|Prim- und ebet^
*?. vielem Sewild^.VioJjwen, . 2. CMyiereii, i 6 Cootra-r
bässen, 2 Viplpnpellen> 2 Fagotten^^ Violen>:2 Obpen;
und^ Flautrayersi^ (Welche, wo teine^lauti dabey,
sint^v allezeit, init 4, Oboen_ mitspielen, 4 Corni <U
cßccip uncj 2, Cfarifii, folglich .in, 60 Personen besteh t.
.. . Be^r .% «SL?»^ mh Ueinen Prester
gemacht wurde,j; If^^W^t) W I^ujten ßefehl^
welche init satyriaclie*. ^in^ ^e^.Mflß* , W».
Voraus als etwas,. Junges. un4. EJemjes ausgesehen,
und so zi; s/igeu nrppfa^zey^t,,. dai(sie behaupteten,,
dass es unmöglich wäre, dass ein so jmigex Kpab^b
und noch dazu ein Teutscher, eine italienische t)per
schreiben könnte, und dass er, ob ? sie ihn gleich als
einen grossem Virtuosen erkannten, doch das zum
Theater nötige,, Cliiaro e$ oscuFp unmöglich ^erste-
hen und einsahen könnte. . Alle diese Leute, sind,
nun von dem Abend der . ersten .kleinen Prqbe an*
verstummt und reden nicht eine §ylbe. mehr.. . Der,
Copist ist ganz, voll Vergnügen, ywelche^ i^jftaljen
eine gute Vprbe^utpng wt? pdem^ wenn die #usik
gn^ ausfallt, der, (?opist manchmal durch Verschik-;
knng upd Verkauf ung der ■ Arien mehr Geld gejidnmV
alft der Kape^lineister für die Composition ka^. Die
Sängerinnen und Sänger sind sein: zufrieden und
völlig vergnügt, absonderlich . die ;jPrvwa Dorm* und
Primo uomo wegen des Duetts .voller Freude. Der,
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Primo uorno sagte : „dass', wenn dieses Duett nicht
gefalle , er sich noch einmal wolle beschnazeln
lassen. Basta! "Nun kömmt ejr ahf'die Caprice des
ganzen 1 Publicum 3 an. In der Sache selbst ist uns
ausser der wenigen 4 bitein Ehre nicht viel daran ge-
legen.1-Wir haben Vieles in dieser wunderlichen
Welt schon «tmternöntfirietf,' und Gott hat uns1 allezeit
bejrgeslaiideh.: ' 'Nun- stehen wir am" ftanfte *eW
tfegeii einigei- Umstände eben nicht so geringen1 ijii-
ternehmens, und Gort wird auch jetzt mit uns seyn.
Ära heil. Stephanstage, eine gute Stunde nach
Ave Maria, könnt Ihr in Gedanken den Maeätro
Don Arnadeo beym Ciavier im Orchester, mich ater
oben rtL einer Loge als Zuseher und Zuhörer Euch*'
vorstellen oder einbilden, und ihm' in Cedanken eine
glückliche Production< wünschen; auch deswegen
ein^aar Vater uns e* beten. ,! " ' :>
rj;. ffc: . «. (LetopQld M. Bribf No.;iq&) 1*"» t<
i;r.J.; . :> :: . . . : * Mailand, den aa. Decbr. 1770. •
• ■':; Am £9ten war die erste Probe am Theater, da
sie den 17ten vorher im kodoutensaale war. Es1*
ging, Gott Lob! recht gut. Gestern War Recitativ-
Frobe;- heute wird1 eine zweyte Probe lauf dem The-
a£er:unoV Montags d he Hauptprobe seyn.
■!';'Wä nun den 26sten, den Tag der Aufführung
betrflft; so 'ist mein Trost, das« ich sehe, dass sü-
> * • • • ■
wx>hl"die Recztanti &Ys das Orchester zufrieden sind;
und icfc habe, Gott Lob! auch selbst noch Ohren.
Ich stellte mich bey der Probe ganz zurück unter
(fen Haupteingang, um es in' der Ferne recht zu hö-
ren. Vielleicht aber 'waren meine Ohren zu par-
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theyisch. Untenlessen sehen und hören wir, d&is
unsere guten Freunde lustig und vergnügt sind, und
meinem Sohne mit Freuden gratuliren; die Uebel-
« es in n tcn hingegen sind nun stumm« Die grössten
und ansehnlichsten Kapellmeister dieser Stadt, Fio-
roni und SammarthiOj sind unsere wahren Freunde,
wie auch L<ampugnani, Piazza Colombo etc. Folg-
lieh wird der Neid , oder vielmehr der Unglaube
und die schlechten Vorurtheile, die Einige wegen
der Composition unsers Sohnes hatten, wenig scha-
den können. Wenigstens hoffe ich, dass es das böse
Schicksal des Hrn. Jomelli nicht haben wird, dessen
zweyte Oper in Neapel jetzt so a terra gegangen ist,
dass man gar eine andere dafür einsetzen will. Diess
ist nun ein so berühmter Meister, aus dem die Ita-
liener einen erschrecklichen Lärmen machen. Es
• * r • » • »•■•■• 1 ••••
war aber auch ein wenig närrisch, dass er in einem
Jahre zwey Opern auf dem nämlichen Theater zu
schreiben unternommen, um so mehr, als er hat
merken müssen, dass seine erste Oper keinen gros-
sen Beyfall hatte« Wir sind alle. Abende eine Stunde
nach Ave Maria seit dem löten bia 11 Uhr in der
Oper 5 nur die Freytage ausgenommen.
(Leopold M. Brief No. 109.)
Mailand*, den ao. Dcckr. 1770.
Gott sey gelobt ! die erste Aufführung der Oper
ist den 26sten mit allgemeinem. Bey falle vor jsich ge-
gangen, und zwey Sachen, die in Mailand noch nio
geschehen sind, vorgefallen. Nämlich, dass wider
alle Gewohnheit der ersten Sera eine Arie der Pri~
ma donna ist wiederholt worden, da jnan sonst bey
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der ersten Pruduclicm niemals filöra "ruft; und zwey-
tens, dais nach Ml an*h Arien, kaum ein paar Arien
'delle pecchirze parii ausgenommen, ein erstaunliches
Händeldatschen und Evvipa il ' Maestro Evviva il
meÄö^RHif erfolgte. 1 : '-• "" ' '
Den 2Tsten sind zwey Arien der Prima donna
wiederholt worden, und, da es Donnerstag war, folg-
lieh da es in den Freytag hinein ging, so musste
man suchen, kurz davon zu kommen;, sonst wurde
auch das Duett wiederholt worden seyn, denn der
Lärmen fing schon an.' Allein die Meisten wollten
riocli zu Hause essen, und die Oper mit drey Bal-
letten dauerte ihre sechs starke Stunden. Heute ist
die dritte Heciia.
So wie Hasse il.Sassone und Galuppi Buranello
genannt werden., sq nennt man unsern Sohn «7 Qa-
valiere filarmonico. ..
* * *
I. . | •
, , . | I . • ' » t « .
Der Vater schrieb »einige Tage darauf am jjten
Januar 1771 aus Mailand folgenden Brief an den Pa-
ter Martini in Bologna v "' '
Indem ich- Ihnen ein glückliches neues Jähr wün-
sche, gebe ich Ihnen zugleich Nachricht, dass die
Oper meines Sohnes eine sehr glückliche Aufnahme
gefunden hat, ungeachtet der grossen Ränke unserer
Feinde und Neider, die, ohne noch' em& Note gese-
hen zu haben, ausstretfeten , das* es' eine barbarische
Musik t)hne Ordnung und Tiefe, ja unmöglich vom
Orchester auszuführen sey; dergestalt, dass sie die
Hälfte von Mailand glauben machten , man würde,
statt einer Oper, nichts, als x?ine Stopfeley erhalten.
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Emer hatte sogar der ersten Sängerin alle ihre Arien
sammt dem Duett, von der Compositum des Abbate
Gasparini zu Turin, verschafft, und beredete sie,
diese einzulegen, sp wie von diesem jungen Men-
schen nichts anzunehmen, der nie fähig seyn würde,
eine gute Arie zu schreiben. Allein die erste Sän-
gerin erklärte sich zufrieden1, ja überzufrieden. Des-
sen ungeachtet Lessen- unsere Verlätanuer nicht ab,
eine fcble Meynung über die Oper meines Sohnes zu
verbreiten; doch d;e erste Instrumetf talprobe schlosa
diesen , grausamen SciiwätiöTO ^auf eine Art den^Miwid^
dass man kein Woi* /mehr von ihnen hörte. Alle
Professoren im Orchester erklärten, dass <üe Musik-
klar, deutlich -und leicht zu spielen sey, so wie sich',
die Sänger insgesammt zufrieden zeigten« Die erste/
Oper jzu Mailand hat gewöhnlich das Üttgltöck, wenn
sie nicht gar durchfallt, doch Wenig Zulauf zu (inw
den, indem Alles auf die «weyte Wartet; allein bis-
her war in den ersten sechs Vorstellungen das The-
ater immer sehr voll, und jeden Abend mussten
zwey Arien wiederholt werden, indess man auch den
meisten andern Musikstücken grossen rJeyfall schenkte.
— Liebster Herr Pater, wir hoffen rücksichtlich Ih-
rer Gesundheit gute Nachrichten zu vernehmen? ich
verzweifle noch nicht, das versprochene Miß er et #
von Ihrer ausgezeichneten Composition, so wie' jene
Musik zu 16 Stimmen zu' erhalten. Hr. Joseph IMn-
sechi wird nicht ermangeln, den Betrag für die do-
pirung zu entrichten*, so wie ich nicht unterlassen-
werde, so bald ich nach Hause komme, nämlich zu
Ostern, Ihnen Alles zu senden, was Ihnen angenehm
seyn könnte. Mein Sohn küsst Ihnen d\e Hände,
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240
11 ■ .■
und ich nenne mich mit ihm mit aller Verehrung
und Hochachtung * . *.
Ew. Hochwih-dea
ergebensten Diener
Leopold Mozart m. p.
(Leopold M. Brief No. 110.)
Mailand, den 5. Januar Anno
r hinten wie vorne und in der Mitte doppelt (1771). .
* Gestern war eine kleine Akademie bey dem Gra-
fen Firmian, wo dem Wolfgang ein neues schönes
und schweres Concert zum Spielen vorgelegt wurde.
Kommenden Montag werden wir nach Turin gehen
auf acht Tage. Die Oper unseres Sohnes geht mit
allgemeinem Beyfalle fort, und, wie die -Italiener
sagen, ist alle stelle. Jedermann ist begierig, den
Maestro zu sehen und zu sprechen. In den ersten
drey Abenden, wo Wolfg. das erste Ciavier spielte,
accompagnirte der Maestro Lampugnani auf dem
zweyten. Dieser spielt nun das erste,; und der
Maestro Melchior Chiesa das zweyte. . ...
* • •
Die Mailänder Zeitung vom 2ten Januar 1771
enthielt folgenden Artikel über diese Oper:
M il an o. — Mercoledl scorso ei e riaperto
questo Regio Ducal Teatro colla rappresentazione
del Dramma intitolato : il Mitridate, Re di
Ponto, che ha incontrata la pubblica soddisfazione
si per il buon gusto delle Decorazioni, quanto per
Ueccellenza de IIa Musica, ed abilita degli Attori.
Menne Arie cantate dalla Signora Antonia Berna-
sconi esprimono vivamente le passioni, e toccino il
euore. II giovine Maestro di Cappella , che non
* Digitized by doosle
oltrepassa l'eta d'anni quindici, studio, il hello della
natura, e ce lo rappresenta adorno delle piu rare
grazie Musicali*
m
(Leopold M. Brief No. 111.)
Mailand, den la. Januar 1771.
Die Accademia filarmonica zu Verona hat un-
aern Sohn zum Mitgliede angenommen, und der Can-
celliere de II* Accademie ist im Begriffe, das Diplom
auszufertigen. Gott Loh! die Oper hat einen sol-
chen Zulauf, dass das Theater taglich voll ist.
, . —
Copia tratta dal Protocollo delV Archiaio
della Accademia Filarmonica di Verona*
Foglio E,e,e. Pag. 31. 1771. 5.Gennajo.\. .
// giorno delli 5 dal Mese di Gennajo 1771 con»
vocata la Magnißca Accademia Filarmonica di Ve-
rona con Vassistenza de? Padri Gravissimi.
Espose il Sign. Conte Murari Bia, Governatore,
essere antico istituto di questa Accademia il prohao-
ciarsi Vonore delle persone virtuose, acciocchS dallö
Ipro distinte vir tu ridondi sempre piu lustrote de**
coro alla stessa Accademia, cosl essendo bastante-
mente note le prerogative distinte, delle quali va
adorno il portentoso Giovane Sign. Amadeo fVolf-
gango Mozart di Salisburgo, Maestro de* Conzerti
di S. A, ReiS"* VArciveecovo Principe di Salisburgo,
Cavaliere dello Speron d'oro condecorato dal Reg-
nante Sommo Pontefice, die ei degnb udirlo ed ap-
plaudire al merito di esso giovane: e peramente
puö decantarsi per un prodigio de9 piu distinti nella
Professione di Musica, e lo puö accertare questa
16
•
Digitize
242
nostra Viilä di Verona mentre in que* pochi giorni,
che . vi. si trattenne, diede prove tali del 9uo valore
nel suonare il Clavicembalo , in piu incontri all* im-
provviso le cose piu dijjficoltose con tale prontezsa e
leggiadria riducendo sul fatto in ottima Musica
concertata a piu istromenti alcuni trqtti poetici che
gfi'furono esibiti, con istupore de* piu intendenti in
tale arte» JE questa nostra Accademia Filarmonica
pub fare le piu veridiche sinccre attestazioni dcl
merito inipareggiabile di qucsto Giovane, il quäle
' nclla Sdlä deW Accademia in Gennaro dell* anno
scorso alla presenza di Dame e Cavalieri e della
pubblica Rappresentänza colli musieali stromenti
sostenne con sonima maestria e ammiräzione e «or-
presa di tutta quclla nobile Adunanüa, i maggiöri
cimenti. E . eib oltre. le moltiplici notizie avute da
piu parti dell' Italia , dove si e fatto sentire questo
ammirabile Giovane da. primi Professor i e Dilct-i
tanti .di Musica * riportandone da tutti encomj ed
applausL In sornma questo insigne talento promette-
scmprc piu avvanzanueriti ammirevoli da far istupire
tutli queili che l'avranno ad udire in progresso,
poichc. in etä cosl frcsca il suo raro ingegno e per-
venuto a tal grado di saper e che ormai awanza &
supera i piu valorosi intendenti di Musica.
Percib sarebbe di gran vantaggio a questa no- .
stra Accademia la quäle nella Musica 9 Poesia e>
Belle Letter e ha sempre avuto nome da per tutto-
fra .le piu segnalate e distinte, che questo insigne
Giovane fosse ascrittö Maestro di Capeila dell* Ac- .
cademia Filarmonica, sperando che da lui sarä ag-
gradita questa dimostrazionc di stima.
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243
Proposta in Accadernia sl decofosa proposizione,
e discorm con erudita faebndia dagli Accademivi
vi . Ab univer&almente accLunata , e per consequenza
descritto ii Sign. Amndeo. Wolf gang q Mozart Mae-
stro di Capclla dcllci ' Magnißca Accadernia Filar*
monica di V erona. . ,
• "i "» ,'' ■■■t> . ;i m r .-if , -
Abschrift' aus dem Protricoll des Archivs der Acca-
dcmiß Filarmonica in Verona. Ful. JS, e~*>) pag. 31.'
1771? d m 5., Jwuar, ^ . #
In der 'Versammlung der Hochlöbl. Accadernia Filarmonica
Ton Verona vom 5. Januar 1771 trug in Beyseyn der Hoch würdi-
gen Väter der Herr Graf* Murari Bia, Gouverneur,* vor: es sey
eine alte Einrichtung dieser Akademie, sich dio Ehre talentvoller
Personen zu verschaffen, damit deren ausgezeichnete Talente zu
immer gTÖsserm Glan«' ünd» Zierde dieser Akademie gereichen
mochten ; nun aber seyen die ungemeinen Vorzüge hinlänglich .'be-
kannt, womit der wundervolle junge Mann, Hr. Amadeus Wolfgang
Mozart aus Salzburg, Concertineistcr Sr. Hochwürdetf des Herrn
Fürst -Erzbischofs von Salzburg, Ritter vom goldenen Sporn, ge-
ziert mit diesem Orden von Sr. Heil, dem jetzt regierenden Papste,
der geruht hat, ihn zu hören und seinem Verdienste Beyfall zu
geben, begabt ist; und in Wahrheit kann er als eine. Wunder -Er-
scheinung in der Tonkunst gerühmt werden, und diese unsere Stadt
Verona fcann es selbst bestätigen, da er in den wenigen Tagen,»
dass er hier sich aufhält > solche ProLen «einer Stärk» am ClaWer-
spielen gegeben hat, indem er bey mehren Gelegenheiten aus
dem Stegreife die schwersten Sachen mit solcher Schnelligkeit und
Leichtigkeit auf der Stelle in die trefflichste Äinsik mit mehren
Instrumenten begleitet, gebracht - hat , und zwar einige ppetische,
Stücke, die ihm vorgelegt wurden, zum Staunen der grössten Ken-
nur dieser Kunst; auch kann -diese unsere Accadernia Filarmonica
die wahrhaftesten und aufrichtigsten Zeugnisse des unvergleichlichen
Verdienstes dieses jungen Mannes geben, der. im Saale der Akade-
mie, im Januar des verflossenen Jahres, in Gegenwart von Damen
und Herren und bey öffentlicher Aufführung mit musikalischen In-
strumenten, mit höchster Meisterschaft und zur Bewunderung und
Uebcrraschung jener ganzen edlen Versammlung, .die grössten und
härtesten Proben bestand. Uebcrdicss hat man auch vielfache Nach-
richten aus mehren Theilen Italiens, wo sich dieser hewunderns-
1G*
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1
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würdige jung© Mann hat hören lassen, dass ihm von den ersten
Professoren und Dilettanten alle Lobsprüche und Beyfallsbezeigun-
gen ertheilt worden sind. Kurz, dieses vorzügliche Talent ver-
spricht immer mehre wundervolle Fortschritte, um alle diejenigen,
welche ihn künftig hören werden, in Staunen zu setzen, da dieser
seltene Geist in so jugendlichem Alter zu einer solchen Stufe des
Wissens gelangt ist, dass er es jetzt schon den stärksten Tonkünst-
lern zuvorthut und sie übertrifft.
- Daher würde es für diese Akademie, die in der Tonkunst,
der Dichtkunst und den schönen Wissenschaften stets einen Namen
unter den ausgezeichnetsten und vorzüglichsten überall gehabt hat,
von crossem Vortheil seyn , wenn dieser treffliche junge Mann zum
Kapellmeister tfer Accademia Filarmonica ernannt würde, mit der
Hoffnung, dass er diesen Beweis von Achtung annehmen werde.
Nachdem dieser rühmliche Vorschlag der Akademie vorgelegt
und von den Akademikern mit gelehrter Beredtsamkeit darüber ge-
sprochen worden, ward er mit allgemeinem Beymll aufgenommen,
und dem zufolge Hr. Amadeus Wolfgang Mozart zum Kapellmeister
der Hochlöbl. Accademia Filarmonica in Verona ernannt,
«• • ■ M 1
• • i_ '
f
Nachschrift, von Wolfg. A. M. (dessen Brief No. 3i.)
Alt 1*1. o 1 I '** " ,f* >' ? >J
Allerliebste Schwester! m m yiit fMt
Ich habe schon lange nicht mehr geschrieben,
weil ich mit der Oper beschäftigt war* Da ich jetzt
Zeit habe, will ich meine Schuldigkeit mehr beob-
achten. Die Oper, Gott Lob nnd Dank, gefallt, in-
dem alle Abende das Theater voll ist, welches auch
Alle in Verwunderung setzt, indem Viele sagen,'
dass sie, so 'lange sie in Mailand sind, keiue erste
Oper so voll gesehen haben, als dieses Mal. leb
sammt meinem Papa bin gesund, G-ott Lob und Dank,
und hoffe, dass ich der Mama und Dir auf Ostern
Alles mündlich erzählen kann. A propos, gestern
war der Copist bey uns, und sagte, dass er meine
Oper just für den Hof nach Lissabon schreiben muss.
Leben Sie wohl, meine liebe Mademoiselle Schwester.
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Icli habe die Ehre zu seyn und zu verbleiben von
nun an bis in Ewigkeit ■
Dero getreuer Bruder«
(Leopold M. Brief No. 112.)
Mailand, den a. Febr. 1771.
Am 3i. Januar sind wir aus der scbönen Stadt
Turin zurück gekommen, wo wir eine recht präch-
tige Oper gesehen haben. Mündlich mehr. Wir
* *
speisen heute wieder bey Firuiian.
Der Kapellmeister Francesco di Majo zu Neapel
ist gestorben, eben so Hr. Carratolli in Pisa*
lala • * •
• (Leopold M. Brief No. IlS.) I
.* ' Venedig, den i5. Febr. 177».
Am Fasching - Montage angelangt. Wir sind
taglich in der Oper und andern Belustigungsorten.
In Breacia waren wir in 4c*r opera bujfa.
Der ehemalige Impresario Crosa geht in Mai-
land elend gekleidet mit einem langen Balte betteln.
Also straft Gott die Betrüger.
m
(Leopold M. Brief No. .i4.)
Venedig, den 20. Febr. 177t."
Von Mailand her habe ich noch Folgendes zu
erzählen. Wir hörten da Etwas, welches Euch un-
glaublich scheinen wird, und ich nie geglaubt hätte,
NB. in Italien zu hören. Wir hörten nämlich auf
der Gasse zwey Arme, Mann und Weib, mit einan-
der singen, und sie saugen Alles in Quinten, so dass
keine Note fehlte. Das habe ich in Deutschland nicht
gehört. In der Ferne glaubte ich, es wären zwey
Personen, die jede ein besonderes Lied sängen. Da
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246 ...
wir näher kamen, fanden* wir, dnss es ein schönes.
Duett in puren Quinten war. —
Ich kann Dir die Ehrlichkeit des Kaufmanns
Wider, an dem ich hier empfohlen bin, und seiner
Familie nicht genug riüimen. Man kann von ihnen
nicht genug Gutes sagen. Ich habe auch ein wenig
die Leute in dieser Welt kennen gelernt, allein ich
habe wenige, ja sehr wenige dergleichen angetroffen;
denn nebst dem, dass sie dienstfertig, redlich und
voll Ehrlichkeit und Menschenliebe sind, sind sie
auch dabey höflich, voll guter Art und keineswegs
stolz auf die erwiesenen Höflichkeiten. Wir sind
auf alle Tage bey ihnen eingeladen, wo man uns
nicht anderswo zu Mittage gewünscht hat. Wir sind
nun bald genug in den Gondeln gefahren. Morgen
speisen wir bey Catarina Cornero, am Sonntage bey
dem Patriachcn, Montag bey Dolfino. Kommende
Woche werden wir meistens bey andern Nobili
speisen.
N.S. von Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. 53).
Ich lebe auch noch und bin, Gott Lob und Dank,
gesund. Weisst Du, was es ist, die attacca geben
zu lassen ? Man muss sich auf dem Boden den Hin-
tern prellen lassen, um ein rechter Venetianer zu
werden. Mir haben sie es auch thun wollen, ha-
ben alle sieben Weibsbilder zusammen [geholfen, und
doch waren sie nicht im Stande, mich zu Boden zu
bringeu.
(Leopold M. Brief No. n5.)
r i • - Venedig, den 1. Mära »77>-
Wir sind immer bald da, bald dort eingeladen,
■
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<M7
■
folglich haben. wir beständig die Gondeln der Herr-
schaften vor dem Hanse, und fahren auf dem Canal
granda, — ' Auf der Reise müssen wir uns einige
Tage in Vicenza aufhalten, weil der dasige Bischof,
aus dem Hause; Gornero, uns anders nicht will durch-
reisen lassen. Dann eben so lange in Verona. Es
ist mir nur leid, dass wir Nichts als betrübte Fast-
tage auf der Reise haben werden. Vielleicht Uun-
men wir am Charfreytage nach Reicheuhall, die ge-
wöhnliche Passions -Oper dort zu hören. Wie mir
das Arsenal," die Kirchen, Spitäler — ja wie, mir
ganz Venedig gefallen, davon mündlich. Schöne und
besondere Sachen sind* hier zu sehen. 1 • 1 „>
Was die Oper anbelangt , werden wir sie nicht
mitbringen, indem sie noch in <|cs Copisten Händen
ist, und er, wie alle Operncopisten in Italien:, das
Original nicht aus den Händen lässt, so lange sie
ihren Schnitt machen können, damit sie es allein
haben. Der Copist hatte, da wir Mailand verliessen,
fünf ganze Copieen zu machen, nämlich eine für die
Impresa; zwey nach Wien, eine für die Herzogin
von Parma und eine für den Hof von Lissabon, von
einfachen Alien Nichts zu melden. Später kann er
noch mehrere Bestellungen erhalten haben.
Am Dienstage werden wir eine grosse Akademie
haben. Sonnlag vorher worden wir bey dem kaiserl.
Gesandten seyn, am Montage bey Maffetti.
* i
(Leopold M. Brief No. 11G.) , .
Venedig, den G. Mär» 1771.
Gestern war eine schöne Akademie, und in die-
sen Tagen sind wir» so scluecklich gequält, dass icli
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nicht weiss, wer den Preis davon tragen wird, uns
bey sich zu haben. — Es ist Schade , das« wir uns
hier nicht langer aufhalten können, indem wir mit
der ganzen Noblesse genaue Bekanntschaft gemacht,
und aller Orten in Gesellschaften, bey Tafeln, kurz
bey allen Gelegenheiten so mit Ehren überhäuft ^ er-
den, dass man uns nicht nur durch den Secretair
vom Hause in Gondeln abholen und nach Hause be-
gleiten lässt, sondern oft der Nobile selbst mit uns
nach Hause fährt, und zwar von den ersten Häu-
sern, als Cornero, Griinani, Mocenigo , Dolfin, Valier.
Ich fürchte, wir werden einen erschrecklichen
Weg zu machen haben, da es stark regnet. Basta.
Man muss Alles nehmen wie es kömmt. Diess sind
Sachen, die mich ganz ruhig schlafen lassen, .wenn
wir nur gesund sind,
i
(Leopold M. Brief No. 117.)
*
. Vicenza, den i4. Mar* 1771.
.... - t
Wir machten Jedermann in Venedig glauben, dass
wir einen Tag früher abreis'ten, als wir abreis'ten,
um einen Tag frey zu haben und ruhig einzupacken.
Allein es würde doch bekannt, und wir mussten noch
bey Cotari und Cornero speisen , wo wir eine schöne
Tabatiere u. 2 Paar kostbare Spitzentazeln (Manschetten)
mit auf die Reise bekamen. Wir besahen in Padua, was
in einem Tage möglich war, da wir auch dort keine
Ruhe hatten, und Wolfg. an zwey Orten spielen
inusste. Er bekam aber auch eine Arbeit, indem er
ein Oratorium nach Padua komponiren muss. Wir
besuchten al Santo den Maestro Padre Vallotti,
dann den Ferrandini , wo Wolfg. auch spielte. End-
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lieh spielte er die sehr gute Orgel in der unvergleich-
lichen Kirche S. Giustino. Morgen bleiben wir hier,
nicht ohne Ursache.
(Leopold M. Brief No. u8.)
Verona, den 18. März 1771.
Wir wohnen bey Luggiaü, wo sich eine schöne
Gesellschaft versammelt. hat, um Wolfgang zu hören.
Es wird mir ein Schreiben aus Wien angekün-
digt, das ich in Salzburg erhalten werde, und das
Euch in Verwunderung setzen wird , unserm Sohne
aber eine unsterbliche Ehre macht.
(Leopold M. Brief No. 119.)
1 ;:. pruck, den a5. März 1771»
* . •
Heute hier angekommen. Donnerstag hoffe ich
bey Dir zu seyn. — — —
Wie Mozart's Ruhm immer mehr wuchs und
seine Talente im Auslande bekannter wurden, so
gab es, wie es in der Welt herzugehen pflegt, auch
Feinde und Gegner, die seinem Genie keine Gerech-
tigkeit widerfahren lassen wollten. Es würde also
um so auffallender und inconsequ enter gewesen seyn,
* nn er, andern grossen Geistern gleich, nicht auch
Neid , Scheelsucht und Missgunst zu gemessen gehabt
hätte. Mit Mitridate begann er seine dramatische
Laufbahn. Zu sagen, dass ein ähnliches Product
früher einmal schon aus der Feder eines vierzehn-
jährigen Knaben geflossen sey, würde, nach Busby's
Behauptung, den Glanz eines Wunders partheyisch
verhüllen heissen. „Die Vortreifiichkeit dieser Oper
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2/30
würde dem reifen und durch lange Erfahrung un-
terstützten Manne* Ehre gemacht haben."
Eben darum wurde mit ihm sogleich von der
Impresa der schriftliche Accord auf die erste Opera
seria für das Carneval 1773 eingegangen.
Als Mozart nach einem i6monatlichen genuss-
reichen und ehrenvollen Aufenthalte in Italien, ohne
Zweifel mit einem ungemeinen Schatze von Kennt-
*
nissen, Ideen und geläutertem Geschmacke, und mit
der Bewunderung einer Nation beehrt, die von der
Natur zur Richterin der Tonkunst berufen scheint*
mit seinem Vater zu Ende Marz 1771 wieder eintraf,
fand er einen Brief des Grafen Firmian in Mailand,
der ihm im Namen der Kaiserin Maria Theresia
auftrug, eine grosse theatralische Serenada*) zur
Vermählung des Erzherzogs Ferdinand zu schrei-
ben. Da die Kaiserin den ältesten unter den Kapell-
meistern, den berühmten Hasse, zur Composition
der Opera bestimmt hatte, so wählte «e doch unter
Allen den jüngsten für diese Serenade $ die Kaiserin
schien aus ganz besonderer Absicht dem jüngsten
Theater -Componisten die Ehre erwiesen zu haben,
ihn mit einem der bewundertsten Meisler seiner Zeit
♦wetteifern zu lassen. Diese Serenada hiess Ascanio
in Alba, dessen Poesie vom Abbas Parini, Verfasser
des Giorno, war. ,# .
Mozart übernahm diesen ehrenvollen Auftrag
nnd'reis'te im August mit seinem Vater wieder auf
einige Monate nach Mailand, wo er während der
- 1 ' ' ■
i
*) Serenaden waren eine Gattung Cantatcn. denen ein drama-
tische« Sujet zum Grunde lag. Sic hatten also Aehulichkeit
mit den Oratorien. : •
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4
Vermalilungs-Feyerkchkeiten immer an der Opera
und der Serenada abwechselnd arbeitete. Unstreitig
hatten diese Reisen einen grossen Einfluss auf die
Bildung seines Geschmacks; denn ausser einer ge-
drängten Gedankenfülle, die in Mozart's Composi-
tionen herrscht, zeichnen sie sich auch besonders
noch dadurch aus, dass die ernste vaterländische
Muse mit wälscher Grazie gepaart ist.
Was sich während der Reise nach Mailand und
des dortigen Aufenthaltes bis zur Rückkehr nach
Salzburg zugetragen hat, darüber erzälilen uns die
Briefe Folgendes:
■ : ' * " (Leopold M. Brief No. lao.)
Verona, den 18. Angust 1771.
In Ala waren wir bey den zwey Herren Piccirii,
und blieben einen Tag unterm Andern, um in un-
sern Reisekleidern heute bequemlicher als in Verona
in die Kirche zu gehen. In Ala unterhielten wir
uns, oder vielmehr sie mit Musik. Hier sind wir
Loy LuggiaUi abgestiegen. - .
N.S. von Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. 34).
A. S. Ich habe nicht mehr als eine halbe Stunde
gesclilafen, denn das Schlafen nach dem Essen freuet *
mich nicht. Du kamist hoffen, glauben, meynen,
der Meynung seyn, in der steten Hoffirong verhar-
ren, gut befinden, Dir einbilden, Dir vorstellen, in
Zuversicht leben , dass wir gesund sind 5 aber gewiss
kann ich Dir Nachricht geben. Frage den Herrtl
von Heflher, ob er die Anna Mindl nicht gese-
hen hat.
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232
(Leopold M. Brief No. lai.) • „
• . * • ■
Mailand, den 24. August 1771.
Am 2isten angekommen. Die Poesie von Wien
ist noch nickt angelangt. Am 15. Octobcr kömmt
der Erzherzog an, und die Vermahlung ist an dem-
selben Tagew ,
• ■*
N. S. von Wolfg. A. Mozart (dessen Briefe No. 35).
A. S. Wir haben auf der Reise viele Hitze
ausgestanden, und der Staub hat uns beständig im-
pertinent seckirt, dass wir gewiss erstickt und ver-
schmachtet wären, wenn wir nicht gescheuter gewe-
sen wären. Was^ Du mir versprochen hast (Du
weisst schon was — — — o Liebe Du) halte
gewiss, ich bitte Dich» Ich werde Dir gaydss ver-
hunden seyn.
Jetzt blase ich just vor Hitze: nun reisse ich
das Leibel auf. Addio. lieber uns ist ein Violinist,
unter uns auch einer, neben uns ein Singmeister,
der Lection giebt, in dem letzten Zimmer uns gegen
über ein Ohrist. Das ist lustig zum CompOniren,
das giebt Gedanken«
(Leopold M. Brief No 122.)
• *
Mailand, den 5j. August 1771.
•0 m
Die Poesie ist endlich da. Wolfgang hat aber
noch nichts als die Overtura gemacht, nämlich ein
etwas langes Allegro , dann ein Andante, welches
gleich muss getanzt werden, aber mit wenigen Per-
sonen. Dann statt des letzten Allegro hat er eine
Art von Contratanz und Chor gemacht, das zugleich
gesungen und getanzt wird. Nun wird es diesen
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Monat durch ziemlich Arbeit geben. Herrn Hasse,
v der eben angekommen ist, werden wir gleich be-
suchen*
• . 0 • • • ^ • ■ •
Wir waren bey der Prinzessin Braut« Sie war
so gnädig, dass sie nicht nur lange Zeit mit uns sprach,
und uns auf das Allerfreundlichste begegnete, son-
dern es war merkwürdig, dass, als sie uns sah, sie
geschwind auf uns zueilte, die Handschuhe abzog
und die Hand reichte, und von ferne schon zu spre-
chen anfing, ehe wir unsere Anrede machen konnten.
■
' 'KS. von Wolfg. A. Momart (dessen Brief© No. 36).
* i *
Wir sind, Gott Lob und Dank, gesund. Ich
habe schon anstatt Deiner viele gute Hirnen , Pfirsiche
und Melonen gegessen. Meine einzige Lustbarkeit
ist, mit dem Stummen zu deuten, denn das kann ich
aus der Perfection. Ich bitte Dich noch wegen den
» • • * *
gar Andern, wo nichts Anderes mehr sey:*) Du
verstehst mich schon.
(Leopold M. Brief No. ia5.) :°"
Mailand, aen 7. Sept. 1771«
Deine wenigen Zeilen habe ich erhalten. Es
war sehr hauswirthschaftlich gedacht, dass Du auf
die erste Seite wenig, auf die zweyte aber gar Nichts
schriebst, deim so viele tausend Buchstaben könnten
einen firief so beschweren, dass man ihn mit sechs
Pferden nach Mailand führen miisste. Himmel, wel-
che Unkosten! Die leeren Papiere sind immer ge-
ringer zu fuhren, als die überschriebenen.
■ «
■ ■ • , • .
*) Ein Friiulein, die er gern sah, sollte helratnen.
2o4
Wir haben jetzt den Kopf voll, indem die Poe-
sie spät angelangt, und noch zur Aenderung in Ei-
nem und dem Andern in den Händen des Poeten
einige Tage geblieben ist. Es wir£, hoffe ich, gut
ausfallen. 'Allein der Wolfg. hat die Hände voll zu
schreiben, da er das Ballet, welcjies die zwey Acte
oder Thefle mit einander verbindet, componiren müss. .
Dass der Erzherzog Maximilian Domherr gewor-
den war, war mir nichts Ausserorden tliches. Jch
liabe es" ;a seit meiner Rückkehr aus Italien aller
Orten in Salzbürg gesagt, dass es geschehen wurde.
Das Uebrige wild sich auch geben. Nur Geduld!
Mir ist leid, dass ich nicht r Alles, schreiben kann.
Salzburg ist nicht der einzige Gegenstand dieses er-
sten Schritt's. .
»*....»• i-
i ...
'•• (Leopold M. Brief No. 124.)
Mailand, den i3. Sept. 1771. '
r • . *
DieSerenäda, welche eigentlich melir eine azione
teatrale von zwey Theilen ist, wird Wolfgang mit
der Hülfe Gottes in zwölf Tagen, völlig fertig haben.
Die Recitative mit und ohne Instrumente sind alle
fertig, wie auch alle Chöre, deren acht sind, und
deren fünf zugleich getanzt werden. Heute haben
wir die Tanzprobe gesehen, und uns sehr über den
Fleiss der zwey Balle tmeister Pick und Fabier ge-
wundert. Die erste Vorstellung ist Venus, die aus
den Wolken kömmt, von Genien und Grazien be-
gleitet.
Das Andante der Symphonie wird schon von
eilt Weibspersonen getanzt, nämlich acht Genien und
den Grazien, oder acht Grazien und drey Deessen.
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I
I
SM
Das letzte Allvgro der Symphonie ist ein Chor von
32 Choristen, nämlich acht Sopranen, acht Contral-
ten, acht Tenoren und acht Bassisten, und wird von
16 Personen zugleich getanzt, acht Frauen, acht
Männern. i
Ein anderes Cnor ist von Hirten und Hirtin-
nen, so wieder andere Personen sind. Dann sind
Chöre von den Hirten allein, folglich Tenore fcnd
Bässi; andere Chore von Pästorellen, folglich Soprani
und Contralti. In der letzten Sccrie sind Alle *bey-
sammen, Gcni, Grazi, Pdstöri, Pastorelte, Chor-
sänger und Tänzer heydcrv Geschlechter, und diese
tanzen Alle den letzten Chor zusammen. Hier sind
die Solotänzer nicht mit eingerechnet, nämlich 'Mr.
Pick, Mad. Binetti, Mr. Fahler und Mamsell Blache.
Die kleinen *Solos, die'unter den' Chören, hald zwi-
schen zwey Sopranen, hald Alt und Sopran u. svw.
vorkommen, werden auch mit SoloV der Tänzer und
i • • . ...
Tänzerinnen untermischt.
Die Personen in der Cantate sind: la V euere ,
Signa. Falchini, seconda donna. Ascanio , Sign.
Manzoli, primo uomo. Silvia, Signa. Girelli, prima
donna. Aceste, Saccrdote , Sign. Tiboloji , .. Tenore.
Fauno Pastore, Sign. Solzi, secondo uomv.
■ NB. Wegen Venedig 1773 habe ich auch schon
Alle« in Händen.. ... : -, ••
i. •••• • .
. i : * • •*.*;« • •».*..
Adi 17 del Messe rf« Agosto 1771 Venezia.
Con la preaente privata Scrittura, quäle voglion
le parti che abbia forza, e vi göre, come se fatta
fosse per mano di Pubblico Nodaro di questa, ed
>
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altra Cittä} il Sign. Michel äaW Agata Conduttore ■
delly Opera Eroica, che si dover a rappresentare nel
venture* Carnovale deW Anno 1773 prineipiando le
Recit& il Giorno di S. Stefano, nel Magnifico Tea-
tro Nobile di San Benedetto ferma, e stabilisce il
Sign. Amadeo Wolfgango Mozart Maestro di
Capella per scrivere la seconda Opera, che sarä
' data in detto Carnovale con obbligo di non dover
scrivere in alcun altro Teatro della Capitale, se
non ha prima, esseguito la presente Scrittura. Con
obbligo di ritrovarsi in Venezia per Ii 30. Novem-
bre 1772 per esser pronto a tutte le Prove, e Rap-
presentazioni , die si dover anno fare nel detto tem-
po, ed in ricompensa delle sue virtuose, fatiche Ii
viene , aecordato dal Signor dalV Agata Zecchini
Num. settanta — o sua giusta valuta, onde pro-
mette il suddetto di pontualmente adempire senza
riserva di nissun9 altra rispettiva parte , salvo solo
Ii patti soliti riservarsi in materia de9 Teatri, ed
in fede vale Zecchini Num. 70. —
Michele dalV Agata.
>
. Nachschrift von Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. 37.)
»
A. S. Ich schreibe nur desswegen, damit ich . . .
schreibe: mir ist es zwar ungelegen, weil ich einen
starken Katarrh und Sträuchen habe. Sage der Fräu-
lein W. von Mölk, dass ich mich recht auf Salzburg
wieder freue, damit ich nur wieder ein solches Prä-
sent für die Menuette bekommen kann, wo, wie ich
es bey derselben Akademie bekommen habe: sie
weiss es hernach schon.
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\
257
(Leopotd M. Brief No. n5.)
Mailand, den ai. Sept. 1771.
Heute wird die erste Instrumental - Probe des
Hrn. Hasse seyn, der sich Gott Lob, wohlbefindet.
Künftige Woche wird die Serenada probirt. Montag
ist die erste Recitativ- Probe; die übrigen Tage wer-
den die Chöre probirt. Montag wird Wolfg. gänz-
lich fertig seyn. Manzuoli kömmt oft zu uns; Ti-
bajdi fast täglich gegen ±± Uhr und bleibt am Tische
sitzen bis gegen Eins, da Wolfg. unterdessen com-
ponirt. Alle sind ungemein höflich und haben die
grosste Achtung für Wolfgang. Ja, wir haben nicht
den geringsten Verdruss, weil es lauter gute Und
berühmte Sänger und vernünftige Leute sind. Diese
Serenada ist eigentlich eine kleine Oper, und die
Oper in der Musik selbst ist nicht länger, denn sie
wird nur durch die zwey grossen Ballete, die nach
dem ersten und zweyten Acte aufgeführt werden,
und deren jedes drey Viertelstunden dauern wird,
verlängert«
Vor zwey Tagen haben die italienischen Cotnö-
dien aufgehört, weil man jetzt das Theater frey ha-
ben muss zur Einrichtung. Diese Comödianten wa- *
ren ungemein gut, besonders in Charakterstücken
und Tragödieeu.
In Deinem vorigen Briefe hiess es, dass schon
viele Personen in Salzburg närrisch geworden wären.
Jetzt schreibst Du, dass Viele an der rothen Ruhr
sterben. Das ist sehr böse. Denn wenn es die Leute
beym Kopfe und beym — angreift, sieht es in der
That gefährlich aus. Ich musa auch Etwas mit mir
17
1
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I
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aus Salzburg getragen haben , denn ich empfinde noch
manchen Anstoss von Schwindel. Es ist aber kein
Wunder, wo die Luft schon angesteckt ist — man
kann leicht Etwas erben. Deswegen habe ich Pillen
von Dir verlangt: ich will, dass der Kopf kuriret
werde.
N.S. von Wolfg. Amad. Mo«art (dewen Briefe No. 58).
Ich bin gesund , Gott Lob und Dank. Viel kann
ich nicht schreiben. Erstens weiss ich nicht, was;
zweytens thun mir so die Finger vom Schreiben
wehe. Ich pfeife oft meinen Pfiff, und kein Mensch
giebt mir Antwort. Jetzt fehlen nur zwey Arien
von der Serenada, und hernach bin ich fertig. Ich
habe keine Lust mehr nach Salzburg: ich fürchte,
ich möchte auch närrisch werden.
• * i
(Leopold M. Brief No. ia6.)
Mailand, den a8. Sept. 1771.
Unsere Vecanz und Unterhaltungen haben nun
angefangen: wir gehen spaziren. Heute ist die erste
Probe mit der ganzen Musik : gestern war die Probe
der Chöre allein, und zwar ohne Instrumente. Ich
kann Dir zum Vergnügen voraus sagen, dass ich
hoffe, die Composition des Wolfgang werde einen
grossen Beyfall finden. Erstlich, weil Manzuoli, so
wie alle die andern singenden Personen, nicht nur
mit ihren Arien im höclisten Grade zufrieden, son-
dern mehr als wir selbst begierig sind, die Serenada
mit allen Instrumenten heute Abends zu hören.
Zweytens, weil ich weiss, was er geschrieben hat,
und was für einen Effect es machen wird, und weil
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nur gar zu gewiss ist, dass er sowohl für die Sänger,
als für das Orchester gut geschrieben hat. Wir sind
übrigens, Gott Lob, gesund. Es ist mir lieb, wenn
Du mir in- allen Briefen schreibst, wie die Witte-
rung bey Euch ist. (Er schrieb selbst immer von
der Witterung umständlich.)
(Leopold M. Brief No. 117,)
Mailand, den 5. Octfcr. 1771.
Gestern war abermal Probe im Theater von der
Cantata Wolfgangs, und heute wird die Oper pro-
birt; Dienstags abermals die Cantata.
KS. von Wolfg. Amad. Moaart (dessen Briefe No. 39).
Ich bin',* Gott Lob und Dank! auch gesund, aber
immer schläfrig. Alles, was ich 201 schreiben hatte,
hat mir der Papa von der Feder weggenommen (das
ist, dass er es schon geschrieben hat). Sigra. Ga~
brielli ist hier: wir Werden sie mit Nächstem be-
suchen, damit wir alle vornehme Sängerinnen ken-
nen lernen.
(Leopold M. Brief No. 128.)
Mailand, den 12* Octbr. 1771.
Gestern war die vierte Probe der Serenada.
Morgen wird die siebente des Sign* Sassone seyn,
iind Montag die letzte Probe der Serenada wegen
der Scenen.
*
Wir haben zwey Spartet! zii übersehen, die wir
für den Kaiser und für den Erzherzog haben müssen,
die in Eile copirt worden, und eingebunden werden
müssen.
17* '
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260
(Leopold M. Brief No. 129.)
Mailand, den 29. October 1771.
Die Serenada hat am .iTten so erstaunlich gefal-
len, dass man sie heute repetiren muss. Der Erz-
herzog hat neuerdings zwey Copieen angeordnet.
Alle Cavaliere und andere Leute reden uns bestän-
dig auf den Strassen an, um Wolfg. zu gratuliren.
Kurz, mir ist leid: die Serenada des Wolfgangs
hat die Oper von Hasse so niedergeschlagen, dass
ich es nicht beschreiben kann.
Betet und danket Gott. \ * .
(Leopold M. Brief No. i3o.)
Mailand, den a6. Octbr. 1771.
Vorgestern im Theater war das Publicum Zeuge,
wie der Erzherzog und seine Gemahlin nicht nur
durch Händeklatschen zwey Arien der Serenada wie-
derholen Hessen, sondern unter der Serenada sowohl
als besonders nach derselben Beyde von ihrer Loge
sich gegen den Wolfgang hinunter neigten und durch
Bravissimo Maestro -Rufen und Händeklatschen ihm
ihren gnädigen Beyfall bezeugten, dem dann jeder-
zeit das Händeklatschen der ganzen Noblesse und
des ganzen Volkes nachfolgte. Sonntag und Montag
ist abermals die. Serenada. . ,
Wenn Du Kleidung nöthig hast, so lass machen,
was noth wendig ist. Weder Du noch Nannerl soll
sich die Notwendigkeit abgehen lassen. Was seyn
muss , das muss seyn. Und nimm Dir nichts Schleen-
tes: man macht keine Erspar ung? wenn man etwas
Schlechtes kauft. Lasse Dir . ein schönes Kleid auf
• • •
die Feyertage machen, und das, was zu Wien ge-
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261
*
macht worden ist, trage alle Tage. Nur nichts
Wollenes! das ist kein Teufel werth.
N.6. Ton Wolfg. Arn ad. Mozart (dessen Brief No. 4o).
Ich bin auch, Gott Lob und Dank, gesund.
Weil nun meine Arbeit ein Ende hat, so habe ich
mehr Zeit, zu schreiben; allein ich weiss nichts
Neues, als dass in der Lotterie 35, 59, 66, 61, 62
heraus gekommen sind , und also , dass , wenn wir
, diese Nummern gesetzt "hatten, wir gewonnen hätten ;
Weil wir aber gar nicht gelegt haben, weder ge-
wonnen noch verloren, 'sondern die Leute ausgelacht-
haben. Die zwey Arien, die in der Serenada wie-
, derholt wurden, waren von Manzuoli und von der
Giroiii. . • ' .»!.."
i • » ■ • t —
• I ' ' L La "II '*f I
(Leopold M. Brief No. i5i.) '
\t " §■#•*" * '•' > *** . #
Mailand, den ä. Norbr. 1771.
Ich rau$s an den Marschall Graf Pallavicini
schreiben, der mir einen ungemein .höflichen Brief
■ • • • 0, •
gesclirieben bat. 1 , - . . . .
Nachschrfft von Wolfg. A. M. (dessen Briefe, No. ii.)
t 1 •
(Beschreibung alter gewesenen Feyerlichkeiten.)
Der l*apä sagte, däss Herr Kerschbaumer sicher seine
Reise mit Nutzen und aller Beobachtung gemacht
hat, und wir können versichern, dass er sich sehr
vernünftig aufführte. Er kann sicher von seiner
Reise mehr Rechenschaft geben /als Andere aus sei-
ner Freundschaft, deren einer Paris nicht recht se-
hen konnte, weil die Häuser da zu hoch sind. Heute
ist die Opera des Hasse 5 weil aber der Papa nicht
ausgeht, kann ich nicht hinein. Zum Glück weiss
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*
ich schier alle. Arien auswendig, und also kann ich
sie zu Hause in meinen Gedanken hören und sehen.
(Leopold M. Brief No. i3a.)
Mailand, den 9. Novbr. 1771.
. . : » /
Gestern haben wir mit Hrn. Hasse bey Graf
Firmian gespeis't. Sowohl Hr, Hasse als Wolfgang
sind wegen de* Oppositionen- schön beschenkt wor-
den; üjber das, was sie in Gelde bekommen, hat
Hr. Hasse eine Tabatiere und Wolfgang eine mit
Diamanten besetzte Uhr erhalten.
• • . * ■ * •
• ... «.
(Leopold M. Brief No. i33.) f
Mailand, den 16. Novbr. 1771.
Ich würde abgereis't seyn, aber der Erzherzog
will noch mit uns sprechen , wenn er von Varese
zurück kömmt. Geduld! Wir werden doch, wenn
Gott will, einander bald sehen. Wir sind, Gott
Lob * gesund. Für den kranken Hm. von Vogt zu
Salzburg haben wir zu Gott gebetet. Dass die Se-
renada ungemeinen Beyfall gehabt hat, hat seine
Richtigkeit. Ob aber, wenn eine Besoldung ledig
wird, unser Erzbischof sich des Wolfgangs erinnern
wird, zweifle ich sehr.
, (Leopold M. Brief No, .54.)
Mailand, deji »4. Novbr, 1771.
Heute war Rüsliwetschek bey uns, der gestern
angekommen ist und die erste Oper schreibt. Ge-
stern machten wir eine starke Musik bey Hin. von
Mayer.
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2fi3
N. 3. von Wolig. A. ItL (dooon Briefe No. 4a.)
. A. S. Der Herr Manzuoli, der sonst von allen
Leuten als der gescheuteste unter den Castraten an-
gesehen und gehalten worden, hat in seinen alten
Tagen ein Stück seiner Unvernunft und Hoffart ge-
zeigt. Er war fiir die Oper mit 500 Gigliati ver-
schrieben, und, weil Nichts von der Serenada in der
Scrittura gemeldet worden, so hat er für die Sere-
nade noch 500 Gigliati haben wollen , also 1000« Der
Hof hat ihm nur 700 und eine schöne goldene Dose
gegeben (ich glaube, es wäre genug). Er aber, als
ein Castrat, hat die 700 G. nebst der Dose zurück-
gegeben, und ist ohne Nichts weggereist. loh weiss
nicht, was für ein Ende diese Historie nehmen wird:
ich glaube , ein übles« ...
m *
» • « % •
(Leopold M. Brief No. i55.) ,
Mailand, den 5o. Norbr. 1771.
Es sind Umstände, die mich liier noch aufhal-
ten, und es ist ohnehin die Adventzeit, da keine
Musik in Salzburg bey Hofe ist. Wir sind, Gott
Lob, gesund 5 das ist das Beste, was ich Dir schrei-
ben kann.
* « •
Wolfg. A. Moeart'a Nachschrift. Brief No. 43.
Damit Ihr nicht glaubet, dass ich krank bin, so
schreibe ich diese zwey Zeilen. Ich habe hier auf
dem Domplatze vier Kerle hängen sehen; sie hen-
ken hier wie zu Lyon.
• *
(Leopold M. Bri«f No. i36.)
Ala, den 8. D«cbr. 1771.
Heute sind wir bey dem Hrn. Piccini angelangt..
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264
(Leopold M. Brief No. 157.)
Brixen, den ti. Decbr. 1771.
Wir werden erst am Montage eintreffen, weil
Graf Spaur, der hier ist, es nicht anders geschehen
liissU
• '
Zu Ende Decemher 1771 kamen Vater und Sohn
wieder in Salzburg an, wo der Sohn im folgenden
Jahre 1772 zur Wahl des neuen Erzbischofs (Hiero-
nymus, aus dem fürstlichen Hause Colloredo von
Wallsee und Möls etc., den 14. März 1772 erwählt)
die Serenada; // Sogno di Scipione, von Metastasio,
schrieb.
Im October reis'te er mit seinem Vater nach
Mailand, wo er die übernommene Opera seria: Lu-
cio Silla, nach der Poesie des Gio. de Gamerra, für
das Carneval 1773 schrieb. Von dieser Abreise bis
zur Zurückkunft nach Salzburg geben folgende Briefe
weitere Nachrichten.
Sechste Reise.
Der Vater mit dem Sohne allein nach Mai-
land. Die dritte italienische Reise, an-
getreten im October 1772 und beendigt
im März 1773.
U riefe vom Vater an seine Frau und vom Sohne an
die Mutter und an die Schweiler.
Der Contract wegen Fertigung der Oper zum
Carneval selbst ist folgender:
Resta accordato il Sign» Amadea Mozart per
mattere in mueica il primo Dramma , che si rappre-
1
Digitized by
*
265 ,
senterä in questo Regio Ducai Teatro di Milano
nel Carnovale delP anno 1773 e le si assegnano per
onorario delle tue virtuose fatiche Gigliati cento
trenta, dico 130 r* ed allogio mobigliato.
Paito che il sudd*' Sign. Maestro debba trans-
metter e tutti Ii recittativi posti in musica, entro il
Mese di Sbr0' dell' anno 1772, e ritrovarsi in Milano
al principio del susseguente mese di 9br* per com-
porre le arie, ed assistere a tutte le prove necessarie
per VOpera suddetta, Risservati Ii soliti infortunij
di Teatro, e fatto di Principe (che &io non voglia),
■
miano ' Gl' Astocciati nel Regio Appalto
AMarzoi-jju fei Teatro.
Federico Castiglione.
(Leopold M. Brief No. i38.)
Botaen, den a8. Octbr. 177a.
Da in St. Johann keine frühere Messe als das
Friihamt um 6 Uhr war, so ward es 7 Uhr, ehe wir
weiter reis'ten. Von Innsbruck fuhren wir nach Hall
spaziren, um das Damenstift zu sehen, wo die Gräfin
Lodron uns allenthalben heruinfiilirte, Wolfg. spielte
in der Kirche die Orgel. Bötzen ist ein trauriger
Ort; aber meine Gesundheit ist dermalen, Gott Lob,
bey der lieben Unordnung der Reise, wie mir scheint,
ziemlich wieder in Ordnung gekommen. Wenn mir
zur Gesundheit das Reisen nothwendig ist, so werde
ich mir Mühe geben, eine Courierstelle zu erhalten,
oder wenigstens Conducteur eines Postwagens zu
werden. Wolfgang befindet sich wohl: er schreibt
eben für die lange Weile ein Quattro*
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266 '
U.S. von Wolfg. Amad. Moiart (de*«en Jkiefe No. 44).
r • - .
Nim sind wir schon zu Bötzen. Schon? erst!
Mich hungert, mich dürstet, mich schläfert, ich hin
faul; ich bin aber gesund. Ich hoffe, Du wirst
Dein Wort gehalten haben. — —
. / *# » .t\ • . *
\\ (Wolfg. Amad. Mozart'« Brief 'No. 45.)
% Mailand, den 7. Novbr. 1773.
• • • ■
' Erschrecken Sie nicht, da Sie anstatt der Schrift
«
des Papa die meine finden. Die Ursache ist, weil
wir bey dem Herrn von Osto sind, und ist der Ba-
ron Cristiani da, und da haben sie so viel zu reden,
dass er unmöglich Zeit hatte, zu schreiben.
Wir sind am 4ten angelangt; wir sind gesund.
Von dem italienischen Kriege, von dem in Teutsch-
land stark gesprochen wird, und den hiesigen Schloss-
Befestigungen ist Alles nicht wahr.
Wir küssen die Mama 1000000 Mal (mehr Nul-
len habe ich nicht hingebracht) , und meine Schwe-
ster umarme ich lieber in persona, als in der Ein-
bildung.
Nachschrift vom Vater. .
Den Namenstag des Wolfgang- haben wir in Ala
bey den Gebrüdern Piccini lustig zugebracht, her- 1
nach uns auch in Verona aufgehalten; daher sind
wir so spät nach Mailand gekommen. In Verona
und auch schon hier haben wir Opera buffa gesehen.
t
• 1
(Leopold M. Brief No. i3g.)
Mailand, den i4. Norbr. 1772.
Nachdem ich nun bald ein Paar Wochen in
Mailand ruhig lebe, melden sich wieder einige Klei-
D*gitized by OooqIc
2f>7
■
nigkeitea von Unpäßlichkeiten, und ich komme zu
Zeiten in sakburgische Gedanken, in denen ich eine
Zeit stecke, ohne es zu merken, die ich mir denn
geschwinde ausschlage, oder wenigstens auszuschlagen
mir Mühe gebe, geschwind als alle böse Gedanken,
die mir der Teufel in meinen jungen Jahren eingab.
— Von den Singenden ist noch Niemand da, als die
hat Wolfg. Unterhaltung genug gehabt, die Chöre,
deren drey sind, zu schreiben, und die wenigen
Recitative, die er in Salzburg gemacht hat, zu än-
dern, zum Theil neu zu schreiben, indem der Poet
die.. Poesie an Metastasio zur Untersuchung nach
Wien gesandt hatte, und dieser ilim Vieles verbe*-
sert, abgeändert, und eine ganze Scene im zweyten
Acte beygesetzt. Dann hat er alle Eecitative und
die Overturci geschrieben.
In Brescia ist ein Graf Leccbi, starker Violin-
«pieler, grosser Musikverständiger und Liebhaber,
bey dem wir bey unserer Rückreise schnurgerade
abzusteigen versprochen haben.
(Leopold M, Brief No. i4o.)
■
Mailand, den ai. Novbr. 1773.
Wir sind, Gott £ob, frisch und gesund, wie
die Fische im Wasser, denn es hat seit acht Tagen
erstaunlich geregnet. Heute ist die Jahrszeit unser«
Hochzeittags. Es, werden, wie ich glaube, 25 Jahre
aeyn, dass wir den guten Gedanken hatten, uns zu
heiratheu; diesen Gedanken hatten wir zwar viele
. Jahre zuvor. Gute Dinge wollen ihre Zeit! Der
Primo utmw, Hr. Rauzzini, ist angelangt. Es wird
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also immer mehr zu thun geben. fia wird aber auch
au kleinen Comödien , wie es beym Theater gewöhn-
lich ist, nicht fehlen. Das sind Kleinigkeiten. Die
Feigen, die Wolfg. von Salzburg mit bekam, waren
so wundersam , wie das Brod und die Fische im
Evangeüo; sie haben uns bis jetzt gedauert* M- *
J > Ja, ja, es giebt jetzt viel zu thun. Ist es keine
Arbeit, so sind es halt1 dennoch Verrichtungen.
* ■ ä
i - *' ' -
N.§. von Wolfg. A. M. (deaeen Briefe No. 46.) > i .
Ich sage Dir Dank, Du weisst schon für was^ —
Ich kann dem Hrn. von Heffher unmöglich schreiben.
Wenn Du ihn siehst , so lass ihn das Folgende lesen.
Ich bitte ihn, er möge sich indessen begnügen..
Ich werde meinem wohlfeilen Freunde nicht vor
übel haben, dass er mir nicht geantwortet hat: so
bald er wird mehr Zeit haben, wird er mir gewiss,
Zweifelsohne, ohno Zweifel, sicher, richtiglich ant-
worten. :
* •
(Leopold M. Brief No. i4i.) .
Mailand, den 6. Decbr. 1772.
Wir sind, Gott Lob, gesund, wiewohl ich mit
einer schlechten Feder schreibe. Die De Amicis ist
erst gestern angekommen. Der arme Tenor Cardoni
ist so krank geworden, dass er nicht kommen kann.
Man hat daher um einen andern nach Turin und
Bologna geschickt, der nicht nur ein guter Sänger,
aondern absonderlich ein guter Acteur und eine an-
sehnliche Person seyn muss , um den Lucio Silla
mit Ruhm vorzustellen. Das Meiste und Hauptsäch-
lichste üer Oper hat aus fliesen zwey Ursachen noch
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a69
nicht oomponirt werden können. Nun wird es erat
ernstlich darauf los gehen«
f.."'.
N, 3. Ton Wolfg. A. M. (dewcn Briefe No. 47.)
Nun habe ich noch vierzehn Stücke zu machen,
dann bin ich fertig. Freylich kann man das Terzett
und das Duett für vier Stücke rechnen. Ich kann
unmöglich viel schreiben, denn ich weiss nichts; und
zweytens weiss ich nicht, was ich schreibe, indem
ich nun immer die Gedanken bey meiner Oper habe,
und Gefahr laufe, Dir statt Worte, eine ganze Arie
herzuschreiben. Ich habe hier ein neues Spiel ge-
lernt, welches heisst Mercante in fiera. Sobald ich
nach Hause komme, werden wir es spielen* Eine
neue Sprache habe ich auch von einer Frau gelernt,
die ist zum Reden leicht, zum Schreiben mühsam,
aber auch tauglich. Sie ist aber ein wenicr — — —
~ www »■ " — ^ r * wwr w m* ^» w.<<mm* T ■
kindisch, aber gut für Salzburg. Meine Empfehlung
an unsere schöne Nandl und an den Canarienvogel,
denn diese zwey und Du sind die unschuldigsten
in unserm Hause. Euer Kapellmeister Fischietti wird
wohl bald anfangen, an seiner Opera buffa (auf
teutsch, an seiner närrischen Oper) zu arbeiten.
«
(Leopold M. Brief No. i4a.)
' Mailand, den 12. Decbr. 177a.
Wir befinden uns, sonderheitlich ich, in guter
Gesundheit. Während der nächsten acht Tage hat
Wolfg. die grösste Arbeit; denn die gebenedeyten
Theaterpersonen .lassen Alles auf die letzten Augen-
blicke ankommen. Den Tenor, der aus Turin kömmt,
sehen wir erst am intern er ist aus der königlichen
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t
I
270
Kapelle. Dann müssen erst vier Arien für ihn
ponirt werden. Die De Amicis ist mit ihren drey
Arien, die sie dermalen hat, ganz ausserordentlich
zufrieden. Wolfg. hat ihr die Hauptarie mit solchen
Passagen gemacht, die neu und ganz besonders und
erstaunlich schwer sind. Sie singt solche, dass man
erstaunen muss, und wir sind in der allerbesten
ceit mit ihr. Heute
1_ 1
Uli
Nil?
war die erste Recitativ - Probe : die zweyte wird,
wenn der Tenor kömmt.
Dass Wolfg. der Fraulein Waberl die Menuett
nicht gegeben hat, war ein Fehler, den sie ihm ver-
zeihen wird, wenn sie bedenkt, dass er ein flüchtiger
Mensch ist, der leichtlich Etwas in die Vergessen-
heit bringt.
...
Ich lasse der Nannerl sagen , dass sie ihre kleine
Schülerin mit Fleiss und Geduld lehren soll, ich
weiss, dass es zu ihrem eigenen Nutzen ist, wenn
sie sich gewöhnt, Jemanden etwa^ grundlich und mit
Geduld zu zeigen. Ich schreibe es nicht umsonst.
(Leopold M. Brief No. i43.)
Mailand, den 18. Decbr. 177a.".
Morgen ist die erste Probe mit allen Instrumen-
ten. Dieser», Tage waren drey Recitativ - Proben.
Gestern Nachts ist erst der Tenor angekommen \ und
heute hat Wolfg. zwey Arien füjp ihn gemacht, und
hat ihm noch zwey zu machen. Samstag ist die
zweyte Probe, Erchtag die dritte, Mittwoch die
Hauptprobe. Am 26sten die Oper, mit Gott, eben
an dem Tage, da Ihr diesen Brief erhaltet. Diess
schreibe ich Nachts um il Uhr, da Wolfg. eben
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371
die zweyte Tenor -Arie fertig hat. Morgen spielen,
oha! speisen wir bey Herrn von Mayr.
(Leopold M. Brief No. i44.)
Mailand, den 26. Decbr. 177«.
In drey Stunden wird die Oper aufgeführt. Gott
gebe seine Gnade. Die Hauptprobe ist so gut vor-
bey gegangen, dass wir den besten Erfolg hoffen
können. Die Musik allein ohne Ballette dauert vier
Stunden. Das Unglück des Hrn. Hagenauer, das
Du uns meldest, geht uns sehr zu Herzen. Wir
haben heute in der Kirche Beyde für seine Besserung 1
Gott inständigst gebeten. In drey Tagen war alle
Abende grosse Gesellschaft in dem Firmian'schen
Hause. Sie dauerte jedes Mal unter beständiger Vo-
cal- und Instrumental -Musik von 5 Uhr Abends bis
Ii Uhr. Wir waren auch eingeladen. Wolfgang
spielte jeden Abend; sonderheitlich den dritten Tag
musste Wolfg. gleich beym Eintritte Sr. Königlichen
Hoheit auf Ihr Verlangen spielen. Beyde Königl.
Hoheiten sprachen lange Zeit mit uns. Die De
Amicis ist unsere beste Freundin , sie singt und agirt
wie ein Engel, und ist in ihrer Vergnügenheit, weil
Wolfg. sie unvergleichlich bedient hat. Ihr würdet
mit ganz Salzburg erstaunt seyn, sie zu hören. *
Wir befinden uns zwar, Gott Lob, gesund, doch
bleibt mein Kopf noch immer mein heimlicher Feind.
Von Zeit zu Zeit kömmt mir meine Empfilftlung im
Kopfe wieder, besonders da, wo ich unglücklicher
Weise Nachts den Fall gethan. Ich wünsche, dass
ich diese Empfindung noch fünfzig Jalire zu leiden
habe.
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273
(Leopold M. Brief No. i45.)
Mailand, den 3. Januar 1773.
Glückseliges neues Jahr! Letzthin habe ich die-
ses zu wünschen vergessen, weil ich nicht nur in
Eile, sondern in Verwirrung, in Gedanken, zerstreut
und in dem Augenblicke geschrieben habe, wo wir
lieh abgelaufen, obwohl den ersten Abend verschie-
dene verdriessliche Umstände sich ereigneten. Der
erste war, dass die Oper gewöhnlich eine Stunde
nach Betläuten anfangen soll, aber diess Mal drey
Stunden später anfing, nämlich um acht Uhr, und
erst um zwey Uhr bey der Nacht geendigt wurde.
Der Erzherzog kam nämlich spät, weil er nach der
Tafel noch fünf eigenhändige Neujahrglückwünsche
an den Kaiser, die Kaiserin etc. zu schreiben hatte;
und NB. er schreibt sehr langsam. Stelle Dir nur
vor, dass das ganze Theater um halb sechs Uhr er-
füllt war. SäDger und Sängerinnen snid den ersten
Abend in einer grossen Angst, sich das erste 'Mal
einem so ansehnlichen Publicum zu zeigen. Die be-
angsteten singenden Personen mussten in ihrer Angst
das Orchester und das ganze Publicum in Ungeduld
und auch Hitze, Viele stehenden Fusses, drey Stun-
den auf den Anfang warten. Zweytens ist zu wissen,
dass der Tenor, den man aus Noth nehmen musste,
ein Kirchensänger aus Lodi ist, der niemals auf ei-
nem so ansehnlichen Theater agirt hat, der nur etwa %
zwey Mal in Lodi einen Primo Tenore vorgestellt,
endlich erst acht Tage vor der Oper verschrieben
worden ist. Dieser, da die Prima donna in ihrer
ersten Arie von ihm eine Action des Zorns erwarten
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273 . ,
muss, machte diese zornige Action so übertrieben,
dass es schien, als wollte er ihr Olirfeigen geben
und ihr die Nase mit der Faust wegstossen: diess bewog
das Publicum zum Lachen, Pie Sigra. De Amicia
beobachtete nicht sogleich im Eifer ihres Singens,
warum sie war betroffen
und wusste anfangs nicht, wer ausgelacht wurde,
und sang den ganzen ersten Abend nicht gut, weil
noch die Eifersucht dazu kam, dass dem Primo
uomö, sobald er auf das Theater trat, in die Hände
von der Erzherzogin . geklatscht wurde* Diess war
ein Kastratenstreich , denn er hatte gemacht, dass
der Erzherzogin gesagt wurde, dass er vor Furcht
nicht werde singen können, um dadurch zu erhal-
ten, dass ihm der Hof gleich Courage und Applauso
machen sollte. Um nun die J)c Amicis wieder zu
Crösten, ward sie gleich den Tag darauf nach Hofe
berufen, und hatte eine ganze Stunde Audienz bey
Heyden Königl. Hoheiten 5 dann fing die Oper erst
an , gut zu ^ehen , und da sonst bey der ersten Oper
das Theater sehr leer ist, so war dasselbe nun die
ersten sechs Abende (heute ist der siebente) so voll,
dass man kaum hinein kam, und hat noch meistens
die Prima Donna die Oberhand, deren Arien wie-
derholt wurden. ...
(Leopold M. Örief Mo. i46.) ' .
•: • Mailand, den Istmaß 1773.
Die Oper gejit unvergleichlich gut, so dass das
Theater stets erstaunlich voll ist, da doch sonst die
Leute in die erste Oper nicht zahlreich gehen, wenn
sie nicht* sonderbaren Beyfall hat. Täglich werden
18
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274
Arien wiederholt , und die Oper hat flach der ersten
Sera täglich aufgenommen und voll Tag zu Tage
mehr Beyfall erhalten. Ja, Graf Castelbarco hat
meinem Sohne eine goldene Uhr mit einer goldenen
Uhrkette verehrt, daran eine Portechaise und eine
Laterne von Gold hangen. Du kannst Dich also in
der Portechaise tragen ünd Dir vorleuchten lassen.
■» * • •
(Leopold M. Brief No. i47.)
Mailand, den 16. Januar 1773.
Wir befinden um wohl. Nur zwey Mal war
mein Kopf nicht gut. Wenn ich bey Freunden in
der Akademie gespielt habe, ward er erhitzt, und
den Tag darauf kam. der gewöhnliche Schwindel
und Dummheit im Kopfe wieder, so wie ich's alle
Abende in Salzburg nach der Musik hatte. Nun ist
Wolfgangs Oper siebzehn Male gegeben, und wird
in Allem etliche und zwanzig Male gegeben werden.
(Leopold M. Brief No. i43.) ,
• • •
Mailand, den 3o. Januar 1773. /
Heute ist die zweyte Oper zum ersten Male.
Ich bin unglücklich genug, sie nicht hören zu kön-
nen. Ich schicke Wolfg. in die Loge deä Hrn. von
Grimani, und werde unterdessen Trübsal blasen.
Ich liege an einem verfluchten Rheumatism nieder
und leide wie ein Hund*). Wolfgang befindet sich
wohl, denn eben da ich dieses schreibe, macht er
immer Capriolen.
*) Dieso Krankheit war Verstellung. Er hatte Schritte in Flo-
renz gemacht, um dort angestellt zu werden. Im P. S. dieses
Briefes heisst es: oder seinen Sohn dort austeilen zu lassen.
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275
MUridate und L. Sulla unterscheiden sich we-
der im Plane, noch in der Instrumentation von den
damals gewöhnlichen Opern, Nur der feurige Ge-
sang, das Leben und der warme Geist seiner Melo-
dieen heben sie weit über den Tross. Sie behaup-
ten- wie die meisten italienischen Opern« den drev-
stimmigen Satz, und besitzen nur wenig von den
künstlichen harmonischen Constructionen, die man
an seinen späteren Arbeiten anstaunt. Eine auffal-
lende Erscheinung bey den Chören dieser s beyden
Opern, so wie bey seinen früheren Messen, ist eine
Steifheit, die sich ängstlich an die Regel bindet, und
die man eher von einem alten trockenen Componi-
sten, als von diesem emporkeimenden Talente er-
wartet hätte.
Im Frühjahre 1773 kamen Vajter und Sohn wie-
der in Salzburg an, machten aber im Sommer des-
selben Jahres eine Reise nach Wien, wo sie bis ge-
gen Ende Septembers verweilten und dann wieder
in Salzburg eintrafen.
i
Siebente Reise« 1
Der Vater mit dem Sohne allein nach Wien,
im Julius 1773 bis Ende September 1773«
:
Briefe vom Vater an seine Frau und vom Sohne an
die Muttefr und die Schwester»
(Leopold M* Brief No. i49.)
/ Wien, den 12. August,*^.
Ihre Majestät die, Kaiserin waren sehr gnädig
mit uns; allein dieses ist auch Alles, und ich muss,
es Dir mündlich zu erzählen, auf unsere Rückkunft
versparen, denn Alles lässt sich nicht schreiben, und *
18»
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276
Alles hat seine Hindernisse. Mit nächster Post wirst
Du hören, wann wir ahreisen. Wenn wir nicht
kommenden Montag ahreisen, so kommen wir vor
Anfang Septembers nicht zurück. Zwischen heute
und morgen werde ich es erfahren. N. K. hat wirk-
lich Talent, so dass er nur mein Sohn seyn sollte,
oder wenigstens sollte er bey mir seyn. Am Feste
des heil. Cajetan haben uns die HH. Patres «um
Speisen und zum Amt eingeladen, und weil die Or-
gel nichts nutz war, ein Concert zu spielen, so hat
Wolfg. von Hrn. Trieber eine Violine und ein Con-
cert entlehnt, und die Keckheit gehabt, ein Concert
auf der Violine zu spiden. Bey den Jesuiten ist in
der Octave des heil. Ignatius eine Messe von Wolfg.
producirt worden, nämlich die Pater Dominicus-
Messe: ich habe tactirt, und die Messe hat erstaun-
-lich gefallen. $
(Leopold HL Brief No. i5o.)
, Wien, den i4. August 1773.
Wann wir kommen? — Noch nicht; denn Sc.
hochfürstl. Gnaden haben uns erlaubt, annoch hier
zu verweilen. Schreibe mir jeden Postlag, was Du
von dem Aufenthalt oder der Abreise Sr. hochfürstl.
Gnaden hörst, damit ich mich darnach richten mag.
■
N.S. von Wolfg. Amad. Mozart (dessen Briefe No. 48).
An seine Schwester.
Ich hoffe, meine Königin, Du wirst den höch-
sten Grad der Gesundheit geniesseh, und doch dann
und wann, oder vielmehr zuweilen, oder besser bis-
weilen, oder noch besser qualche volta, wie der
Walsche spricht, . von Deinen wichtigen und drin-
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I
277
genden Gedanken (welche allezeit aus der schön-
sten und sichersten Vernunft herkommen , die Du
nebst Deiner Schönheit besitzest, obwohl in so zar-
ten Jahren, Du, o Königin, auf solche Art besitzest,
dass Du die Mannspersonen, ja sogar die Greise
beschämest} mir etliche davon aufopfern. Lebe wohL
Hier hast Du was Gescheutes. .
(Im Briefe des Vaters stand: Das ganze Haus
von Martinez und Bono empfehlen sich. Dazu hatte
W. A< geschrieben : „wenn es die Witterung er-
laubte. " Es war just sehr veränderliche Witterung
in Wien.)
• • • $ • *
(Leopold M. Brief No. i5i.)
Wien, denn. August 1775.
Letzten Posttag habe ich nicht geschrieben , weil
wir eine grosse Musik bey unsern Freunden Mesmers <»
auf der Landsti-asse im Garten hatten. Mesmer .
spielt sehr gut die Harmonica der Miss Devis. Er
ist der Einzige in Wien , der es gelernt hat , und er
besitzt eine viel schönere Gläsermaschine , als Miss »
Devis hatte. Wol fg. hat auch schon darauf gespielt:
wenn wir nur eine hätten l Die des Mesmer hat 50
Ducaten gekostet.
Wir hätten Euch gerne bey unsj aber wir sind
nicht in den Umständen, grosse Kosten aufzuwenden.
Hätten wir einige Aussicht oder Geldeinnahme ge-
habt, so liätte ich Dich kommen lassen. Allein es
sind viele Sachen, die man nicht schreiben kami.
Und überdas muss man Alles verhindern, was eini-
ges Aufsehen oder einigen Argwohn sowohl hier als
1
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278
NB. in Salzburg machen kann, und welches Gele-
genheit giebt, Prügel unter die Füsse zu werfen.
Wir wissen selbst nicht, wenn wir abreisen.
Es kann geschehen gar bald, kann sich aber auch
einige Zeit verziehen. Es kömmt auf Umstände an,
die ich nicht benennen kann. Auf Ende Septembers
sind wir ganz gewiss, wenn Gott will, zu Hause.
Die Sache wird und muss sich andern. Seyd getrost
und lebt's gesund! Gott wird helfen. Sollte der
Erzbischof lange ausbleiben, so eilen wir nicht nach
Hause,
(Leopold M. Brief No. i5a.)
Wien, den a5, August 1775.
Unser Beutel wird sehr leer; so wie mein Leib
zunimmt und fetter wird, so wird der Beutel mager
werden. Dass ich sichtbar fett werde, kannst Du
sicher glauben»
(Leopold M. Brief No. i55.)
Wien, den 8. Septbr. 1773.
Ich bin den Herreu Salzburgern höchst verbun-
den, dass sie für meine Zurückkunft so sehr besorgt
sind. Das macht, dass ich mit mehr Vergnügen in
Salzburg eintreffen und dann gleich die ganze Nacht
in der Beleuchtung oder erleuchteten Stadt spaziren
gehen werde, damit die Lichter nicht umsonst bren-
nen. Wenigstens werde ich das Schlüsselloch an der
Hausthüre eher finden, weil am Eck, wie ich ver-
muthe, sich zum guten Glücke, der Austheilung
nach, eine Laterne treffen wird. Ich werde, wenn
Gott will, gegen Ende der künftigen Woche abrei-
sen. Allein, da ich diesen Weg öfters gemacht, und
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zu Mariazell niemals gewesen, so könnte es gesche-
hen, dass ich nach Mariazell und dann über St.
Wolfgang nach Hause ginge, um den Wolfg. auf
die Wallfahrt seines heil. Namqnspatrons zu führen,
wo er niemals gewesen, und ihm den berühmten
Geburtsort seiner Mutter, St. Gilgen, zu zeigen.
Dass mein Geld, was ich bey mir hatte, nun alles
beym T - - ist, kannst Du Dir leicht vorstellen , und
bald wird die Nachricht eintreffen, dass ich bei ei-
nem hiesigen Bauquier mir zwanzig Ducaten habe
bezahlen lassen. Das hat aber nichts anders zu be-
deuten, als dass ich Geld nöthig habe und keinen
Doctor. Die Ursache, warum ich hier 60 lange ver-
bleiben mu ss, werde ich aller Welt zu seiner Zeit
»
erzählen, und Jedermann wird sie gegründet finden.
Ich habe die nämliche Ursache Sr. Hochfurstl. Gna-
den gemeldet, und diese Ursache ist es bis diese
Stunde.
(Leopold JVL Brief No. l54.)
Wien, den 18. Septbr. 1773.
Schreibe an Hrn. N. N. und mahne ihn auf seine
Schuld au mich; eine Frau kann die Commission
ihres Mannes schärfer ausdrücken. Wolfgang
ponirt an Etwas ganz eifrig.
N. S. von Wolfg. A. M. (dessen Briefe No. $9.)
(Au die Schweeter.)
Wien, den i5. 8eptbr. 1773.
Wir sind, Gott Lob und Dank, gesund. Diess
Mal haben wir uns die Zeit genommen, Dir zu
schreiben, obwohl wir Geschäfte hätten. Wir hof-
fen, Du wirst auch gesund seyn. Der Tod des Di.
' * » Digitized
Niderls hat uns sehr betrübt. Wir versichern Dich,
vyir haben schier geweint, geplärrt, gerehrt und trenzt.
Unsere Empfehlung an — alle gute Geister loben
Gott den Herrn — und an alle gute Freunde und
Freundinnen. Wir bleiben Dir hiermit mit Gnaden
gewogen, Wien 7 aus unserer Residenz.
•Wolfgang.
■
W. A. Moaart an Hrn. v. Hofner.
Ich hoffe, wir werden Sie noch in Salzburg an-
treffen , wohlfeiler Freund. Ich hoffe, Sie werden
gesund seyn, und mir nicht seyn Spinnefeind, sonst
bin ich Ihnen Fliegenfeind, oder gar Wanzenfeind.
. Also ich ratlie Ihnen, bessere Verse zu machen.
Sonst komm'
ich meiner Lebtag zu Salzburg nicht mehr in Dom;
denn ich bin gar capax zu gehen nach Constant-
inopel, die docli allen Leuten ist bekannt.
Hernach sehen Sie mich nicht mehr, und ich Sie
auch nicht. Aber,
wenn die Pferde hungrig sind, giebt man ihnen
.* • einen Haber.
Leben Sie wohL Ich bin zu aller Zeit, *
Von nun au bis in Ewigkeit.
■
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- 281
Achte Reise.
Der Vater mit dem Sohne allein nach Mün-
chen, vom Decembcr 1774 bis zum 7ten
1775.
Briefe des Vaters an die Frau und die des Sohnes
an die Mutter und an die Schwester.
Die letzt* Reise des Vaters mit dem Sohne.
Im folgenden Jahre, Anfangs December 1774,
machte nnser Wolfgang mit «einem Vater eine Reise
nach München, welche ihm zur Verfertigung meh-
rer vortrefflichen Musikstücke, wie der Opera buffa,
La finta Qiardiniera, zweyer grossen Messen, eines
Ofiertoriums und einer Vesper de Dominica für die
Kapelle des Chui'fursten Gelegenheit bot.
— .... t j *
(Leopold M. Brief No. i55.) , .
München, den 9. Decbr. 1774.
Wegen der Oper kann ich noch Nichts schrei-
ben. Heute haben wir erst die Personen kennen ge-
lernt, welche Alle mit uns sehr freundschaftlich wa-
ren, besonders Graf Seau. —
(Leopold M. Brief No. i56.)
München, den i4. Decbr. 1774.
Wegen unserer Tochter, die herkommen möch-
te, um ihres Bruders Oper zu hören, habe ich noch
keinen anständigen Ort gefunden: in diesem Puncte
ist hier grosse Aufmerksamkeit nöthig. Suche mir
in meiner Musik die zwey Litaneyen de V enerabili
und vom hocliwürdigen Gute, die im Stundgebete
gemacht werden. Eine von mir ex D: die neuere
fangt an mit Violin und Bass staccato, Du kennst
Digitized by Google
283
sie schon: die zw.ey.te Violine hat beyin Agnus Dei
lauter dreyfache Noten. Dann des Wolfgangs Lita-
ney, in welcher die Fuge Pignus futurae gloriae.
Diese zwey Litaneyen werden hier am Neujahrstage
im Stundgebete gemacht werden/ — *
»
*
(Leopold M. Brief No. 157.)
IHünchon, den 16. Decbr. 1774.
Ich habe nun eine Wohnung für die Namierl
bey Frau von Durst. Diese ist 28 Jahre alt, sehr
eingezogen und voller Belesenheit und Vernunft: sie
leidet keinen Umgang von Schmirbern um sich, und
ist sein: höflich und angenehm. Nannerl findet da
einen Flügel zu eigenem Gebrauch ; auf diesem muss
sie fleissig die Sonaten von Paradies und Bach und
das Concert von Lucchesi spielen. — —
• »
(Leopold M. Brief No. i58.)
München, den ai. Decbr. 1774.
Nannerl soll auch des Wolfgangs geschriebene
Sonaten und Variationen mitbringen. Wolfgangs
Concert haben wir mit uns.
(Leopold M. Brief No. 159.)
München, den 28. Decbr. 1774.
Von Wolfgangs Oper ist die erste Probe gewe-
sen. Sie hat so sehr gefallen, dass sie auf den 5ten
Januar verschoben wird, damit die Sänger sie besser
lernen, und, wenn sie die Musik recht im Kopfe
haben, sicherer agiren können, auf dass die Oper
nicht verdorben werde. Die bestimmt gewesene Auf-
führung am morgenden Tage wäre übereilt gewesen.
gelallt, so kommt es
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i
Mg
nur auf die Production im Theater an, die, wie ich
hoffe, gut gehen soll, weil die Schauspieler uns nicht
abgeneigt sind. Dass die Herren Hofleute mit Euch
höflich sind, glaube ich gerne: das ist ihre Politik,
und sie argwöhnen allerhand Sachen. Die Nannerl
muss mir einen Creditbrief mitbringen, denn wenn
man gleich ein Regal erhält, so wird es oft verscho-
ben, dass man es nicht abwarten kann, ja manchmal
erst nachgeschickt ; und ich will mich auf Nichts ver-
lassen, denn hier ist Alles langsam und oft ver-
wirrt. — — —
N n c h a cirift von Wolfg. A. M. (deaaen Briefe No. Ii.)
Meine liebste Schwester! Ich bitte Dich, vergi'ss
nicht vor Deiner Abreise, Dein Versprechen bu hal-
ten, d. im den bewussten Besuch abzustatten — denn
ich habe meine Ursachen. Ich bitte Dich, dort
meine Empfehlung auszurichten — aber auf das Nach-
drücklichste — und Zärtlichste — und oh — ich
darf mich ja nicht so bekümmern, ich kenne ja
meine Schwester, die Zärtlichkeit ist ihr ja eigen.
Ich weiss gewiss, dass sie ihr Mögliches thun wird,
um mir ein Vergnügen zu erweisen, und aus In-
teresse — ein wenig boshaft! — Wir wollen uns
in München darüber zanken. Lebe wohl!
. *
(Leopold M. Brief No. 160.) 1
München, den 3o, Decbr. 1774.
Am Donnerstage wird die Oper aufgeführt. Nun
musst Du wissen, dass der Maestro Tozi, der heuer
die Opera seria schreibt, vor'm Jahre um eben diese
Zeit eine Opera buffa geschrieben, und sich so be-
müht hat, solche gut zu schreiben, um die Opera
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%
284
teria, die vor'ra Jahre der Maestro ßales schrieb,
niederzuschlagen , dass des Sales Opera wirklich nicht '
mehr recht gefallen wollen. Nun ereignet sich der
Zufall, dass Wolfgangs Oper eben vor der Oper des
Tozi gemacht wird $ und da sie die erste Probe hör-
ten, sagten Alle: uun wäre Tozi mit gleicher Münze
bezahlt, indem Wolfgangs Oper die seinige nieder-
schlage. Dergleichen Sachen sind mir- nicht lieb,
nnd suche dergleichen Reden zu stillen, protestire
ohne Ende; allein das ganze Orchester uud Alle,
die die Probe gehört haben, sagen, dass sie noch*^
keine schönere Musik gehört haben, wo alle Arien
schön sind. Basta. , Gott wird Alles gut machen.
N.3. von Wolfg. A. Mosart (desaen Briefe No. 5a).
Ich bitte meine Empfehlung an die Roielane,
und sie wird heute Abend mit dem Sultan den Theo
nehmen. An die Jungfrau Mizerl bitte alles Erdenk-
liche, sie soll an meiner Liebe nicht verzweifeln: sie
• • • t ,
ist mir beständig in ihrem reizenden Negligee vor
Augen. Ich habe viele hübsche Madel hier gesehen,
aber eine solche Schönheit habe ich nicht gefunden.
Meine Schwester soll nicht vergessen, die Variatio-
von Eckart, uud meine Va-
riationen über den Menuett von Fischer mitzuneh- .
men. Gestern war ich in deV Comödie: sie haben
es recht gut gemacht. Meine Empfehlung an alle
gute Fremide und Freundinnen. Ich hoffe, Du wirst
— Lebe wohl! — Ich hoffe Dich bald in München
zu sehen. Der Mama küsse ich die Hände, und da-
mit hat es heute ein Ende. Halte Dich recht warm
auf der Reise, ich bitte Dich, sonst kamist Du Deine
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vierzehn Tage zu Hause sitzen und hinter dem Ofen
schwitzen. Wer wird Dich dann beschützen? Ich
will mich nicht erhitzen. Jetzt fängt e« an zu bl
Ich bin wie allezeit etc. • . »
(Leopold M. Brief No. 161.)
München» den Januar 1775. .
Gestern kam die Nannerlf — Sperre *gut die
Zimmer, /damit Nichts gestohlen wird. Wenn man
ausgeht, kann leicht Etwas geschehen. Die Ope/
.wird erst am I3ten gegeben. r,„/i^ . f.
' 7 ' *' (Ledpold M. Brief No. i6a.) ** ** '
rjünchen, den 11. Januar 1775.
Bis dato scheint es, dass der Wolfg. . alle Hoff-
nung hat, die grosse Oper aufs Jahr hier zu schreiben.
, . .. .1 *».»••■ f •!«*• !•■ I
N. 3. von Wolfg. A. Moaart (dessen Briefe No. 55)J
Wir befinden' uns Alle, Gott Lob, rtcht wohl.
Icli kann unmöglich viel schreiben, denn ich muss
den Augenblick in diö'Probe. Morgen ist die Haupt-
probe 5 den i3ten geht meine Oper in Seena. Die
Maina darf sich nicht sorgen, es wird "Alles jgüt
gehem Dass die Mama einen Verdacht auf den Graf
Seau geworfen, thut mir sehr 'wehe, Öenn er ist ge-
wiss* ein lieber, höflicher Herr, und hat mehr Le-
bensart, als Viele seines Gleichen in Salzburg» Hr.
von Molk (aus Salzburg) hat sich hier so verwundert
und verkreuzigt über die Opera terra, wie er sie
horte y dass wir uns schämten, indem' Jedermam
klar daraus sah, dass er sein Lebtag nichts als Salz-
»urg una innsorucK gesenen nat. jlaclio* len Kusse
der Mama die Hände.
. ■ • ■ •
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286
(Wolfg. Amaä. Mozart». Brief No. 64.)
MUnchen, den i4. Januar 1776.
Gott Lob 1 Meine Oper ist gestern in Seena ge-
gangen, und so gut ausgefallen, dass ich der Mama
den Lärmen unmöglich beschreiben kann« Erstens
war das ganze Theater so gestrotzt voll, dass viele
Leute wieder zurück haben gehen müssen. Nach einer
jeden Arie war allezeit ein erschreckliches Getos mit
Klatschen, und Viva Maestro -Schreyen. Ihro Durch!,
die Churliirstin und die Verwittwete (welche mir vis
h vis waren) sägten mir auch Bravo, Wie die Oper
aus war, so ist unter der Zeit, wo man still ist bis
das Ballet anfangt, nichts als geklatscht und Bravo
geschrieen worden, bald aufgehört, wieder angefan-
gen, und so fort« Nachdem bin ich mit meinem
Papa in ein gewisses Zimmer gegangen, wo der Chur-
furst und ganze Hof durch muss, und habe Ihren
.Durchlauchten, dem Churfürsten, der Churfürstin
und den »Hoheiten die Hände geküsst, welche Alle
sehr gnädig waren. Heute in aller Frühe schickten
Se. Fürstl. Gnaden der Bischof von Clüemsee her,
mir gratuliren, dass die Oper bey Allen
so unvergleichlich ausgefallen wäre. Wegen unserer
Rückreise wird es so bald nicht werden, und die Mama
soll es auch nicht wünschen, denn die Mama weiss,
wie wohl das Schnaufen thut. — — — Wir wer d
noch früh genug zum (hier war ausgettrichen) kommen.
Eine rechte und noth wendige Ursache ist, weil am
Freytage die Oper abermals gegeben wird, und ich
sehr noth wendig bey der Production bin — — sonst
würde man sie nicht mehr kennen denn ea ist
gar kurios hier. (Grüsse) An Bimberl 1000 Busserln.
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( 287
(Leopold M. Brief No. iG3.)
München, den 18. Januar 1775.
Dass die Oper einen allgemeinen Beyfall hatte,
wirst Du schon aus vielen Berichten wissen. Steile
Dir vor, wie verlegen Se. Hochfürstl. Gnaden unser
Erzbischof und Herr seyn musste, von aUer Chur-
fiirstl. Herrschaft und dem ganzen Adel die Lobes-
erhebungen der Oper anzuhören, und die feyerlich-
sten Glückwünsche, die sie ihm Alle machten, an-
zunehmen. Er war so verlegen, dass er mit Nichts
als mit einem Kopfneigen urld Achsel In die Hfthe
ziehen antworten konnte. Noch haben wir nfcht mit
ihm gesprochen, denn er ist noch mit Complimenten
der Noblesse umgeben. Die Opera buffa Wolfgangs
wird er nicht hören können, weil er jn wenigen Ta-
gen abreis't, und sie in einer Woche nicht gegeben
wird. Lebe wohl, habe Geduld, und sperre \ die
Zimmer gut zu.
Nachschrift von Wolfg. A. M. (dessen Brief No. 55.)
Meine liebe Schwester, was, kann ich denn da-
für, dass es jetzt just 7£ Uhr geschlagen hat?
Mein Papa hat auch keine Schuld — — das Mehre
wird die Mama von meiner Schwester erfahren.
Jetzt ist es aber nicht gut fahren, weil sich der Erz-
hischof nicht lange hier aufhält — — mtfu will gar
sagen, er bleibe so lange, bis er wieder wegreis't —
— mir ist nur leid, dass er die erste Redoute nicht
sieht. Der Mama lasse ich die Öände küssen. Lebe
wohl; ich werde Dich gleich abholen. Dein getreuer
Mailand, d. 5. May i;56. Franz Nasenblut.
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288
. '(Leopold Jfi. Brief No. lG4.) , '
, -r . München, den 31. Januar 1775.
... Dass die Herren Salzburger so , viel Gewäsche
machen, und glauben, dass der Wolfg. in Churfurstl.
.Dienste getreten, kömmt von unsern- Feinden, und
von denen, denen ihr Gewissen sagt, dass er es zu
_thun rUrsache hätte,. Du weiss t .wohl, wir sind an
.diese &ipderj>oss,en £ew;ohnt; mich machen derglei-
chen, I^udereyen weder kalt noch warm, und das
Rannst Du Jedermann sagen. — Schreibe Alles, was
,0^ hörst; so. haben wir Etwas zu lachen,- denn wir
kennen die Narrexu /:, .. . /
I *
• • • •
(Leopold M. Brief No i65.)
\ München, den i5. Febr. i775.
— * iL *«
Sonntage ist eine kleine Messe von Wolfg.
in der Hofkapelle gemacht worden, und ich habe
tactirt. Am Sonntage wird wieder eine gemacht. —
Heute gehen wir nicht in die Redouiej wir müssen
ausruhen: es^st $l erste, die wir auslassen. Du
mxißit doch auclf auf t eine Redoutfe nicht versäumen.
(Leopöld M. Brief No. 169.)
München, Ascher - Mittwoch 1775.
Gott Lob! der Cameväl ist yorbey; aber4mser
Beutel hat ein grosses Loch bekommen. Die Histo-
rie von Tozi^der die Oper Orfeo componirt hat,
in welcher seine Frau jetzt die Enrydice macht, und
der Gräfin Seefeld, gehornen Gräfin Sedlizky darfst
Öu Jedermann erzählen. — Anv 7ten treffen wir
bey Dir ein. •» ' * ' - ' • ' -
—
DigitiAd by G
0S9
, «
In der Oper La finta Üiardiniera scheint Mo-
zart's musikalische Knospe aufzusprossen , die sich
später im Idomeneo als frische Blume entfaltet. Der
Styl ist von einer besondern Weichheit und unge-
meiner Zärtlichkeit.
Im Jahre 1789 ist diese Oper zwar noch unter
dem Titel: die verstellte Gärtnerin zu Frankfurt
aufgeführt worden, sie missfiel aber durchaus. Das
Stück ist gewissermaassen abgeschmackt und langwei-
lig, und Mozart's Satz ist fast immer schwer und
künstlich, indem er sich über die Fassungskraft ge-
wöhnlicher Dilettanten hinweg zu schwingen scheint,
so majestätisch und launig er auch in einzelnen Stel-
len und so voll starker Harmonie auch das Ganze ist.
Diese Musik ist mehr für den Kenner, der ihre Fein-
heiten zu entwickeln versteht, und weniger für den
Dilettanten, der sich bloss von seinen natürlichen
Gefühlen leiten lässt und Jbloss nach dem ersten un-
mittelbaren Eindruck entscheidet.
Am 7ten März 1775 reis'ten Vater und Sohn
wieder von München nacli Salzburg zurück. In die-
sem Jahre hielt sich der Erzherzog Maximilian in
Salzburg auf, bey welcher Gelegenheit Mozart eine
Serenada, // Re Pastore, componirte, welche ihm
ausserordentlichen Beyfall erwarb, und die ihren
Werth auch unter seinen späteren Werken erhielt,
weil er in ihr schon jenen Geist ahnen liess, der
seine späteren Kunstwerke belebte. Sie scheint den
Uebergang aus seiner Schüler -Periode in die seiner
Vollendung, welche mit seinem 20sten Jahre beginnt,
zu bilden. Bis zu seinem l9ten Jahre blieb Mozart
das musikalische Wunder von Europa, theils in
* 19
t
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I
290
Hinsicht des erstaunlichen Umfanges seiner Talente,
und theils wegen seiner Jugend.
Unser Wolfgang schrien an den Pater Martini
selbst Folgendes:
6 öle bürg, den 7. Septbr. 1776.
Die Hochachtung und Ehrerbietung, die ich ge-
gen einen so würdigen Mann hege, veranlasst mich,
Ihnen ungelegen zu seyn und Ihnen ein schwaches
Stück meiner Composition zu Ihrer Prüfung zu über-
senden* Ich schrieb voriges Jahr zum Carneval eine
komische Oper, La finta Giardiniera , zu München.
Wenige Tage vor meiner Abreise verlangte der
Churfürst, eine contrapunetisch ausgearbeitete Musik
meiner Composition zu hören. Ich war daher ge-
zwungen, diese Motette in Eile zu schreiben, und
noch eine Abschrift von der Partitur für Se. Durch-
laucht zu verfertigen und die Stimmen ausschreiben
zu lassen, damit das Stück am nächsten Sonntage
während der grossen Messe als Offertorium aufge-
führt werden könnte. Liebster, theuerster Herr Pa-
ter! ich bitte Sie inniglich, mir frey und ohne Rück-
halt Ihre Meinung darüber zu sagen. Wir leben ja
in dieser Welt, um immer weiter zu kommen, und
besonders auch dadurch, dass Einer den Andern
durch seine Ansichten aufklärt, wie überhaupt, so
in den Wissenschaften und schönen Künsten immer
* mehr zu lernen. Wie oft wünsche ich, Ihnen näher
zu seyn, um mit Urnen zu reden und Ihnen meine
Ansichten mitzutheilen ! Ich lebe in einem Lande,
wo die Musik jetzt sehr wenig Glück macht. Aber
ungeachtet derer, die uns verlassen haben, besitzen
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wir doch noch bravo Künstler, ünd besonders gründ-
liche, wissenschaftliche nnd geschmackvolle Compo-
' nisten. Was das Theater betrifft, so ist es in Rück-
sicht der Sänger schlecht bestellt. Wir haben keine
Castraten nnd werden sie anch so leicht nicht haben,
da sie gut bezahlt seyn wollen, und die Freygebigkeit
unser Fehler nicht ist* Ich beschäftige mich indessen,
für die Kammer und Kirche zu schreiben. Hier sind
noch andere zwey Contrapunctisten, nämlich die
Herren Michael Haydn und Cajetan Adlgasser. Mein
Vater ist Kapellmeister an der Metropolitan-Kirche.
So ist mir Gelegenheit verschafft, für diese zu schrei-
ben, so viel ich will. Da übrigens mein Vater die-
sem Hofe bereits 36 Jahre dient, und weiss, dass
der Erzbisch of nicht gern alte Leute sehen kann,
noch mag, so bekümmert er sich wenig um Musik-
Auflohrungen, und hat sich auf die Literatur dieser
Kunst, als sein Lieblings -Studium, verlegt. Unsere
•Kirchenmusik ist von der in Italien sehr verschie- •
den, um so mehr, da eine Messe mit Kyrie, Gloria,
Credo, der Epistel- Sonate, dem Offertorium oder
Motetto, Sanctus und Agnus Bei, auch an den
grössten Festen, wenn der Fürst selbst die Messe
lies't, nicht länger als höchstens drey Viertelstunden
dauern darf. Da braucht man für diese Art Com-
positum ein besonderes Studium, und doch muss es
eine Messe mit allen Instrumenten seyn, auch mit
Kriegstrompeten! So? Ja, theuerster Herr Pater.
O wie wohl würde es mir thun, Ihnen recht viel zu
erzählen! Ich empfehle mich ergebenst allen phil-
harmonischen Mitgliedern, bitte Sie immer herzlicher
um Ihre Gewogenheit, und höre nicht auf, mich zu
19*
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191
betrüben, so weit von jenem Manne entfernt zu
seyn, den ich in der Welt am meisten liebe, hoch-
schätze nnd verelire, und gegen den ich unverän-
derlich bin etc.
Antwort des Paters Martini auf
. Wolfg. A. Mozart's Brief.
Bologna, den 18. Decbr. 1776,
■
Mit Ihrem angenehmen Schreiben habe ich zu-
gleich die Motette erhalten. Mit Vergnügen bin ich
sie vom Anfange bis zu Ende durchgegangen, und
ich sage Ihnen mit aller Aufrichtigkeit, dass sie mir
gar sehr gefallt, indem ich darin Alles finde, was
die moderne Musik erheischt: gute Harmonie, reife
Modulation, angemessene Bewegung der Violinen,
natürlichen Fluss der Stimme und gute Durchfüh-
rung. Ich freue mich besonders, dass, seit ich das
Vergnügen hatte, Sie zu Bologna auf dem Claviere
zu hören, Sie so grosse Fortschritte in der Compo-
sition gemacht haben* Fahren Sie unablässig fort,
sich zu üben 5 denn die Natur der Musik fordert
Uebung und grosses Studium, so lange man lebt etc.
<
, Je ausserordentlicher das angeborne Talent und
die schnelle Entwickelung dieses grossen Künstlers
war, desto mehr werden die Leser die gewissenhafte
Genauigkeit rechtfertigen, mit welcher hier die stu-
fenweise Ausbildung desselben erzählt ist.
Wie schon angegeben, so ist Mozart's zwanzig-
stes Lebensjahr die Epoche seiner Vollendung als
Meister $ denn von dieser Zeit an zeigt er sich im
glänzendsten Lichte und mit einer entschiedenen
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293
Ueberlegenheit des Geschmacks und Genie'sj allo
seine Werke, die er seitdem geliefert hat, sind clas-
sisch und erwerben ihm die Krone der Unsterblich-
keit. Den Gipfel seiner Kunst hat er mit diesem
Alter erreicht, und nun war sein Ruhm durch alle
Länder Europa's verbreitet« Welche der grössteu
Städte er auch jetzt wählen wollte, um darin seine
seltenen Talente der Unterhaltung des Publicuins zu
widmen, so war er einer allgemeinen Bewunderung
gewiss. Zu einer solchen Erwartung berechtigte ihn
sicher im, hohen Maasse die grosse Wirkung, die
sein gleich grosses Talent des Clavierspielers und
des Componisten jedes Mal und überall auf das Fu-
blicum machte.
Neunte Reise.
Wolfg. A. Mozart reis't mit seiner Mutter
nach Paris. Die sogenannte grosse oder
die Pariser Reise, vom 23* Septbr. 1777
bis zum 11. Januar 1779*
Diese Periode hegreift Wolfg. A. Mozart* s Briefe an seinen
Vater und die der Mutter bis zu ihrem Tode an ihren Manny
eine Autobiograpliie, eine Auto Charakteristik an*
Indessen schien doch der grosse Marktplatz aller
ausgezeichneten Talente in den schönen Künsten, das
damalige Paria^ der schicklichste Ort für ihn zu seyn,
da er schon dort bekannt war und ein von ihm be-
geistertes Publicum vorfand. Mozart reis'te dalier in
Begleitung seiner Mutter den 23sten September 1777
nach dieser sonstigen Hauptstadt des europäischen
Luxus. Dass der Vater nicht mit nach Paris ging,
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294
rührte theils von geiuer Furcht, dass dort nicht ge-
nug für vier Personen verdient werden würde, theils
von Betrachtungen der Klugheit her, nicht seine
Anstellung in Salzburg rr. weil es doch eine war —
zu risitiren. •:•„.■•
8chon vom zweyten Tage dieser Reise, den 25.
September, erhielt der Vater vom Sohne einen Briof
aus Wasserburg (der Hälfte des Weges nach Mim-
rülirtem und freudigem Herzen gelesen und an dem-
selben Tage schon an Frau
schrieb.
Die ganze Correspondenz dieser Reise ist nun
folgende :
Des Vaters Brief an Beyde nach München.
Salzburg, den 25. Septbr. 1777.
Ich erhielt dos lieben Wolfgangs Schreiben heute
Vormittags mit grösstem Vergnügen 5 und nun eben
las es auch Herr Bullinger, der sich empfiehlt, und
lacht vom Herzen. Bin höchst vergnügt, wenn Ihr
wolüauf seyd: ich befinde mich, Gott Lob, um viel
besser. Nachdem Ihr abgereiset, ging ich sehr matt
über die Stiege und warf mich auf einen Sessel nie-
der. Ich habe mir alle mögliche Mühe gegeben, mich
bey unserer Beurlaubung zurückzuhalten, um unsern
Abschied nicht schmerzlicher zu machen, und in die-
sem Taumel vergass ich, meinem Sohne den väter-
lichen Segeu zu geben. Ich lief zum ebenster und
gab solchen Euch Beyden nach, gab aber Euch
nicht heym Thoro hinaus fahren, und wir mussten
glauben, Ihr wäret schon vorbey, weil ich vorher
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295
lange da saass, ohne auf Etwas zu denken. Die Nan-
nerl weinte ganz erstaunlich und ich mussle mir alle
Mühe geben, sie zu trösten. — * — — ^
So verging dieser Uaurige Tag , den ich in mei-
nem Leben nicht zu erleben glaubte.,
Heute früh Hess ich Hin, Glatz von Augsburg
zu mir kommen, und wir kamen überein, dass Ihr
in Augsburg beym Lamb in der heil. Kreuzgasse
absteigen sollt, wo Ihr Mittags die Person 30 Xr.
bezahlt, und schöne Zimmerle sind , auch die ansehn-
lichsten Leute, Engländer, Franzosen etc, da einkehren.
Von da habt Ihr auch ganz nahe die Kirche zum
heil. Kreuz, und mein Bruder Franz Aloys ist auch
in der Nähe, nämlich in der Jesuitergasse. Ihr dürft
also zum Hrn. Albert nichts sagen; denn bey den
drey Mohren ist es zu theuerj er fordert erstaunlich
für die Zimmer, und jede Mahlzeit kömmt die Per-
son auf 45 und auch 48 Xr. Solltet Ihr nun nach
Augsburg kommen, so müsste der Wolfgang sich,
gleich zum Hrn. Orgelmacher Stein führen lassen.
Hr. Stein, der ihn seit seinem siebenten Jahre nicht
mehr gesehen, würde ihn schwerlich mehr kennen.
Er könnte ihm sagen, er wäre aus Innspruck und
hätte Commission, Instrumente anzusehen* Mir sagt
Hr. Glatz, dass Hr. Stein, Hr. Bioley und Hr. Fin-
gerl im Stande sind, ein recht schönes Concert zu
veranstalten. Den Hrn. Christoph von Zabuesnig,
der die schöne teutsche Poesie in Salzburg über Dich
gemacht, musst Du auch besuchen y er ist ein Kauf-
mann und ein Gelehrter. In Augsburg kann was
Schönes und Nachdruckliches durch diesen Herrn
in die Zeitun& kommen, Li. Kaufmann Gasser ist
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ggg
derjenige, der mir, ohne Kosten, meine Bücher nach
Frankfurt packt, und da« gelöste Geld mir zurück-
bringt* Du musst ihn also besuchen und Dich statt
meiner bedanken j es ist eine Gefälligkeit, die er mir
immer erweisen kann. Mein Bruder oder seine Toch-
ter werden Dich wolil zu Uiro Gnaden dem Hrn.
Stadtpfleger von Langenmanttl führen, wo Du meine
untertänigste Empfehlung ablegen kannst. Die Mama
weiss schon, wie gut wir mit einander bekannt sind.
Wir sind mit einander nach Salzburg gereiset, wo
des Hrn. von Hefners Vater auch dabey war. An
den Höfen musst Du Dein Kreuz nicht tragen; aber
in Augsburg musst Du es alle Tage nelunen; da macht
es Dir Ansehen und Respect, und so an allen Orten,
wo kein regierender Herr ist. Wenn Du willst die
Klöster zum heü. Kreuz und St. Ulrich besuchen,
das kannst Du alles thun uüd ihre Orgeln probiren»
Hr. Siein wird Dich wohl auf seine Orgel zu den
Baarfüssern führen. Zu St. Ulrich ist des Herrn
Iiiibers Sohn im Kloster. In Augsburg hält sich
ein gewisser Organist und Compouist auf, aus dem
sie Vieles machen; ich habe den Namen vergessen.
Die Hölzer wirst Du wohl allezeit, wenn Du
wo" bleibst," durch den Hausknecht in die Stiefel
stossen lassen? — —
Der Musikpack kann allezeit voran im Magazine
bleiben , mir solltet Ihr noch eine grosse Wachslein-
wand kaufen, und ihn sammt der alten noch ein
Mal damit recht einschlagen, um ihn recht gut zu
versichern.
Ich glaube, dass ich auch erinnern muss, dass
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1
die Salzburger Halbbatzen*) weiterhin und
schon in München nichts mehr nutz seyn werden.
Ihr werdet keine hahen, sonst könnte es Euch der
Salzburger Conducteur auswechseln. Ob die Batzen
gut sind, weiss ich nicht, mah muss sich wegen der
kleinen Münze bey Hrn. Albert erkundigen. — —
• Wenn Ihr von München abgehen solltet, ohne
es mir benachrichten zu können, so müsst Ihr einen
Zettel auf der Post in München lassen, wo darauf
stehet:' „Wenn Briefe mit folgender Adresse an-
langen sollten : ä Mr. Wolf gang Amadd Mozart,
Maitre de Musique, so ersuche solche nach Augs-
burg zum Lambwirth in der heil. Kreuzgasse lau-
fen zu lassen« ' ': •
Nun ist die Hosen zum hechten grauen Kleide
zurück geblieben. Sollte ich keine aridero Gelegen-
heit finden, so geW ich sie nebst der Andretterinn
Musik 9 einigen Contra Tänzen y und dem Adagio
und Rondeaux, die dem Brunetti gemächt worden,
und wenn mir sonst noch was in die Hände kommt,
dem Boten, der, wenn er Euch nicht mehr antreffen
sollte, -denn er kommt erat glaublich am Montag
Mittag an, solches an meinen Bruder nach Augsburg
kann gehen lassen.
Das Amt hat bis drey Viertel auf Ü Uhr ge-
dauert, Und ist abermals ein Agnus Hei von Haydn
gemacht worden, weil Rust nicht feilig wurde. Die
Sonate war von dem Wolfgang. Vergesse nicht,
Briefe in München zu suchen $ NB. vom Fürsten von
Chiemsee auch.
*) Eine Scheidemünze, im Werth« a Xr. RW.
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e l)iv nach \Vurzburg
Vi
Graf
ben, der
0
München, den a6. Septbr. 1777.
Man tri* eher Pire!
Wir sind den 24sten Abend« um halb fünf Uhr
alücklich in München angelangt. Was mir
das Neueste war, dass wir zur Mauth fahren
ten, begleitet von einem Grenadier mit aufgepflanz-
Bajonette. Die erste bekannte Person, die uns
Fahren begegnete, war Sign. Consoli, welcher
mich gleich kannte, und eine unbeschreibliche Freude
hatte, mich zu sehen. Er war den andern Tag gleich
bey mir. Die Freude von Herrn Albert kann ich
nicht geuug ausdrücken $ er ist in der That ein grund-
ehrlicher Mann und unser sehr guter Freund. Nach
meiner Ankunft war ich bis zur Essenzeit immer
beym Claviere. Als Hr. Albert kam, gingen wir
mitsammmen herab zum Tische, wo ich den Mr.
seinen recht gu-
ten Freund, antraf, fieyde lassen sich empfelüen.
Wir kamen spät ins Bett und waren müde von der
Reise. •
Den 25sten ging ich gegen ü Uhr zum Grafen
Seau. Allein, als ieh hinkam, hiess es, er sey schon
auf die Jagd gefahren. Geduld! ich wollte unter-
dessen zum Chorherrn Bernard gehen; er ist aber
mit dem Baron Schund auf die Güter gereis't. Hrn.
Bellval traf ich voll in Geschäften an. Er gab mir
tausend Complimente auf. Unter dem Mittagsessen
kam Rossi, um zwey Uhr Consoli, und um drey
Uhr Becche und Hr. von Bellval.
„ Digitized by Google
2Qp
Es giebt hier einen gewissen Herrn Professor
Huber; vielleicht erinnern Sie sieh besser als ich.
Er sagt, er hat mich das letzte Mal zu Wien beym
jungen Hrn. von Mesmer gesehen und gehört. Er
ist nicht zu gross, nicht zu klein, bleich, hat w eis-
graue Haare, und sieht in der Physiognomie dem
Hrn. Unterbereiter nicht ungleich. Dieser ist . auch
ein Vice «Intendant du thddtre. Seine Arbeit ist,
die Gomödieeör die man auffuhren will, durchzu-
lesen, zu verbessern, zu . verderben , hinzu zu thun,
hinweg zu nehmen. Er kömmt alle Abende zum
Albert. Er spriclit sehr oft mit mir*
Heute, den 26*ten d. M; Frey tags, war ich um
halb neun Uhr beym Grafen Seau. Es war so: als
ich ins Haus hinein ging und die Madame N., die
Comödiantin, just heraus ging, fragte mich diese:
„Sie wollen gewiss zum Grafeu?" Ja. „Er ist noch
in seinem Garten; Gott weiss, wenn er kömmt. "
Ich fragte sie, wo sein Garten sey. „Ja," sagte sie,
ich habe auch mit ihm zu sprechen; wir wollen
mitsammen gehen." Kaum kamen wir vor's Thor
hinaus, so kam uns der Graf entgegen, und war
etwa zwölf Schritte von mir. so erkannte er mich
und nannte mich beym Namen* Er war sehr höf-
lich und wusste schon, was mit mir vorgegangen ist* .
Wir gingen ganz allein und langsam die Treppen
hinauf; ich entdeckte mich ihm ganz kurz« Er sagte,
ich sollte nur schnurgerade bey Sr. Churfiirstl. Durch-,
laucht Audienz begehren. Sollte ich aber im Falle
nicht zukommen können, so sollte ich meine Sache
nur schrif tlich vorbringen. Ich bat ihn sehr, dieses
Alles still zu halten; er versprach es inir. Als ich
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300
ihm sagte, es ginge hier wirklich ein rechter Com-
positeur ah, so sagte er: „Das weiss ich wohl.,a
Nach diesem ging icli zum Bischof von Chiemsee, und
war «ine halbe Stande bey ihm. Ich erzählte ihm
All 0.9. Er versprach mir, sein Möglichstes in dieser
Sache zu thun. Er fahr um 1 Uhr nach Nymphen-
f ) 1 1 T*flr . und versi)r3.cli mir. m i t Ihrer CvliurfYirsLliclien
Durchlaucht der C hur Fürstin gewiss zu sprechen«
Sonntag Abend s kommt der Hof herein« —
meist er declarirt worden, und das durch eine grobe
Rede. Er hat zwey Symphonieen (Dio mene liberi)
von seiner Composition producirt. Der Churfurst
fragte ihn: „Hast Du das wirklich componirt? —
Ja, Ew. Durchlaucht. — „Von wem hast Du's ge-
lernt? " — Von einem Schulmeister in der Schweiz.
„Man macht soviel aus der Composition" — — *
Dieser Schulmeister -hat mir doch mehr gesagt, als
alle unsere Compositeurs hier mir sagen könnten.
Heute ist der Graf Schönborn und seine Ge-
mahlin, die Schwester des Erzbischofs, angelangt.
Ich war gerade in der Comödie. Hr. Albert sagte
im Discours, dass ich hier sey, und erzählte ihm*,
dass ich aus den Diensten bin. Er und sie haben
sich verwundert. Sie haben ihm absolument nicht
giaaben wollen, dass ich i2 fl. 30 Xr. seligen Ange-
denkens gehabt habe. Sie wechselten nur die Post,
und hätten mich gerne gesprochen. Ich Iraf sie aber
nicht mehr an. • i
Jetzt aber bitte ich, dass ich nach Ihren Um-
ständen und Ihrer Gesundheit mich erkundigen darf.
Ich hoffe, wie auch meine Mama, dass sich Beyde
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■
< 301
x t.. Cs i. i i 1 1 c i 1 1 i w • I i i Ij x i x j rn n^i c k ha Iii c i i ic Iii
schönsten Humor. Mir ist so federleicht, seitdem
ich von dieser Chicane weg bin! — —
Der Vater an den Sohn.
■ . SaUburg, den a& Septbr. 1777.
• • •
— — — — — Nun auf die Sache von München
zu kommen, so würde es vielleicht gehen, wenn Du
nur Gelegenheit bekommen kannst, dass der Chur-
fiirst Alles hört, was Du kannst, und souderheitlich
Fugen-, Canons- und Contrapuncts- Compositionen
zu machen im Stande bist. Dem Grafen Seau musst
Du erschrecklich das Maul machen, was Du ihm
für sein Theater in Arien und Ballets, ohne eine
Bezahlung zu verlangen, Alles machen willst. Mit
den Cavalieren musst Du erstaunlich höflich seyn,
denn ein Jeder hat sein Maul ''darin. Consoli könnte
die neue Scene für die Mad. Duschek singen. Von
der Madame Duschek kannst Du mit dem Grafen
Seau im Vorheygenen sprechen. Vielleicht kenntet
Ihr beym Grafen Seau im Garten eine Musik machen.
Wenn die Sache einiges Ansehen der Hoffnung ge-
winnt, so wird Euer Aufenthalt in München länger
nothwendig seyn. Mache Dir den Hrn. Moschitka
recht zum Freunde; er hat immer Gelegenheit, mit
dem Churfursten zu sprechen, und hat allen Credit.
Solltest Du für den Churfursten auf die Gamba Et- .
. was machen müssen , so kann Dir derselbe sagen,
wie es seyn muss, und die Stücke zeigen, die der
Churfiirst am meisten liebt, um dessen Geschmack
einzusehen. Solltest Du mit dem Churfursten nicht
gesprochen haben, oder nicht sprechen können, und
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302
gezwungen seyn, ihn schriftlich anzugehen, so wird
Hr. von Bellval Dir rathen, wer die Schrift verfas-
sen soll. Du kannst Dich sowohl schriftlich als münd-
lich beym Churfursten und Grafen Seau herauslassen,
dass Se. Durchlaucht sich in Betreff Deiner Contra-
puncts -Wissenschaft nur an den P. Maestro Martini
in Bologna, auch an den Hrn. Hasse nach Venedig
wenden möchten, tim dieser Herren Urtheil von Dir
zu hören, und findest Du es nothwendig, so will ich
Dir die zwey Diplomata schicken, wo Du schon im
vierzehnten Jahre Deines Alters als Maestro di Ca-
peila der Akademieen zu Bologna und Verona er-
klärt bist.
Nachschrift. Ich schicke Dir hier die zwey
Diplomata und die Attestation des P.Martini; mache,
<lass es der Churfiirst zu lesen bekommt, auch Graf
Seau muss es lesen und den Churfursten lesen lassen.
Das macht grosses Aufsehen, dass Du schon vor sie-
ben Jahren Maestro di Capella von den Akademieen
geworden.
Der Sohn an den Vater.
München, den 29.,S«ptbt. 1777.
— Ich war heute beym* Fürsten Zeil,
und der hat mir Folgendes mit aller Höflichkeit ge-
sagt: „Ich glaube, hier werden wir nicht viel aus-
richten. Ich habe bey der Tafel zu Nymphenburg
heimlich mit dem Churfursten gesprochen. Er sagte
mir: jetzt ist es noch zu früh, er soll gehen, nach
Italien reisen, sich berühmt machen. Ich versag©
ihm Nichts, aber jetzt ist es noch zu früh." Da
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haben wir's! Die meisten grossen Herren haben ei*
nen so entsetzlichen Welschlands -Paroxismus. — %
Der Bischof Ton Chiemsee sprach auch ganz
allein mit der Churfiirstin. Dieso schupfto die Ach-
seln und sagte: sie wird ihr Möglichstes thun, allein
sie zweifelt sehr. Graf Seau fragte den Fürsten
Zeil, welcher ihm Alles erzählt hatte i „Wissen Sie
nicht, hat denn der Mozart nicht so viel vom Hause,
dass er mit ein wenig Beyhülfe hier bleiben könnte ?
Ich hätte Lust ihn zu behalten." Der Bischof gab
ihm zur Antwort: „Ich weiss es nicht; aber ich
zweifle sehr. Doch dürfen Sie ihn ja nur
sprechen." Diess war also die Ursache,
folgenden Tag so gedankenvoll war» Hier bin ich
gern, und ich bin der Meynung, wie Viele meiner
guten Freunde, dass, Wenn ich nur ein Jahr oder
zwey hier bliebe, ich mir durch meine Arbeit Ver-
dienst und Meriten machen könnte, und folglich eilen-
der vom Hofe gesucht würde, als suchen sollte. —
Heute, als den dOsten, ging ich nach Abrede
mit Wotschika um neun Uhr nach Hofe. Da war
Alles in Jagd- Uniform. — — — — Als der Chur-
furst an mich kam, so sagte ich: „Ew. Churfürstl.
Durchlaucht erlauben, dass ich mich unterthänigst
zu Füssen legen und meine Dienste antragen darf. —
Der Churfürst antwprtete mehrmals:' „Ja* mein
liebes Kind, es ist keine Vacatur vorhanden!" ~-
Hr. Wotschika rieth mir, ich sollte mich öfters
beym Chi
mm
fr
Der Vater an den Sohn.
Ich habe mir von München keine günstige Vor*-
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3C4
Stellung gemacht; der (Kurfürst ist gebunden, ohne
Vacatur Niemanden aufzunehmen, und zu allem
dem hat man immer heimliche Feinde, die es aus
Angst verhindern. — *
Kann diese Sache jetzt nicht in Gang gebracht
werden, so kann Hr. Albert und andere unserer gu-
ten Freunde dieses Werk in Gang zu bringen trach-
ten; Ihr könnt aber Eure Reise fortsetzen und von
Hrn. Albert Briefe erwarten. Der Paroxismus für
die Italiener geht eben nicht, mehr gar weit, und
schliesst sich fast mit München. Das ist der über-
triebene Paroxismus! Denn in Manheim ist schon
Alles deutsch, nur ein paar Castraten ausgenommen.
In Trier bey Sr. Königl. Hoheit dem Churfürsten
Prinz Clemens von Sachsen ist nur der Mro- Sales,
das Uebrige ist deutsch; in Maynz ist Alles deutsch;
in Würsburg nur der Sgr. Fracassini, ein Violinist,
nnd jetzt, glaub' ich, Concertmeister oder gar Ka-
pellmeister, und das wegen seiner deutschen Frau,
einer Sängerin und Würzburgerin. Bey allen klei-
neren protestantischen Fürsten sind gar keine Wel-
sche. Ich schreibe dieses in Eüe, Herr Lptter will
es mitnehmen. Ich schliesse hier die Choraltöne bey,
die Dir vielleicht da oder dort nützlich und viel-
leicht gar nothwendig seyn können; man muss Alles
wissen.
Jetzt war ich beym Obersthofmeister, der wird
dieser Tage eigens zu mir kommen, dass icli ihm
Alles von Grund aus erzähle und lese, da bey ihm
keine Ruhe und immer Jemand sich melden lässt,
oder seine Gräun hinein lauft. Er liebt Dicli von
Herzen, und ehe er die Historie erfahren, hatte er
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305
vier Pferde gekauft, und sich auf Dem Vergnügen
gefreuet, welches Du haben "wirst, wenn er mit vier
Reitpferden kommt. Da er nun die Sache erfahren,
war sein Verdruss unaussprechlich. Da er dem Erz-
bischof seine Aufwartung machte, sagte solcher zu
ihm: „Nun Iwben wir eine Person weniger bey der
Musik." Er antwortete ihm : Ew. Hochfurstl. Gna-
den Itaben einen grossen Virtuosen verloren. —
„Warum?" — Er ist der grb'sste Ciavier spieler,
den iclb in meinem Lehen gehört. Bey der Violine
hat er Ew* HochfürstL Gnaden gute Dienste ge-
tJian, und war ein recht guter Componist. Der
Erzbischof schwieg still und konnte kein .Wort dar-
auf sagen. ' ::
• • •
Der Solin an den Vater* :
München, den a. Octbr* 1777.
«—*—■*- — Beym Grafen Salern spielte ich die
drey Tage hindurch viele Sachen von Kopf, dann
die zwey Cassationen ftir die Gräfin, und die Final-
Musik, mit dem Rondo auf . die letzt auswendig. Sie
können sich nicht einhÜden, was der Graf Salern
lur eine Freude hatte r* er versteht doch die Musik,
denn er sagte allezeit Bravo, wo andere Cavaliers
eine Prise Tabak nehmen — sich sehnenden, räus-
pern — - — oder einen Discours anfangen.
Ich sagte ihm, ich wünschte nur, dass der Churfurst
da wäre, so könne er rdoab was hören er Weiss
nichts von mir, er weiss nicht, was ich kann. Ich
lasse es auf eine Probe ankommen 5 er soll alle
Componisteh von München herkommen lassen, er
kann auch einige von Italien und Frankreich, Deutsch-
20 ,
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land, England und Spanien versehreiben. Ich traue
mir mit einem Jeden zu schreiben. Ich erzahlte ihm,
was in Italien mit mir vorgegangen ist } ich bat ihn,
wenn ein Discours von mir. Ware, diese Sachen an-
zubringen. Er sagte: >9Ich bin der Wenigste y aber
was bey mir steht, von ganzem Herzen/* Er ist
halt auch der Meinung dass , wenn ich unterdessen
so hier bleiben könnte , die Sache hernach von sich
selbst ginge. Für mich allein wäre ertlich t unmög-
lich, mich durchzubringen 5 denn vom Grafen Seau
wollte ich wenigstens 300 iL bekommen, und für das
Essen dürfte ich nicht sorgen 5 • denn ich wäre immer
eingeladen, und wenn nicht, so machte sich Albert
eine Freude, mich bey sich zu Tische zu haben, fch
esse wenig, trinke Wasser und zuletzt zum Obst ein
Gläschen Wein. Ich wurde 'mit Graf Seau den Con-
tract so machen (Alles auf Einrathen meiner guten
Freunde), alte Jahre 4 teutsche Opern, -theäs buffe,
theils serie zm liefern. Ich hätte dann von einer
jeden eine Sera oder Einnahme für mich*, welche*
schon so gebräuchlich ist, und dieses wurde mir al-
lein weüigdteus '500 fl. tragen, -welches mit meinem
Gehalte achofe 600 h\ wäre, wo nicht m ehr f denn
der Reißer , , Schauspieler und S än gter , riahmi in 1 «ei-
ner Sera 200 <L ein, und ich bin hier sehr &olieht$
und wie würde ich erst beliebt werden,— wenn ich
der deutschest Nationalbühne in der Musik empor-
helfen würde? ~ Und daa w^irde durch mich gewiss
geschehen; dehn ich war schon voll Begierde, zu
schreiben, als ich das deutsche Singspiel' hörte. Die
erste Sängerin, von hier gebürtig, mit Namen Kei-
serin, ist eine Kochstochter von einem hiesigen Gra-
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,307 „
fen, ein sejir angenehmes Mädel auf dem Theater:
in der Nähe sah ich sie hoch niemals. Wie ich sie
hörte, war es erst das dritte Mal, dass sie* agirte.
Sie hat eine Schone Stimme ,~nicht stark, doch auch
nicht schwach, sehr rein und gute Intonation. Ihr
Lehrmeister ist Valesi, und aus ihrem Sjngen erkennt
man, dass ihr Meister sowohl das Singen, als das
Singenlehren Versteht. Wenn sie ein paar Tacte
aushalt, so habe ich mich sehr verwundert, wie
schön sie das Crescendo und Decrescendo macht.
Den Triller schlägt sie nödi langsam, und das freut
mich recht, denn er wird nur desto reiner und kla-
rer, wenn sie ihn einmal geschwinder machen will.
Oeschwind ist er ohnehin leichter. Die Leute haben
hier eine rechte Freude mit ihr — — und ich mit
ihnen. Meine Mama war im Parterre 5 sie ging schon
um halb 5 Uhr hinein, um Rät» m bekommen; ich
ging aber erst um halb 7 Uhr, denn ich kann über-
all in die Logen gehen, weil ich bekannt genug bin.
Ich war in der Loge vom Hause Branca. Ich be-
trachtete die Keiserin mit meinem Fernglase, und
sie lockte mir öfters eine Zähre ab 5 ich sagte oft
Brava, bravissimo,*, denn ieh dachte mir, dass sie
erst das dritte Mal auf dem Theater ist. Das Stück
Hess das Fischermädchen, eine nach der Musik des
riccini sehr gute Uebersetzung.- Orlgiti&lstücke haben
sie noch nicht. Eine deutsche öpefa serin möchten
sie auch bald geben — — und man wünschte, dass
ich sie conrpomrte. Der schon genannte Professor
Huber ist auch von den wünschenden Personen. —
Baron Rumling machte mir neulich das Com-
pliment : „ Spectakel sind meine Freude : gute Acteurs
20*
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/
«
308
und Actrices, gute Säuger und Sängerinnen, und
dann einen so braven Componisten dazu, wie Sie."
— Das ist freylich nur geredet und re-
den lässt sich viel — — j doch hat er niemals mit
mir so geredet, — . ,
Heute früh um acht XJhv war ich beym Grafen
Seau; ich machte es ganz kurz und sagte nur: „Ich
bin nur da, Ew. Excellcnz mich und meine Sache
recht zu erklären. Es. ist mir der Vorwurf gemacht
worden, ich sollte nach Italien reisen. Ich war 16
Monate, in Italien, habe^ drey Opern geschrieben, das
ist genug bekannt. Was Weiter vorgegangen , wer-
den Ew. Exsellenz au* diese» P*pie*fön sehen." Ich
zeigte ihm die ^ Diplomata mit den Worten: „Ich
zeige und sage Ew. Excellenz dieses Alles nur, da-
mit, wenn eine Rede von mir ist, und mir etwa
Unrecht gethan würde, sich Ew. Excellenz mit
Grund meiner annehmen können. " Er fragte mich,
ob ich jetzt nach Frankreich ginge? Ich sagte,' ich.,
würde noch in Deutscliland bleiben. Er verstand
aber in München, und sagte, vor Freude lachend:
„So! hier bleiben Sie noch?" Ich sagte: „Nein,
ich wäre gern geblieben* und die Wahrheit zu ge^
stehen, hätte ich nur desswegen gern vom Churfiir-r«
sten Etwas gehabt, damit iph Ew. Excellenz hernach,
hätte nur mit meiner Composition bedienen können,
und zwar ohne alles Interesse. Ich hätte mir ein
Vergnügen daraus gemacht." Bey diesen Worten
rückte er gar seine Schlafhaube. — — —
Der Vater an den Sohn.
Salzburg, den 6. October 1777.
— Dass Du allein in München leben könntest, ^
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hat seine Richtigkeit: allein was würde Dir dieses
für eine Ehre machen? wie würde der Erzbischof
darüber spotten? Das kannst Du aller Orten, nicht
nur in München. Man muss eich nicht so hlein
machen, und nicht so hinwerfen. Dazu ist gewiss
noch keine Noth.
. . .1
Der Sohn an den Vaters
Augabur^, den i4. October 1777^
Wir sind den Uten d. M. Mittags 12 Uhr von
München abgereis't, und Abends um 9 Uhr glücklich
hier angelangt, und wir werden, glaube ich, künf-
tigen JYeytag, als übermorgen, wieder wegreisen.
Denn hören Sie nur, wie schön generös die Heyren
Augsburger sind! Ich bin noch in keinem Orte mit
so vielen Ehrenbezeugungen überhäuft worden, wie
hier. Mein erster Gang war zum Hrn. Stadtpfleger . . . ;
mein Hr. Vetter, der ein rechter braver, lieber
Mann und ein ehrlicher Bürger ist, hat mich, l|in
hegleitet, und hatte die Ehre, oben im Vorhause
wie ein Laquais zu warten, bis ich von dem Erz-
stadtpfleger heraus kommen würde. Ich ermangelte
nicht, gleich anfangs die untertänigste Empfehlung
vom Papa auszurichten. Er erinnerte sich allergna-
digst auf Alles , und fragte mich : „ Wie ist's dem
Herrn immer gegangen?" Ich sagte gleich darauf:
„Gott Lob und Dank, recht gut, und Ihnen, hoffe
ich, wird es auch ganz gut gegangen seyn?« — ■
Er wurde hernach höflicher und sagte „Sie," und
ich sagte Euer Gnaden, wie ich es gleich vom An-
fange gethan hatte. Er gab nicht nach, ich musste
mit ihm hinauf zu seinem Schwiegersohn (im zwey-
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ten Stock) , und mein Hr. Vetter hatte die Ehre*
unterdessen über eine Stiege im Vorhause ziv war-
ten« Ich musste mich, zurückhalten mit aller Gewalt,
sonst hätte ich mit der grössten Höflichkeit Etwas
gesagt. . Ich hatte oben die Ehre , in Gegenwart des
m
gen jungen Frau, und der einfaltigen alten Frau so
beyläuGg drey Viertelstunden auf einem guten Cla-
vicord von Stein zu spielen. Ich spielte Phantasieen
und endlich Alles, was er hatte, prima vista, unter
andern sehr hübsche Stücke von einem gewissen
Edelmann. Da war Alles in der grössten Höflich-
keit, und ich war auch sehr höflich; denn meine
Gewohnheit ist, mit den Leuten so zu seyn, wie sie
sind, so kömmt man am Besten hinaus. Ich sagte,
dass ich nach dem Essen zum Stein neben würde«
Der junge Herr trug sich also gleich selbst an , mich
lünzuführen. Ich dankte ihm für seine Güte, und
versprach Nachmittags zwey Uhr zu kommen. Ich
kam, und wir gingen mit einander in Gesellschaft
seines Hrn. Schwagers, der einem völligen Studenten
gleich sieht. Obwohl ich gebeten hatte, still zu hal-
ten, wer ich sey, so war Hr. von Langenmantel
doch so unvorsichtig, und sagte zum Hrn. Stein:
»Hier luibe ich die Ehre einen Virtuosen auf dem
Ciavier e aufzuführen," und schmutzte dazu. Ich
protestirte gleich und sagte, ich wäre nur ein un-
würdiger Schüler von Hrn. Sigl aus München, von
dem ich viele tausend Camplimente ausgerichtet habe.
Er sagte Nein mit dem Kopfe — und endlich —
„sollte ich woM die Ehre liaben, den Hm* Mozart
vor mir zu luiben?" — O nein, sprach ich, ich
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v
I
nenne mich Trazom , ich habe auch hier einen Brief
an Sie. Er nahm den Brief und wollte ihn gleich
erbrechen. Ich Hess ihn aber nicht Zeit, und sagte:
JVae wollen Sie denn jetzt da den Brief lesen?
machen Sie dafür auf, dass wir in den Saal hinein
können, ich bin so begierig, Ihre Piano fortes zu
sehen, — — „Nun, meinetwegen, es sey, wie es
wolle; ich glaube aber, ich betrüge mich nicht."
Er machte auf. Ich lief gleich zu einem von den
drey Ciavieren, die im Zimmer standen. Ich spielte;
er konnte kaum den Brief aufmachen, vor Begierde
überwiesen zu seynj er las nur die Unterschrift. O,
schrie er und umarmte mich und war sehr erfreut.
Wegen 6einen Ciavieren werde ich uaebgehends
s Drechen* *~
Der Sohn an den Vater.
Augsburg, deu 17. Octbr. 1777.
Nun muss ich gleich bey den Steinischen Piano-
von Stein seiner Ar-
beit etwas gesehen habe, waren mir die Spättischen
Claviere die lieosteii, nun aber muss ich den Steini-
sehen den Vorzug lassen; denn sie dämpfen noch
viel besser, als die Regensburger. Wenn ich stark
anschlage,* ich mag den Finger liegen lassen oder
aufheben, so ist halt der Ton im Augenblicke vor-
bey, da ich ihn hören liess. Ich mag auf die Cla-
ves kommen, wie ich will, so wird der Tou immer
gleich seyn, er wird nicht scheppern, er wird nicht
schwächer, nicht stärker gehen, oder gar ausblei-
ben; mit einem Worte, es ist Alles gleich. Es ist
wahr, er giebt so ein Pianoforte nicht unter 300 fl;
*
»
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Sil
aber seine Mühe und Fleiss, die; er anwendet, ist
nicht zu bezahlen. Seine Instrumente haben beson-
ders das vor andern eigen, dass sie mit Auflösung
gemacht sind, womit sich der Hundertste nicht ab-
gießt } aber ohne Auflösung ist es halt nicht möglich,
dass ein Pianoforte nicht schä'ppere oder nachklinge.
Seine Hämmer, wenn man die Claves anspielt, fallen
in dem Augenblicke, da sie an die Saiten hinauf-
springen, weder herab, man mag den Clavis liegen
lassen, oder auslassen. Wenn er ein solch Ciavier
fertig hat, (wie er mir selbst sagt) so setzt er sich
erst hin, und probirt allerley Passagen, Läufe und
- Sprünge, und schabt und arbeitet so lange, bis das
Ciavier Alles tbut$ denn er arbeitet nur zum Nutzen
der Musik, und nicht seines Nutzens wegen allein,
sonst würde er gleich fertig seyn. Er sagt oft:
„Wenn ich nicht selbst ein so passionirter Lieblia-
her der Musik wäre, und nicht etwas Weniges
auf dem Ciapiere konnte, so hätte ich gewiss längst
schon die Geduld bey meiner Arbeit verloren : allein
ich bin halt ein JLieblwher von Instrumenten, die
den Spieler nicht ansetzen, und dauerliaft sind.«
Seine Claviere sind auch wirklich von Dauer. Er
steht gut dafür, dass der Resonanzboden nicht springt
und nicht bricht. Wenn er einen Resonanzboden
«n einem Claviere fertig hat, so stellt er ihn in die
Luft, Regen, Schnee, Sonnenhitze und allen Teufel,
damit er zerspringt, und dann legt er Späne ein und
leimt sie hinein, damit er stark und recht fest wird.
Er ist völlig froh, wenn er springt; man ist halt
hernach versichert, dass ihm nichts mehr geschieht.
Er schneidet gar oft selbst hinein, und leimt ihn
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wieder zu, und befestigt ihn rechL Er hat drey
solche Pianoforte fertig und ich habe erst heute
wieder darauf gespielt. — Die Maschine, wo
man mit dem Knie drückt, ist auch bey ihm besser
gemacht, als bey den Andern. Ich darf es kaum
anrühren, so geht es schon; und sobald man das
Knie nur ein wenig wegthut, so hört man nicht den
mindesten Nachklang. Nun, morgen komme ich
vielleicht auf seine Orgel — d. h. ich komme da-
rüber zu schreiben. Als ich Hrn. Stein sagte, ich
möchte gern auf seiner Orgel spielen, denn die Orgel
sey meine Passion; so verwunderte er sich gross,
und sagte: „Was, ein solcher Mann wie Sie, ein
solclier Ciavierist, will auf einem Instrumente spie-
. len, wo leine Douceur, leine Expression, kein Piano
noch Forte statt findet, sondern immer gleich fort-
gehet?" — Das hat Alles nichts zu bedeuten. Die
Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren der
König aller Instrumente. Nun, meinetwegen. Wir
gingen nun mit einander. Ich merkte schon aus
«einem Discours, dass er glaubte, ich würde nicht
viel auf seiner Orgel machen $ ich würde blo* völlig
Claviermässig spielen. Er erzählte mir, er hätte
auch Chobert auf sein Verlangen auf die Orgel ge-
fuhrt, und es war mir sei von bange (sagte er), denn
Chobert sagte es allen Leuten, und die Kirclie war
ziemlich voll; denn ich glaubte halt, der Mensch
tvird voll Geist, Feuer und Geschwindigkeit seyn,
und das nimmt sich nicht aus auf der Orgel, aber
tvie er anfing, war ich gleich anderer Meynung.
Ich sagte nichts als: Was glauben Sie, Hr. Stein,
werde ich herumlaufen auf der Orgel? Ach
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314
Sie! das ist ganz was Anderes. Wir kamen auf den
Chor, ich fing zu präludiren an, da lachte er schon;
dann eine Fuge. „Das glaube ich, sagte er, dass
Sie gern Orgel spielen, wenn man so spielt.
Anfangs war mir das Pedal etwas fremd, weil
es nicht gebrochen war. Es fing C an, dann D, E
oben, wie hier Es und Fis* Ich kam aber gleich
drein« Ich war auch zu St, Ulrich auf der alten
Orgel. Die Stiege ist was Abscheuliches, Ich bat,
es möchte mir auch wer darauf spielen, denn ich
möchte hinabgehen und zuhören 5 denn oben macht
die Orgel gar keinen Effect« Ich nahm aber nichts
aus, denn der junge Regens CJu>ri9 ein, Geistlicher,
machte Läufe auf der Orgel herum , dass man nichts
verstand, und wenn er Harmonieen machen wollte,
w t^r c 11 ^RH l^mt^^l 1 ) i <i> 1 1 1 1 n n i ^ u y n 1 1 t^<s
nicht recht. — — —
Der Vater an seine Frau.
Salzburg, den a3. Octbr. 1777.
— Diesen Augenblick schickt mir Herr Hage-
nauer das Intelligenzblatt, und in eben der Minute
die Frau von Ehrlichs die Zeitung, weil in Bcyden
das Concert angekündigt ist. Es ist gut, dass zwey
Einlagsplätze sind. Die Ankündigung ist sehr gut
gemacht. Ihr werdet also das Concert a 3. Clavecius
spielen? — — —
Der Vater an den Sohn.
Vom nämlichen Datum.
Ich soll Dir zu Deinem Namenstage Glück wün-
schen! Aber was kann ich Dir jetzt wünschen, was
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ich Dir nicht immer wünsche? Ich wünsche
Dir 'die Gnade Gottes, die Dich aller Orten begleite,
die Dich niemals verlassen wolle, und niemals ver-
lassen wird, wenn Du die Schuldigkeit eines wahren
katholischen Christen auszuüben beflissen bist. Du
kennst mich. — Ich bin kein Pedant, kein Betbru-
der, noch weniger ein Scheinheiliger 5 allein Deinem
Vater wirst Du wohl eine Bitte nicht abschlagen«
Diese ist, dass Du für Deine Seele so besorgt seyn
wollest, dass Du Deinem Vater keine Beängstigung
in seiner Todesstunde verursachst, damit er in jenem
schweren Augenblicke sich keinen Vorwurf machen
darf, als hätte er an der Sorge für Dein Seelenheil
etwas vernachlässigt. Lebe wohl! Lebe glücklich!
Lebe vernünftig! Ehre und schätze Deine Mutter,
die in ihrem Alter nun viele Mühe hat. Liebe mich,
wie ich Dich liebe als Dein wahrhaft sorgfältiger
v Vater
Leopold Mozart.
Der Sohn an den Vater.
Augsburg, den a4. Octbr. 1777,
Gestern, Mittwoch den 23sten ist meine Akade-
mie in Seena gegangen. Graf Wolfegg war fleissig
dabey und brachte etliche Stiftsdamen mit. Ich war
schon gleich die ersten Tage in seinem Logement,
um ihm aufzuwarten; er war aber nicht hier. Vor
etlichen Tagen ist er angelangt, und da er erfahren,
dass ich hier bin, so erwartete er nicht, dass ich zu
ihm kam, sondern, da ich gerade Hut und Degen
nahm, um ihn meine Visite zu machen, trat er eben
zur Thüre herein. Nun muss ich eine Beschreibung
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von den vergangenen Tagen machen, ehe ich zum
Concert komme« Vergangenen Samstag war ich zu
St. Ulrich 5 etliche Tage zuvor im Kloster heil. Kreuz
einige Male, wo ich auch vergangenen Sonntag, den
19ten d. M. speiste, und unter Tafel wurde Musik
gemacht. So schlecht als sie geigen, ist mir die
Musik in dem Kloster doch lieber als das Orchester
von Augsburg. Ich machte eine Symphonie, und
spielte auf der Violine das Concert B dur von Wan-
hall mit allgemeinem Applaus. Der Hr. Dechant
/ ist ein braver lustiger Mann; er ist ein Vetter von
Eberlin, heisst Zeschinger, und kennt den Papa ganz
gut. Auf die Nacht beym Souper spielte ich das
Ikrasburger Violin- Concert. Es ging wie Oehl. Alles
lobte den schönen reinen Ton. Hernach brachte
man ein kleines Clavicord. Ich präludirte und spielte
eine Sonate und Variationen von Fischer. Dann
flüsterten die übrigen dem Hrn. Dechant ins Ohr,
er sollte mich erst orgelmässig spielen hören. Ich
sagte, er möchte mir ein Thema geben, und da er
nicht wollte, gab mir einer aus den Geistlichen Ei-
nes an. Ich führte es spaziren und mitten darin
(die Fuge gieng exG minor) fing ich major an, und
ganz etwas Scherzhaftes, aber im nämlichen Tempo,
dann endlich wieder das Thema, aber umgekehrt;
endlich fiel mir ein, ob ich das scherzhafte Wesen
% nicht auch zum Thema der Fuge brauchen könnte?
— — Ich fragte nicht lange, sondern machte es
gleich, und es ging so accurat, als wenn es ihm der
Vaser angemessen hätte. Der Hr. Dechant war ganz
ausser sich vor Freude. „Das ist vorbey , da nützt
nichts (sagte er), das habe ich nicht geglaubt, was
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Bi7
ich da gehört habe, Sie sind ein ganzer Mann. Mir
hat freilich mein Prälat gesägt, dass er sein Lebe-,
tag Niemand so bündig und ernsthaft die Orgel
liabe spielen Iwren." Denn der Hr. Prälat bat mich
einige Tage verlier gehört, der Dechant aber war
nicht hier. Endlich brachte Einer eine Sonate her,
die fugirt war, und ich sollte sie spielen. Ich jagte
aber: Meine Herren, das ist zu viejj das jnuss ich
gestehen, die Senate werde ich nicht gleich so spie*
len können. „Ja, das glaube ich auch (sprach der
Dechant mit violem Eifer, denn, ei* war ganz für.
mich), das ist zu viel, da giebfs keinen, dem das
möglich wäre." Uebrigens aber, sagte ich, will ich
es doch probiren. Da hörte ich aber immer hinter
mir den Dechant ausrufen: O Du Erzschuftü O
Du Spitzbube! — — — Ich spielte bis H Uhr«,
Ich wurde mit fester JH^enlJbema's bombardirt, so,
auch neulieb beym Stein mit, meiner Sonate von;,
BoCCfae; *r- -Tr . . eil ; ; •» f. ?' ' " I ..Li;: ;
. .Apropos, wegen Herrn Steins seinem . Mitdel. ;
Wer sie spielen sieht und hört, und nicht lache»
muss, der musa von Stein wie ihr Vater seyn> ! Es
wird völlig gegen den Discant hinauf gesessen, trad;
nicht in der Mitte, damit man mehr Gelegenheit hat,
sich zu bewegen und Grimassen zu machen. . Die
Augen werden verdreht, es wird geschmutzt; rweun
eine Sache zwey Mal kömmt, so wu?d\ sie dassweyte
Mal langsamer gespielt 5 kommt selbe drey Mal, wie- •
d«r langsamer. Der Arm muss in aller Höhe, wenn'
man eine I'assage maclit , und w ie dxe JPassago mar*
kirt wird, so muss es der Arm, nicht die Finger,
und das recht mit allem Fleisse schwer* und unge-
■
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schickt thun. Das Schönste aber ist, dass, wenn in
einer Passage, welche fortfliessen soll wie Oel, noth-* .
wendiger Weise die Finger gewechselt werden müs-
sen, so braucht's nicht viel Achtung zu geben, soli-
dem wenn es Zeit ist, so lässt man Aus, hebt die
Hand auf und fangt ganz commode wieder an, wo-
durch man auch eher" Hoffnung hat, einen falschen
Ton zu erwischen, und das macht oft einen curiosen
Effect. Ich Ächreibe dieses nur, um dem Papa einen
Begriff vom Ciavierspielen und Instinüren Zu geben,
damit der Papa seiner Zeit einen Nutzen daraus zie-i
hen kann, \ ! • " "
Herr Stein ist völlig in seine Töchter vernarrt.
Sie ist 8i Jahre alt; sie lernt nur- noch Alles aus-
wendig. Sie kann werden, sie hat Genie; aber auf
diese Art wird sie nichts, sie wird niemals viel Ge-
schwindigkeit bekommen, weil sie sich völlig befleisst,
die Hand schwer zu machen. Sie. wird das Noth-
wendigste und Härteste und die Hauptsache in der
Musik niemals bekommen , nämlich da» Tempo , weil
sie sich von Jugend auf völlig beflissen hat, nicht
auf den Tact zu spielen. Herr Stein tmd ich Jiaben
gewiss zwey Stunden mit einander über diesen Pünct'
gesprochen. Ich habe ihn aber schon ziemlich be~*
kehrt. Er fragt mich jetzt in Allem um Rath. Er
war in den Becohe völlig vernarrt. *fcm sieht und
hört er, dass ich mehr spiele als Becche, da s ich
kein* Grimassen mache und doch so expressive spiele,
dass noch Keiner,' nach seinem Bekenntnisse, seine
Pianoforte so gut zu träotiren gewusst hat, dass ich
immer accurat im Tacte bleibe* üeber das verwun-
dern sich Alle. Das tempo rubato in einem Adagio,
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I
319
dass die linke Hand nichts darum weiss, können sie
gar nicht begreifen; denn bey ihnen giebt die linke
Hand nach. Graf Wolfegg und mehrere, die ganz
passionirt für Becch6 sind, sagten neulich öffentlich
im Certcerte , dass* ich den Becchö in Sack schiebe.
Graf Wölfegg Her immer im Saal herum und sagte;
„so habe ich mein LeVeiag nichts gehört« Er sagte
tu mir* ,Jch muss Ihnen sagen, dass idh Sie nie-
mals-so spielen gelih'rt , wie heute; ich ivetde es
auch Thtem Vater sagen, so bald ich nach Salz-
burg hörhme.« ' : ' 1 ' ' '
Was meynt der Papa, was das erste war nach
der Symphonie? — Das Cfoncert auf drey Ciavieren.
Hr* Debitier spielte da* erste, ich das zweyte, und
Herr Stein das dritte. Dann spielte ich allein die
letzte Sonate ex D für die Dürnitz, dann mein Con*-
cert ex B, dann Wieder allein1 ganz regelmässig eine
Fuge C minor, und auf einmal eine* prachtige Sortate
ex C major so aus flem'Kopfe mit eirfem Rondo am
Ende. Es Vrtir ein rechtes ^Getösts* und Lärmen. Hr..
Stein- machte nichts als Gesichter und Grimassen für
Bewunderung; Hr. Demier musste beständig lachen.
Dieser ist ein so cürioser Mensch , dass, wenn ihm
Etwas* sehr gefallt, so muss er ganz entsetzlich lachen.'
Bey mir fing er gar zu fluchen an. — — — — ,K'1
, 1)as Concert hat 90 fl. getragen j ohne Abzug
der Unkosten* Wir haben also nun mit den 2 Du-
catett auf der Stube 100 fl. eingenommen. Die Un-
kosten vom Concerte haben nicht mehr als 16 fl. 30 Xr.
gemacht. Den Saal hatte ich frey* und von der Mur' ,
sik, glaube ich, werden halt Viele umsonst gegan-
gen sey*. ~ ;, : ' • •
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320
Ich küsse dem Papa die Hand und danke gehor-
samst für den Glückwunsch zu meinem Namenstage«
Lebe der Papa unbesorgt 5 ich habe Gott immer vor
Augen , ich erkenne seine Allmacht, ich furchte sei-
nen Zorn$ ich erkenne aber auch seine Liebe, sein
1 Mitleiden und seine Barmherzigkeit gegen seine Ge-
schöpfe j er wird seine Diener niemals verlassen.
Wenn es nach seinem Willen geht, so geht es auch
nach meinem; mithin kann es nicht fehlen — ich
muss glücklich und zufrieden seyn. Ich werde auch
ganz gewiss mich bcfleissigen, Ihrem Befehle und
Rathe, den Sie mir zu geben die Güte hatten, auf
das Genaueste nachzuleben.
Den 26sten, als Uebermorgen, reisen wir schnür*
gerade nach Wallerstein.
■ .
Sohn und Mutter reis'ten also den 26sten Octbr.
1777 von Augsburg weg über Donauwörth, Nörd-
'l in gen bis Hochenaltheim , wo sich der Fürst von
Wallerstein aufhielt. Dort verweilten sie , ein paar
Tage, und reis'ten dann weiter bis Manheim, wo
sie den 30stcn October anlangten.
Den Tag darauf schrieb der ,Sohn dem Vater
und meldete ihm ihre glückliche Ankunft, wo er
unter andern Folgendes schreibt: . .,
— ■
„Heute bin ich mit Hrn. Danner bey M. Can-
nabich gewesen. Er war ungemein höflich. Ich
spielte ihm Etwas auf seinem Pianoforte, welches
sehr gut ist, und wir gingen nachher mit einander
in die Probe. Ich habe geglaubt, mich des Rachens
nicht enthalten zu können, als man mich den Leu-
ten vorgestellt hat. Einige , cKe mich par Reno7nmie
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3ai
gekannt haben, waren sehr höflich und voll Ach-
tung; Einige aber, die weiter nichts von mir wissen,
haben mich gross angesehen, aber auch so gewiss
lächerlich, Sie denken sich halt, weil ich klein und
jung bin, so kann nichts Grosses und Altes hinter
mir stecken 5 si# werden es aber bald erfahren/j —
Der Sohn hielt sich mit seiner Mutter vom 3östen
October £777 bis i4ten März 1778 in Manheim auf.
Ueber diesen Aufenthalt geben uns des Vaters und
Sohnes Briefe folgende Nachrichten : ,
• .,*. » • t \m . .
• • i!, |i t Ii **• • ■ t »
... Manheita, M 4, Novbr. 1777,
Diess ist der zweyte Brief, den ich von Man-
heim aus schreibe. Ich bin alle Tage bey Carnia-
bichj heute ist auch meine Mama mit mir hingegan-
gen« Er ist ganz ein anderer Mann, als er vorher
war, welches auch das ganze Orchester sagt. Er ist
sehr für mich eingenommen* Er hat eine Tochter-
die ganz artig Ciavier spielt, und damit ich ihn mir
recht zum Freunde mache, so arbeite ich letfct /m
einer Sonate für seine Mselle. Tochter. Ich habe,
wie ich das toste Allegro und Andante geendigt
hatte, selbe hingebracht und gespielt. Der Papa kann
sich nicht vorstellen, was die Sonata für -einen T y-
fall hat. Es waren Einige von der Musik gerade
dort, als der jungö Danner, ein Waldhornist Lang
und der Hautboist Ramm, welcher recht gut blast
und einen hübschen feinen Ton hat« Ich habe ihm
ein Präsent mit ! demiOboe- Concert gemacht, wel-
ches im Zimmer bey Cannabich abgeschrieben wird.
Der Mensch ist närrisch vor Freude. Ich habe ihm
21
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s an
das Concert heute auf dem Pianofbrle bev Canna-
bich vorgespielt; und obwohl man wusste, das* es
von rnir ist, so gefiel es doch sehr. Kein Mensch
$ag$e; dass es nicht gut gesetzt sey;. weil es die
Leute hier nicht verstehen*) — — Sie sollen nur
den Erzbischof fragen , der wird sä gleich auf den
rechten Weg bringen*
• Heute habe ich aHe meine sechs Sonaten bevm
Cannabich gespielt. Hr. Kapellmeister Holzbauer
hat mich heute selbst zum Hrn. Intendanten Graf
Savioli geführt. Cannabich war just dort. Hr. Holz-
bauer sagte auf welsch zum Grafen, dass ich möchte
die Gnade haben, mich bey Sr. Churfürstl. Durch-
laucht hören zu lassen, indem ich schon vor fünfzehn
Jahren hier gewesen bim, als ich sieben Jahre alt
war; aber nun bin ich aller und grösser geworden,
und so auch in. der Musik. Ja so, sagte der Graf,
das ist der . Was weiss ich, für wen er michr
hielt, m nahm aber gleich der Cannabich das Wort.
Ich stellte mich, als wenn ich nichts hörte, und liess
mich mit Andern in Discours ein, merkte aber, dass
er mit einer ernsthaften Miene von mir sprach.
Der Graf sagte dann zu mir : Ich höre, dass Sie
so ganz passabel Ciavier spielen. Ich machte eine
Verbeugung. Nun muss ich von der hiesigen Mu-
sik reden. Ich war Samstag am Allerheiligen -Tage
in der Kapelle im Hochamte. Das Orchester, ist
sehr gut und stark, auf jeder Seite zehn bis eitf
Yiolinen, vier, Bratschen, zwey Oboen r zwey Fkud,
und zwey Clarinetti, zwey Comd, vier
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323
vier Fagotti, vier Contrabassi und Trompeten und
Pauken. Es lässt sich eine schöne Musik machen,
aber ich getrauete mir keine Messe von mir hier zu
produciren, Warum? — Wegen der Kürze? —
Nein , hier muss auch Alles kurz seyn. — Wegen
des Kirchenstyls? — Nichts weniger, sondern weil
man hier jetzt bey den dermaligen Umstanden haupt-
sächlich für die Instrumente schreiben muss, weil
man sich nichts Schlechteres denken kann, als die
hiesigen Vocalstimmen. Sechs Soprani, . sechs Alti,
sechs Tenori und sechs Bassi zu zwanzig Violini
und zwölf Bassi verhält sich just wie 0 zu 1» — » — •
Diess kommt daher, die Italiener sind hier jetzt mi-
seiciuci angcscjiricDeir« oie naueu nur zwey ^asiiuien
hier, und diese sind schon alt. Man lässt sie halt
absterben. Der Sopranist möchte schon auch lieber
den Alt singen, er kann nicht mehr hinauf. Die
etliche Buben, die sie haben, sind elendig, und die
Tenori und Bassi wie bey uns die Todtensänger*).
Der Hr. Vice -Kapellmeister Vogler, der neulich
das Amt machte, ist ein musikalischer Spaassmacher **),
ein Mensch, der sich recht viel einbildet und nicht
viel kann. Das ganze Orchester mag ihn nicht.
Heute aber, als Sonntag, habe ich eine Messe von
Holzbauer gehört, die schon 26 Jahre alt, aber recht
gut ist. Er schreibt sehr gut, einen guten Kirchen-
styl, einen guten Satz der Vocalstimmen und der
Instrumente, und gute Fugen. Zwey Organisten
haben sie hier, wo es der Mühe werth wäre, eigends
•) Welche bey Begräbnissen die Leiche begleiten. .
•*) D. h. zur selbigen Zeit.
21*
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324
nach Manheim zu reisen. Ich habe Gelegenheit ge-
habt, sie recht zu hören; denn hier ist es nicht üb-
lich, dass man ein Benedictas macht, sondern der
Organist muss dort allezeit spielen. Das erste ivial
habe ich den Zweyten gehört, und das andere Mal
den Ersten. Ich schätze aber nach meiner Meynung
den Zweyten noch mehr als den Ersten; denn wie
ich jenen gehört habe, so fragte ich, wer ist der,
welcher die Orgel schlägt? Unser zweyter Orga-
nist. Er schlägt miserabel. Wie ich den Andern
hörte, wer ist der? — Unser Erster. Der schlägt
noch miserabler. Ich glaube, wenn man sie zusam-
menstösse, so würde noch was Schlechteres heraus
konmen. Es ist zum Todtlachen, diese Herren zu
sehen. Der Zweyte ist bey der Orgel wie das Kind
beym Drecke; man sieht ihm seine Kunst schon im
Gesichte an. Der Erste hat doch Brillen auf. Ich
bin zur Orgel hingestanden, und habe ihm zugese-
hen, in der Absicht, ihm Etwas abzulernen. Er
hebt die Hände bey jeder Note in aller Höhe auf.
Was aber seine Force ist, ist, dass er sechsstimmig
spielt • meistens aber nuintenstimmic und oclavstim-
mig; er lässt auch oft für Spaass die rechte Hand
aus und spielt mit der linken ganz allein. Mit einem
Worte, er kann machen, was er will, er ist völlig
Herr über seine Orgel.
Mutter und Sohn an den Vater.
Manheim, den 8. Novbr. 1777.
— — letzt sind die Gallatage vorbey. Den er-
sten Tag, als den 4ten, war um 11 Uhr das Hoch-
amt. Der Wolfgang hat nach dem Amte zu der
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325
. — v
Churfurstin gehen müssen, all wo ihn der Intendant
Graf Savioli aufgeführt hat. Sie hat sich noch* sei-
ner erinnert, als er vor Vierzehn Jahren hier gewe-
sen, hätte ihn aber nicht mehr gekannt. — — —
Den dritten Tag, als den 6ten,' watf grosse Aka-
demie, wobey der Wolfgang ein Concert, und vor
der Schluss- Symphonie aus dem Kopfe und eine
Sonate gespielt hat. Er hat von dem Churfürsten
und der Churfurstin , wie auch von Allen , so ihn
gehört haben, einen ungemeinen Beyfall erhalten.
Wir haben Beyde an dem Tage, wo die Aka-
demie war, bey Hrn. Cannabich gespeis't, und heute
hat mein Sohn allein bey ihm gespeis't, weil er
gleich nach Tische mit ihm zn den Churfürsten «ei-
nen KJndern gehet, wo er auch gestern war. Der
Churfiirst ist allezeit dabey gegenwärtig gewesen.
Es sind vier Kinder, und zwey daron spielen Cia-
vier. Der Churfiirst liebt seine Kinder über Alles,
und hat es dem Intendanten befohlen, dass man den
Wolfgang solle hinfuhren. Der Wolfgang wird noch
ein Mal bey der Churfurstin ganz allein spielen,
denn sie hat es ihm versprochen. Jetzt müssen wir
erwarten, bis sie es befiehlt, — •
Ich habe heute bey Hrn. Cannabich das Rondo
zur Sonate für seine Mselle. Tochter geschrieben,
folglich haben sie mich nicht mehr weggelassen. Der
Churfiirst, die Churfurstin und der ganze Hof ist
• mit mir sehr zufrieden. In der Akademie, alle zwey
Mal wie ich spielte, ging der Churfürst und die
Churfurstin völlig neben meiner zum Ciavier. Nach
der Akademie machte Cannabich, dass ich den Hof
sprechen konnte. Ich küsste dem Churfürsten die
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Hand, Er sagte: Es ist jetzt, glaube ich, fünfzehn
Jahre, das* Er nicht hier war? Ja, Ew. Durch-
laucht, fünfzehn Jahre, dass ich nicht die Gnade
cehabt habe — — Er svielt unvergleichlich. Die
Prinzessin, als ich ihr die Hand küsste, jagte zu
mir: Monsieur, je vous ossäre, on ne peut pas
iouer mieux. — m
Gestern war ich in dem Orte mit Cannabich,
wo die Jiama schon geschrieben hat. Da sprach ich
den Churfiirsten, wie meinen guten Freund« Er ist
ein recht gnädiger und guter Herr. Er sagte zu
mir: Ich habe gehört, Er hat zu München eine
Opera geschrieben? Ja, Ew. Durchlaucht! Ich em-
pfehle mich Ew. Durchlaucht zur höchsten Gnade,
mein ^rösster Wunsch wäre, hier eine Opera zu
schreiben. Ich bitte auch mich nicht ganz zu ver-
gessen. Ich kann, Gott Lob und Dank, auch deutsch,
und schmutzte. „Das hann leicht gescheiten" Er
hat einen Sohn und drey Töchter, die älteste und
der junge Graf spielen Ciavier. Der Chtirlurst fragte
mich ganz vertraut um Alles wegen seiner Kinder.
Ich redeto ganz aufrichtig, doch ohne den Meister
zu verachten. Cannabich war auch meiner Meynung.
Der Churfurst, als er ging, bedankte sich sehr höf-
lich bey mir,
Heute nach Tische gleich um zwey Uhr ging
ich mit Cannabich zum Flötisten Wendling, da war
Alles in der grössten Höflichkeit. Die Tochter spielt
recht hübsch Ciavier. Hernach habe ich gespielt.
Ich war heute in einer so vortrefflichen Laune , dass
ich es nicht beschreiben kann, denn ich habe nichts
als aus dem Kopfe gespielt, und drey Duelü mit
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g
Violine« die ich mein Lebetaac niemals gesehen und
dessen Auto* ich niemals- nennen gehört liabe. Sie
waren allerseits so zufrieden, (Jörns ich — die Frauen-
zimmer küssen musste. Bey der Tochter kam es
' mir gar nicht hart an; denn sie ist gar kein Hund.
Hernach gingen wir wiederum zu den Kindern des
Chuxförsten, da spielte ich recht von ganzem Her-
zen. Ich spielte drey Mal 5 der Churfiirst ..ersuchte
mich allezeit selbst darum, setzte sich allezeit neben
mir und blieb unbeweglich* Ich liess mir auch von
einem gewissen -Professor ein Thema zu einer Füge
geben und führte sie aus. "5 1
. ,» • ...... . . / *
y , r Der Sohn an deu Vater. ;.t . •
, . Manhoim,; den i3. Novbr. 1777.
, _ r- *~ Gestern liabe ich mit Gannäbich
zum Hm/ Intendanten Grafen Savioli gehen müssen,
um mein PüSsent abzuholen. Es war so, wie kh es
mir eingebüdet: nichts in Gelde, sondern eine «chö-
ne goldene Uhr« Mir wären aber 10 Carolin lieber
gewesen als die Uhr, welche man mit Ketten und
Devisen auf 20 Carolin schätzt; denn auf der Reise
braucht man Geld; Nun habe ich mit Dero Erlaub-
nis* 5 Uhren, und ich habe auch kräftig im Sinne,
mir an jeder Hosen noch ein Uhrtaschol machen zu
lassen, um, Wenn ich zu einem grossen Herrn kom-
me, : zwey Uhren zu trögen (wie es oluiehin jetzt
Mode ist), damit nur keinem mehr einfallt . mir eine
Uhr zu verehren. Ich «ehe a&i des Papa Schreiben,
dass Sie des Voglers Buch iiicht gelesen. Ich habe
es von Caunabich entliehen und jetzt gelesen"; Nun,
seine Historie ist ganz kurz. Er kam miserabel her,
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producirte sich auf dem Ciavier und machte ein Bal-
let Man hatte Mitleiden, und deu Churfiirst schickte
ihn nach Italien. Als der Churfürst nach Bologna
kam, fragte er <fen Pater ValMti wegen dem Vogler:
„O alterra, questo <i un. grand uomol". etc. Er
fragte auch den P. Martini: 99Alterray e buono, ma.
ä poco.ä poco, quando sära un poco piu vecchio,
piü sodöj si farä, si farä. Ma bisogna che si lengi
molto." Als Yogier zurück kam, wurdo er geistlich
und gleich Hofkaplan* Er producirte ein Miserere,
welches, wie mir Jedermann sagt, nicht zu hören ist?
denn es geht Alles falsch. .Er hörte* Jass man . qa
nicht viel lohte, und ging also zum Churfhrsten und
beklagte sieh, 1 dass ' das Orchester ihm ' zum Fleiss
und ^rotz schlecht spielte; mit einem Worte, er
wus&te . es • so gut herum zu .drehen (spieke-auch so
kleine ihm : nutzbare Scldechtigkeiten mit Weibern)*
dass er Vice -Kapellmeister geworden i&U Er ist ei»
Narr-, ,der sich einbildet, dass nichts Besseres und
Vollkommneres sey als er,. Das ganze Orchester von
oben bis unten mag ihn nicht. , Er hat dem Holz*-
baucr viel Verdruss gemacht. Sein Buch dient mein*
zum Rechnen als zum Componiren lernen.. Er sagt,
er macht in drey Wochen einen Compositeur, . unjj,
in sechs Monaten einen Sänger. Man hat es aber
noch nicht gesehen. Er verachtet die grössten Mei-
ster: mir selbst hat er den Bach verachtet. Dach
hat hier zyrey Opern geschrieben, wovon die erste
besser .gefallen, als die zweyte, welche war Lucio
SUla. Weil ich nun die nämliche zu Mailand ge-
schrieben habe, so wollte ich selbe sehen. Ich wusste
von. Holzbauer, dass sie. Vogler hat,, und begehrte
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sie vonihm...-. jPb» Herzen gern, antwortete er mir;
Morgen werde ich sie Ihnen schielen. Sie werden
aber nicht viel Gescheutes sehen. Etliche Tage dar-
auf, als er mich «ah, sagte «r zu mir ganz spöttisch:
Nun, lwben Sie was Schönes gesehen? Haben Sie
was daraus gelernt t — Eine Aria ist gar schon —
wie heisst der Text? (fragte er einen, der neben
ihm stand) ÄTot für eine Aria? ^ Nun', die
abscheuliche, Aria. 1 von Bach i 'die Sauer efr — ja,
Pupille amate, die hat er gewiss im Punschrausche
geschrieben. Ich habe geglaubt, ich xnüsste ihn beym
Schopf nehme*** ick that aber, als wenn ich es nicht
gehör* hafte, sagte nichts and ging weg. Erbat
beym Chufiursten auch schon ausgedient.
Nun ist die Sonata iur die Mad«*1*. Cannabich
auchv schon fertig. Vergangenen Sonntag spielte ich
aus Spaass die Orgel in der Kapelle« Ich kam unter
' dem Kyrie, spielte; das Ende davon, und nachdem
der Priester d**Mloria angestimmt, machtp ich eine
Cadenz, Weil sie aber gar so verschieden von den
hier so gewöhnlichen war, so sali »ich Alles um, und
besonders gleich der Holzbauer, Er sagte zu mir:
»Wenn ich das gewusst hätte, so hätte ich eine
andere Messe aufgelegt« Ja, sagte ich, damit Sie
mich angesetzt hätten! — Der alte Toeski und
Wendling standen immer neben mir. Die Leute
hatten genu? zu lachen, denn es stand dann und
wann pizzicato, da gab ich allezeit den Tasten Baz-
zeln. Ich war in meinem besten Humor. Anstatt
des Benedictas muss man hier allezeit spielen 5 ich
nahm: also den Gedanken vom Sanctus und führte
» ihn fugirt aus. Da standen sie Alle da und machten
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330
Gesichter. Zuletzt nach dem he trüaaa est spielte
ich eine Fuge. Das Pedal ist ander« als bey uns,
welches mich anfangs ein wenig irrig machte, aber
ich kam gleich d'reim —
• » . . v . ..
Der Sohn an (Jen Vater,
■
. , f . . Manheim, den ao. Norbr. 1777. ,
Gestern, als Mittwoch den i9ten d. M. fing wie*
der die Galla an* Ich war im Amte, welches ganz
fankelnagelneu von Vogler componirt War, und wo-
von schon vorgestern* Nachmittag« die Probe war,
ich aber gleich »ach geendigtem Kyrie davon ging.
So etwas habe ich mein Lebetag nicht gehört, denn
es stimmt oft gar nicht; er geht in die Töne, dass
man glaubt, er wolle einen bey den Haaren hinein
reissen, aber nicht, dass es der Mühe werth wäre,
etwa auf eine besondere Art, nein, sondern ganz
plump. Von dar Ausführung der Ideen wül ich gar
Nichts sagen. Ich enge nur das, dass es unmöglich
ist, dass ein Vogler 'sches Amt einem Compositeur
(der diesen Namen verdient) gefallen kann 5 denn
kurz, jetzt höre ich einen Gedanken, der nicht übel
ist — ja, er bleibt gewiss nicht lange nicht übel —
sondern er wird bald — schön? Gott behüte!
— übel und sehr übel, und das auf zwey- oder
dreyerley Manieren, nämlich, dass kaum dieser
Gedanke angefangen, kömmt gleich etwas Anderes
und verdirbt ihn, oder er schliesst den Gedanken
nicht so natürlich, dass er gut bleiben könnte, oder
er steht nicht am rechten Orte, oder er ist endlich
durch den Satz der Instrumente verdorben. So ist
die Musik des Vogler. — —
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831
s Wanheim, den »a. NoW>r.
Gestern Vormittags haben wir Ih-
Brief vom 17ten erhalten, ich war aber eben
lieht zu Hause, sondern bey Cannabich, wo der
Flötist Mr. Wendling ein Concert probirt hat, zu
welchem ich ihm die Instrumente gesetzt habe. Heute
um 6 Uhr Abends war die Galla - Akademie. Ich
hatte das Vergnügen, den Hrn. Franzi auf der Vio-
line ein Concert spielen zu hören. -Er gefallt mir
jehr. Sie wissen, dass ich kein grosser Liebhaber
von Schwierigkeiten bin. Er spielt schwer, aber
man erkennt nicht, dass es schwer ist; man glaubt,
man kann es gleich nachmachen, und dfess ist das
Wahre. Er hat auch einen sehr schönen runden
Ton, es fehlt keine Note, man hört Alles, es ist
Alles markirt, er hat ein schönes Staccato in einem
Bogen , sowohl hinauf als herab , und den doppelten
Triller habe ich noch nie so gehört, wie von ihm.
Mit einem Worte, er ist meinetwegen kein Hexen-
meister, aber ein sehr solider Geiger. — *
■
Der Sohn an den Vater. .
Manheim, den a6. Jforbr. 1777.
— Die Ursache, warum wir noch hier sind, ist,
weil ich im Sinne habe, den Winter hier zu ver-
sten warte. Der Intendant Graf Savioli.ist ein recht
braver Cavalier, und diesem habe ich gesagt, er
möchte dem Churfürsten sagen, dass, weil ohnedem
jetzt eine schlechte Witterung zum Reisen ist, so
wollte ich hier bleiben und den jungen. Grafen ihr
struiren« Er versprach mir auch, sein Möglichstes
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r
MI
zu thun, nur tollte ich Geduld haben, bis die Galla-
lage vorbey waren. Dieses geschah Alles mit Wis-
sen und auf Anstiftung des Cannabich, indem ich
ihm erzählte, dass ich beym Savioli war, mid was
ich ihm sagte; so sagte er mir, dass er gewisser
glauben würde, es geschehe, als nicht. Nun hat
Cannabich, noch ehe der Graf mit dem Churfiirsten
geredet hat, über dieses gesprochen. Nun muss ich
es abwarten. *—
Ich hatte freylich nicht geglaubt, dass ich hier
eine Uhr würde zu verehren bekommen, aber jetzt
ist es nun einmal so. Ich wäre scion langst weg,
aber Alles sagt mir: JVo wollen Sie denn den
Winter hin? Bey dieser Jahreszeit ist es ja
gar übel zu reisen. Bleiben Sie hier. Der Canna-
bich wünscht es auch gar sehr 5 mithin habe ich es
also probirt, und weil man so eine Sache nicht
übereilen kann , so muss ich es mit Geduld erwar-
ten, und ich hoffe, Ihnen bald eine gute Nachricht
geben zu können. Zwey Scholaren habe ich im vor-
aus schon, ohne die Erz -Scholaren, die mir gewis-
ser als nicht, ein jeder einen Louisd'or den Monat
Manheim, den 29. Norbr. 1777.
Den vergangenen Dienstag vor acht Tagen, den
I8ten d. M., nämlich den Tag vor Elisabeth, ging
ich Vormittags zum Grafen Savioli, und fragte ihn,
ob es nicht möglich wäre, dass mich der Churfürst
diesen Winter hier behielte? Ich wollte die juuge
Herrschaft instruiren. Er sagte: Ja, ich will es dem
Churfürsten proponiren, und wenn es bey mir steht,
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333
so geschieht es gewiss. Nachmittag war ich bey
Cannabich, und weil ich auf sein Anrath cn zum
Grafen gegangen bin. so fragte er mich deich, ob
ich dort war? — Ich erzählte ihm Alles. Er sagte
mir: Mir ist es sehr lieb, wenn Sie den Winter
bey uns bleiben; aber noch lieber wäre es mir, wenn
Sie immer und recht in .Diensten wären. Ich sagte,
ich wollte nichts mehr wünschen, als dass ich immer
um Sie seyn könnte, aber auf beständig wusste ich
wirklich nicht, wie das möglich wäre. Sie haben
schon zwey Kapellmeister, ich wiisste also nicht,
was ich seyn könnte, denn dem Vogler möchte ich
nicht nachstehen! jpas sollen Sie auch nicht, ent-
gegnete er mir, denn hier steht kein Mensch von
der Musik unter dem Kapellmeister, nicht einmal
unter dem Intendanten. Der Churfürst könnte Sie
ja zum Kammer -Compositeur machen. Warten Sie,
ich werde mit dem Grafen darüber sprechen. Don-
nerstag darauf war grosse Akademie 5 als mich der
Graf gesehen hatte, bat- er mich um Verzeihung,
dass er noch nichts geredet habe, indem jetzt di*
Gallatage sind, so bald aber die Galla vorbey seyn
Wird, nämlich Montag, so wird er gewiss reden. Ich
Hess dreyTage vorbey gehen, und als ich gar nichts
hörte, so ging ich zu ihm, um mich zu erkundigen»
Er sagte : Mein lieber Mozart (das war Freytag,
nämlich gestern), heute war Jagd, mit hin habe ich
den Churfürsten unmöglich fräsen können ; aber mor-
gen um diese Zeit werde ich Ihnen gewiss eine Ant-
wort sagen können. Ich bat ihn, er möchte es doch
nicht vergessen. Die Wahrheit zu gestehen, so war
ich, als ich weg ging, ein wenig aufgebracht, und
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334 ■
entschlosa mich also, meine leichtesten sechs Varia-
tion* über den Fischer -Menuett, die ich schon ei-
gends wegen diess hier aufgeschrieben habe, dem
jungen Grafen zu bringen, um Gelegenheit zu ha-
ben, mit dem Churfiirsten selbst zu reden. Als ich
hin kam, so können Sie sich die Freude nicht vor-
stellen von der Gouvernante« Ich ward sehr hoflich
empfangen, und als ich die Variationen herauszog
und sagte, dass sie für den Grafen gehören, sagte
sie: O, das ist brav, aber Sie haben ja doch für
die Comtesse auch was? — Jetzt noch nicht, ^sagte
ich, wenn ich aber noch so lange hier bleibe, dass
ich etwas zu schreiben Zeit habe, so werde ich —
A propos, sagte sie, das freut mich, Sie bleiben den
ganzen Winter hier. Ich? — da weiss ich nichts!
Das wundert mich, das ist curios. Mir sagte
es neulich der Churfürst selbst. A propos, sagte er,
der Mozart bleibt den Winter hier. Nun, wenn er
es gesagt hat, so hat es derjenige gesagt, der es sa-
gen kann; denn ohne den Churfiirsten kann ich
natürlicher Weise nicht hier bleiben. Ich erzählte
ihr nun die ganze Geschichte. Wir wurden einig,
dass ich morgen, als heute nach vier Uhr hinkom-
men und für die Comtesse etwas mitbringen würde.
Sie werde, ehe ich komme, mit dem Churfiirsten
reden, und ich werde ihn noch antreffen. Ich bin
heute hingegangen, aber er ist nicht gekommen.
Morgen werde ich aber hingehen. Ich habe für die
Comtesse ein Rondo gemacht. Habe ich nun nicht
Ursache genug, hier zu bleiben und das Ende ab-
zuwarten? — Sollte ich etwa jetzt, wo der grösste
Schritt gethan ist, abreisen? — Jetzt habe ich Ge-
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3.1.5
Diesen Winter, glaube ich, werde ich wohl ver-
muthlich hier bleiben; denn der Churfurst hat mich
lieb, hält viel auf mich, und weiss, was ich kann.
Ich hoffe, Timen im künftigen Briefe eine gute Nach-
richt geben zu können. Ich bitte Sie noch ein Mal,
sich mc in zu irun zu n euen , ouer zu sorgen , unu
die Geschichte keinem Menschen als Hrn. Bullinger
ich meiner Schwester das Allegro und Andante von
der Sonata für die Mad*U«. Cannabich$*) das Rondo
folgt nächstens. Es wäre zu dick gewesen, Alles
zusammen zu schicken. Sie müssen schon mit dem
Originale vorlieb nehmen. Sie können sich es leich-
ter um 6 Xr. den Bogen abschreiben lassen, als ich
um %4 Xr. Finden Sm das nicht theuer?
»
• ■ • * • • >
" Manheim, den 3. Decbr, 197*.
• *
Noch kann ich gar nichts Gewisses schreiben
wegen meinen Ümständen hier. Vergangenen Mon-
tag hatte ich das Glück, nachdem ich drey Tage
nach einander Vor- und Nachmittags zu den Kin-
dern hingegangen, den Churfiirstcn endlich anzutref-
fen. Wir haben zwar Alle geglaubt, es wird die
Mühe wieder umsonst seyn, weil es schon spät war.
Doch endlich sahen wir ihn kommen. Die Gouver-
nante liess gleich die Comtesse zum Claviere sitzen,
• * . * *
•) Von dieser Sonate schrieb der Vater in einem Briefe an den
Sohn vom n. Derbr. 1779 folgende« Urthcil : „Die Sonata
ist sonderbar! Sie hat Etwas vom verma nitrirten Manhei-
mer Goät darinnet doch nur so weni^^ dass Deine gute Art
nicht dadurch verdorben wird" «— —
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336
und ich setzte mich neben ihr und gab ihr Lection,
und so sali uns der Churfurst, als er herein kam«
Wir standen auf; aber er sagte, wir sollten fort-
machen« Als sie ausgespielt hatte, nahm die Gou-
vernante das Wort und sagte, dass ich ein schönes
Rondo geschrieben hätte. Ich spielte es und es ge-
fiel ihm sehr. Endlich fragte er: Wird, sie es aber
wolil lernen können? — O ja, ich wollte nur wün-
schen, dass ich das Glück hätte, ihr es selbst zu
lehren. Er schmutzte und sagte: Mir wäre es auch
lieb; aber würde sie sich -nicht verderben, wenn sie
zweyerley Meister hätte? — Ach nein, Ew. Durch-
laucht, es kömmt nur darauf an, ob sie einen gu-
ten, oder einen schlechten bekömmt. Ich hoffe,
E\V. Durchlaucht würden nicht zweifeln. werieji
Vertäuen auf mich haben O das gewiss, sagte
er. Hierauf sagte die Gouvernante: Hier hat Mr.
Mozart Variations über den Menuett von Fischer
für den jungen Grafen geschrieben. Ich spielte sie
auch, und sie gefielen ihm sehr. Nun scherzte er mit
der Comtesse, da bedankte ich mich für das Präsent.
Er sagte: Nun, ich werde darüber denken ; wie
lange will Er denn hier bleiben? — So lange Ew.
Durchlaucht befehlen, ich habe gar kein Engage-
ment, .ich kann bleiben, so lange Ew. Durchlaucht
befehlen. Nun war Alles vorbey. Ich war heute
Morgens wieder dort, da sagte man mir,, dass der
Churfurst gestern abermals gesagt hatte, der Mozart _
bleibt diesen JVinter liier \ IjJun sind wir so weit
gekommen, dass ich doch warten muss. Heute habe
ich bey Wendling gespeis't. Vor dem Essen kam
Graf Savioli mit dem Kapellmeister Schweitzer, der
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gestern Abehds angekommen, hin, Savioli sagte zu
mir; Ich habe gestern abermals mit dem Churfür*
sten gesjproclien , er hat sich aber noch nicht resol~
virt. Ich sagte au ihm , ich muss mit Ihnen ein paar
Worte sprechen. Wir gingen ans Fenster; Ich sagte
ihm die Zweifel des Churfiirsten, 'beklagte mich,
dass es gar so länge hergeht, dass ich schon so viel
hier ausgegeben , hat ihn, «r möchte doch machen,
dass mich xler Chuifiirst auf beständig nehme, indem
ich fürchte, dass er mir den Winter so wenig geben
wird, dass ich etwa ^ar nicht hier bleiben kann.
Er soll mir Arbeit gehen, ich. arbeite gem. Er sagte
mir, er würde es ihm gewiss so proponiron. Heute
Abends könnte es zwai nicht seyn, indem er heute
nicht nach Hofe kömmt 3 aber morgen »-verspricht er
mir gewisse Antwort. Nun mg' geschehen^ was
will« Behalt er mich nicht , so dringe ich auf ein
Reisegeld* denn das Rondo und die Variation» schen-
ke ich ihm nicht» Ich versichere Sie, dass ich so "
ruhig bey der Sache hin^ weil ich gewiss weiss, dass
es nicht anders als gut gehen kann, es mag gesche-
hen was will. — — —
• * • * ,'.«•%••
'.Manheim, den 10. Dechr, 1777.
Hier ist dermalen Nichts mit dem Churfürsten.
Ich war vorgestern in der Akademie bey Hofe , um
eine Antwort zu bekommen« Der Graf Savioli wich
mir ordentlich aus, ich ging aber auf ihn zu, und
als er mich sah, schupfte er die Achseln. Was,
sagte ich, noch keine Antwort? — Bitte um Ver-
gebung, sagte er, aber leider Nichts* — Eh bien,
antwortete ich, das hätte mir der Churfürst eher sa-
22
<
, Digitized by Google
an
g<*n können. Ja, sagte er, er hätte sich noch nicht
resolvirt, wenn ich ihn nicht dazu getrieben und
ihm vorgestellt hatte, das* Sie sclwn so lange hier
sitzen und im Wirtlishause Ihr Geld verzehren.
Das verdriesst mich auch am meisten, versetzte ich,
das ist gar nicht schön. Uebrigens bin ich Ihnen,
Herr Graf, sehr verbunden, nnd bitte im Namen
meiner beym Cburfiirsten zu bedanken für die zwar
.späte, doch gnadige Nachricht, nnd ich versicherte
ihn, dass es ihn gewiss niemals gereuet hatte y wenn
er mich genommen hätte. O, sagte er, von diesem
bin ich mehr versichert, als Sie es glauben. Ich
erzählte Jiernach diese Resolution Herrn Wendling,
welcher völlig roth WTirde und ganz hitzig sagte:
Da müssen wir Mittel finden, Sie müssen hier blei-
ben, wenigstens die zwey Monate, bis wir hernach
mit, einander nach Paria gehen. —
- Den andern Tag kam ich wie sonst zum Wend-
ling, zum Speisen, da sagte er mir: Unser Indianer
(das ist ein Holländer, der von seinen eigenen Mit-
teln lebt, Liebhaber von allen Wissenschaften und
ein grosser Freund und Verehrer von -mir) ist halt
doch ein rarer Mann. Er giebt Ihnen 200 fl., wenn
Sie ihm dtey kleine\ leichte und kurze Concerte und
ein paar Quattro auf die Flöte machen. DurcJi den
Cannabich bekommen Sie wenigstens zwey Scholaren,
die gut bezahlen. Sie machen hier Düetti auf das
Ciavier und eine Violine auf Subscription,und las-
^eti selbe stechen. Tafel haben Sie sowold Mittags
als Abends bey uns. Quartier liaben Sie für sich
hey Herrn Hof - Kammer rath Serarius; das kostet
Ihnen 4llcs Nichts. > —
339 -
Ich werde' die-zwey Monate hindurch genug zu
schreiben haben, 3 Cohcerte, 2 Quartetten, 4 oder
6 Duetü auf Ciavier, und dann habe ich auch im
Sinne, eine neue grosse
* • . •
Der Vater an den Sohn.
■ * i • • •
Salzburg, «Jen 18. Decbr. 1777*
— Nun muss ich Dir gründlich schreiben. Du
t, wie viele Jahre man unsere Geduld in Salz-
burg auf die Probe gesetzt; Du weisst, wie oft Du
und ich davon zu gehen Lust hatten. Es wird Dir
noch erinnerlich seyn, Was ich für Einwendungen
machte, die uns verhinderten, Salzburg ALU zu ver-
lassen. Du hast nun die Probe davon — grosse Un-
kosten auf den Reisen, und nicht viel oder wenig-
stens nicht hinlängliche Einnahme, solche mit einer
ganzen Familie zu bestreiten. Dich allein reisen zu
lassen, war damals nicht möglich 5 Du weisst, dass
Du auf Alles allein Acht zu haben — ' Dir selbst ein
und Andere*, ohne fremde Hilfe, zu thun nicht ge-
wohnt — mit den Geldsorten wenig, mit auswärti-
gen aber gar nicht bekannt warst, vom Einpacken
und derley vielen auf Reisen vorkommenden Not-
wendigkeiten nicht den mindesten Begriff hattest.
Ich stellte Dir; oft vor, dass Du (wenn Du auch bis
ein paar Jahre über das Zwanzigste hinaus in Salz-
burg bleibst) nichts verlierst, da Du unterdessen Ge-
legenheit hast, Dich in andern nützlichen Wissen-
schaften in Etwas umzusehen» und durch Lesuiju
guter Bücher in verscluedenen Sprachen die Ver-
nunft mehr auszubilden, und Dich in Sprachen zu
22*
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340
üben. Ich «teilte Dir finier w, dawr ein junger
• Arensch « wenn er auch vom Himmel gefallen, über
alle ^Meister hinweg nähe; dennoch ••■die Achtung- nie*
mals zmrttben wiwU^ddeer rertjiewwi dazu will es
gewisse Jahre haben, und so lange man unter zwan-
zig Jahren ist, wissen die Neider ^Feinde und Ver-
folger den Stöff ihres : Tadels und ihrer zu machen-
den AfisstellüH gert"feue" lle* Jugend, den wenigen Jah-
ren , . bu wenigem Ansehen und Erfahrenheit heraus
zu ziehen« ■ Und zweifelst Du etwa , dass dergleichen
dornt Cbixrfürsten . .wegen; Unter^weistihg' Äeh ■ Kmdei
beigebracht worden» Ferner ibin« ' dich W /wenig
vom Kriechen ein Liebhaber als Du, and Du wirst
Dich erinnerny dasä ich Dir wegew München ge-
schrieben, Ba . solltest «Dich nicht, hinwerfen $ nnd
alle diese Bemühung, durch ^ine Versammlung von
zehn Personen es- dahiar^ hringe«, uni iallda blek
benf zu können, war mir- zu hriechefi& JUlein Du
warst durch das Zureden gutherzige* üntfr Wohlmei-
nender Freunde dazu bewogen 5 das sind Strohfeuer;
die geschwind aufbrennen — undn sich mit -einem
Rauch enden. Dass ich Dir jetzt «inert Platz ' ge-
wünscht hätte, hat seine Richtigkeit, aber, nur einen
solchen Platz, wie München oder 'Manheim, oder
auch einen andern, NB. wo Dil zu Zeiten eine Reise
zu machen nicht gehindert wärest 5 attefc meine tlial-
ben keinen Platz jper Decretam auf lebenslang. Hät-
test Du einen solchen Platz auch nur auf ein paar
Jahre, so würden Dir die Reisen nach Frankreich
und Italien nicht ausbleiben. Man kömmt durch die
Jahre und durch den Titel, den man als ein Com-
positeur eines Churfürsten etc* hat, in mehr Ansehen
341
und Respect etc.; das weisst Dtt gelbst. Das ist nun
auch mein Gedanke wegen München; so bald man
nur auf eine Zeit einen Platz sucht, so ist es gewiss
nicht Iriechend, weil man nur dadurch Gelegenheit
sucht* das, was .man kann und versteht, 'zeigen zu
können, d<* bejr 'allen Höfen Leute sind, die es zu
verhindern suchen , da , um sich ' recht zu zeigen,
Zeit und Gelegenheit erfordert wird. — Dem Wolf-
gang hat Niemand mehr entgegen gearbeitet, als "der
Herr Vogler.' Das sagte ich 'immer voraus zu Hrn.
Bullinger und' Nannerl, —
. . ..... r;.. • : .
Der Sohn an dcn V^tcr., . m4 t .•
• • «• -
Mäfthdifia, dten 18. Decbr. 1777. ,
Heute ist ein vornehmer Lutheraner zu uns ge-
kommen und hat mich mit aller Höflichkeit einge-
laden, ihre neue Orgel in der lutherischen Kirche
zu probiren; es waren alle hiesigen Kapellmeister
um 3 Uhr probirt wurde, ist sehr gut, sowohl im
ganzen Pieno, als in einzelnen Registern* Vogler
hat sie gespielt. Er ist, so zu sagen, nichts als ein
Hexenmeister; denn so bald er etwas majestätisch
spielen will, so verßült er ins Trockene, und man
ist ordentlich froh, • dass ihm die Zeit gleich lang
wird und mithin nicht lange dauert, allein was folgt
hernach? — Ein unverständliches Gewäsch. Ich habe
ihm von, ferne zugehört. Hernach fing er. eine Fuge
an, wo 6 Noten auf einen Ton waren und Presto.
Da ging ich hinauf &u ihm , denn ich will ihm in
der That lieber zusehen, als zuhören. Es waren
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34a
.im ii '
«ehr viele Leute da, auch von der Musik , als Holz-
bauer, Gannabich, Toeschi etc. — — —
• " * a ■
Manheim, den 217. Decbr. 1777.
•
— - — — Neulich bin ich mit dem holländi-
schen OJücier, Mr. de la Pottrie, in die reforrairte
Kirche gegangen und habe 1| Slundo auf der Orgel
gespielt. Es ist mir auch recht vom Herzen gegan-
gen. Nächstens werden wir, nämlich die Cannabich •
sehen, Wendling'schen , Serarius'schen und Mozart -
sehen, in- die lutherische Kirche gehen, und da wer-
de ich mich auf der Orgel köstlich divertiren. Das
Picno habe ich schon bey derselben Prohe, wovon
ich geschrieben habe, probirtj habe aber nicht viel
gespielt, nur ein Präludium, und dann eine Fuge.—
Manheim, den 17. Januar 1778.
Künftigen Mittwoch werde ich auf etliche Tage
1 nach Kirchheim -Poland zu der Prinzessin von Ora-
nien gehen; - man hat mir hier so viel Gutes von ihr
gesprochen, dass ich mich endlich entschlossen habe.
1'jin jioiianaiscner uiiiciei , aer mein guter Jrreunu
ist, ist von ihr entsetzlich ausgescholten worden,
dass er mich, als er hinüber kam, ihr das Neujahr
an zu wünschen, nicht mitgebracht habe. Auf das
Wenigste bekomme ich doch acht Louisd'or; denn
weil sie eine ausserordentliche Liebhaberin vom Sin-
gen ist, so habe icli ihr vier Arien ahschreiben las-
sen, und eine Symphonie werde ich ihr auch geben,
denn sie hat ein ganz niedliches Orchester und giebt
alle Tage Akademie. Die Copiatur von den Arien
wird mich auch nicht viel kosten, denn die hat mir
ein gewisser Herr Weber, welcher mit mir hinüber
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343
eehen wird, abgeschrieben« Dieser hat eine Tochter,
die . vortrefflich gingt und eine schöne reine Stimme
hat, und erst 15 Jahre alt ist« Es geht ihr nichts
als die Action ab, dann kann sie auf jedem Theater
die Prima dorma machen. Ihr Vater ist ein grund-
ehrlicher deutscher Mann, der seine Kinder gut er-
zieht, und diess ist eben die Ursache, warum das
Mädel hier verfolgt wird. Er hat 6 Kinder, 5 Mä-
del und einen Sohn. Er hat sich mit Frau und Kin-
dern 14 Jalire mit 200 iL begnügen müssen, und
weil er seinem Dienste allezeit gut vorgestanden und
dem Churfürsten eine sehr geschickte Sängerin ge-
stellt hat, so hat er nun — ganze 400 fl. Mciue
Arie von der De Amicis. mit den entsetzlichen Fas-
sagen singt sie vortrefflich; sie wird diese auch zu
Kiichlieim-Poland singen. —
Nun etwas Anderes. Vergangenen Mittwocli war
in unserm Hause ein grosses Tractament, und da
war ich auch dazu eingeladen. Es waren 15 Gäste,
und die Mad»ell° vom Hause sollte auf den Abend
das Concert, welches ich sie gelehrt, spielen. Um
11 Uhr Vormittags kam der Hr. Kammerrath mit
dem Herrn Vogler zu mir herein. Der Hr. Vogler
fcat ahsolument mit mir recht bekannt werden wol-
len, indem er mich schon so oft geplagt hatte, zu
ihm zu kommen, so hat er endlich doch seineu
Jlochmuth besiegt, und hat mir die erste Visitc ge-
macht. Ueberhaupt sagen mir die Leute, dass er
jetzt ganz anders sey, weil er dermalen nicht mehr
so bewundert wird; denn die Leute haben ihn an-
fangs zu einem Abgott gemacht. Ich »ging also mit
ilun gleich hinauf, da kamen so nach und nach die
Gäste, und wurde nichts als geschwatzt. Nach Tische
aber Hess er zwey Claviere von ihm holen, welche
zusammen stimmen, und auch seine gestochenen lang-
weiligen Sonaten, Ich musste sie spielen und er ac-
compagnirte mir auf dem andern Claviere dazu. Ich
musste auf seiu so dringendes Bitten auch meine So-
naten holen lassen. NB. Vor dem Tische hat er mein
Concert (welches die Mademoiselle vom Hause spielt
und das von der Litzau ist) prima viata — herab-
gehudelt. Das erste Stück ging prestissimo, das An-
dante allegro und das Rondo wahrlich prestissimo.
Den Bass spielte er meistens anders als es stand, und
bisweilen machte er eine ganz andere Harmonie und
auch Melodie. Es ist auch nicht anders möglich in
der . Geschwindigkeit $ die Augen können es nicht
sehen und die Hände nicht greifen. Ja, was ist denn
das? mm so ein Prima vista spielen, und — ist bey
mir einerley. Die Zuhörer (ich meyne diejenigen,
die würdig sind, so genannt zu werden) können nichts
sagen, als dass sie Musik und Ciavierspielen — ge-
sehen haben. Sie hören, denken und — empfinden
so wenig dabey — als er. Sie können sich leicht
vorstellen, dass es nicht zum Ausstehen war, weil
ich es nicht gerathen konnte, ihm zu sagen: Viel
zu geschwind. Uebrigens ist es auch viel leichter,
eine Sache geschwind, als langsam zu spielen 5 man
kann in Passagen etliche Noten im Stiche lassen,
ohne dass es Jemand merkt 5 ist es aber schön? —
Man kann in der Geschwindigkeit mit der rechte»
und linken Hand verändern, ohne dass es Jemand
sieht und hört 5 ist es aber schön? — Und in was
besteht die Kunst, prima vista zu lesen? In diesem:
das Stück im rechten Tempo, wie es seyn «oll, zu
spielen, alle Noten, Vorschläge etc. mit der gehöri-
gen Expression und Gusto, wie es steht, auszudrük-
ken, so dass man glaubt, derjenige hätte es selbst
eomponirt, der es spielt. Seme Applicatur ist auch
miserabel: der linke Daumen ist wie beym seligen
Adlgasser, und alle Läufe herab mit der rechten Hand
macht er mit dem ersten Finger und Daumen* —
Unterdessen hatte der Vater vor Empfang dieses
vorhergehenden Briefes, also einige Wochen früher
schon folgenden Brief an Pater Martini in Bologna
geschrieben ;
8a!tburg, den aa. Doo. 1777.
Tandem aUquando! Es ist ein Jahr« dass mein
Sohn Ihnen auf Ihr geneigtes Schreiben vom 18ten
Dec. v. J. die Antwort schuldig ist, in welchem Sie
die Güte hatten, der Motette zu vier realen Stim-
men Ihren Beyfall zu schenken; indem Sie zugleich
Portrait zu erhalten* Ich zögerte bis jetzt, aus Man-
cel eines geschickten Malers. Ihnen damit aufzuwar-
ten. Es fehlt nämlich ein solcher in unserer Stadt,
und ich hoffte immer, es möchte ein geschickter
Künstler hierher kommen, wie das manchmal ge-
schieht. Somit zauderte ich von Zeit zu Zeit. End-
lich aber war ich gezwungen, mich zu entschliessen,
das Portrait von einem hiesigen Maler verfertigen
zu lassen. — • Hören Sie nun unsere Geschichte l Es
sind bereits fünf Jahre, dass mein Sohn unsenn
Fürsten für ein Spottgeld von n ü. 30 Xr. (R. W.)
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I
V
in dei? Hoffnung dient, dass nach und nach seine
Bemühungen und wenige Geschicklichkeit, vereint
mit dem grössten Fleisse und ununterbrochenen Stu-
dien, würden beherzigt werden: allein wir landen
uns betrogen. Ich unterlasse es , eine lange Beschrei-
bung der Denkungs- und Mandlungsweise unseres
Fürsten zu machen; genug, er schämte sich nicht,
zu sagen, das mein Sohn nichts wisse, dass er nach
Neapel in ein Musik- Conservatorium gehen solle, um
Musik zu lernen — und alles dieses, warum?
Um zu verstehen zu geben, ein solcher junger Mensch
solle nicht so albern seyn, sich selbst zu überzeugen,
er verdiene etwas mehr Besoldung, nachdem diese
bestimmten Worte aus dem Munde eines Fürsten
hervorgegangen. Das Uebrige wird man nach und
nach in Italien erfahren; ja, ich zweifle, ob es nicht
fichon bekannt ist. Diess hat mich denn bewogen,
meinem Sohne zu erlauben, seinen Dienst zu ver-
lassen; er ist also am 23sten Septbr. von Salzburg
abgereist, und nachdem er sich einige Zeit an dem
Churfürstlichen Hofe zu München aufgehalten, ist er
nach Manheim gegangen, wo er sich sein- wohl be-
endet, und sich Ihnen ergebenst empüelilt. Sein
Aufenthalt in Manheim wird bis Anfang Märzes, näm-
lich bis Ende des Faschings dauern, uud in der fol-
inenden frästen , wenn Gott will, wieder zu Paris
-seyn. Diess ist denn auch die Ursache meines Ent-
schlusses, vor seiner Abreise noch sein verlangtes
Portrait verfertigen zu lassen, und unserm lieben
Herrn Pater damit zu dienen« Wenn es Ihrer Güte
gefallig wäre, Sr. Durchlaucht dem Churfursten eine
gute Idee und vortheihafte Schilderung von meinem
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\
347
Sohne bevzubrineen . so würden Sie etwas wahrhaft
Gutes thun; zwey Worte von Ihnen haben mehr
Gewicht, als die Empfehlung manches Fürsten» Ich
schmeichle mir, dass dieses vielleicht beyAnlass des
neuen Jahres möglich wäre. Aber im Fall dieses
Gemälde noch nicht in Ihren Händen ist, werden
Sie fragen : Wo ist es denn ? Ich habe es dem Hause
Siegmund Haffner, dem Grosshändler zu Salzburg, »
eingehändigt, der es mit sich auf die Messe St. An-
drea nach Bötzen genommen hat, von wo aus er es
Ihnen zu übermachen suchen wird.» Vielleicht ist es
an Hm. Prinsechi in Bologna adressirt. Die Malerey
hat wenig Werth, aber was die Aehnlichkeit betrifft/
so versichere ich Sie, dass es ihm ganz und gar ähn-
lich sieht. Hinter dem Gemälde habe ich seinen
Namen und sein Alter verzeiclmet, und hege noch
eine andere Idee, nämlich Ihnen die ersten seiner
Compositionen zu senden 5 ich meyne seine Clavier-
sonatcu für die Mad. Victoire, im Alter von sieben
Jahren componirt, und in Paris gestochen; jene für
die Königin von England, geschrieben im Alter
von acht Jahren, und gestochen zu London; jene
für die Herzogin von Nassau -Weilburg, componirt
im Alter von neun Jahren, und gestochen zu liaag
in Holland, und dergleichen mehr« Diesen werde
ich dann eine kleine üebersicht seiner merkwürdig-
sten Reisen beyfugen. In Rücksicht meines Portraits
glaube ich nicht, dass mein Gesicht verdient, zu
Männern von Talent gesellt zu werden; doch wenn
Sie es verlangen, so werde ich trachten, Ihnen Ge-
nüge zu leisten, aber ohne dass ich mir ein anderes
Verdienst beymäase, als dass ich meine Pflicht erfül-
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3<IS
let, das Talent zu bilden, das der gutige Gott mei-
nem Söhne gegeben hat; Erhalten Sie uns Ihre Ge-
wogenheit und Ihren Schutz, und sorgen Sie für dio
Erhaltung Ihrer Gesundheit eto.- '
tLuiix neuen Jahre wünsche ich Ihnen gute Ge-
sundheit: anderes Glück haben Sie nicht nöthig;
und bitte Gott, dass er sage: Amen!
Leopold Mozart m. p. ...
zi rs r:. •. D*f Vater an Beyde.
, ßalsbnrg, den a6. Januar 1778.
V feuern Brief vom ITten d. M. habe ich erhalten.
Gott Xob, Dir seyd gesund, — wir auch. P. Mae-,
stro Martini hat mir geantwortet,- er hat aber das
Portrait noch nicht in Händen, denn es ist mit
Waaren gepackt, folglich geht es mit Pulirleuten sehr
langsam. Er la'sst dem Wolfgang tausend Compli-
mente melden. Er wird > wie er schreibt, dem Sign.
Raff schreiben, dass er aus seiner Commission und
in seinem Namen dem Churfürsten alles Erdeukliclio
von Dir sagen und nach- Verdienste von Dir anrüh-
men sott. • 5
. • . 1
Von Manheim möchte der junge Mozart einen
kleinen Ausflug nach ' Kircliheim - Polland zu der
Prinzessin von Weilburg, welche eine: ungemeine
Liebhaberin der Musik war, selbst sehr brav Ciavier
spielte und gut sang. Während seines achttägigen
Aufenthalts spielte er zwölf Mal bey der Fürstin
bey Hofe , und ein Mal auf Verlangen in der luthe-
rischen Kirche auf der Orgel. Er überreichte der
Fürstin vier Symphonien von seiner Composition,
349
und -erhielt bey seiner Abreise .ein. Präsent von sie-
ben Ikmiid'or... In. einem Briefe ;«us Manheim vom
7teh «Februar 1778 über seine baldige Abreise nach
Paris, und was er dort äu thuni haben werde* .äus-
serte^ seine Abneigung, sidi tnit Scholaren- aUdo*t
abzugeben, in iL drm -Werten: Ich bin ein Compow
nistf und hin fzir einem Kapellmeister geboren, und
kann mein Talent im Componiren , . welches mir der
gütige Gottrso reichlich gegeben hat (ich dar/ ohno
Hochmuth s^.^en^dentt icjh iftjüe es. mfn «eta
als jemals), nicht- so vergrabenylrakldas würde durch
die vielen Sehoferen. t~ Das i O Fernschreiben Isteckt
mir stark im Kopfe, französisch lieber als den f sc]),
und italienisch .lieber als französisch und' deutsch*
Beym Wendling» sind' sie AUe der.Mcynun^, 4a**
fneine Compbsiiion* ausserordentlich in Paris gefallen
würde, dehh ipk.tknii sb ziemdiett, wie Sie</wisaeny
alte Arten ViradV <4Jfytv von Compositum* annehmen
und nachahmen. Ich habe der Mselle. GtistJ (der,
Tochter) gleich nach meiner, Ankunft ein franaösi-
sches Lied, woztl sie mir. den Tebct gegeben hat, ge-
macht, welches sie unvergleichlich singt. Hier habe
ich die Ehre, damit aufzuwarten. Bey Wendling
wir d> alle Tage gesungen, sie sind völlig Narren
darauf. .>l : 7 >. : j j
'Auf obigen Brief antwortete 3er Vater Folgerides :
.1 i* ....!!: lioub \ .• -»i» * '*u s ~- . '
• .; } . :. - - j&mU.eurg, den 16. Februar 1778»
Euer Schreiben vom 7. Febr« sammt der beygefiigten
französischen Arie habe icli richtig, erhalten. Die bey-
gescldossene Arie machte mich wieder etwas leichter
schnauben , dau ich wieder etwas von meinem Ueben
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3/50
Wolfgang »ah, und so was Vortreffliches. Je-
tlermann hat Recht, dass Deine Composition in Pa-
ris sehr gefallen wird; und Du seihst (wie ich) hist
überzeugt, dass Du alle Compositions- Arten nach-
zuahmen im Stande bist« AVegen des Lection gäben
in Paris hast Du Dich nichts zu bekümmern« Erst"
lieh wird Niemand sogleich seinen Meister abdai*
kert und Dich rufen $ sweytena wurde es Niemand
wagend, und Du Niemand nehmen« als etwa eine
Dame, die schon gut *pielt, um- von Dir eihen Gusto
zu lernen, und würde das so eine i Arbeit für gute
Bezahlung seyn. Da dann solche Damen sich oben
darein alle Mähe geben, för Deine Composition Sub-
scribenten zu sammeln* : Die Damen machen Alles
in Paris, — und sind grosse Liebhaberinnen £ur!s
Ciavier, und es giebt viele, die trefflich spielen. ~-t
Diese sind Deine Leute, und die Composition; da Du
mit Herausgeben von Ciavier adeltet i , Vi olin- Quar-
tetten, Sytnphonieen, und dann auch einer Sammlung
guter französischer Arien mit dem Ciapiere, wie Du
mir geschickt, und endlich mit Opern Geld und
Ruhm machen kannst« — Was findest Du für einen
Anstand? Bey Dir soll Alles den Augenblick
schon geschehen seyn, bevor man Dich einmal gese-
hen, oder Etwas von Dir gehört hat. Lies das grosso
Yerzeichniss unserer damaligen Bekanntschaften in
Paris, — es sind Alle — oder doch die Meisten, die
grossten Leute dieser Stadt. Alle werden Dich jetzt
mit Begierde wieder sehen; und sind nur sechs Per-
sonen darunter -(ja, eine einzige der Grossen ist ge-
nug), die sich Deiner annehmen» so machst Du, was
Du willst. Hier schliesse ich zwey
uiymz
ed by G(
351 .
tations - Schreiben eihj die Ihr wohl verwahren, ünd
(lann in Paris dem Hrn. Joseph Felix Arbaur, dem
grossen Galanteriehändler prasentiren müsset, Mr.
Mayer ist des Erstem Commissionlr, wo Graf Wolf-
egg seine Wohnung hatte. Heute geht der rechte
Brief schon nach Paris, wo Alles umständlich wegen
der ^Wohnung etc. darin ist« Diese Briefe sind nur.
damit man weiss," dass Ihr diejenigen seyd', für« die
man die Anstalten gemacht hat.1— Da allem Ver-
muthen «ach dieser der letzte Brief seyn kanri , den
Du gewiss noch -ron mir» in Manheim erhalten wirst,
so ist er an Dich allein gerichtet Wie schwer1 es
mir fallt, dass ich nun weiss, dass Öhi Dich noch
weiter von nur entfernest, kannst Dur zwar Dir zum
Theü vorstellen, aber mit derjenigen Empfindlich-
keit nicht fühlen, mit der es mir fcuf dem Herzen
liegt. Wenn Du fair «6 Mühe nehmen willst, be-1
dächtlich nachzudenken, - was ich mit' fcuch zwey
Kindern in Eurer zarten Jugend unternommen habe,
so wirst Da mich keiner Zaghaftigkeit beschlildigen,
sondern mir mit allen Andern das Recht wie d erfah-
ren lassen, dass ich ein Mann bin und 'allezeit war, der
das Herz hatte, Alles zu wagen. Nur that ich Alles
mit der menschenmögl ichsteh Vorsichtigkeit und
Nachdenken: — wider die Zufalle kann man dann
nicht 5 denn nur Gott sieht die Zukunft voraus.
a ■ » ff •
Wir waren freylich bis anhero weder glücklich,
noch unglücklich, es war so, Gott sey es gedankt,
so mitten durch. Wir haben alles versucht, um
Dich , - und auch uns durch Dich glücklicher zu" ma-
chen, und wenigstens Deine Bestimmung auf einen
festern Fuss zu setzen 5 allein das Schicksal wollte,
359
daas wir nicht zum Zwecke kamen. Ich bin: aber
durch unsern letzten Schritt tief hinein gesunken«
Du siehsj also spimenkkr ein, dass Deine*; alten
Eltern, und gewiss guten, Djqh von ganzem Herzen
liebendeft Sejiwesj,er zukünftige» Schicksal Jetfigliek
in Deineni Jfandfin ist. I9I1, habe seit Eurer .Geburt,
und aufih. pcjion jMber> t seitdem ich verjiewthet
biq, inir^ gewiss sauer genug .werden la^aen, um
uadr und' nach einer Frau und sieben Kindern, zwey
gehalten;, und der Mama Mutter :mit 25 iL monat-
lich gewissem ^Einkommen Unterhalt zu verschaffen,
Kindbetten , Todesfalle, tmd Krankheiten auszuhallen,
welche Unkosten,, wenn Du s,ie üherjegst, Dich über-
zeugen werden, dass ich nicht nur allein nicht meinen
S^eiizer auch .nur zu meinem in^desten Vergnügen
angewendet, sondern ohne sonderbare Gnade Gottes,
bey aller meiner Speculatiqn und saurer Mühe es
niemals hatte dahin bringen können« ohne Schulden
als jetzt« Ich habe dann alle meine Stunden Euch
cii aulgeo^ofcrt , der Holünung , es sicher d^t^*
hin zu bringen,' nicht nur, -das« Ihr Beyde seiner
Zeit auf Eure Versonrune Rechnung machen könn—
tet, sondern auch mir ein ruhiges Alter zu verschaf-
fen, Gott für die Erziehung meiner Kinder Rechen-
schaft geben zu können, ohne fernere Sorge nur für
mein Seelenheil sorgen , und mit Ruhe meinem Todo
enteecen sehen zu können« Allein die Ftiffunn und
der Wille Gottes hat es so geordnet, dass ich mich
nun erst von Neuem der gewiss säuern Arbeit,, Lee-
tion zu geben* unterziehen muss. und zwar an einem
Orte, wo diese schwere Bemühung so schlecht bo-
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zahlt wird, dass man doch alle Monate seinen und
der Seinigen Unterhalt nicht heraus bringt 5 und
dennoch muss man noch froh seyn, und sich eine
Brustkrankheit an den Hals reden, um wenigstens
doch Etwas einzunehmen» Ich habe nun in Dich,
• • •
mein lieber Wolfgang, nicht nur allein kein, auch
nur das geringste Misstrauen, sondern ich setze an
Deine kindliche Liebe alles Vertrauen und alle Hoff-
ig.' Es kommt nur auf Deine gesunde Vernunft,
die Du gewiss hast, wenn Du sie hören willst, und
auf glückliche Umstände an 5 das Letzte lasst sich
nicht zwingen, Deine Vernunft aber wirst Du immer
zu Rathe ziehen, das hoffe ich, und das bitte ich Dich»
Du kommst nun in eine andere Welt : und Du musst
nicht glauben, dass icli aus Vorurtheil Paris für ei-
mmm
Erfahrung gar keine Ursa-
che, Paris für gar so gefahrlich anzusehen. 4 Allein
meine damaligen und Deine dermaligen Umstände
sind himmelweit unterschieden. Wir waren in dem
. . 1 . • • . : • Iii'
Hause eines Gesandten, und das zweyte Mal in ei-
ner geschlossenen Wohnung; ich war ein gestande-
ner Mann, und Ihr yare*. Kinder; ich vermied, alle
Bekanntschaft, und ffiM. sonderheitlich mit Leuten
von unserer Profession flöhe ich alle Familiarität ;
denke nach, ob ich nicht u\as Nämliche in. Italien
that. Ich machte nur Bekanntschaft und suchte nur
die Freundschaft mit Personen yon hölierem Staude,
— und auch unter diesen nur mit gestandenen
Leuten und nicht mit jungen Burschen, und \vä-
ren sie auch vom ersten Range. Ich lud Niemand
ein, mich in meiner Wohnung öfters zu besuchen,
23
uigi
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- m
»
um in meiner Freiheit zu bleiben, und hielt es
immer für vernünftiger, Andere, wenn's mir gele-
gen, zu besuchen. Denn, gefallt mir der Mann
nicht, oder ich habe Arbeit oder Verrichtungen,
so kann ich wegbleiben; — im Gegentheile, kom-
men die Leute zu mir, und sind von schlechter
Aufführung, so weiss ich nicht, wie ich sie los wer-
de; und oft eine mir sonst nicht unangenehme Per-
son hindert mich an meiner nothwendigen Arbeit.
Du bist ein junger Mensch von 22 Jahren ; hier ist
also keine Ernsthaftigkeit des Alters , die einen jun-
tm 9
gen Burschen, wessen Standes er auch immer seyn
mag, — einen Aventurier, einen Schwänkemacher,
einen Betrüger, — er mag alt oder jung seyn, ab-
halten könnte, Deine Freundschaft und Bekanntschaft
zu suchen, um Dich in seine Gesellschaft und dann
nach uud nach in seine Absichten zu ziehen. Man
kommt so ganz unvermerkt hinein, und weiss
alsdann nicht mehr zurück. Von Frauenzimmern
will ich gar nicht einmal sprechen, denn da braucht
es die grösste Zurückhaltung und alle Vernunft, da
die Natur selbst Unser Feind ist, und wer da zur
nöthi^en Zurückhaltung nicht alle seine Vernunft
aufbietet,' wird sie alsdann' umsonst anstrengen, sich
aus dem Xabyrinth heraus zu helfen: ein Ungliict,
das sich meistens erst mit dem Tode endet» Wie
blind man aber oft durch anfangs ganz unbedeutende
Scherze, Schmeicheleyen , Spässe etc. anlaufen kann,
darüber sich die nach 'der Hand erwachende Ver-
nunft schämt, magst Du vielleicht selbst schon ein
wenig erfahren haben; ich will Dir keinen Vorwurf
raachen. Ich weiss, dass Du mich nicht allein als
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Deinen Vater, sondern auch als Deinen gewissesten
und sichersten Freund liebst; dass Du weisst und
einsiehst, dass unser Glück und Unglück, ja mein
längeres Leben oder auch mein baldiger Tod, nächst
Gott, so zu sagen, in Deinen Händen ist. Wenn ich
Dich kenne, so habe ich nichts als Vergnügen zu
hoffen, welches mich in Deiner Abwesenheit, da ich
der väterlichen Freude, Dich zu hören, Dich 2u
sehen und zu umarmen, beraubt bin, allein noch
trösten mttss. Lebe als ein guter katholischer Christ,
liebe und fürchte Gott, bete mit Andacht und Ver-
trauen zu ihm mit voller Inbrunst, und führe einen
so christlichen Lebenswandel, dass, wenn ich Dich
nicht mehr sehen sollte, meine Todesstunde nicht
angstvoll seyn möge. Ich gebe Dir von Herzen den
väterlichen Segen, und bin bis in den Tod Dein ge-
treuer Vater und sicherster Freund
Leopold Mozart.
Der Sohn an den Vater.
M an Ii e inj, den 28. Februar 1778.
• Gestern war ich beym Raff und brachte ihm
eine Aria, die ich diese Tage für ihn geschrieben
habe. Die Worte sind: Se cd labro mio non credi,
hello, nemica mia etc. Ich glaube nicht, dass der
Text von Metastasio ist. Die Aria hat ihm überaus .
gefallen. Mit so einem Manne muss man besonders
umgehen. Ich habe mit Fleiss diesen Text gewählt,
weil ich gewusst habe, dass er schon eine Aria auf
diese Worte hat, mithin wird er sie leichter und
lieber singen. Ich habe ihm gesagt, er soll mir 's auf-
richtig sagen, wenn sie ihm nicht taugt oder nicht
'23*
356
gefallt, ich will ihm die Aria ändern, wie er will,
oder auch eine andere machen. Behüte Gott! sagte
er, die Aria muss bleiben, denn sie ist sehr selvön,
nur ein wenig, bitte ich, kürzen Sie mir9» ab, denn
m
ich bin jetzt nimmer so im Stande zu souteniren.
Ich erwiederte: Von Herzen gern, so viel Sie wol-
len. Ich hahe sie mit Fleiss etwas länger gemacht,
denn wegschneiden kann man allezeit, aber 'dazu-
setzen nicht so leicht. Nachdem er den andern Th eil
gesungen hatte, so that er seine Brille heran, sali
mich gross an und sagte: Schön, schön! das ist eine
schöne seconda Parte, und sang es drey Mal. Als
ich ^eg ging, so bedankte er sich höflich bey mir,
und ich versicherte ihn im Gegentheil, dass ich ihm
die Aria so arrangiren werde, dass er sie gewiss
gern singen wird. Denn ich liebe, dass die Aria
einem Sänger so accurat angemessen sey, wie ein
gut gemachtes Kleid. Ich habe auch zu einer Ue—
bung die Aria (Non sb d'onde viene etc.), die so
schön von Bach componirt ist, gemacht, aus der Ur-
sache, weil ich die von Bach so gut kenne, weil sie
mir so gefallt und immer m Ohren ist 5 denn ich
habe versuchen wollen, ob ich nicht ungeachtet die-
sem Allen im Stande bin, eine Aria zu machen, die
derselben von Bach gar nicht gleicht? — Sie sieht
ihr auch gar nicht gleich. Diese Arie habe ich an-
fangs dem Raff zugedacht, aber der Anfang gleich
schien mir für den Raff zu hoch, und um ihn zu
andern, gefiel er mir zu sehr, und wegen Setzung
der Instrumente schien er mir auch für einen Sopran
besser. Mithin schrieb ich sie und nahm mir vor,
sie accurat für die Weber zu raachen. Es ist ein
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Andante sostenuto (vorher ein kleines tyecitativ), in
der Mitte der andere Theil, nel seno ä de&tarnu,
dann wieder das Sostenuto. Ich freue mich auf nichts,
als auf das Concert spirituel zu Paris, denn da werde
ich vermuthlich Etwas componiren müssen. Das Or-
chester sey so gut und stark , und meine Hauptfavo-
rit- Composition kann man dort gut auffuhren, näm-
lich Cliöre} und da bin ich recht froh, dass die Fran-
zosen viel darauf halten. Das ist auch das Einzige,
was man in Piccini seiner neuen Oper Rolland aus-
gestellt hat, dass nämlich die Chöre zu nackt und
schwach seyen, und überhaupt die Musik ein wenig
zu einförmig ; sonst hat sie aber allen Beyfall gefun-
den. Zu Paris war man jetzt die Chöre von Gluck
gewohnt. Verlassen Sie sich nur auf mich, ich werde
mich nach allen Kräften bemühen, dem Namen Mo-
zart Ehre zu machen 5 ich habe auch gar nicht Sorge
ilarauf.
ri ^^^^^^ •
■
Den 23sten März kamen Mutter und Sohn ge-
il und glücklich nach Paris , welches der Solm
durch folgenden Brief bekannt macht.
Paris, den a4. Mär« 1778.
Gestern, Moulags den 23sten, Nachmittags um
4 Uhr sind wir* Gott Lob und Dank, glücklich hier
angekommen. Heute werden wir einen Fiacre neh-
men und Grimm und Wendling aufsuchen. Morgen
früh werde ich aber zum Churpfal zischen Minister,
Hrn. v. Sükingen , welcher ein grosser Kenner und
passionirter Liebhaber von der Musik ist, und an
den ich zwey Briefe von Hrn. von Geinmingen und
3SS
Mi*. Cannabich habe, gehen. Ich habe vor meiner
Abreise zu Manheim dem Hrn. von Gemmingen das
Quartett, welches ich zu Lodi Abends im Wirths-
hause gemacht habe, und dann das Quintett und die
Variationen von Fischer abschreiben lassen. Er
schrieb mir dann ein besonders höfliches Biilet und
bezeugte sein Vergnügen über das Andenken, so ich
ihm hinterlasse, und schickte mir einen Brief an sei-
nen sehr guten Freund, Hrn. v. Sückingen, mit den
Worten: Ich bin versichert, dass Sie mehr Em«*
pfehlung für den Brief seyn werden, als er es für
Sie seyn kann. Und um mir die Schreibkosten zu
ersetzen, schickte er mir 3 Louisd'or. Er versicherte
mich seiner Freundschaft und bat mich um die mei-
nige. Ich muss sagen, dass alle Cavaliere, die mich
kannten, HofVathe, Kammerrathe, andere ehrliche
Leute und die ganze Hofmusik, sehr unwillig und
betrübt über meine Abreise waren. Samstag, den
l4ten d. M., reis'ten wir ab.
Der Vater an Beyde.
Salzburg, den 6. April 1778.
Wir hatten heute das sehnlichst gewünschte Ver-
gnügen, Euern schon den 24sten März geschriebenen
Brief zu erhalten. Ihr seyd, Gott Lob, glücklich
angelangt. Jetzt empfehle ich Dir nachdrücklichst,
Dir durch ein vollkommenes kindliches Vertrauen
recht die Gnade, Liebe und Freundschaft des Hrn.
Baron v. Grimm zu verdienen, oder vielmehr solche
zu erhalten, ihn in allen Stücken zu Rathe zu zie-
hen, und nichts aus eigenem Kopf oder vorgefasster
Eiubildung zu thun , und durchaus auf Dein und da-
durch auf uns er gemeinschaftlicJies Interesse bedacht
zu seyn. Die Lebensart in Paris ist von der deutschen
sehr unterschieden, und die Art, im Französischen
sich höflich auszudrücken, sich anzuempfehlen, Pro-
tection zu suchen, sich anzumelden u. s. w., hat ganz
etwas Eigenes, so dass Herr Baron von Grimm mir
eben auch damals Anweisung gab, und mich fragte,
was ich sagen und wie ich mich ausdrücken sollte.
Sage ihm nur, nebst meiner gehorsamsten Empfehlung,
dass ich Dir dieses erinnert habe, und er wird mir
Recht geben. Was diesen Punct nun betrifft, bin
ich zum voraus überzeugt, dass Du Dich immer an _
diesen unsem gewissesten Freund halten wirst.
Ihr dürft dem Hrn. Baron von Grimm alle un-
sere Umstände sagen ; ich selbst habe ihm diess und
auch alle unsere Schulden in zwey langen Briefen
geschrieben, und mich in vielen Stücken, die Ver-
folgung und die Verachtung, die wir vom Erzbisch of
ausgestanden, betreffend, auf Deine mündliche Er*
zähluiiz berufen. Ich habe ihm erzählt, dass er nur
dann höflich geschmeichelt, wenn er Etwas nötliig
hatte, und er Dh* für alle Compositionen nicht einen
Kreuzer bezahlt hat. — Könntest Du, wie Hannauer \
wie der selige Sclwbert etc. von einem Prinzen in
Paris einen monatlichen Gehalt bekommen, — dann
nebenbey für's Theater, für 's Concert spirituel und
für's Concert des amateurs zu Zeiten Etwas arbeiten,
und dann einige Male par Subscription Etwas gra-
yiren lassen, — ich aber und Deine Schwester Lec-
tion geben, und Deine Schwester in Concerten und
wir gewiss recht gut
zu leben haben. — ,
' 360
Die Mutter und der Sohn an den Vater.
. Paris, den 5. April 1776.
Wir sind Beyde, Gott Lob und Dank, gesund,
und hoffen, dass Du und die Nannerl Euch in guter
Gesundheit befindet, so wird mit der Hülfe Gottes
Alles gut werden. Der Wolfgang hat sehr viel zu
thun, denn er muss bis auf die Charwoche für das
Concert ipirituel ein Miserere machen, wo drey Chöre
und eine Fuge und Duett und Alles darin seyn muss,
mit sehr vielen Instrumenten. Künftigen Mittwoch
soll es schon fertig seyn, damit es kann probirt wer-
den. Er schreibt es bey dem Mr. le Gros, der Di-
rector von dem Concert ist, wo er die meiste Zeit
speiset. Bey dem Noverre kann er auch täglich
speisen, wie auch bey der Madame d'Epinay. Her-
nach hat er für einen Duo zwey Concerts zu machen,
eines für die Flöte und eines für die Harfe. Für
das französische Theater muss er einen Act zu einer
Opera machen. Eine Scholarin hat er auch, Welche
ihm für zwölf Lectionen 3 Louisd'or bezahlt.
Der Wolfgang ist hier wieder so berühmt und be-
liebt, dass es nicht zu beschreiben ist. Der Herr
Wendling hat ihn in grossen Credit vor seiner An-
kunft gesetzt, und jetzt hat er* ihn bey seinen Freun-
den aufgeführt. Er ist doch ein wahrer Menschen-
freund, und Möns, von Grimm hat dem Wendling
auch zugesprochen, weil er als ein Musicus mehr
Credit hat als er, sein Möglichstes zu thun, damit
er bald bekannt wird. — — —
(Nun schreibt der Sohn:)
Nun muss ich schon deutlicher erklären, was
meine Mama zu dunkel geschrieben hat. Der Herr
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3ßl
Kapellmeister Holzbauer hat ein Miserere hieher ge-
schickt 5 weil aber zu Manheim die Chöre schwach
und schlecht besetzt sind, hier aber stark und gut,
so hätten seine Chöre keinen Effect gemacht: daher
hat Mr. le Gros (Directeur vom Concert spirituet)
mich ersucht, andere Chöre zu machen. Der An-
fangs-Chor bleibt von Holzbauer. Quoniam zniqui-
tatem meam ego etc. ist der erste Chor von mir,
Allegro. Der zweyte, Adagio: Ecce enim iniquita-
tibus ; dann Allegro : Ecce enim veritatem dilexiati,
bis zum: Ossa humiliata. Dann ein Andante für
Soprano, Tenore und Basso soli: Cor mundum crea;
Redde mihi laetitiam aber Allegro bis ad te conver-
tentur. Dann habe ich ein Recitativ für einen Bas-
sisten gemacht: Libera me de san gut nibus , weil eine
Bassarie darauf folgt : Domine labia Weil nun
Sacrificium Deo spiritue eine Aria Andante für Raff
(Tenore) mit Oboe und Fagott Solo ist, so habe ich
ein kleines Recitativ: Quoniam ei voluisses, auch
mit concertir ender Oboe und Fagott dazu gemacht;
denn man liebt jetzt die Recitative liier. Benigne
fac bis muri Jerusalem Andante moderato, Chor.
Dann Tunc acceptabis bis Super altare tuum vitu-
loe, Allegro, Tenor Solo (le Gros) und Chor zu-
gleich. Finis.
Ich kann sagen, dass ich recht froh bin, dass
ich mit dieser Schreiberey fertig bin 5 denn wenn
man nicht zu Hause schreiben kann, und doch dazu
pressirt wird, so ist es verflucht. Nun bin ich, Gott
Lob und Dank, fertig, und hoffe, es wird seinen
Effect machen. Mr. Gossec, den Sie kennen müs-
sen, hat, nachdem er meinen ersten Chor gesellen
362
■ ■
■
hat, zu Mr. le Gros (ich war nicht dabey) gesagt,
dass er charmant sey und gewiss einen guten Effect
machen würde, dass die Wörter sehr gut arrangirt
seyen und überhaupt vortrefflich gesetzt sey. Er ist
mein sehr guter Freund und ein sehr trockener Mann.
Ich werde nicht einen Act zu einer Oper machen,
sondenv eine Opera, ganz von mir, en deux acta.
Mit dem ersten Act ist der Poet schon fertig. Mr.
Noverre, bey dem ich speise, so oft ich will, hat
es über sich genommen , und die Idee dazu gegeben^
ich glaube, es wird Alexandre und Roxane weiden.
Nun werde ich eine Sinfonie concertante machen
für Flauto (Wendling), Oboe (Ramm), Waldhorn
(Punto) und Fagott (Ritter). Punto bläs't magnifique.
Ich komme den Augenblick vom Concert spirituel
her. Baron Grimm und ich lassen oft unsern mu-
sikalischen Zorn über die hiesige Musik aus, NB.
unter uns 5 denn im Publico heisst es: Bravo, Bra-
vissimo, und da klat steht man, dass einem die Fin-
ger brennen. — Was mich am meisten bey der
Sache ärgert, ist, dass die Herren Franzosen ilxren
Goüt nur in so weit verbessert haben, dass sie nun
das Gute auch hören können. Dass sie aber ein-
sähen, dass ihre Musik schlecht sey — ey bey Leibe!
— Und das Singen! — oime! — Wenn nur keine
Französin italienische Arien sänge, ich würde ihr
ihre französische Plärrerey noch verzeihen; aber gute
Musik zu verderben, das ist nicht auszustehen.
Der Vater an Beyde.
Salzburg, den 12. April 1778.
Mein lieber Wolfgang, ich erfreue mich von
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Herzen, dass Du schon Arbeit hast; nur ist es mir
leid, dass Du mit der Compositum der Chöre so sehr
hast eilen müssen: eine Arbeit, die doch, um sich
Ehre zu machen, seine Zeit erfordert 5 ich wünsche
und hoffe, dass sie Beyfall finden. Mit der Opera
wirst Du Dich wohl nach dem Geschmache der
Franzosen richten. Wenn man nur Beyfall findet
und gut bezahlt wird, das Uebrige hole der Plunder !
Wenn Du mit der Opera gefällst, so wird bald Et-
was in Zeitungen seyn , das möchte ich mit der Zeit
wünschen, dem Erzbischof zum Trotze« Die Sin-*
fonie concertante möchte ich mit diesen braven
Leuten hören* Wenn Du könntest ein gutes Clavi-
chord, wie das unserige, in Paris für Dich auftrei-
ben, das röirde Dir wohl lieber und anstandiger
seyn, als ein Flügel. Dass die Franzosen ihren Gusto
noch nicht ganz geändert nahen, höre ich nicht gern :
allein, glaube mir, es wird doch nach und nach ge-
schehen, denn es ist keine kleine Sache, eine ganze
Nation umzuschmelzen. Es ist schon genug, dass
sie das Gute auch hören können, sie werden nach
und nach auch den Unterschied merken« Ich bitte
Dich, höre nur, bevor Du fiir's Theater schreibst,
ihre Opern, und was ihnen sonderheitlich gefallt.
Nun wirst Du ein ganzer Franzose werden, und
hofFentlich hedacht seyn, den wahren Accent der
Sprache Dir anzugewöhnen. Ich und die Nannerl
sind Gott Lob gesund, und ich bin nun jetzt ausser
aller Sorge und recht vergnügt, da ich weiss, dass
unser bester Freund, Baron von Grimm, sich Dei-
ner annimmt, und Du. an dem Platze bist, der Dich
durch Deinen Fleiss. der Dir angeboren ist, von
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364
V —————
dort aus in der ganzen Welt in grossen Ruhm brin-
gen kann. Wenn' ich mich nicht so viel für Euch
zu sorgen liabe , dann bin ich gesund : und Du kennst
mich, ich halte Alles auf Ehre und Ruhm. Du hast
Dir solchen in der Kindheit erworben — das muss
nun so fort gehen. — Das war allezeit und ist
immer meine Absicht; diess sind nun Deine Jahre,
die Du für Dich und für uns Alle benutzen musst.
Gott erhalte Euch Beyde nur gesund. Mache von
mir und der Nannerl unsere Empfehlungen an Hin.
Baron von Grimm, an Mr. und Mad. Noverre, an
Mad. Genomai, Msclle. d'Epinay, Mr. Wendling,
Mr. Raff, Mr. Gossec etc. —
• • •
Der Sohn an den Vater.
■
Pari«, den 1. May 1778.
Wir haben Ihren Brief vom 12ten April richtig
erhalten. Ich habe immer geglaubt, ich will das
Schreiben so lange verzögern, bis ich Ihnen etwas
Neues und mehr von unsern Umstanden schreiben
kann; allein nun bin ich doch gezwungen, Ihnen
von wenigen und noch zweifelhaften Sachen Nach-
richt zu geben. Mr. Grimm gab mir einen Brief an
Mad. la Duchesse de Chabot, und da fuhr ich hin.
Der Inhalt dieses Briefes war hauptsächlich , mich
bey der Duchesse de Bourbon (die damals im Kloster
war) zu recommandiren, und mich neuerdings bey
ihr wieder bekannt zu machen und sich meiner er-
innern zu machen. Da gingen acht Tage vorbey, ohne
die mindeste Nachricht. Sie hatten mich dort schon
auf über acht Tage bestellt, und also hielt ich mein
Wort und kam. Da musste ich eine halbe Stunde
I
365
in einem eiskalten , ungeheizten und ohne Kamin
versehenen grossen Zimmer warten. Endlich kam
dicD. Chabotmit grösster Höflichkeit, und bat mich
mit dem Cla viere vorlieb zu nehmen, indem keines
von den ihrigen zugerichtet sey, ich möchte es ver-
suchen. Ich sagte, .ich wollte von Herzen gern Et-
was spielen, aber jetzt sey es unmöglich, indem ich
meine Finger nicht empfinde vor Kälte, und bat sie,
sie möchte mich doch wenigstens in ein Zimmer,
wo ein Kamin mit Feuer ist, fuhren lassen. O oui9
Monsieur, voua cives raison. Das war die ganze
Antwort. Dann setzte sie sich nieder und fing an,
eine ganze Stunde zu zeichnen en Compagnie aride-
rer Herren:* die Alle in einem Zirkel um einen gros-
sen Tisch herum saassen. Da hatte ich die Ehre,
eine ganze Stunde zu warten. Fenster und Thür
waren offen; ich war nicht allein in Händen, .son-
dern im ganzen Leibe* und Füssen eiskalt, und der
Kopf fing mir auch gleich an wehe zu thun. Da
war also altutn silenfium , und ich wusste nicht, was
ich so lange vor Kalte, Kopfwehe und langer Weile
anfangen, sollte. Oft dachte ich mir,, wenn's mir
nicht um Mr. Grimm wäre, so ging ich den Augen-
blick wieder weg. Endlich, um kurz zu seyn , spielte
ich auf dem miserabeln elenden Pianoforte. Was
aber das Aergste war, dass die Madame und alle die
Herren ihr Zeichnen keinen Augenblick unterdessen,
sondern immer fort machten , und ich also für die
Sesseln und Tisch und Mauern spielen musste. Bey
diesen so übel bewandten Umständen verging mir
die Geduld — ich fing also die Fischer'schen Varia-
tionen an, spielte die Hälfte und stand auf. Da
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366
waren eine Menge JEloges* Ich aber sagte, was zu
sagen ist, nämlich dass ich mir mit diesem Claviere
keine Ehre machen könnte, und mir sehr lieh sey,
einen andern Tag zu wählen, wo ein besseres Cia-
vier da wäre. Sie gab aber nicht nach, ich musste
noch eine halbe Stunde warten, bis ihr Herr kam»
Der aber setzte sich zu mir, und hörte mit aller
Aufmerksamkeit zuy und ich ••*- ich vergass darüber
alle Kälte, Kopf wehe, und spielte ungeachtet dem
«lenden Claviere so — wie ich spiele, wenn ich gu-
ter Laune bin. Geben Sie mir das beste Ciavier
von Europa, und aber Leute von Zuhörern, die
nichts verstehen, oder die nichts verstehen wollen,
und die mit mir nicht empfinden, was ich spiele, so
werde ich alle Freude verlieren. Ich habe dem Mr.
Grimm nach der Hand Alles erzählt. Sie schreiben
mir, dass ich brav Visiten machen werde, um Be-
kanntschaften zu machen und die alten weder zu
erneuern. Das ist aber nicht möglich. Zu Fuss ist
es überall zu weit und zu kothrg, denn in Paris ist
ein unbeschreiblicher Koth; und in Wögen zu fahren
— hat man die Ehre, gleich des Tages vier bis fünf
Livres zu verfahren, und umsonst, denn die Leute
machen nur Complimente und dann ist es aus. Sie
bestellen mich auf den und den Tag, da spiele ich,
dann heisst es: O {fest un P rodige, c?est inconce-
vable> dest itonnant — und hiermit a Dieu. Ich
habe hier so anfangs Geld genug verfahren — und
oft umsonst, dass ich die Leute nicht angetroffen
habe. Wer nicht hier ist, der glaubt nicht, wie
fatal es ist. Ueberhaupt hat sich Paris viel verän-
dert; die Franzosen haben lange nicht mehr so viel
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Politess e, als vor fünfzehn Jahren, sie glänzen jetzt
dtark an die Grobheit, und hoffärtig sind sie ab-
scheulich. ' :
" . Nun muss ich Ihnen eine Beschreibung vom
Concert spiriiuel machen. Das muss ich Ihnen gleich
im Vorbey gehen sagen, dass meine Chöre- Arbeit^
so zu sagen, umsonst war; denn das Miserere von
Holzbauer ist ohnediess lang und hat nicht gefallen,
mithin hat man anstatt vier, nur zwey Chöre von
mir gemacht, und folglich das Beste ausgelassen.
Das hat aber nicht viel zu sagen gehabt* denn Viele
haben nicht gewusst, dass Etwas von mir dabey ist,
Und Viele haben mich auch gar nicht gekannt. Ue-
brigens war aber bey der Probe ^in grosser Beyfall,
und ieh selbst (denn auf das Pariser Lob rechne ich
nicht) Bin sehr mit meinen Chören zufrieden. Nun
aber mit der Sinfonie concertante hat es wieder
ein Hickl-Hackl. Da aber, glaube ich, ist wieder
was Anderes dazwischen, denn ich habe auch hier
meine Feinde,' und, wo habe ich sie aber nicht ge-
habt? — Das ist aber ein gutes Zeichen. Ich habe
die Symphonie machen müssen in grösster Eile, habe
mich sehr beflissen, und die vier Concertanten wa-
ren und sind noch ganz darin verliebt. Le Gros hat
sie vier Tage zum Abschreiben j ich finde sio aber
noch immer am nämlichen Platze liegen. Endlich
am vorletzten Tage finde ich sie nicht, — suche aber
recht unter den Musikalien, und finde sie versteckt,
Thue nichts dergleichen und frage den Le Gros:
ft propos, haben Sie die Sinfonie concertante schon
zum Schreiben gegeben? — Nein, — ich habe es
vergessen. Weil ich ihm natürlicher Weise nicht
3f>8
befehlen kann, dass er sie abschreiben und machen
lassen soll, so sagte ich nichts. Ging die zweyTage,
wo sie executii t werden sollten, ins Concert, da kam
Ram und Punto im grössten Feuer zu mir und frag-
ten mich, warum denn meine Sinfonie conc. er taute
nicht gemacht wird? — Das weiss ich nicht, das
ist das Erste, was ich höre, ich weiss von Nichts.
Der Ram ist fuchswild geworden, und hat in dem
Musikzimmer französisch über den Le Gros geschmält,
dass diess von ihm nicht schön sey u* b. w. Was
mich bey der ganzen Sache am meisten verdriesst^
ist, dass der Le Gros mir gar kein Wort gesagt hat,
nur ich habe davon nichts wissen dürfen. Wenn
er doch eine Excuse gemacht hätte, dass ihm die
Zeit zu kurz wäre, oder dergleichen; aber gar nichts.
— Ich. glaube aber, daist der Cambini, ein welsche^
Maestro hier, Ursache; denn diesem habe ich un-
schuldiger Weise die Augen in der ersten Zusam-
menkunft beym Le Gros ausgelöscht. Er hat Quar-
tetti gemacht, wovon ich eines zu Manheim gehört
habe, die recht hübsch sind, un4 die lobte.ich ihm
dann , und spielte ihm den Anfang ; da waren aber
der Ritter. Ram und Punto« und Ii essen mir keinen
Frieden, ich möchte fortfahren, und, was ich nicht
weiss, selbst dazu machen* Da machte ich es denn
also so, und Cambini war ganz ausser sich, und
konnte sich nicht enthalten zu sagen r; Questa 4 una
gfan Testa ! Nun, das wird ihm also nicht ge-
schmeckt haben. f •
Wenn hier ein Ort wäre, wo die Leute Öhren
hätten, Herz, zu empfinden, und nur ein wenig Et-
was von der Musik verständen und Gusto hätten,
Digitifed by
I
t
so würde ich von Herzen Zu allen diesen ^Sachen la-
chen, aber so bin ich unter lauter Vieher und Be-
stien (was die Musik anbelangt)* Wie kann es aber
anders seyn? Sie sind ja in allen ihren Handlungen,
Leidenschaften und Passionen auch nicht anders
es giebt ja keinen Ort in der Welt, wie Paris* Sie
dürfen nicht glauben, dass ich ausschweife, Wenn ich2
von der hiesigen Musik so rede« Wenden Sie sich,"
an wen Sie wollen — mür-an keinen gebornen Fran-
zosen — so wird man Ihnen (wenn es Jemand ist,
an den man sich wenden kann) das Nämliche sagen/
Nun bin ich hier« Ich muss aushalten, und das Ih-
nen zu Liebe. Ich danke Gott ' dem Allmächtigen,
wenn ich mit gesundem Gusto davon komme* Ich
bitte alle Tage Gott, dass er mir die Gnade giebt«
dass ich hier ständhaft aushalten kann, dass ich mir
und der ganzen deutschen Nation Ehre mache, und
dass er zulässt, dass ich mein Glück mache, brav
Geld mache, damit ich im Stande bin, Ihnen dadurch
aus Ihren dermaligen betrübten Umständen zu hei*
fen, und dass wir bald zusammen kommen und glück-
lich und vergnügt mit einander leben können* , * '
• ' r * •
N • « • • ■ .«.«.
«■
, ' Der Vater an den Sohtii
... Salxbafg, ddA a9i April 1^8* '*
Montägy den Uten JMay^ Diesen Augenblick
erhalte ich Euer Schreiben vom isten May. Mein
lieber Wolfgartg, mm will ich aüf Alles antworten«
Dass mari in Paris hundert Gänge umsonst macht,
weiss ich aus de* Erfahrung imd habö Dir4 aucli
solches schon voraus einihal geschriebeil. Datfs" die
Franzosen mit Complhnenteri auszahlen, ist mit audl
24
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370
bekannt j und dass Du aller Orten Deine Feinde
haben wirst, ist eine unvermeidliche Sache, das ha-
ben alle Leute von grossem Talente. Alle, die deiS»
malen in Paris in Credit stehen und im Neste sitzen,
wollen sich nicht aus dem Neste treiben lassen 5 sie
müssen sich furchten, ihr Ansehen werde herabge-
setzt , an welchem ihr Interesse hängt. Nicht nur
Gambini, sondern Stamitz, Piccini und Andere müs-
sen eifersüchtig werden. Ist denn Piccini noch in
Paria? Und wird Gretry mcht eifern? — Wend-
ling sagte Dir, die Musik hätte sich geändert. Ich
glaubte nicht viel davon. — — Die Instrumental-
Musik, ja, die war damals schon besser, aber die
'Singmusik wird noch so bald nicht besser werden.
Uebrigens musst Du Dich durch Deine Neider nicht
niederschlagen und ans der Fassung bringen lassen 5
das geht aller Orten so. Denke nur auf Italien, auf
Deine erste Opera, auf die dritte Opera, auf d'Et-'
tore, auf die Intrigue der de Amicis zurück u. s. w.$
man muss sich durchschlagen. Wenn Du und die
Mama nur jetzt zu leben habt, denn die Umstände
in Deutschland muss man abwarten. — Sey aufge-
reimt, finde Dich in die Umstände, und da Du mir
schreibst, Du solltest eine Opera schreibön, so folge
meinem Rathe, und gedenke, dass an dem ersten
Stücke Dein ganzer Credit hängt Höre, bevor Du
schreibst, und überlege den Geschmack der Nation,
höre oder betrachte ihre Opern. Ich kenne Dich,
Du kannst Alles nachahmen. Schreibe nicht in Eile,
— kein Vernünftiger thut das. Ueberlege die Worte
vorher mit Br. v. Grimm und mit Noverre, mache
Schizzi und lass solche sie hören. Alle machen es so :
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,371 „
Voltaire lies't seinen Freunden seine Gedichte vor,
hört ihr Urtheil und ändert* Es ist um Ehre und
Geldeinnahme zu thnnv, und dann wollen wir nach
Italien wieder gehen, wenn ynr Geld haben. Schreibst
Da Etwas zum Graviden, so schreib es leicht für
Liebhaber und populär t sehreib nicht eilig. Streich
weg, was Dir nicht gefallt, mache Nichts umsonst,
lass Dich für Aller bezahlen. — — * ' % *■ v
• .... ,
.im mm m ■ • *, .
<•>•». 4 •
Der Sahn, an* den Vater*
- Nim: nahe ich schon so viel zu thun, wie wird*
es erst auf den "Winter aussehen. "VVaS unsere Um-
stände betrifft, können wir bey dieser Jahreszeit zu-
frieden seyn. Ich höbe dermalen drey Scholaren,
und könnte mehrere haben; ich kann sie aber nicht
nehmen, weil Alles so weit entlegen ist und ich
keine Zeit habe. Unter diesen Scholaren habe ich
auch Eine, welche die Tochter des Duc de Guines
ist, der mich über Alles liebt. Diese ist meine Scho-
larin, der ich taglich zwey Stunden Unterricht in> .
der Composition geben muss, und wofür ich brav
bezahlt werde. Er spielt unvergleichlich die Flöte,
und sie magnifique die Harfe. Sie hat sehr viel Ta-
lent und Genie, besonders ein unvergleichliches Ge-
dächtniss, indem sie alle ihre Stücke, deren sie wirk-
lich 200 kann, auswendig spielt. Sie zweifelt aber
stark, ob sie auch Genie zur Composition hat be^
sonders wegen Gedanken-— Ideen; — ihr Vater aber
(der, unter unter uns gesagt, ein Bischen zu sehr in
sie verliebt-ist) sagt, sie habe ganz gewiss Ideen, es
sey nur Blödigkeit — sie habe nur zu wenig Ver- •
" - 24*
#
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372
teauea &Qf ,sich selbst Nim müssen wir sehen.
Wenn sie - keine Ideen öder Gedanken bekommt
(denn jetzt hat sie wirklich gar keine), so ist es
nmsonst, denn — ich kann ihr,: weiss Gott, keine
geben. Die Intention vom Vater ist, keine grosse
Componistin aus ihr siu machen, Sie soll, sagte er,
leine Opem, : leine Arien, leine Concerte, leine
Symphonieen, sondern nur grosse Sonaten für ihr
Instrument, wie ich für das meinige, schreiben.
Heute habe « ich ihr die vierte Xecdon gegeben, und
was. die Regeln der Composition und das Setzen an-
klangt, so. bin ich so ziemlich mit ihr zufrieden, —
sie hat mir zu , dem ersten Menuett, den ich ihr auf-
gesetzt, ganz gut den Bass dazu gemacht. Nun fangt
sie schon an. drevstiinmiß zu schreiben. Es srehL
aber sie ennuyirt sich 5 doch ich kann ihr nicht hel-
fen, denn ich kann unmöglich weiter schreiten, es
ist zu früh, wenn auch wirklich Jas Genie: da wäre,
so aber ist leider keines da — ' man wird Alles mit
Kunst tliun müssen. Sie hat aar keine Gedanken,
es kömmt Nichts. Ich habe es auf alle mögliche Art
mit ihr probirt; Unter andern kam mir auch in Sinn, 1
einen ganz simplen Menuett aufzuschreiben, und zu
versuchen, ob sie nicht eine Variation darüber ma-
chen könnte? — Ja, das war umsonst. — Nun,
dachte ich, sie weiss nicht, wie und was sie anfan-
gen soll — ich fing also nur den ersten Tact an
zu variiren, und sagte ihrf sie solle so fortfahren
und bey der Idee bleiben das ging endlich so
ziemlich. Wie das fertig war, so sprach ich ihr zu,
sie möchte doch selbst Etwas anfangen, — nur die
erste Stimme, eine Melodie - ja, sie besann sich
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_373
****
eine ganze Viertelstunde — und eä kam nichts. Da
schrieb ich also vier Tacte von einem Menuett und
sagte zuihr: „Sehen Sie, was ich für «ein Esel bin;
jetzt fange ich den Menuett an, und kann nicht ein-
mal den ersten Theil zu Ende bringen. Haben Sie
doch die Güte und machen Sie ihn aus." Das glaubte
sie unmöglich. Endlich mit vieler Mühe — kam
Etwas an den Tag.' Ich war doch fioh, dass einmal
Etwas' kam. Dami musste sie den Menuett ganz aus-
machen^- ttas heisst* hup" 1 -die erste Stimme. Ueber '
Haus haie ich ihr • nichta anders anbefohlen, als
meine vier Tacte zu verändern, und von ihr Etwas
zu machen — einen andern Anfang zu erfinden —
wenn es^ 'schön die nämliche Harmonie ist, wenn
nur ' die ' Melodie anders ' ist. Hun werde ich morgen .
sehen, was es ist. ° * ' -**
Ich werde nun bald,' glaube ich; die Poesie zu
meiner Opera en dettx acts bekommen 5 dann muss
ich sie erst dem Director Mr. de Huime prasentiren,
ob er sie annimmt. Da ist gar kein Zweifel nicht*
denn Noverre hat sie angegeben, und dem Noverre
hat de Huime seine Stelle zu danken. Noverre wird
auch bald ein neues Ballet machen, und da werde
ich die Musik dazu setzen. Rudolph', der Wald-
hornist, ist hier in königlichen Diensten, und mein
sehr guter Freund; er versteht die Composition aus
dem Grunde und schreibt schön. Dieser hat mir die
1 ...
Organisten -Stelle zu Versailles angetragen, wenn ich
sie annehmen will. Sie trägt das Jahr 2000 Livres,
da muss ich aber sechs Monate zu Versailles leben,
die übrigen sechs Monate zu Paris, oder wo ich will;
ich glaube aber nicht, dass- ich es annehmen werde.
■
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374
Ich muss guter Freunde Rath darüber hören 5 denn
2000 Livres ist doch kein so grosses Geld, In deut-
scher Münze freylich, aber hier nicht | es macht zwar
das Jahr 83 Louisd'or und 8 Livres, das ist unsriges
Geld 915 £1. 45, Xr., das iy£re freylich viel, aber
hier nur 333 Thlr. und % Livres 7— das ist nicht viel.
Es ist ersohrecklich, wie geschwind ein Thaler weg
- ist! Ich kann mich gar nicht verwundern, wenn
man aus dem Louisd'or nicht viel hier macht; denn
es ist sehr wenig; 4
d'or, welches 4as Nämliche ist, sind gleich weg, —
• • « ■
Der Vater an den Sohn.
Salzburg, den o8. May 1778»
Mein lieber Sohn! Ich bitte Dich, suche die
Freundschaft des Z>ac <fe Guinea zu erhalten und
sich bey ihm in Credit zu setzen 5 ich habe ihn oft
in Zeitunccn eelesen. er eilt Alles am Köniel. Hofe;
da jetzt die Königin seh wanger ist, so werden dann
bey der Geburt grosse Festivitäten eeyn, da könn-
test Dn Etwas zu thun bekommen, so Dein Glück
machen könnte, da in solchen Fallen Alles geschehen
wird, was die Königin nur verlangt. Da schreibst,
heute habe ich der Mad»«U* des Herzogs die vierte
Lection gegeben, und Du willst, dass sie schon selbst
Gedanken aufschreiben soll« — meinst Du. alle Leute
i
haben Dein Genie? Es wird schon kommen!
Sie hat ein gut Gedächtniss. Eh bien( Lass sie
Stehlen — oder höflich, appliciren, — von Anfang
thut es nichts, bis dass Courage kommt. Mit Varia-
tionen hast Du einen guten Weg genommen, nur
fortgefahren ! Wenn Mr. I* Duc nur etwas
376
Kleines *»n seiner MWW* Tochter hört, wir* er
ausser «Ich sevn-, das ist wirklich eine glückliche
Bekanntschaft! — Wegen der Opera, die Du schrei^-
bea sollst, babeSoh Dip letatEeh^schon meme Erin-
nerungen gemacht. Ich wiederhole, Dir zu sagen;
die Materie woJUzu überlegen, die Poesie mit Ba-
ron Grimm durchzulesen, und wegen Eipressioh
der Affecten mit Noverre Dich zu verstehen, dem
Geschmack e der Nation ith Gesäuge zu folgen, wel-
ches. Deine. Modulation und Deine Stimmensetsung
alsdann erheben und von andern unterscheiden wird.
~~ Rudolph hat Dil* die Organisten -Stelle in Ver-
sailles angetragen? — — Steht e* bey ihm? • —
er will Dir daau verhelfen? Das musst Du nicht
sogleich wegwerfen. Du. ärasst überlegen, dass die
33 Louisd'or in sechs Monaten verdient sind, —
dass Dir ein halbes Jahr zu andern Vetdiensten
übrig bleibt, dass es. vermuthÜch ein ewiger
Dienst ist, Du magst krank oder gesund seyn> —
dass Du ihn allezeit wieder verlassen kannst, —
dass Dw am Hof e bist, folglich täglich in den
Augen des Königs und der Königin, und dadurch
Deinem Glücke näher, — dass Du bey Abgang eine
der zwey Kapellmeister -Stellen erhalten kannst, —
dass Du seiner Zeit, wenn Succession da seyn sollte^
Ciaviermeister der königl. jungen HerrscJuiften seyn
würdest, das sehr einträglich wäre, — dass Dich
Niemand hinderte, fur>s Theater oder Conccrt spi-
rituel etc. 'Etwas zu schreiben, Musik graviren zu
lassen und den gemachten grossen Bekannt sclutften
zu dediciren* da in Versailles Viele der Minister
sich aufhalten, wenigstens im Sommer 5 — dass Ver-
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376
*
milles seihst eine kleine Stadt ist, oder wenigstens
viele ansehnliche Bewohner hat. wo allenfalls «ich
ein oder der audere, Scholar oder Sc! 1 akrin finden wür-
dfULfi vuid endlich a& das der sicherste Weg, sich
der PrptßctiQn der . Königin zu versieliern, und sich
beliebt £U machen, . Lese, dieses : dem Herrn Baron
Cximm vor, und höre seine Meinung, Uobrigens würde
ich 3 mndert Sachen, die ich Euch schreiben will,
vergessen, wenn ich nicht . einen Sogen Papier her- .
gerichtet Mtte, wo ich, so oft Etwas geschieht oder
mir einfällt, fbs ick Euch sehreiben will, solches
also^lcich mit ein. paax Worten äufnotirtei Schreibe
ich Eue h 7 in n, so nehme ich den Bogen her und
schreibe die Neuigkeiten, und dann lese ich Euern
letzten Brief und antworte. Das konntet Ihr wohl
auch machen, IV a* ich Euch schreibe, streiche ich
auf dem Sogen aus, damit ich das Uebrige ein au*
deres. Mal schreiben kann, was noch da steht. Und
Du, mein liebes Weib, musst fein die Zeilen recht
enge an einander schreiben. Du siehst ja, wie ich
es mache. Unser lieber . Wolfgang soll nach, und
»ach, wenn er gute Claviorsachen «findet, Etwas
sammeln und uns mit dem Postwagen schicken.
Wir brauchen es für die Scholaren. Mit guter Ge-
legenheit ! — ^
... . ..
Der Sohn au den Vater.
] m Paris, den ia. Jany 177»«
m
Ich habe nun schon gewiss sechs Mal bey Gra£
Siekingen, Pfälzischem Gosandten gespeis't — da
bleibt man allezeit von i bis 10 Uhr. Die Zeit geht
»her bey ihm «o geschwind herum, dass mau es gar
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irfoht merkt. Er hat mich «ehr lieb. Ich bin aber
auch sehr «gern bejr ihm widas ist ein so freundlicher
und vernünftiger Herr, und dereiho so gesunde
Vernunft — und eme wahre Einsicht in die -Musik
hat. Heute war ich abermals mit Ha IT dort, und
ich brachte ihm,- weil er mich schon längst darum
gebeten chatte, etliche Sachen -von mir hin. Heute
nahm ich die neue Symphonie mit, die ich gerade lertig
hatte, und durch welche am Frohnleichnamstage'das
Concert *piri*u$l wird eröffnet werden. Diese hat
allen BeydeÄ- überaus Wohlgefallen; Ich bin aucE
sehr wohl damit zufrieden. Ob sie aber gefallt* das
weiss ich nicht, * und die Wahrheit zu sagen^Megt
mir sehr wenig daran; denn, - wem wird- sie nicht
gefallen? — den wenigen gescJieidteh Franzosen , die
da sind, stehe ich gut dafü*; das* sie gefällt $ den
Dummen , — da sehe ich kein grosses Unglück, wenn
sie ihnen niöht gefällt. — Ich habe aber doch Hoff*
nung, dass die £sel auch Etwas daran finden* das
ihnen gefallen kann; und dann habe ich ja den pre-
Tnier coup Farchet nicht verfehlt! — und das ist ja
genug. Da machen die Ochsen hier ein Wesen da-
raus! Was Teufel! — ich merke keinen Untere
schied — sie fangen auch zugleich an — wie in an-
dern Qrten. Das ist zum Lachen» — —
• * — — l %••'» %»•»•••» • • «■ \ »
* » « «... M #• •« • * • •
Oer Vater an den Sohn. . . ,.,r (
j .' . • *, Salzburg» den 39. Juny »778. -\
Am heil. Dreyfaltigkeits - Sonntage Nachmittags,
nach der Litaney im Priesterhauso sagte mir Graf
Starnberg, ob ich nicht morgen zu ihm kommen
könnte, er hatte Etwas mit mir- zu sprechen. Ich
uiyi
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kam ^Niemaisd. was 4a, sk 9*\U üruder, der La^
■erL kpnigt. M*jpr*.$M hbey ihm wohnt, uud , »ich
hier von der Furcht Griten lassen, wttlf die er vor
£em Preussischen Ptdver und Biey, bat. Er sagte
mir 9 es wäre, ihm ein Organ isf reeominandirt worr
4on, LeB wpiitft. fiiqb «ber der Sache( nicht anneJUmea,
ohne; zu wissen, ob er gut wäre, *-r .er wollte sich
demnach bey mir er^flndigenj ob ich ihn nicht keim tu 5
er sagte mir, er heisst Mandl, oder wfe, ;W wüsstt
es, gelbst nich t recht« rm ' . O du ungeschickter Teu-
fel! dachte, ich;, . mön. wii-d de» Auftöag oder ein
Ansuchen aus Wie» cpcbaUenl, um Jemand zu recom-
inaödiren und defc^NWwm §5tpf des Cüenten nicht
»chteiheu. loh , hätte es nicht merken sollen , dass
dieses der Eingang' wäre, um mich zn fcewegen, von
meinem* gphn* zureden: aber ich? — nicht eine
gylbel.ich sagte* das* ich die Ehre nicht hätte, . die-
sen Manschen zu kennen, und dass ich niemals es
waeen würde, dem Fürsten Jemand anzuemp fehlen,
indem es immer schwer wäre, Jemand zu flu den,
der ihm nach der Hand recht anstandig wäre. /*/
sagte er, — 1 Uly Werdet ihm auoh Niemand recom-
maudiren , es ist viel au luirt! - r Ilir Herr Solm
«rite 7«er s</«f (brÄroi iftufgesossen) dachte
ich:* iZa-s* dieser Mann nicht .ein grosser
Staats-Minister und Abgesandter ist! — Dann sagte
ich ihm: wir wollen recht aufritlUig sprechen} und
fragte ihn, ob man nicht alles Mögliche gethan, ihn
mit Gewalt aus Salzburg zu* vertreiben? Ich fing
vom An&inge an, und vergass nichts herauszusagen,
was Alles vorbey gegangen, so dass sein Bruder
ganz .erstaunte, und er selbst aber nichts anders sa-
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een konnte, als dass 4 Lies die gründlichste .Wahrheit
wäre.« Wir kamen - auf AW#» von der ganzen Musik
— ich; erklärte ihm Alles . voä ; der Brust heraus , —7
und erj erkannte, dassAl|es;^o vollkommene Wahr-
heit wäre, und sagte endlich seinem Bruder, dass
alle Frenke* die an* den Salzburgischen Hof gekomT
men, .nicjits anderes als den jungen j\£o^,cit t 1)6—
wundert hätten* Er wollte mich bereden , dass ich
an meinem Sohn desswecen schreiben sollte: ich sacte
ihm aber, dass ich diess nicht thun könnte, —» dass
es e^ue vergebliche Ai'beit wäre, -n dass mein Sohn
über:: ejnen solchen Antrag lachen würde; es wäre
denn die Sache, dass ich ihm- zugleich den Gehalt^
den er haben sollte,, überschreiben könnte; denn
auf den Gehalt eines Adlgassers wurde nicht einmal
eine Antwort zu hoffen seyn* Ja, wenn Se. Iloch-
fürstL Gnaden ihm auch monatlich 60 fl. zu geben
sieh entschliessen könnten, so stündo noch car sehr
zu zweifeln, ob ef es annehmen würde», Wir^ gin-
gen alle Drey mit einander aus seinem Hause, denn
sie gingen auf die Reitschule, ich begleitete, sie, und
wir sprachen immer von dieser Sache , , ich blieb da-
bey , was ich oben gesagt habe, — er blieb dabey,
dass er für meinen Sohn allein eingenommen wäre.
Nun müsst Ihr wissen, -*dass der Fürst keinen
guten Organisten bekommt, der auch ein guter Cla-
vierspieler ist. — Dass er jetzt sagt (aber nur zu
seinen' Lieblingen), dass Becche* ein Scharlatan und
Schwankemacher sev* dass der Mozart Alle weit
übertreffe, also »möchte er lieber denjenigen haben,
den er kennt, was er ist, als einen Andern für das
th euere Geld, den er noch nicht , kennt. Er kann
I
TW
m
a (Wenn er ihm weniger ©ehalt geben wollte)
eine EinhäHme,'dai^''SchoIareh;;T^ da de-^
ren wenige sind, und ich solche ha%e, und «war
mit dem Kühme, dass k*in Mensch besser Zäciiön
zu geben1 im Stande ist. **- Kegfc nun- der Haaso
im Pfeffer!- Rtf3s<Areibe «b**> alles • äies^ liefet m
der Absiebt, DÄ3»^ jriem Keber--Wolfgan^'«*u bere-
den^ dass Du nach. SalabuYg^aüruekkehre» solltest
denn ich rnache"ganz und-gar keine Rechnimg' auf
die Worffe des Brzbischofs , iclv habe auch mit der
Ä :Kttn Wort gesprochen^ Wntleitt* Vermeide
HSefiheftr < dÖef^'Gele^ehheÄ? tfak ihr 1 «usammeri- zu
^^6^:' äa-siWraas mindeste W^für'WlÜfiWg*
keit 1 und Ansuchen aufeehmentrnöchte. Sie müssen
kommen — und um Etwas einzugehen , müssten
^ohl gar günstige und vortheöltafte Cbnditiönes vor-
geschlagen* werden, und daseist rÜcht zu vermuthen.
Wir wollen es verwarten man rnuss nichts ver-
redciij als das Na^enabbeissenv*j *m
* • • • • • t
A.m* m p , b«m •-«•. U l I § ' - ■ * ». » ■
.'j*' * " "0 •* r ••••••• • , it —
Den 3teri Julius it/8 starb Mozart's Slutter nach
einem vierz^ehntägigen Krankenlager. Der Sohii be-
richtet diesen FaU Hrn. Abbate Bulluigcr, um 'sei-
nen Vater darauf vorzubereiten, durch folgenden
Brief: . .
** Iii "l » . • I » ••• •«
• \ ■
Allerbester Freund! (fü* Sie gan« allein.)
Trauern Sie mit mir, mein Freund! — Diess
war der traurigste Tag in meinem Leben — das
schreibe ich um zwey Uhr Nachts — ich mtfss es
sagen, meine Mutter , meine liebste Mtil-
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3H1
■
ter igt nich t mehr !, Gott hat sie zu; .sich [berufen;
— et wollte sie haben, das sah iah; klar mm mithin-
habe ich midb in dt* Hillen Gottes gegeben.
Ep hat" sie mir gegeben er konnte ? sie mir auch
nehmen« ' Stellen Sie - »ich nur alte meine Unruhe,,
Angst. und Sorgen vjprY. 4t«: ich diese vierzehn Tage
ausgestanden habe* Sü? starb, ohne < dass sie Et-,
was von sich wusste.:-r Jßsehte aus wie ein Licht«
«» *
Sie hat -drey Tage vorher gebeichtet , wurde abge-
.speis' t und empfing die* heilige Oehlung. — r Die
letzten drey Tage aber phantasirte sie beständig, umd-
heute um £ Uhr 21 Minuten Abends griff sie in ZüV
gen,, verler also gleich dabey alle Empfindung ,und
Sinne — ich drückte ihr die Hand, redete sie an —
sie sah mich aber nicht, hörte mich nicht, und em-
pfand Nichts - so lajg sie, bis sie verschied« näm-
lich in 5 Stunden, um 10 Uhr 21 Minuten Ahend*
— es war Niemand dabey , als ich , ein- guter Freund _
von um,, den mein Vater kennt, Hr. .Haine und die
Wärterin. — Die ganze Krankheit kftJtm ich Ihne* :
heute unmöglich schreiben — ich bin der Meynung,
dass sie hat sterben müssen — Gott hat es so haben
wollen. Ich bitte Sie unterdessen um Nichts, als
tun das Freundschaftsstück, dass Sie meinen armen
Vater ganz sachte zn dieser traufigen Nachricht zu-
bereiten — ich habe ihm mit der nämlichen Post
geschrieben — äber nur, dass fcie schwer krank ist
— warte dann nur auf eine Antwort, damit ich mich
darnach richten kann« Gott gebe ihm Stärke .und
Muth! — Mein Freund! — Ich bin nicht jetzt,
sondern sehr lange her getröstet! — ich habe aus
besonderer Gnade Gottes Alles mit Standhaftigkeit
und Gelassenheit übertragen. Wie es so gefahrlich
wurde, to bat ich Gott nur um zwey Dinge,' näm-
lich um eine glückliche Sterbestunde für meine
Mutter, und dann für mich um Stärke und Muth —
und de* gutige Gott hat mich erhört und mir die
zwey Gnaden im grössten Maasse verliehen. Ich
bitte Sie also, bester Freund, erhalten Sie mir mei-
nen Vater, sprechen Sie ihm~Muth zu, dass er es
«ich nicht gar zu schwer und hart nimmt, wenn er
das Aergste erst hören wird. Meine Schwester em-
pfehle ich Ihnen auch von ganzem Herzen — gehen
Sie doch gleich hinaus Zu ihnen, ich bitte Sie —
sagen Sie ihnen noch nicht, dass' sie todt ist, son-
dern bereiten Sie sie nur so dazu vor — thun Sie,
was Sie wollen, — wenden Sie Alles an — machen
Sie nur, dass ich ruhig seyn kann — und dass ich
nicht etwa ein anderes Unglück zu erwarten habe.
— Erhalten Sie mir meinen lieben Vater, und meine
liebe Schwester. Geben Sie mir gleich Antwort, ich
bitte Sie — Adieu, ich bin
Dero
. . : Wolfgang Amade Mozart. ,
Au« Fürsorge.:
Rue du gros chenet, vis-ä-vis Celle da croissant
ä l'hötel des quatre fds aimont*
Der Sohn an den Vater^ ; ,
Paris, den 3. July 1778.
Ich habe Ihnen eine sehr unangenehme und trau-
rige Nachricht zu geben, die auch Ursache ist, dass
ich auf Ihren letzten Brief, vom Ilten Juny datirt,
nicht eher habe antworten können. Meine liebe
r
383 ,
Mutter ist sehr krank — sie 'hat «ich , wie sie es ge-
wöhnt war, Ader 'gelassen-, und es war auch Seh*
nothwendig, und war ihr auch darauf ganz gut. Doch" i
einige Tage darnach klagte sie über Frost umi auch
gleich Hitze, — -* bekam den Durchlauf ^ Kopfwehe;'
wir brauchten" anfangs unsere Hausmittel, "antispas-1
modisch Pulver* wir hätten aucli gern das schwarze
gebraucht, £s -mangelte ; uns aber," und wir konnten
es hier nicht bekommen , es ist auctT unier dem Na-
men pulvis ' eptlepttcus nicht bekannt. — Weil es
aber immer arger wurde, sie hart reden konnte*, das
Gehör verlor, bö dass man schreyen musste, — so
scjiicicte der uaion uiinun seinen uoctor ner. —
Sie ist sehr schwach , hat noch Hitze und phantasirt^
— man giebt mir -Hoffnung -, ich habe aber :nicht
viel — ich bin nun schon länge Tag und Nacht
zwischen Furcht und - Hofinmnj «—'Ich habe mich
aber ganz in den Willen Gottes gegeben"— und
hoffe, Sie und meine liebe Schwester werden es
auch thun. : Was ist denn sonst für ein Mittel, um
ruhig zu seynf «^ ruhiger, sage ich, denn ganz
kann man es nicht seyn. — Ich bin getröstet, es
mag ausfallen, wie es will, — weil ich weiss, dass
eis Gott, der Alles (wenn es uns noch so quer vor-
kommt) zu unseren Besten anordnet,' so haben will 5
denn ich glaube, und dieses lasse ich mir nicht aus-
reden, dass keinDoctor* kein Mensch, kein Unglück,
kein Zufall einem Menschen das Leben wedei^ geben
noch nehmen kann, sondern Gott allein — das sind
nur die Instrumente, deren er sich meistenstheils
bedient — und auch nicht allezeit. — Wir sehen
ja, dass Leute umsinken, umfallen und todt siuo*.
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Ich sage desswegcn Jijclft, dass meine Mutter sterben
wird und sterben mnss, dass alle Hoffnung verloren
sey — sie kann frisch und gesund werden, aber nur
wenn Gott wilL — Ich mache mir, nachdem ich
aus allen meinen Kräften um die Gesundheit und
das Leben meiner lieben Mutter zu meinem Gott
gebetet habe, gern solche Gedanken und Tröstungen,
weil ich .mich hernach, mehr beherzt, ruhiger und
getrostep finde, — denn Sie werden sich leicht vor-
stellen^ dass ich diess brauche! ßm Nun etwas An-
deres. Verlassen wir diese traurigen Gedanken , hof-
"fV- w ^^rxr ^ &b^r ixxcln^ zix \^ac1^ litiijc ix ^j^^xr .^ixiscr ^^/^d^**
trauen auf Gott,: und trösten wir ups mit diesem
Gedanken, dass Alles gut geht, Y?enn es ,nach dem
•vVülen des Allmächtigen geht, indem er am besten
weiss, was uns AUen sowohl zu unserm zeitlichen
als ewigen Glück und Heü erspriesslich und nutz-
bar ist^-- . • . , 1 , ..• • . i -
Ich habe eine Symphonie, um das Concert spi-*
riiuel zu eröffnen, machen müssen , und sie. wurde
am Frohnleichnamstage mit allem Applaus aufge-
führt. Es ist auch, so viel ich höre, im Courier de
l'Europe eine Meldung davon geschehen- — Sie hat
also ausnehmend gefallen. Bey der Probe war es
mir sehr bange, denn ich habe meine Lebenszeit
nichts Schlechteres gehört 5 Sie können sich nicht
vorstellen, wie sie die Symphonie zwey Mal nach
einander herunter gehudelt und herunter gekratzt,
haben. — Mir war wahrlich bange , ich hätte sie
», * mm m 4« V.
gern noch einmal probirtj aber weil man allezeit so
viel Sachen probirt, so war keine Zeit mehr. Ich
musste also mit bangem Herzen und mit unzufrie-
I
I
SM
Bett gehen. Den an-
dern Tag hatte ich mich entschlossen, gar nicht ins
Concert zu gehen; da es aber Abends gut Wetter
wurde, entschloss ich mich endlich, mit dem Vor-
satze, dass, wenn es so schlecht, wie bey der Probe
ging, ich gewiss auf das Orchester gehen werde,
und dem Hrn. La House, erstem Violinspieler, die
Violine aus der Hand nehmen und selbst dirigiren
werde. Ich bat Gott um die Gnade, dass es gut
gehen möchte, und Ecce! die Symphonie fing an,
Raff stand neben mir, und gleich mitten im ersten
Allegro war eine Passage, die ich wohl wusste, dass
sie gefallen müsste: alle Zuhörer wurden davon hin«
gerissen, und war ein grosses Applaudissement« —
Weil ich aber wusste, wie ich sie schrieb, was das
für einen Effect machen würde, so brachte ich sie
zuletzt noch einmal an, — da ging es nun da capo.
Das Andante gefiel auch, besonders aber das letzte
Allegro« Weil ich hörte, dass hier alle letzte Alle«
gro's, wie die ersten, mit allen Instrumenten zugleich,
und meistens unisono anfangen, so fing ich es mit
den zwey Violinen allein piano nur acht Tacte an,
— darauf kam gleich ein Forte j mithin machten die
Zuhörer (wie ich es erwartete) bey Piano sch— ,
dann kam gleich das Forte« — Sie das Forte hören
und in die Hände klatschen war Eins. Ich ging also
gleich vor Freude nach der Symphonie ins Palais
Royale, nahm ein gutes Gefrornes, — betete den
Rosenkranz, den ich versprochen hatte, und ging
nach Haus«
Dass ich hier nicht gern bin, werden Sie schon
längst gemerkt haben; ich habe so viele Ursachen,
25
*
Digitize
die aber, weil ich jetzt 'schon einmal da bin, zu
Nichts nützen. —
— ■ Mit der Opera ist es dermalen so. Man findet
sehr schwer ein - gutes Poeme ; die .alten, welche die
besten sind, sind nicht auf* den modernen Styl enr-.
gerichtet, und die neuen sind alle nichts werth; denn
die Poesie, welches das Einzige war, worauf die
Franzosen haben stolz seyn können, wird jezt alle
Tage schlechter, und "die Poesie ist eben das Einzige
hier, was gut seyn muss, weil sie die Musik nicht
verstehen. — Es sind nun zwey Opern, die ich
schreiben könnte, eine en deux aete*y die andere eh
tröü acte*. Die en deux acte* ist Alexandre et Roxane
— der Poet aber, der sie schreibt, ist noch in der
Campagne. Die en trois actes ist Demofont (von
Metastasio), übersetzt und mit Chören und Tänzen*
vermischt, und überhaupt -für das französische Thea-
ter arrangirt, von dieser habe ich auch noch nichts
sehen können. — — •>.' Wegen i Versailles -war es
nie mein Gedanke:; ich habe auch den Rath des
Baron Grimm und anderer guten Freunde dar über-
gehört, sie dachten Alle wie ich. Es. ist /wenig Geld,
man muss sechs Monate in einem Orte verschmach-
ten, wo nichts sonst zu verdienen ist, und sein Ta-
lent vergraben« Denn wer in königlichen Diensten
ist, der ist zu Paris vergessen, und» dann Organist 1
— Ein guter Dienst wäre mir «ein? lieb, aber nicht
anders als Kapellmeister und gut bezahlt«
.Nun leben Sie reehtr ;wohl , habeji Sie Sorge auf
Ihre Gesundheit, verlassen Sie sich au£ Gott,: da
müssen Sie ja Trost finden* Meine liebe Mutter ist
in den. Händen des Allmächügen, 'will er sie uns
387
*
* 0 *
noch sc] lenken, so werden wir ihm für diese Gnade
danken; ^vill er sie aber zu sich nehmen, so nützet
alP unser Aengsteri, Sorgen, Verzweifeln nichts, —
geben wir und lieber standhaft in seinen göttlichen
Willen, mit ganzlicher Ueberzeugung, dass es zu
unserm Nutzen seyn wird, weil er nicht« ohne Ur~
sache thut*
, . ••• • • •
\t . , Des. Vaters Antwort u. s. w. ,
;.: Salzburg, den i3. July 1778. .
' • Mein liebes Weib, und mein lieber Sohn! ;
Um Deinen Namenstag , mein liebes Weib, nicht
zu verfehlen, schreibe ich üfoter heutigem Datum,
-wo der Brief noch sicher einige Tage vorher ein-
treffen muss. Ich wünsche Dir Millionen Glück,
solchen abermals erlebt zu haben, und bitte den
allmächtigen Gott, dass er Dich diesen Tag noch
viele Jahre gesund und, so viel es auf diesem ver-
änderlichen Welt-Theater möglich, auch vergnügt
möge erleben lassen. Ich bin vollkommen überzeugt
dass Dir zu Deinem wahren Vergnügen Dein Mann
und Deine Tochter mangelt. Gott wird nach seinem
tmerforschlichen R Anschlüsse und heiligster Vor-
sehung Alles zu unserm Besten anwenden. Hättest
Bu wohl vor einem Jahre geglaubt, dassr Du Deinen
kommenden Namenstag in Paris hinbringen würdest?
*— — So unglaublich es damals Manchen! geschienen
hätte (obwohl uns eben nicht) — eben so möglich
ist es, dass wir mit der Hülfe Gottes eher, als wir
es vermuthen, wieder Alle beysammen sind: denn
dieses allein ist, was mir am Herzen liegt, — von
Euch getrennt zu seyn *— von .Euch entfernt, und
25*
I
so weit entfernt zu leben; sonst sind wir, Gott sey
gelobt, gesund! Wir Beyde küssen Dich und den
Wolfgang Millionen Mal, und bitten Euch haupt-
sächlich für die Erhaltung Eurer Gesundheit besorgt
zu seyn. —
Dieses Vorherstehende schrieb ich gestern, den
Ölten d. M. Heute Vormittags den i3ten, das ist
diesen Augenblick vor 10 Uhr, erhalte ich Dein be-
trübtes Schreiben vom 3ten July. Du kannst Dir
leioht vorstellen , wie. uns Beyden um das Herz ist.
Wir weinten zusammen, dass wir kaum den Brief
lesen konnten, — und Deine Schwester! — grosser,
barmherziger Gott! Dein allerheiligster Wille ge-
schehe! Mein lieber" Sohn! bey aller meiner immer
möglichen Ergebung in den göttlichen Willen wirst
Du es doch ganz menschlich und natürlich finden,
dass ich durch Thränen fast gehindert werde, zu
schreiben. Was kann ich endlich für einen Schluss
machen? — Keinen andern, als: jetzt, da ich dieses
schreibe, wird sie vermuthlich todt — oder sonst
muss sie besser seyn, denn Du schreibst den 3ten,
und heute ist schon der 13te. Du schreibst, sie be-
fand sich auf das Aderlassen gut; allein einige Tage
hernach klagte sie über Frost und Hitze. Euer letz-
ter Brief war vom 12ten Juny, und da schrieb sie —
gestern habe ich mir Ader gelassen t das war also
den Ilten Juny, und warum denn an einem Sams-
tage — an einem Fasttage? — Sie wird wohl
Fleisch gespeis't haben. Sie hat mit dem Aderlassen
zu lange gewartet. Ich habe es ja erinnert, weil ich
sie kenne, dass sie Alles von Heute auf Morgen ver-
schiebt, absonderlich an einem fremden Orte, wo
• »
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sie sich erst um einen Chirurgen erkundigen
Nun ist einmal die Sache so — und nicht mehr zu
ändern« — Da ich mein vollkommenes Vertrauen
in Deine kindliche Liebe setze, dass Du alle men-
mmögliche Sorgfalt für Deine gewiss gute Mut-
getragen hast, und, wenn Gott sie uns noch
schenket, immer tragen wirst; für Deine gute Mut-
ter, deren Augapfel Du warst, und die Dich ganz
ausserordentlich geliebt hat, — die völlig stolz auf
Dich war, und die (ich weiss mehr als Du) gänzlich
in Dir gelebt hat« Sollte nun aber alles unser Hoffen
vergebens seyn! Sollten wir sie verloren haben! —
Grosser Gott! So litis t Du Freunde ?wthig, red-
liche Freunde! sonst kommst Du um Deine Sachen,
Begräbniss- Unkosten ». 8. w. mein Gott! manche
Dir ganz unbekannte Unkosten, wo man einen Frem-
den betrugt — übernimmt — hintergeht — im un-
notnige i^osten bringt una aussaugt, wenn man niciu
redliche Freunde hat: Du kannst es wirbt verstehen.
Sollte nun dieses Unglück vorgefallen seyn, so bitte
Hrn. Baron von Grimm, dass Du Deiner Mutter
Sachen aHe zu ihm in Verwahrung bringen darfst,
damit Du nicht auf gar so viel Sachen Achtung zu
geben nothwendig hast: oder versperre Alles recht
gut, denn wenn Du oft ganze Tage nicht zu Hause
bist, kann man ins Zimmer brechen und Dich aus-
rauben. Gott gebe, dass alle diese meine Vorsorge
unnöthig ist: an dieser aber erkennst Du Deinen
Vater. Mein liebes Weib! mein lieber Sohn! Da
sie einige Tage nach dem Aderlass unpässlich ge-
worden, so muss sie sich seit dem l6ten oder 17ten
Juny krank befinden« Ihr habt doch zu lange ge-
390
wartet, — sie hat geglaubt, es wird durch Ruhe im
Bette » ,durch.Diät,. durch eigene Mittel besser wer-
den; ich weiss, wie es geht, man hofft und schiebt
von Heute auf Morgen; allein, mein lieber Wolf-
gang, das Laxken bey Hitze erfordert augenblick-
lich einen Medicura, um zu wissen, ob man die
Hitze benehmen oder noch lassen muss, da die ab-
kühlenden Mittel noch mehr Laxiren machen und
stillt man den Durchlauf zur unrechten Zeit, so geht
die Materia peccana in einen Brand, fe*. Gott, Dir
sey Alles uberlassen!
Ich wünsche Dir Glück, dass Du mit Deiner
Symphonie im Comett spirituel so glücklich durch-
gekommen. Ich stelle : mir Deine Angst >vor. — «
Dein Entschluss, wenn es. nicht .gut gegangen^ wäre,
ins Ouchester zu laufen, war wohl nur ein erhitzter
Gedanke. - Behüte. GottL diese und .alle derley Ein-
fälle musst Du Pir au^scldagen ; sie sind unüberlegt,
ein solcher Schritt würde Dir das Leben kosten, und
das setzt doch kein vernünftiger . Mensch auf eine
Symphonie» ,Ein dergleichen. Affront r-i und zwar
öffentlicher Affront,, Ty^urde und müsste- nicht nur
ein Franzose, sondern lt jeder Andere, der auf Ehre
hält, mit dem Degen , in der Faust rächen. — r —
Ich schrieb ihjp meinen Glückwunsch am An-
fange des Briefes v— «und die Nannerl wpllte mit
ihrem Glückwunsche denselben scliliesen. Allein sie
kann (wie Du Dir 's leicht vorstellen kannst) keinen,
Buchstaben schreiben, die Sache kommt eben jetzt,
da sie schreiben sollte, — jeder Buchstabe, den sie
hinschreiben, soll, treibt üir einen Thräneuguss in
die Augen. Vertrete Du, ihr lieber Broder, ihre
391
i ■
Stelle ^~ wenn Du, wie wir'
noch vertreten kannst. • • . ' " ' *•
, Doch nein i Du kannst es nicht mehr. — Sie
ist- dahin! Du bemühest Dich zu sehr, mich zu trö-
ste»! das thut man nicht £ar so eifrig, wenn man
nicht durch den Verlust aller, menschlichen Hütt-
nung, oder durch den Fall selbst; dazu ganz natür«
^ch angetrieben ivird. Dieses schreibe ich um
halb 4 Uhr Nachmittags. Ich weiss nun, dass meine
liebe Frau im: Himmel ist. Ich schreibe es mit wei-
nenden^Augen, aber mit gänzlicher Ergebung in den
göttlichen Willen!, ' . . ' ' ? -u '
i, * Hri iBullinger. fand uns, wie alle die Uebrigen
uns. antrafen, in der betrübtesten Situation; ich gab
ihm* ohne ein Wort zu sagen, Deinen Brief zu le-
$en, und er verstellte sich trefilieh, und fragte mich, -
was ich davon hieltet Ich antwortete ihm, dass ich
fest -glaubte, mein liebes Weib sey schon todt. Er
sagte > dass e^ in der That fast eben dieses vermu-
the, und dann sprach er mir Trost ein, und sagte,
mir als ein wahrer Freund; alle» dasjenige, was ich
mir I bereits ecbonyitlbat gesagt hatte. Ich gab mir
Mühe, mich aufzuräumen, mich bey der Ergebung
in den allerheiligstcn göttlichen Wülen zu erhalten.
Wir cfnfligten uiiser Folzscmesseji, Alles, ging betrübt
weg, Hr. Biüliuger, blieb bey mir, und fragte mich
dann unbemerkt, was ich davon hielte, ob bejr die-
sen .beschriebenen KränklieiUumstanden noch Ho:ü>
nung wäre* Leih antwortete ihm, dass ich glaubte,
sie tväre nicht. mir jetzt todt, sondern den Tag, da
Dein 15 rief geschrieben worden, - schoii gestorben,
dass ich mich in den Willen Gattes ergeben und .
392
denken müsse daaa ich -wev Kinder hohe die mich
7w ff entlich so lieben werden, als wie ich einzig für
sie lebe; dass ich es so gewiss glaube, dass ich sogar
Erinnerungen und Besorgnisse wegen der Folge etat
an Dich geschrieben habe* Auf dieses sagte er mir:
ja, sie ist todt! und in diesem Augenblicke fiel mir
der Schleyer vom Gesicht« den mir dieser schnelle
Zufall vor die Augen hielt, der meine Voraussehung
verhinderte, da ich sonst geschwind auf die Vennu-
thung verfallen wäre, Du würdest dem Hrn. Bullinger
unter der Hand das Wahre geschrieben haben, so
bald ich Deinen Brief las. Dein Brief hatte mich j
aber wirklich dumm gemacht — ich war im ersten
Augenblicke au sehr niedergeschlagen , um etwas
nachdenken au können. Jetzt weiss ich nichts zu
schreiben! Wegen meiner kannst Du ruhig seyn,
ich werde als ein Mann handeln. Denke nach, was 1
Du für eine zärtlich liebende Mutter hattest — jetzt
wirst Du ihre Sorgen erst einsehen — so wie Du
bey reifen Jahren nach meinem Tode mich immer
mehr lieben wirst. — ■ Liebst Du mich «— ■ wie ich
/
#ar ?w"c7t< zweifle — so trage Sorge für Deine Ge-
sundheit, — o/i Deinem Leben hängt mein Lehen
— und der künftige Unterhalt Deiner ehrlich Dich
von Herzen liebenden Schwester. Dass es unbegreif-
lich empfindlich ist, wenn der Tod eine gute glück-
selige Ehe aerreisst, das muss man erfahren, um es
zu wissen. — Schreib* mir Alles umständlich, viel-
leicht hat man ihr au wenig Blut gelassen? — Das
Gewisseste ist, dass sie sich au viel auf sich selbst
getrauet, und den Doctor zu spät gerufen, unter-
dessen hat der Brand in intestinis überhand genom-
t
/
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393
Sor&e für Deine Gesundheit * mache mui nicht
Alle unglücklich! Die Nannerl weiss noch nichts
von Buliingers Briefe, ich habe sie aber schon so
todt ist. Schreibe mir bald -~ und Alles — wann
sie begraben worden wohin? — • Grosser Gott!
das Grab meines Heben Weibes man ich in Paris
suchen!
Paris, ce 9 Juillet 1778.
Ich hoffe, Sie werden bereitet seyn, eine der
Standhaftigkeit anzuhören. — Sie werden durch
letztes Schreiben vom 3ten in die Lage gesetzt
den seyn, nichts Gutes hören zu dürfen. — Den
nämlichen Tag, den 3ten, ist meine Mutter Abends
ran 10 Uhr 21 Minuten in Gott selig entschlafen 5 —
als ich Ihnen aber schrieb, war sie schon im Ge—
der himmlischen Freuden — Alles war schon
— ich schrieb Ihnen in der Nacht r- ich
hoffe, Sie und meine liebe Schwester werden mir
ich
und Traurigkeit auf die Ihrige schloss, so konnte
unmöglich über's Herz bringen, Sie sogleich
Nun hoffe ich aber, werden Sie sich Beyde gefasst
allen natürlichen und gar wohl zu billigenden
und Weinen, endlich sich in den Willen Gottes
uiymzt
304
und allerweis esie Vorsehung anzubeten. — Sie wer-
den sich leicht' vorstellen können, < : was ich ausge-
standen -— was ich .für Muth und Sündhaftigkeit
nuth wendig hatte, um Alles so nach .und nach im-
Übertragen — > und doch, der gütige Gott hat' mir
diese Gnade verliehen ich habe Schmerzen genug
empfunden, habe genug geweint — was nützte! es
aber? — Ich musste mich also trösten. Machen Sie
es auch so, mein Kebeir Vater und liebe Schwester!
— Weinen Sie,- weinen Sie sich Weht itis ^ trösten
Si6 sich aber endlich bedenken. 6ie, dass es der
allmächtige Gott also hat haben wollen und wa$
wollen ; wir? wider ihn machen ? — Wir! WQUen lieber,
beten, und ihm, dankqn, dass es so gut abgelaufen
ist < denn sie i*^ sehr glücklich, gestorben | — in
jenen betrübten Uinständen habe iqh, mich, mit,.drey
Saclien getröstet j nämlich durch : meine gänzliche,
vertrauungsvolle Eingebung wimWiOm Gottes *fn
dann-, durch die Gegenwart ihres so leichten und
schönen Todes, indem, ich mir vorstellte^ wie? sie
nun in einem Augenblicke so g&cUidi;wird — M*
glücklicher sie nun ist, als wir — sö> dass ich
gewrünscht hätt^^in diesem Augenblicke mit ihr
zu reisen — aus diesem Wunsche Uud aus diesen
Begierde entwickelte sich endlich mein dritter Trost^'
dass sie nicht auf ewig fife ions ;Texionen ist
wir v. sie .wiedersehen werden vergnügter
ünd< glücklicher heysammen seyn werden, als auf
dieser W*lt, Nüi« die Zeit ist una imbekannt -n:dati
macht mir aber gar nicht bang wann , Gott will,
damilwall ich auoh. -Nun, der göttliche,, allerhein
ligste Wille ist vollbracht — beten wir also ein an-
däcli tiucs ^^Rfccr unser fiir ilii*c Seele und ttclii'ßi«»
ten wir zu andern Sachen: es hat Alles seine Zeit. —
loh sclireibe dieses im Mause der Madame d'Eninav
und des Möns. Bar. de Grimm, wo ich nun logire,
ein hübsches Z im in er 1 mit einer sehr angenehmen
Aussicht habe^ — und, wie ei nur immer mein Zu-
stand zulässt, .vergnügt bin. — Eine grosse Hülfe zu
meiner möglichen Zufriedenheit wird eeyn,. wenn
ich hören werde, dasa mein lieber. Vater und meine
liebe Schwester sich mit Gelassenheit und Standhaft
tigkeit gänzlich in den Willen des Herrn geben, —
sich ihm von ganzem Herzen vertrauen* in der festen
Ueberzeugung, dass -er Alles zu unserm Besten an-
ordnet. — Allerliebster Vater! — schonen Sie sich!
Liebste Schwester! — schone -Dich. Du hast
noch nichts von dem guten Herzen Deines Bruders
eenossen — weil er! es; noch nicht im Stande war. •*•*»
Meine Merten. Äeyjle!.-r habt; Sorge auf Eure Ge-
sundheit «r- -denket, dass Ihr einen Sohn habt —
einen. JJruder -rr. der aUe seine Kräfte, anwendet, um
Euch glücklich eu machen — wohl wissend, dass Ihr
ihm auch einstens seinen Wunsch und. sein Vergnü-
gen — ^ welches ihm gewiss Ehre macht, nicht )ver-*
sagen, und auch Alles anwenden-. werdet, um ihn
glücklich zu sehen. hr^O dann wollen wir so ruhig,
so ehrlich, so vergnügt (wie es nur imnier auf dia-*
st?r A\ elt möglich ist) leben — .und endlich, wenn
Gott will, dort wieder zusammen kommen, wofür
Wir bestimmt und erschaffen sind. H- J •ir-n
WegeU des Balleis des NoVerre habe ich ja
niemals etwas andeils geschrieben, als dass er viel-
leicht ein neues Ballet machen wird — er hat gerade
ein halbes Ballet gebraucht, und dazu machte ich die
Musik, — das ist, sechs Stücke werden von Andern
darin seyn, die bestehen aus lauter miserabeln fran-
zösischen Arien; die Symphonie und Contretanze,
überhaupt zwölf Stücke werde ich dazu gemacht ha-
ben. — " Dieses Ballet ist schon vier Mal mit gross-
tem Beyfalle gegeben worden. — Ich will aber jetzt
absolument nichts machen, wenn ich nicht voraus
^reiss , ich dafür bekomme , denn diess ^var nur
ein Freundschaftsstück für Noverre. — Mit Piccini
habe ich im Concert spiritucl gesprochen. Er ist
" ganz höflich mit mir, und ich mit ihm, wenn wir
so ungefähr zusammen kommen 5 übrigens mache ich
keine Bekanntschaft weder mit ihm, noch andern
Componisten — ioh verstehe meine Sache — und sie
auch — und das ist genug. — Wenn ich eine Opera
zu machen bekomme, so werde ich genug VerdrUss
bekommen — das würde ich aber nicht viel achten,
denn ich bin es schon gewohnt, wenn nur die ver-
fluchte französische Sprache nicht so hundsfottisch
zur Musik wäre! — Das ist was Elendes die
deutsche ist noch göttlich dagegen, — • und dann erst
die Sänger und Sängerinnen — man sollte sie gar
nicht so nennen — aenn. sie singen nicht, sondern
sie schreyen — heulen — und zwar aus vollem
Halse, aus der Nase und Gurgel. -~
Ich werde auf die künftige Fasten ein französi-
sches Oratorium fnVs Concert spirituel machen müV
sen. Der Mr. Le Gros (Directeur) ist erstaunlich
für mich portirt. Meine Symphonie für das Concert
spirituel fand allen Beyfall, und Le Gros ist so da-
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397
mit zufrieden, dass er sagt, das sey seine vbeste
Symphonie« Das Andante hat aher nicht das Glück s
gehabt, ihn zufrieden' zu stellen; er sagt, es sey zu \
viel Modulation darin, und zu lang — das kam aber
daher, weil die Zuhörer vergessen hatten, einen so
* starken und anhaltenden Lärmen mit Händeklatschen
zu machen, wie bey dem ersten und letzten Stücke;
denn das Andante hat pon mir, von allen Kennern
und Liebhabern und den meisten Zuhörern den
grössteu Beyfall — es ist just das Contraire, was
Le Gros sagt, — es ist ganz natürlich — und kurz;
. — Um ihn aber (und wie er, behaupten Mehrere)
- zu befriedigen, habe ich ein anderes Andante ge-
macht. — Jedes in seiner Art ist recht, denn es hat
jedes einen andern Charakter — das Letzte gefiült
mir aber noch besser. Ich werde Ihnen die Sym-
phonie mit der Violinschule, Ciaviersachen und
Voglers Buch der Tonwissenschaft und Tonsetzkunst
mit einer guten Gelegenheit schicken, und dann will
ich auch Ihr Urtheil darüber hören. — Den 15ten
August, Mariae Himmelfahrt, - wird die Symphonie
mit dem neuen Andante das zweyte Mal aufgeführt
werden. Die Symphonie ist es Re und das Andante
ex Sol (hier darf man nicht sagen D oder G). Nun
ist halt der Le Gros ganz für mich» — Nun ist es
Zeit, dasi ich zum Schlüsse trachte. Wenn 'Sie mir
• schreiben, so glaube ich, wird es besser seyu, wenn
Sie setzen : Chez Mr. le Baron de Grimm, chamsde
ä 'Antin pres le Boulevard. > — Mr. Grimm wird Ei-
nen nächstens selbst schreiben. Er und die Madame
d'Epinay lassen sich Ihnen Beyden empfehlen und
von Herzen condoliren — hoffen aber, Sie werden
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sich in einer Sache, die nicht zn andern ist, zu fas-
sen wissen. Trösten Sie sich und beten Sie brav*
diess ist das einzige Mittel, was uns übrig bleibt. —
Ick wollte Sie wohl gebeten haben, eine heil. Messe
in Maria Piain und zn Loretto lesen zu lassen —±
ich habe es hier auch gethan. — " .
t •• . .'. i * r • r • •
i . ... . . .... . /, . Pari»> den JüJy »773.
. loh bitte um Vierzeihung, dass ich so spät mit
meinem Glückwunsche komme r allein, ich habe
meiner Schwester doch mit einem kleinen Präambu-
ium aufwarten wollen — die Spielart lasse ich ihrer
eigenen Empfindung übrig — diess ist kein Prälu-
dium, um von einem Tone in den andern zu gehen,
sondern nur so ein- Capriccio, um das Ciavier, zu
probiren. — Meine Sonaten werden bald gestochen
werden« Bis dato hat mir noch Keiner das geben
wollen, was ich dafür verlangte — ich werde doch
endlich nachgeben müssen und sie um 15 Louisd'or
hergeben : — auf diese Art werde ich doch am leich-
testen bekannt hier. — So bald sie gestochen sind,
werde ich sie Ihnen durch wohl ausstudirte Gele-
genheit, und, so viel möglich, ökonomisch, nebst ei-
nigen meiner Sonaten auf Ciavier allein, Sinfonie
furV Concert spiritiiel, Sinfonie concertante, zwey
Quartetti auf die Flöte und ein {Joncext für Harfe
und Flöte schicken. — • — — .
Leopold Mozart an Padre Martini in Bologna.
, Salabufg, den ai. August 1778.
■
Ich bat Ew. Hochwürden, meinen Sohn mit Ih-
rer viel vermögenden Empfehlung am Hofe zu Man-
heim zu begünstigen, und Sie' hatten die Güte, mir
zu antworten v Ich werde nicht ermangeln, dem Hrn.
Raff zu schreiben, damit er ihn von meiner Seite an
Qhi.Ii» ja 1 1 Tiif-li f />»-n »-i fYili ]*» . . narnnf \v% Jon, Q__i*; ,
ijOITir I f 1 1 1 I 1 1 1^1 1 1 1 *il 1 r*iH IJ 1 Cji 1 1 \Zm l/ill tlLil III {IPTTI ' 'nPBi/1*»
tigungs- Schreiben über den Empfang de« Portrait«;
Die Veränderungen in Bayern und die Abreise des
Churfursten von der Pfalz vön Manheim werden
vielleicht verhindern, dass Sie. einen, gnten Erfolg
bey.Sr. Durchlaucht haben; indessen, wenn Sie sich
auch verspaten, so werden Sie doch nicht fehlen,
Allein Hr. Raff hat Ihren Brief nicht erhalten. Mein*
Sohn kam am 23sten März in :G*aellschaft seiner
Mu Ifcer zu Paris an . Darauf langte . auch der Herr
Raff an, wo sie eine solche Bekanntschaft mit ein-«
ander machten, dass Hr. Raff beynahe täglich mei*
nen Sohn besuchte und bey ihm 2 — 3 Stunden vier*«
weilte. Er nannte meine Frau seine liebe Mutter,
und. wünschte nichts mehr, als meinen Sohn am
pfalzischen Hofe angestellt zu sehen- Aber wie trau-*
rigl Das Schicksal wollte, dass meine liebe Frau er-
krankte und hald starb; Gott ! .welcher Schlag 1 Den-
ken Ew. Hochwürden sich meinen und meiner Toch-
ter Zustand, und die Lace meines Sohnes, allein und
trostlos, zu — Paris. Hr. Raff war abgereist, denn
der. Chur fürst befindet sich zu Manheim. Herr Raff
versicherte bey seiner Abreise meinem Sohne auf-
richtige freundschaftliche Verwendung, indem er
nichts anders wünschte, als einen vorzeigbaren Brief
von unsernr lieben Hrn. Pater. Bey dem Umstände,
dass-« der Churfurst nur deutsche Opern will, ist ein
deutscher Kapellmeister nöthig* Der Graf Seau, In-
tendant der Musik sü München, ist in seiner An-
4QQ
Stellung bestätigt worden und befindet sich ietzt zu
Manheim , wo er die Verthcilung des Personals in
zwey Musikchöre für Münclien und Manheim macht«
Sodann kehrt der ganze Hof nach München zurück,
WO in Zukunft die Residenz seyn wird«
Liebster, geeintester Herr Paterl Sie sehen ei-
nen Menschen im 22sten Jahre ganz allein, sich selbst
überlassen, in einem Paris, einer so gefahrvollen Stadt«
Sie befinden sich in der Lage, durch Ihre gutige Ver-
wendung seine Seele zu retten und das Glück dieses
jungen Menschen von Talent zu machen. Mit einem
Briefe an Seine Durchlaucht, oder wenigstens einem
vorzeigbaren an Hrn. Raff und einem andern an den .
Grafen Seau, worin Sie die Talente meines Sohnes
bezeugen , können Sie ein verdienstliches Werk ver-
richten und die Seele eines gut erzogenen, aber tau-
send Gefahren ausgesetzten jungen Menschen retten,
können bewirken» dass seine ausgezeichneten Talente
bekannt werden. Er sucht nur eine Gelegenheit,
tich zu vervollkommnen, und thut Nichts, als stu- .
stete Herz eines Vaters beruhigen und dessen Leben
retten. Verzeihen Sie, wenn ich zu übertrieben
scheine : aber der Tod einer vortrefflichen Frau und
Mutter und die Lage eines Sohnes verdrehen und
betäuben fast meine Sinne. Ich erwarte Alles von
■
Ihrem theilnehmenden Herzen und etc.
Der Vater an den Sohn.
«
i
Salzburg, den 27. Aoguit 1778.
Ich habe Dir «chon geschrieben, dass man
Dich wieder hier zu sehen wünscht, und man ging
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t
401
so lange um mich herum , ohne dass icli mich heraus-
Ueaa9 bis endlich nach dem Tode des Lolli ich der
Gräfin sauren musste. dass ich dem Erzbiscliof rm»
DiitscHriit eingereicnt , in weicner lcn aoer nichts
anderes sagte, als dass ich mich nach meinen so viele
Jahre unllagbar geleisteten Diensten zu Gnaden em-
pfehle. Nun fiel endlich die Rede auf Dich — und
ich sagte Alles aus der Brust heraus, was nothwen-
dieg war, und so, wie ieh es dem Grafen Stahrem-
berg gesagt hatte. Endlich fragte sie mich, ob Du
denn nicht kommen würdest, wenn mir der Erz-
bischof den LollTschen Gehalt und Dir den Adlgas-
ser'schen geben wurde, welches, da ich es schon
vorher berechnet hatte, zusammen jährlich 1000 fl.
betragt 5 so konnte ich nichts anders thun, als ant-
worten, dass ich keinen Zweifel hätte, dass Du die-
ses, wenn es geschehen würde, mir zu Liebe anneh-
men würdest, indem sie noch beysetzte, dass nicht
der geringste Zweifel wäre, dass Dich der Erzbischof
alle zwey Jahre nach Italien reisen Hesse, indem er
SivH)^t XXX3 XXX 0 1 1 } t 1 1 eil 1 ^) l C- 1 j cIn*SS Jlltlll "\ 0 1 1 ( 1 L /^l C- 1 L
wieder Etwas hören muss, und dass er Dich mit
guten Recominandations - Briefen verseilen würde.
Würde dieses geschehen, so könnte ich sicher Rech-
nung machen-, dass wir alle Monate 115 fl» wenig-
stens, un<J wie es jetzt ist, mehr als 120 fl. monat-
lich gewisse Einkünfte hätten. Ohne was ich durch
den Verkauf meiner Violinschule einnelvme, welches
jährlich, gering gerechnet, 50 fl. betragt, und ohne
was Deine Schwester für sich verdient, die jetzt
monatlich 10 fl. gewiss einnimmt, und sich damit
kleidet, indem sie die zwey kleinen Fräulein von
26 "
'Digitized
der Gräfin unterweiset, und zwar täglich, ich aber
die grossem <Zwey. Hierzu ist nun nicht gerechnet,
was Du etwa für Dich besonders verdienen könntest.
Denn obwohl hier auf Niehls Rechnung zu machen
ist, so weisst Du doch, dass Du von Zeit zu Zeit
Etwas eingenommen, und auf diese Art ständen wir
hesser, als an jedem andern Orte, wo es um's Dop-
pelte tlieurer ist, und wenn man aufs Geld nicht
so genau schauen darf, so kann man sich schon
Tlntprlialtunffen verschaffen. Allein der Hauotnunct
ist, dass ich mir auf die ganze Sache keine Rech-
nung mache, weil ich weiss, wie schwer dem Für-
sten ein solcher Entschluss ankommen würde» Dass
es der Gräfin ihr ganzer Ernst und Wunsch ist,
darist Du gar nicht zweifeln, und dass der alteArco,
der Graf Stahremberg und der Bischof von Königs-
grätz dieses mit guter Art durchzubringen wünschen,
hat seine Richtigkeit. — Es hat aber seine Ursachen,
wie es bey allen Sachen geht, und wie ich* Dir's
tausend Mal sage, die Gräfin furchtet, und auch der
alte Arco, dass auch ich fortgehe. Sie haben Nie-
mand zur Unterweisung auf dem Claviere; ich habe
den Ruhm, dass ich gut unterweise, und die Proben
sind da. Sie wissen nicht, welchen . und wann sie
sodann Jemand bekommen : und sollte Einer von
Wien kommen, wird er wohl um 4 iL oder einen
Ducaten zwölf Leclionen geben, da man andern
Ortes zwey und drey Ducaten bezahlt? — -i» Diess
setzt sie Alle in Verlegenheit* Allein, wie* ich schon
gesagt habe, ich mache keine Reclmung darauf,
weil ich den Erzbischof kenne : obwohl es gewiss
ist, dass er Dich im Herzen zu haben wünschte; so
403
kann er doch zu keinem Entschlüsse kommen- bp-
sonders, wenn er geben soll, — Man muss Aich in
Ruf bringen. Wann ist Gluck — wann ist Piccini
— wann sind alle die Leute hervor gekommen? —
Gluck wird 60 Jahre auf dem Halse haben, und es
sind erst 26 oder 27 Jahre, dass man angefangen
hat, von ihm zu reden, und Du willst, dass jetzt
das französische Publicum, oder auch nur die Direc-
teurs der Spectakel von Deiner Compositions- Wis-
senschaft schon sollen überzeugt seyn, da sie in ih-
rem Leben noch Nichts gehört hatten , und Dich
nur von Deiner Kindheit an als einen vortrefilichen
Ciavierspieler und besonderes Genie kennen. Du
musst also unterdessen Dir Mühe geben , durchzu-
dringen, um Dich als Componist in allen Gattungen
zeigen zu können, — und da muss man die Gelegen-
heiten dazu aufsuchen und unermüdet Freunde su-
chen, solche anspornen, und ihnen keine Ruhe las-
sen, solche, wenn sie einsclüafen , wieder aufmun-
tern | und nicht das, was sie sagen, schon für ge-
than glauben; ich würde längst an Mr. de NoVerre
selbst geschrieben haben, wenn ich seinen Titel und
Adresse wüsste. Unterdessen werde ich und Deine
Freunde weiren München sorgen*
Der Vater an, den Sohn.
Salzburg, den 3i. August 1778.
— Du bist nicht gern in Paris, und ich finde,
dass Du eben nicht gar Unrecht hast. Bis jetzt war
mein Herz und Gemüth für Dich beängstigt, und
ich musste trotz einem Minister eine sehr kitzliche
Rolle spielen, da ich bey aller meiner Herzensangst
26*
404
micli lustig anstellen musste, um Jedermann glaüben
zu machen, als wärst Du in den besten Umstanden
und hättest Geld im Ueberflusse, ob ich gleich das
Gregentheil weiss. Ich verzweifelte fast, so, wie ich
wollte, durchzudringen, weil, wie Du weisst, nach
dem Schritte, den wir gethan, von demi Hochmuthe
des Fürsten wenig zu hoffen, und ihm Deine schnelle
Abdankung zu sehr auPs Herz gefallen war. Allein
durch mein tapferes Aushalten habe ich nicht nur
allein durchgedrungen , der Erzbischof hat nicht nur
Alles accordirt, für mich und für Dich, Du hast
500 fl«4 sondern er hat sich noch entschuldigt, dass
er Dich jetzt unmöglich zum Kapellmeister machen
könnte, Du solltest aber, wenn es mir zu mühsam
wäre, oder wenn ich ausser Stande wäre, in meine
Stelle einrücken 5 er hätte immer Dir eine bessere
Besoldung zugedacht etc. mit einem Worte, zu mei-
nem Erstaunen , die höflichste Entschuldigung. Noch
mehr! Dem Paris*) hat er 5 fl. Addition gegeben,
damit er die mehresten Dienste verrichten muss,
und Du wirst als Concertmeister wie vörhero decre-
tirt werden. Wir bekommen also vom Zahlamte,
wie ich Dir schon geschrieben, jährlich auf 1000 fl.
Nun kommt es darauf an, ob Du glaubst, dass ich
noch einen Kopf habe, und ob Du glaubst, dass ich
Dein Bestes besorge, — und ob Du mich todt oder
beim Leben erhalten willst. Ich habe Alles ausge-
dacht« Der Erzbischof hat sich erklärt, dass er,
wenn Du eine Oper schreiben willst, Dich, wo es
immer ist, hinreisen lasse; er sagte zur Entschul-
•) Em Organist von der Hofmusik zu Sahburg.
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405
diguiig der voriges Jahr uns versagten Reise, dass
er es nicht leiden könne, wenn man so ins Betteln
herum reise. Nun bist Du in Salzburg im Mittel-
puncte zwischen München, Wien und Italien. Du
kannst leichter in München eine Oper zu schreiben
bekommen, als in Dienst kommen; denn deutsche
Opern -Componisten, wo sind sie? Und wie viel?
— Nach des Churfürsten Tode ist Alles dienstlos,
und da entsteht ein neuer Krieg. Der Herzog vou
Zwey brücken ist kein grosser Liebhaber der Musik.
Nun will ich aber nicht, dass Du eher von Paris
abreisest, bis ich nicht das Decret unterschrieben in
Händen habe, weil der Fürst heute früh nach Lau-
fen ist. Die Mselle. Weber stiebt dem Fürsten und
Allen ganz erstaunlich in die Augen: sie werden sie
absolut hören wollen, da sollen sie bey uns wohnen.
Mir scheint, ihr Vater hat keinen Kopf; ich werde
die Sache besser für sie einleiten, wenn sie mir fol-
gen wollen. Du musst hier recht das Wort reden,
denn zum Gastraten will er auch eine andere Sän^e-
rin, um eine Opera aufzuführen. — •
• • * ■ *
Man hat mir immer hier zu Ohren geredet, wa-
rum wir zwey einzigen Personen in einem so grossen
Quartiere bleiben, wo wir so viel zahlen müssen.
Allein ich habe immer gedacht, entweder ich gehe
weg, oder Du kommst, und dann muss es besser
gehen; wir haben einen Stall im Hause, da kann
ich ein Pferd • halten. Will ich eine kleine Chaise
ödcrWürstl kaufen, so gab' ich den grossen Wagen
dafür weg. Mein nächster Brief wird Dir sagen,
dass Du abreisen sollst. —
406
Der Vater an den Sohn.
S als bürg, den 3. 6cptombr. 1778.
Da der Churfiirstl. ganze Hof den i5ten Sep-
tember in München erwartet wird , so kannst Du bey
Deiner Durchreise Deine Freunde , den Grafen Seau
und vielleicht den Churfürsten selbst sprechen, —
Du kannst sagen , dass Dich Dein Vater in Salzburg
zurück zu sehen gewünscht, da Dir der Fürst einen
Gehalt von (da lügt man 2— 300 fl. dazn) 7— 800 fl.
als Concertmeister ausgeworfen) dass Du aus kind-
s lichem Respect gegen Deinen Vater solches ange-
nommen, obwohl er gewünscht hätte, Dich inCJiur-
1 fürstl. Diensten zu sehen, NB. aber mehr nicht!
Dann kannst Du wünschen, eine Oper in München
zu schreiben j — und dieses Letzte muss und kann
man von hier aus immer betreiben, und das wird
und muss gehen, weil zur deutschen Opern-Com-
position die Meister mangeln. Schweitzer und ffolz-
bauer werden nicht alle Jahre schreiben, und sollte
der Michl eine schreiben, so wird er bald ausge-
michelt haben. Sollte es Leute geben, die durch
Zweifel und solcho Possen es zu hindern trachteten,
so hast Du Professori zu Freunden, die für Dich
stehen 1 und dieser Hof fuhrt auch unterm Jahre zu
Zeiten Etwas auf, — Kurz, Du bist hier in der
Nähe: unsere Einkünfte sind so, wie ich Dir's ge-
schrieben habe, — durch Deine hiesige Lebensart
wirst Du an Deinem Studiren und Speculiren nicht
gehindert; Du darfst nicht Violine spielen bey Hofe,
sondern hast beytn'Clavier alle Gewalt der Direk-
tion, ao wie mir die ganze Musik — alle des Fiir-
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407
sten Musicalien, und die Inspection des Kapellhauses
jetzt ist übergeben worden.
Noch eine Sache musst Du nicht ausser Acht
lassen. Du musst die Namen und Adressen der .
' besten Musikhändler, die Etwas laufen, um gra-
viren zu lassen, mit Dirnehmen, sonderheitlich des- « *
jenigen , der Dir Deine Ciavier- Sonaten abgekauft
hat, damit Du mit ihm correspondiren kannst. Auf
diese Art wird es eben so viel seyn, als wenn Du
in Paris wärest; man kann mit ihnen handeln, so-
dann die Composition einem Kauf manu oder Freunde
einschicken , der es dem Musik - Verleger gegen baare
Bezahlung ausliefert- und so kannst Du alle Jahre
M oder 20 Louisd'or von Paris beziehen und Deinen
Namen aller Orten theils mehr bekannt machen,
theils in der gemachten Bekanntschaft erhalten. —
Frage den Baron von Grimm, ob ich nicht Recht
habe*
Mozart reis'te den 26sten September 1778 von
Paris über Nancy nach Strasburg, wo er sich einige
Tage aufhielt und zwey Mal Concert gab, wie fol-
gender Brief meldet :
Straasburg. den a6. Octobr. 1778. ,
Ich bin noch hier, wie Sie sehen, und zwar
auf Anrathen des Herrn Franks und anderer Strass-
burger Helden, — doch morgen reise ich ab. In
dem letzten Briefe vom löten d. M., den Sie hoffent-
lich richtig werden erhalten haben, habe ich Ihnen ge-
schrieben, dass ich den I7ten, Samstag, etlichen gu-
ten Freunden, Liebhabern und Kennern zu gefal-
* •
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9 0 _
408
len, par Subscription so ungefähr ein kleines Modell
von einem Concert geben werde, weil es liier mit
Concertgeben noch schlechter ist, als in Salzburg.
Ich habe ganz allein gespielt, gar keine Musik ge-
nommen, damit ich doch Nichts verliere- Kurz,
ich habe drey Louisd'or eingenommen, — das Meiste
bestand aber in den Bravo und Bravissimo, die mir
von allen Seiten zugeflogen — und zwar der Prinz
Max von Zweybrücken beehrte auch den Saal mit
seiner Gegenwart. — Dass Alles zufrieden war,
brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Nach diesem
wollte ich gleich abreisen, aber man hat mir gera-
then, ich soll noch bleiben bis zum andern Samstag
und ein grosses Concert im Theater geben 5 — da
hatte ich die nämliche Einnahme zum Erstaunen
und Verdruss und Schande aller Strassburger. Der
Directeur Mr. Villeneuve schimpfte über die Ein-
wohner dieser wirklich abscheulichen Stadt, dass es
eine Art hatte $ — ich habe freylich ein wenig mehr
gemacht; allein, die Unkosten der Musik (die sehr
schlecht ist, sich aber sehr gut bezahlen lässt), der
Illumination, Wache, Buchdruckerey, die Menge
Leute bey den Eingängen etc. machte eine grosse
Summa aus. Doch muss ich Ihnen sagen, dass mir
die Ohren von dem Applaudnen und Händeklatschen
so wehe gethan, als wenn das ganze Theater voll
gewesen wäre. — Alles, was darin war, hat öffent-
lich und laut über die eigenen Stadtbrüder geschraa-
let$ — und ich habe Allen gesagt, dass, wenn ich
mir mit gesunder Vernunft vorstellen können, dass
so wenig Leute kommen würden, ich das Concert
sehr gern gratis gegeben hätte, nur um das Ver-
409
mm *
gniigen zu haben , das Theater voll zu sehen — und
in der That mir wäre es lieber gewesen; denn bey
meiner Ehre es ist nichts Traurigeres, als eine grosse
T Tafel von achtzig Couverts , und nur drey Per-
sonen zum Essen, — und dann war es so kalt! —
Ich habe mich aber schon gewärmt, und um den
Herren Strassburgern zu zeigen, dass mir gar nichts
daran liegt, so habe ich für meiue Unterhaltung
recht viel gespielt, — habe um em Concert mehr
gespielt, als ich versprochen habe, — und zuletzt
lange aus dem Kopfe. Das ist nun vorbey, we-
nigstens habe ich mir Ehre und Ruhm gemacht —
Ich habe auf den zwey besten Orgeln von Silber-
mann öffentlich gespielt, in den lutherischen Kir-
chen — in der Neukirche und Thomaskirche. — «
Der Sohn an den Vater.
Manheim, den in. Norbr. 1778, •
Ich bin hier den 6ten glücklich angelangt, und
habe alle meine guten Freunde auf eine angenehme
Art überrascht. — Ich kann hier vielleicht 40 Louis-
d'or gewinnen! — freylich muss ich sechs Wochen
hier bleiben, oder längstens zwey Monate. Die Sei-
ler'sche Truppe ist hier, die Ihnen schon par Re-
nommee bekannt seyn wird, — Hr. von Daliberg ist
Director davon. — dieser lässt mich nicht fort, bis
ich ihm nicht ein Duodrama componirt habe; und
in der That habe ich mich gar nicht lange besonnen,
denn diese Art Drama zu schreiben habe ich mir
immer gewünscht. Ich weiss nicht, habe ich Ihnen,
wie ich das erste Mal hier war, Etwas von dieser
Art Stücke geschrieben? — Ich habe damals ein sol-
410
che* Stück ztfey Mal mit dem größten Vergnügen
auffuhren gesehen t -r In der That — mich hat noch
niemals Etwas 60 sürprenirt! — denn ich bildete mir
immer ein, so was würde keinen Effect machen. —
Sie wissen wohl, dass da nicht gesungen , sondern
declamirt wird, — und die Musik wie ein obligates
Recitativ ist — bisweilen wird auch unter der Musik
gesprochen, welches alsdann die herrlichste Wirkung
thut* — Was ich gesehen, war Medea, von Benda,
— er hat noch eine gemacht, Ariadne auf Naxos,
beydo wahrhaft vortrefflich. Sie wissen, dass Benda
unter den lutherischen Kapellmeistern immer mein
Liebling war; ich liebe diese zwey Werke so, dass
ich sie bey mir führe. Nun stellen Sie sich meine
Freude vor, dass ich das, was ich mir gewünscht,
zu machen habe. — Wissen Sie, was meine Mei-
nung wäre? — Man solle dio meisten Recitative auf
solche Art in der Opera tractiren — und nur bis-
weilen, wenn die Wörter gut in der Musib auszu-
drücken sind, das Recitativ singen« — Man errichtet
hier auch eine jicademie des ajnateurs , wie in Paris,
wo Hr. Franzi daa Violin dirigirt, und da achreibe '
icli Herade an einem Concert für Ciavier und Violine.
Manheim, den 3. Decbr. 1778.
Künftigen Mittwoch den 9ten d. M. reise ich ab.
— -* Ich schreibe nun dem Hrn. von Gemmingen
und mir selbst zu Liebe den ersten Act der decla-
mirten Opera (die ich hatte schreiben sollen) um-
sonst — nehme es mit mir und mache es dann zu
Hause aus; — sehen Sie, so gross ist meine Begierde
zu dieser Art Compositum $ — der Herr von Gem-
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41t
ist der Poet, und das Duodrama heust
miramis, Wissen Sie wohl, mit was für Gelegen-
heit ich künftigen Mittwoch abreise? — Mit dem
Hrn, Reichsprälaten von Kaysersheim. Als ihm ein
guter Freund von mir gesprochen, so kannte er mich
gleich vom Namen aus, und zeigte viel Vergnügen,
^h zum Reise- Compagnon zu haben; er ist ein
recht liebenswürdiger Mann. Ich gehe also über
Kaysersheim, und nicht über Stuttgard«
Kaysersheim, den 18. Decbr. 1778.
Sonntag den löten bin ich, Gott Lob und Dank,
glücklich mit der schönsten Gelegenheit von der
Welt hier angelangt, und habe gleich das unbe-
schreibliche Vergnügen gehabt, einen Brief von Ih-
nen zu finden. — Warum ich Ihnen nicht gleich
geantwortet, ist die Ursache, weil ich Ihnen die
sicherste und gewisseste Nachricht meiner Abreise
von liier meiuen wollte, und lcn aber es seiost noen
nicht wusste, mich aber endlich entschlossen, weil
der Herr Prälat den 26sten oder 27sten d. M. nach
— — Was die Monodrame und Duodrame b<
trifft, so ist eine Stimme zum Singen gar nichl
wendig, indem keine Note darin gesungen wird, —
es wird nur geredet, — mit einem Worte, es ist -ein
Recitativ mit Instrumenten, — nur dass der Acteur
seine Worte spricht und nicht singt. Wenn Sie es
nur einmal am Cla viere hören werden, so wird es
Ihnen schon gefallen, — hören Sie es aber einmal
in der Execution, so werden Sie ganz hingerissen,
da stehe, ich Ihnen gut dafür« ■ Allein einen guten
Acteur oder gute Actrice erfordert es\ —
412
i München, den 119. Decbr. 1778. -
Ich bin den 2$sten,.Gott Lob und Dank, glück-
lich hier angelangt. Den Tag vor meiner Abreise
von Kaysersheim habe ich meine Sonaten richtig er*
halten , und werde sie, so bald sie gebunden sind,
sogleich der Churfürstin
Münc^on, den 8. Januar 1779.
Gestern war ich* mit meinem lieben Freunde
Cannabich bey der Churfürstin und habe meine So-
naten überreicht. Wir waren eine halbe Stunde bey
ihr und sie war sehr gnädig. — Nun habe ich schon
gemacht, dass man ihr beybringt, dass ich in etli-
chen Tagen abreisen werde, damit ich bald expedirt
jWerde. — - —
■
Der Vater an den Sohn.
•• . ■ • . »
. Salaburg, den 11. Januar 1779.
Aus meinem Briefe, den ich am 7ten an Möns.
Becke abgelassen und nicht nur einen Einscliluss an
Herrn Gschwendner beygeschlossen , sondern auch
Etwas an Dich bey geschrieben ist, wirst Du ersehen
haben, dass ich will, dass Du mit Hrn. Gschwend-
ner abzureisen Dich bemühen sollst, da ich ihn im
Schreiben darum ersuche. Diese Gelegenheit will
ich demnach, dass Du sie absolut ergreifst, und, da
er früher als die Mmo Rob innig abreiset, alle Deine
Sachen darnach einrichtest, wenn Du mich nicht
aufs Empfindlichste beleidigen willst. Ich hoffe also,
•Du wirst nach Anweisung meines Briefes vom 7ten
Deine Anstalten so gemacht haben, dass Dich Nichts
aufhält* dass Du Deine Bagage (was Dir unnöthig
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• <g -
ist) den I3ten dem Postwagen aufgeben und mit
Hrn. Gsch wendner abreisen kannst, denn er wird
Dir diese Gefälligkeit gewiss nicht abschlagen. Nun
hast Du mich verstanden* Das Präsent von der
Churfürstiu kann Dich nicht aufhalten; da die "So-
naten den TM übergeben worden t so muss, wenn
man es nur betreiben will, Alles in acht Tagen ge-
schehen seyii. Hier ist keine Ausrede, die Oper
hast Du auch gesehen. Folgfa'chitoabe ich Alles ge-
than, was Du wolltest. Ich erwarte Dich also mit.
Herrn Gschwendner unausbleiblich, und da ich und
Deine Schwester Dich Millionen Mai küssen, bin ich
Dein Dich liebender Vater. » >■ • » 1 • . \
Mozart kam also in der Mittd Januar^ i77& l*T
seinem Vater in Salzburg an. Es würde sehr ;äul
seinem Vortheile gewesen seyn, wenn er' in Paris
geblieben wäre; - aber er fand wenig Geschmack an
der französischen Musik und in dem uortigen Auf-%
enthalte. Sein gerade* Sinn war ntfcht für die Schlan-
genwindungen, die auf einem Tummelplätze mensch-
licher Thorheiten auch Künste und ■ Wissenschaften
umstricken* Die französische, obeYflSchliohe Musik
war nie nach dem Sinne des tiefen, feurigen, gehalt-'
vollen Genie's, das an italienische Melodieen gewöhnt
war, gewesen, das er so mächtig in sich fühlte.
Dazu kam die Liebe zu der nachherigen Lange, der
Schwester seiner Constanze, welche Liebe ihn die
Rückkehr um so mehr wünschen Hess, als ihm «eine
Mutter, die ihn dieses Mal allein aus der Familie
begleitet hatte, in Paris starb, und welcher Todes-
fall auch seinem gefühlvollen Herzen den Aufenthalt
414
in Paria mag verleidet haben. Diese Reise gab der
Welt die grosse Symphonie in D für'a Coneert sp*-
rÜuel, die deshalb und ihres raschen Feuers wegen
die französische heisst; ferner die Sinfonie concer-
tantc, zwey Quartetti für die Flöte, ein Coneert für
Harfe und Flöte, sechs Sonaten für's Ciavier, und
mehrere andere Stücke, deren gefallige und zierliche
Schönheiten selbst der damalige französische Ge-
schmack annahm und bewunderte«
Als Mozart mit seiner Mutter nach Paris reis'te,
kam er durch Manheim, wo er die Aloysia Weber*}
nachherige berühmte Sängerin Lange, bey ihren
A eitern kennen lernte* Da sie Beyde Talente hat-
ten, so lernten sie sich bald schätzen und lieben«
Ihr Vater, der urtheüte, dass sie vereinigt grosses
Aufsehen machen würden, dachte mit Vergnügen
sich ihre Verehelichung. Er musste bey der Regie-
rung* -Veränderung nach München ziehen, wo Mo-
zart, wegen der Trauer über seine Mutter, nach
französischer Sitte, in einem rothen Rocke mit
schwarzen Knöpfen auf seiner Rückreise von Paris
erschien, aber bey der Aloysia veränderte Gesin-
nung für ihn fand« Sie schien den. um welchen sie
ehedem geweint hatte, nicht mehr zu kennen, als
er eintrat« Desslialb setzte sich Mozart flugs an's
•) Geboren zu Manheim, betaas« sie alle möglichen Volik«
Kelten einer grossen Sängerin, stand «uerst am Münchner
Hoftheater (1779), und würde dann 1791, nach mehreren Rei-
sen, in Wien für die grosse Oper mit 4oo Ducaten angestellt.
1796 war sie in Hamburg beym Schröder 'sehen Theater, und
1798 kam sie zur deutschen Oper in Amsterdam, mit 800
Ducaten Gehalt, freyer Wohnung und rwey Bcnefiaen. Ge-
genwärtig pwatisirt sie in Wien.
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Ciavier und sang laut: „Ich lass das Mädel gern,
das mich nicht will." Von nun an suchte ihre
Schwester Constanze, die vielleicht mehr für sein
Talent, als für seine Person fühlte, und Mitleiden
mit dem Betrogenen hatte, welches er von der
Aloysia erdulden musste, ihn zu unterhalten* Er
unterrichtete sie im Pianoforte, als eine lernbegierige
Schülerin, mit Vergnügen. Später sahen sie sich in
Wien wieder, und es fand sich, dass Constanze
mehr Eindruck auf Mozart als einst Aloysia ge-
macht hatte»
Mozart wurde Organist in Salzburg, denn in
den Salaburgischen Hofkalendern 1780 und 1781 is*
er als Hof- und Dom -Organist angeführt. Der
Bayerische Hof, der schon so oft Zeuge seine»
Künstler -Talentes war, und insbesondere der da-
malige Churfurst Carl Theodor, der Crosse Sehätzer
aller schönen Künste, liebte Mozart's Musik im ho-
hen Grade. Er bekam daher den Auftrag, für den
Gameval von 1781 in München eine Opera eeria zu
schreiben. Diese Mozart'sche Schöpfung ist die Oper
Idomeneo, worin eine Gedankenfülle und eine Wärme
der Empfindung herrscht, die sich nur von der Ju-
gendkraft eines genialen Tonkünstlers, wie Mozart,
Man kann wohl mit Recht behaupten, dass Mo-
zart's eigentliche schöpferische Epoche mit Idomeneo
(1780) anlangt. Mozart rechnete diesen Aufenthalt
in München unter die angenehmsten Tage seines Le-
bens, und vergass dabey nie die gefällige Freund-
schaft, die er daselbst von so vielen Männern von
Verdienst genoss.
4i6
Den 6teu November 1780 reis'te Mozart «ach
München, von wo aus er seinem Vater schreibt;
* • • \ w • •
# w
... . München, den 9. Novbr. 1780.
• . • - > ■
Glücklich und vergnügt war meine Ankunft! —
Nun yon München: — Ich. war noch den nämlichen
Abend (wir kamen liier erst um 1 Uhr Nachmittags
an) beym Grafen Seeau, all wo ich, weil er nicht zu
Hause war, ein Billet hinterHess. Den andern Tag
Morgens ging ich mit Becke wieder hin« Seeau ist
von den Manheim eni wie Wachs zusammen ge-
schmolzen« Wecen des Buches . sacte der Graf, ist
es nicht nötlng, dass der Abbate Varesco es nochmals
schreibe un£ hieher schicke, weil es hier gedruckt
wird« Ich meinte aber, er sollte es gleich zusammen
schreiben, aber die kleinen Noten dabey nicht ver-
gessen, und es so bald möglich sammt dem Argu-
ment hieher schicken. Die Namen der singenden
Personen betreffend, ist es ganz unnöthig; das kann
wohl am leichtesten hier geschehen, denn es werden
so da und dort kleine Veränderungen vorgenommen
werden, die Recitative etwas abgekürzt, doch wird
Alles gedruckt seyn. Ich habe nun eine Bitte an
den Herrn Abt : die Aria der Uia im 2ten Acte der
«fcten Scene möchte ich für das, was ich sie brauche,
ein wenig verändert haben. — Sd U Padre perdei,
in te lo ritrovo: diese Strophe könnte nicht besser
seyn. — Nun aber kömmt's, was mir immer, NB.
meiner Aria, unnatürlich schien. — nämlich das
Sparte- Reden. Im Dialoge sind diese Sachen ganz
natürlich, man sagt geschwind ein paar Worte auf
die Seite j aber in einer Aria, wo man die Wörter
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' ' 417 '
wiederholen muss, macht es üble Wirkung* und
wenn auch dieses nicht wäre, so wünschte ich mir
da. eine Arie (der Anfang kann bleiben, wenn er
ihm taugt, denn der .ist charmant), eine ganz Natur
fortfliessende Aria, wo ich, nicht so sehr an die
Worte gebunden, nur so ganz leicht auch fortschrei-
ben kann 5 denn wir haben uns verabredet, hier eine
Aria Andantino mit vier concertirenden Blas-Instru-
menten anzubringen, für Flauto, Oboe, Corno und
Fagotto, und bitte, dass ich sie so bald als möglich
bekomme. — v
Nun eine HundsfBtterey : — ich habe zwar nicht
die Ehre, den Helden del Prato zu kennen, doch
der Beschreibung nach ist noch fast Ceccarelli (Ca-
strat) besser, denn mitten in einer Arie ist öfters
schon sein Odem hin, und NB. er war noch*nie auf
einem Theater, und Raff ist eine Statue. Nun stel-
len Sie sich einmal die Scene im isten Acte vor. —
Nun aber etwas Gutes! Mad. Dorothea Wend-
ling ist mit ihrer Scene Arci: contentiaszma , sie hat
sie drey Mal nach einander hören wollen. — •
Der Vater an den Sohn.
Salzburg, den n. November 1780.
Ich schreibe in der Eile um halb 10 Uhr Nachts,
da ich den ganzen Tag nicht Zeit hatte , und Varesco
mir das Buch spät überbrachte. Hier übermache ich
das Buch und den Plan zurück, damit Sc. Excellenz
Graf Seau sehen, dass Alles nach der Vorschrift
gemacht worden ist. Ueber acht Tage wird mit
dem Postwagen das ganze abgeschriebene Buch fol-
gen, so nämlich, wie Abbate Varesco wünscht« dass
27
I
*<8
es soll gedruckt werden. Es werden auch die nö-
I thigen Anmerkungen dabey seyn. Hier ist auch die
Arie; mir scheint, es wird recht seyn, wo nicht, —
nur geschwind geschrieben. Was Du mir von dem
singenden Personale schreibst, ist traurig: das Beste
also wird die Musik- Composition thun müssen. Dass
ich mich auf das vortreffliche Orchester wie ein Kind
freue, kannst Du Dir leicht vorstellen« Ich wünsche,
dass ich bald abkommen kann.
• ...
Der Sohn an den Vater.
München, den i5. Norember 1780.
In der grössten Eile schreibe ich, denn ich muss
zum Grafen Seau mit Cannabich, Quaglio und Le-
grand, dem Balletmeister, um dort zu speisen, und
um das Nöthige Wegen der Opera zu verabreden.
Gestern habe ich mit Cannabich bey der Gräfin Baum-
garten gespeis't, einer gebornen Lerchenfeld. Mein
Freund ist Alles in diesem Hause, und ich nun also
auch 5 das ist das beste und nützlichste Haus hier
für mich, denn durch dieses ist auch Alles wegen
meiner gegangen, und wird, wilPs Gott, noch gehen.
Die Opera wird erst den 20sten Januar das erste
Mal gegeben werden. Haben Sie die Güte, und
schicken Sie mir die zwey Sparten von den Messen,
die ich bey mir habe , und die Messe aus Bdur auch 5
denn Graf Seau wird nächstens dem Churfursten Et-
was davon sagen. Ich möchte, dass man mich in
diesem Styl auch kennen lernte. Ich habe erst eine
Messe von Grua gehört; von dieser Gattung kann
man leicht täglich ein halbes Dutzend componiren.
Gestern hat mich Graf Seau bey Sr. Durchlaucht
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4<9
dem Churfursten vorgestellt? er war sehr gnädig
mit mir. Das zwey te Duetto in der Oper bleibt ganz
^Vi^^^^i ^ Uü^l ^SA^f^U^ Uüfc in c 1 1 r 11 1 /a v . 1 1 ci 1 c \ i d d i l j l 1 1.
die Oper \ denn Sie sehen wohl, wenn Sie dieScene
überlesen, dass selbe durch eine Arie oder Duetto
matt und kalt wird, und für die andern Acteurs,
die so hier stehen müssen, sehr gdnant ist — und
überdiess würde der grossmüthige Kampf zwischen
Ilja und Idamante zu lange, und folglich seinen
ganzen Werth verlieren. —*
Der Sohn an den Vater.
München, den i5. November 1780,
Ich habe Ihr Schreiben, oder vielmehr das ganze
Paquet richtig erhalten. Nun ist die Arja ganz vor-
trefflich. — Jetzt giebt es noch eine Veränderung,
an welcher Ralf Schuld ist. Er hat aber Recht, und
hätte er es nicht, so müsste man doch seinen grauen
Haaren etwas zu Gefallen thun. Er war gestern bey
mir, wo ich ihm seine erste Arie vorgeritten habe,
und er war sehr zufrieden. Nun, der Mann ist alt:
in. einer Aria, wie die im oten Acte : fuor del mar
ho un mare in seno etc. kann ersieh dermalen nicht
mehr zeigen 5 — ► also, weil er im 3ten Act ohnediess
keine Arie hat, wünschte er sich (weil seine im lsten
Acte vermöge des Ausdruckes der Worte nicht can-
tabile genug seyn kann) nach seiner letzten Rede:
o Creta fortunata! o me felice! anstatt des Quar-
tetts eine hübsche Aria zu singen, und auf diese
Art fallt auch hier ein unnötliiges Stück weg, und
der 3te Act wird nun weit besser Effect machen.
In der letzten Scene im 2ten Acte hat Idomeneo zwi-
27*
420
sehen den Chören eine Aria oder vielmehr eine Art
von Cavatina; hier wird es besser seyn, ein blosses
Recitativ zu machen , unter welchem die Instrumente
gut arbeiten können. Denn in dieser Scene, die,
wegen der Action und der Gruppen, wie wir sie
kürzlich mit Legrartd verabredet haben, die schönste
der ganzen Oper seyn wird, wird ein solcher Lärm
und Confusion auf dem Theater seyn, dass eine
Aria eine schlechte Figur auf diesem Platze machen
würde, und überdiess ist das Donnerwetter, und
das wird wohl wegen der Aria, des Hrn. Raff nicht
aufhören? — lind der Effect eines Recitativs zwischen
den Choren ist ungleich besser. Die Lisette Wend-
ling hat auch schon ihre zwey Arien öfters durch-
gesungen; sie ist sehr zufrieden. Ich habe es von
einer dritten Hand, dass die beyden Wendlinge,
Dbrothea und Lisette, ihre Arien sehr gelobt haben.
Raff ist ohnedies* mein bester, liebster Freund.
Meinen molto amato Castrato del Prato xnuss ich
aber die ganze Oper lehren, denn er ist nicht im
Stande, einen Eingang in eine Arie zu machen, der
etwas heisst, und hat eine ungleiche Stimme. Er
ist nur auf ein Jahr engagirt, und so bald das mit
künftigem September aus ist, so nimmt Graf Seau
einen Andern.
Nun hätte ich bald das Beste vergessen: Graf
Seau hat mich letzten Sonntag nach dem Amte dem
Churfiirsten en passant vorgestellt, welcher sehr
gnädig mit mir war, indem er sagte: „Es freut
mich, Ihn wieder hier zu sehen}" und als ich sagte,
dass ich mich beeifern werde, den Beyfall^r. Chur-
fiirstl. Durchlaucht ^zu erhalten— so klopfte er mich
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421
— — - — ■ ' —
auf die Schulter und sagte: „O daran fuibe ich kei-
nen Zweifel, das* Alles sehr gut seyn wird."
München, den »4. November 1780.
Ich hoffe, 8ie werden unterdessen auch die Aria
für Hrn. Schickaneder erhalten haben. Die ersten
acht Tage konnte ich selbe wegen meiner andern
Geschäfte, wess wegen ich hier bin, nicht ganz zu
Stande bringen.
Wegen meiner Oper seyen Sie ausser 8orgen,
mein liebster Vater 5 ich hoffe, dass Alles ganz gut
gehen wird* — Eine kleine Cabale wird es wohl
absetzen, die aber verinuthlich «ehr komisch ausfal-
len wirdj denn ich habe unter der Noblesse die an-
sehnlichsten und vermöglichsten Häuser, und die
Ersten bey der Musik sind olle für mich, besonders
i • w mm w •
Cannabich. —
• l • | • # ■
MUnoÄon, den »9. Norember 1780.
Die überschickte Arie für Raff gefallt mir und
ihm gar nicht; von dem era will ich gar nichts sa-
gen, denn das ist bey einer solchen Arie allezeit
gefehlt. Metastasio hat es auch bisweilen, aber äus-
serst selten, und sind auch dieselben Arien nicht
seine besten; und was für Notwendigkeit ist da? —
Ueberdiess ist sie auch gar nicht so, wie wir sie
gewünscht haben, nämlich sie soll nichts als Ruhe
und Zufriedenheit zeigen, und das zeigt sie hier nur
erst im zweyten Theile: denn das Unglück, welches
er Alles auszustehen gehabt hat, haben wir die ganze
Oper durch genug gesehen, gehört und gefühlt, aber
von seinem gegenwärtigen Zustande kann er wohl
reden. Wir brauchen, auch gar keinen zweyten
1
421
Tiieil — desto besser. — In der Oper: Achille in
Sciro von Metastasio ist so eine Arie auf diese Art,
und nach welcher Art sie Raff zn haben wünschte :
Qr che mio jiglio $ei,
O fido il destin nemico
Senta degl' cmni miei
II Peso ä leggierir. . •
Sagen Sie mir, finden Sie nicht, dass die Rede
von der unterirdischen Stimme zu lang ist? Ueber-
legen Sie es recht. — Stellen Sie sich das Theater
vor, die Stimme muss schreckbar seyn — sie muss
eindringen — man muss glauben, es sey wirklich so
— wie kann sie das bewirken, wenn die Rede zu
lang ist, durch welche Länge die Zuhörer immer
mehr von dessen Nichtigkeit überzeugt werden? —
Wäre im Hamlet die Rede des Geistes nicht so lang,
sie würde noch von besserer Wirkung seyn. —
Diese Rede hier ist auch ganz leicht abzukürzen , sie
gewinnt mehr dadurch, als sie verliert.
Nun brauche ich wegen des Marsches im 2ten
Acte, den man von der Ferne hört, solche Sordinen
für die Trompeten und Hörner, die man hier nicht
hat. Wollten Sie mir wohl mit nächstem Postwa-
gen von jedem Eines schicken, um sie hier nach-
machen lassen zu können?
Munic, 1 Dscembre 1780.
Die Probe ist ausserordentlich gut ausgefallene
Es waren nur sechs Violons, aber die gehörigen
Blas -Instrumente 5 von Zuhörern wurde Niemand
zugelassen, als die Schwester von Seau und der junge
Graf Seinsheim. — Heute acht Tage wollen wir
eine zweyte Probe, machen, wo wir dann zum lsten
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423
Acte, welcher unterdessen duplirt wird, zwölf Gei-
ger haben, und dann wird der zweyte (wie das vo-
rige Mal der erste Act) mit proba t werden. Ich kann
Ihnen nicht sagen, wie Alles voll Freude und Er-
staunen ist* Ich vermuthete es aber nicht anders;
denn ich versichere Sie. ich eine mit so ruhigem
Herzen zu dieser Probe , aJU wenn ich wo auf eine
Collation hin ginge. — . .
Graf Seinsheim sagte au mir: „Ich versichere
Sie, dass ich mir sehr viel von Ihnen erwartet habe,
aber das habe ich wahrlich nicht erwartet." Das
Cannabich'sche Haus, und Alle, die es frequentiren,
sind doch wahre Freunde von mir, Als ich nach
der Probe mit Cannabich (denn wir hatten noch Vie-
les mit dem Grafen zu sprechen) zu ihm nach Hause
kam. ging mir schon Mad. Cannabich entgegen und
umarmte mich voll Vergnügen, dass die Probe so
gut ausgefallen : denn Hamm und Lange kamen wie
>-> *^ ^™ ^^ ^^^ ™ T W * iN M • * ~ " ~ * — *■ ™* Mi ^ ■ *~ " ■ ■ ' " ■ •
närrisch nach Hause. Ramm sagte mir (denn wenn
Sie diesen keimen, werden Sie sagen, das ist ein
wahrer Deutscher, der sagt Ihnen so Alles ins Ge- %
sieht, wie er sich es denkt): „Das kann ich Ihnen
wohl gestehen, sagte er, dass mir noch keine Musik
solche Impression gemacht hat, und ich versichere
Sie, dass ich wohl fünfzig Mal auf Ihren Hrn. Vater
gedacht habe, was dieser Mann für Freude haben
muss, wenn er diese Oper hört«" Nun genug da-
von! — Mein Katarrh ist bey dieser Probe etwas
ärger geworden. Man erhitzt sich sehr leicht, wenn
Ehre und Ruhm im Spiele sind, man mag Anfangs
noch so kaltblütig seyn. Gestern war wieder Mr.
Raff bey mir, um die Aria im 2len Acte zu hören.
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Der Mann ist so in seine Aria verliebt, als es nur
immer ein junger feuriger Mann in seine Schöne
seyn kann ; denn Nachts vor dem Schlafengehen, und
so bald er erwacht, singt er sie. Er hat zu Baron
Vieregg, Oberst- Stallmeister, gesagt: „Ich war sonst
immer gewohnt, mir in die Rollen zu helfen, sowohl
in die Recitative als Arien; da ist aber Alles geblie-
ben, wie es war, ich wüsste keine Note, die mir
nicht abständig wäre u. a. w." — — —
• »
Der Vater an den Sohn.
Salzburg, den %U Decembcr 17&0.
Ich hoffe, Du bist gesund. Ich empfehle Dir,
bey Deiner Arbeit nicht einzig und allein für das
musikalische, sondern auch für das unmusikalische
Publicum zu denken: — Du weiss t, es sind hundert
unwissende gegen zehn wissende Kenner; — vergiss
also das sogenannte Populäre nicht, das auch die
langen Ohren kitzelt. Wie wird es mit der Spart
gehen? Wird sie nicht copirt? Du musst darauf
■
bedacht seyn. Um so eine Bezahlung, wie diese,
kann man seine Spart nicht zurück- lassen. Uebereile
den 3ten Act nicht, Du wirst dennoch noch früh
genug fertig. Ende gut! Alles gut!
Diese Tage zeigte mir Fiala einen Brief von
Becke, welcher vojl der Lobeserhebungen Deiner
Musik des iston Actes war: er schrieb, dass ihm
die Thränen in die Augen traten, als er die Musik
hörte, vor Freude und Vergnügen, und dass Alle
behaupteten, das wäre die schönste Musik, die sie
gehört hätten , dass Alles neu und schön wäre etc 5
dass sie nun im Begriff wären, den 2teu Act zu pro-
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435
biren. — dass er mir dann selbst schreiben werde
WU 1>11 J V***<74» »IUI Villi» »vlUüW WU4 V*WVU ¥T VA\* ^
u. 8. w. Nun, Gott sey Dank gesagt, das geht gut.
Ich kann nicht glauben, da ich Deine Arbeit kenne,
dass es Complimente sind 5 denn ich bin überzeugt,
dass Deine Compositum, wenn sie gehörig ausgeführt
wird, auch ihre Wirkung thun muss.
1
Der Sohn an den Vater.
* Jfufifc, 16 Decembr* 1.780.
Heute Nachmittag ist Probe vom isten und £ten
Acte wieder im Zimmer beym Grafen; dann werden
wir nichts als den Sten noch nrobiren. alsdann aber
gleich auPs Theater gehen« Wegen der Sparte
• brauchte ich es gar nicht fein zu machen, sondern
sagte es ganz gerade dem Grafen. Es war allezeit
in Manheim üblich, wo der Kapellmeister gewiss gut
bezahlt war, dass er das Original zurück bekommen.
Wegen des sogenannten Populäre sorgen Sie nicht,
denn in meiner Oper ist Musik für alle Gattungen
von Leuten, — ausgenommen für lange Ohren nicht*
Wie ist es denn mit dem Erzbischof ? Künfti-
gen Montag wird es sechs Wochen, dass ich von
Salzburg weg bin. Sie wissen, mein liebster Vater,
dass ich nur Ihnen zu Liebe in Salzburg bin ; denn,
bey Gott, wenn es auf mich ankäme, so würde ich,
bevor ich abgereiset bin, das letzte Decret zerrissen
und meine Entlassung begehrt haben; denn mir wird,
bey meiner Ehre, nicht Salzburg, sondern der Fürst
und die stolze Noblesse alle Tage unerträglicher. Ich
würde also mit Vergnügen erwarten, dass er mir
schreiben Hesse, er brauche mich nicht mehr. Ich
würde auch bey der grossen Protection, die ich hier
habe, für gegenwärtige und zukünftige Umstände ge-
sichert seyn, Todesfälle ausgenommen, für welche
Niemand stehen kann, und welche aber einem Men-
schen, der ledig ist, keinen Schaden bringen«
Kommen Sie bald zu mir nach München und
hören Sie meine Opera, — und sagen Sie mir dann,
ob ich Unrecht habe, traurig zu seyn, wenn ich
nach Salzburg denke; denn Sie wissen, wie schwer
es gehalten hat, diess Mal wegzukommen, ohne grosse
Ursache ist gar kein Gedanke. Es ist zum Weinen,
wenn man daran gedenkt. — Doch Ihnen zu Liebe
Alles in der Welt, — - und leichter würde es mir
noch ankommen, wenn man doch nur bisweilen auf
eine kurze Zeit weg könnte, um Odem zu schöpfen.
— — Adieu ! — Ich küsse Ihnen 2000 Mal die Hände
und meine Schwester umarme ich von ganzem Her-
zen, und bin ewig Dero
gehorsamster Sohn
W. A. M.
* •
München, den 19. Docbr. 17S0.
Die letzte Probe ist, wie die erste, recht gut
ausgefallen, und hat sich das Orchester, wie alle
Zuhörer, mit Vergnügen betrogen gefunden, dass der
zweyte Act in Ausdruck u. Neuheit unmöglich stärker
als der erste seyn kann. Künftigen Samstag werden
wieder die zwey Acte probirt, aber in einem grossen
Zimmer bey Hofe, welches ich längst gewünscht,
denn bey Graf Seeau ist es gar zu klein« Der Chur-
fiirst wird in einem Nebenzimmer incognito zuhören.
Da soll aber auf Leib und Leben probirt werden,
sagte der Cannabich zu mir. Bey der letzten Probe
war er ganz durchnässt vom Schweisse«
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Man ist doch froh, wenn man von einer so
grossen, mühsamen Arbeit endlich befreyet, und mit
Ehre und Ruhm befreyet ist : denn fast bin ich es,
— denn es fehlen nur noch drey Arien und der
letzte Chor vom 3ten Acte, die Ouvertüre und das
Ballet — et adieu partiel ,
A propos! Die Scene zwischen Vater und Sohn '
im is ten Act, und die erste Scene im 2ten Acte,
sind beyde zu lang; sie ennuyiren ganz gewiss. Be-
sonders, weil in der ersten Beyde schlechte Acteurs
sind, und in der zweyten es einer ist; und der ganze
Inhalt nichts als eine Erzählung von dem, was die
Zuschauer schon selbst mit Augen gesehen, ist. Die
Scenen werden gedruckt, wie sie sind. Nur wünschte
ich, dass der Herr Abbate mir anzeigen wolle, wie
sie abzukürzen sind, und zwar auf das Kürzeste,
denn sonst muss ich es selbst thun; denn so können
die zwey Scenen nicht bleiben — versteht es sich,
in der Musik. —
Der Vater an den Sohn.
Salibnrg, den *5. Decbr. 1780.
In der ganzen Stadt ist ein allgemeines Reden
wegen der Güte Deiner Opera. Den ersten Lärm
machte Baron Lerbach; die Hofkanzlerin sagte es
mir, dass er ihr erzählt habe, die Opera werde
durchgehends ausserordentlich gelobt. Den zweyten
machte Herrn Becke's Brief an Fiala, den er aller
Orten lesen liess. Ich wünsche, dass der dritte Act
die nämliche Wirkung tliut, und hoffe es um so ge-
wisser, als hier die grossten Affecten vorkommen,
428
und die unterirdische Stimme sehr überraschen und
schaudernd seyn muss. Basta, ich hoffe, dass es
heissen soU: Firns coronat opus. Suche nur, das
ganze Orchester bey guter Laune zu erhalten, ihnen
zu schmeicheln und sie durch die Sank mit Lobes-
erhebungen Dir geneigt zu erhalten; denn ich kenne
Deine Schreibart, es gehört bey allen Instrumenten
• die unausgesetzte erstaunlichste Aufmerksamkeit da-
zu, und es ist eben kein Spaass, wenn das Orchester
wenigstens drey Stunden mit solchem Fieiss und
Aufmerksamkeit angespannt seyn muss. Jeder, auch
der schlechteste Bratschist, ist auPs Empfindlichste
gerührt, wenn man ihn tete a tite lobt, und wird
s dadurch eifriger und aufmerksamer, und so eine
Höflichkeit kostet Dich nichts, als ein paar Worte.
Doch — das weisst Du ja selbst, — ich sage es
nur, weil man's oft da, bey der Probe, nicht gleich
thun kann, und dann vergisst, und weil Du erst
dann die Freundschaft und den Eifer deS ganzen
Orchesters nöthig hast, wenn die Opera in Seena
ist. Die Lage des ganzen Orchesters ist dann ganz
anders, und aller Mitspielenden Aufmerksamkeit
muss noch mehr angespannt seyn. Du weisst, dass
man nicht Alle zu Freunden haben kann. Es muss
immer ein Zweifel und Jber mit unterlaufen. Mau
zweifelte, ob der zweyte Act so neu und gut als
der erste Act ausfallen werde? — Da nun dieser
Zweifel gehoben ist, so werden Wenige mehr für
den dritten Act zweifeln. Aber ich wollte meinen
Kopf wetten, dass Einige seyn werden, die zweifeln
werden, ob diese Musik in Seena auf dem Theater
auch die Wirkung wie im Zimmer machen werde? •
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429
— — und da braucht's auch wirklich den grössten
Eifer und guten Willen des ganzen Orchesters.
Was anbelangt wegen der sechs Woclien, so
bin ich entschlossen, mich gar nicht zu rühren, noch
Etwas zu melden; sollte aber eine Rede an mich
kommen, so bin ich entschlossen, zu antworten, dass
wir es verstanden hätten, dass Du sechs Wochen
nach componirter Opera wegen Probe und Pro-
duction in München Dich aufhalten könntest, indem
fürstU Gnaden , dass eine solche Opera in sechs
fVochen componirt, abgeschrieben und aufgeführt
könnte u. s. w. .
Esser hat mir und dem Ferrari von Augs-
burg geschrieben. Er rühmte die zwey Acte Deiner
Opera, die er gehört, ganz besonders, und schrieb,
dass von 5 bis 8 Uhr« probirt wurde. Herr Becke,
dem wir uns empfehlen, schrieb mir, dass der Chor
im zweyten Acte beym Sturme so stark wäre* dass
er Jedem, auch in der grössten Sommerhitze, eiskalt .
machen müsste. Er rühmt die concertirende Arie
der Dorothea Wendling im zweyten Acte ausseror-
u. s. w. Kurz, es wäre zu weitläufig, alle
Herr Ferrari macht Dir sein Compliment wegen
des allgemeinen Beyfalls Deiner Oper. Er zeigte
den Brief von Hrn. Esser, weil sich dieser darin
wegen des Accompagnements bey seinem Concerte
zu Salzburg bey dem ganzen Orchester bedankte,
desswegen bey Hofe Allen, besonders dem Haydn,
Brünett i, Hafeneder etc.; und da lasen sie auch,
er die zwey Acte gehört, und: che abbia
■
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I
I
430
tito una musioa ottima e partioolare, universalmente
applaiulita. 1
* *
• ■ %
Der Sohn an den Vater.
IVI u n c h c n j den ^y* Docfcr. iy8o»
Die letzte Probe ist herrlich gewesen , sie war
in einem grossen Saale bey Hofe, nnd der Churfurst
war auch da. Dieses Mal ist mit dem ganzen Or-
chester (versteht sich, das im Opernhause rTlatz hat)
probirt worden. — Nach dem ersten Acte sagte mir
der Churfurst überlaut Bravo, und als ich hinging,
ihm die Hand zu küssen, sagte er: Diese Oper
wird charmant werden, Er wird gewiss Ehre da-
von haben* — Weil er nicht wusste* ob er so lange
da bleiben konnte, so musste man ihm die concerti-
rende Aria und das Donnerwetter zu Anfang des
zweyten Actes machen. Nach diesem gab er mir
wieder auf das Freundlichste seinen Beyfall, und
einem so Meinen Kopfe so was Grosses stecke» Er
hat auch den andern Tag früh beym Cercle meine
Opera sehr gelobt. — Die nächste Probe wird ver-
muthlich im Theater seyn.
A proposl Becke sagte mir dieser Tage, dass er
Ihnen nach der vorletzten Probe wieder geschrieben
hatte, und unter andern auch, dass RafFs Arie im
dies man ihm gesagt hätte. Ich habe ihm darauf
geantwortet: Hätten Sie mich eher gefragt und her-
nach erst geschrieben. — Ich muss Linen sagen, dass
derjenige zu wenig Welsch kann, der Ihnen so Et-
was gesagt hat. Die Aria ist ganz gut auf die Wör-
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■ 1
■ ntm <vA«/*lttnnl\An A/Tn>-\ 1,1t ,ln . «-,,«,1 «Iam ,, ,
ter gescnncucii. liiaii non aas tiicitb unu uas innre
funesto, und die Passagen sind auf minacciar ange-
bracht, welche denn das minacciar, das Drohen,
ganzlich ausdrücken; und überhaupt ist diess die
prächtigste Ana in der Opera, und hat auch allge-
meinen Beyfall gehabt.
■
Münte, oe 5o Dccemhre 1780.
Glückseliges neues Jahr! — Verzeihen Sie, wenn
ich diess Mal sehr wenig schreibe, denn ich stecke
nun über Hals und Kopf in Arbeit. — Ich bin noch
nicht ganz fertig mit dem dritten Acte, und habe
dann, weil kein besonderes Ballet, sondern nur ein
zur Opera gehöriges Divertissement ist, auch die
Ehre, die Musik dazu zu machen, welches mir aber
sehr lieb ist, denn so ist doch die Musik von einem
Meister. Der dritte Act wird wenigstens so gut aus-
fallen, als die beyden ersten, — ich glaube aber,
unendlich besser, und dass man mit Recht sagen
könne: Finie coronat opus. — Der Churfürst war
letzthin bey der Probe so zufrieden, dass er, wie
ich Ihnen letzthin schon geschrieben, Morgens beym
Cercle meine Opera sehr gelobt, und dann Abends
bey der Cour wieder; — und dann weiss ich es von
einer sehr sichern Hand, dass er den nämlichen
Abend nach der Probe Jedermann, der zu ihm ge-
kommen ist, von meiner Musik geredet hat, mit
dem Ausdrucke: ,Jch war ganz surprenirt — noch
?iat mir keine Musik den Effect gemacht, — das ist
eine magnifique Musik."
Vorgestern haben wir eine Recitativ- Probe bey
der Wendling gemacht — und das Quartett zusam-
Di
433
men probirt. Wir haben es sechs Mal repetirt —
nun geht es endlich. Der Stein des Anstosses war
der Del Prato; — der Bube kann doch gar nichts.
Seine Stimme wäre nicht so übel, wenn er sie nicht
in den Hals und in die Gurgel nehmen würde; übri-
gens hat er aber gar keine Intonation — keine Me-
thode — keine Empfindung, sondern singt wie etwa
der beste unter den Buben, die sich hören lassen,
um in dem Kapellhause aufgenommen zu werden.
Munic, ce 3 Janvier 1781.
Mon tres eher Pörel
Kopf und Hände sind mir so von dem dritten
Acte voll, dass es kein Wunder wäre, wenn ich
selbst zu einem dritten Acte würde. — Der allein
kostet mehr Mühe, als eine ganze Opera, denn es
ist fast keine Scene darin, die nicht äusserst inter-
essant wäre. — Das Accompagnement bey der unter-
irdischen Stimme besteht ganz allein aus fünf Stim-
men, nämlich drey Posaunen und zwey Waldhörnern,
welche an dem nämlichen Orte placirt sind, wo die
Stimme herkömmt. Das ganze Orchester ist bey
dieser Stelle «tili. — Die Hauptprobe ist ganz ge-
wiss den20sten, und die erste Production den Josten.
München, den 11» Januar 1781.
So eben die Nachricht, dass die Opera wieder
um acht Tage verschoben ist; die Hauptprobe ist
erst den 27sten, NB. an meinem Geburtstage, und
die erste Opera am 29sten d. M. — Ich bin zwar
froh, so kann man noch öfter probiren und mit
mehr Bedachtsamkeit. '
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433
_
Ich habe nebst vielen andern kleinen Streitig-
keiten einen starken Zank mit dem Grafen Seau
wegen der Posaunen gehabt — ich heisse es einen
starken Streit, weil ich mit ihm habe müssen grob
seyn, sonst wäre ich mit ihm nicht ausgekommen.
•
Munic, ce 18 Janvier 1781.
Verzeihen Sie, wenn ich gegenwärtig sehr wenig
schreibe , denn ich muss augenblicklich in die Probe,
— es ist heute die erste Recitativ- Probe im Theater.
Die Probe mit dem dritten Acte ist vortrefflich
ausgefallen , und man hat gefunden , dass er die zwey
ersten Acte noch um Vieles übertrifft« — Nur ist
die Poesie gar zu lang, und folglich auch die Musik
(welches ich immer gesagt habe) 5 desswegen bleibt
die Aria von Idamante: Nb, la morte io non pa-
vento, weg, welche ohnediess ungeschickt da ist,
worüber aber die Leute, die sie in Musik gehört
haben, seufzen, — und die letzte Aria von Raff
auch, worüber man noch mehr seufzt* Allein, mau ,
muss aus der Noth eine Tugend machen, —
Den 25sten Januar 1781 reis'te der Vater mit
seiner Tochter von Salzburg ab , und kam den 26eten
Abends in München bey seinem Sohne an, um die
Freude zu gemessen, Zeuge von dem unbeschreib-
lichen Beyfalle seyn zu können, den sein Sohn bey
jedesmaliger Aufführung seines Idomeneo einerntete.
Auch aus seiner Vaterstadt hatte seine Oper eine grosse
Anzahl nach München gezogen, um der Aufführung
dieser Oper bey zuwohnen und diese meisterhafte Mu-
sik ihres Landsmannes zu hören und zu bewundern.
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434
i
1 Zu derselben Zeit, wo Mozart den Idomeneo
schrieb, componirte er in München das Offertörium:
Misericordias Domini etc., um tjieils dem Intendan-
ten Grafen Secau sein Talent für den Kirchenstyl
zu zeigen, und theils um in München angestellt zu
werden, was er so sehr wünschte und hoffte.
Idomeneo besteht, nach ehemaliger Einrichtung,
ausser den theils einfachen, theils obligaten Recita-
tiven, fast bloss aus Arien und Chören, Und zählt
nur drey mehrstimmige Gesangstucke. Die Musik
scheint den Liebhabern des neuesten italienischen
Opernstyls veraltet. Abgerechnet, dass dieses nach
der Zeit, in welcher sie geschrieben worden, schon
unmöglich wäre, so rührt es daher, dass Idomeneo
eine der frühesten Arbeiten Mozart's ist Allein sie
ist darum nicht nur nicht weniger gehaltvoll, als
seine übrigen Werke, sondern sie nimmt vielmehr
durch die Erhabenheit und das acht tragische Pathos,
welche in der Anlage des Ganzen walten, so wie
durch die kunstreiche Ausführung und die gariz be-
sonders geschmack- und wirkungsvolle Instrumenü-
rung, einen vorzüglichen Platz unter seinen Arbei-
ten ein. Wahr ist: hier und da sind gewisse For-
men der italienischen Schule, die damals als unver-
brüchliches Gesetz aufgestellt waren, das selbst Mo-
zart's hoch aufstrebender Genius nicht immer zu
überschreiten für gut hielt, sey es, um dem Neuen
durch die Vermähl uns mit dem Herkömmlichen Ver—
zeihung zu verschaffen, oder um seinen, die dama-
lige Fassungskraft ohnehin übersteigenden genialen
Erzeugnissen durch einige Schonung des herrschen-
den Geschmacks einen gewissen Grad von Populari-
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» »
435
tat 'zu erhalten. Man findet diese Absicht (mit Aus-
nahme der Hochzeit des Figaro) mehr oder weniger
in einzelnen Theilen aller, selbst seiner letzten Werr
ke; und noch in der Zauberflöte sind die beyden
Arien der Königin der Nacht Beweise davon, wenn
anders sein bekannter Humor jene eben dazumal be-
gonnene Entartung des Gesanges nicht etwa damit
persifliren wollte. In Wien hat man alle Gesänge,
deren Form ihrem sonstigen Werthe Eintrag thun
konnte, hinweg gelassen. Aber dadurch mussten —
um den gestörten Zusammenhang wieder herzustel-
len — Musikstücke, die man ungern vermisste, aus-
geschlossen werden«
Idomeneo, sagt Rochlitz, schrieb Mozart unter
äusserst günstigen Umstanden« Sie war einzig für
das damals ganz vortreffliche Münchner Theater be-
stimmt« Der Churfürst forderte ihn dazu auf, gab
ihm Beweise seiner Achtung und bezahlte ihn. Er
schrieb zugleich für eine der vorzüglichsten damali-
gen Kapellen der Welt, der er also viel zumuthen
und mithin dem Fluge seiner Phantasie ohne äussere
Beschränkung folgen konnte. Er war in der höch-
sten Blut he seines Lebens, im fünf und zwanzigsten
Jahre, bey ausgebreiteten Kenntnissen, glühender
Liebe für seine Kunst, bey raschem, leichtem Körper,
bey über Alles mächtiger Jünglings -Phantasie.
Dass Mozart nun ein Werk, unter solchen Au-
spizien geboren, auch wenn es nicht seinen hohen
Werth hätte, vorzüglich lieb haben musste, ist leicht
einzusehen. Er hat diese seine Vorliebe auch da-
durch bewiesen, dass er mehre Hauptideen dessel-
ben zur Grundlage — beynahe zu noch mehr als das
' • 28*
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bey einigen seiner besten späteren Arbeiten machte«
Man vergleiche mit der Ouvertüre des Idomeneo die
Ouvertüre der Clemenza di Tito; mit der unver-
gleichlichen Arie : Vofgi intorno lo sguardo, oSire etc,
im Idomeneo das gleiclifalls ganz vortreffliche Knale
des ersten Actes im Titus; die rührende Aiia des
erstern : Se iL padre perdei, mit der Arie: Diess
Bildnis8 ist bezaubernd sclion, und dem Andante
der Arie: Zum Leiden bin ich auserlohren in der
Zauberflöte; den Marsch des dritten Actes des Ido-
meneo mit dem zu Anfange des zweyten Actes der
Zauberflöte etc.
Man hat Mozart dieses zum Vorwurfe gemacht;
ich glaube, mit Unrecht. Mozart konnte diese seine
frühere Arbeit benutzen, nicht nur, weil sie vor-
trefflich war, sondern auch, weil sie, so lange er
lebte, wie ein vergrabener Schatz verborgen lag.
Was noch keine deutsche Bühne gewagt hatte,
unternahm das Theater in Cassel im Jahre 1802, den
Idomeneo aufzuführen.
Von München wurde Mozart durch einen Auf-
trag seines Erzbischofs nach Wien berufen, wohin
er sogleich folgte und den löten März dort eintraf.
Von dieser Zeit an, das heisst, von seinem 25sten
Jahre, lebte er in dieser Kaiserstadt, die eben so
sehr durch den entschiedenen Hang des Publicums
zur Musik, als auch durch die Menge vortrefflicher
Tonkünstler für Mozart' s Geist wichtig seyn musste*
Dreist kann man behaupten, dass Mozart's Ma-
nier sich hier in Wien am natürlichsten zu dem
Grade der Gefälligkeit ausbildete, welcher sie später
ihren Zugang zu Aller Herzen verdankte. Alle seine
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«
437
früheren Werke haben eine gewisse Steifheit und
einen Mangel an Politur und Vertreibung der Far-
ben, die sie in Vergleich gegen die neueren unge-
niessbar machen. Seine Schreibart hatte alle mög-
liche Anlage zum düstern uud verworrenen Contra-
punctisten; und hätten ihn Wiens tändelnde, gefal-
lige Musen nicht zeitig mit ihren Rosenge winden
umflochten, er wäre sicher ganz in die Manier Ema-
nuel Bach's geratben. Seine Messen, zumal die klei-
nen aus D und B dur, und besonders sein Requiem,
zeigen dieses auffallend. Auch im Idomeneo zeigen
m
Ein Gluck für Mozart, sagt Gerber, dass er
noch jung unter den gefalligen und tändelnden
Wien'schen Musen seine Vollendung erhalten hatte;
es hätte ihn sonst leicht das Schicksal des grossen
Friedemann Bach treffen können, dessen Finge nur
wenige Augen der übrigen Sterblichen nachsehen
kon
Zehnte Reise.
begreift diejenige vom Sten Kovbr. 1780, wa unser Mozart
nach Wien reis't und sich dort habititirt. Bis nach Munohm
• • •
wurde er von seinem Vater und seiner Schwester begleitet*
» •
Von dem Aufenthalte Mozart's in München bis
• • •
Mitte März 1781 ist wenig Interessantes bekannt,
mehr dagegen von seiner Domicilirung in Wien.
Mozart meldet seine glückliche Ankunft in Wien
seinem Vater durch folgenden Brief vom l7.März 1781:
Gestern, als den lGten, bin ich, Gott Lob und
Dank, glücklich und gesund hier Morgens 9 Uhr
7
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438
angekommen. Ich schreibe diese« im Mesmer'schen
Garten auf der Landstrasse. — Nun sogleich vom
Erzbischof. Ich habe ein scharmantes Zimmer im
nämlichen Hause, wo der Erzbischof wohnt. Bru-
netti und Ceccarelli logiren in einem andern Hause.
Che distinzione! — Mein Nachbar ist Hr. v. Klein-
mayern, welcher mich mit allen Höflichkeiten über-
häufte; er ist auch in der That ein scharmanter
Mann. Um halb zwölf Uhr Mittags wird schon zu
Tische gegangen, leider für mich ein bischen zu früh.
Da speisen die zwey Leib -Kammerdiener, der Con*-
trolleur, Hr. Zetti, der Zuckerbäcker, zwey Köche,
4
Ceccarelli, Brunetti und meine Wenigkeit. Die zwey
Leib -Kammerdiener sitzen oben an, und ich habe
wenigstens die Ehre, vor den Köchen zu sitzen.
7M
m
TT
werden einfältige grobe Spässe gemacht; mit mir
macht Keiner Spaass, weil ich kein Wort rede, und
wenn ich was reden muss, so ist es allezeit mit der
grössten Seriosität, und so wie ich abgespeiset habe,
gehe ich meines Weges. Abends haben wir keine
Tafel, sondern Jeder bekömmt drey Ducaten — da
kann Einer Weit springen. Der Hr. Erzbischof hat
die Güte und gloriirt mit seinen Leuten, raubt ih-
nen ihre Verdienste und bezahlt sie nicht dafür. —
Gestern um 4 Uhr haben wir schon Musik ge-
habt, da waren ganz gewiss zwanzig Personen von
der grössten Noblesse da. — Ceccarelli hat schon
beyra Palfy singen müssen. Heute müssen wir zum
Fürsten Gallizin, der gestern auch da war. — Jetzt
will ich nur abwarten, ob ich nichts bekomme; wenn
nicht, so gehe ich zum Erzbischof uud sage es ihm
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ganz gerade: wenn er nicht will, dasa ich wa* ver-
dienen «oll, so soll er mich bezahlen, daaa ich nicht
von meinem Gehle leben muaa.
■
Wien, den a4. Mifra 1781.
Was Sie mir vom Erzbiachof achreiben, hat,
waa aeinen Ehrgeiz in Betreff meiner Peraon kitzelt,
in ao weit aeine Richtigkeit; — allein, waa nützt
mir Allea dieaa? — Von diesem lebt man nicht« —
Und waa giebt er mir denn für Diatinction? — Hr.
von Kleümiayrn, Boenecke haben mit dem erlauch-
ten Graien Arco eine beaondere Tafel; — daa wäre
Diatinctioa^ wenn ich bey dieaer Tafel wäre, — aber
nicht bey den Kammer dienern, die auaaer dem er-
sten Platze am Tische die Lüster anzünden, die
Thüre aufmachen und im Vorzimmer bleiben müs-
aen; und dann, wenn wir wo zu einem Concerte
gerufen werden, ao muas ein Herr Leib -Kammer-
diener herauspassen, bia die Herren Salzburger kom-
men , und aie dann durch einen Lakay weisen laasen,
damit sie hinein dürfen, wie das mir Brunelti so im
Discoura erzählte. Da dachte ich mir: wartet nur,
bia ich einmal komme*
Ala wir also letzthin zum Fürsten Gallizin musa-
ten, ging ich mit Fleiss allein hin; — als ich hinauf
ging, stand achon der Hr. Angerbauer da, dem B©r
dienten zu sagen, dass er mich hinein führen sollte.
— Ich gab aber weder auf den Hrn. Leib -Kammer-
diener, noch auf den Bedienten Acht, sondern eine.
gerade die Zimmer durch in das Musik zimmer, denn
die Thören» waren alle offen, — und schnurgerade
zum Prinzen hin, und machte ihm mein Coinpliinent,
r
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wo ich dann stehen blieb und immer mit ihm sprach.
— Ich hatte ganz auf Brunetti und Ceccarelli ver-
gessen, denn man sah sie nicht, die steckten ganz
hinterm Orchester an die Mauer gelehnt, und ge-
traueten sich keinen Schritt hervor. Ich gehe Heute
Abends mit Herrn von Kleinmayrn zu einem seiner
Freunde, zum Hofrath Braun, wo mir Alle sagen,
dass er der grösste Liebhaber vom Ciavier sey. Bey
der Gräfin Thun habe ich schon zwey Mal gespeis't,
und komme fast alle Tage hin: das ist die charman-
teste, liebste Dame, die ich in meinem Leben gese-
llen, und ich gelte auch sehr viel bey ihr. — Beym
Grafen Cobenzl habe ich' auch gespeis'tt — Nun ist
raeine Hauptabsicht hier, dass ich mit guter Manier
zum Kaiser komme, denn ich will absolument, dass
er mich kennen lernen soll. — Ich möchte ihm mit
Lust meine Opera durchspielen und dann brav Fu-
gen spielen; denn das ist seine Sache. — O hätte
ich gewusst, dass ich die Fasten nach Wien kommen
würde, hätte ich ein kleines Oratorium geschrieben,
und zu meinem Vortheile im Theater gegeben, wie
es hier Alles macht. Ich hätte leicht vorher zu
schreiben gehabt, weil ich die Stimmen alle kenne.
— Wie gern gäbe ich nicht ein öffentliches Concert,
wie es hier gewöhnlich ist; aber es wird mir nicht
erlaubt, das weiss ich gewiss: denn stellen Sie sich
nur vor — Sie wissen, dass hier eine Societät ist,
welche zum Vortheile der Wittwen von den Musicis
Akademieen giebt, und Alles, was nur Musik heisst,
spielt da umsonst. Das Orchester ist 180 Personen
stark; kein Virtuos, der nur ein wenig Nächstenliebe
hat, schlägt es ab, darin zu spielen, wenn von der
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Societat aus darum ersucht wird 5 denn man macht
sich darum sowohl beym Kaiser als beym Publicum'
beliebt* — Starzer hatte den Auftrag, mich darum
zu bitten, und ich sagte es ihm sogleich zu, doch
musste ich vorher meines Fürsten Gutachten darüber
vernehmen, und ich hatte gar keinen Zweifel, weil
es eine geistliche Art und un entgeldlich, nur um ein
gutes Werk zu thun, ist. — Er erlaubte es mir nicht, -
welches ihm die ganze hiesige Noblesse übel genom-
men hat. — Mir ist es nur desswegen leid : ich hatte
kein Concert, sondern, weil der Kaiser in der Pro-
scen-Loge ist, ganz allein präludirt, eine Fuge und
dann die Variationen (Je suis Lindor) gespielt. —
Wo ich das so öffentlich gemacht habe, hatte ich
allezeit den grössten Beyfall erhalten, weil es so gut
absticht und weil Jeder Etwas hat. Die Gräfin Thun
hätte mir ihr schönes Pianoforte von Stein dazu ge-
geben. . . .' • . ,
Den a9. Mär*.
Ich bin mit dem Briefe nicht fertig geworden^
weil mich Herr von Kleinmayrn zum Concert beym
Baron Braun in der Kutsche abgeholt hat; mithin
schreibe ich jetzt, , dass der Erzbisch of mir erlaubt
hat, in dem Wittwen - Concerte zu spielen; denn
Starzer ist zur Akademie beym Gallizin gegangen,
und er und die ganze Noblesse haben ihn so gequält,
bis er es erlaubt hat. — Bin ich so froh. —
Der alte Fürst Colloredo, bey dem wir Musik
hatten, hat Jedem von uns fünf Ducaten gegeben. —
Die Gräfin Rombeck habe ich zur Schülerin.
Wien, den 4. April 1781.
Ich habe Ihnen letzthin schon geschrieben, dass
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442
I mir der Erzbischof ein grosses Hindernis* ist* deun
er macht mir wenigstens 100 Ducaten Schaden, die ich
ganz gewiss durch eine Akademie im Theater machen
»
könnte . denn die Damen haben sich mir schon selbst
angetragen, Billets auszütheiien. Gestein, kann ich
wohl sagen, dass ich mit dem Wiener Publicum
recht zufrieden war. Ich spieke in der Akademie
der Wittwen in Karnthnerthor -Theater, und musste
wieder neuerdings anfangen, weil des Applaudirens
kein Ende war. Das, was mich am meisten gefreut
und verwundert hat, war das erstaunliche Silentium
und mitten im Spielen das BraYo-Schreyen. Für
Wien, wo so viele* und so viele gute Ciavierspieler
sind, ist das gewiss Ehre genug. — Was glauben
Sie, wenn ich nun, da mich das Publicum einmal
kennt, eine Akademie für mich gäbe, was ich nicht
da machen würde? — Allein unser Erzbischof er-
laubt es nicht — er will nicht, dass seine Leute
Nutzen haben sollen, sondern Schaden. Doch diess
kann er bey mir nicht zuwege bringen 5 denn wenn
ich hier zwey Scholaren habe, so stehe ich besser
als in Salzburg.
Heute hatten wir Akademie, wo drey Stücke
von mir gemacht wurden, versteht sich, neue, —
als: ein Rondo zu einem Concert für Brunetti — —
eine Sonate mit Accompagnement einer Violine für
mich, welche ich gestern Nachts von 11 bis 12 Uhr
componirt habe; aber, damit ich fertig geworden
bin, nur die Accompagnement- Stimme für Brunetti
geschrieben habe, ich aber meine Parthie im Kopfe
behalten habe, — und dann ein Rondo für Cecca-
relli, welches er hat repetiren müssen, und für diese
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t
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<
meine Arbeit bekomme ich nicht«. Was mich aber
halb desperat macht , ist, dass ich an dem nämlichen
Abend, ab wir die Musik hatten, zur Gräfin Thun
invitirt war, und also nicht hinkommen konnte , und
wer war dort? — Der Kaiser; — Adamberger und
Weigl waren auch dort, und hat Jeder 50 Ducaten
bekommen. — - Und welche Gelegenheit! —
Wien, den la. Mty 1781.
Sie wissen aas meinem letzten Briefe, dass ich
den Fürsten den 9ten May um meine Entlassung •
gebeten habe, weil er mir es selbst geheissen hat;
denn schon in den ersten zwey Audienzen sagte er
mir* scher* Er sich weiter, wenn Er mir nicht recht t
dienen will! — Was Wunder also, wenn ich
endlich durch Bube, Schurke, Bursche, liederlicher
Kerl und dergleichen Ausdrücke mehr ausser mur,
das : scher9 Er sich weiter! endlich für bekannt an-
genommen habe*
Ich gab den folgenden Tag dem Grafen Arco
eine Bittschrift, um selbe Sr. HochfurstL Gnaden zu
überreichen, und auch wieder das Reisegeld, welches
in 15 IL 40 Xr. für die Diligence, und % Ducaten
Verzehrungsgeld besteht« Er nahm mir Beydes nicht
quittiren könnte, ohne Ihre Einwilligung, mein Va-
ter, zu haben. Das ist Ihre Schuldigkeit, sagte er
mir. — Ich versicherte ihn gleichfalls, dass ich so
gut als er meine Schuldigkeit gegen meinen Vater
kenne, und es wäre mir sehr leid, wenn ich sie von
ihm erst lernen müsste. — Gut also, sagte er, ist
er damit zufrieden, so können Sie Ihre Entlassung
*
%
t
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begehren, wo nicht, so — können Sie sie — auch
begehren, — Eine schöne Distinction ! — Alles , was
mir der Erzbischof in den drey Audienzen Erbau-
liches sagte, besonders in der letzten, — und was
mir jetzt wieder dieser herrliche Mann Gottes Neues
erzählte, machte eine so treffliche Wirkung auf
meinen Körper, dass ich Abends in der Opera mit-
ten im ersten Acte nach Hause gehen musste, um
mich zu legen; denn ich war ganz erhitzt-— zitterte
ganzen Leibe — und taumelte wie ein Besoffe-
ner auf der Gasse, blieb auch den folgenden Tag,
als gestern, zu Hause, und den ganzen Vormittag
im Bette, — Dass Sie glauben, dass ich mich bey
der Noblesse und dem Kaiser selbst in üblen Credit
setzen werde, ist grundfalsoh, denn der Erzbischof
* ist hier gehasst, und. vom Kaiser am meisten; das
ißt eben sein Zorn, dass ihn der Kaiser nicht nach
eingeladen hat. - •
Ich will also nur noch den Hauptvorwurf über
ienung hersetzen. Ich wusste nicht,
dass ich Kammerdiener wäre, und das brach mir
den Hals. Ich hätte sollen alle Morgen so ein paar
Stunden in der Auticamera verschleudern; man hat
mir freylich Öfters gesagt, ich sollte mich sehen las-
sen, — ich konnte mich aber niemals erinnern, dass
diess mein Dienst sey, und kam nur allezeit richtig,
wenn mich der Erzbischof rufen Hess. — Nun habe ich
mit Ihnen gesprochen, als wenn wir in Gegenwart
des Erzbischofs waren. — Jetzt spreche ich aber
ganz allein mit Erneu, mein liebster Vater. Von
allem Unrecht, welches mir der Erzbischof vom
Anbeginn seiner Regierung bis jetzt angethan, von
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I
dem unaufhörlichen Schimpfen, von allen Imperti-
nenzen und Sottisen, die er mir in das Gesicht sagte,
von dem imwidersprechlichen Recht, das ich habe,
von ihm wegzugehen, wollen wir ganz schweigen,
denn da lässt sich nichts dawider sagen. Nur will
ich von dem sprechen, was mich — auch ohne alle
Ursache einer Kränkung — von ihm wegzugehen
verleitet hahen wurde. ■ * •
Ich hahe hier die schönsten und nützlichsten
Connoissances von der Welt, bin in den grössten
Häusern angesehen und beliebt, man erzeigt mir
alle mögliche, Ehre, und bin dazu noch dafür be-
zahlt, — . und ich soll um 400 fl. in Salzburg schmach-
ten, ohne Aufmunterung ? — Was würde das Ende
davon seyn ? — immer das nämliche : ich • müsste
mich todt kränken lassen, oder wieder weggehen.—
Ich brauche Jhnen nichts mehr zu sagen, Sie wissen
es selbst. Nur noch dieses: — Die ganze Stadt
Wien weiss schon meine Geschichte. Die ganze
Noblesse redet mir zu, ich soll mich ja nicht mehr
einfuhren lassen u. s. w. '
i ■
—
Von dieser Zeit an verliess Mozart die Erz-
liehen Dienste, indem er nun seine Entlassung
eingab, die man aber nicht annehmen wollte, indem
sich der Graf A. alle mögliche Mühe gab, Mgzart's
Eutschluss zu ändern, um ihn wieder nach Salzburg
zu bringen. Er stellte ihm vor, dass für ihn Wien
nicht der Ort sey, wo er sein Glück machen werde,
das Publicum sey zu wandelbar, und wende nach
kurzer Zeit schnell einem Neuern seine Gunst, zu,,
und komme in einer so grossen Stadt ganz in Ver-
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gewenheit. Hierauf antwortete Mozart: „Die Wie-
ner sind wohl Leute, d 10 gern abscliicsscn — • eher
nur am T/teater, und mein Fach ist zu beliebt hier,
als dass ich mich nicht souteniren sollte« Hier ist
doch gewiss das Ciavierland! — und dann« lasse ich
es zu, so wäre der Fall erst in etlichen Jahren, eher
gewiss nicht." — Mozart bestimmte nun Wien zu
seinem Wohnplatze, weil ihm die Stadt, ihre Sit-
ten, und die Schönheit ihrer freundlichen Bewohner
gefielen. Sein Wunsch war, sich Ehre, Ruhm und
Geld zu machen* Und er hoffte auch, dass er sei-
nem Vater mehr nützlich sevn könne, als in Salz-
bürg, welche Hoffnung auch in Erfüllung ging, in-
dem er von Zeit zu Zeit ihm 10 bis 30 Ducaten
schickte. Der Weg nach Prag war ihm jetzt weni-
ger verschlossen, als wenn er in Salzburg geblieben
wäre.
Er beschäftigte sich nun mit Ciavier- Unterricht,
mit der Composition, indem er sechs Sonaten auf
Subscription herausgab, und mit dem Studiren der
Händel'schen Fugen. Dazu kamen noch die häufigen
Bestellungen von 3en höchsten Personen, um dort
zu spielen. Wie fleissig und anstrengend er dort
arbeitete, darüber geben uns seine Briefe an seinen
Vater die trieft igsten Belege, wovon liier billig ei-
nige Auszüge mitgetheilt werden.
■
Wien, den 3. Noyember 1781.
Mon tres eher P&re!
Ich bitte um Verzeihung, dass ich vergangenen
Posttag nicht geschrieben habe, — es war aber eben
mein Namenstag, wo in der Frühe ich also meine
•
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Andacht verrichtete, und — da ich eben .schreiben
wollte, so kamen mir eine Menge Gratulanten auf
den Hals. Um 12 Uhr fuhr ich in die Leopold-
Stadt zur Baronesse Waldstadter, wo ich meinen
Namenstag zugebracht habe. Auf die Nacht bekam
ich eine Nachtmusik von zwey Clarinetten, zwey
Hörnern und zwey Fagotten, und zwar von meiner
eigenen Composition. Diese Musik hatte ich auf den
Theresien-Tag für eine Namensfeyer gemacht, all-
wo sie auch wirklich das erste Mal producirt wurde.
Diese sechs Herren, die solche executiren, sind arme
Schlucker, die aber ganz hübsch zusammen blasen,
besonders der erste Clarinettjst und die zwey Wald-
hornisten. Die Hauptursache, warum ich sie ge-
macht, war, um dem Herrn von Strak*), welcher
täglich in dieses Hau* kömmt, Etwas von mir hören
zu lassen; und desswegen habe ich sie auch ein we-
nig vernünftig gemacht. — Sie hat auch allen Bey-
fall erhalten. Man hat sie in der Theresien- Nacht
an dreyerley Orten gemacht $ denn, wenn sie wo
damit fertig waren, so hat man sie wo anders hin-
geführt und bezahlt.
Gestern Nachmittags liess mich um 3 Uhr der
Erzherzog Maximilian**) zu sich rufen. Als ich hin-
. , •
* ■
♦) Der Leibkammerdiener des Kaisers Joseph.
**) Franz Xaver Joseph, letzter Churfürst von CÖIn, Bischof
Ton Münster, Hoch- und Deutschmeister zu Mergentheim,
König!. Prinz Ton Ungarn Und Böhmen und Erzherzog von
Oesterreich, geb. 1756, gest. 1801. Er war der jüngst«
unter den Söhnen der grossen Kaiserin Maria Theresia,
und einer Ton den Fürsten, "welche Ton ihren Unterthanen
gesegnet und von der Menschheit mit Ehrfurcht genannt
werden. .• ; .!•'!*■
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' ein kam, stand er gleich im ersten Zimmer beym
Ofen und passte auf midi, ging mir gleich entgegen
und fragte mich : ob ich heute nichts zu thun hätte ?
„Ew. Koni gl. Hoheit, gar nichts } und wenn
auch, so würde es mir eine Gnade seyn,
Ew. KönigL Hoheit aufzuwarten« Nein, ich will
keinen Menschen geniren. — Dann sagte er mir,
dass er gesinnt sey, Abends dem Würtembergischen
Hofe, eine Musik zu geben. — Ich möchte also Et-
was spielen und die Arien accompagniren, und um
6 Uhr sollte ich wieder zu ihm kommen. Mithin
habe ich gestern allda gespielt.
Wien, den 26. December 1781.
Alle Tage früh um 6 Uhr kommt mein Friseur,
und dann schreibe ich bis 10 Uhr. Um 10 Uhr habe
ich die Stunde bey der Frau von Trattner, um ff
Uhr bey der Gräfin Rombeck, und Jede giebt mir
für zwölf Lectionen sechs Ducaten. — Wenn Sie
einem so elenden Buben glauben können, dass es
wahr sey, dass ich bey Hofe und bey der ganzen
Noblesse verhasst sey, so schreiben Sie nur an Hrn.
von Strack — Gräfin Thun — Gräfin Rombeck —
Baronin Waldstüdter — Hm. von Sonnenfels —
Frau von Trattner, — enßn, an wen Sie wollen.
Unterdessen will ich Ihnen nur sagen, dass der Kai-
ser letzthin bey der Tafel das grösste Eloge von mir
gemacht hat, mit den Worten begleitet: „Cest un
talent decide!" — und vorgestern, als den 24sten,
habe ich bey Hofe gespielt. Es ist noch ein Ciavier-
spieler hier angekommen , ein Italiener, er heisst
Clementi. Dieser war auch hinein berufen. Gestern
sind mir fiir mein Spiel 50 Ducaten geschickt worden.
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1 ■
Nun Yöm Clomenti. — • Dieser ist ein braver
Cembalist, damit ist aber auch Alles gesagt. — Er
hat sehr Viele Fertigkeit in der rechten Hand, —
seine Hauptpassagen aind die Terzen, — - übrigens
hat er um keinen Kreuzer weder Geschmack noch
P
Der Kaiser tliat bey dem Concert (nachdem wir
genug Complimente machten) den Ausspruch,
dass JEr zu spielen anfangen sollte. La santa Cfiiesa
catholica, sagte der Kaiser, weil Clementi ein Rö-
mer ist. — Er präludirte und spielte eine Sonate.
— Dann sagte der Kaiser zu mir:, Alfons, d'rauf
los! ~ Ich praludirte auch und spielte Variationen.
— Dann gab die Grossfarstin Sonaten von Paesello
(miserabel von seiner Hand geschrieben) her, daraus
musste ich die AUegro, und er die Andante und
Rondo spielen. — Dann nahmen wir ein Thema
darauf und führten es auf zwey Pianoforten aus. —
Merkwürdig ist dabey, dass ich für mich das Piano-
forte der Gräfin Thun geliehen, ich aber nur, als
ich allein gespielt, darauf gespielt habe > weil es der
Kaiser so gewollt, Das andere Pianoforte war
verstimmt und.drey Tasten blieben stecken. — „Es
thut nichts," sagte der Kaiser. Ich nehme es
so, und zwar von der besten Seite, dass nämlich der '
Kaiser meine Kunst und Wissenschaft in der Musik
schon kennt, und mir den 'Fremden recht hat ver-
kosten wollen. Uebrigens weiss ich von sehr guter
Hand, dass er recht zufrieden war, denn der Kaiser
war sehr gnädig gegen mich, und hat Vieles heim-
lich mit mir gesprochen, — auch sogar von meiner
Heirath.
• • • , •« •
29
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I
•450
" * * 1 ,Wiön, den 8. Mny 1782.
Nun wird diesen Sommer durch im Augarten
alle Sonntage Musik seyn. Ein gewisser Martin hat
nun durchwein Decret vom Kaiser die Efl&übiüss er-
halten, und zwar mit Versicherung seine« höchsten
Wohlgefallens, zwölf Concerte im Augarten zu ge-
ben, und vier grosse Nachtmusiken auf den schön-
sten Plätzen in der Stadt. Das Abonnement für den
. ganzen Sommer ist zwey Duralen. Nun können Sie
sich leicht denken, dass wir genug Subscribenten
bekommen werden , um so mehr, da ich mich darum
annehme, und damit assöciiret bin. Ich setze den
Fall, dass Wir nur hundert Abonnenten haben, so
hat doch, wenn auch die Unkosten, höchstens 200 fl-
wären, welches aber unmöglich seyn kann, Jeder
300 fl* Profit« Baron van Swieten und die Gräfin
Thun nehmen sich sehr - darum an* 'Das Orchester
ist von lauter Dilettanten , die Fagottisten, Trom-
peten und Pauken ausgenommen.
• • » t
■ «••» » • «» . ; • * •» <
■ - ■ - ■ . « , .
In einem Briefe vom loten April ±762 schrieb
Mozart seinem Vater Folgendes: • . * •
Schicken Sie mir auch die sechs Fugen von Hän-
del. Ich gehe alle Sonntage um 12 Uhr zu Baron
van Swieten*), und da wird -nichts als von Händel
und Bach gespielt. Ich mache mir eben eine Colleo-
tion von den Badi'sehen fugen, sowohl von Sebastian,
, als Emanuel und Friedemann Bach 5 ^- dann auch
von denHändeFschcn, und da gehen mir diese sechs
• . , « i* • • ,. ■
*) K. K. wirklicher geheimer Rath und Präses dar Kaiserlichen
Hof- Bibliothek, war ein grosser Freund der Tonkunst und
hatte sehr viel Umgang mit Momart und Hajda. Er ttM'tSo*.
1
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Fugen ab. Sie werden wohl schon wissen, dass der
Englinder Bach gestorben ist? — Schade ffir die
musikalische Welt!
Weiter schreibt
April 1782 an seine
Hier schicke ich Di* ein Preludio nnd eine
dreystimmige Fuge. Das Prelridio gehört vorher,
dann folgt die Fuge darauf. Die Ursache aber war,
weil ich die Fuge schon gemachtp hatte, und sie,
während ich das Preludio ausdachte, abgeschrieben.
Die Ursache, dass diese Fuge auf die Welt gekom-
men, ist wirklich meine Constanze. Baron ran
Swieten, zu dem ich alle Sonntage gehe, hat mir
alle Werke Handelt und Sebastian Bach's, nachdem
ich selbe ihm durchgespielt, nach I lause gegeben.
Als die Constanze die Fuge horte, ward sie ganz
▼erliebt darein, — sie- will nichts als Fugen hören,
besonders aber in diesem Fache nichts als Händel
nnd Bach. "Weil sie mich nun öfters aus dem Kopfe
Fugen spielen gehört hatte, so fragte sie mich, ob
ich noch keine aufgeschrieben hatte? — Und als
ich ihr Nein sagte, so zankte sie mich recht aus,
dass ich eben das Künstlichste und Schönste in der
Musik nicht schreiben wollte, und gab mit Bitten
nicht nach, bis ich ihr eine Fuge aufsetzte, und so
*
ist diese dreystimmige Fuge entstanden. Ich habe
mit Fleiss Andante maestoso hierauf geschrieben, da-
mit man sie nur nicht geschwind spiele; denn wenn
eine Fuge nicht langsam gespielt wird, so kann sich
das eintretende Subject nicht deutlich und klar aus-
i, und ist folglich von keiner Wirkung, —
29*
Ich wende mit det,JZcit und cuter Gelegenheit noch,
fünf Jiiac hen, und. sie dann dem; Baron van S Wielen
überreichen, der in der That an Werjtfn einen aejir,;
grosseu, an der Zahl aber freylich einen sehr klei-
nen Schatz' von guter Musik Ii at. Daher bitte ich
Dich, sie keinen Menschen sehen zu lassen: . J^erne
sie;aus^e^d|g und^pieje aje» denn .efoft fuge «pielt
maa: nicht* ao Reicht: xwbi ><f . : ( . - : . , b
.,:Von Wien . «ia, yeri^eitejen sich Mozart's erstaun,
neus würdige Com j)o.,iUunen zunächst nach Böhmen,.
un4 dann, erst in fa» .übrige Deutschland^ und gäbe»,
den} (Jcichniiicke in der Musik einen bedeutenden
ScUwunff. eine, neue Richtlinie« die aber, seine zeit—;
herigen. Nachahme^ verzerrten und Terderbten, / . : .
... ßein Spiel, auf dein Piauofor^e fand zuerst Be-*
wunderer und Liebl laberi. denn obschon Wien meh—
re grosse Meister diese« Instrumentes, des Xieblin-
ges des» Publicums zahlte j so kam ,doch feiner un-j
serm Mozart . .gleicj^ Eine bewundernswürdige
Geschwindigkeit, die, man besonders in Rücksicht
• • • •
der linken Hand oder des Basses einzig nennen konu-
9 i JFcinlicit lind X) ( 1 iCcit<. >ss c j % ( d 1 1 sclioustc 5 y rede 1 1 d ^
■
ste Ausdruck und; ein GejKihl, welches unwidersteh-',
lieh zum Herzen? firang, sind die . Vorzüge seines
Spieles gewesen, die, gepaart mit seiner Gedanken-
fülle^ mit der Weihe der Compositum, natürlich
ieden Hörer hinrissen, und Mozarteu zu dem eröss-
teq. Ciavierspieler seiner Zeit, erheben, mussten. . .
Seine Cla vier -Compositiouen aller Art, Sonaten,
Variationen und M Concerte wurden bald allgemein,
bekannt und beliebt. Man ward bey jedem neu
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— ;-f^L-
WMtvmdä 'Werke' dürch dife Neuheit des Style* und
tfei' fceda&ett überrascht ^' matt -staunte über die
'-Hohe, rix der ^sich die Musik durch seine Werke fco
schneU ekßW JehWangi ,, M,> ?f,'i' : ; - % '
in vticii lciiia lvxozart tincit x oiiKunsiiei , ucssen
• Genie dem seinigen am ; ahtilicHsten war , i 1 'den- '' be-
TÜhnJten Schöpfender Aleestef ftno* Iphigenie, JMWr
vqh Gluck , einen Böhmen 'Wri Geburt J -Der' Um-
-gang mit ! ihm und :das 'tfnabl ässrige frtiidiilnr1 'seiner
. «eifabetfa* Werfte gab Mi-zarte» -viel Nahrung ;Juml
* chatte *- EiwflüöS: aiif 'seine Opern -> Composftibiten. »%>tt-
•ses Studium» xler Gluck'sefren WerW Herrath sich
-d«rfiKtfM* :yorzüglifeh-^ MezWi di
ilHio) ' '■'Mäh • vergliche 8iW Cfcfcre öer -Ipiiigenie
auf TaiwiS'init dem Finale CUcfcek OfNöeht; voll etc.,
^nd..imadomen*o' dtts 'Söhltis^GhoT des«1 zweyfen
-finale » B rkvU • <f n^i^Cbrtiäm "függitmio etc. : : In
<>hmtn, ^orhiNfczaiilein^i^Äi nenen^eg» ehAcldnfe,
-ivar Gln<^J^ti'^üster^'»^t;>^ö^ '^nte^es flieht
-seyn. Ahe* utf* Gbör^^äAw'gknis' de&'Geist tfie^
'ses* ff rossen Mrfmres> 1 IT bifii iri>biiill : -i:
i JBG*r sWrde »"Mozart rm<ih' bald ikr mÄ^sle'Ver^ f-V.-f,
ehrer des grossen, unvergleichlichen Jo^R'ltThfäh, * '/« .
^er schon5 dtofäls der"*«& 'der tfönMü^tffr;' und -
twn, «saclt <5WPozärt,s Uebei-gaj^'tier ^zi^-^irebling
**i> der Cota^oriist der deutsche« 1 Nation' istvIJilÄozaäk
-damit* itof^J^in^n 4fA^|fii«Ö^bV«irf fiele
oeiner ^Wörl^^dF'de« PuUWr.Mon '«Vir ^Öiwensielit,
und von dieser Zeit an nahm er auch Haydn zu
seinem1 ^&ftr<& 1 tind' de^iciite ihm sechs Violin-
-QdaftettCftv ' zü uVm böfehs len und ÖtarKchslen
tfeaer Gattung gebößdi* ■'V1*' 1 '" s l'
*
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4*4 r
Bald nachdem Momart »einen Aufenthalt in Wien
aufgeschlagen hatte, fasate der unvergeßliche Kaiser
Joseph II. den seiner so würdigen Gedanken, den
Geschmack an italienischen Opera durch die Unter-
Stützung deutscher Singspiele und Sanger zu verdran-
gen, und für das Vaterländische mehr zu stimmen.
Er ^irersammel to daher d je besten Sanger und San
gerinnen, und Hess von Mozart eine deutsche Oper
setzen. Für diese Virtuosen schrieb Mozart die liebe-
volle Musik zu Bretzner's Entfuhrung aus dem Serail,
1782. Die Sänger und Sangerinnen, für die Mozart
zu schreiben hatte, waren Mselle. Cavalieri. Mselle.
Tayber, Mr. Fischer» Mr. Adamberger, Mr. Dauer
und Mr. Walter« Das Buch erhielt Mozart den
31sten September i78l, worüber er eine so grosse
Freude hatte , dass er schon in den ersten zwey Ta-
gen zwey Arien und ,e,in Terzett, welches den er-
sten Act beschliesst. fertigte« Die Oper selbst hätte
nach früherm Antrage schon um die Mitte des Sep-
tembers aufgeführt werftet* sollen, allein verschiede-
ner Hindernisse und Hof- Festivitäten, wegen kam
sie erst im folgenden Jahre den 13ten July 1782 zur
Aufführung. ...
Sehr interessant sind die Urtheile und Bemerkun-
gen Mozarfs in den .Briefen an seinen Vater, über
die Beai'beitimcr seiner Oüer. der Hlntfuhrune aus
efem Serail, die er flmi desshalb mittheilte, um dar-
über sein Urtheil und seinen weisen Rath zu erfahren.
. .., f» |j ft , t # ,t «§ ...... ...»
. p r Wion, den a6. Septbr. 1781.
Die Oper hatte mit einem Monolog angefangen,
und da bat ich Hrn. Stephan! , eine kleine Ariette
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45-5
1
daraus zu machen« '•«•-• und dass, anstatt nach dem
LieUchea cfes Osniin die Zwey zusammen schwatzen,
ein Duo daraus würde. — Da wir die Rolle des
Osniin Hrn. Fischer zugedacht haben, welcher «re-
wiasi eine vortreffliche Bassstimme fad* obwohl der
Erzbisshof zu mir gesagt, er singe zu tief für einen*
Bassisten, und ich ihm aber, betheuerfc, ^er würde
nächstens höher singen > so muss man so einen be-
nutzen, besonders da er das hiesige Publicum ganz
für, sich hat. -U. Dieser Osmin liat aber im Origi-
nal-Büchel das einzig» Liedchen zu singen, und
sonst nichts , ausser in dem Terzett und Finale. Die-
ser hat also im ersten Acte eine Arle bekommen,
und wird auch im zweyten Acte noch eine haben.
Die Aria habe ich dem Ilm. Stephäni ganz, angege-^
ben -r und die Hauptsache der Musik davon war
schon ganz fertig, ehe Stephan i ein Wort davon
wüsste. . Sie haben nur den Anfang davon , und
das Ende, .welches von guter Wirkung seyn muss —
□er Zorn des Osmin wird dadurch in das Komische
gebracht, weil die türkische Musik dabey angebracht
ist». ~. .In der Ausführung der Aria habe ich seine
schönen tiefen Töne .schimmern lassen* — Das :
Drum beym Barte dek Prop/ieUn etc. — ist zwar
im nämlichen Tempo, .aber mit geschwinden Noten
— und da sein Zorn immer wächst, so muss, da man
glaube di* Aria-sey schon, zu Ende ^ das jtllegro assai
— ganz in einem andern Zeitmaasse und andern Tone
eben den besten Effect machen; denn, em Mensch, der5
sich in einem so heftigen Zorne befindet, überschrei-
tet ja alle Ordnung, Maass und Ziel, er kennt sich
nicht — und so muss sich auch die Musik nicht mehr
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kemieij. — Weil aber die Leidenschaften, heilig
oder nicht, niemals bis zum Ekel ausgedrückt seyn
müssen, und die Musik» auch in der schaudervoll-
sten Lage, das Ohr niemals beleidigen, sondern doch
dabey vergnügen, folglich allezeit Musik blei-
ben muss, so habe ich keinen fremden Ton zum JP
(zum Tone ,der Aria), sondern einen befreundeten,
aber nicht den nächsten, D minore, sondern den
weitern, A minore, dazu gewählt. — Nun die
Aria von Belmonte in Adur: O
wie feurig etc. wissen Sie, wie es ausgedrückt ist —
auch ist das klopfende Herz sohon angezeigt — die
Violinen in Octaven, — Diess ist die Favorit- Arie
von Allen, die sie gehört haben -«auch von -mir —
und ist ganz für die Stimme des Adamberger ge-
schrieben. Man sieht das Zittern, Wanken, man
sieht, wie sich die schwellende Brust hebt, welches
durch ein Crescendo cxprimirt ist; man hört das
Lispeln und Seufzen, welches durch die ersten Vio-
linen mit Sordinen und einer Flauto mit im Uni-
sono ausgedrückt ist» — Der Janitscharen— Chor ist
als solcher Alles , was man Verlangen kann , kurz
und lustig und ganz für die Wiener geschrieben. —
Die Aria von der Constanze habe ich ein wenig der
geläufigen Gurgel der Mselle. Cavalieri aufgeopfert«
— Trennimg war mein i bange* Loos, und nun
schwimmt mein Aug* in Thronen, — habe ich, so-
viel es eine walsche Bravoür-Arie zulässt, auszu-
drücken gesucht. — Das Hui habe ich in schnell
verändert, alsdi Doch wie schnell schwand meine
Freude etc. Ich weiss nicht, wass sich unsere deut-
schen Dichter denken; wenn sie schon das Theater
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die Opern anbelangt* so «allen
als wenn Schweine vor ihnen stünden;' 1 * : ; 1
Nun das Terzett , nämlich der SchluSs Vom er-
sten Acte; Pedrülo hat seinen Herrn für einen Ban^
meister ausgegeben, damit er Gelegenheit habe, mit
seiner Constanze im Gärten zusammen, zu kommen.
Der Eassa hat ihn in seine Dienste genommen ; Osmin,
als Aufseher, und der davon nichts weiss, ist, als
ein grober Flegel und Erzfeind von allen Fremden,
impertinent, und will sie nicht in den Garten lassen*
Das Erste, was ich angezeigt, ist sehr kurz, und
weil der Text dazu Aulass gegeben, so habe ich es
so ziemlich gut dreystiminig geschrieben; dann fangt
aber gleich daV3f<^ an, welches sehr
gesell wi n d gehen muss, und der Schluss wird recht
viel Lärmen machen, und das ist' ja Alles, was zu
einem Schlüsse Von einem Acte gehört* je mehr
Lärmen' y je besser, id* je kürzer, je besser, — da-
mit die Leute zum Klatschen nicht kalt werden. —
Die Ouvertüre ist ganz kurz, wechselt immer mit
Forte und Piano ab, wo beym Forte allezeit die
türkische Musik einfaßt, — modulirt so durch die
Tön* fort, und ich glaube, maä wird dabey nicht
schlafen können, und sollte man eine ganze Nacht
hindurch nicht geschlafen haben. — 'i •!> •*
Nun sitze ich wie der Haase im Pfeffer* Ue-
ber drey «Wochen ist schon der erste Act fertig,
und eine Arie im: Zweyten Acte, und das Sauf-
Duett, welches in Nichts als in meinem, türkischen
Zapfenstreiche besteht; mehr kann ich aber nicht dä~
i , weil jetzt die ganze Geschichte
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^cstm /it. wird, - ^und ;ZWtir . auf mein \^ci langen^, , Im
^ufaiige de» dritten Actes ist ein charmantes Quin-
tett oder vielmehr Finale,; diese* möchte ich aber
lieber zu in Seid usse des zwevten Actes haben.-' Um
■diess .benrerkateJJigeni zu kürniqu muss ciufi> grosse
Veränderung, ja eine ganz neue Jutrigue vorgenom-
t : . . Nun Wegen k des Textes von der Opera, /Was
des Stephan! seiae Arbeit anbelangt, so haben Sie
jiey lieh Recht, doch ist die Poesie dem Charakter
des (Jummeu, groben und boshaften Osmin ganz an-
€emesseri. W Ich weiss wohl, dass die Versart darin
Jucht die beste ist ; ' doch ist sie so 'passend mit mei-
j neu musikalischen Geu^
mein em Kopfe herum spazirten, übereingekommen,
dass sie. mite nolhwendig ! gefallen musste; und ich
i tollte wettert, dass man bey dessen AufTiihrMig nichts
vermissen wird. Was die in dem Stücke selbst sieh
■befindende Poesie betrifft, so könnte ich sie: wirklich
.lüght verachten. — Die Aria von Belmonte,t O wie
ängstlich ete. konnte fast für die. Musik nicht besser
geschrieben seyn. fi- Das Uu) im d Kummer ruht in
Meinem Sdhoüs*', (denn der Kammer katm nicht; sa-
hen) ausgenommen, ist die Aria auch nicht schlecht,
besonders der ewte. Theü? — tad ich weiss, hey
-en*r--Q|^rar muas sohlechterduigs die Poesie der
Musik gehorsame Tochter seyn. — Warum gefallen
denn die wälschen kojnisclicn Opern überall, sammt
alle dem Elend , was das Buch hat? — sogar in P A-
43», Wovon ich selbst ein Zeuge war l Weib da
ganz die Musik) herrscht und m*n darüber Albs ver-
über Hals und Köpf
•
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gisst; um »o mehr muss ja eine Opera gefallen, wo
der Plan des Stückes gut ausgearbeitet, die Wörter
aber nur bloss für die Musik geschrieben sind, und
nicht hier und dort« einem elenden Reime zu gefal-
len (die doch, bey Gott, zum Werthe einer theatra-
lischen Vorstellung, es mag seyn, was es wolle, gar
-nichts bey tragen, wohl aber ehe* ßchaden bringen),
Worte stehen, oder ganze Strophen, die des Com-
nonisten ganze Idee verderben, -r- Verse sind wohl
für die Musik das Unentbehrlichste — aber Reime *r
des Reimens wegen das Schädlichste 5 die Herren,
hin sammt der ! Musik zu Grunde gehen* Da ist es
am besten, wenn ein guter Componist, der das/Th*-
ater versteht und selbst Etwas anzugeben im Stande
ist, und ein gescheid ter Poet, als ein wahrer Phö-
nix, zusammen kommen dann darf Einen* vef
r-r;D|e Poeten kommen mir fast vor* wie,4i0;T<roni1-
oeter mit ihren Handwerksnossem wenn wir Com-
ponisten immer «o getreu unsern Regeln (<U> damals,
als man noch niphto Besseres wiuste, ganz gut; wa-
ren) folgen wollten, so würden WÜ? eben so untaug-
liche Musik, als sie untaugliche Bücher, verfertigen.
— * Nun habe ich Ihnen, dünkt mich, genug albernes
Zeug daher geschwatzt. . , : « .
.v» ».-. ; !: ''Uli •;•.*,-. v .... 1 \ — , ,
Die 0)per selbst wurde auf Befehl .des iCaiscis
nach vielen gemachten frohen jlen I2ten Julius zum
ersten Male mit dem rauschendsten. Bey falle und mit
Wiederholung der meisten Stücke* ungeachtet der
gespielten Kabalen, aufgeführt. Dieses allgemeine
1
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tete, blieb bey den schnell auf iemäiider folgend!^
Aufführungen bey gedrängt vollem Hause in dem
i.amlMlien Grade, Wie uns Mozalfs Briefe an »einen
-yater aelhit s»$«ir' 11 ♦ .- . J v..i . .' 1 !' } • '
.. , , .:: .;. ;/. ►. , .Den ao. Julius 178a. -.!
« * % 0 9
■:■ ■ /Gestern ist meine Oper zum zweyten Male ge-
geben -'worden* Könnten Sie wohl noch vermuthen,
dass gestern mx h-eine stärkere Kabale war, als am
irrsten Abend?— Der ganze erste*' Act ging verlöten,
aber das lau te Bravo - Rufen unte* den Arien 1 kon#-
Eett sie doch nicht Verhindern. Mefne Moffming war
also1 das SchlüS*-TerB«tf>, da maiilö «bor das l.V
gl ücV 1 den Fißcher .(Osmin) fpMeny dadurch »*fehlife
ittüh dei» Danfer (PedrlMo), '~i uhd Adambcfgtr'alMn
konnte auch nicht • Alles ersetze» $ mithin ging der
ganz& Effect davtf« «Verloren , tfnd wurde für diess
Mal nicht repefirt^ dass doli
Tiüicli ' niönt karuttey %e wie^ auch Adamberger, *imd
sagte gleich, das¥^);|Äie Oper nieht geben fasse,
ohne vorher eine, kleine Probet für die Sange** zu
machen. Im zweyten Acte wurden die beyden Dueits
wie das er*ter Malrf ;fcnd dazu das Aondo Von Bel-
•thonte*. Wenn dt* ''■ Fahnde Thtänen fiessen* etc. wie-
derholt. Das Theater <frar olbteh'fast voller als das
erste Mal 5 den Tag vorher konnte! man eebon &eiite
gesperrten Sitze mehr haben, weder auf dem noble
pättepre, noch' *m ^dritten 'Stocke, ulffd/audh -keine
Loge mek* 3>ie -Oper tat" in 'dennartrey Tagen
^JiOd^fli getragen.** ;'! » ! » *i 'i** b Jim ,,if I' iif-lr«.
Hier Üb^söJnti^' icb Ihnen das Original daWn
und Wey BüclieL Sie werden vieV Ausgestrichenes
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4Gi
cl&rxn «Gric^id^^ ^lti»s t ist- y \^ oiT ac*1i ^[fi\yussfc IiüIj^ ^
liier gleicli die Partitur copirt. wird, mithin Hess ich
meinen Gedanken frevcn Lauf, und bevor ich ei
z u in. schi t ilxcii gab, • « machte icli eist Ine ( uucl ilci
meine Veränderungen .und, 4MÜr«unge*i, ^JJnd ao,,
wie Sie nun die Oper bekommen, so ist sie gegeben
worden.' Es^'Rleö'hle nind da die Trompeten und
Pauken, Flauten, Clarinetteh und türkische Musik,
weü vieh kein Parier von -so viel Linien bekommet
kernte , die sind 'tfuf ein besonderes Papier geschrie-
ben, der Copist wird sie verntutlillch Verloren ha-
ben, denn er konnte sie nicht finden.
''" 'Nun habe ich keine geringe Arbeit, bis Sonntag
über acht Tage muss meine Opera auf die Harmo-
nie gesetzt seyn, sonst kömmt mir ein Anderer zu-*'
vor und hat anstatt meiner den Profit davon, 4md
ich 'söll -nun auch eine neue Symphonie mächen !
Wie wird das möglich seyn! Sie glauben nicht1, wie
schwer es ist, so was auf die Harmonie zu setzen^
dass es den Blas -Instrumenten eigen ist und doch
dabey nichts von der Wirkung verloren geht. Je~
nun, ich muss die Nacht dazu nehmen, anders kann
es1 nicht gehen , und Ihnen , mein liebster Vater, s£y
es aufgeopfert« Sie sollen alle Posttage sicher Etwas
bekommen , und ich werde, so 'viel möglich, ge-
schwind arbeiten/ und so viel es die Eile zulasst,
gut schreiben.
Den Augenblick schickt der Graf Zitchi zu mir
und lässt mir sagen, ich möchte mit ihm nach La-
xenburg fahren, damit er mich beym Fürsten Kau-
nitz einführen kann« Ich muss also schliessen« um
mich anzukleiden? denn wenn ich nicht gesonnen bin,
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Am
anzugehen, so bleibe ich allezeit in
g<-<;. So eben schickt mir der Copist auch die übri-
2000 Mal, ond raeine liebe Schwester umarme ich
Wien, den »7.
Meine Opera ist gestern allen Nannerln zu Eh-
mit allem Applauso das dritte Mal
erschrecklieben Hitze, gestrotzt voll. Künftigen
Frey tag soll sie. wieder seyn, ich habe aber dagegen
protestirt, denn ich will sie nicht so auspeitschen
lassen. Die Leute, kann ich sagen, sind recht nar-
risch auf diese Oper. Es thut Einem doch wohl,
wenn man solchen Ery fall erhält« Ich hoffe, Sie
werden das Original richtig erhalten haben. Lieb-
ster, bester Vater! Ich muss Sie bitten, um Alles
in der Welt bitten, geben Sie mir Ihre Einwilli-
gung, dass ich meine liebe Constanze heirathen kann«
— Glauben Sie nicht, dass es um des Heirathens
wegen allein ist, wegen diesem wollte ich gern war-
ten« Allein ich sehe, dass es meiner Gesundheit und
meinem Gemüthszustande unumgänglich nothwendig
ist. Mein Herz ist unruhig, mein Kopf verwirrt —
wie kann BMP da was Gescheidtes denken und ar-
beiten?
... Wlsn, den 3i. JqKm 1782.
- Gestern war meine Oper zum vierten Male, und
Frey tag wird sie wieder gegeben, und das Theater
wimmelt allezeit von Menschen. — Sie schreiben
mir, dass die gange Welt behauptet, dass ich durch
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t
xjri osa.sprm Ii uii hihi ivrjusn~ii uiu rroiisson von
der Musik und auch andere Leute ' arti Feinden liabe.
Wae-fSr eine Welt? Vermuthlich die Salzburger
Welt?- Denn, wer hier -ist, der wird gentig davon"
das" Gegen theil sehen und hören, und das soll meine
AnWort darauf seyn. Sie Werden unterdessen mei-
nen letzten Brief erhalten haben, und ich zweifle
auch gar nicht, $ass ich mit künftigem Briefe Ihre
Emwilligu^ig zu meiner Heirath erhalten werde, Sie
können nichts dagegen einzuwenden haben, und ha-
ben, es, auch wirklich, nicht, das zeigen mir Ihre
Briefe, denn Constanze ist ein ehrliches, braves
Mädchen, von guten Eltern, und ich bin im Stande,
ihr Brod zu verschaffen, wir liehen uns und wollen
i «t • 4 t • ••< iil t A • m f « . • _
uns, da ist also nichts aufzuschieben,
' " **• ' 1 4 " ••' '
Die Oper: Die Entführung aus dem Serail, schrieb
Mozart also im Bräutigamsstande, daher ist sie voll
süsser Gefühle, voll schmachtender Liebe, wenn
gleich noch in dem damaligen Zuschnitte deutscher
Singspiele. Die Symphonie hat noch ihre drey Satze
(was Mozart sonst bey keiner Oper gethan hat),
ein Allegro, Andante, Allegro, welches freylich
durch seine schleppende Verzögerung der Ueberra-
schung schadet; keine Finale. Der erste Act schliesst
mit einem Terzett, der zweyte mit einem Quartett,
und der dritte, nach damals von Adam Hiller und
Standfuss hergebrachter Weise, mit einem Rundge-
sange, wo jede Person zii guter Letzt ihr Versehen*
singt. Im Ganzen, und die Felder seines Zeitalters
abgerechnet, ist /der Plan dieses Singspiels vortreff-
lich, und seine Fabel gewiss das vernünftigste aller
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Opern-Sujets. Die Charaktere sind vortrefflich ge-
zeichnet, und von Mozart noch vortrefflicher colo-
rirU Dem Angegebenen zu Folge ist die Behaup-
tung ganz falsch, dass Idqmeneo in die. Periode; des
Liebesumganges Mozart's mit Constanzen falle, denn,
dieses Liebesverhältniss hatte erst in Wien begonnen.
1 i «i » t '
Der Beyfall, den die Entfuhrung aus dem Öerail
einerntete, begründete Mozart's Ruf. Ich kann/, sagt
Professor Kiem^scheck, den Beyfall und die Sensa-
tion, die sie in Wien erregte, nicht aus eigener Er-
fahrung beschreiben, aber ich bin Zeuge des Enthu-
siasmus gewesen, den sie bey ihrer Aufführung in
Prag bey Kennern und Nichtkennern verursachte ! Es
V ff- . •..^ar J *. * I
war, als .wenn das, was man hier gehört, und ge-
kannt hatte, keine Musik gewesen wäre! Alles war
hingerissen, Alles staunte über die neuen Harmo-
nieen, über die originellen, bisher ungehörten Sätze
der Blas -Instrumente. Von letzt fingen besonders
" ■ ' . ..... • • *
die Böhmen an, Mozart's Compositionen zu suchen,
und in eben diesem Jahre hörte man in allen besseren
musikalischen Akademieen Mozart's Cla vierstücke und
Symphonieeii, und gerade in dieser Periode schrieb
auch Mozart seine schönsten Sachen, die nun in Je-
dermanns Händen sind. $o wie sich nun Böhmens
* • i *
Vorliehe für Mozart's "Werke entschieden zeigte,
waren auch die grössten Kenner und Künstler Wiens
die grössten Bewunderer, die feurigsten Verkündi-
ger von Mozart's Ruhme. *)
• . » -t •
*) Vorzüglich Duscheck, Kucnans, Fratipner, Joh. Kozelucli,
die beyden Lo«chek, Maschek, Cajetan Vogel, Wenzel, Wo*
ber, Röaler, Witazaek, Toraaachek u. A..nu
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4M
Mit dem Aufsehen, welches die Entführung aus
dem Serail machte, fühlten die Italiener bald, dass
ein solcher Kopf für ihr wälsches Geklingel bald
gefahrlich werden dürfte, daher erwachte der Neid
nun mit der ganzen Schärfe des italienischen Giftes,
der ihn bis an das Ende seines Lebens verfolgte.
Der Kaiser Joseph, der im Grunde von der
neuen und tief eindringenden Musik entzückt war,
sagte wegen der Musik zu dieser Oper zu Mozart:
„Gewaltig viel Noten, lieher Mozart!" — „Ge-
rade so viel, Ew. Majestät, als nöthig ist," versetzte
dieser mit jenem edlen Stolze und der Freymüthig-
keit, die grossen Geistern so gut steht. Mozart hatte
wohl bemerkt, dass der Kaiser ein fremdes Urtheil
ausgesprochen hatte, sagt der österreichische Plutarch»
Sonderbar genug! Als Bonaparte die vortreff-
liche Composition Cherubini's auf den Tod des Ge-
neral Hoche gehört hatte, sagte er: „Wahrhaftig,
eine herrliche Musik, liebster Cherubini! aber viel
Noten d'rin." Dieser antwortete darauf gerade wie
Mozart dem Kaiser. Von einem Pariser Correspon-
denten wurde in der Allg. Leipz. musikal. Zeitung
versichert, dass Cherubini die Anekdote von Mozart
erst später erfahren habe. %
Die Entführung aus dem Serail wurde von Mo-
zart's Freunden auch die Entfuhrung aus dem Auge
Gottes deshalb genannt, weil das Haus so hiess,
woraus Mozart seine Braut, deren Mutter ihre Ein-
willigung versagte, so zu sagen entführte, denn er
führte -sie heimlich daraus zu der Baronin Wald-
stetten, wo die Hochzeit den 4ten August 1782 er-
folgte, wovon er selber schreibt:
30
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I
, 466
■
*
nenne, e§ 7 d'Aout 1782.
Mon tria eher Pere!
Meine liebe Constanze, nunmehro (Gott sey
Dank) raeine wirklich Frau , wusste r ieine Umstände
und Alles, was ich von Ihnen zu erwarten habe,
■
schon lange von mir. — Ihre Freundschaft aber
und Liebe zu mir war so gross, dass sie gern mit
grösster Freude ihr ganzes künftiges Leben meinem
Schicksale aufopferte. Ich küsse Ihnen die Hände,
und danke Ihnen mit aller Zärtlichkeit, die immer
ein Sohn für seinen Vater fühlte, für die mir gü-
tigst zugetheilte Einwilligung und väterlichen Segen.
— Mein liebes Weib wird nächsten Posttag ihren
liebsten, besten Schwiegerpapa um seinen väterlichen
Segen, und ihre geliebte Schwägerin um die fernere
Fortdauer ihrer werthesten Freundschaft bitten. —
Bey der Copulation war kein Mensch, als die Mut-
ter und jüngste Schwester; Hr. von Thorwart als
Vormund und Bey stand von Beyden, Hr. Landrath
von Zetto, Beystand der Braut, und Hr. von Gi-
lowsky als mein Beystand. Als wir zusammen ver-
bunden wurden, fing sowohl meine Frau als ich zu
weinen an; davon wurden Alle, sogar der Priester
gerührt, und Alle weinten, da sie Zeugen unserer
gerührten Herzen waren. Unser ganzes Hochzeits-
fest bestand aus einem Souper, welches uns die Frau
Baronin von Waldstetten gab, — das in der That
mehr fürstlich als baronisch war. Während des
Souper wurde ich mit einer sechzehnstimmigen Har-
monie von meiner Composition überrascht. — Nun
freuet sich meine liebe Constanze noch mehr, nach
Salzburg zu reisen, und ich wette, Sie werden sich
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467 _
meines Glückes erfreuen, wenn Sie sie werden ken-
nen gelernt haben, wenn anders in Ihren Augen,
so wie in den meinigen, ein gutdenkendes, recht-
schaffenes, tugendhaftes und gefalliges Weib ein
Glück für ihren Mann ist»
Meine Oper ist gestern wieder, und zwar auf
Begehren des Ritters Gluck gegeben worden 5 Gluck
hat mir viele Complimente darüber gemacht. Mor-
gen speise ich bey ihm.
Einige nennen die Entfuhrung ans dem Serail
das Piedestal , auf welches Mozart seinen Ruhm grün-
dete. Es hat unverkennbar das Gepräge eines liebe- '
glühenden Herzens. Wie schön drückt Mozart und .
Belmonte zugleich in der ersten Arie die Worte
aus: Klopft mein liebehfnnkes Herz! Und wem
könnte es einfallen, diess eine schlechte Malerey zu
nennen-, wie eben den einen schlechten Maler, der
das Herz nicht roth malte, wenn Belmonte sich
nicht von uns an den Busen fühlen lässt, sondern es
lieber selbst thut! Was Mozart thut, sehen wifr
aber, und er singt sich eben mit seiner Darstellungs-
weise so in unser Inneres hinein, dass wir unwillkür-
lich nach unserer Brust greifen und glauben, wenn
wdr dieser schönen Täuschung und freywilligen und
dennoch bewusstlosen Mischung des Subjects mit dem
Objecte fähig, dass wir nicht aus Gyps geformt sind.
Man besinne sich auf den fast ironischen, aber ganz
humoristischen Zug von höchster Feinheit in Figaro's
Arie, wo er mit dem Maasse den Stubenboden und
die Stellung seines Hochzeitbettes ausmisst, und der
Bass ihn messend accompagnirt, und ordentlich um>
30*
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46& *
• #
schlägt, wie die Elle, wenn er singt: fiinf, zehn,
zwanzig, dreyssig u. s. f. Ist das Gemalte, und ist
es nicht mit höchster Ueherlegenheit des Genies über
den prosaischen Stand der Ebbe und Trockenheit
eines bloss perständigen Menschen oder Zuhörers?
— Bey Mozart ist das Ideal mit dem untergeordne-
ten Humor in Eintracht«
Wenn Leporello singt: „so macht er9 8 mit dem
Kopfe," wer sieht nicht da in der Musik den Gou-
verneur mit seiner drohenden Antwort nicken?
Denn ganz analog hebt sich die Melodie nur bis zur
Quarte langsam, und sinkt mit einem Schritte wie-
der zurück, so wie das Haupt. Warum ist es gut?
Weil er dazu singt, und es selbst mit Geberdenspiel
begleitet: es wird also durch die Mittel anschaulich:
durch Poesie, Gesang und Mimik»
Rochlitz sagt: Gegen diejenigen seiner Werke,
die er selbst schätzte, war Mozart strenger, als er
vielleicht wünschte, dass Andere gegen sie seyu
möchten. So hatte er seine mit Recht noch immer
beliebte Entführung in den Jünglings- Jahren ge-
schrieben : späterhin nahm er eine strenge Recension
vor, in welcher er Vieles abänderte, besonders ab-
kürzte. Ich hörte ihn eine Hauptarie der Constanze
nach beyden Recensionen spielen, und bedauerte ei-
nige gestrichene Stellen: Beym Ciavier, mag es
Wohl so angehen, sagte er, aber nicht auf dem Thea-
terj als ich diess schrieb, hörte ich mich noch selbst,
zu gern, und konnte das Ende immer nicht finden.
Bey einer Aufführung dieser Oper sagt ein Cor-
respondent in der Allgem. Leipziger musikal. Zei-
tung: Mozarts Genius feyerte auch heute einen
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*
schönen Triumph, der in dem Maasse erhöht Wer-
den muss, als einige unserer modernen Compositeurs
sich immer mehr von dem durch ihn vorgezeichne- .
ten, allein als richtig anerkannten Wege der Wahr-
heit und Klarheit entfernen, und dadurch bisweilen
kalte Bewunderung erringen, aber der Musik ihr
schönstes Vorrecht, Sprache der Seele zu seyn, ent-
ziehen.
Uebrigens schätzte man in Wien, wahrend Mo-
zart lebte, die Werke dieses Genie's nicht so hoch,
als es diese unsterblichen Arbeiten verdienten. Vie-
len seiner Opern ward die Kabale entgegen gesetzt,
und nicht seilen siegte sie. So gefiel weder die
Hochzeit des Figaro noch Don Juan in einem vor-
züglichen Grade. Nur bey der Zauberflöte war der
Beyfall allgemein, weil diese Oper in den damali-
gen Geschmack des Publicums eingriff, sehr präch-
t **g gegeben wurde, und weil der Componist bald
nach den ersten Vorstellungen starb. Seine Instru-
mentalwerke fand man zu schwer auszuführen, und
zu verworren, weil sie nicht Jeder gleich begreifen
konnte; und erst einige Zeit nach Mozart's Tode
zeigte^ es sich aufTallend, und man fühlte allseitig,
was die Kunst an ihm verloren hatte.
Der preussische Gesandte Baron von Riedesel
hatte im Auftrage zu Mozart geschickt, dass er seine
Oper: die Entführung aus dem Serail, copirt nach
Berlin schicke $ die Belohnung dafür werde schon
erfolgen. Hierüber schrieb Mozart seinem Vater
aus Wien vom 5 ten Oc tober 1782 :
Ich habe gleich versprochen, sie copiren zu las-
sen. Nun, da ich die Oper nicht habe, so müsste
* , Digitized by Google
470
ich sie vom Copbten entlehnen, welches «ehr unge-
legen wäre, und da ich sie nicht drey ganze Tage
•icher behalten könnte, indem öfters der Kaiser dar-
um schickt, welches erst gestern geschehen ist, und
sie überdiess auch öfters eeceben wird« indem sie
nun wirklich schon zehn Mal seit dem löten August
ist gegeben worden. Mithin wäre mein Gedanke,
sie in Salzburg copiren zu lassen, allwo es heimli-
cher und wohlfeiler geschehen könnte! Ich bitte
Sie also, sie sogleich in die Partitur rein schreiben
zu lassen, aber auch mit vieler Eile. Ich war selbst
bey Baron von Riedesel, welcher ein charmanter
Mann ist, und versprach ihm, die Oper zu Ende
dieses Monats oder Anfange Novembers zu liefern.
Um Ihnen aber alle Sorge und Bedenklichkeit zu
nehmen, die ich mit dem dankbarsten Herzen als
einen Beweiss Ihrer väterlichen Liebe verehre, so
kann ich Ihnen nichts Ueberzeugeuderes sagen, als
dass ich dem Hrn. Baron recht sehr verbunden bin,
dass er die Opera von mir und nicht vom Copisten
begehrt hat, von welchem er sie alle Stunden um
baares Geld hätte haben können. — Und überdiess
wäre es mir sehr leid , wenn mein Talent mit einem
Male bezahlt werden könnte, besonders mit hundert
Ducaten! Ich werde unterdessen (weil es nicht nö-
thig ist) Niemanden was sagen; wird sie, wie ganz
zuverlässig, und was mir auch das Liebste dabey
ist, aufgeführt, so wird man es ganz sicher erfahren ;
mich aber werden desswegen meine Feinde nicht aus-
lachen, und nicht als einen schlechten Kerl behan-
deln können, sondern mir nur gar zu gern eine
Opera zu schreiben geben, wenn ich nur will! Denn
Digitized by
V
i
471
ich werde eine Opera schreiben, aber
mit 100 Ducaten am sehen, wie das Theater in vier-
zehn Tagen vier Mal so viel gewinnt; sondern ich
Werde meine Opera auf meine Unkosten aufführen,
und in drey Vorstellungen wenigstens 1200 fl. ma-
chen, und dann kann sie die Direction um 50 Du-
caten haben $ wo nicht, so bin ich bezahlt und kann
sie überall anbringen. Uebrigens hoffe ich, werden
Sie noch niemals einige Spur von Neigung zu einer
schlechten Handlung bey mir bemerkt haben. Man
muss keinen schlechten Kerl machen, aber auch kei-
nen dummen, der andere Leute von seiner Arbeit,
die ihm Studium und Mühe genug gekostet hat, den
Nutzen ziehen lässt, und allen fernem Anspruch
darauf aufciebt.
Heute, den 12ten October, ist dem Russischen
Hofe, der den 4ten d. M. angekommen ist, meine
Opera gegeben, wo ich für gut fand, wieder an das
Ciavier zu gehen und zu dirigiren, theils um das
ein wenig in Schlummer gesunkene Orchester wie-
der aufzuwecken, theils um mich, weil ich eben
hier bin, den anwesenden Herrschaden als Vater
von meinem Kinde zu zeigen.
Wien, den 31. Dccbr. 178a.
Ich bin bey Prinz Gallizin auf alle seine Con-
certe engagirt, werde allezeit mit seiner Equipage
abgeholt und nach Hause geführt, und dort auf die
nobelste Art von der Welt tractirL — Den loten
d. M. ist meine Opera wieder mit allem Beyfall,
und zwar zum vierzehnten Male aufgeführt worden,
und zwar bey so vollem Hause , wie das erste Mal,
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. 472 - •
oder vielmehr, wie allezeit. Der Intendant, Graf
. Rosenberg, hat mich bey Gallizin selbst angeredet,
ich möchte doch eine wälsche Oper schreiben. Ich
habe auch schon desswegen nach Italien geschrieben, -
habe aber noch nichts von den neuesten Opere buffe-
Buchein erhalten. »
Ueberhaupt habe ich so viel* zu thun, dass ich
oft nicht weiss, wo mir der Kopf steht* Der ganze
Vormittag bis zwey Uhr geht mit Lectionen herum,
dann essen wir. Nach Tische muss ich doch eine
kleine Stunde meinem armen Magen zur Digestion
vergönnen; dann ist der einzige Abend, wo ich et-
was schreiben kann, und dieser ist nicht einmal
sicher, weil ich öfters zu Akademieen gebeten werde«
Nun fehlen noch zwey Subscriptions - Concerte. —
Die Concerte sind eben das Mittelding zwischen zu * S,J
schwer und zu leicht, sind sehr brillant, angenehm
in die Ohren, natürlich, ohne in das Leere zu fal-
len — hier und da können auch Kenner allein Sa-
tisfaction erhalten, doch so, dass die Nichtkenner .
damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen, war-
um. Ich theile Billets aus, gegen sechs Ducaten.
Nun vollende ich auoh den Ciavierauszug meiner
Oper, welcher im Stich herauskommen wird, und
zugleich arbeite ich an einer Sache, die sehr schwer
ist, nämlich an einem Bardengesang von Denis über J
Gibraltar; das ist aber ein Geheimniss, denn eine
ungarische Dame will dem Denis diese Ehre erwei- ■
sen. — fiie Ode ist erhaben, schön, Alles, was
Sie wollen*; allein zu übertrieben schwülstig für
meine feinen Ohren. Aber was wollen Sie! -das
Mittelding, das Wahre in allen Sachen kennt und
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473
'S.
■
schätzt man jetzt nimmer. Um Beyfall zu erhalten,
muss man Sachen schreiben , die so verständlich sind j
das« es ein Fiacre nachsingen könnte, oder so un-
verständlich , dass es ihnen, eben weü es kein ver-
n un fti gc r ^Icnsch, ^rerstelxen ^ ann , gerade eben cless—
wegen gefällt. ,
•
In dieser Periode schrieb Mozart die schönsten
Sachen fiir das Ciavier: Sonaten mit und ohne Be-
gleitung und auch Concerte. Zur Zeit, als seine
Frau zum ersten Male in Kindesnöthen war, arbei-
tete er sogar an dem zweyten der sechs Quartetten,
welche er 1785 Joseph Haydn widmete. Diese Um-
stände waren gewiss nicht zum Notendenken geeig-
Noten zuvor schrieb und vollendete, und sie dann
erst probirtej und dennoch belästigte ihn nichts,
wenn er in dem Zimmer arbeitete, wo seine Frau
lag. So oft sie Leiden äusserte, lief er auf sie zu,
um sie zu trösten und aufzuheitern $ und wenn sie
etwas beruhigt war, ging er wieder zu seinem Pa-
pier. Nach ihrer eigenen Erzählung wurden der
Menuett und das Trio gerade bey ihrer Entbindung
componirt.
Bald nach der Entbindung seiner Frau hatte er
zwey Arien für seine Schwägerin, Madame Lange,
und für Adamberger ein Rondo in eine neue wälsche
Opera: II Curioao indiscreto, von Anfossij zu ma-
chen, worin diese beyden Deutschen zum ersten
und eines Rondo waren seinen Feinden, an deren
Spitze Salieri jtand , ein Dorn im Auge, wesshalb
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474
die** so boshaft waren und vor der, Aufführung die
Meinung verbreiteten, als woUe, Mozart die Oper,
des Anfossi corrigiren. Doch hierüber höre man
Mozart'* Worte an seinen Vater iü einem Briefe
Ypn Wien, den 2ten Julius 1783: r -«
Sie ist vorgestern, Montags, zum' ersten Male
gegeben worden; es gefiel gar Nichts, ab die zwey
Arien von mir, und die zweyte, welche eine Bra-
vour-Arie ist, musste wiederholt werden. — » Nun
müssen Sie" wissen, dass meine Feinde so hoshaft
waren , schon vorhinein auszusprengen : Mozart will
die Opera des Anfossi corrigiren. Ich hörte es. Ich
Kess also dem Grafen Rosenberg sagen, dass ich die
Arien nicht hergäbe, ausgenommen, es würde Fol-
gendes sowohl deutsch als wälsch dem Opernbüchel
beygedruckt: ' ' "
Verwarnung.
Die beyden Arien, Seite 56 und iqT, sinf von Herrn
Maestro Mozart aus Gefälligkeit für Madame Lange, und
nicht vom Herrn Meister Anfossi in Musik gesetzt worden.
# • • • -•
« i
« .
ohne nur im Mindesten dem Ansehen und dem Rufe des
vielberülimten Neapolitaners zu nalie zu treten»
Es wurde beygedruckt, und ich gab dm Arien
her, welche sowohl mir als meiner Schwägerin un-
aussprechliche Ehre ( machten. — Und die Herren
Feinde sind ganz betroffen! Nun kömmt eine
Tour des, Hrn. Salieri, welche nicht so viel mir , als
dem armen Adambercer Schaden thut. Ich glaube,
dass ich Ihnen geschrieben, dass ich auch für den
Adamberger ein Rondo gemacht habe. Bey einer
Probe, wo das Rondo noch gar nicht abge-
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I
475
schrieben war, ruft Salieri den Adamberger auf die
Seite und sagt ihm, dass der Graf Rosenberg nicht
gern sähe, dass er eine Aria einlegte, und er ihm
folglich als ein guter Freund rathe, es nicht zu thun.
Adamberger, aufgebracht über den Rosenberg und
dermalen zur Unzeit stolz, wusste sich nicht anders
zu rächen, beging die Dummheit und sagte: „Nun
ja, um zu zeigen, dass Adamberger schon seinen
Ruhm in Wien hat, und nicht nöthig hat, sich erst
durch für ihn geschriebene Musik Ehre zu machen,
so wird er singen, was darin steht, und sein Leben
lang keine Arie einlegen." Was war der Erfolg
davon? Das, dass er gar nicht gefiel, wie es auch
nicht anders möglich war! Nun reuet es ihn, aber
zu spät 5 denn, wenn er mich heute ersuchte, ihm
das Rondo zu geben, so würde ich es nicht mehr
hergeben. Ich kann es sehr gut in eine der meinigen
Opern brauchen. Das Aergste aber dabey ist, dass
die Prophezeiung seiner Frail und von mir wahr
geworden ist, nämlich, dass der Graf Rosenberg
sammt der Directum gar kein Wort davon weiss,
und dass es nur so ein Pfiff des Salieri war.
«
Zu Ende Julias des Jahres 1783 stattete Mozart
mit seiner Frau dem Vater in Salzburg einen Besuch
ab. Schlechte Umstände hatten ihn diese Reise mehre
Monate verzögern lassen, und noch, wie er abreiste,
war er in traurigen, — so dass, wie er in den Wa-
gen stieg, ein Gläubiger ihn nicht fort lassen wollte,
ohne seine 30 fl. bekommen zu haben. Es ward
Mozart schwer, sie zu entbehren.
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47(5
Und dieser Mann, wie gebtauch ta er die kurze
Zeit in Salzburg? Er vollendete die Messe, die
er für seine Frau gelobt hatte, wenn die Entbindung
glücklich vorübergehen würde, und von welcher er im
Januar schon die Hälfte fertig hatte. Diese Messe
wurde den 23stcn August im Kapellhause probirt
und den 25sten in der St. Peterskirche producirt,
wobey seine Frau die Solo's sang. Ausserdem schrieb
er für Michael Haydn zwey herrliche Duetten für
Violine und Viola, und zwey Acte einer italieni-
schen Oper von Varesoo, die hernach nicht weiter
fertig wurde. Mit diesen Duetten verhielt es sich
auf folgende Weise:
Michael Haydn sollte auf höhern Befehl Duetten
für Violine und Viola schreiben. Er konnte selbige
aber zur bestimmten Zeit nicht hefern, weil ihn eine
heftige Krankheit befallen hatte, die ihn nachher
länger, als man es vermuthete, zu aller Arbeit un-
fähig machte. Man drohte ihn über den Aufschub
mit Einziehung seiner Besoldung, weil der Gebieter
von Haydn's Umstanden vermuthlich zu wenig un-
terrichtet, oder durch falsche Berichte hintergangen
war. Mozart, der Haydn täglich besuchte, erfuhr
dieses, setzte sich nieder und schrieb für den be-
trübten Freund mit so unausgesetzter Rastlosigkeit,
dass die Duetten in wenigen Tagen vollendet waren
und unter Michael Haydn's Namen eingereicht wer-
den konnten.
„Noch oft ergötzten wir uns in der spätem Zeit
mit diesem vortrefflich gerathenen Liebeswerke, das
auch unser Meister als ein Heiligthum im Originale
aufbewahrte und darin immer Mozart's unsterbliches
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477 .
«
*
■
Andenken ehrte." So erzählen die Verfasser und
Schüler M* Haydn's in dessen biographischer Skizze
(Schinn und Otter).
Diese Duetten wurden nach etlichen Jahren als
MozarVs Arbeit bekannt und erschienen öffentlich
bey Andre in Offenbach 5 er selbst hat sie aber
nicht herausgegeben« ... 1
. Das Duett (No. V.) hat ein Allegro G dur C,
ein Adagio C dur J und ein Rondo G dur (ß. .
Das (No. VI.) Adagio con Allegro B dur C J,
Andante cantabile Es dur $ , und Andante grazioso
con 6 Variazioni B dur (JJ.
Nach einem Aufenthalte von beynahe drey Mo-
naten reisHe Mozart mit seiner Frau den 27sten Oc-
tober von Salzburg wieder nach Wien zurück« Auf
dieser Heimreise schrieb er von Linz aus seinem
Vater: 1 l* 1 •••»••• « ... .
Wir sind gestern, den 30sten October früh um
9 Uhr, glücklich hier angelangt. Den ersten Tag
haben wir in Vöcklbruck übernachtet. Den -folgen-
den Tag sind wir Vormittags in Lambach *) ange-
ommen , una icn kam eben recnt, um bey dem
Amte das Agnus Dei mit de* • Orgel *u begleiten.
■Der Hr; Prälat hatte die grösste fVeude, mich wie-
der zu sehen. .Wir blieben den ganzen Tag dort,
wo ich auf der Orgel und einem Clavichord spieltev
— Ich hörte, dass den andern Tag zu Ebersperg bey
Herrn Pfleger Steurer eine Opera aufgeführt, mit-
hin ganz Linz alldort versammelt seyn werde, und
entschloss mich also, auch dabey zu seyn, unä wir
*) Ein Benedictiner- Kloster in Oberöaterreich. '»
<
, • . ^Digitized by Google
478
fuhren dahin» Da kam gleich der junge Graf Thun
(Bruder zu dem Thun in Wien) zu mir, und sagte,
dass sein Herr Vater schon vierzehn Tage auf mich
wartete, und ich mochte nur gleich bey ihm anfah-
ren, denn ich müsste bey ihm logiren/ Als wir den
andern Tag zu Linz beym Thore waren , stand schon
ein Bedienter da, um uns zum
zu führen, allwo wir nun auch logiren. Ich kann
Ihnen nicht genug sagen, Wie sehr man uns in die-
sem Hause mit Höflichkeiten überschüttet. Dienstag,
als den 4 tcn November, werde ich hier im Theater
Akademie geben, und weü ich keine einzige Sym-
phonie bey mir habe, so schreibe ich über Hals und
Kopf an einer neuen, Welche bis dahin fertig seyn
muss. Meine Frau und ich küssen Ihnen die Hau de,
bitten Sie um Verzeihung, dass wir Ihnen so lange
Ungelegenheit gemacht haben, und danken nochmals
recht sehr für alles Empfangene. * ' ■
Meine deutsche Oper: Die Entfuhrung aus dem
Serail, ist in Prag und in Leipzig sehr gut und mit
allem Beyfalle gegeben worden, welches ich von
Leuten weiss,, die sie alldort gesehen haben. Ich
.bitte Sie, mir so bald möglich meinen Idomeneo,
die zjyey Yiolin - Duetten und Seb. Bach's Fugen zu
schicken. — Idomeneo brauche ich, weil ich diese
JFasten, nebst meiner Akademie im Theater, sechs
Subscriptions-Akademieen geben werde, wo ich auch
jiese Oper darin produciren möchte. 4 I
, Wie sehr seine Subscriptions-Akademieen un-
terstützt wurden, darüber sclireibt Mozart selbst an
seinen Vater:
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- 479
Hier haben Sie die Liste Tön allen meinen 174
Subscribenten. Ich habe allein um dreyssig mehr,
als Richter und Fischer zusammen, da ich die drey
letzten iviittwocnen m aer rasten, vom l/ten Marz
angefangen, drey Concerte im Trattner'schen Saale
auf Abonnement gebe; der Preis ist auf alle drey
Concerte 6 ü- — ■ Im Theater werde ich dieses Jahr
zwey Akademieen geben; nun können Sie sich leicht
vorstellen, dass ich nothwendig neue Sachen spielen
muss, und da muss man also schreiben. Der ganze
Vormittag ist den Scholaren gewidmet, und Abends
habe ich fast alle Tage zu spielen. Hier lesen Sie
von allen Akademieen, worin ich spielen muss*
Donnerstag den 26sten Febr. beym Gallizin*
Montag den isten März beym Joh. Esterhazy.
Donnerstag den 4ten Marz beym Gallizin.
Frey tag den 5t en März beym Esterhazy.
Montag den 8ten März beym Esterhazy.
Donnerstag den Uten März beym Gallizin. '
Freytag den 12ten März beym Esterhazy.
Montag den 15ten März beym Esterhazy.
Mittwoch den 17ten März meine erste Akademie,
• • Privat. » •»■••*
Donnerstag den |8ten März beym Gallizin. '
Freytag den 19ten März beym Esterhazy.
Samstag den 20sten März beym Richter.
Sonntag den 21«ten März meine erste Akademie ,
... •
im Theater.
Montag den 22sten März beym Esterhazy. ' m \
Mittwoch den 24sten März meine zweyte Privat-
Akademie. : ' '
• Donnerstag den 25sten März beym Gallizin. 4 .
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Freytag den 26sten Marz beym Esterhazy.
Samstag den 27sten März beym Richter.
Montag den 29sten März beym Esterhazy.
Mittwoch den 3isten März meine dritte Privat-
Akademie.
Donner 8 tag den isten April meine zweyte Akade-
mie im Theater.
Samstag den 3ten April beym Richter.
Habe ich nicht genug zu thun? Ich glaube
nicht, dass ich auf diese Art aus der Uebung kom-
men kann«
Nun muss ich Ihnen geschwind noch sagen," wie
es herging, dass ich so in einem Privatsaale Akade-
mieen gebe. Der Ciaviermeister Richter giebt näm-
lich im benannten Saale die sechs Samstage Concert.
Die Noblesse subscribirte nur mit dem Bemerken,
dass sie keine Lust hätte, wenn ich nicht darin
spielte. Hr. Richter bat mich darum: ich versprach
ihm, drey Mal zu spielen, und machte auf drey
Concerte für mich Subscription, wozu sich Alles
abonnirte. Die erste Akademie am 17ten März ist
glücklich abgelaufen; der Saal war angesteckt voll,
und das neue Concert, so ich gespielt, hat ausser-
ordentlich gefallen, und wo man hinkömmt, hört
man diese Akademie loben. Morgen, den 21sten d. M.,
hätte meine erste Akademie im Theater seyn sollen.
Fürst Louis Lichtenstein giebt aber bey sich Opera,
entführt mir nicht allein den Kern der Noblesse,
sondern entzieht mir auch die besten Leute aus dem
Orchester. Ich habe sie also durch ein gedrucktes
Avertissement auf den ersten April verschieben lassen.
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4SI
' "
- Wien, den 10. Aprü i784.
Durch mein© drey Subscriptions - Akademieen
habe ich mir sehr viel Ehre gemacht. Auch meine
Akademie im Theater ist sehr gut ausgefallen. Ich
habe zwey grosse Concerte geschrieben, und dann
ein Quintett für Oboe, Clarinetto, Corno, Fagotto
und Pianoforte, welches ausserordentlichen Beyfall
erhalten; ich selbst halte es für das Beste, was ich
noch in meinem Leben geschrieben habe. Ich wollte
wünschen, Sie hätten es hören können! und wie
schön es aufgeführt wurde! Uebrigens bin ich, die
Wahrheit zu gestehen, gegen das Ende hin müde
geworden von lauter Spielen, und es macht mir keine
geringe Ehre, dass es meine Zuhörer nie wurden.
Den a4. April. :
Hier haben wir nun die berühmte Mantuanerin
Strinasacchi, eine sehr gute Violinspielerin 5 sie hat
«ehr viel Geschmack und Empfindung in ihrem Spiele.
— Ich schreibe eben an einer Sonate, welche wir
Donnerstag im Theater bey ihrer Akademie zusam-
men spielen werden. Dann sind dermalen Quartet-
ten heraus von einem gewissen Pleyel; dieser ist ein
Scholar von Joseph Haydn. Wenn Sie selbige noch
nicht kennen, so suchen Sie sie zu bekommen; es
ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben,
und, sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen
Meister herauskennen. Gut — und glücklich für
die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist,
uns Haydn zu remplaciren.
1;
Gelegenheit, als Mozart für die
nasacchi eine Sonate comnonirte und bev ihrer Aka-
31
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demie spielte , gab er den stärksten Beweiss von sei-
nem ausserordentlichen Gedächtnisse»
Diese ausgezeichnete Violinspielerin, die als
Madame Schlick in Gotha in herzoglichen Diensten
gestorben ist, kam nach Wien, spielte mit allem
Beyfalle bey Höfe, und kündigte nun ein öffent-
liches Concert an, wozu ihr Kaiser Joseph sein ita-
lienisches Hoftheater bewilligt hatte. "
• * • *
Sie wollte gern auch mit einem noch unbekann-
ten vorzüglichen Solostücke, und, wo möglich, mit
einem von Mozart, und neben ihm auftreten, und
ging darum den Meister um Compositum und Spiel
an. Mozart, gefallig und schnell zur Hand, wie
immer, versprach Beydes. Aber, weil ihm derglei-
chen kleine Arbeiten zuwider waren, so schob er die
Arbeit bis am Abend vor dem Concert- Tage aiu*
wo sie endlich ihre Stimme von ihm erpresste, um
*S 1 Q cllll X* C ) 1 ^ O II d 1 1 0 1 XII 1 1. 1 <1 0 1 11 ^> t. lid 1 1. 0 1 1 ZU rvOllUCll»
Diess Einstudiren geschab jedoch ohne Bey hülfe
Mozarts. Er sah die Frau erst im Concerte wieder.
Mozart hatte zwar ihre Partie geschrieben , fand aber
bey seinem vielem Lectiongeben nicht Zeit für die
seinige. Bev der Production snielte er die Sonate
mit ihr. zum höchsten Entzücken des Publicums
über Com position und Vortrag. Kaiser Joseph, der
von seiner Loge herab auf's Theater lorgnirte, glaubte
zu sehen, dass er keine Noten vor sich hätte, liess ihn
kommen, um die Partitur zu sehen, und war er-
staunt, auf seinem Papiere nichts als Tactstriche zu
finden. „Haben Sie es wieder einmal darauf ankom-
men lassen?" sagte der Kaisen •
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\ . ■
483
■
Ew. MajestSt — ja, antwortete Mozart, 6a ist
aber doch keine Note ausgeblieben« '*
Hatte Mozart das Stück , wenn auch nicht ein-
gelernt« doch mehrmals gespielt gehabt« so hatte er
nicht mehr gewagt, als was jedes gute Gedächtniss
wagen kann. Es musste aber sein Gedächtniss als
ein bewunderungswürdiges hier erscheinen, weil er
diese Sonate mit der Virtuosin nicht ein einziges
Mal probirt und es sogar mit der Violine noch nicht
gehört hatte.
Den 24sten May 1784 schrieb er unter andern
«einem Vater:
Ich bin nicht im Stande, unter den beyden Con-
certen ex B und D (gemacht den 15ten und 22sten
März 1784) eine Wahl zu treffen. — Ich halte sie
beyde für Concerte, die schwitzen machen; doch
hat in der Schwierigkeit das ex B den Vorzug vor %
dem ex D. Uebrigens bin ich sehr begierig, wel-
ches unter den drey Concerten, B, D und Gdur
(letzles gemacht den 12ten April) Ihnen und meiner
Schwester am besten gefällt f denn das ex Eb (ge-
macht den 9ten Februar 1784) gehört gar nicht da-
zu, welches ein Concert von ganz besonderer Art
ist, und mehr für ein kleines als grosses Orchester
geschrieben. Also ist die Rede nur von den drey
Concerten, und ich bin begierig, ob Ihr XJrtheil mit
dem hiesigen allgemeinen und auch meinern Urtheile
nberein kömmt. Freylich ist es nöthig, dass maii
sie alle Drey mit allen Stimmen und gut producta ,
hört. Ich Will gern Geduld haben, bis ich sie wie-
der zurück erhalte, nur dass sie kein Mensch in die
Hände bekömmt; denn icfc hätte erst heute für Ei-
i
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4*4
\ ""
I
nes 24 Ducaten haben können; ich* 'finde aber, dass
es mir mehr Nutzen schafft, wenn ich sie noch ein
t>aar Jährchen bev mir behalte und dann erst durch
den Stich bekannt mache» ; . \ ,
» . •
»■«• • ,
Wien, den 9. Junlua 1784.
Morgen wird beym Hrn. Agenten Plöyer zu
Döbling auf dem Lande Akademie seyn, wo die
Fräulein Babette ihr neues Concert.ex ich das
Quintett, und wirBeyde dann die grosse Sonate auf
zwey Ciavieren, spielen weiden. Ich werde den
Paesiello, der auf seiner Rückreise aus Petersburg
sich seit dem May hier befindet mit dem Wagen
abholen, um ihn meine Composition und meine Schü-
lerin hören zu lassen. — Wenn Maestro Sarti nicht
heute nach Russland hätte wegreisen müssen« so
wäre er auch mit mir hinaus. — Sarti ist ein recht-?
schafFcner, braver Mann! • Ich habe ihm sehr viel
gespielt, endlich .auch Variationen auf eine Arie von
ihm gemacht, woran er sehr viele Freude gehabt hat.
. Bisher ilebte Mozart, ungeachtet seines grossen
Ruhmes, ohne Anstellung, also ohne bestimmte Ein-
künfte. Clavier-Uhterricht und abonnirte Coi^certe
für einen geschlossenen* Zirkel des* -vornehmen Adels
waren- noch 4ie,: ergiebigsten ;Qaellen seiner Ein-
künfte, wobey sich in einer Stadt, \vie Wien, siebe)?
Nichts ersparen Hess. So hatte er vom Ilten Februar
1785 an Subscriptions- Concerte auf sechs rFFöy tage.
Jede Person bezahlte für alle zusammen 3 Duckten.
Sie waren auf der Mfehlgrube. Das erste von diesen
Concerten war, nach dem Urtheile des Väters^ «1er
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/ I
• 1
• < •
485
*
ihn damals besuchte, unvergleichlich. „Woifgang
gab (schrieb jener 'an seine Tochter) ein neues vor-
treffliches CaavSer-Concert, woran der Copist noch
gestern, als wir ankamen (am loicn Februar) , ab-
schrieb, und- -Dein Bruder nicht einmal das Rondo .
durchzuspielen Zeit hatte, weil er die Copiatur nach-
sehen musste. Das Concert geht aus* D moll. Am
12ten war J. Haydn bey uns. Es wurden drey der
neuen Quartetten gemacht, nämlich aus B, A und
Cdur (componirtldeh 9ten November 1784,' und den
iOten und i4ten Januar 1785). Sie sind zwar ein
bischen leichter, als die drey andern, aber immer
vortrefflich componirt. Hr. Häydn sagte zu mir: Ich
sage Ihnen vor Gott und als ein ehrlicher * Mann,
dass ich Ihren Sohn für den gross ten Compouisten
anerkenne, von dem ich nur immer gehört habe,
er hat Gesclimack "und besitzt die gründlichsten
Kenntnisse in der Composition."
.. "Weiter schreibt der Vater seiner Tochter:
i
„Am lftten Februar 1785 spielte Dein Bruder
im .Theater, hey der Akademie der Sängerin Laschi
ein herrliches Concert, das er für die Paradies nach
Paris gemacht hatte. Ich war in einer so guten Loge,
das« ich das Vergnügen hatte, alle Abwechselung
der Instrumente so vortrefflich zu hören, dass mir
die Thränen in die ' Augen kamen. Als Dein Bru-
der weggüig, machte ihm der Kaiser mit dem Hute
in der Hand; ein Compliinent, und rief: .Bravo,
Mozart l. Beym Herauskommen zum Spielen war
ihm ohnehin zugeklalscht worden."
. „Am I4ten spielte Dein Bruder abermals ein
Concert im Theaterj es ist alle Tage Akademie.
. * Digitized by Google
ßo auch am lo^-^üj 1-Jein i "üx udor dclS II tue grosse?
Concert ex D magnifique spielte**'
„Den 2isten Februar: Ich bin in Deines Bru-
ders zweyter Akademie gewesen, die abermals herr-
lich war. Heute spielte er beym Grafen Ziejhy."
„Den 12tenMärz: Dein Bruder, der auch einen
Abend im Theater hatte, machte 559 £L, welche wir
nicht vermutheten, da er eine aus über 150 Perso-
nen bestehende Subscriptions- Gesellschaft hat, und
sich so . oft im Theater bey Anderer Akademieen
aus Gefälligkeit hat hören hassen." r •
„Deines Bruders F. P. Flügel ist, seit ich hier
bin, wenigstens zwölf Mal ins Theater oder zum
Fürsten Kauniz, Grafen Zichy etc. getragen worden."
„Er hat ein grosses F. P. Pedal machen lassen,
das unter dem Flügel steht, um drey Spannen län-
ger und erstaunlich schwer ist." ,
„Torriceila sticht einen von Deinem Bruder ge-
machten Ciavierauszug der Entfuhrung, aber Dein
Bruder hat ihn noch nicht ganz fertig gemacht. Drey
Sonaten sind bey T. heraus, davon nur eine mit
Violine." . . • • • ■
„Nun ist geschehen ," schrieb der Vater an seine
nem Sohne vorher gesagt habe. Die Entführung aus
dem Serail ist in Augsburg im Clavierauszuge bereits
erschienen, auch in Mainz gestochen. Seit dem März,
wo er anfing, hat mein Sohn nicht fertig werden
können. Er hat die Zeit, und Torriceila die auf-
gewandten Kosten verloren."
In dieser Zeit (Frühling 1785) schienen Mozart's
Umstände die besten jemals gewesen zu seyn, oder
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4*7
w«r er wenigstens die meiste Einnahme gehabt
Der Vater schrieb am 19ten März seiner Tochter:
„Ich glaube , dass mein Sohn, wenn er keine
Schulden zu bezahlen hat, jetzt 2000 fl. in die Bank
legen kann: das Geld ist sicher da, und die Haus-
wirthschaft ist, was Essen und Trinken betrifft, im
höchsten Grade öconomisch."
Den 28s ten Decbr. 1785 schrieb Mozart seinem
Vater, dass er in Eile 3 Subscriptions-Akademieen
von 120 Subscribenten gegeben und dazu ein Clavier-
Concert aus Cmoll gemacht hatte, wo er das An-
•• Es ist schon erwähnt, dass Mozart in dieser Pe-
riode die schönsten Sachen für das Ciavier, Sonaten
mit und ohne Begleitung, Concerte etc. schrieb. Im
Jahre 1785 gab er die seinem Freunde, dem Kapell-
meister Joseph Haydn dedicirten sechs Quartetten
iin Stich heraus, wovon die Dedication wälsch und
deutsch folgende ist:
Sei Quart etti.
per due Violini, Viola, e Violoncello.
Cotnposti e dedicati al Signor
GIUSEPPE HAYDN,
Maeatro Ji Capella di 0. A. U Principe d'EatcrWy etc. elc.
Dal suo Antico
W. A. Mozart.
Optra X.
In Vicnna preaao Artaria et Comp. etc.
}<'-,< JL 6. jo Xr.
• _
AI rnio caro amico Haydn,
Un padre, avendo risolto di niandare i suoi ßgli
nel gran mondo, stimo doverli aßdare alla protes-
uigiiizeo
i
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488
zione, e condotta (Tun uamo mollo cilehre in altera,
m
il muilß ner huonci sorte era di niu il suo mepliore
amico. —~ Eccoli dcl pari, uom cc lehre cd amico
mio carissimo, i sei mei figlu — - JEm sono, e1 vero,
il frutto di una lunga, e laboriosa fatica, pur ta «pe-
ranza fatta mi da piu amici di pederla almeno in.
parte compensita m'incoraggisce , e mi lusinga, che
queati parti siano per essermi un giorno di quelclie
consolazione. Tu stesso, amico carissimo, nell' ulti- '
mo tuo sog giorno in questa capitale, me ne dimc—
strasti la tua, saddisfazione. — Questo tuo suffra-
gio mi anima sopra tutto, per che io se Ii raccom-
mandi e mi fa sperare, die non si
UUto indegni del tuo favore. —
accoglierli benignamente, ed esser loro Padre, Guida
ed^ Amico. Da questo momento Jo ti cedo i nüei
diritti sopra di essiti, supplico perb di guardare coa
indulgenza i difettij che Vocchio parziale di Padre
mi puo aver celati, e di continuar, loro malgrado,
la generosa tua Amicizia a chi tanto Vapprezza.
Mentre tono di tutto cuoro
Vi una, il suo tinccrissimo amico
il Setiembre 1785. fV. A. Mozart.
Meinem theuren Freunde Haydn!
Ein Vater, der bestimmt hatte, seine Kinder in
die grosse Welt zu schicken, glaubte sie vertrauen
zu müssen dem Schutze und der Leitung eines da-
mals sehr berühmten Mannes, der glücklicher Weise
noch dazu sein bester Freund war. Sieh hier, be-
rühmter Mann und theuerster Freund, meine sechs
t
1
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Kinder. Sie sind, es ist wahr, die Frucht
gen und mühsamen Arbeit; dach die Hoffnung, wel-
che mehre Freunde mir geben, diese Arbeit zum
Theil wenigsten« vergolten zu sehen, giebt mir Muth
und schmeichelt mir, dass diese Kinder einst mir
zu einigem Tröste gereichen. Du selbst, theuerster
Freund, hast mir bev Deinem letzten Aufenthalt in
dieser Hauptstadt, Deine Zufriedenheit bezeigt« Die-
ser Dein Beyfall ermuthigt mich vor Allem, sie Dir
zu empfehlen, und lässt mich hoffen, dass sie Dei-
ner Gunst nicht ganz unwürdig seyn werden. Es
möge Dir daher gefallen , sie gütig aufzunehmen und
"^^citcr j 1 liIixcx und "i? i cLind zix . "^/^on dxcp ^
sem Augenblicke an trete ich Dir meine Rechte über
sie ab, bitte Dich aber, mit Nachsicht die Fehler zu
Auge des Vaters
mir verborgen haben kann, und ungeachtet dersel-
ben Deine edle Freundschaft dem zu erhalten, der,
sie so sehr schätzt* • • . , . .
Indessen bin ich von ganzem Herzen etc.
Diese Dedication an J. Haydn ist somit die Hul-
digung eines Genie's gegen ein Genie! Ein schöner,
seltner, vielleicht einziger Zug (wo giebt's Exem-
pel? — ) seines Hochachtungsgefuhls für diesen gros-
sen Mann. Mit keinem Werke hätte er Haydn bes-
ser ehren können, als mit diesem Schatze der schön-
sten Gedanken, diesem Muster einer vollendeten
Quadro - Composition. In den Augen des Kenners
ist sie so viel werth, als jede seiner Opern. Alles
darin ist — wie freylich überhaupt in allen seinen
neueren classischen Werken — durchdacht und voll-
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...490
endet. Man sieht es den Quartetten an, dass sie ttm '
J. Haydn's Beyfall buhlten. Für diese sechs Quar-
tetten erhielt er von Artaria 100 Ducaten.
• Diese Quartetten hatten hie und da ein sonder-
bares Schicksal. Als Artaria sie nach Italien schickte,
erhielt er sie zurück, „weil der Stich so fehlerhaft
wäre« Man hielt nämlich dort die vielen fremden
Accorde und Dissonanzen für Sfichfehler. Als der
Fürst Grassalkowitsch in Ungarn dieselben Quartet-
ten von einigen Spielern aus seiner Kapelle auffüh-
ren liess, rief er ein Mal über das andere: Sie spie-
len nicht recht! Und als man ihn vom Gegentheile
. überzeugte, zerriss er die Noten auf der Stelle. So
warf der heilige Hieronymus Lycophrons Cassandra
in die Flammen, mit gleichem Feuereifer und aus
gleicher Ursache, — weil er sie nicht verstand, was
er offenherzig bekannte. Bey Mozart's Gegnern war
das nicht immer der Fall. ' •
l
Stendhal in seinem Leben Rossini's sagt:
„Es war in Italien durchaus unmöglich, die Ent-
führung aus dem Serail nur erträglich aufzuführen,
weil 'das nicht eine Musik ist, die das vom zweynia-
ligen Singen auffasst. Nicht weniger als sechs M(h
nate brauchte es, .setzt er hinzu, damit die besten
Instrumentisten das erste Finale des Don Juan im
Tacte spielen, und nicht weniger als zwey Monate,
bis die Sänger es singen konnten."
In eben diesem Jahre schuf Mozart auch seinen
Davidde penitente. Die Vorsteher der Pensions-
Societät für KünsÜer-Wittwen und Waisen zu Wien
baten ihn um ein Oratorium. Die Zeit war kurz.
Er nahm das Kyrie und Gloria jener Messe, welche
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491
er 1785 ans Gelöbnis« bey glücklich erfolgter
Entbindung seiner .Frau geschrieben, und welche
Messe er vorzüglich gern hatte, schrieb eine Arie/
(den Ilten Marz 1783) fnr die OavagHerij und Jioch
(den 6ten Marz) für Adamberger, und ein Ter-
10 Nummern, als: i) Ein Chor C moll, Andante
moderat o , C; 2) Coro Allegro vivace, C dur, Cj
3) Aria F dur, Allegro aperto, C, für Soprano;
4) Coro, Adagio, C, A moll; ti) D netto für 2 So-
prani, { All. mod. D moll; 6) Tenor -.Arie B dur.
Andante, i; 7) Coro, G moll, Largo, C, mit dop*
peltem Ghore; 8) Aria für Soprano, C moll, An*
dante | und Allegro, C dur, Q; 9) Terzetto für %
Soprani und Tenors, E moll, Allegro, (£; 10) Coro*
C dur, Adagio, C, mit Schlussfuge, (ß, Allegro.
. j> »••» « ••»
Davidde penitente gehört in Bezug auf seine
Originalität, seine tief gedachte, überaus kunstreiche
Durchfuhrung, dann in Rücksicht seines unermess-
lichen Reichthums und hohen Ideenschwunges, so
wie auch in Erwägung der Wahrheit im Ausdrucke
und des hinreissenden Stromes der tiefsten Empfin-
dungen nicht nur unter die ausgezeichnetsten dieser
Art, sondern es ist eine der schönsten Zierden in
Mozart's Künstlerkranze. Die Chöre nennt Rochlitz :
gewaltige; das Requiem: das Wunderwerk des
Requiems,
•
- . Im darauf folgenden Jahre 1786 den 3ten Febr*
er auf Befehl des Kaisers Joseph für Schön-
Operette, bestehend aus Ouvertüre, zwey Arien,
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492
Terzett und Vau de vi! le
tioiselle Cavaglieri und Mr. Adamberger. !
Eben zu der Zeit machte das französische Lust-
spiel von! Beaumarchais, Figaro, sein Glück,
kam. auf (ftlle Theater. Mozart;
Joseph dazu bestimmt, diesem Lustspiele, nachdem
es in ein Singspiel umgegossen worden, auch auf
dem italienischeil Operntheater durch ' seine Musik
Celebrität zu verschaffen. Es \*urde in Wien von
öeritelienischen Operngesellschaft aufgeführt. Wenn
es wahr ist, was man allgemein als wahr erzählt,
und tfas sich bey so vielen glaubwürdigen Zeugen
freylich nicht in Zweifel ziehen lässt,. dass die San-
► ' aus Hass , Neid und niedriger Kabale bey i der
Vorstellung . durch vorsätzliche Fehler sich
alle Mühe gegeben haben, die Oper zu stürzen: so
kann der Leser daraus schliessen, wie sehr diese
#action die Ueberlegenheit des Genie's in Mozart
fürchtete, und wie wahr es sey, was ich kurz vor-
her bey Gelegenheit der Entführung aus dem Serail
bemerkt habe. Dieser feige Bund verdientloser Meh-
sehen blieb bis an das frühe Ende des unsterblichen
, . • ■ »•,.»• ■
Künstlers in voller Thätigkeit, ihn zu hassen, zu v
taumden und seine Kunst herabzusetzen. Welchen
Kampf hatte Mozart's Geist zu bestehen , bis er voll-
kommen triumphirte! ' Man erzählt, dass die Säu-
ger durch eine ernste Warnung des seligen Monar-
chen, zu ihrer 1'flicht gewiesen werden mussten, da
Mozart voll Bestürzung zwischen demizweyten Acte*
zu ihm in die Loge kam, und ihn darauf
sam machte.
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493 •
. « Figaros Hochamt, ein Intrjguenstück ; als Oper
zu : bearbeiten , ist gewiss kein glücklicher Einfall; *
ja, man darf sagen, ^a8S es de* Natur derselbe**
gänzlich widerspricht- Beaumarchais giebt in seinem
Lustspiele etliche recht artige Bonmots, einige anzie-
p hende Situationen zum Besten, aber für die Musik
bat er nichts gethan$ im Gegen theile verschloss er
ihr beynahe den Weg, indem er sein Stück zu ei-
ner einseitig verständigen und witzigen Beschlossen— • '
heit ausbildete, die der Musik keines weges zusagt*
Mozart nahm vielleicht das Stück nur, weil er eben
kein anderes hatte, das die Celebrität schon im Na-
men trug, und er durfte es schon darauf wagen,
weil einem Genie, wie das seinige, nicht leicht etf
was unmöglich seyn mochte. Er hat das ganze Stück
verwandelt. Aus der halb nothwendigen Beschränkt-
heit ist eine
ist Erhabenheit, aus der etwas seichten Flüchtigkeife
. ein tiefes lebendiges Leben geworden. Der einzige
Charakter, der auch bey Beaumarchais selbst hier *
und da einen leisen Anflug von Poesie zeigt, ist der
Page 5 aber es fehlt denn doch noch gar viel, um
ihn rein ansgeiuhrt, klar und vollständig nennen zu
düiipiv ^Wej^hhflit* Ja sogar ein wenig Weichlich-
keit durfte immer ein Jlauptzug im Charakter dieses
> innren Tutti - l^iebhabei» seyn. Nur hät*e Beau-i
marchais ihn nicht noch überdrein mit Oberflächlich-*?
keit versetzen, und überhaupt dem Principe des ge-r
WÖhnlifOien Gallicism wehren sollen. Was Mozart
aus diesem Pagen gemacht, ist besser zu fühlen als . .
auszusprechen. Spllte keiner dieser Accorde Göthe
umschwebt haben , als er $ie Miguon schuf ?
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Le nozze di Figaro ist ein Hauptwerk Mozart'*,
das er später selbst sein Lieblincskind nannte, dem
jetzt endlich — nachdem er verweset — die ganze
Welt Gerechtigkeit widerfahren lässt — dieser köst-
liche Blumengarten , worin Alles Geist und Gefühl,
Anmuth und Schönheit, Alles, wie oft er neu eröff-
net werde, jung und frisch, blühend und duftend ist;
den in seiner Art nichts gleich Vortreffliches zu be-
sitzen, sogar das auf Vergangenes stolze Italien, das
auf Eigenes einbilderische Frankreich, das den Frem-
den abholde England eingesteht« Diese Oper ist
eine wahre Perle, eine unerschöpfliche Fundgrube
und Modell für alle Compositionen dieser Art« Nie
•werde ich's unternehmen, auch nur das erhabene
Finale desselben zu zergliedern. Ein Buch würde
nicht hinreichen, die Schönheiten, die es enthalt,
auszuzeichnen. In dem Eingangs -Duette, wo Figaro
das Cabinet ausmisst, und in dem von der Gräfin
Susanna dictirten Briefe spricht das Orchester, es
singt, wird dramatisch, trägt die Melodie, den
Hauptgesang, und supplirt die Leidenschaft des Sän-
gers. (Castil Blaze.)
Die italienischen Opern Mozart's (sagt von Sonn-
kithner) konnten bey uns Wienern lange den Bey-
fall nicht erringen, den ihnen jeder Kenner immer-
fort geben wird, weil sie von dem Gange der ge-*
wohnlichen italienischen Opern rfbwichen, an die
wir gewöhnt waren. • 1 •
Am Ilten November 1785 schreiht Mözart's
Vater an seine Tochter: :
„Endlich habe ich einen Brief von zwöf Zeilen
von Deinem Bruder erhalten. Er bittet um Ver-
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4M
seümngj weil er über Hals und Kopf U nozse <K
Figaro fertig machen muss. Um den Vormittag
frey zu haben , hat er alle seine Scholaren auf den
Nachmittag verlegt. — An der Musik zweifle ich
nicht* Aber es wird ihm viel Laufen und Disputie-
ren kosten, bis er das Buch, welches wirklich aus
dem Lustspiele vieler Veränderung bedarf, sa eh*»
gerichtet bekömmt, wie er es zu seiner Absicht
wünscht« Jbir wird bisher nach sejner schonen Ma-
nier immer aufgeschoben und sich Zeit gelassen ha-
ben: nun muss er mit Ernst daran, weil er vom
Uberkammerer gedrängt wird«
• * •
Dieses witzigste aller witzigen französischen Lust-
spiele ist von Mozart behandelt worden , als wäre
es das leidenschaftlich gemüthvollste aller spanischen
dramatischen Poesie, ' An die Stelle der von den
handelnden Personen jedes Mal nur in der Reflexion
und Ironie aufgefassten Situation ist in der Musik
die Aeusserung der Leidenschaft selbst getreten, wel-
che diese Personen gezeigt haben würden, wenn sie
statt witzige, gemüthsvolle Menschen gewesen wa-
ren. Bey der in ihrer Art einzigen Arie (Nur zu
flüchtig bist du u. s. w.) scheinen alle Genien der
Harmonie dem Mozart beygestanden zu haben«
Figaro's Hochzeit war in demselben Jahre in
Wien geschrieben und aufgeführt, als Una com rara
von Martin, der diese Oper in "Wien componirte
und selbst dirigirte. Una cosa rara machte grosses
Glück. Mozart's Figaro gefiel zwar allerdings auch;
doch (in den ersten Jahren) machte er nicht Furore.
Kaiser Joseph hatte ihn sehr Heb und zog ihn allen
•
■
i
■
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496
früheren Opern Mozart's bey weitem vor 5 dieser
gleichfalls«
Um mit Clementi alternirend zu spielen, hatte
Mozart sich exercirt, sonst that er es nie. Diess als
vorläufige Anmerkung zum folgenden DittersdorFs
eigenen Berichte von einem Gespräche mit Klaiser
Joseph im Jahre 1786» •
Der Kaiser. Wie gefallt Ihnen Mozart's Spiel?
- * Ich. Wie es jedem Kenner gefallen muss.
K. Einige ziehen Clementi dem Mozart vor.
Ihre Meinung?
* /. In Clements Spiele herrscht viel Kunst und
Tiefsinn, in Mozart's nebst Kunst und Tiefsinn aus-
serordentlich viel Geschmack.
* • •
K. Das sage ich auch. Was sagen Sie zu Mo-
*
zart's Composition?
/. Er ist unstreitig ein grosses Original- Genie,
und ich habe noch keinen Componisten gefunden,
der einen so erstaunlichen Reichthum an neuen Ge-
danken besasse. Ich wünschte, er wäre nicht damit
f *
so verschwenderisch. Er lässt den Zuhörer nicht zu
Athem kommen: denn kaum will man einem Ge-
danken nachsinnen, so steht schon wieder ein ande-
rer da, der den erstem verdrängt, und das geht
immer in einem fort, so dass man am Ende keine
dieser wahren Schönheiten im Gedächtnisse aufbe-
wahren kann. ' . .
K. Wahr. Nur in Theaterstücken dünkt mich,
dass er öfters zu viele Noten anbringt-, worüber die
Sänger sich sehr beklagen. :
I. Wenn man aber die Gabe besitzt, durch
Harmonie und Geschicküchkeit im Begleitungsspiele
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I
I
• *
den Sänger doch nicht zu verdecken, so halte ich
das für keinen Fehler.
K» . DUtitiguo. Wenn man die Gabe besitzt,
die Sie in Ihrem Hiob gezeigt haben. — Hören Sie.
Ich habe zwischen Haydn und Mozart eine Parallele
gezogen. Ziehen $ie auch eine^ damit ich sehe, ob
sie mit meiner übereinstimmt.
, J. Wenn es seyn muss, bitte ich Ew. Majestät,
mir eine Urfrage zu erlauben,
JT. Auch das* , . . . , K . .
, I. Was ziehen Ew. Majestät für eine Parallele
zwischen Klopstocks und Gellerts, Werken ?
K. CPoweJ Hni! dass Beyde grosse Dichter sind
— dass man Klopstocks Gedichte öfter als ein, Mal
lesen müsse, um alle Schönheiten zu entschleiern —
dass Gellerts Schönheiten schon beym ersten An-
blicke ganz enthüllt dä liegen.
. ;, /. Nun haben Ihro Majestät Hure Frage selbst
beantwortet.
K. Mozart wäre also Kippstock, Haydn Geliert?
L . So halte ich dafür. ,. ' i
. K. Ich kann nichts einwenden.
J. Darf ich so kühn seyn, um die Parallele
Ew. Majestät zu fragen? ... ■
JC. Ich ; vergleiche Mozart's Composition mit
einer goldenen Tabatiere die- in Paris gearbeitet,
und Haydn,'s mit einer, die in London verfertigt ist.
Beyde schön, die erste ihrer vielen geschmackvollen
Verzierungen,, jh> zweyte ihrer Simplicität und aus-
nehmend schönen Politur wegen. Auch hierin sind
wir fast eiuerley Meinung. , „
.» • - — ' . . . •
32
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498
«
Mozart gründete, in Prag durch die Production
seine* Figaro, Don Juan; Cosl fan tutte und Cl#-
menza di Tito seinen Ruhm , der- von dort aus durch
ganz Deutschland erscholl und sich in die übrigen
Staaten Europa'* verbreitete. Er selbst hat sich oR
geäussert: „Die Böhmen sind es, die mich ver-
stellen" ' ' *"
Als vor 3f7 Jahren Abbate da Ponte aus Beau-
marchais höchstwitzigem Lustspiele diese allerlieb-
ste Intriguen - Oper formte, und Mozart sie mit
eineFTondichtung ausstattete, Welche, was Melodie,
Originalität, Charakteristik und den ächten Conver-
satibiisstyl anlangt, wohl selbst allen seinen geist-
reichsten Theater - Compositionen den Rang abläuft
und schwerlich wohl jemals erreicht, nie aber über- *
U-offen werden kann, damals ward das Meisterwerk
noch nicht nach Verdienst gewürdigt. Die Zeiten
haben sich geändert. Mozart, der Einzige, wird nun
verstanden, und mehr bedurfte es ja nicht, dass seine
Künstlerkrone in ewig unvergänglicher Schone strah-
le. — Aber in der Ursprache muss man sie geben und
hören. Er schrieb ja auf italienische Worte. Des
Vortrags Frische und Lebendigkeit , der süssen Lie-
beslaute Wohlklang, eine scharf accentuirte Mimik,
die momentane Pointe sind dabey^bei-ücksichtigt,
welche selbst in der gelungensten Uebersetzung an
Wirkung verlieren müssen. Man muss fceine Werke
geben , wie des Meisters Genius sie schuf i auf deutsch
die Zauberflöte, die Bntruhrung u. s. w.
Le Nosze di Figaro ist allerdings ein Meister-
stück musikalischer Composition, die Frucht einer
kolossalischen Genialität 5 doch erkennt man, dass
■
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I •
409
diese Oper dem ernsten Genius des grossen Ton-
Dichter ihm nicht das leichtfertigste, von ewigen
Incidenzen und Schlüpfrigkeiten durchwebte Product
jiaite aaruieien, wenigstens in seiner r>earDenung es
]iatte kürzer halten aollen« Selbst die Musik der
Opera buffa muss überhaupt ihre Haltpunkte haben,
ohne welche sie verfliegt oder langweilig wird.
Mozart'a Vater achrieb an seine Tochter im
April 1786:
„Am 28sten April (den Josten April hatte er es
nach Anzeige seines eigenhändigen Katalogs rein
vollendet) geht le nozze di Figaro zum ersten Male
in die Seena. Es wird viel seyn, wenn er reüssirt,
denn ich weiss, dass er erstaunlich starke Kabalen
wider sich hat» Salieri mit seinem ganzen Anhange
wird wieder suchen, Himmel und Erde in Bewe-
gung zu setzen. Duscheck sagte mir neulich, dass
Dein Bruder so viele Kabalen wider sich habe, weil
er wegen seines besondern Talents und Geschicklich-
keit in so grossem Ansehen stehe." . .
Und am 18ten May: „Bey der zweyten Auf-
führung der Nozze di Figaro in Wien syid fünf
Stücke, und bey der dritten sieben Stücke repetirt
worden, worunter ein kleines Duett drey Mal hat
müssen gesungen werden."
Sein Honorar für Le nozze di Figaro war in
Wien nach dem Gebrauche der Ertrag der dritten
Vorstellung, der gering gewesen seyn muss 5 denn
die Oper gefiel damals nur Wenigen. Hierdurch
gekränkt, sagt Rochlitz, blieb Mozart bis kurz vor
32*
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500
t *
seinem Tode entschlossen , für Wien keine Oper
mehr zu schreiben , sondern trat in, Verbindung mit
Guardasoni, dem sehr unterrichteten, aber nach ita-
lienischer Weise kärglich steuernden Unternehmer
jener kleinen vor trefflichen italienischen Gesellschaft,
die zu Prag, Warschau und Leipzig abwechselnd
Opern gab. Dieser zahlte für jede 100 Dücaten, mit
Vorbehalt der Partitur für sich. So entstanden Don
Juan, Cosl fan tutte und Clemenza di Tito. Die
Stände bezahlten diese. Von jenem Entschlüsse
machte ihn abwendig Schickaneder, Unternehmer,
Director, Dichter und erster Komiker des Vorstadt-
i Ii * > i 1 > T
Theaters an der Widen zu Wien, ein kecker, pos-
s^rlicher, lockerer Zeisig.
Prag hatte Mozart's Meisterstücke schon lange
verehrt, und dort vielleicht genoss er des Ruhmes
schon in seinem Leben, der dem Unersetzlichen
nach seinem Tode überall zu Theil wurde. Das
Prager italienische Theater hat indessen in dieser
Rücksicht die italienischen Operisten in Wien be-
schämt. " <: 1 / i • v. .... ..:
So wie jedes Mozart'sche Werk in Böhmen nach
seinem wahren Wertlie erkannt und geschätzt wurde :
so geschah es auch mit der öper: Lb nozze di Fi-
garo. Sie wurde, ' erzählt Nierrftscliek , im Jahre
1786 Von der Bondini'schen Gesellschaft in Prag auf
das Theater gebracht und gleich bey^ der ersten Vor-
stellung mit einem Beyfall aufgenommen, der nur
mit demjenigen, welchen die Zauberflöte nachher
erhielt, verglichen werden kann. Es ist die strengste
Wahrheit, wenn ich sace. dass diese Oner fast ohne
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501
Unterbrechung diesen ganzen Winter gespielt Ward,
und das* sie den traurigen Umständen des Unter-
nehmers vollkommen aufgeholfen hatte. Der Enthu-
siasmus, den sie bey dem Publicum erregte, war
bisher ohne Beyspielj man* konnte sich nicht genug
daran satt hören, Sie wurde bald von einem unse-
rer besten- Meister , Herrn Kucharz, in einen guten
Ciavierauszug gebracht, in blasende Parthieen, ins
Quintett für Kammermusik, in deutsche Tänze ver-
wandelt; kurz, Figaro's Gesänge wiederhallteh auf
den Gassen, in den Gärten, ja selbst der Harfenist
auf der Bierbank musste sein Non piü andrai tönen
lassen, wenn ejc gehört werden wollte. Diese Er-
scheinung hat fr ey lieh grösstenteils in der Vor-
trefflichkeit des Werkes ihren Grund 5 aber nur «in
Publicum, welches so viel Sinn für das wahre Schöne
in der Tonkunst und so viel gründliche Kenner
unter sich besitzt, konnte den Werth einer solchen
Kunst auf der, Stelle empfinden; dazu gehört auch das
unvergleichliche Orchester der damaligen Op«;, welT
dies die Ideen Mozart's so genau und fleissig auszu-
fuhren verstand. Denn auf diese verdienten Männer,
die zwar grösstenteils keine Concertisten, aber desto
gründlichere Kenner und Orchester -Subjecte waren,
'machte die neue Harmonie, und der feurige Gang
des Gesanges den ersten und tiefsten Eindruck. Der
. • • « • • •
'nunmehr- verstorbene ruhmlich bekannte Orchester-
Director Strobach versicherte oft, dass er sammt sei-
nem Personale bey der jedesmaligen Vorstellung so
•sehr ins Feuer gerat he, dass er trotz der mühsamen
Arbeit mit Vergnügen von vorne wieder anfangen
t würde. - ...
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9
am »
Die Bewunderung für den Verfasser dieser Mu-
sik ging so weit, dass einer unserer edelsten Cava-
liere und Kenner der Musik, Graf Johann Joseph
Thun, der selbst eine vortreffliche Kapelle unter-
hielt, ihn nach Prag zu kommen einlud, und ihm
Wohnung, Kost und alle Bequemlichkeiten in sei*»
nem Hause anbot. Mozart war zü sehr über die
Wirkung erfreut, die seine Musik auf die Böhmen
machte — zu begierig, eine Nation von einem sol-
chen Musik gefühle kennen zu lernen, als dass er die
Gelegenheit nicht mit Freuden ergriffen hätte* Er
kam im Februar 1767 nach Prägt am Tage seiner
Ankunft wurde Figaro gegeben, und Mozart erschien
darin* Alsogleich verbreitete sich der Ruf von sei-
ner Anwesenheit im Parterre, und so wie die Sym-
phonie zu Ende ging, klatschte ihm das ganze Publi-
cum Beyfall und Willkommen zu.
Mozarten wurde bey dieser Gelegenheit in Prag
ein Sonett zu seinen Ehren übergeben, und er ge-
> wann daselbst durch Musik 1000 fl.
* ■
Le nozze dl Figaro ward sogar mit untergeleg-
tem wieder ins FraozSsische übersetztem Texte zu
seiner Musik 1793 iu Paris aufgeführt. —
- •
Ries hat in London eine grosse Phantasie über
Ideen aus dem Figaro stechen lassen, so wie Andreas
Romberg ein Potpourri für Violine nach Melodieen
aus Don Juan herausgegeben hat.
Figaro machte erst wenig Glück. Besonders sagte
man i Die Musik ist für eine komische Oper zu schwer
und zu weit ausgesponnen. Eben so sey es mit Don
Juan. Die Musik ist für eine romantische Oper zu
i
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eelehrt. zu vollgestopft von künstlich gearbeiteter
Harmonie. , .
Aber der Geist, aus dem sie beyde gequollen,
der sie beyde erfüllt, mit dem beyde vollendet sind,
»x ....
ist vom ersten Augenblicke ihres Erscheinens selbst
von des Meisters Feinden anerkannt worden.
Wenn der Geist da ist, und Dichter und Com-
^ ponist sogar zugleich das Pünktchen in Hinsicht »auf
herrschenden Zeitgeschmack und mitwirkende Zu-
fälligkeiten treffen, dann macht das Werk sqgleich •
Glück, und zwar um Beyder willen, Diesa war der
Fall später mit der Zauberflöte. ,
. Mozart liess sich dann auf allgemeines Verlangen
iu einer grossen musikalischen Akademie im Opern-»
Üieater hören. Nie sah man noch das Theater so
voll Menschen ^ als bey dieser Gelegenheit; nie ein
stärkeres einstimmiges Entzücken, als sein göttliches
Spiel erweckte. Wir wussten in der That nicht,
was wir mehr bewundern sollten, ob die ausser wv
deutliche Composition, oder das ausserordentliche
Spiel; Beydes zusammen bewirkte einen Total-Ein-
druck auf unsere Seelen, welcher einer süssen Be-
zauberung glich! Aber dieser Zustand lösete sich
dann, als Mozart zu Ende der Akademie au£ dem
Pianoforte mehr als eine halbe Stunde pbantasirte,
und unser Entzücken auf den höchsten Grad gespannt
hatte, in laute, überströmende Beyfalls-Aeusseruiig
auf. Und in der That übertraf dieses Phantasmen
Alles, was man sich vom Ciavierspiele vorstellen
konnte, da der höchste Grad der Composition mit
der vollkommensten Fertigkeit im Spiele vereinigt »
ward. Gewiss, so wie diese Akademie für die Pra-
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504
ger die eiiizige ihrer Art war, so zählte Mozart die-
seil Tag zu den schönsten seines Lebens.
H
Wiener Allgem, musihal. Zeitung, Recension einer
Fuge mit Vorspiel, vom Abbe' Stadler, im 3ten
Hefte des Musee musical des Clavecinistes. Stei-
ner und Comp. 1818.
•
Der Verfasser beginnt mit einem Vorspiele, das
man eine Phantasie nennen könnte. Hier herrscht
die heilige Ordnung der ersten Schöpfungstage : Alles
ist so leicht fasslich, so wohl geordnet; ein ruhiges,
melodiöses Thema, stets interessanter durch die na-
türlichste Harmoniefolge, durch den Wechsel cfer
Begleitung, das, wie Arachne's Faden, ununterbro-
chen in einem fortgesponnen ist, nie eine Lücke ge-
wahren lässt, sich bey jedem Einschnitte der Rhyth-
men gleichsam selbst neu gebiert und verjüngt: die
zweckmässigste Anwendung und Benutzung aller
contrapunktischen Künste, ohne den entferntesten
Anstrich von Künsteley: so rieselt diese krystalli-
sche Quelle des Helikons sanft und anspruchlos fort.
— Und so phantasirte auch oft der verewigte Mo-
zart, wenn er, aufgefordert zum Spielen, im Kreise
der ihn umringenden Menge nur ein paar seiner
Auserwählten erschaute, die ihn zu verstehen fähig,
seinem Geistesfluge zu folgen erkohren waren, denen
er sich nun, unbekümmert und gedankenlos für alles
üebrige, ganz hingab, mit ihnen allein nur in den
Hieroglyphen der Tonsprache redete, einzig für sie
im unermesslichen Reiche der Klänge sein volles
Herz ausströmte. Beethoven zeigt sich am AUervor-
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gg
l licilliiftestcm. in der frcyeii Phantasie Es ist wirk—
lieh ganz ausserordentlich, mit welcher Leichtigkeit
und zugleich Festigkeit in der Ideenfolge er auf der
• Stelle jedes ihm gegebene Thema nicht etwa nur in
den Figuren variirt, sondern wirklich ausfuhrt« Seit
Mozart's Tode, der mir hier noch immer das non
plus ultra bleibt, habe ich diese Art des Genusses
nirgends in dem Maasse gefunden, ab wie bey
ueeuioven. ... ,
Gerber sagt über Mozart'a Spiel:
Der Geschmack und die Einsicht, womit er sein
glänzendes Talent anwandte, indem die Ueberwin-
dung der Schwierigkeiten immer den Regeln der
Harmonie und Melodie, dem Ausdrucke, dem Reize
der Neuheit und überhaupt der angenehmen und
schönen Wirkung untergeordnet war, entfernen von
ihm den Vorwurf, die musikalische Charlatanerie,
oder Seiltänzerey befördert zu haben.- •
Die Symphonieen, die er für diese Gelegenheit
setzte, sind wahre Meisterstücke des Instrumental-
satzes, voll überraschender Uebergänge, und haben
einen raschen, feurigen Gang, so, dass sie alsogleich N
die Seele zur Erwartung irgend etwas Erhabenen
stimmen. Diess gilt besonders von der Prossen Sym-
phonie in D dur und Es dur, die noch immer ein
Lieblingsstück des Prager Publicums sind, obschon
sie -wohl hundert Mal gehört waren.
Eine Symphonie gehört der ganzen Kunstwelt
an, eine Oper der Nation, in deren Sprache sie ge-
schrieben worden. Don Juan ist kein deutsches
Product, so wenig als Iphigenie in Julis. Man
nenne es nicht ein Meisterstück deutscher Kunst 1 .
* m *
i
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Der O peru -Unternehmer Bondini schloss zugleich
mit Mozart den Aceord zu einer neuen Oper für die
Prager Bühne auf den nächsten Winter, welche die-
ser gern annahm, weil er erfahren hatte, wie gut
die Böhmen seine Musik zu schätzen und auszufüh-
ren verstanden. Diess äusserte er oft gegen seine
Prager Freunde. Er war überhaupt gern in Prag,
wo ihn ein gefühlvolles Publicum und wahre Freunde,
so zu sagen, auf den Händen trugen. Dem Opern-
Orchester dankte er in einem Briefe an den damali—
gen Director S Imbach sehr verbindlich, und schrieb
seiner geschickten Ausführung den grössten Theil
des Beyfalls zu, den seine Musik in Prag erhalten
hatte. Dieser Zug seines Herzens, so unbedeutend
er scheint, ist sehr schön; er giebt einen Beweis,
dass Stolz, Eigendünkel oder Undankbarkeit seine
Fehler nicht waren, wie man es so, häufig an viel
Damals eilte die Tonkunst, von Mozart's Alles
beseelendem Geiste empor gehoben, dem höchsten
Ziele zu. Prag ward mit der Hoffnung gekrönt, in
dieser Kunst dereinst Europa'* Leitstern zu werden.
Die damalige Höhe musikalischer Ausbildung dankte
es fast allein ihm, der leider zu früh der Kunst ent-
rissen wurde. Dieser. Orpheus, der Alles, was den
Künstler zur Vollendung führte, in sich vereinigte,
weilte am liebsten im Kreise dortiger Kunstvertrau- .
ten und nannte das Prager Orchester oft das seinige.
Seine Nähe fachte ieden Funken musikalischen Ta-
lentes zur hellen Flamme an, die kräftig empor lo-
derte und den alten Ruf Prag's von Neuem grün-
dete. Und es iat noch nicht dahin gekommen, alle *
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#
507
su ersticken, die sein belebender Hauch dem
fruchtbaren Boden entlockte*
Im nämlichen Jahre 1787 gegen den Winter kam
Mozart vermöge seine« Accordes wieder nach Prag,
und vollendete da die Krone aller seiner Meister-
werke, die Oper: // dissoluto punito, oder Don
Giovanni. Vollendet hatte er sie den 28sten Octbr.
bis auf die Ouvertüre. Den 4ten November wurde
sie zum ersten Male gegeben. Die Böhmen sind
stolz darauf, dass er durch eine so erhabene und
aus der Tiefe seines Genie's geschöpfte Musik ihren
guten Geschmack erkannte und ehrte. „Don Juan
ist für Prag geschrieben «— mehr braucht man
nicht zu sagen, um zu beweisen, welchen hohen Be-
griff Mozart von dem musikalischen Sinne der Böh-
men hatte. Es gelang ihm auch vollkommen , diesen
Sinn zu treffen nnd zu rühren; denn keine Oper
hat sich hier in einem gleichen Wohlgefallen so
lange auf dem Theater erhalten, als Don Juan» Es
sind nun mehr als 4l Jahre, seit sie gegeben wird,
uiiu nucn immer noxx mau sie mit vergnügen, nucn
immer lockt sie eine zahlreiche Versammlung. Kurz,
Don Juan ist die Lieblingsoper des bessern Publi-
cnms in Prag. Als Mozart bey der ersten Vorstel-
lung derselben an dem Ciavier im Orchester erschien,
empfing ihn das ganze bis zum Erdrücken volle
Theater mit einen! allgemeinen Beyfallklatschen.
Ueberhaupt bekam Mozart in Prag bey jeder Gele-
genheit grosse und unzweydeutige Beweise der Hoch-
achtung und Bewunderung, welche gewiss ehrenvoll
waren, weü nicht Vorurtheil oder Mode, sondern
reines Gefühl seiner Kunst daran Theil hatte. Man
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konnte man gegen die Person ihres grossen Schöpfers
gleichgültig bleiben? —
Die Ouvertüre zu Don Juan ist keine Thüre zu
jeder Oper, sie fuhrt uns nur zu Don Juan ein,
und ist wie eine passende Vorrede, die uns über
den Inhalt und Tlan des Werkes nötliigen Aufschluss
giebt, nur zu diesem Kunstwerke passend geschrie-
ben. Kennte man auch den Inhalt der Oper nicht
näher, man würde schon hinlänglich durch sie be-
lehrt, dass schauerlich Ernstes darin mit frevlem
Muthwillen in abentheuerlicher Mischung abwechselt.
So bereitet uns das Grave schon auf den grausen In-
halt mehrer See neu vor, auf Mord, Geister -Er-
scheinung und Höllenfahrt. Dagegen entwickeln «ich
auch in dem stufenweisen heitern Gange des Allegro
die lustigen Situationen mit allen ihren Verwickelun-
gen durch das ganze Stück. Welche Einheit der
Idee. in der Durchführung, welche Klarheit, welche
unerreichbare Fülle von Harmonie! Wie das. Alles
zusammenhängt, in einander greift:, und dabey sich
fliessend fort bewegt, bald in mächtigen rauschenden
Strömen, bald in zarteren Wogungen einer glänzen-
den Instrumentirüng, auf Wirkung und Charakter
.gleich vortrefflich angelegt! Das nenne ich mir eine
Ouvertüre, und so sind sie alle, die Mozart zu sei-
nen Opern geschrieben hat.
Bekanntlich geht die Ouvertüre zu Don Juan
am Ende ruhig in den Gesang des Leporello über.
Darum setzte der selige Musik - Director Cannabich,
um sie auch getrennt von der Oper aufführen zu
können, einen eigenen kräftigen Schluss dazu, und
i
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509
vermisst darin Mozart's Geist nicht, denn er
wuaste ihn nnr mit dessen eigenen Gedanken glücke
lieh auszuführen. I : »
Don Juan ist eine Legende in Pater Kochern'«
Geschmacke, zu der Mozart's herrliche, nur hier
und da zu gekünstelte Musik eben so passt, als Ra-
phaels Manier zu den Ideen eines Tenier und Callbfc
Ungeachtet das Ganze eine Mönchsposse ist, ergriff
mich die Scene auf dem Kirchhofe mit Grausem
Mozart scheint die Sprache der Geister Shakespear'h
abgelernt zu haben i Es war dumpfer, schauerlicher
Grabeston, der aus der Erde zu kommen schien 5
man wähnte die Schatten der Abgeschiedenen/ aus
ihren Behältnissen hervorgehen zu sehen* 1
1 'i t.«
Per geniale Hofmann sagt von Don Juan: „Es
ist e£ne hohe menschliche Natur, die, gleich Faust,
vergebens in der Liebe Befriedigung der Sehnsucht
zu finden geglaubt, sich nun in den Strudel des
sinnlichen Genusses wirft, zum Teufel der Verfüh-
rung wird, und die Töchter Evens eben so unwider-
stehlich anzieht, als die Klapperschlange die kleinen
Thiere:- hohe Kraft des Geistes muss sich mit phy-
sischer Macht in dem gefallenen Engel vereinen.
Don Juan ist der Prüfstein , die Wasser- und Feuer-
probe der Operisten und ihrer Begleitung. Es ist
die grösste aller Opern : Handlung und Musik sclirei-
ten unzertrennlich fort 2 innere Notwendigkeit bin-
det Uins an das Andere." . . „
Der Triumph des unsterblichen Meisters also
bleibt immer jDo/* Juan, besonders wenn man ihn
mit jener Würde und dem Ernste aufführt, flen das
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Sujet und der ganze Gang des Poems fordert,
wenn man nicht zuletzt, um ja bey jedem
digen allen vorigen Eindruck zu verlöschen, Pater
Kochern'« Hölle mit Teufeln in AUongeperücken auf
die Bühne bringt.
Don Juan est Je. plus bei exemple de la musique
expressive. t ,
„Wir hedauern Dich," aagt die Leipziger Allg.
musikal. Zeitung, Räuberischer Mozart, in Deinen
Bexten Cosifan tutte, Figaro, Don Juan*)/'
, « Die Ouvertüre von Don Juan componirte Mozart
erst in der Nacht vor der ersten Auffiihrung. Die
gelehrte Dacier hatte den Aristophanes mehre hun-
dert Male gelesen, ehe sie, noch immer zu voreilig,
die Behauptung wagte, dass sie ihn nun völlig
stehe. Je öfter* wir diese Oper hören und in
aufzunehmen •streben, desto lebendiger werden wir
\y dass sie als ein Werk des Sehten, voll-
Genie's, äls eine unehdKch reiche, wunder-
bare Welt, niemals ganz aus verstanden werden
lönne, sondern immer noch der fernern Betrachtung
neuen Spielraum werde vergönnen müssen.
Don Juan erhielt Anfangs in Wien nicht den
verdienten und ausgezeichneten Beyfall, wie der
gleichzeitige Axur, von'Salieri, woran wohl zum
5
noch ausgeführt wurde, als höthig und recht war.
♦) Auch in dem Don Juan? Die Worte sind acfclecnt, aber
äer J^ßnduag Hat das Stück in nicht ärmlichem
Don Juan, wie Fauat, acheint ein für alle Zeitpn
feaUtehender, unerachöpflicher Stoff zu aeyn — er aelbat
ttejit rein da -
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!
i
511
Don Juan ist eine schauerlich romantische Volks-
sage, von ihrem Schöpfer selbst Operä buffa genannt.
■ ■ » • • * .
Wer ein Beyspiel will, wie Tonsetzer mit Glück
malen, der betrachte die die Welt verlachende und
den Himmel anstürmende Ouvertüre! Die der Zau-
berflöte nicht, denn diese ist eine freye Fuge, wo-
von weiter unten bey dieser Oper gesprochen wer-
den soll.
»•• ■ » • »i« «•• • . <. . .
Das Sextett im Don Juan ist das erstaunenswer-
theste Prodüct, welches der menschliche Geist in
dem lyrisch -dramatischen Style hervorgebracht hat*
sagt Castil-Blaze. i . ■ . •
Don Giovanni und Idomeneo schätzte Mozart
• ff m »
unter allen seinen Opern am höchsten. Zwar sind
die Verfasser Terztiglicher Werke aller Art nicht
immer die richtigsten Beurtheiler ihrer Werke. Sie
bringen vielleicht die darauf verwandte Arbeit stär-
ker in Anschlag, als der Kunstrichter , der das Kunst-
werk nur als das, was es ist, beurtheilt; oder-«ie
verfertigten das Werk unter ihnen besonders in-
xeressanten umstanden, aeren Anaenlcen sien bey
ihnen an das Werk knüpft; dergleichen man auch
von Tizian weiss, der seine weniger vollendeten
Jugendarbeiten höher schätzte, als seine gelungensten.
Bringt man aber bey Bestimmung des Werthes eines
Kunstwerks das besonders in Anschlag, dass es die
eigenste Individualität, den reinsten und festesten
Charakter des Genius seines Terfassers darstellt, so
ist Mozart's Urtheil Über seine beyden Opern un-
streitig das richtigste, was gefallt werden kann.
Dass er so über sie urtheilte, hörte man von ihm
4
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«
•512
nur zuweilen, denn er sorach unccrn und kurz von
seinen Arbeiten. Von Don, Giovanni sagte er : Für
die Wiener ist diese Oper nicht, für die Prager
eher, aber am meisten für mich und meine Freunde
geschrieben.
Fast unbegreiflich, aber zuverlässig ist's, dass er
die Ouvertüre dieser Oper, die für die vortrefflichste
von allen, die er geschrieben hat, anerkannt wird,
in einer Nacht, und zwar in der Nacht vor der er-
sten öffentlichen Aufführung schrieb, so dass die
Copisten kaum bis zur Stunde der Aufführung fer-
tig wurden, und das Orchester' sie ohne vorher ge-
haltene Probe spielen musste.
Don Giovanni gefiel Anfangs in Wien nicht son-
derlich. Als. in Wien in einer zahlreichen Gespjl-
scbaft, worin auch Haydn war, viel über das
Stück gesprochen worden war, und Einige es aner-
kannt hatten, dass es das schätzbarste eines reichen
Genie's und einer unerschöpflichen Phantasie wäre.
Andere dagegen es für zu, voll, zu, chaotisch, An-
dere es zu unmelodisch oder für zu ungleich gear-
beitet erklärt hatten (ürtheile, a^ denen irgend et-
was Wahres ist), wurde Jos. Haydn, veranlasst, zu
sprechen. Dieser sagte: Ich kann den Streit nicht
ausmachen, aber das weiss ich setzte er sehr
lebhaft hinzu — dass Mozart der grösste Componist
ist, den die Welt jetzt hat! worauf die andern
Kritiker alle schweigen mussten,
... Auf gleiche Weise handelte ^lojart auch gegen
J. Haydn. Die sechs Quartetten, d}e er ihm gewid-
met hat, gehören unter das Allervorzüghchste, was
nicht nur Mozart schrieb , sondern was überhaupt in
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»
% I
*
dieser Gattung existirt. Seine späteren Quartetten
sind zwar galanter, concertir ender; in jenen aber ist
jede Note gedacht, desshalb müssen sie pünktlich
executirt und keine Figur darf verändert werden« *
Seine Dedication selbst ist ein schöner Beweis seiner
Bescheidenheit und seiner innigen Verehrung Haydn's.
„Das war Schuldigkeit, — sagte er — denn ich habe
von Haydn erst gelernt, wie mau Quartetten schrei-«
ben müsse."
Nie sprach Mozart ohne Achtung von Haydrt,
wenn gleich Beyde an einem Orte lebten, nnd es
an Veranlassungen zu gegenseitiger Eifersucht gar
nicht fehlte.
Ein gewisser, damals erst bekannt werdender,
nicht ungeschickter, fleissiger, aber ziemlich genie-
armer Componist, der erst spater nach Mozart's Tode
mehr Ruf gewonnen, nagte immer nach Möglichkeit
an Haydn's Ruhme, und that es wahrscheinlich noch ,
später auch* Dieser Mann überlief Mozarten oft,
brachte ihm z. B. Symphonieen, Quartetten von
Haydn's Composition, hatte sie in Partitur gesetzt,
nnd zeigte nun Mozarten mit Triumph jede kleine
Nachlässigkeit im Style, welche jenem Künstler,
wiewohl selten, entwischt war, Mozart wendete im-
mer so ein Gespräch ab. Endlich wurde es ihm
aber zu arg. — • Herr — sagte er äusserst heftig —
und wenn man uns Beyde zusammenschmilzt, wird
doch noch lange kein Haydn daraus/ — •
So haben immer wirklich grosse Männer anderen
grossen Männern ihr Recht widerfahren lassein Nur
wer heimlich sich selbst schwach* fühlt, sucht dem,
der über ihn steht, eine Schwäche abzulauern, um
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I
514
■
i
i
ihn, wenn es möglich wäre, zu sich herabzuziehen,
weil er sicli zu ihm zu erheben unfähig ist.
„Möchte es doch (sagt der Sammler in Gratz
vom 25stenJuly 1818) der Hoftlieater-Direction ge-
fallen, uns dieses Meisterwerk nach der Original-
Partitur hören zu lassen, wo hinter der Katastrophe
mit Don Juan noch ein schönes Duett und ein herr-
licher fugirter Schluss-Chor folgen. Die Sclwulusti-
gen, um derentwillen man früher das jetzige, damals
auch zweckmässige*) Ende wählte, besuchen diese
Oper nicht mehr, und die Verehrer von Mozart's
Genius würden eine solche restitutionem in integrum •
nur mit freudigen Gefühlen aufnehmen." *
. Die Musik soll nicht erzählend seyn. — Ja,
wenn die Erzählung gedrängt und leidenschaftlich
ist, und vom Componisten mehr in recilaüvischer,
als Arien- Schreibart gesetzt wird, kann sie grossen
Effect thun. Man erinnere sich z. B. an die Scene
im Don Juan, wo Donna Anna ihrem Geliebten den
Mord ihres Vaters und die vorhergehenden Angriffe
auf ihre Person beschreibt.
Don Juan, die Oper aller Opern, ist der Schlüs-
sel, mit dem Mozart sich den Tempel des Nach-
ruhms für ewige Zeiten aufgeschlossen hat.
Durch Don Juan rettete Mozart den Bondini,
so wie später durch die Zauberflöte den Schickaneder.
— — — _ . • • «
Durch die so dienstgefällige Freundschaft des
Hrn. Fried. Dionys Weber, Professors am Conserva-
•) Welche Schaulustigen? Warum damals «weckmSwjg?
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/
I
515
torium zu Prag, wurde mir nebst mehren wichtigen
Beiträgen, wofür ich ihm öffentlich meinen wärm-
sten Dank abstatte, auch folgender Aufsatz zu Theil:
Vorrede zu einer böhmischen Vebersetzung der Oper
. Don Juan, von J. N. Stiepanek, welche die
Geschichte ihrer Entstehung, Aufführung und
ihres Erfolges in Prag, wie auch mehrere sich
darauf beziehende Anekdoten enthält.
Die Oper Don Juan ist .ein Pro du et des Mozart'-
sclieu unsterblichen Genie's. Der Ruhm dieses Mei-
sterstücks der Tonkunst verbreitete sich zuerst von
Prag aus in die ganze gebildete Welt, und von ih-
rem Schöpfer giebt selbst der grosse Haydn das Zeug-
niss, dass Mozart der grösste' Composjteur sey, den
die Welt aufzuweisen hätte. Da nun Mozart diese
Oper für die Böhmen schrieb, so will ich dieser
meiner Uebersetzung derselben eine kurze Nachricht
von ihrem Entstehen und von ihren Fortschritten
vorsetzen, in der Hoffnung, den Böhmen, meinen
Landsleuten, einen Gefallen damit zu erweisen. Das
italienische Gedicht Don Juan verfasste Abbate da
Ponte, Dichter der K.K. Wiener italienischen Opern-
Gesellschaft,- unter dem Titel: II dissoluto puniLo;
ossia: II Don Giovanni, und zwar nach dem spa-
nischen Mährqhen: El Combidado de piedra des
Tirso de jjdolina , und nach dem französischen Lust-
spiele des Moliere, welcher ebenfalls dieselbe Quelle
benutzte. Früher aber hatte schon da Ponte auf ajr ■
ler höchsten Befehl Le Nozze di JFigaro nach einem
französischen Lustspiele geschrieben, und dann auch
La Clemenza di Tito umgearbeitet, welche beyde
33*
*
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516
Opern Mozart durch seine Musik ungemein beliebt
gemacht hat«
Die Oper: Le Nozze di Figaro wurde im
Jahre 1786 von der Bondini'schen Operngesellschaft
auf das Prager Theater gebracht und mit einem sol-
chen Beyfalle aufgenommen, der nur mit demjeni-
gen, welchen nachher die Zauberflöte erhielt, ' ver-
glichen werden kann ; und in der That hat nur diese
Oper den damaligen traurigen Umstanden des Unter-
nehmers vollkommen aufgeholfen. Der Enthusias-
mus, den sie jedes Mal bey dem Publicum erregte,
war ohne Beyspiel. Der Orchester -Director, Herr
Strobach, versicherte oft, dass er sammt seinem Per-
sonale bey der jedesmaligen Vorstellung so sehr in
Eifer gerathe, dass er, trotz der mühsamen Arbeit,
mit Vergnügen wieder von vorn anfangen würde.
Die Bewunderung dieser Musik war «o allgemein
nnd so gross, dass Joh. Jos. Graf v. Thun Mozarten
nach Prag zu kommen eingeladen, und ihm Woh-
nung, Kost und alle Bequemlichkeiten in seinem
Hause angeboten hat. Mozart, über die Wirkung
seiner Oper auf die Böhmen sehr erfreut, wurde
begierig, eine Nation von einem solchen Musikge-
fühle kennen zu lernen, und nahm diese Einladung
an. Er kam im Februar 1787 nach Prag, und zwar
an demselben Tage, als seine Oper Figaro gegeben
wurde, und erschien sogleich im Theater. Kaum
verbreitete sich die Kunde, dass Mozart gegenwärtig
aey, so klatschte das sämmtliche Publicum Beyfall
und Bewillkommung dem Schöpfer eines so vortreff-
lichen Werkes zu. Während dieses seines Aufent-
haltes Hess sich Mozart auch auf allgemeines Ver-
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/ 517
langen in einet gro«en mmikaliscben Akademie im
Operntheater auf dem Pianoforte hören, in welcher
alle' Stücke, die aufgeführt wurden, von seiner Com-
position waren. Wie sehr diese Aller Herzen er-
griffen, lÄ*3t sich nicht schildern, sondern nur füh-
len. Zum Schlüsse der Akademie phantasirte Mozart
auf dem Pianoforte eine gute halbe Stunde, und stei-
gerte dadurch den Enthusiasmus der entzückten Böh-
men auf das Höchste, so zwar, dass er durch den
stürmischen Beyfall, den man ihm zollte, sich ge-
zwungen sah, nochmals an das Ciavier sich zu setzen.
Der Strom dieser neuen Phantasie wirkte noch ge-
waltiger, und hatte zur Folge, dass er von den ent-
brannten Zuhörern zum dritten Male bestürmt wurde*.
Mozart erschien, und innige Zufriedenheit über die
allgemein enthusiastische Anerkennung seiner Kunst-*
Leistungen strahlte aus seinem Antlitz. Er begann
zum dritten Male mit gesteigerter Begeisterung, lei-
stete, was noch nie gehört worden war, als auf ein-
mal aus der herrschenden Todesstille eine laute
Stimme im Parterre sich erhob, mit den Worten:
i^ws Figaro! worauf Mozart in das Motiv der Lieb-
lings -Arie: Non piu andrai far falom etc. einlei-
tete und ein Dutzend der interessantesten und künst-
lichsten Variationen aus dem Stegreife hören liess,
0
und somit unter dem Täuschendsten Jubellaute diese
merkwürdige Kunst- Ausstellung endigte, die für ihn
gewiss die glorreichste seines Lebens und für die
wonnetrunkenen Böhmen die genusareichste war.*)
•J Bald darauf ward Moiart «u einem «weyten Concert aufge-
fordert, da* denselben ruhmvollen Erfolg hatte.
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518
Ucberall, wohin er dann kany und wo er sich
nur blicken liess, begegneten ihm die für ihn ent-
brannten Prager mit Hochachtung und Liebe. Ge-
rührt über diese Freudetrunkenheit, in welche sie
Le Nozze di Figaro versetzt hatte, sagte er: Dess-
wegen, weil mich die Böhmen so gut verstehen, so
muss ich für sie eine Oper schreiben. Bondini nahm
daher Mozarten bey seinem Worte und schloss mit
ihm einen Accord auf diese Oper — für die Prager
Bühne — zu dem nächsten Winter, und Mozart
begab sich wieder nach Wien, wo er als K. K. Hof»
Kammer -Compositeur bey Sr. Majestät dem Kaiser
Joseph II. stand. Nach seiner Ankunft war er bald
darauf bedacht, den Böhmen sein Versprechen zu
lösen, und fing schon dort an, sich mit der Bear-
beitung seines Don Juan zu beschäftigen« Um aber
seinem Werke die möglichste Vollkommenheit geben
zu können, kam Mozart im Monate September 1787
zum zweyten Male nach Prag, wo er zuerst in den
drey Löwen auf dem Kohlmarkte seine Wohnung
nahm, nachher aber bey seinem Freunde Dussek
wohute, auf dessen Weihberge zu Kossir (Kosohirz)
er sich auch meistens aufgehalten und dort seinen
Don Juan geschrieben hat.
Während der Zeit also, als noch in dem Jahre
1787 zu Prag die Oper Le Nozze di Figaro in dem
ständischen Theater aufgeführt wurde, welche Mo-
zart selbst auch während der Anwesenheit Sr. Durch-
laucht des Prinzen Anton von Sachsen und seiner
Gemahlin Maria Theresia, einer Schwester unseres
Kaisers Franz, bey voller Beleuchtung des ständi-
schen Theaters, dirigirte, verfertigte er im 3lsteu
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19
Jahre seines Alters seinen Don Juan. In der Pro-
ducüon des Figaro hat Mozart den Gesang der Sän-
gerin M** ein wenig forcirt, worüber sie sehr un-
gehalten zu seyn schien; anstatt sich bey ihr, dess-
wegen zu entschuldigen, rief er ihr nach, geendigjLem
Gesänge nur die zwey Worte zu: Bravo, Donneiia/
Diese neue italienische Oper Don Juan wurde zum
^* . I;
' Don Giovanni - - - Sign. Lui. Bassi, • '
' •< • {dam*U aa Jahre alt.)
* -Donna Anna - - - Big8* Ter. Saporiti.
's Donna Elvira - - - . Sig«* CaU Micelli.
Don Ottavio - - - Sigu. Ant. Baglioni*
Leporello - - - - Sigu. Feiice Pouziaui.
Don Pedro ed\ i . • * :
_/ > - - Sign. Gius. Lolli.
Masttto )
. ZerUna ----- Sig™ Ter. Bondini.
Aus dieser ganzen Gesellschaft sind nur noch
Zwey am Leben: Herr Bassi, Vice - Directeur der
JCönigl. italienischen Oper in Dresden, und Hr. LoUi
in Wien. Mozart studirte selbst die Rollen mit ei-
nem jeden der genannten Mitglieder ein. Da nun
bey der ersten Probe dieser Oper im Theater Sigr*
Jiondini als Zerlina, zu Ende des ersten Actes, da,
wo sie vom Don Juan ergriffen wird, nach mehr-
maliger 'Wiederholung nicht gehörig und in dem
wahren Augenblicke aufzuschreyen vermochte, so
verliess Mozart das Orchester, ging auf die Bühne,
Hess die Sceue noch einmal wiederholen und wartete
den Aucenblick ab« ergriff sie dann in demselben
so schnell und gewaltig, dass sie ganz erschrocken
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520
I
aufschrie. 80 ist es recht, sagte er dann, sie dafür
. . , ' belobend, zu ihr, so muss man aufschreien.
/il ' Di* Oper war nun einstudirt und sollte aufge-
ftf führt werden 5 aber Mozart hatte noch den Abend
vor dem Tage ihrer ersten Production die Ouvertüre
nicht fertig gehabt, und er war noch dazu spät in die
Nacht in der Gesellschaft seiner Freunde, deren ängst-
liche Besorgniss desswegen ihn zu unterhalten schien.
Endlich sagte einer spiner Yertrauten: Mozart, mor->
gen soll Don Juan aufgeführt werden, und Du hast
noch nicht die Ouvertüre fertig. Mozart stellte sich,
, als wenn er ein wenig verlegen wäre, ging darauf
auf ein Nebenzimmer, wohin man ihm Notenpapier,
Federn und Dinte geschalt hatte, fing an um Mitter-
nacht zu schreiben und vollendete bis früh Morgens
in wenig Stunden eine der vortrefflichsten aller sei-
ner und aller anderen Ouvertüren. Um 7 Uhr Abends,
da die Oper angefangen werden sollte, waren die
Copisten mit den Stimmen noch nicht fertig, man
mussto daher warten, und um ein Viertel auf 8 Uhr
brachte man erst die Orchester- Stimmen noch voll
von Streusand in das Orchester, zu welcher Zeit
auch Mozart in dasselbe trat, um diese erste Pro-
0 m
duction zu dirigiren. Die ganze sehr zahlreiche Ver-
sammlung empfing ihn mit einem allgemeinen Bey-
fallklatschen. Dio Ouvertüre, welche zuvor gar nicht
probirt werden konnte, fing nun an, das Wohlge-
fallen an derselben wurde immer grösser und grös-
ser und verwandelte sich endlich in ein lautes Lob-
jauchzen9 Während der .In tro duction sagte Mozart
zu einigen ihm zunächst Stehenden: Es sind zwar
viele Noten unter die Pulte gefallen, aber die Ou-
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52i
verture ist doch recht gut von Statten gegangen.
Diese Oper hat sich einen so allgemeinen Beyfall
erworben, dessen sich noch keine andere rühmen
kann, und von dieser Zeit an wird sie auf allen
Theatern festlich aufgeführt. Nur in Prag, ihrem
Geburtsorte, wurde sie in den ersten zehn Jahren
(die italienische Operngesellschaft spielte im Jahre
hindurch nur acht Monate), d. i. vom Jahre 1*787
bis 1798 inclusive, theils in dem standischen, theils
in dem gräflich Thun'schen, unter dem Director
Michele, theils in dem K. K. priv. Theater bey den
Hyberneen 116 Mai aufgeführt; vom Jahre 1799 bis
zur Uebergabe der Theater -Directum an Karl Lie-
bich (im Jahre 1806, d. i. bis zur Auflösung der
italienischen Operngesellschaft im 1 Jahre 1807) noch
35 Mal italienisch* deutsch wurde sie gegeben vom
Jahre 1807 bis zum Jahre 1825, 116 Mal; also von
ihrem Anfange bis auf gegenwärtige Zeit, zusammen
257 Mal.
In dieser böhmischen Uebersetzung (in welcher
ich mich streng nach der italienischen Original* Par-
titur, aus welcher Mozart selbst das erste Mal diri-
girt hatte, und welche in dem Archive der Direction
des Prager ständischen Theaters aufbewahrt wird,
gehalten habe), welche mit Anfang Aprils (1825) im
ständischen Theater zum Vortheile des neuen Ar-
•
menhauses bei St. Bartholomäi aufgeführt wird, wird
daher Don Juan zum 258sten Male gehört werden.
Einige Scenen und Gesänge, welche Mozart später
für die Wiener italienische Operngesellschaft com-
ponirt und auch der Prager Bühne mitgetheilt hat,
als: im zweyten Acte, den Gesang des Leporelio:
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«
Ahl pitta, Sig&ori rpifi etc. ,nnd sein . Puett mit
Äerliüat Per queste tue maninß etc., wie auch die
Arien der Donna Elvira: Mi tradl quell9 almq inr
grata etc. und £es Don Otlavio im, ersten Acte:
Dalla 9ua pac$ <?*<v habe ich nicht unterlassen, ge-
hörigen Orts einzuschalten, um me^er Uebersetzung
die möglichste Vollkommenheit zu gepen. Eben auch
habe rieh im ersten Acte die 7te Scene, in welcher
der Gerichtsdiener r und im zweyten Acte die 2jt*le
Scene , in welcher <ler Kaufmann zu tliun hat (wel-
che Scenen in der deutschen Uebersetzung dieser
Oper so angemessen angebracht sind), nicht ausge-
lassen, weil dadur ch der Charakter des Don Juan
so sehr beleuchtet wird. Was den prosaischen Dia-
log anbelangt, so habe ich denselben ebenfalls nach
den ui'sprünglich italienischen Kecitativen herausge-
zogen, und mit Rücksicht auf die theatralische Dar-
stellung umgearbeitet und nach dem gegenwärtigen
Operngeiste dem Gesänge angepasst. .
Das Wohlgefallen an der Oper Don Juan ist
noch immer dasselbe, wie es im Anfange war: noch
jetzt ist es ein wahres Vergnügen, diese Oper zu
hören, denn in ihr schmilzt die Schönheit des Ge-7
Sanges mit Anmutli, Lieblichkeit und kraftvoller
Harmonie so lieblich zusammen, in ihr werden alle
Schönheiten und Schätze der Tonkunst dargestellt,
und zwar in einer solchen Vollkommenheit, dass sie
sowohl den Kunstkenner als auch den Kunstfreund
ungemein angenehm ergreifen. D. Sievers in Paris
urtheilt über Mozart's Don Juan so: „Don Juan
ist der Schlüssel, mit welchem sich Mozart den Tem-
pel des ewigen Ruhm es geöhnet hat, er ist das Pro-
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503
duct, in welchem Alles vollendet ist, was der mensch-
liche Geist in seinem Innersten wahrnehmen und
empfinden kann 5 aus ihm wehet uns der Geist mit
seinem Athem an, mit dem Alhem des Glaubens,
der Hoffnung und der Liebe, welcher selbst am
jüngsten Tage dem Gewissen des Ruchlosen furcht-
bare und zerknirschende Pos3.unent.0ne verkündigt«
Mozart ist es, welcher hier Beweise liefert, dass die
Producte eines wahren Genie's keiner Zeit und kei-
ner Mode unterworfen, sondern dass sie Producte
für die Ewigkeit sind. ; r ." •
Prag, . J- N. Stiepanek*.1
den 12. Märs l8a5. Director und Mitunternehmer de«
l rt . .1 «tändischen Theaters zu Prag.
* •
1
Zu Anfange des Jahres 1787 schreibt der Vater
seiner Tochter: „Wolfgang tragt mir an, seine
zwey Kinder für Bezahlung zu mir zu nehmen, da
er im halben Fasching eine Reise durch Deutschland
nach England machen möchte, wo er nicht ungeneigt
zu bleiben scheint 5 aber sein gewesener Scholar Att-
wood soll ihn yorher in London etwas Gewisses
ausmachen, einen Contract über eine Oper, oder
Subscriptions-Concerte. Madame Storon wird ihm
das Maul wässerich gemacht haben, und mit ihrer
Gesellschaft und seinen Scholaren den Gedanken an-
fangs erweckt haben. Da ich ihm aber väterlich ge-
schrieben, dass er auf der Reise im Sommer Nichts
gewinnen und zu unrechter Zeit nach England kom-
men würde, 2000 fl. im Sacke haben, und sicher
Noth leiden müsse, da der Storon gewiss die erste
Oper schreiben wird, so mag er den Muth verlieren/;
• •
V
\
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' • 524
■
■ ' Am 28s teu May diese« Jahres 1787 verlor Mo-
zart seinen Vater, r Diesem durch die musikalische
Erziehung seines Sohnes für die Kunstgeschichte
ewig denkwürdigen Manne wurde das Glück nicht
*u Theil, seines Sohnes Meisterwerk : // DUsoluto
punito, <k 9, il Don Giovanni, . zu hören, oder
.doch wenigstens die Nachricht von dieser Oper über
-ihren errungenen ungetheilten höchsten Beyfall er-
leben zu können*:.-
v. .. Von Moaartfs Briefen spricht noch dieser ein-r
zige an seinen Vater, da die übrigen alle an seine
Schwester gericBter sind T
• • • • •
' * Wien, den 4, April 1787.
Mon tr&$ eher Perel
Diesen Augenblick höre ich eine Nachricht, die
mich sehr niederschlägt — um so mehr, als ich aus
Ihrem letzten Briefe vermuthen konnte, dass Sie
» « . »i •
.sich, Gott Lob, recht wohl belanden. — Nun höre
ich aber, dass Sie wirklich krank seyen! Wie sehn-,
lieh ich einer tröstenden Nachricht von Ihnen selbst
entgegen sehe, brauche ich Ihnen doch wohl nicht
rz.u sagen, und ich hoffe es auch gewiss, obwohl ich
es mir zur Gewohnheit gemacht habe, mir immer
in allen Dingen das Schlimmste vorzustellen« Da
der Tod, genau genommen, der wahre Endzweck
unsers Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar
Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des
Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht
allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, son-
dern sehr viel Beruhigendes und Tröstendes! Und
ich danke meinem Gott, dass er mir das Glück ge-
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*
gönnt hat, mir die Gelegenheit zu verschaffen, ihn
als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit
kennen zu lernen. Ich lege mich nie zu Bette, ohne
zu bedenken, dass ich vielleicht (so jung als ich bin)
den andern Tag nicht mehr seyn werde; und es
wird doch kein Mensch von Allen , die mich ken-
nen, sagen können > dass ich im Umgange mürrisch
oder traurig wäre; und für diese Glückseligkeit danke
ich alle Tage meinem Schöpfer, und wünsche sie
vom Herzen Jedem meiner Mitmenschen.
Ich hoffe und wünsche, dass Sie sich, wahrend
ich dieses schreibe, besser befinden werden 5 sollten
Sie aber wider alles Vermuthen nicht besser seyn,
so bitte ich Sie, mir es nicht zu verhehlen, sondern
mir die reine "Wahrheit zu schreiben oder schreiben
zu lassen, damit ich so geschwind als es menschen-
möglich ist, in Ihren Armen seyn kann: ich be-
schwöre Sie bey Allem, was uns heilig ist* Doch
hoffe ich bald einen trostreichen Brief von Ihnen
zu erhalten, und in dieser angenehmen Hoffnung
küsse ich Ihnen sammt meinem Weibe und dem
Carl 1000 Mal die Hantle, und bin ewig etc.
:
Wien, den 16. Juny 1787.
Liebste, beste Schwesterl
Dass Du mir den traurigen und mir ganz un-
vermutheten Todesfall unsers liebsten Vaters nicht
selbst berichtet hast, fiel mir gar nicht auf, da
ich die Ursache leicht errathen konnte. — Gott
habe ihn bey sich! Sey versichert, meine Liebe,
dass, wenn Du Dir einen guten, Dich liebenden
und schützenden Bruder wünschest, Du Um gewiss
■
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bey jeder Gelegenheit in mi* finden wirst./-*- Meine
liebste, beste Schwester! wenn Du noch unversorgt
wärest, so brauchte es dieses Alles nicht. Ich würde,
was ich schon tausend Mal gedacht und gesagt habe*
Dir Alles mit wahrem Vergnügen überlassen; da es
Dir aber nun, so zu sagen, unnütz ist, mir aber
im Gegentheil es zu eigenem Vortheil ist, so halte
ich es für Pflicht, auf mein Weib und Kind zu
Im Jahre 1789 im April machte /Mozart durch
Prag über Leipzig und Dresden nach Berlin eine
Reise mit dem Fürsten von Lichnowsky, seinem
Scholar, der ihm Platz in seinem Wagen bis Ber-
lin augetragen hatte. Diese Reise dauerte bis zum
4tenJuny, wo er dann wieder zu den Seinigen nach
Wien zurückkehrte. Schon von Prag aus schrieb
er seiner Frau den iOten April: .
Heute Mittags um halb zwölf Uhr sind wir hier
glücklich angekommen. Nun folgt der Rapport von
Prag. Ich ging zu Guardassoni, welcher es auf
künftigen Herbst fast richtig machte, mir für die
Oper 200, und 50 Ducaten Reisegeld zu geben.
Ramm ist erst vor acht Tagen von hier wieder nach
Hause; er kam von Berlin und sagte, dass ihn der
König sehr oft und zudringlich gefragt hätte, ob ich
gewiss komme, und da ich halt noch nicht kam, sagte
er wieder: ich- fürchte, er lömmt nicht. Ramm
wurde - völlig bange, er suchte ihn des Gegentheüs
zu versichern. Nach diesem zu schliessen, sollen
meine Sachen nicht schlecht gehen«
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Der grosse Ruf seines Namens ging ihm somit
voran , und man fand sich nirgends in der Erwartung
getäuscht, die er überall erregt hatte. Der damalige
König von Preussen, ein freygebiger Kenner und
Freund der Tonkunst, war ganz für ihn eingenom-
men und gab ihm ausgezeichnete Beweise seiner'
Achtung. Wie wahrhaft und dauernd dieselbe ge-
wesen sey, beweiset die königliche Grossmuth, mit
welcher dieser Monarch später die Wittwe Mozart's
in Berlin aufnahm und unterstützte.
In Leipzig wurde Mozart gebeten, ein öffent-
liches Concert zu geben, und er fand sich bereit-
willig dazu. Hier verdient die Probe von seinem
gegebenen Concerte eine besondere Erwähnung, wo-
von Rochlitz als Augenzeuge Folgendes erzählt:
Ueber Nichts klagte Mozart heftiger als über
„Verhunzung" seiner Compositionen , hauptsächlich
durch Uebertreibung der Schnelligkeit des Tempo*
„Da glauben sie, hierdurch soll's feurig werden;
ja, wenn's Feuer nicht in der Composition steckt,'
so wird's durch's Abjagen wahrlich nicht hinein
gebracht." .' '
Besonders unzufrieden war er desshalb mit den
italienischen Sängern. „Sie jagen oder trillern oder
ver Schnörkeln , weil sie nicht studiren und keinen
Ton halten können."
t)en Abend vor der Probe seines öffentlichen
Concerts in Leipzig hörte ich ihn sehr lebhaft dar-
über declamiren.
Den folgenden Tag bey der Probe bemerkte ich
dennoch , dass er den ersten Satz , das Allegro einer
seiucr Symphonieen, sehr schnell nahm. Kaum
528
zwanzig lacte waren gespielt, und das Urcnester
hielt das Tenipo zurück und schleppte. Mozart rief .
Halt! und sagte, worin man fehlte, rief Ancota, und
fing eben so geschwind an. Der Erfolg war der-
selbe. Er that Alles, das Tempo gleich fort zu hal-
ten, und stampfte ein Mal den Tact so gewaltig,
dass ihm eine Schuhschnalle in Stücke zersprang«
Alles umsonst. Er lachte über seinen Unfall, und
liess die Stücke liegen, rief nochmals ancora und
fing zum dritten Male in demselben Tempo an. Die
Musiker wurden unwillig auf das kleine blasse Mann-
ehen, das sie so hudelte, arbeitete erbittert darauf
los, und nun ging es.
Alles Folgende nahm er gemässigt. Noch mehr:
der brave Mann wollte sich nun auch wieder die
Liebe des erzürnten Orchesters gewinnen, ohne je-
doch die gute Wirkung seines Eifers zu verscherzen.
Er lobte also nun das Accompagnement und sagte:
Wenn die Herren so zu spielen vermöchten, brauche
er seine Concerte nicht zu probiren — denn die
Stimmen sind richtig geschrieben. Sie spielen rich-
tig und ich auch : was braucht's beym Accompagne-
ment mehr! — Und das Orchester accompagnirte
schwere und intricate Concert, qhne Probe, und zwar
nun vollkommen richtig, denn es spielte mit Ehr-
furcht gegen Mozart, und mit möglichster Delica-
tesse, denn es spielte aus Liebe zu ihm.
Nach der Probe sagte er zu einigen Kennern:
„Wundern Sie sich nicht über mich. JEs war nicht
Caprice. Ich sah aber, dass die meisten Musiker
bejahrte Leute sind. JEs wäre des Schleppens hein
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/
*
Ende, geworden, wenn ich sie nicht erst ins Feuer
getrieben und Lose gemacht liätte. Vor lauter Aer-
ger tltaien sie nun Mir Möglichstes.« ' niA
Da Mozart dieses Orchester nie spielen hörte,
so zeugte diese Manier von nicht unbedeutender '
• Mensch enkenntniss; mithin war er ja nicht in ÄT-
lem, Was nicht Musik war, ein Kind, wie man so
oft schreibt, ' ,,; ♦* :» ••
In 'diesem Concerte, welches drey Jahre vor
seinein Tode war und den 12ten May 1789 aufge-
führt Wirde, gab er nur Compositionen von sich,
die meist nur im "Manuscript exisfirten,. besonders
das sanft 'heiterhde reitzende Concert aus Rdur
(componirt den .30sten' September 1784). Madame
Duscheck aus Prag sangj die äusserst schwierige und
recht eigentlich für diese Sängerin geschriebe_ne'Scene
mit obligatem Fortepiano. Im zweyten Theile spiplte
er das prachtvollste und schwierigste aller' seiner •
bisher bekannt gewordenen Concerte aus Cdiir (com-
ponirt den 4ten Öeceraber 178C)> welches die *YVitt-
we nach seinem Tode herausgab j vielleicht das pracht-
vollste aller Concerte, die je geschrieben worden
sind. Theils durch den Geist der CoinpbsitionJ theils
durch den Glanz und dann wieder durch die herz-
zerschmelzende Zartheit seines Vortrags verschaffte
er den Zuhörern einen herrlichen Gehuss.
• | |j* »V*, t ' " , , . I ' ' I I •
, ' Um dem gewöhnlichen Stehlen seiner Arbeit
. vorzubeugen, spielte er von einer C lavierstimme,
die „nichts als einen bezifferten Bass enthielt, über
den, nur die Hauptideen ausgeschrieben . waren , die
Figuren und Passagen leicht angedeutet j so .sehr
34 -
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I
/5.to
konnte er «ich auf sein Gedächtnis* und auch auf
sein Gefühl verlassen.
Am Ende des Concerts wünschten Einige, ihn
noch: allein spielen zu hören; und der gefallige
Mann , der schon zwey Concerte und eine obligate
7
IM
hatte, setzte sich hin und spielte, um Allen Alles
zu werden. Er begann einfach, frey und feyerlich
in C moll (componirt den 20sten May 1785)» Da er
hier mehr auf den Kenner Rücksicht genommen
hatte, senkte er . sich im Fluge seiner Phantasie nach
und nach herab , und beschloss mit den nun gedruck-
ten Variationen aus Es dur (Cah. II. S. 43- bey Breit-
kopf und Härtel in Leipzig).
Demohngeachtet brachte ihm das Concert nicht
die Kosten heraus, denn der Saal war fast leer.
Kein "Wunder! Denn er stand zu hoch über seine
Zeit, als dass sie ihn hätte würdigen, ja nur fassen
können.
Alles, was ihn kannte, hatte Freybillets erhal-
ten, und gewiss die Hälfte derselben ist mit solchen
eingetreten. Mozart achtete nicht im geringsten
darauf, denn er hätte nicht besser gestimmt seyn
können, wenn der Saal gedrängt voll von Bezahlen-
den gewesen wäre. Da er kein Chor gab, so waren,
der Sitte nach, die ziemlich zalüreichen Chorsänger
von der freyen Entree ausgeschlossen. Verschiedene
kamen Und fragten bey dem Billetier nach. — „Ich
Will," sagte dieser, „bey dem Herrn Kapellmeister
fragem" „O lassen Sie herein! immer herein!" ant-
wortete Mozart, „wer wird es mit so Etwas- genau
nehmen!" ;*
■ #
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I
•531
Oft und gern, erzählt Rochlitz weiter, war Mo-
zart bey Doles, dem Cantor an der Thomasschule in
Leipzig. Hier Hess er sich ganz gehen, nahm Nichts
übel, wie ihm Andere auch nicht. Er sollte von hier
auf einige Tage nach Dresden reisen. Am Vorabend©
speis'te er bey Doles und war sehr lüstig. Doles,
traurig, wie er weggehen wollte, drang in ihn mit
den Worten : „TV er weiss, ob wir Sie wieder sehen $
geben Sie uns eine Zeile von Ihrer Handy Mozart,
gegen alles Ankommen und Abschiednehmen ziem-
lich gleichgültig, hielt sich über ihr Pimpeln auf,
•
und wollte schlafen gehen, statt zu schreiben. Zu-
letzt sagte er doch: „Nun, Papa, so geben Sie mir
ein Stück Papier!" Dieses war gleich da, Mozart
riss es in zwey Hälften, setzte sich und schrieb fünf
oder sechs Minuten. Dann gab er dem Vater die
eine und dem Sohne die andere Hälfte. Auf dent
ersten Blatte war ein dreystimmiger Canon in lan-
gen Noten, ohne Worte. Wir sangen die Noten:
der Canon war trefflich und sehr wehmüthig. Auf '
dem zweyten Blättchen war gleichfalls ein dreystim-*
miger Canon, aber in Achteln und auch ohne Worte |
wir sangen ihn und fanden diesen trefflich und sehr
drollig. Jetzt bemerkten wir und freueten uns, dass
beyde zusammen gesungen werden konnten, und
also ein sechsstimmiges Ganzes ausmachten« Nun
die Worte, sagte Mozart, und schrieb unter dem
ersten: Lebet wohl, wir sehn uns wieder, und
unter dem zweyten: Heult noch gar wie alte
Weiber. So wurden sie noch ein Mal durchgesun- .
gen, und es ist nicht zu sagen, welch eine lach er-
liehe und doch tief, fast ergrimmt einschneidende, also
34*
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532
vielleicht erhaben -komische Wirkung diess auf uns
' Alle machte, und irr* ich nicht, auch auf ihn selbst;
denn mit etwas wilder Stimme rief er: „Adieu,
Kinder."' und — war fort.
. . Diese Kleinigkeit giebt einen neuen Beweiss, mit
welcher Freyheit sein, Genie in den Untiefen der
Harmonie lebte und webte, denn ein so ungemein
schweres musikalisches Rechen - Exempel , wenn es
auch nichts weiter als das gewesen wäre , nach reich-
licher Mahlzeit in wenig Minuten zu lösen, will viel
sagen. Auch lässt dieser Vorgang einen gewissen
Zug seines Charakters durchblicken.
Als Mozart in Leipzig einmal Nachmittags in
der Thomaskirche ganz unbemerkt die Or,gel spielte,
machte sein Meisterspiel auf den hinter ihm stehen-
den Cantor Doles, einen
chen Eindruck, dass er mit Rührung äusserte, er
habe geglaubt, der alte Bach sey wieder aufgestanden.
• Mozart war bis jetzt, ungeachtet seines grossen
Ruhmes, ohne Anstellung, ohne sichere Einkünfte.
So bekannt auch sein Talent war, so sehr man seine
Compositionen suchte: so wenig dachte man daran,
ihn zu belohnen und zu unterstützen. Er hatte zwar
oft beträchtliche Einnahmen gehaht $ aber bey der
Unsicherheit und Unordnung der Einkünfte, , bey den
häufigen Kindbetten und den langwierigen Krank-
heiten seiner Gattin, ^n einer Stadt wie Wien, musst©
Mozart doch im eigentlichen Verstände darben. Er
beschloss daher, Wien zu verlassen, wo sich keine Stelle
( für ihn fände. Sein Plan war, nach England zu ge-
hen, wo er ein besseres Schicksal um so mehr er-
warten konnte, Als ihm oft von da Einladungen und
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I *
»
lockende Antrage gemacht wurden; oder' auch nach
Berlin, wohin ihn der König- wiederholt hatte laden
i lassen. Es -kam an die 'Reise nach Berlin, die er
mit dem Fürsten Lachnowsky, seinem Scholaren im
Galanteriespiel und Generalbaß :ffer ihm einen Platz
m seinem Wagen anbot, rriÄ-- *\
"" Aus einem1 seiner Briefe Tön :iBenKn uns sieht
man', dass er in Potsdam gcw*es¥h J nach Leipzig zu-
rück gegangen, und wieder m: Berlin war. :' : -
„Die Königin* will mich am : Dienstage horeri,**
Schreibt er vöm ^Heh Ä&y* ,)iaHwt Ither nicht vzei'
zu machen. Ich Hess mich melden;' weil «es gebrHuefc-
lieh ist und sio'es" mir sonst; übel nehmen Würde*
Da musit Dich bey ni einer 'Riickktiml scWmeh*
ätif mich, als auf das Geld freuen. 100 Friedrichs-
dror (die scheint er äho vom Könige* leiommen zu haben) sind
7Ö0 ^Wiener GuldWv Lichhb\Vsk}r müsste forteilet!,'
trnd so habe ich in dem theuren't'ots'dain selbst «eh-»
Ten müssen $■ auch habe ich Jemanden , 1 dem ich es
nicht abschlagen köhnfte, lOo ffi'1 geliehen. 1 Dazu
kömmt, dass the 'Akademie in' fceipiigl wie
iifer sagte, schlecht niMgefklleti ■'■iit! 1 TäcTriiowsky IfcsF
mir aber keme*4luh'e, Tch* hiusste hin:' Hier in •Ber-'
Im' ist mit emer Akademie nicht viel3 zu mache**
der König sSehi1 es ' nicht ■ gern. Dtr:musst' also mit
mir und * diesem zufrieden seyn, dass ich fco glück-
lich bin,' bey dem Könige in -Önadeii ^steh'enJ
Was ich Dir" da geschrieben habe, bleibt unter uns."
' • • Als Mozart das zweyte und letzt3 Mal in Berlin
ankam, war es gegen Abend. Kaum ausgestiegen,
fragte er: Giebas diesen Abend nichts yon Musik
hier? :* • • . -
«
i
, . Digitized by Google
334
1
O ja, so eben wird die deutsche
Oper angegangen seyn! '
Mozart* So?> Was geben sie heute?
Marqueurf Die Entführung aus dem Serail —
1 Mozart» Scharmant ! rief er lachend«
Marqueur* Ja ! Es ist ein recht hübsches Stück.
Es hat's componirt. -r wie heisst er nun gleich —
Indessen T^ar Mozart im Reiserocke , wie er war,
schon fort. Im Theatex bleibt er ganz am Eingange
des Parterre stehen, um da ganz unbemerkt zu lau-
schen. Bald freuet er sich zu sehr u^er den Vor-
trag einzelner Stellen Ä bald wird er aber auch unzu-
frieden mit dem Tempo, bald machen ihm die Sän-
ger und Sängerinnen zuviel Schnörkeleyen — * wie
ejr's nannte; kurz, sein Interesse wird immer leb-
haftor. und er dran et sich bewusstlos immer näher
und näher dem Orchester zu, indem er bald diess,
bald jenes, bald leiser, M4 U\i\er brummt und
murret, und dadurch den Umstehenden, die auf das
kleine unscheinbare Männchen im schlechten Ober-
rocke herabsehen, $*>flf genug zum Zachen giebt —
wovon er aber natürlich nichts weiss. Endlich kam
es zu Fedrillo's Arie: Frisch zum Kampfe, frisch
zum Streife etc. Die Direction haUe entweder eine
unrichtige Partitur, oder man hatte darin verbessern
wollen und der zweyten Violine bey den oft wieder-
l^lten Worten: Jfyr ein feiger Tropf verzagt, DU
statt D gegeben,; JJier konnte Mozart sich nicht
länger halten % ef rief fast ganz laut in seiner Irey-
lich nicht verzierten Sprache: Verflucht! wollt IJir
J? greifen I — Alles sähe sich um, auch Mehre aus
dem Orchester. Einige von den Musikern erkann-
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ten ihn, und nun ging es wie Lauffeuer durch das
Orchester, und von diesem auf die Bühne: Mozart
ist da! — Einige Schauspieler, . besonders &o_ jehr.-
schatzbare Sängerin Madame ß. , die die Blondine
spielte, wollte nicht wieder heraus auf das Theater.
Diese Nachricht lief rückwärts an den Musik ~*Direo>
tot, und dieser sagte sie in der Verlegenheit Mo-
zarten, der nun rasch bis hinter ihn vorgerückt
* war. Im Augenblicke war dieser hinter den Cou-
lissen: Madam, sagte er zu ihr, was treiben Sie
für Zeug?^Sie7iaben herrlich» herrlich gesungen,
und damit Siß'a.: ev? andermal noch besser maclien,
will ich die Bolle mit Ihnen etnstudiren.
- i . Als es in Berlin bekannter, wurde, dass Mozart
da sejr, wurde er überall , besonders auch von Lri/ed-
nfch Wilhelm Jk: äusserst günstig aufgenommen.
Dieser Fürst sehätzte und bezahlte . bekanntlich nicht
nur Musik ungemein, sondern war wirklich — wenn
auch nicht Kenner, doch geschmackvoller Liebhaber.
Mozart musste ihm, so lange er in Berlin war, fast
tätlich voruhantasircn und öfters auch mit einigen
Üapellisten Quartett in des Königs Zimmer spielen. .
Als er einmal mit dem König allein war, fragte ihn i
dieser, was er von der Berliner Kapelle halte. Mo-.,
zart, dem nichts fremder als Schineicheley war, ant- .
wortete: „Sie hat die grösste Sammlung von Vir-
tuosen in der Welt; auch Quartett habe ich nirgends
sö^ gehört, als hier: aber wenn die Herren alle zu-
sammen sind, könnten sie es noch besser machen.44
Der König freuete sich über seine Aufrichtigkeit,
und sagte ihm lächelnd: Bleiben Sie bey mir, Sie
können es dahin bringen, dass sie es noch besser
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I
machen! Ich biete Ihnen jährlich drey tausend* Tha-
lfcr Gehalt an, — Soll, icli meinen guten Kaiser ganz*
vorlassen? — sagte der &rave Mozart unaV schwieg
geruht*. und .nachdenkend. Man bedenke, dass der
gute Mozart den Kaiser m cht verlassen wollte, der
ihn damals noch darben liess^ JLudv* der Konie
schien hierbey gerührt, nnd setzte nach einer Weile
kiiizuiv „Ueberlegen Sie sich's 1 «— : ich halte mein
Wort, -auch wenn Sie in Jahr und Tag. erst kom-
men sollten." \. •". «^.Jut.-. .
^»D«e König erzählte nacliher dieies Gespräch
verschiedenen Personen, unter andern auch der Gat-
tin Mozart'* selbst j als sie nach ihres Mannes Tode
nach« Berlin kam j und von dem Gönner ihres ver-
storbenen Mannes sehr ans cimlich unterstützt wurde.
. i » Mozart reis' toi, voll von diesem Vorschlage, nach
Wien icurück. Er wusste, dass ihn hier Wiedel
Neid, Kabale mancherley Art, Unterdrückung, Ve»*'
kennung und Armuth erwarten würden, da er vom
Kaiser damals noch so gut als Nichts Gewisses l>r-
kam. Seine Freunde redeten ihm zu — er wurde
zweifelhaft. Ein gewisser UmBtaä&f)v4m-iA.mfr*
erzähle, an dem' Mozart sich selbst mfcht rächen .
wollte — bestimmte ihn endlich. Er/giwg zum Kai-
ser und bat um seine Entlassung. Jöüeph^ dieser so
oft verkannte, so oft geschmähte frörst, dem seine
Fehler von seinen Unterthanen erst aufgezwungen
und eingepresst wurden, dieser, liebte Musik und
besonders Mozart'che Musik von Herzen. Er Hess
/ ■ — - - r * • • • i
Dieser Unutand war Salomons Erscheinen in Wien, um J.
Haydn und Moiart zu ieinen Concerten in London zu
ongagiren. — ' • » i . • •
- 537 .
I
Mozarten jetzt ausreden und antwortete dann: Lie-
ber Mozart, Sie wissen, wie ich von den Italienern
denk?©: und Sie wolfar mich dennoch Verlässen?
• i • • «... .-*.•
Mozart sah ihm ins ausdrucksvolle Gesicht und
sagte gerührt: Ew. Majestät — ich — empfehle mich
zuÖiiadeii — 'ich titeibe! Und üUmit ging er nach
JU. iti :.\ o-w. • •) *v \n v -*\: »
llause.
— #i v * 'L- .vt *. »'.i *•
^Aber^ Mozart, sagte ihm ein Freund, den er
dann traf .und dem er den Vorgang erzählte, warum
benutztest Du denn nicht die Minute und verlangtest
wenigstens festen Gehalt? » t i
A%»Jkr TwfelsdenU in solche? JStunde dardni
sqgte.ftlozart unwillig. . . . • /. .» /, iV '
Kaiser Joseph kam später aber selbst auf die
Wee, Mozarten, ''der bis jetzt riftr' Anwartschaft auf
einträgliche Steilen nnd einen Tftel hätte, — einen
wenigstens erträglichen Gehalt zu bestimmen, und
befragte darüber: seinen Kammerdiener "Strack, der'
seinem sparsamen Fürsten gefallig* aeyn wollte1, den' et
aber freylich hier am wenigsten hätte befragen sollen.
Auf die Frage des Kaisers*, der; wie jeder grosse
Herr, nicht wusste, 'was zum Leben eines 'Bürgers
gehörte, und dem1 eine Null, mehr oder weniger,'
nicht viel mehr als eine Null war, — auf die Frage,
wie viel man für Mozarten anweisen müsse, schlug
Jener 800 fl. jährlich von Der Kaiser war es zufrieden
und die Sache war abgemacht. Mozart bekam also nun
jährlich 800 fl. — ' in Wien. Die Verbesserung sei-
ne* Lage war dadurch unbeträchtlich 5 denn sein
Miethzins war im Jahre 1785 schob 460 A* Und
dennoch blieb er nach wie vor bey Joseph und er-
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»
538
inner tu diesen mit, feinem ^Vorte au dergleichen
Verhältnisse. , . , \
Im August 1787 schrieb Mozart seiner Schwester |
„Um Dh* über den Punkt in Betreff meines
Dienstes zu antworten^ SP hat .mich der Jtaiser zu
sich in die Kammer genommen, .folglich formlich
decretirt, einstweilen aber nur mit 800/?.: es ist
aber Keiner in der Kammer, der so viel hat, —
Auf* dem Anschlagzettel, da meine Prager Oper ito/?
Giovanni (welche eben heute wieder gegeben wird)
aufgeführt \^rurÜe; auf welchem gewiss nicht zu viel
steht, da ihn die K. K. Theater - Direction heraus-
hiebt, «Und: ^,Die Musik ist von Herrn Mozart,
Kapellmeister in wirklichen Diensten Seiner K; K.
Majestät." 4 ., , . I%t .«
Mozart war* also K. K. Kammer — Comnositeur
init 800 Jl., ; mit «Jjei; ^usicjierung, dass auf ihn in
4 er. .Zukunft Bedacht genommen werden würde, und
4a. Mozart nie trotzig seyn konnte ,: aa . nahm er es
wUUg an und blieb. Das Anstellungs-Decret lautet
Ypm 7ten December 1787. i: -:r, ;.; • v-
.', Ich überlasse es jedem Leser,?<larüber Beobach-
Lungen .anzustellen, um die Ursachen der langen
Vernachlässigung eines so grossen Künstlers auszu-
forschen. An ihm lag die. Sdiuld gewiss nic)it;
man müsste denn seinen geraden und offenen, zum
Bücken uud Kriechen untauglichen Charakter als
Schuld annehmen. - . ■ \ m
. Mozart war zu edel, um zu kriechen, zu offen,
Min zu schmeicheln, zu stolz gewesen, um all9 ita-
liano zu betteln \ — ■ und dann war er Ja nur ein
Deutscher.
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•Ungeachtet seiner clänzenden. allgemein bekann-
ten Talente, sagt Gerber, war sein Schicksal in Wien
dennoch nichts weniger als beneidenswerth $ denn
um mit seiher Familie auszukommen, sali er sich
genöthigt, Unterricht zu geben und für Geld zu
componiren; und da ihm, bcy seiner wenigen Auf-
merksamkeit, seine Manuscripte oft entwendet und
ohne sein Wissen und Vortheil gestochen wurden,
so musste er um so mehr schreiben, >
Als Mozart einst sein Einkommen, wie es im
Oesterreichischen heisst, fa Liren musste, schrieb er
in ein versiegeltes Billet:
- „Zu viel für das, was ich leiste; zu wenig für
das, was ich leisten könnte." — Der Hof hatte ihm
nämlich in seiner Eigenschaft als Klammer — Comuo—
siteur niemals einen Auftrag gegeben^
Manche Biographen haben der Welt falschlich
resaet. dass er bev der Vermählung des ietzigen
Kaisers Franz I. zu dessen Kapellmeister mit 6000 fl-
Gehalt ernannt worden sey.
, Freyherr von Hormayr sagt im, achten Bande
seines österreichischen Plutarchs über Mozart; „Zu
seinen vielen Neidern und Nebenbuhlern verhält er
sich, wie der Rhein« ein schäumendes Aloenwasser.
dem See, durch den ihn der Lauf zwingt, entkom-
men, nun donnernd, spiegelnd, mit tausendfaltiger
Schönheit ausgestattet, zu dem Rhein, der sich im
batavischen Sande verliert."
So viele Feinde und Neider auch jeden seiner
Vorzüge durch Herabsetzung und Verläumdung zu
verdunkeln bemüht waren : so vollkommen war den-
noch der Triumph seiner Kunst bey unbefangenen,
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540
von dein Rost*' «er Mode unverletzte^ Seelen. Alle
Wahren Kenner der Tonkunst huldigteil ©einem Ge-
nie, wovon Folgende* zeugt: " '
Der als Staatsmann uiid Gelehrter gleich ver—
ehrungäWÜrdige Baron van Swieien, ein wahrer Ken-
her der Tonkunst, voll Gefühl für den ernsten Ge-
sang des erhabenen' Händel , Hess oft die "Werke
dieses berühmten Tonkünstlers, die für den täudeltt-
den Modegeschmäck unserer Tage eine zu einfache
Kost sind, in Privat -Concerten aufführen. Er be-
diente sich dazu der Talente unseres Mozart's, der
* • • •
die grossen Ideen Handels mit der Warme seine*
Empfindung zu beleben, und durch den Zauber sei-
fi!e»' Instrumental -Ratzes für unser Zeltalter geniest
Bär^zu machen verstand. Mozart bearbeitete für ihn
Handels Acis Und Galathea, deH Messias , Cacilia,
tind das Fist Alexanders in den Jähren 1788, 4789
ünd 1^90. Swieten cörresJ)ondirte oft über diese
Angelegenheit mit Mozart und schrieb ihm einst
unter andern vom 2i^ten Marz 1789:
„Ihr Gedanke,' den Text der kalten Arie in ein
Reeitativ zu bringen, ist vortrefflich, und in der
tfn gewissheit, ob Sie wohl die Worte zurück be*
halten haben, schicke ich Ihnen sie" abgeschrieben.
"Wer Handel so feycrlich und so geschmackvoll klei-*
den kann , dass er einerseits auch den Modegecken
gefallt1, und tmdererseits doch immer in* seiner Er»-
habenlieit sich zeigt, der hat seinen Werth gefühlt,
der hat' ihn' verstanden, der ist zu der Quelle seines
Ausdruckes gelangt, und kann und wir"d sicher daraus
schöpfen» So selie ich dasjenige an, was Sie leiste<*-
ten, und nun brauche ich von keinem Zutrauen
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Mi
- — - •
»
mehr zu sprechen, sondern nur von, dem Wunsche,
das Recitativ hald zu erhalten." i
~: Der Messias und das Alexanderfest sind auf diese
Weise bearbeitet in Partitur bey Breitkopf u. Härte! *
in Leipzig erschienen» m* — * •,
Mozart machte Handels Chöre zum Gegenstände
seines Studiums und verschönerte (t788 bis 1790)
dessen Oratorien durch zweckmässige Vermehrung
der Instrumental-Begleitung, sagt Mosel. U * ...
Auf da* Alexanderfest hat Mozart unverkennbar
-viel Liebe, bewundernswerthe Kunst und ausgezeich-
neten Fleiss verwandt. Händel war in der Nolh-
wendigkeit, allen ßecitativen und auch mehren So-
losätzen einen und denselben Tenor zu geben, wo-
durch etwas Monotones in sie kommen musste. Die
meisten Situationen und Scenen sind sehr locker ui*4
etwas wunderlich durch den Ilhansodeu mehr zu-
sammen gebracht, als zusammen gehalten. : ' ■ .
Mozart liess j ) was nicht recht zusammenhangen
wollte, »vollends auseinander fallen und vertheilte die
Parthieen an die verschiedenen Hauptstimmen eben-
massig und für den Effect der Musik ungleich vor-
theilhafter. ,.»..« , • • ■ -.
... 2) In dem in Händeis Heimath, den Chören,
entscheidenden Gesango hat er Nichts geändert,
ausser das für die Sache Gleichgültige, was die Un- '
terlegung des deutschen Textes nöthig machte. Seine
ernste Ansicht, seine gerechte Würdigung des Ver-
dienstes und seine Bedachtsamkeit sind hier bewie-
sen, wenn sie bey ihm des Beweises bedürften.
Selbst abkürzen, wie er es sich bey einigen Arien
des Messias unterstand, mochte er hier Nichts. Auch
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7)42
«ist da« Werk im Ganzen, und bloss einige Haupt-
scenen abgerechnet, kurz gehalten, und schreitet
ziemlich rasch fort. An diesem Theüe der Handei-
schen Werke, am Gesänge und vor Allem am Ge-
sänge der Chöre, die gleichgültigeren Zwischenarien
abgerechnet, ist Alles gediegen, entschieden und ei-
genthümlich. Und in jedem Falle darf Handels Ei-
genthümlichkeit und der Charakter seiner Werke
nicht durch eine andere Behandlung als die Mozart -
sehe einen ihrer Hauptvorzüge verlieren«
3) Ganz anders verhalt es sich mit der Instru-
mentation« Diese war zu Handels Zeiten weit zu-
rück: er hatte zwar starke, aber schlechte Orchester;
wo er nicht im Texte bestimmte Aufforderung zu
reicherer Ausarbeitung von dieser Seite und zu be-
sonderer Benutzung verschiedener Instrumente für
einen ganz eigenen Effect vorfand, pflegte er gleich-
, gültig, ja oft selbst das gleichgültig zu behandeln,
was er als Nebensache betrachtete.
Hier griff Mozart ein, indem er nicht etwa nur
Verstärkungen durch Blas - Instrumente oder Aus-
füllungen durch übergangene Mittelstimmen hinzu-
setzte, sondern indem er zwar das Quartett stehen
liess, wie er es fand, und wo es unvollendet gelas-
sen war, es ganz in Händeis Schreibart vollendete \
immer aber Leas er mit bewundernswerther Kunst
und grosser Delicatesse aus den Hauptfiguren der
Stimmen für die Blas -Instrumente gleichsam einen
kleinen Staat der Anmuth mit der alten Grösse der
Kraft entstehen, und verband beyde durch gleiche
Grundgesetze aufs Engste mit einander. Wie. er
diess ins Werk gerichtet, und wie es ihm gelungen,
i
i
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■
Weiss Jedermann, der seine Bearbeitung des Händei-
schen Messias kennt. In der Idee selbst ist es hier
wie dort« Hier findet sich aber ein neuer Beweis
von des Künstlers sicherm Blicke: in der Ausfüh-
rung erscheint er hier weniger künstlich , weniger
gelehrt, mehr schmeichelnd und den Effect auf ein
gemischtes Publicum berücksichtigend, mitbin eben
so dem Charakter, dem Style und der Bestimmung
dieses Händeischen Werkes angemessen , wie es dort
dem Charakter, dem Style und der Bestimmung je-
nes angemessen war, so weit nämlich dieses, wie
dort, der Sache selbst nach hergestellt werden konnte.
Wer nicht will, dass solche Werke der vorigen Zeit*
bearbeitet werden sollen, der bedenke, dass sie dann
gar zu leicht von den Repertorien weggewiesen wer-
den, weil sich nicht Äuhörer genug finden würden;
und ferner, dass Mozart ja diese Werke in Allem,
was nur einigermaassen zu ihrem Wesentlichen ge-
rechnet werden kann, ganz unverändert liess, und
hur das Seine hinzusetzte. «**•• Man hat also neben
• • •
dem Neuen auch das Alte.
Im Jahre 1790 vollendete Mozart die Opera buffa*
Cosi fan tutte, welche er im Frühjahre dieses Jah^
res für die italienische Oper in Wien unternahm.
Man wundert sich allgemein, wie der grosse Geist
sich herablassen konnte, an ein so elendes Machwerk
von Text seine himmlisch süssen Melodieen zu ver-
schwenden. Es stand nicht in seiner Gewalt, den
Auftrag abzulehnen, und der Text war ihm aus-
drücklich aufgetragen. „ ' 1
Die Franzosen gestehen der deutschen Musik,
und an ihrer Spitze Mozarteh ; eine unbedingt ihnen
«
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*44
überlegene VortrefFlichkeit zu: eme Vortrefflich^
die von ihnen bey allen Werken dieses Componiaten
mit Bereitwilligkeit anerkannt wird, % obgleich der
Genuss derselben in ihnen mehr mittelbar durch
Verstandes -Operation, als durch unmittelbar mensch»
liehe Theiluahme sich zu erkennen giebt. Da das
Colorit dieser Composition unter allen Werken Mo-
V
zart's am meisten aus dem Verstände hervorgegan-
gen zu seyn scheint, indem der freyern romant^
sehen Behandlung durch den so witzigen Inhalt des
Textes fast allenthalben Fesseln angelegt w,orden, so
muss die Natur dieser Musik, einem französischen
Publicum auch schon desshalb mehr zusagen, . wie
viele dieser Art von seinen übrigen Arbeiten. \
Cosl fan luttc oder die Schule der Liebenden,
ist ein geniales, kunst- und ^ebenvolles Werk; sie
ist die lieblichste und scherzhafteste Musik Mazart's,
voll .Charakter und Ausdruck, Die Finale sind un-
übertrefflich. Wenn man den schlechten Text dieser
Oper betrachtet, so muss man über die Fruchtbar-
keit des Mozart'schen GenieV erstaunen, welches, fä-
hig war, ein so trockenes, einfaltiges Sujet zu bele-
ben und solche Schönheiten hervor zu bringen,
Der TürJkenkrieg und der dadurch am 20spm
Februar 1790 veranlasste Tod des unvergesslichen
Josevhs raubte auch Mo zart eu eine grosse Stütze sei-
ner Hoffnungen; er blieb Kapellmeister mit 800 iL
und ohne Wirkungskreis! •
Im Jahre 1790 reis'te Mozart zur Kaiserwahrl
nach Frankfurt. Nach Lipowsky hat er dort mit
dem Musik - Director des Fürsten von Oettingen-
Wallerstein, den er den Papa der Clarierspieler, zu
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pflegte, u«u t««
Clavier-Concert eu vier Händen gespielt« Er scheint
damals in sehr schlechten Umstünden gewesen zu seyn,
und diese Reise nur gemacht zu haben, um ihnen-
wo möglich aufzuhelfen. Aus Freundschaft nahm er
seinen Schwager Hofer. einen geschickten Orchester—
Geiger mit, der auch immer nothleidend warj die-
sem studirte er seine Quartetten ein, damit er ein
Mittel hätte, sich Etwas zu verdienen, wozu er ihm
Gelegenheit verschaffen wollte. Vom 28sten Septbr»'
schrieb er seiner- Frau von Frankfurt aus: Mein
Wagen (ich möchte ihm ein Busserl geben) ist sehr
In Regensburg speis'ten wir prächtig s wir hat-
göttlkhe Tafel -Musik, eine englische Be~
wüthung und einen herrlichen Moslerwein* Nürn-
berg ist eine hässliche Stadt: Würzburg, eine schöne
und prächtige. Ich bin fest entschlossen, meine Sa-
chen hier so gut als möglich zu machen, und freue
mich dann herzlich zu Dir. Welch herrliches Le-
ben wollen wir führen! Ich will arbeiten, so arbei-
ten, dass ich durch unvennuthete_ Zufalle nicht wie—,
der in eine solche fatale Lage komme* Der letzte
Antrag, der mir in Wien gemacht wurde, war,
dass Jemand mir auf Hofmeisters Giro Geld herge-
ben wollte — 1000 fl. haar und in Tüch. Somit könnte
Alles, und noch mit Ueberschuss bezahlt werden,
und ich . dürfte nach meiner Rückkunft nicht! als
arbeiten. Lasse dieses durch — betreiben."
Der zweyte Brief ist vom 30sten September t
„Es wäre mir Sicherheits halber recht lieb , wenn
ich auf des Hofmeisters Giro 2000 fl. bekommen?
konnte j Uli musst aber eine andere als die ^^lrklichö
36
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' 546
' -
Ursache' verwenden, nämlich: dass iqh eine Specu-
laiion im Köpfe hätte, die Dir unbewußt wäre.,
Ich werde zweifelsohne, gewiss Etwas hier machen«'.
So gross aber, wie Da und verschiedene Freunde
Bekannt und angesehen bin ich hier genug* Nun,
wir wollen sehen. Ich liebe aber in iedem Falle,
das Sichere zu spielen , darum mochte ich gern das
Geschäft mit Hofmeister machen, weil ich dadurch
Geld bekommen und nicht zurück bezahlen darf,
sondern bloss arbeiten, und das will ich ja meinem
Weibchen zu Liebe gern. Ich freue mich wie ein
m< t
Kind wieder zu Dir : zurück. Wenn die Leute , in
mein Herz sehen, könnten, müsste ich mich fast
schämen. Es ist Alles kalt für mich — eiskalt. Ja«,
wenn Du bey mir wärest, da würde ich vielleicht
an dem artigen Betrauen der Leute ce^en mich mehr
Vergnügen find«, so ist es aber so leer» •. '. ;. •'
P. S. Als ich die vorige Seite schrieb ^fiel mir
auch manche Thrane auf das Papier. Nun aber lu-
stig! Fange auf — es fliegen erstaunlich viel Bus-
serl herum. Was Teufel! ich sehe auch eine Menge
— ha ha! ich habe drey erwischt, die sind kostbar !**
. .Vomiten Novbr, ^chrieb er von München aus:
„Ich habe, ungeachtet ich gern lange bey mei-
nen alten Manheimer Freunden fCannabich.
Marchandt) bleiben möchte, i Dir zu Lieb* nu»
Tag bleiben wollen. Ich rauss aber mehrere Tage
nieinen, wen mien aer unuriurst wegen aes J^onigs
von Neapel zur Akademie gebeten Iiat, welches wirk-
lich eine Auszeichnung ist. Aber eine schöne Ehre-
r
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für den Wiener Hof, das* mich der König in frem-
den Landern hören muss ! Verzeihe, das* ich Dir
nicht so viel schreibe, als ich gern möchte, Dü
kannst Dir aber nicht vorstellen, wie das Gereisse
um mich ist."
Um diese Zeit rückte aber anch Mozart's Endo
heran; er sollte den grossen Monarchen, über wel-
chen sich Friedrich der Grosse folgendermaassen er-
klärte: „Kurs* es ist ein Kaiser, wie Deutschland
4 lange keinen gehabt hatJ" nicht lange überleben.
Das Jahr 1791, furchtbar reich an grossen Todten,
ward bestimmt, der Welt auch den Stolz der Ton- ,
kun.sL zu entreissen. Mozart's Todesjahr ist noch
durch die Schöpfung seiner Werke vorzüglich merk-
w i d i ^ • 1 1 i ol i s ci iw w o 1 1 L er n^jcli ^^or incin
- Ende die Fülle seines Geistes mit vollem Maasse in
die Nachwelt säen, arbeitete er unablässig dem gros-
sen Ziele zu, an dem er sein schönstes, vollendetstes,
allen Forderungen der Aesthetik Genüge leistendes
Werk — die Zauberflöte schuf. Die Compositiou
der Clemenza dl Tito und des furchtbar erhabenen
Requiem fallt ebenfalls in dieses Jahr. Gewiss ha-
ben diese drey Werke ihm den ersten Platz unter
den Tonkünstlern aller Zeiten und den Kranz der
Unsterblichkeit errungen, und jedem Kenner der
. Tonkunst dringt sich beym Anhören dieser Werke
unwillkürlich der Gedanke auf: Wie viel würde
*
der Mann noch geleistet, welche Harmonieen würde
er noch geschaffen haben!
Mozart schrieb nämlich innerhalb der vier letz-
ten Monate seines Lebens, wo er schon kränkelte
und awey Reisen machte i
35*
l
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548
1) Im July eine Ciavier -Cantate: Die ihr des
unerme88lichen Weltalls Schöpfer ehrt*
2) Die Zauber flöte im July; den Priestermarsch
und die Ouvertüre componirte er erst den 28&ten
September«
3) La Clemenza di Tito den 5ten September.
4) Ein Concert für die Clarinette für Hrn. Stadler.
5) Eine kleine Freymaurer -Cantate (den i5ten
November), und*
6) das Requiem, nebst noclt vielen anderen klei-
neren Sachen, die weniger oder gar nicht bekannt
geworden sind.
Schon über der ersten dieser Opern versank er,
dem Tag und Nacht gleich war, wenn ihn der Ge-
nius ergriff — durch Anstrengung öfters in Ermat-
tung und Minuten lange Ohnmacht und Bewusstlo-
sigkeit.
Die Zauberflöte componirte er für das Theater
des Schi kaue der, der sein alter Bekannter war, auf
dessen Bitte, um ihn aus seinen bedrängten Umstan-
den zu retten. Die Dichtung ist von Schikaneder
selbst, der auf diese Weise mit zur Unsterblichkeit
hinüber geschleppt wurde.
Schikaneder war nämlich, theils durch eigene
Schuld, theils durch Mangel an Unterstützung des
Publicums, ganz herunter gekommen. Halb ver-
zweifelnd kam er zu Mozart, erzählte seine Umstände
und beschloss damit, dass nur er ihn retten könnte.
JcÄ?_ Womit? —
Schreiben Sie eine Oper für mich , ganz im Ge-
schmacke des heutigen Wiener Publicums; Sie kön-
nen dabey den Kennern und Ihrem* Äuhme immer
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549
auch das Ihrige geben, aber sorgen Sie vorzüglich
auch für die niedrigen Menschen aller Stände. Ich \
will Ihnen den Text besorgen, will Decorationen
schaffen u. s. w. , Alles, wie man'« jetzt haben will —
Gut — ich wilTs übernehmen! . ,
Was verlangen Sie zum Honorar?
Sie haben ja nichts ! Nun — wir wollen die
Sache so machen, damit Ihnen geholfen, und mir
doch auch nicht aller Nutzen entzogen werde. Ich
gebe Ihnen einzig und allein meine Partitur $ geben
Sie mir dafür, was Sie wollen, aber unter der Be-
dingung, dass Sie mir dafür stehen, dass sie nicht
abgeschrieben werde» Macht die Oper Aufsehen, so
verlaufe ich sie an andere Directionen, und das
soll meine Bezahlung seyn. —
Der Herr Theater- Dir ectonr sebloss den Ver-
trag mit Entzücken und heiligen Bethenrungen. Mo-
zart schrieb emsig, schrieb brav und ganz nach dem
Willen des Mannes* Man gab die Oper, der Zulauf
war gross, ihr Ruf flog in ganz Deutschland herum,
und nach wenigen Wochen gab man sie schon auf
mehren auswärtigen Theatern, ohne dass ein Ein-
ziges die Partitur von Mozart erltalten hätte! Als
Mozart die Betrügerey dieses Menschen erfuhr, war
Alles, was er sagte: Der Lump! — und damit
war es vergessen. Durch Undankbarkeit liess sich
Mozart nicht stören; kaum Minuten lang wurde er
unwillig darüber. .
.. Die Musik der Zauberflöte hat sich mit einer .
so gewaltigen Superiorität an den Text angeschlos-
sen, dass letzterer fast ganz verschwunden zu seyn
scheint. Ihre mannigfaltigen Schönheiten verschmel-
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650
zen ohne alle schroffe Antithetik, wie die blühen-
den Farben des Regenbogens in einander, und sind
immer nur Eins in ihrem üppigen Wechsel. Den
ausgebreiteten Ruhm erwarb sich Mozart durch
diese Oper, wozu die theatralische Beschaffenheit
mit beygetragen haben mag; denn wohl nur der
kleinere Theil wusste diese Musik gehörig zu wür-
digen. Noch stehen die Zeugnisse des Enthusiasmus,
sagt Gerber, für diese Oper in allen Schriften. Aber
trotz der hundertfaltigen Bemerkungen, die man in
Zeit Ton sieben Jahren niedergeschrieben hatte, war
es doch den Wenigsten aufgefallen, dass darin von
den Priestern die ganze reine Choral ^-Melodie: Ach
Gott vom Himmel sieh darein, und lass dich doch
erbarmen etc. welche man dem Z>. Luther zuschreibt,
durch und durch gesungen wird. "Wenigstens hatte
•
noch keine der hundert Federn, die über die Schön-
heiten und Eigentümlichkeiten dieses Stücks in Be-
wegung gesetzt worden waren, diesen Umstand ge-
nau berührt, und nach so vielem Hören hatte man
diesen in ein neumodisches Opernchor eingekleideten
Choral, den jedes Kind mitsingen kann, weniger
bemerkt! Wie musste ich aufhorchen, als die ge-
harnischten Männer, unterstützt von Posaunen und
Fagotten, die alte Choral - Melodie von Wolf Heinz:
Christ, unser Herr, mm Jordan tarn etc. anstimm-
ten; da keiner der vielen Zergliederer dieser Oper
ein Wort darob hatte fallen lassen.
- Die Zaüberflöte hat nicht allein Schikaneder,
sondern auch noch andere Unternehmer vom Unter-
gange gerettet. Die Ouvertüre ist eine freye Fuge,
und ein für sich bestehendes, in sich gewundenes
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t
m
• UM
Zauberbild von höchster Meisterschaft, in Welch ei
die drey Geisterrufe der Posaunen nur verbindend
eingewebt sind, damit der Strahlenkranz des nach
'ailen Compass- Ecken springenden Brillantfeuers
der fugirten Sätee — nicht das Auge verblendet,
'sondern den in wohnen den ernsten Geist im voraus
ahnen lasst. f» • » « . • •' • •
Die Höhe der Königin; der Nacht ist ein Pro-
•bierstein für hohe Kopfstimmen ; denn melodischen
:Gesang und sanftes Tragen der Töne fand Mozart's
•Weisheit dieser racheschnaubendea Königin zu er-
theiJen nicht für gut«
Schikaneder pfuschte fast in iede seiner aufce-
führten Opern hinein, strich den Tonsetzern manch-
mal die beste Stelle weg und setzte schlechte dafür
hinzu So mussto sich auch Mozart seiner Kritik,
aussetzen, und hatte nicht wenig Verdruss auszu-
stehen. Das Duett: Bey Männern welche etc. musste
er sogar fünf Mal componiren, bis es Schikane dem
-gut genug war, ■ ■ •/ *» ■ •
Mozart, sagt Alex. Dusch, ist der Genius, der
das Zeitalter 1 des Perikles in der Musik geschaffen
»und mit seinem frühen tfode wieder geschlossen hat
Die Verleger mögen kühn bey seinen Werken die
alte unwürdige Politik verlassen und nur getrost die
Jahreszahl des Verlags beyfügen*
In allen Theilen war mir die Zauberflöte geläu-
fig, und doch bin ich bey einer neulichen Auffüh-
rung (im Jahre 1624) von dein Reize unerschöpf-
licher Neuheit ergriffen worden. Mich- überraschten
selbst die abgeleyerten Melodieen; die auf den Stras^
se nörgeln zum Ekel geworden sind! Sie grünten
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552
mir frisch an ihrer dramatischen Stelle, da ich sie
im Ganzen hörte. Welche objective Dichtung, wel-
che Darstellungskraft! Diese Töne zeichnen $ sie ge-
ben Farbe, man hört und sieht zugleich, was ünd
von -wem es geschieht: sie sind verwachsen mit .Si-
tuation und Charakter« Flies st nicht im Gesänge
des Sarastro und in den Chören der Priester die
.reinste Sprache tiefer, von aller Leidenschaft abge-
trennter Weisheit? Man kann sich nicht täuschen':
nur eine beruhigte Welt von Eingeweihten singt
solche Töne« Hört man dagegen die Königin der
Nacht, zur Hälfte schon im Gesänge ihrer verschleier-
ten Damen gezeichnet} prächtig und stolz beginnt
ihr Gesang, lockend gegen den Jüngling, den sie zu
cewinnen strebt, und mit dem Flittenrolde weibli-
eher Eitelkeit besetzt* Racheglühend, von allen Un-
stern Leidenschaften aufgewühlt, als Mutter und
Königin gebietend erscheint die: Beherrscherin der
Nacht in der zweyten Arie« Nur eine sternflam-
mende Königin kann diese Arie singen. Wie zart
und edel ist die Liebe des reinen Jünglings bey aller
Festigkeit in seiner Prüfung gezeichnet l Welch ein
Hauch der Unschuld und der Hingebung lebt in den
Tu neu der Famina! Ist nicht die ganze lebenslustige
Sinnlichkeit des Vogelfängers frisch und heiter in
seiner Melodie wieder gegeben?, Und wem passen
wohl noch sonst jene himmlischen Gesänge der Ge-
• mm an,, als diesen ätherischen Wesen! Mögen ihre
Theaturflügel ihnen noch so plump angeheftet seyn:
man hört es, wie leicht sie der Zephyr trägt, und
^löfid <S 1 0 021^ £^2^1 cl VI I3 X. lc\ 1 1 d i\ 1 1 ^ C- 1 1 i^) X 1 11 * "^^^/^l© ist C^ncjfl^
lieh über das Ganze, ein FArbe&licbt und ein zarter
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Duft gegangen, die uns in die mahrehen hafte Welt
versetzen! .7 • . • • . /
Man hat Beyspiele, dass Opern von verschie-
denen Componisten mehrmals anders, und auch von
Jedem in seiner Art verdienstlich in Musik gesetzt
-Worden» Versuche man diess einmal mit einer Mo-
zart'schen Oper ! Hier ist die chemische Affinitat
-der Töne zur Situation, zum Charakter und zu den
.Worten so cross. dass ihre Verbindung unauflöslich
t» .M o 2^di t liät den ^ciiizcii. ÄXcn s cli cn und <> cino
Lage so tief und zugleich so individuell wieder ge-
geben, dass seine Musik die einzig wahrste isty und
jede andere daher würde mehr oder weniger ein
, allgem einer Wacbtmantel für die auszudruckenden
Gefühle sevn. Man spiele ircend einen dramatischen
.Gesang Mozart's auf einem Instrumente; man wird
nicht im Zweifel bleiben, dass dieser Gesang einem
1 w * u t i tyi m t pii IVT^yi c r*Vi f>T\ in p l Ti P r Via at"! in yyi f"f*Yi T Q <ta i \ 1 1 f*T*
Handlung angehöre. Es bleibt menschliche Sprache,
selbst auf dem Instrumente* Man singe dagegen
manche Opern -Melodie sogar mit ihren Worten —
sie wird nur als Instrumental -Musik erscheinen, die
auf der Kehle gespielt wird. Es ist unmöglich, das«
Mozart das Geringste von seiner dramatischen Musik
erfunden« bevor der Charakter, die Situation und
die Worte vor ihm standen. Andere tragen den
Kopf voll Opernmusik, nur verlegen, ein Sujet da-
zu zu finden. Es giebt noch immer Leute, die im
JRrnste behaupten, die Worte hätten bey einer Oper
Nicbts zu bedeuten, und es hat mich gewundert,
dass sie sich, zum Beweiss ihrer Entbehrlichkeit für
den Hörer, nicht auf die Mozart'ächc Musik berio-
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fen ; die nöthigen Falls auch ohne Werte verständ-
lich ist, weü er die Worte gar wohl verstanden
und gefühlt hat. Aber freylich waren sie bey ihm
kein blosser Faden, um fertige Perlen daran zu rei-
hen. Eben darum sind die Mozart'schen Opern auch
so s ch wer, gut zu besetzen , weil er nicht bloss Keh-
len, sondern ganze Menschen verlangt.
Alles, was Mozart schuf, trägt den eigenthüm-
lichsten Charakter, und von seinem Ave verum Cor-
pz/s bis zum Ländlertanze ist Alles mit dem Stempel
des Genius bezeichnet. Nur wenige Jahre wirkte er,
um sich ein unsterbliches Denkmal zu errichten.
• * - . •
» M « f. .««.*« • « »
» • . L« . * • • • • * • • ■ ■ • t
i ■ Kurz vor der Krönung des Kaisers Leopold,
und ehe Mozart den Auftrag, nach Frag zu reisen,
erhielt, brachte ihm ein unbekannter Bote einen
Brief ohne Unterschrift, der nebst mehren schmei-
chelhaften Aeusserungen die Anfrage enthielt: ob
'-Mozart die Composition eines Requiem übernehmen
wolle, und um welchen Preis, und binnen welcher
Zeit er sie liefern könne?
Mozart, der ohne Vorwissen seiner Frau nicht
den geringsten Schritt zu thun pflegte, erzählte ihr
den sonderbaren Auftrag, und äusserte dabey seinen
Wunsch, sich in dieser Gattung auch einmal zu ver-
suchen, um so mehr, -da der höhere pathetische Styl
der Kirchenmusik immer sein Lieblingsstudiuin war.
Seine Frau rieth ihm zur Annahme des Auftrags,
•und* Mozart schrieb dem unbekannten Besteller zu—
-rück, dass er das Requiem für eine gewisse Beloh-
nung verfertigen «Mterde. Die Zeit der Vollendung
könne er nicht genau bestimmen, doch wünsche er
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I
»
, <55 _
den Ort zu wissen, wohin er das Tollendete Werk
abzuliefern habe. Nach einiger Zeit erschien derselbe
Bote wieder, brachte nicht nur die bedungene Be-
lohnung mit, sondern auch das Versprechen einer
beträchtlichen Zulage bey Uebergabe der Partitur,
da er mit seiner Forderung so billig gewesen sey.
Uebrigens solle er ganz nach der Laune seines Gei-
stes arbeiten. Doch solle er sich gar keine Mühe
£eben, den Besteller zu erfahren, indem es gewiss
umsonst seyn werde,
Während dem erhielt Mozart den ehrenvollen
und vortheilhaften Antrag, für die Prager zur Kro*-
nung des Kaisers Leopold die Opera seria: La C/e-
_ tnenza di Tito zu schreiben*
Eben als er mit seiner Frau in den Reisewagen
stieg, stand der Bote gleich einem Geiste wieder da,
zupfte die Frau am Rocke und fragte: „Wie wird , -
es nun mit dem Requiem aussehen?" Mozart ent^
schuldigte sich mit der Nothwendigkeit der Reise
und der Unmöglichkeit, seinem unbekannten Herrn
davon Nachricht geben zu können; übrigens werde
es bey seiner Zurückkunft seine erste Arbeit seyn 5
es käme nur auf den Unbekannten an , ob er so lange
warten wolle: und damit war der Bote gänzlich be- '
friedigt. Die Musik zur Clemenea di Tito war von fj .* * \
den böhmischen Ständen zur Krönung des Kaiser. .
Leopold bestellt, nach dem Texte des Metastasio aber
abgekürzt. Die Arbeit dieser Oper begann er in seir
nem Reisewagen auf dem Wege von Wien nach Prag,
und vollendete sie in achtzehn Tagen in Prag. Schon
in Prag kränkelte und medicinirte Mozart unaufhör- ;
hörlich. Seine Farbe war blass und sein Blick matt • ;
■ * • .
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556
und traurig, obschon sich «eine frohe Laune im
Zirkel vertrauter Freunde noch oft in fröhlichem
Scherz ergoss.*
Man scheint in Prag erst spät an diese Oper ge-
dacht zu haben , denn die Zeit zur Bearbeitung der-
selben war so kurz, dass Mozart die unbegleiteten
davon gefertigte Nummer, so bald sie fertig war,
ßocleich in Stimmen aussetzen lassen musste. damit
zu rechter Zeit das Ganze fertig war. Somit sah
aich Mozart gezwungen, entweder ein mittel massiges
Ganzes zu liefern, oder nur die Hauptsätze sehr gut,
nnd die minder interessanten leicht hin und bloss
dem Zeitgeschmacke des grossen Haufens
bearbeiten. Die Wahl selbst war leicht. Einen Be-
weis für die Richtigkeit seines Geschmacks und für
seine Kenntniss des Theaters und des Publicum s legte
er dadurch ab, dass er die sehr gedehnte Verwech-
selung, welche bey Metastasio fast den ganzen zwey-
ten Act füllte, wegschnitt, wodurch die Handlung
einen raschern Gane bekömmt, das Ganze melir
concentrirt und dadurch weit interessanter in zwey
massig langen Acten vollendet wird, jedoch so, dass
er auch, um mehr Mannigfaltigkeit in die einför-
migste Abwechselung von Arien und Recitativen zu
bringen, mehre dergleichen Sätze gegen das Ende .
des ersten Actes zusammenschmolz, und daraus das
grosse Meisterstück, das Finale des ersten Actes bü%
,dete — eme Compositum, die im Ganzen zwar nach
einer Scene seines Idomeneo angelegt ist, aber Mo-
zart's Shakespear'sche allmächtige «Kraft sowohl im
Grossen und Prachtvollen, als auch im Schrcddichen.
<
»
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so bis mm Haar -Emportreibenden darlegt, als kaum
das berühmte Finale des ersten Actes seines Don Juan«
Um aus La Clemenza di Tito eine wahrhafte Oper
zu machen, musste er also das ganze Werk umge-
stalten, was er mit aller poetischen Willkürlichkeit
that, die ihm zu Gebote stand« Dieser Titus, der
bey dem Dichter eine verschwimmende Weichlich-
keit, ja, streng genommen, nicht eine Person, son-
dern eine blosse Sache ist, erhält von der Musik
hier den Charakter sanfter Liebenswürdigkeit« Die
im Stücke selbst schon einigen Anlauf machende
Vitellia, um sich zur Erhabenheit zu steigern, die
ihr aber missglückt, wird als solche rein und kräf-
tig dargestellt $ und die als alltägliches Stück und
nur halb verwischt angedeutete Freundschaft zwi-
schen Sextus und Annius erhebt sich hier schon im
Duette des ersten Actes zu einer idealischett Zartheit.
Allenthalben findet sich namenloser Zauber, der wie
ein leichter Blüthenhauch aus dem Lande: „wo die
Zitronen blühn," über dem Ganzen schwebt. Alles
einigt und bildet und vollendet sich in sich selbst.
Wie in Göthe's Torquato Tasso , mit dem sich die-
ses Mozart'sche Kunstwerk wohl vergleichen lassen
1, ist hier die Synthese so rein und beschlos-
1, dass der Kritiker kaum wagen darf, zu analy-
siren. Ihm bleibt nur übrig, zu sagen, dass jede
Analyse sich damit enden müsse, dass der Künstler
nicht analysirt habe. Es war diess somit für Mozart
gewiss ein sehr gewagtes Unternehmen, da das Ganze
so gebrechlich war, welches umzuschaffen er sich
aufgab. Bey Allem dem schrieb Mozart den Titus
»
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bey hinschwindenden Kräften, denn sein Genius war
im Abnehmen begriffen, und mit seinem siechenden
Körper musste die Energie seines Geistes um so mehr
ermattem Daher schreibt sich die einzelne Instru-
mental-Begleitung, die stille Erhabenheit und Schwer-
muth in den Melodieen und dem Charakter des Ti- -
tus, und daher auch die Umschaffung der von Me-
tastasio gestaltete» drey Acte der Oper in zwey von
Mozart, der sonst so gern componirte, sich über
Alles verbreitete und allenthalben die Schatze seines
Genie's verschwenderisch austheiltej denn in seinem
musikreichen Don Juan componirte er nach Ferti-
gung des Ganzen dennoch ein halbes Dutzend Stücke
nach, so dass man kaum weiss, wie man sie bey der
Vorstellung unterbringt; und hier im Titus strich er
einen ganzen Act! — Ja« er schmolz nicht allein den
ersten und dritten Act wohl oder übel an einander,
sondern er liess auch die dialogisirenden Recitativ©
von seinem Schüler Süssmavr fertigen«
► * • r • > •
Diese Oper, die jetzt noch immer mit dem gröbs-
ten Entzücken gehört wird, gefiel bey ihrer ersten
Vorstellung nicht so sehr, als sie es verdiente. Ein
Publicum, von Tanz, Ball und Vergnügen aller Art
und dem prunkenden Geräusche des Krönungsfestes
betäubt, konnte unmöglich für die einfachen Schön-
heiten Mozart'scher Kunst Sinn haben. Ueberhaunt
erfordert der Genuss dieses Kunstwerkes eine rein-
gestimmte Seele und ein vollkommen ruhiges Ge-
müth, es wirkt nur nach und nach, und nur wie-
derholtes und aufmerksames Hören weihet alimähüg
in seine erhabenen Mysterien ein«
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I
559
— ...
V
Beym Abschiede in dem Zirkel «einer Freunde
war Mozart so wehmüthig, das« er Thränen vergoss*
es schien ein ahnende« Vorgefühl «eine« nahen Tode«
diese schwermüthige Stimmung hervorgeoracht zu
hüben — - denn er trug schon damals den Kleina der
ihn bald hinraffenden Krankheit in «ich.
Hierher gehören noch einige Anekdoten und
Charakterziige Mozart'« während seine« Aufenthalt«
in Prag. s
Als Mozart 1787 die erste Probe von seiner Oper
Don Juan hielt, liess er bei den Stellen des Comen-
datore: Di rider finirai, etc und: Ribaldo audace
etc., welche bloss mit drey Posaunen begleitet waren,
inne halten, weil einer von den Posaunisten seine
«
Stimme nicht richtig vortrug. Da es nach wieder-
holtem Versuche noch nicht besser ging, verfügte
sich Mozart zu dessen Pulte und erklärte ihm, wie
er es ausgeführt zu haben wünschte, worauf dieser
ganz trocken antwortete: „Das kann man nicht so
blasen, und von Ihnen werd' ich es auch nicht erst
lernen." Mozart erwiederte lächelnd: Gott bewahre
mich, Sie Posaune lehren zu wollen: geben Sie nur
die Stimmen her, ich werde sie gleich abändern.
Er tliat diess und setzte auf der Stelle noch zwey
Hoboen, zwey Clarinetten und zwey Fagotten dazu.
- Mozart, wahrend er 1791 die Krönung« -Oper:
TM CUmenza. di Tito schrieb besuchte fast tätlich
mit seinen Freunden, ein unweit «einer Wohnung
gelegene« Kaffeehau«, um mit; Billardspielen sich zu
zerstreuen. Man bemerkte einige Tage lang, das«
er während dem Spielen ein Motiv ganz leise für,
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sich mit: hm hm hm sang, mehrmals während der
Andere spielte, ein Buch aus der Tasche zog, flüch-
tige Blicke hineinwarf und dann wieder fortspielte«
Wie erstaunt war man, als Mozart auf einmal sei-
nen Freunden in Duschek's Hause das schöne Quin-
tett aus der Zauherflöte zwischen Tamino , Papageno
und den drey Damen, das gerade mit demselben
Motive beginnt, welches Mozarten während des
Billardspielens so beschäftigt hatte, auf dem Claviere
.vorspielte. Nicht nur ein Beweiss von der immer-
währenden Thätigkeit seines schöpferischen Geistes,
die selbst mitten in Vergnügungen und Zerstreuun-
gen nicht unterbrochen wurde, sondern auch von
der Riesenkraft seines Genie's, das so verschie-
denartige Gegenstände zu einer und derselben Zeit
zu bearbeiten vermochte. Bekanntlich hatte Mozart
die Zauberflöte schon unter der Feder, bevor er
nach Prag reis'te, um da La Clemenza di Tito zu
componiren und aufzufuhren.
Von dem ausserordentlichen Gedachtnisse, das
Mozart besaass, dürfte Folgendes einen Beweis lie-
fern. Zu dem Finale des zweyten Actes zu Don
Juan schrieb er die Trompeten - und Paukenstimmen,
ohne die Partitur vor sich zu haben, bloss aus dem
Gedächtnisse, brachte sie selbst in das Orchester und
gab sie den betreffenden Individuen mit den Wor-
ten: »Ich bitte Sie, meine Herren, bey dieser Stelle
besonders au&nerksam zu seyn; denn, es werden
entweder vier Tacte zu viel oder zu wenig seyn.
Und richtig, es traf ein, dass bey der angezeigten
Stelle diese Instrumente mit den übrigen nicht über-
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I
I
I
■
Mozart ward vom Grafen P** ersucht, ßr die
adeligen Gesellschafts- Bälle, welche derselbe leitete, I
einige Contratänze zu schreiben» Er versprach es»
allein es wollte immer nichts erfolgen. Der Graf
gebrauchte daher die List und liess Mozart zu
Tische laden,mit dem Bedeuten, dass diess Mal eine j
Stunde früher als gewöhnlich würde gespeis't wer-
den. So wie Mozart zur bestimmten Zeit erschienen ;
war, liess der Herr vom Hause sogleich die erfor-
derlichen Schreibmaterialien bringen , und drang aufs
Neue in ihn, seine Bitte, für den Ball, der den fol-
genden Tag statt finden sollte, zu erfüllen. Mozart* *
auf diese Weise in Anspruch genommen , setzte sich
ohne weiteres zum Schreibepult, *nd war In weni-
ger als einer halben Stunde mit vier Contratänzen
für das grosse Orchester fertig. . <
Im Jahre 1787 componirte Mozart während des
Kegelspiels in dem vor der Stadt gelegenen Garten
seines Freundes Duschek mehre Stücke zu der Oper
Don Juan. Wenn die Reihe des Spiels ihn traf,
stand er auf; allein kaum war diess vorüber, so
arbeitete er sogleich wieder fort, ohne durch Spre-*
chen und Lachen derer, die ihn umgaben, gestört
zu werden.. ** . •
Im Jahre 1791 war mit Mozart zu gleicher Zeit
der Ciavierspieler W** in Prag r Um sich da auf
dem Pianoforte hören zu lassen* Als man Mozart
den Concertzettel, worauf derselbe als sein Schüler
angekündigt war, überreichte, sagte er: ,*Der jung©
Mann spielt recht brav, aber ich habe keinen An-
theil daran; vielleicht hat er von meiner Schwester
Etwaa profitirt/«
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662
Ab Mozart zu Prag im Gasthofe, das neue?
Wirthshaus genannt, wohnte, hörte er da einen
fertigen und allgemein beliebten Harfenisten, der die
Gäste mit den Favoritstücken aus der so beliebt ge-
wordenen Oper Le Nozze di Figaro und eigenen
Phantasieen, obschon er nicht nach Noten spielte,
zu unterhalten pflegte. Mozart Hess ihn auf sein
Zimmer kommen und spielte ihm ein Theme auf
dem Pianoforte vor, mit der Frage: Ob er wohl
im Stande wäre, über dasselbe aus dem Stegreife
Variationen zu machen? Dieser besann sich eine
kleine Weüe, bat Mozart, ihm das Theme noch
ein Mal vorzuspielen, und variirte dasselbe wirklich
mehre Male, worüber Mozart seine Zufriedenheit
äusserte und ihn sehr reichlich beschenkte. Da die-
ses Theme, welches Mozart wahrsdieinlich auf der
Stelle erfand, bis jetzt nirgends als in dem Gedächt-
nisse dieses nunmehr bejahrten Harfenisten aufzu-
N finden war , so entriss ein eifriger Verehrer Mozart's
es der Vergessenheit dadurch, dass er es in Noten
übertrug, uud somit sein Daseyn fUr immer sicherte.
Der Besitzer bewahrt es wie das kostbarste Kleinod.
Beweise von Liebe und Verehrung erhielt Mo-
zart häufig und aller Art. G. R. S * * kannte per-
sonlich einen reisenden Virtuosen auf der Harfe,
eine» innigen Freund und Verehrer Mozart's. Als
dieser auf seiner Kunstreise von dem Tode Mozart's
in Kenntniss gesetzt wurde, zerschlug er seine Harfe,
und kam ohne Instrument, und mit dem Vorsatze
nach Wien zurück, die Musik ganz zu verlassen, da
er sie durch Mozart's Tod ohnediess für verloren
hielt. Nur nach längerer Zeit und aufgedrungener.
Digitized by Google
, 563
Weise nahm er eine andere ihm geschenkte Harfe
an, und spielte einmal in einem Privatzirkel.
Nach Mozart's Zuriickkunft von Prag nach Wien *
nahm er sogleich seine Seelenmesse vor, und arbei-
tete mit ausserordentlicher Anstrengung und einem
lebhaften Interesse daran; aber seine Unpässlichkcit
nahm in demselben Verhältnisse zu und stimmte ihn
zur Schwermuth. Mit inniger Betrübnis« sah seine
Gattin seine Gesundheit immer mehr hinschwinden.
Als sie eines Tages an einem schönen Herbsttage mit
ihm in den Prater fuhr, um ihm Zerstreuung zu
verschaffen, und sie Beyde einsam saassen, fing Mo-
zart an vom Tode zu sprechen, und behauptete, dass
er das Requiem für sich setze. Dabey standen ihm
Thränen in den Augen, und als sie ihm den schwar-
zen Gedanken auszureden suchte, sagte er: Nein,
nein, ich fühle mich zu sehr, mit mir dauert es
nicht mehr lange: gewiss, man hat mir Gift ge~
geben! Ich hann mich von diesem Gedanken nicht
/ostyinden*
Zentnerschwer fiel <üese Rede auf das Herz sei-
ner Gattin 5 sie war kaum im Stande, ihn zu trösten
und das Grundlose seiner schwermü'thigen Vorstel-
lungen zu beweisen. In der Meinung, dass seine
Krankheit mehr wachse und die Arbeit des Requiem
ihn zu sehr angreife, consultirte sie einen Arzt und
nahm ihm die Partitur des Requiem weg. // ^
Wirklich besserte sich sein Zustand etwas, und
er war während dessen fähig, am I5ten November
1791 eine kleine Cantate : Das Lob der Freundschaft,
die von einer Gesellschaft für ein Fest bestellt wurde,
36*
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•
zu fertigen. Die gute Aufführung derselben und der
grosse Beyfall, mit dem sie aufgenommen wurde,
gab seinem Geiste neue Schnellkraft. Er wurde nun
etwas munterer und verlangte wiederholt sein Re-
quiem, um es fortzusetzen und zu vollenden« Seine
Frau fand nun keinen Anstand, ihm seine Noten
wieder zu geben. Doch kurz war dieser hoffnungs-
volle Zustand 5 in wenig Tagen verfiel er in seine
vorige Schwermuth, wurde immer matter und schwä-
cher, bis er endlich ganz auf das Krankenlager hin-
sank, von dem er, ach! nimmer wieder aufstand.
Jj Am Tage seines Tocjes Hess er sich die Partitur
des Requiem an sein Bette bringen. ,JFIab? ich es
nicht vorher gesagt, dass ich diess Requiem für
mich schreibe?" so sprach er, und sah noch einmal
das Ganze mit nassen Augen aufmerksam durch. Es
war der letzte schmerzvolle Blick des Abschiedes
von seiner geliebten Kunst — eine Ahnung seiner
Unsterblichkeit« Man hätte Mozart sterbend malen
aollen, die Partitur des Requiem in der Hand.
Schade, dass aber dann sein Alter nicht durch das
Gemälde versinnlicht werden konnte.
Sein Tod erfolgte zu Mitternacht am 5ten De-
cember 1791.
. Mozart blieb während seiner Krankheit bey voll-
kommenem Bewusstseyn bis an sein Ende; er starb
zwar gelassen, aber doch sehr ungern. Jedermann
wird diess begreif lieh finden« wenn man bedenkt,
dass Mozart, als er von Prag zurück gekommen war,
das Anstellungs-Decret als Kapellmeister an der St.
Stephanskirche, mit allen Emolumenten, die von
«
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565
"
Alters her damit verbunden waren, bekam, und zu-
gleich, ausser seinen für das Wiener und Prager
Theater bestellten Arbeiten, aus Ungarn und Am-
sterdam ansehnliche Aocorde auf periodische Liefe-
rungen, und hiermit eine frohe Aussicht in eine von
Nahrungssorgen gänzlich freye Zukunft erhielt.
Allein zu spät! Schon fühlte er die Abnahme
seiner Kräfte. Und diess ging wohl sehr natürlich
zu, ohne dass man, wie er selbst, den Grund in ei> <
haltenem Gifte zu suchen brauchte. Er war eine
früh gereifte Frucht, deren Existenz nur kurz dauert.
In dem zarten Alter, wo die Natur noch am Her-
■ • • i
vorbringen und Sammeln der Lebensgeister arbeitet,
hinderte er ihr Geschäft nicht nur durch sitzende
Lebensart, sondern consumirte auch schon anhaltend
einen Theil der Lebensgeister durch ununterbroche-
nes Componiren. Auch beschleunigte diese Begierde
zu schreiben noch seinen Tod, wozu seine Celebritat
nur zu vielen Anlass gab. Wie war einem von Na-
tur schwachen und durch Krankheit zerrütteten Kör-
per möglich, eine Anstrengung wie die der letzten
vier Monate zu überstehen? Und nicht etwa mit so
leichten Partituren wie Pergolesi und Hasse, sondern
in seiner Manier, mit reicher, voller Behandlung
der Stimmen etc*
Dieses sonderbare Zusammentreffen so glücklicher
Vorboten eines bessern Schicksals, seine gegenwärti-
gen traurigen Vermögensumstände, der Anblick einer
trostlosen Gattin, der Gedanke an zwey unmündige
Kinder: Alles dieses war nicht geeignet, einem be-
wunderten Künstler, der nie Stoiker gewesen ist, in
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35sten Jahre die Bitterkeit des Todes, zu ver-
t>Eben jetzt," so klagte <*r oft in «einer
Krankheit, „soll ich fort, da ich ruhig leben würdet
Jetzt meine Kunst verlassen, da ich nicht mehr als
Sclave der Mode, nicht mehr von Speculanten ge-
fesselt, den Regungen meiner Empfindungen folgen,
frey und unabluingig schreiben könnte, was mein
Herz mir eingiebt! Ich soll fort von meiner Fa-
milie, von meinen armen Kindern, in dem Augen-
blicke, da ich im Stande gewesen wäre, für ihr
Wohl besser zu sorgen!"
» ,
Man kann sagen, um Mozart flössen unzählbare
Thränenj nicht in Wien allein, vielleicht mehr noch
in Prag, wo man ihn vorzüglich liebte und bewun-
derte. Jeder Kenner, jeder Freund der Tonkunst
hielt seinen Verlust für unersetzlich, und wahrlich,
bis jetzt hat man nicht Ursache, diese trostlose Mei-
nung zurückzunehmen! Es schien unglaublich, das«
der allmächtige Schöpfer der erhabensten Harmo—
nieen, der unseren Herzen so reine Entzückungen
geschaffen hat, ins alte Nichts zurückgekehrt seyn
sollte.
Gleich nach seinem Tode meldete sich der ge-
heimnissvolle Bote, verlangle das Werk, so wie es
unvollendet war, und erhielt es. Von dem Augen-
blicke an sah ihn die Wittwe nie mehr und erfuhr
nicht das Mindeste, weder von der Seelenmesse, noch
von dem unbekannten Besteller. Jeder Leser kann
sich leicht vorstellen, dass man sich alle Mühe cab
den räthselhaften Boten auszuforschen, aber alle
Mühe und Versuche waren fruchtlos. ,1
667
Ein Anonymer stellt Mozarl's frühes Ende auf
folgende Weise dar: *)
„Mozart's Geist entwickelte sich früh — «ehr
früh, und erreichte in den Jahren schön einen gros-
sen Grad von Vollkommenheit, "wo hey andern ge-
wöhnlichen Menschen sich kaum der Funke des Ta-
lents zeigt. Er blühte früh, trug frühzeitig Früchte
und welkte früh« •
Betrachten wir sein Leben, sein ausserordentlich
thatiges Leben, die Menge seiner Compositionen, die
für den kurzen Zeitraum unglaubliche Menge von
Compositionen: welches Anstrengen der Einbildungs-
kraft, welches ewige Reiben seines Geistes, welche
Exaltation seines Gehirns! Welch ein ununterbro-
chenes Aufreiben seiner Lebenskraft ! Mit einem
Worte: sein ganzes Leben war — Lebens - Consum-
tion. Die Gelehrten -Geschichte zeigt uns eine Menge
grosser Geister, die sich — selbst aufzehrten.
Es giebt eine Menge Componisten, die bey einer
Menge Compositionen sehr alt werden und gesund
bleiben, wie Jos. Haydn, der Greis Piccini, Paesiello ;
— aber ihre späteren Compositionen sind immer nur
Nachahmungen ihrer Jugend werke, also längst ver-
brauchte Gedanken, die einander immer gleichen;
so verläugnet sich Haydn und Paesiello fast bey kei-
nem seiner Stücke. Man hört immer seine Lieblings-
gänge, die Schöpfung in seinen Messen und seine
•
ginell, wie ewig neu ist er! Kein Werk gleicht dem
•) Moüarfs Geist, seine kurso Biograpliio und a'stheti«* he Dar-
stellung seiner Werke. Erfurt, x8o3.
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568
l, mau überblicke *ie alle. Jede« tragt das Ge-
präge einer neuen Originalität ! Die Entführung aus
dem Serail ist etwas ganz Anderes , als die Clemenza
di TitQ, die Zauberflöte etwa^ Andres als der Dön
Juan, die Messe aus Cit hat mit dein Requiem nicht
die entfernteste Aehnlichkeit, und seine älteren Werke
überhaupt halten gar keine Vergleichung mit den
neueren aus, sie scheinen von einem ganz andern
Meister verfertigt. Jedes «einer Werke trägt ein
edles Gepräge im AWgeineiiien, aljer es Charakter isirt
sich wieder vor a}Jeu übrigen so, als hätye es einen
eigenen Verfasser, Bey diesem beständigen Haschen
und Ringen nach ewig neuen Ideen, bey diesem Sin«?
nen und Rechnen , bey dieser übermenschlichen An-
spannung der Einbildungskraft, war denn etwas An-
deres denkbar, als frühe Zerstörung seiner organi-
schen Thätigkeit?*) Man höre die erstaunlicheZau-
berflöte, die ( I nenza di Tito und das Requiem — -
und sage sich: diese Menge Musik schuf er in vier
Monaten, und in dieser Zeit machte er auch noch
zwey Reisen! Man lege die dicken Partituren über
einander -r- welch Volumen! — Man durchblättere
eie welche ungeheure Menge Noten! Wie war
es möglich, dass sie der Mann in der kurzen Zeit
— — » - -
•) Momart schrieb Alles mit einer Leichtigkeit und Geschwirr
digkeit, die wohl beym ersten Anblicke Flüchtigkeit oder
Uebereilung scheinen konnte: er kam während des Schrei-
ben, nie *um Claviere. Seine Einbildungskraft stellte ihm
das ganze Werk mit seinem Effecte deutlich, lebhalt dar.
Er hörte klingen, schmettern, pauken, wahrend er schrieb.
Selten triflt man in seinen Mauuscripten ausgestrichene
yerhesserte Stellen au, Sek* Coaoopte sind at
lieh rein, fc
nur schreiben konnte ! Und gleichwohl ist jede die-
ser Myriaden von Noten überdacht, überrechnet,
genau überrechnet , seinem gehörigen Instrumente
zugetheilt, in seinen Schlüssel gesetzt, ihr Effect be-
stimmt — ach, und was Alles noch mehr! — Stu-
dirt die Werke, Hu? jungen Tonkünstler, und er-
staunt I <*- Man weiss, dass die schauerlich schöne
Ouvertüre des Don Juan ein Werk von vier Stun-
den ist! — Das bestandige Sitzen, das Arbeiten in
die späte Nacht,*) die Geistes -Anstrengung abge-
rechnet, musste seinem Körper an sich schon, scha-
den, seine geistige Thätigkeit konnte nur auf Kosten
seiner köroerlichen bestehen«
Dabey twar er Ehemann, zeugte vier Kinder,
pflegte der Liebe treulich, und auch ausser der Ehe
gab es manohe Galanterie, was ihm seine gute Frau
gern übersah. Noch mehr, er sprang von einem
Extreme zum andern. Er hatte keine fixe Besoldung
und war, was bey Dichtern und Virtuosen gewöhn-
lich der Fall ist, kein guter Wirtli, verstand sich
nicht auf den Verdienst, wusste das Geld nicht auf
Wochen und Monate einzutheilen, er kannte seinen
Werth gar nicht. Oft musste er bey anhaltender
Arbeit mit Frau und Kindern darben, war der Im-
pertinenz mahnender Gläubiger ausgesetzt« Kamen
nun einmal einige Rollen Louisd'or, schnell änderte
sich die Scene. Jetzt ging's in Freuden. Mozart be-
trank sich in Champagner und Tokayer, lebte locker
— ■ . . •
•) Noch ?tla Ehemann brachte er halbe Nachte am Claviero tu.
und seine mehreaten Compoaitionen sind in der Nacht gear-
beitet, wo die Sinne durch keine Susseren Eindrücke ter-
atreut werden , die Einbildung thütigcr wirkt.
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o70
— — — — —
und war in wenig Tagen mit seinem Gelde so weit
Wie vorher.
Man weiss, wie er oft in «eine Gesundheit
stürmte, wie manchen Morgen er mit Schickaneder
verchampagnerte, wie manche Nacht er verp mischte
und nach Mitternacht gleich wieder an die Arbeit
ein cu ohne die mindeste Erholung seinem Körper
zu gönnen. u .• . .. .
Ich frage hier jeden Arzt, wa» die Folgen einer
solchen Lebensart sind ? Man braucht hier kein Gift,
keinen geheimnissvollen Boten, keinen feinen Staub
im Briefe, kein Requiem; — seine Kräfte waren
aufgerieben, die organische Thätigkeit durch lieber-
wiegen der Geisteskräfte zerstört, es musste Aus-
mergelung seines Körpers, Vertrocknung (Tabes
dor salin, Phthisis nervosa) noth wendiger Weise er-
iolgen«
Dass die Umstände bey der Compositum des
Requiem viel dazu beygetragen haben, seine ge-
■
schwächten Kräfte durch äusserste Aufspannung
vollends zu erschÖufen. die Einbildung bis zur
Schwermuth bey ihm, der Geister sieht und sich
von Allem überzeugt hält, was ihm scheint, zu
w ti^?x^5 j^^txx xi^?ia y ci x 3 i & t t^^?^^ c 1 1 1 c* x xi & ^) f 1 1 x ^3 ^S^XXt^J tÄiJfl
Organismus, wie der Mozart'sche war, gar keinem
Zweifel unterworfen, und man braucht da keine
vergifteten Briefe, einen solchen unglücklichen Geist
aus seiner Hülse zu jagen« Wenn man erst einmal
so weit zur Schwermuth herabgestimmt ist, bedarf
es gewiss nur noch eines kleinen Hebels«
Die Klrankheits - Geschichte Mozart's beweis't
Nichts für eine Vergiftung. Sollte er durch Gift
\
I
571
geopfert werden, so musste dies« auf zwey Wegen
geschehen: schnell oder langsam. Schnell ist es
nicht geschehen; und langsam vergiftet, hätte er
ganz andere Zufalle haben müssen.
Mozart hatte zwar, wie jeder grosse Künstler,
eine Menge Feinde, zumal unter den italienischen
Operisten, die freylich gewahren mussten, dass mit
Mozart's Emporkeimen ihr welscher Singsang zu
Grabe gehen werde. Man weiss, welche Mühe sie
sich gaben, den Figaro zu verhunzen, dass sie auf
Mozart's Bitten beym Kaiser, durch dessen aus-
drücklichen Befehl zwischen dem ersten und zwey-
ten Acte angehalten werden mussten, bey Ungnade,
den Gesang gehörig vorzutragen. Allein, wollten
sie Mozart aus dem Wege räumen, so durften sie
nicht so lange warten, bis er mit seinen übrigen
Geistesprod ueten ihrem Charivari den letzten Gna-
denstoss gegeben hatte; sie mussten rascher zu Werke
schreiten.
Noch mehr, er kränkelte schon in Prag, ehe er
an dem Requiem arbeitete, er sah blass und traurig
aus und medicinirte. Seine bevorstehende Auflösung
war also schön damals in seinem Körper vorberei-
tet — *■■ die Anstrengung über dem Requiem konnte
sie mithin nur befördern.
Der Gedanke der Vergiftung war gewiss ein
blosses Spiel seiner Einbildung. — Ja sogar sein
Todesjahr (das 35ste) zeigt mehr für Schwindsucht«
In diesen Jahren sterben bekanntlich die mehresteil
jungen Leute an der Schwindsucht. Wenn die?
Aerzte gleich über seine Krankheit nicht ganz einig
waren, so folgt noch immer nicht daraus, dass er an
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Vergiftung starb; die Schwindsuchten selbst gestal-
ten sich verschieden und dann auch ihre Symptome«
Mozart ist nicht der erste , der an den Folgen aus-
serordentlicher Anstrenfrunp starb."
*. * *••««• •» •••• I | Iii <i .
Seine Todeskrankheit, wo er bettlägerig wurde,
währte 15 Tage. Sie begann mit Geschwulst an
Händen und Füsseu und einer beynahe gänzlichen
tjnbeweglichkeit; derselben , der später plötzliches
Erbrechen folgte, welche Krankheit man ein hitziges
Frieselfieber nannte. Bis zwey Stunden Vor seinem
Verscheiden blieb er bey vollkommenem Verstände;
das Gefühl seines bevorstehend en Todes und seine
Betrübniss, Ifrßu und Kinder unversorgt zu hinter-
lassen, verdreyfachte wohl' die Marter seiner Krank-
heit« Baron van Swieten kam gleich nach seinem
um mit der Wittwe zu weinen, die sich in
ihres entschlafenen Mannes Bett gelegt hatte, um
angesteckt zu werden und mit ihm zu sterben. Da-
mit sie sich aber nicht ihrer Verzweiflung überliesse,
brachte man sie zu Hrn. Bauernfeind, dem Associ6
Schikaneders, und dann zu Hin. Goldhann.
. j. Der Tod Mozarts erregte öffentliche Th eil nähme.
Am Sterbetage selbst blieben viele Leute vor seiner
Wohnung stehen und gaben ihre Theilnahme auf
mancherlei Art zu erkennen. Schikaneder ging her-
um und schrie laut auf : Sein Geist verfolgt mich
immer vor meinen Augen.
; Immer war Mozart's Gesundheit, die in der letz-
ten Zeit sichtlich dahinschwand, sehr zart gewesen,
und wie alle Menschen von weichlichem Gemüt he,
so fürchtete auch er den Tod sehr.
i
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573
•
Ein Brief seiner Schwägerin Sophie, de» Toch-
v tet seiner Schwiegermutter, sagt Folgendes: . ,
Mozart bekam unsere selige Mutter immer lie-
ber, und' sie ihn auch. Daher kam er zu uns oft
auf die Wieden in Eile gelaufen mit Päckchen von
Kaffee und Zucker unter dem Arme, und sagte bey
der Ueberreichung : Hier, liebe Mama, haben Sie
eine kleine Jause (Collation). Er kam niemals leer
zu uns. Als er erkrankte, machten wir ihm Nacht-,
leibel, um sie vorwärts anzuziehen, weil er wegen
Geschwulst sich nicht drehen konnte? und weil wir
nicht wussten, wie schwer krank er War, machte»
wir ihm auch einen wattirten Schlafrock für die
Zeit, dass er wieder aufstünde. Er bezeugte über
denselben eine herzliche Freude. Ich besuchte ihn
alle Tage. Einmal sagte er zu mir: vermelden Sie>
der Mama, dass es mir recht sehr gut geht, und
dass ich noch in der Octave kommen werde, ihr
zum Namenstage Glück zu wünschen» Den folgen-
den Tag eilte ich daher nicht hin, und ging erst
Abends weg. Wie erschrak ich, als meine halb ver-
zweifelnde und doch sich so moderirende Schwester-
in der Thüre mit den Worten mir entgegen kam : Gott
Lob, dass Du da bist. Heute Nachts ist er so hranh
gewesen, dass ich schon dachte, er erlebe diesen.
Tag nicht! Wenn er heute wieder so wird, so
stirbt er die Nachts gehe tu Um, und siehe, was
er macht. Als ich mich seinem Bette näherte, rief,
er mir zu: Gut, dass Sie da sind: heute Nacht,
bleiben Sie bey mir: Sie müssen mich sterben sehen. t
Ich machte mich stark und wollte es ihm ausreden.
Allein er erwiederte mir: Ich habe ja schon
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*
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den Todtengeruch auf der Zunge, ich rieche den
Tod, und wer wird meiner Constanze beistehen,
wenn Sie nicht bleiben? Nur einen Augenblick zu
meiner Mutter, der ich Nachricht versprochen habe;
sie möchte sonst denken, ein Unglück sey geschehen.
Als ich zu meiner trostlosen Schwester kam, war
Süssmaier bey Mozart am Bette. Auf der Decke
P lag das Requiem, und Mozart explicirte ihm, wie
«eine Meynung sey, dass er es nach seinem Tode
rollenden sollte« Ferner trug er seiner Frau auf,
den Tod geheim zu halten, bis sie Albrechtsbergern
davon benachrichtigt hätte, denn diesem, sagte er,
gehört mein Dienst vor Gott und der Welt. (Sein
Wille wurde auch befolgt, denn Albrech tsberger er-
hielt den Dienst.) Als sein Arzt D. Closset kam,
verordnete er noch halte Umschlage auf den heissen
Kopf, welche Mozart so erschütterten, dass er
nicht wieder zu sich kam, bis er verschied. Sein
Letztes war noch, wie er mit dem Munde die Pau-
ken im Requiem ausdrücken wollte und er seine
Backen aufbliess. Nach seinem Tode kam Müller,
der Eigenthümer des Kunstcabinets (eigentlich Graf
Deym), und drückte sein bleiches erstorbenes Ge-
sicht in Gyps ab. Meine Schwester warf sich auf
die Kniee, um zu beten. Sie konnte sich von ih-
rem Manne nicht trennen, so sehr ich sie auch bat.
Wenn ihr Schmerz noch zu vermehren gewesen
Ware, so musste es dadurch geschehen, dass der nach
dieser schauervollen Nacht folgende Tag die Men-
schen schaarenweise herbeyzog, und welche laut um
ihn weinten und schrieen. Ich habe in meinem Le-
ben Mozart nie aufbrausend und viel weniger zor-
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nig gesehen. Die Geistlichen weigerten sich, znr
letzten Oelung zu kommen, weil der Kranke sie
nicht selbst rufen lies«.
. Die Schwägerin meynt, Mozart sey in seiner
Krankheit nicht zweckmässig genug behandelt wor-
den, dehn statt dass man auf andere Weise das
Friesel noch mehr heraustreiben sollte, hätte man
ihm zur Ader gelassen und kalte Umschläge auf den
Kopf gemacht , worauf die Kräfte Zusehens geschwun-
den und er in Bewusstlosigkeit gefallen sey, aus der
er nicht- wieder zu sich kam. Selbst in seiner schwe-
ren Krankheit sey er nie ungeduldig geworden , und
zuletzt sey sein feines Gehör und Gefühl nur noch
gegen den Gesang seines Lieblings, eines Kanarien-
vogels, der sogar aus dem Nebenzimmer entfernt
werden musste, weil er ihn zu stark angriff, em-
pfindlich gewesen«
D. Guldner von Lobes hat folgenden Bericht
über Mozart's Krankheit und Tod gemacht, dem
aber nach dem Urtheil anderer Aerzte die erforder-
ncne Konsequenz etc. ge Orient«
„Mozart erkrankte im Herbste 1791 an einem
rheumatischen Entzündungsfieber, welches damals fast
allgemein herrschte und viele Menschen dahinraffte.
D. Closset, der seine Krankheit behandelte, hielt sie
für gefahrlich und furchtet© gleich anfangs einen
schlimmen Ausgang, nämlich eine Gehirnentzündung.*
Einige Tage vor Mozart's Tode sagte D. SaÖaha:
Mozart's Krankheit ist nicht mehr zu heilen , er ist
verloren. Mozart starb hernach auch wirklich an
• • •
den gewöhnlichen Symptomen der Hirnentzündung«
Die Krankheit nahm übrigens ihren gewöhnlichen
57f>
____
Gang and unter denselben Symptomen sind mehre
Menschen gestorben. Bey der Untersuchung des
Cadavers hat sich nichts Ungewöhnliches gezeigt."
Jtfach Neukomm's Aussage hatte Mozart seit lan-
ger Zeit ein Vorgefühl seines nahen Todes; Joseph
Haydn habe seinem Schüler Neukomm erzählt, dass
Mozart ihm, als er gegen Ende 1790 seine Reise
nach London unternahm, beym Abschiede mit thra-
nenden Augen gesagt: Ich fürchte, mein Vater,
diess ist dass letzte Mal, dass wir uns sehen.
Mozart's sterbliche Hülle wurde auf dem Todten-
acker vor der St. Marxer -Linie bey Wien begraben,
auf demselben, wo sein inniger Freund Albrechts-
berger und auch J. Haydn seit 1809 gelegt wurden.
Durch Mozart's Tod verfiel die Wittwe selbst
in eine schwere Krankheit, daher besorgte Baron
van Swieten die Beerdigung der Mozart'schen Leiche,
und weil er dabey die grösstmöglicliste Ersparaiss
für die Familie berücksichtigte, so wurde der Sarg
nur in ein gemeinschaftliches Grab eingesenkt und
jeder andere Aufwand vermieden. Zu der Zeit, wo
Mozart starb, wurden nach der Angabe des Toäten-
cräbers die Leichen in der dritten und vierten Reihe
vom Kreuze an, welches auf dem St. Marxer Kirch-
hofe steht, begraben. Der Flecken, auf welchem
Mozart's Gebeine ruhen, konnte 1806, wo man sich
unterrichten wollte, nicht mehr bestimmt werden,
weil die Graber periodisch wieder umgegraben werden.
La vita era cosl dire una fortuna pubblica,
una vubblica calamita la sua morte* —
In Wien feyerte man das Andenken Mozart*«
mit Würde. Unrichtig ist die Meldung einiger Bio-
<
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' r—
graphen, welche sagen , dass sein Requiem zuerst
bey seiner Begräbnissfeyer wäre aufgeführt worden,
denn es war ja nicht einmal fertig.
Prag zeichnete sich durch die wärmste Theil-
nahme an dem Dahinscheiden Mozart's vorzugsweise
aus; die Trauer um war allgemein
und un&eheuchelt»
Am i4ten Decemher 1791 um 10 Uhr Morgens
wurden zu Prag in der Kleinseitner Pfarrkirche bey
halten: eine Fever, ganz des grossen Meisters wür-
dig, und die dem Prager Orchester des National-
theaters, von dem sie veranstaltet wurde, und allen
berühmten dortigen Tonkünstlern , die daran Theü
nahmen, die gröste, und den Manen Mozart's eine
unvergängliche Ehre macht. Den Tag zuvor wur-
den darüber gedruckte Nachrichten an die Noblesse
und das ganze Publicum ausgetheiltj am Tage der
Feyerlichkeit selbst wurden eine halbe Stunde lang
alle Glocken an der Pfarrkirche geläutet« Fast die
^^c^^l 7*^s ^5 1 ^X cl. t st>x ^^mt^5 J 1 11X«^1-X y S tl^^ 1. i 1 i_ 1 1 1 f. X d 1 ijclic^
Platz die Kutschen, noch die sonst für beynahe 4000
Menschen geräumige Kirche die Verehrer des Ver-
klärten fassen konnte. Das dabey aufgeführte Re-
quiem war von dem berühmten Kapellmeister Ro-
setti (Rösler). Es wurde unter der Direction . des
braven Strobach von 120 der ersten Tonkünstler,
an deren Spitze unsere beliebte Sängerin Duschek
sich befand, so herzlich executirt, dass Mozart's Geist
in Elysium sich darüber freuen musste. f In der
Mitte der Kirche stand ein herrlich beleuchtetes
Trauergerüst, und acht Chöre mit Pauken und
37
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Trompeten ertöntön in dunipfem Klange. Das Seelen-
arat hielt der Pfarrer Fischer mit Assistenz. Zwölf
Schüler des Kleinseitner Gymnasiums trugen Kam-
. merfackeln mit quer über die Schulter hangenden
Trauerfloren und weissen Tüchern in der Hand.
Festliche Stille war umher, und tausend Thränen
flössen um den Seligen, der so oft durch seine himm-
lische Harmonie unsere Herzen zu den zärtlichsten
Gefühlen stimmte.
So zollte man den Verdiensten dieses Salzburgers
in Prag. Unersetzlich ist sei* Verlust. Es giebt
und es wird Meister in der Tonkunst geben, aber
um den Meister der Meiste*, einen Mozart wieder
hervor zu bringen, da wird manches Jahrhundert
vergehen.
Etwas später, den 28sten December 1791»
fternahm eine Gesellschaft wahrer Verehrer des Ver-
storbenen in Prag, zur Unterstützung der hinter-
lassenen Waisen und Wittwe, ein öffentliches Con-
cert in dem National -Theater 5 man führte einige
der besten, weniger bekannten Compositionen Mo-
zart's auf. Eine so edle Todtenfeyer unterstützte
das Prager Publicum aus allen Kräften, um ßo mehr,
da es die Gelegenheit fand, den Tribut seiner Hoch-
achtung dem Genie Mozart's in der grossmüthigen
Unterstützung der hülflosen Waisen zu zollen. Das
Theater war voll und C'^ Einnahme beträchtlich.
Wie glücklich ist ein Künstler, dessen Talent solche
Freunde erwirbt! w
' In Wien wurde die Wittwe auf eine eben so
grossmüthige Art unterstützt. — Mozart hinter-
liess seiner Familie Nichts, als den 'Ruhm seines
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Namens. Alle Hülfsmitfel ihrer Erhaltung beruhten
auf der Grossrauth eines dankbaren Publicum«, dem
Mozart so viele Stunden des reinsten Vergnügens
und der edelsten Unterhaltung durch sein unerschöpf-
liches Talent geschaffen hatte* Und wahrlich! man
kann sagen, dass dieses seine Schuld redlich abzu-
tragen suchte. Die Wittwe liess in einem öffent-
lichen Concerte zu ihrem Besten die merkwürdige
Seelenmesse Mozart'« aufführen. Der grosse Ruf
dieses Meisterstücks, und der Wunsch, die Waisen
zu unterstützen, zog ein zahlreiches Publicum her-
•w bey, und man muss es den edlen Freunden der Ton-^
kunst in Wien zum Ruhme nadisagen, dass diesel-
ben auch jetzt, nach 37 Jahren gegen den Mozart'- '
sehen Namen noch nicht gleichgültig geworden sind.
In allen musikalischen Akademieen, die der Wittwe
zu ihrem Besten zugestanden wurden, war das Haus
voll und die Einnahme gut*
Mozart h in t er Ii ess keine bedeutenden Werke,
durch deren Heransgabe die Wittwe für sich und
ihre Waisen hätte Vortheile ziehen können, deim
die meisten waren schon vielfach herausgegeben
ausser dem Requiem und dem Idomeneo. Ueber er-
«teres hatte die Wittwe nicht zu verfugen, nur von
letzterer Oper kündigte sie einen Ciavierauszug nach
der Originalpartitur von Wenzel auf Pränumeration
an, der im November 1795 erscheinen sollte, aber,
erst 1797 zu Stande kam, worauf sich aber Niemand
meldete. Und somit brachte ihr diese Ausgabe Nichts
ein« ol #/ J..j . *
Ein gleiches Schicksal hatte das Mozart'sche Cla-
vier-Concert, welches die Wittwe dem Prinzen Lud-
37*
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580
^ig von Preusscn dedicirte. Da sie die Auslagen
zur Herausgabe nicht besaass und sie daher von An-
deren bestreiten lassen musste, so war diess wohl
der Grund, warum sie keinen Gewinn davon trug.
Mehr hat sie in der Art nicht unternommen«
Hingegen übertraf die Grossmuth des menschen-
freundlichen und den Wissenschaften und Künsten
zu früh entrissenen Kaisers Leopold Alles, was bis-
her der Wittwe zum Besten geschah.
Kurz vor und nach Mozart'« Tode äusserte sich
die Bosheit seiner Feinde so sehr, dass diese den
Seligen sogar auf die schändlichste Weise beym Kai-
ser verleumdeten 5 denn sie hatten unter andern so-
gar dem Monarchen vorgelogen, dass Mozart m au-
ch er ley Ausschweifungen ergeben gewesen sey, und
nicht mehr als eine Schuld von 30000 fl. hinterlas-
sen habe — eine Summe, über die der Monarch
erschrecken musste, und wovon ihn Niemand des
Gegentheils belehrte.
Zu eben der Zeit, als die Wittwe im Begriff
war. bevm Kaiser um Pension zu bitten, wurde sie
von einer edeldenkenden und vortrefflichen Schüle-
rin Mozart's auf diese geschehenen Verleumdungen
aufmerksam gemacht, und ihr gerathen, bey irgend
einer Audienz den gnädigen Kaiser eines Bessern
und Richtigem zu belehren, wozu sich auch bald
Gelegenheit fand. * * i "Ii " fi» '
1 „Ew. Majestät/' sagte si* dem Kaiser mit ed-
lem Eifer, „jeder Mensch hat Fetfad*; aber heftiger
und anhaltender ist noch Niemand verfolgt und ver-
läumdet worden , als mein seliger Mann , wahrschein-
lich bloss weil er grosses Talent hatte 1 Man hat es
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• •*
gewagt, Ew. Majestät viel Unwahres über ihn zu
sagen: man hat sogar seine lünterlassenen Schulden
zehnfach vergrössert. Ich stehe mit meinem Leben
dafür, dass ich mit einer Summe von ungefähr 3000
Gulden Alles bezahlen konnte, was er schuldig ist,
- und diese Schuld ist noch obendrein nicht muthwil- -
lig gemacht worden. Wir hatten keine sicheren
Einkünfte, wiederholte Kindbetten, ich lag ij Jahr
lang hart darnieder, und diese Gründe werden dem
menschenfreundlichen Herzen meines Monarchen hin-
längliche Entschuldigung seyn.«;
„Wenn es so ist," sagte der Monarch, „da ist
wohl Rath zu schaffen. Geben Sie ein Concert von
■
seinen hinterlassenen Werken, und ich will es un-
terstützen."
• Die Bittschrift wegen gesuchter Pension nahm
er gnädig ah; und in kurzer Zeit wurde ihr eine
Pension von 260 fl» angewiesen, die zwar an sich
gering ist, aber da Mozart erst drey Jahre a7i ge-
stellt, folglich die Wittwe noch nicht pensionsfahig
war, so blieb es immer eine Gnade. Die musikali-
sche Akademie wurde unternommen, und der un-
sterbliche Monarch erfüllte so grossmüthig sein Ver-
sprechen, dass die Wittwe dadurch in den Stand
gesetzt wurde, die Schulden ihres Mannes völlig zu
tilgen. Aus dieser Begebenheit kann man schliessen,
wie viel an den boshaften Erzählungen und derglei-
chen Einschwärzungen Wahres seyn mag. Da man
so wenig seiner Grösse als Künstler beyzukommen
im Stande war, so suchte der grämliche Neid seinen
moralischen Charakter zu entstellen! Eine sehr
leichte und gewöhnliche Taktik kleiner Seelen, de-
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582
■
neu jedes Verdienst und jede Grösse unausstehlich
ist: um so mehr, wenn sie ihrem kleinen Gewerbe
unwillkürlich zu schaden droht! Es ist nur Gerech-
tigkeit, die dem Verdienste gebührt, wenn man sich
Mühe giebt, solche fremde Flecken aus dem Gemälde
würdiger Menschen zu verwischen. ' ' •
"Wenn gegen Mozart diejenige Billigkeit ausge-
übt wird, die Jeder an sich selbst zu erfahren wün-
schen muss, so wird er desshalb hoch nicht als Mu-
ster der Oekonomie und Sparsamkeit angepriesen.
Es ist wahr, er hätte den Werth des Geldes besser
schätzen sollen: aber kann wohl dieser Leichtsinn
von der Individualitat eines solchen Mannes als ge-
trennt gedacht werden? Darf ein grosser Geist keine
Schwächen und keine Fehler haben? Möchten doch
4
die , welche über ihn so streng urtheilen , an ihr
Herz greifen und sich fragen: Quid tu? — nulla
1 iah es vitia? —
Und sind sie in irgend einem Fache Mozarte?
Da man sich indessen nur immer Geschichtchen
erzählt, wo Mozart Geld vertändelte und wegwarf,
so muss es auch gestattet seyn, andere aufzuzählen,
wo er es zwar mit gewohnter Liberalität, aber so
brav und mit so viel Gutmüthigkeit und Feinheit,
und auch so ganz ohne alle feine Eigennützigkeit,
welche oft mit Freigebigkeit verbunden ist, ausgab.
Als er sich auf der Leipziger Thomasschule umsah
und das Chor ihm zu Ehren einige achtstimmige
Motetten von Sebast. Bach sang, gestand er: So ein
Chor haben wir in Wien und hat man in Berlin
und Prag nicht. Unter den ohngefahr vierzig Sän-
gern bemerkte er besonders einen Bassisten, der ihm
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»
/
583
wähl gefiel. Mit diesem Hess' er sich. in ein kleines
Gespräch ein, und ohne dass einer der Anwesenden
Etwas bemerkte,, drückte er dem jungen Manne ein
für diesen ansehnliches Geschenk in die Hand.
! . Ein alter ehrlicher Ciavierstimmer hatte Mozart
ten einige Saiten auf sein geliehenes Instrument ge-
zogen. Lieber Alter, sagte Mozart, was bin ich Ih*
nen fiir Ihre Mühe schuldig? denn morgen reise ich
ab. ! Der alte Mann , der ewig in Verlegenheit isb
wenn er mit Jemand spricht, stotterte: Ihro Kaiser- -
liebe Majestät - wollt' ich sagen: Ihro Kaiserlichen
Majestät Herr Kapellmeister, — ich bin freylich zu
verscliiedenen Malen hier gewesen, ich bitte desswe-
gen mir einen Thaler aus. Mozart erwiederte : Einen
Thaler? dafür soll so ein guter Mann nicht ein Mal
zu mir kommen. Und damit drückte er ilim einige
Ducaten in die Hand. Ihro Kaiser!. Majestät, fing
der Mann erschrocken an — Adieu, lieber Alter, ,
Adieu! rief Mozart und ging schnell ins andere
»
Zimmer. ,
Von Niemand wurde Mozart's Sorglosigkeit um
Geld mehr gemissbraucht, als von Musikalienhänd-
lern und Theater - Directoren. Die meisten seiner
Ciaviersachen brachten ihm nicht einen Pfennig ein,
denn er schrieb sie meist aus Gefälligkeit für Be-
kannte, die gern etwas Eigenhändiges von ihm und
zu ihrem eigenen Gebrauche haben wollten. Aus
Letzterm ist erklärlich, warum viele derselben, be-
sonders unter den Solo -Ciaviersachen, seiner selbst
unwürdig sind, denn er musste sich nach der Fas-
sungskraft, nach der Liebhaberey, nach den Fähig-
keiten und Fingerfertigkeiten derer richten, für die
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584
er sie hinwarf. Jene Speculanten wussten sich Ab-
schriften zn verschaffen und druckten frisch darauf
los« Besonders hatte ein gewisser nnd ziemlich be-
rühmter Kunsthändler eine Menge Mozart'scher Com-
positionen auf diese Weise gedruckt, verlegt und
verkauft, ohne den Meister darum zu befragen.
Einst kam eine Frau zu Mozart: Da hat der A —
wieder einmal eine Parthie Variationen fiir's Ciavier
von Ihnen gedruckt: wissen Sie davon? — NeinI —
Warum legen Sie ihm aber nicht das Handwerk
einmal? — Ei, was soll man viel Redens machen?
sagte Mozart, er ist ein Lump! — Es ist hier aber
nicht bloss des Geldes, sondern auch Ihrer Ehre
wegen! — Nun, wer mich nach solchen Bagatellen
beurtheilt, ist auch ein Lump! Nichts mein* davon!
erwiederte Mozart« . • ...
Gerber endigt den Artikel Naumann in seinem
neuen Künstler -Lexikon folgenderweise: Naumann
starb im 60sten Jahre, in dem blühendsten Wohl-
stande, mitten im Glücke, vom Tode überrascht«
Nicht immer ist es Einem so wohl, die Biographieen
unserer ersten Künstler mit einem Ausgange be-
schlossen zu sehen, der ihren Talenten und Auf-
opferungen für das Glück und die Freuden ihrer
Nebenmenschen so entspräche. Ein kurzer Rück-
blick auf unsere gewesenen Lieblinge, und man wird
diese meine traurige Erfahrung nur zu sehr bestätigt
finden! Welch eine glänzende Periode durchlebte
Händel etwa fünfzehn Jahre hindurch; aber wie
verdunkelte sich sein Horizont gegen das Ende sei-
nes Lebens! — Und war wohl der grosse Hasse,
als er in seinen alten Tagen in Wien und Italien
I
y
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58.5
herumirrte, glücklicher? Der sanftmüthige Graun
wäre vielleicht ruhiger auf seinen verdienten Lor-
beren eingeschlummert, wenn sein Schicksal in. den
letzten Jahren seines Lebens zu beneiden gewesen
wäre, denn die Mitglieder der preußischen Kapelle
hatten zur Zeit des siebenjährigen Krieges mehre
Lahre keine Besoldung. Bekannt ist die grosse Ar-
muth und Dürftigkeit, in welcher Dittersdorf und
Piecini ihren Tod erwarten mussten. — Den ge-
nügsamen Sebastian Bach, der nie Ansprüche auf
glänzendes Glück machte, konnte nun zwar d4ess
traurige Loos nicht treffen; dagegen verfolgte ihn
im Alter das Schicksal mit Blindheit. — Jomelli
starb vor Gram über das undankbare Publicum* und
ähnliche niederschlagende Empfindungen scheinen den
unglücklichen braven Georg Benda in seinen letzten
Jahren in der Entfernung von aller menschlichen
Gesellschaft herum getrieben zu haben. Und
was war endlich das Schicksal des allberülimten Mo—
^art? — .
Mozart hinterliess von sechs Kindern, nämlich
von vier Knaben und zwey Mädchen, nur zwey
Söhne, wovon der jüngere vier Monate alt war, als
der Vater starb. Er heisst Wolf gang, wie sein
Vater, ist gegenwärtig 37 Jahre alt, und durch mehre
Producte seines musikalischen Talentes dem Publi-
-
cum schon vortheilhaft bekannt. Sein Ciavierspiel
zeichnet sich durch feinen Ausdruck und Präcision
aus. Und so wäre denn zum Theile die scherzhafte
Vorhersagung seines Vaters erfüllt, dass diess Kind
ein Mozart werden würde, weil es einst weinend
in den Ton stimmte, aus dem der Vater eben auf
*
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586
dem Fortepiano spielte. Offenbar lebte der Geist
seinei ?; Vaters in ihm : aber dem Sohne fehlte eine
so bildende Vaterhand, wie diejenige war, die das
Geni<3 des Vaters so trefflicli leitete und entwickelte«
: i J3ie Gesichtszüge und Ohren des Sohnes Wolf-
gang sind denen des Vaters ähnlich. Was ausser-
ordentlich merkwürdig zu seyn scheint« ist der Bau
von Mozart's Ohren y ganz verschieden von den ge-
wöh nlichen, und die, im Vorbeygehen gesagt , nur
sein, jüngster Sohn von ihm geerbt hat« Aus dieser
besiegenden Abbildung ist es ersichtlich, worin der
Unterschied besteht« » .
Die verschiedenen Geistesproducte, die der Sohn
Mozart's der Welt bey Breitkopf und Härtel, und
bejr Peters in Leipzig, bey Andre ik Offenbach, bey
Spehr in Braunschweig, und bey Steiner und Cappi
in Wien niedergelegt hat, sind Folgende:
: . . Concerto p. le Pianoforte ,, Oeuv. i4; — Sonate
mit Begleitung, Oeuv. 15; — Variation* *ur une
Marche de Coriolan; — 6 Polonoise* melancolique*,
Oeuv. 17; und 6 Lieder avec Pianoforte , bey Breit-
kopf und Härtel; — Grande Sonate avec Violon
ou Violonceüe, Op. 19,' — Variation* (ä peine au
sortir)Op. 23; Concert pour Pianoforte , Op. 24$ —
Rondo tiri de *on Concert, Op. 25, bey Peters; —
bey Andrd in Offenbach a. M«: Sonate pour Piano-
forte, Op. 10; —.bey Steiner in Wien: Quaiuor
pour Pianoforte, Op. 1; — Sonate in B dur mit
-Begleitung, Op. 7; — Rondo favori pour Piano-
forte} — 7 Variation* {Menuette de Don Juan); —
7 Variations, AlarcJie de Vopera Alinex — 8 Varia-
tion* über ein russisches Thema; und ebenfalls 8 der-
1
•I
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gleichen ; ferner: P'ariations sur im Tliime favoH?
— 12 Menuettes avec Trios, bey Cappi in Wien,
In den Jahren 1819 und 1820 machte Mozart'«
Sohn von Lemberg aus eine musikalische Reise zu
«einer damals in Kopenhagen wohnenden Mutter und
seinem zweyten Vater, dem danischen Etats -Rath
von Nissen, dem beyde Söhne ihre ganze Bildung
nur allein zu verdanken haben, kam dann durch
Preussen und Sachsen nach Italien, spater nach Prag,
worüber in Bezug auf seine Kunstleistungen die all-
gem. Leipz. musikal. Zeitung folgende interessante
Nachrichten enthält:
•i • .. 1 . . ' .
. Warschau, im Augmt 1819.
Das am l4ten Juny von Wolfgang Amadeus
Mozart, einem Sohne des unsterblichen Meisters,
im Nationaltheater gegebene Concert veranlasst mich,
Ihnen wieder einmal über hiesige Musik zu schrei-
ben. Dieses kurze, auf die Jahreszeit berechnete,
interessante Concert bestand aus Folgendem: Den
Anfang machte, absichtlich gewählt, die Ouvertüre
aus der Zauberflöte; dann spielte der junge Mozart
ein Concert aus Es jj von seiner Composition auf dem
Pianoforte. Die Meynung der anwesenden Kenner
war, dass der Geist seines Vaters in dieser Compo-
sition wehe. Das erste Allegro ist mit Fleiss und
gut gearbeitet, und man fiihlt es in der That, dass
der Sohn die Form des Ganzen im Vorbilde seines
verewigten Vaters gesucht, und sie nach Möglichkeit
mit den Schönheiten der heutigen Virtuosität ver-
eint hat* Das Rondo ist sehr angenehm und hat
allgemein gefallen, um so mehr, da das Thema an
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I
583
—
die Zauberflöte in dem Momente, als sich Painina
und Tamino zum ersten Male erblicken: Er isfs,
sie isfs etc., erinnert. Hierauf folgte ein Doppel-
Concert für Waldhorn und Fagott von Gebauer.
Nun spielte Mozart das bekannte schöne Rondo aus
A dar von Hummel , worauf das Personale der pol-
nischen Oper das unnachahmliche Sextett aus dem
zweyten Acte des Mozart'schen Don Juan in Esdur
vortrug. Das Ganze beschloss Mozart mit einer
freyen Phantasie, in welcher Themen von polnischen
Nationaltänzen vorherrschten. Die Versammlung
war, ungeachtet der ungünstigen Sommerzeit, zahl-
reich, und schenkte dem Virtuosen sowohl in Rück-
sicht seines acht geschmackvollen Spiels als seiner
Composition grossen BeyfaU. Künstler und Kunst-
freunde wetteiferten, ihm seinen kurzen Aufenthalt
so angenehm als möglich zu machen.
Königsberg, den II« July 1819.
>1
iTT
ner harten Beurtheilung unterworfen, indem man
sie mit ihren Vätern Vergleicht. Sie müssten deren
Ruhm noch überstrahlen, um den Ansprüchen zu
genügen, die die Welt an sie macht. Allein' man
vergisst, dass der Heros nicht Heros wäre, wenn er
lauter Heroen zeugte, dass ferner grosse Männer
selten auf ihre Kinder grosse Sorge wenden können,
da sie in der Regel durch mühsamen Unterricht den
Lebensbedarf anschaffen müssen, und dass endlich
die meisten genialen Menschen nicht alt werden. —
Zu dieser Betrachtung führte mich das Hierseyn
W. A. Mozarts, des Sohnes, der auf einer Reise
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589
von Lemberg, wo er als Ciavierlehrer lebt, zu «ei-
ner in Copenhagen wohnenden Mutter, hier ein
Concert gab. Als Jüngling trat dieser zweyte Sohn
des Unvergesslichen mit einigen Compositionen auf,
die nicht genügten , theils weil sie als Jugendversuche
der Reife entbehrten, theils weil man sie unter den
Maassstab der Werke des Vaters legte. Es freut
mich nun, über dieses jungen Mannes Fortschritte
in der Kunst und Composition lobend sprechen zu
können, und Deutschland auf ihn aufmerksam ma-
chen zu dürfen. Doch besser, ich theile Ihnen wört-
lich die Notiz aus einem hiesigen Blatte mit, die,
wenn mich nicht Alles trügt, einen competenten
Richter zum Verfasser hat.
Gestern lernten wir Mozart den Sohn kennen,'
tds Fortepiano- Spieler und als Componisten. Den-
jenigen Musikfreunden, die sich nicht zum Concert
eingefunden hatten, können wir dreist sagen, dass
sie Etwas versäumt haben. Der berühmte Name
tauschte nicht; Mozart's Geist war in der That ge-
genwärtig, und das allbekannte Fortepiano schien in
ein neues Instrument verwandelt. Denn zu der Fülle
seiner Harmonieen und zu dem Schimmer mannig-
faltiger Figuren empfing es von den Händen dieses
Spielers noch einen so höchst lebendigen und zarten
Vortrag, dass die musikalischen Gedanken ganz mit
jener sprechenden Deutlichkeit hervortreten konnten,
woran wahre Kunst, hoch erhaben über alle Kunst-
stücke, erkannt und empfunden wird. Hiermit ist
schon gesagt, dass auch die Composition in einem
hohen Grade vortrefflich war; sollte aber Jemand
eine bestimmtere Charakteristik derselben verlangen,
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590
-
so würde es eben darum schwer seyn, ihm zu ge-
nügen, weil dieser Künstler, ähnlich seinem Vater»
nicht an einer besondern Manier, sondern eben nur
an der Kunst selbst zu erkennen ist. deren Hülfs-
mittel er vollständig besitzt und mit Gefühl und Be-
sonnenheit gebraucht, ohne nach irgend welchen Ef-
fecten und Seltsamkeiten zu haschen» — Diejenigen,
welche Gelegenheit hatten, den noch ziemlich jun-
gen Mann (er soll 28 Jahre alt seyn) zu sprechen,
erwähnen mit Achtung seiner gesellschaftlichen Sit-
ten, seiner Gefälligkeit und Bescheidenheit« Viel-
leicht hat diese Persönlichkeit des Künstlers mit da-
zu bey getragen, sämmtliche Spielende in die heitere
Stimmung zu versetzen,, welche sie während des
ganzen ConcerU zu beleben schien; wenigstens war
es auffallend, dass am gestrigen Abende die Ausfüh-
rung sk'innitlichcr Musikstücke vorzüglich wohl ce—
lang.
Die Anordnung des Concerts zeigte eine ehrende
Anerkennung von Mozart's Verdienst, denn der Zet-
tel nannte nur den Namen Mozart» Es wurden die
Ouvertüren zu Don Juan und zur Zauberflöte gut
und mit Feuer ausgeführt« Dann folgte die vortreu-
liche Scene : Ch' io mi scordi di te etc. Non temer,
amato bene etc., wozu Mozart das concertirende Pia-
no forte spielte« Hieraufspielte Mozart ein Pianoforte-
Concert von seiner Compositum, das durch Erfindung
und Vortrag sehr befriedigte. f ;Erstere ist in der
Weise seines Vaters, natürlich mit Benutzung des
jetzigen Pianoforte-Umfanges» Eine sogenannte freye
Phantasie über ein russisches und polnisches Thema
machte weniger Eindruck, wohl wegen der unpas-
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senden Benennung, indem es mehr freye Varia tioneri
über zwey Themata waren. Doch fand der Vortrag
dieses Stückes ebenfalls Beyfall. Die Einnahme war
für einen schönen Sommertag bedeutend. Die bey-
den Ouvertüren wurden auch beklatscht , theils um
Mozart's Namen zu feyern, theils wegen der guten
Ausführung. Rühmliche Erwähnung verdient es*
dass die Mitglieder des Orchesters, jetzt alles Er^
werbes beraubt, doch aus Achtung für Mozart's Na-
men grösstenteils aller Bezahlung entsagten, indess
sich die Herren Eigen thümer des Concertsaales die
hohe Miethe für denselben entrichten Hessen. 1
Herr Mozart beabsichtigt, auf seiner Rückreise1
Hamburg, Berlin, Leipzig und Dresden zu besuchen,
alsdann aber nach Lemberg zu seinen Clavierschülern
zurückzukehren. Ist denn in Deutschland für Mo-
zart* 8 Sohn kein Plätzchen offen , das seinem Talente
Müsse gäbe ? in Deutschland , das so viele Ausländer
ernährt? — Aber so ist der Deutsche! Bey Säcu-
larfeyern sucht er wohl die Abkömmlinge seiner
grossen Männer unter der Hefe des Volkes auf, und
beschenkt sie mit Bibeln und Medaillen u. dgl., um
kund zu thun, wie er Verdienst zu ehren wisse.
Die Kinder seiner grossen Zeitgenossen zu unter-
stützen, fallt ihm nur selten ein. —
■
• • » • • i • *
0 • ■
Prag, den *4. Mär» 1820. '
Gestern, den 6ten April, gab Hr. W. A. Mo-
zart ein Goucert im Redoutensaale , welches natür-
lich die regste Theilnahme bey den hiesigen Kunst-
freunden erregen musste, da viele der älteren sich
noch der Zeit erinnern, wo der unsterbliche Vater
m
unter uns wandelte, und zwey seiner Werke (Don
Juan und Titus) ganz, ein drittes (die Zauberflöte)
zum Theil hier dichtete ; selbst die jüngeren , welche
ihn nicht mehr leiblich kannten, verehren ihn doch
nicht minder lebhaft in seinem Wirken, und jeder
Prager ist stolz darauf, dass, während Wien Jahre,
*
und andere Völker Jahrzehende bedurften, ehe sie
Seine genialen Schöpfungen in ihrem ganzen Umfange
zu würdigen lernten, selbige hier bey ihrer ersten
Erscheinung mit all' dem Enthusiasmus aufgenom-
•
men wurden, welche sie in jedem Menschen von
Geist und Herz erregen müssen. Wie wohl hatte
der Sohn dieses berechnet, da uns der Anschlage-
zettel die herrlichen Ouvertüren aus der Zauberflöte
und Don Juan ankündigte! (Es ist bekannt, dass
Mozart die letztere erst in der Nacht vor. der ersten
Aufführung componirte, und manches Mitglied des
Orchesters mochte sich hier noch mit Rührung des
Abends erinnern, wo es dieselben Noten zum ersten
Male unter der Leitung des grossen Kunstmeisters
CI* %J l S t> CL S J) -1 t O» ^ ^T^^ir 1 1 0 X t CIX ,f\v X XX (3X dcXS j^s^*OS30 ^^onx
cert in C, zwey Arien aus Don Juan und Figaro,
und zwey Compositionen des Concertgebers , nämlich
Variationen, und zwey Sätze eines Pianoforte-Con-
certs. Wenn nun der Name Mozart dem jungen
Künstler einen so lebhaften Antheil verschaffte, . so
steigerte er auch anderer Seits die Anforderungen
sehr hoch, welche für den Pianoforte — Virtuosen in
Prag ohnehin nicht gering sind, da wir mehre der
• ersten Meister auf diesem für das Concert nicht all-
M dankbaren Intrumente gehört haben, und selbst
mitunter Dilettanten besitzen, die in mancher kleinen
m
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«93
" I
Stadt unter die Künstler gezählt werden dürften.
Herr Mozart kann es daher immer als einen nicht
geringen Triumph «einer Kunst hinnehmen, dass er
diesen Erwartungen Genüge leistete: sein Spiel ist
klar, präcis, ausdrucksvoll und von Geist und Ge-
fühl belebt, wodurch er auch die Gemüther so an-
sprach, dass man es ihm verzieh, wenn er die küh-
nen Passagen und ungeheueren Sprunge, die man
in der neuern Zeit anzustaunen gewohnt ist und so
sehr liebt, grossen theils verschmähte. Was seine
Compositionen betrifft, so fanden wir — vorzüglich
in den Concertsatzen — eines Theils, dass die schöne
Gabe, die sein Vater vor allen Tondichtern in so .
hohem Grade besessen: einen
danken nicht eher wieder zu verlassen, bis er ihn
in allen Formen des Schönen entfaltet, auch auf den
Sohn übergegangen sey; anderntheils (was freylich .
aus der Art seines Spiels als noth wendig bedingt
hervorgeht), dass er ganz frey ist von der schlim-
men Weise neuerer Tonsetzer, die für sich selbst
Concerte schreiben, nämlich, dass sie stets den hö-
hern Zweck ihrer Kunst einem niedern unterordnen,
und statt durch Ideen das Gemüth zu erheben , bloss
darauf bedacht sind , durch Ueberwindung ungeheue-
rer Schwierigkeiten Bewunderung zu erregen. Vor-
züglich wurde das gediegene und in sich abgerundete
Allegro seines Concerts mit Furore aufgenommen.
Gestern Abend, eben während Mozart uns ei-
nen Kunstgen uss gewahrte, ist Hummel angekommen,
uns neue zu bereiten* Es ist eine Eigenheit der
Prager Kunstliebhaber, dass sie es sich mit ihren
Kritiken (mündlich und manchmal auch gedruckt')
< 38
• *
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594 _■
etwas bequem machen, und statt jedes Kunstwerk
und jede Kunst mit sich selbst und ihren Gesetzen
zu vergleichen, viel lieber durch Parallelen urthei-
len; und so konnte es denn auch nicht fehlen, dass
Vergleichungen zwischen Hummel , Moscheies • und
Mozart angestellt wurden, und sich für Einen und
die Anderen gleichsam Parteyen bildeten* Uns scheinen
diese Parallelen in der Kunst überhaupt zu keinem
Resultate zu führen, hier aber, bey der dreyfach
verschiedenen Natur dieser Künstler, ganz unnütz
uud unanwendbar. Moscheies überwindet ungeheuere
Schwierigkeiten mit grosser Sicherheit, aber nicht ohne
Prätension auf diese Schwierigkeiten, und er häuft
selbige nicht selten mit etwas künstlerischer Koket-
terie. Mozart kann so gewallige Tours de forte nicht
üben; aber er scheint auch sich mehr vorgesetzt zu
haben, auf das Gemüth zu wirken, und Hummel
vereinigt beyde Effecte in sich, da er alles das Un-
geheuere des Ersten mit der Gemüthlichkeit des
Zweyten verbindet, und nur unaufmerksame Beobach-
ter können glauben, Moscheies überwinde grössere
Schwierigkeiten, als Hummel, weil Letzterer selbige
anspruchlos und mit lächelnder Miene besiegt, wäh-
rend jener kund zu thun scheint, dass er eben wie-
der, wie Herakles in der Wiege, zwey Schlangen
erdrücken werde, um — dass er sie erdrückt habe.
Was die Compositionen betrifft, so ist Moscheies
manchmal etwas zu gekünstelt, und hascht zu sehr
nach Originalität und genialem Schwünge — beyde
müssen angeboren, nicht errungen werden — und
wird zuweilen sogar etwas geziert, während Hum-
mel mit der höchsten Lieblichkeit eine klassische
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Feinheit und Gediegenheit verbindet, und Mozart
nicht ohne Glück — wenn gleich, nicht mit einem so
überreichen Genius ausgestattet — auf der charak-
teristischen Bahn seines . unsterblichen Vaters fort-
Im Jahre 1826 im August reis'te er von Lem-
berg, seinem dermaligen Aufenthaltsorte, auf Ver-
langen seiner Mutter nach Salzburg, um den Tribut
seiner kindlichen Dankbarkeit gegen seinen im Mo-
nat März desselben Jahres gestorbenen zweyten Va-
ter, den Königl. dänischen Etatsrath und Ritter des
■
Danebrog - Ordens , Georg Nicolaus von Nissen,*)
der die beyden noch kleinen Söhne des grossen
Künstlers als Vater erzogen hat, darzulegen, indem
in der Universitätskirche mit Bewilligung des hoch-
würdigsten Fürst Erzbischofes von Salzburg, Augu-
atin Gruber, Seiner Majestät des Kaisers von Oester-
reich wirklichen Geheimen Raths etc. und Primas von
Deutschland, ein feyerliches Seelenamt von dem hoch-
würdigen Domcapitular zu Salzburg und K. K. Hof-
Kapellan, Ignaz Schumann von Mannsegg, abgehal-
ten wurde, und wobey Mozart's Schwaneugesang, das
unübertreffliche Requiem, unter der Leitung des Soh-
*) Die JVittwe Mozart* s trat im Jahre 1809 in eine zweyte Ehe.
Sie verband sich nämlich zu Wien sehr glücklich mit dem
damals als KÖnigL dänischer Geschäftsträger dort angestellten,
verdienstvollen Herrn von Nistent und lebte, als er gleich
darauf noch in demselben Jajire zum KÖnigl. Etatsrath er-
hoben wurde, zehn Jahre mit ihm zu Kopenhagen* Eine
Kränklichkeit nöthigte ihn , das Gasteiner Bad zu gebrauchen,
und dadurch kam sie wieder in ihr Vaterland. Sie verlor ihren
. . geliebten, allgemein verehrten Gatten den a6sten März ißaö.
38* ,
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59G
nes aufgeführt wurde. Nach allgemeinem einstimmi-
gen Zeugnisse wurde Mbzart's Requiem in Salzburg
niemals so gut gehört, als diess Mal unter der Di-
rectum von Mozart's Sohne« s
Wie sehr er von Liebe und Dankgefuhl gegen
seinen zweyten Vater durchdrungen war, davon giebt v
folgender Brief das beste Zeugniss :
Lemberg, den 12. April i8aC
Meine liebe theure Mutter!
Es wäre wohl vergebliche Mühe, wenn ich Dir
den Schmerz schildern wollte, der sich meiner be-
mächtigte, als ich gestern den Brief des Hrn. Metz-
ger erhielt. Eben gestern erwartete ich die Antwort
meines unvergesslichen Vaters auf meinen letzten
Brief vom igten März, und statt diesen muss ich
den unersetzlichen Verlust erfahren, der uns betrof-
fen. Da, meine liebe gute Mutter, weisst nur zu »
gut, was Er uns Allen, und besonders mir war.
Mein bester, mein einziger Freund, von Kindheit an
mein Vater und mein Wohlthäter! ' Noch vermag
ich es nicht, meine Gedanken zu ordnen, und noch
viel, weniger Dir Trost zuzusprechen, da ich selbst
noch dessen zu sehr bedarf; und ich sende nur dess-
halb diese Zeilen an Dien ab, um Dich aufs angele-
gentlichste zu bitten, mich so bald, als nur immer
möglich, über Dein Befinden zu beruhigen, und mir
wissen zu machen, was Du allenfalls für Pläne für
die Zukunft gemacht hast. "Willst Du zu mir kom-
men, so erwarte von meiner kindlichen Liebe, dass
ich Alles thun werde, was zu Deiner Zufriedenheit
beytragen kann. Oder wünschest Du, dass ich auf
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I ■ .
täinige Zeit zu Öir komme, um Deine Geschäfte zu
schlichten, so» schreibe mir es unverzüglich 5 mit ei-
fern Worte, was Du immer zu unternehmen denkst,
rechne auf Deinen Sohn
' Wolfgang.
v-..V.5\».\ .'. 'i f. 1 •
^ • *
* Auf allgemeines Verlangen gab der Sohn ein ,
paar Tage vor seiner Abreise von Salzburg, den /
29sten August, eine musikalische Akademie im Rath-
naus-öaaie, wo sicn unter anaern aer L/oncertgeuer
mit einem Pianoforte-Concert in Es äur von seiner
Compositum, Quintetto concertant für das Piftnoforte,
Hautboia, Ctarinetto, Cor et Basson, und Phantasie
zu vier Händen vom Vater, und einem Terzette für
Männerstimmen vom Concertgeber hören Hess, und
'ungetheilten Beyfall erntete. Auch legte er während
seines Aufenthaltes in Salzburg den Grundstein zu
wem iur seinen otielvater erricnteten Monumente«
Er reis'te den ls tcn September von Salzburg ab,
Toll Eifer und Begierde, um zu seinem erst vor we-
nigen Monden 18256 in Lemberg gegründeten Gesang-
Institute, dem sogenannten Cäcilien-Chore , zu eilen.
Diese Anstalt, deren Gründung ihrem Stifter, W.
*Ä. Mozart, in dieser Stadt ein bleibendes Andenken
verbürgt, hat sich die Förderung der höhern Ge-
sangmusik zum Ziele gesetzt, und erfreut sich eben
so sehr der allgemeinen Theilnahme, als sie bereits
den schönsten Beweis ihres herrlichen Gedeihens und
Fortschreitens eben bald nach seiner Ankunft von
Salzburg in Lemberg durch die Ausführung des Re-
quiem seines Vaters den 5ten December desselben
'Jahres geliefert hat, welches die erste öffentliche
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1
598
Probe ihrer Leistungen war. Die Mnemosyne, eine
in Lemberg erscheinende Zeitschrift, liefert über
diese Kunstleistung vom 23s ten December 1826 fol-
genden Berichts ,i
r
' Mozart' a Todesfeyer in Lemberg.
. Die Kunstliebe unserer Provinz -Hauptstadt und
der darin herrschende Eifer, alles Kunstschöne zu
fördern, sind allgemein bekannt« Mit .dieser natür-
lichen Neicune ihrer Bewohner vereintet sich deich-
zeitig eine fast unbegränzte Verehrung für die Schöp-
fer und Begründer höherer Kunstgenüsse, welche
sich bev ieder Gelegenheit deutlich zu erkennen gibt.
Ein solcher Anlass wurde den kunstsinnigen Lem-
bergern zu Anfange dieses Monats in der Schloss-
kirche zum heil. Georg zu Theile. Dort nämlich
ist zur Feycr des auf den 5ten December fallenden
Sterbetags des unvergessliohen Mozart eine Seelen-
xnesse abgehalten und dabey dessen berühmtes Re-
quiem ausgeführt worden. Der Andrang zur Kirche
war ganz besonders zahlreich Und schon von aussen
bemerklich an der Menge von Wagen, welche nicht
bloss den Schlosshof ganz füllten, sondern auch ei-
nen bedeutenden Raum des nahen Jahrmarktplatzes
einnahmen. Nicht weniger beträchtlich war die An-'
zahl der Fussganger, welche ungeachtet des ungün-
stigen Wetters an den ziemlich entfernten Andachts-
ort hin wallfahrte ten. Die Ausführung der grossen
Composition war des unübertrefflichen Meisters wür-
dig und entsprach selbst in den schwierigsten Paiv
tieen durch Reinheit, Präcision und richtige Beto-
nung des Vortrags der allgemeinen Erwartung eben
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so sehr, als, sie den mächtigen Zudrang zur Statte
der Erbauung rechtfertigte. Sie ermangelte daher
auch des • beabsichtigten Eindruckes nicht, indem das
achmerzliche Gefühl um den herben Verlust des ein-
zigen Meisters durch die erhabenen« himmlische
Tröstung einflössenden Gefühle und Ideen dieser
Musik dich tun er in ieder Brust gemildert und be—
seh wichtigt wurde; ganz so wie es jedes ächte, grosse
Kunstwerk thun soll» indem es gleichzeitig den gan-
zen Schwall Grosser Leidenschaften und tiefer Em-
pfindungen in der Brust anregt, aber auch den ge-.
waltigsten Kampf zur beruhigenden , Harmonie . auf-
löset und versöhnet. Diese "Wirkung" wurde durch
das eifrigste und verständigste Zusammenstreben aller,
Theilnehmenden vollkommen erreicht. Das Ganze
leitete Herr Wolfgang Amade Mozart,, der jüngere
Sohn des verewigten Meisters , welcher seit Jahren
in unserer Mitte weilt. Er wurde in dieser durch
ihn veranlassten, Kunstdarstellung von den vorzüg-
lichsten Künstlern und Musikfreunden Lembergs auf
das Werkthätigste und Uneigennützigste unterstützt.
Insbesondere hat Herr Lipinski,. der als Virtuos
und Compositeur gleich rühmlich bekannte Violin-
spieler, die Direction des Orchesters übernommen,
und es bedarf wohl kaum der Versicherung, dass
durch seine Mitwirkung das Ganze wesentlich gefor-
dert wurde. Die Sihgpartieen waren ausschliessend
von den Mitgliedern des erst vor wenigen Monaten
hier gegründeten Gesang -Instituts, des sogenannten
Cäcilien-Chors', besetzt, und ein freundlicher Glücks-
stern vereinigte zu den Solopartieen die vorzüglich-
sten Gesangstaiente, worunter zwey Damen des cr-
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sten Ranges, eben so ausgezeichnet durch reiche Na-
turanlagen und seltene Ausbildung derselben, als
hochgestellt durch Geburt und Rang, mit Bewunde-
rung bemerkt wurden. Bey Uebernahm'e der Instru-
mental - Parti een wetteiferten Künstler und Kunst-
freunde um die Ehre, zur Feyer des glorreichen Mei-
sters mitzuwirken; ein Umstand, welchen anfuhren
zu können uns um so grösseres Vergnügen gewahrt,
als bey der bekannten Eigenheit der Künstler dieses
Fachs das Arrangement einer grössern Kunstpro-
duction nicht selten zu mannigfachen Reibungen An-
lass gibt. Schlüsslich können wir nicht umhin, als
einen ganz besondern Beweiss der allgemein ver-
breiteten Ergebenheit und tiefen Verehrung für den
hohen Geist Mozart's noch zu erwähnen, dass zur
Darstellung dieses Requiem auch eine Abtheilung
der Kapelle des hier garnisonirenden Infanterie -Re-
giments Mariassy, unter Anfuhrung ihres geschätzten
Kapellmeisters Hrn. Wiskotczill, ohne alle Entschä-
digung mitgewirkt hat.
Wie gross übrigens sein Eifer und seine Begierde
für das höhere Studium der Composition ist, davon
liefert den stärksten Beweis, dass er alle seine übri-
gen freyen Stunden, welche nicht dem Musikunter-
richte und seinem Singinstitute gewidmet sind, ganz
dazu verwendet, und mehre Jahre schon den Unter-
rieht des Kapellmeisters Gallus, eines grossen Con-
trapunetisten *) geniesst, und es auch hierin schon
• » • »»• ■ t • . .
~ : ■ • v • •
*) Nebst mehren Opern componlrte er tu Babylon* Pyramiden
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seit zwey JiJireu f >uf ' ciiio hoho' Stuf 6 gebracht
Hierüber, als auch Über seinen edeln Charakter ge-
ben seine Briefe die herrlichsten Belege, wovon WUT
• r
. • • •# * •
• • • ■> .
» P »
»»-• ■
Lemberg, den 5. October 1816.
Meine theure, vielgeliebte Mutter!
Ich benutze den ersten freyen Augenblick, um
Tjir meine fflüekliehe Ankunft allhier zu melden.
Als ich Dich, meine Hebe Mutter, verlassen, 'W
auch der einzige und schönste Zweck meiner Reise
erfüllt, denn ich war ja so glücklich, Dich nach ei-
ner bangen Trennung von sieben Jahren wieder zu
, und Dich, dem Himmel sey Dank, so "vVohl
liebe Gott und Deine eigene Vorsicht mögen Dich
ir noch lange, lange erhalten, und es bleibt mir
nichts mehr übrig, als mich einst nicht mehr
von Dir trennen zu dürfen« Cj '
Ich kam den 28sten September hier an« Ich
kann Dir nicht beschreiben , wie sich Alles um mich
her meiner Rückkunft freute; und auch ich würde
mich ganz glücklich fühlen, wenn ich Dich nicht so
fern wüsste! Meine Studien mit dem alten Gallus
haben schon wieder begonnen« und wenn auch Alles
so geht, wie ich es mit aller Wahrscheinlichkeit
hoffen kann, so dürfte mir doch in ein paar Jahren
das Glück werden, in Deiner Nähe leben zu können.
: Was macht mein Heber Freund Jähndl? Para-
1 . !'■ . • , ■ ' •»..•*!• " •!» f*. ••' i . .f
/ poaitio«en ron ihm gedrnckt, so wie er auch . «ty» Viele«
im Kirchenstyle verfertigt hat. Gegenwärtig priratisirt er
* " in Lemberg, Mehr xlarüber sehe man in Gerbers Lexikon.
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dirt e* mit 4er;»JKflpp«(? .Hoffentlich wird; sein treuer
Pudel Frioo» durch sie auch an mich erinnert wer*
den, denn er hatte eine besondere Zärtlichkeit zu
meiner Kappe. Und nun lebe woJiL. liebe Mutter etc.
Lemberg, am 26. Decbr. i8a6. '
Lieber guter Freund! ;t : ' ■•
,.v Yot dem Jahresschlüsse pflegen gewissenhafte
und ordentliche MenStehen ijire Rechnungen etc. ins
Reine zu bringen. Da ich nun auch nicht ganz,
doch so halb und halb mich: zu diesen Menschen,
aählen zu können glaube, so sitze ich nun hier, tun
Ihnen, mein lieber euter Freund, nicht nur alles
Liebe und Gute zum neuen Jahre zu wünschen,
sondern um Ihnen auch, was fsey Ii eh ein wenig
früher hatte geschehen sollen, für so viele mir er-
wiesene Freundschaft aufs Herzlichste zu danken»
Vater! nicht doch ~ freund! weiset es nicld,
was hier im Herzen spricht!« kann ich Ihnen mit
voller Ueberzeugung sagen, und ich wünsche nur,
dass das liebe Salzburg einst, statt eines Festungs-
Commandanten, in meiner Wenigkeit einen Kapell-
Commandanten braucht, um Ihnen mündlich sagen
zu können, dass ich Sie recht hertelich liebe, und
mich immer der Gelegenheit erfreuen werde, Ihnen
es beweisen zu können. Von meiner lieben Mutter
werden Sie erfahren haben, dass ich, meinem Vor-
sätze getreu, am 28sten September hier eingetroSen
Üb,, wo ich nun .wieder in meinem alten Geleise
fort lebe, d.h. Lection gebe, zu Zeiten meine Fin-
ger ein Bischen m Ordnung erhalte, und besonders
mit vielem Eifer meinen Cäcilien-Chor ausbilde, der
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J
meines unvergeßlichen Vaters traten wir zum ersten
Male öffentlich und zwar mit dessen Requiem auL
r *
von Michael Haydn's und meines Vaters Kirchen-
jachen entgegen: haben Sie die Güte, das zu beher-
zigen, und mir auch zugleich wissen zu machen, .wie
hoch ich schon in Ihrer Schuld stehe, denn die hin-
terlassenen 3fi fl« sind gewiss schon läncst verbraucht-
•1< Schreiben Sie mir ja recht bald, wie es Ihnen
geht, was Sie machen, und ob Sie und meine andern
Von meiner Seite bedarf diess wirklich kei-
ner Versichernng, und es ist, nach meiner mitunter
• _•
-
liebliche Erholung, mir die fröhlichen Stunden ins
Gedächtniss zurückzuführen, die ich in Ihrem Kreise
/ i ' " ' '' t ii ' ■
• ••• • • • M • I« ■! |
Lemberg, den 17. April 1827.
Meine liebe gute Mutter!.,
Wenn Du No. 48 der Wiener Theater- Zeitung
No*. 51 der ebenfalls in Wien erscheinenden
Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode
zu lesen bekommen kannst, so wird es, Dir Vergnii-
nes über mein letzt • gegebenes Vocal- und Instru-
mental - Concert , zum Besten des erst Seit Kurzem
hier errichteten galizischen Wittwen- und Waisen-
Pensions - Instituts den 5ten April mit hoher Be-
willigung aufgeführt, welches Cencert nicht nur *ejyf
glänzend ausfiel und ans viel Ehre und Beyfell
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Warb, sondern das auch, nach Abzug der Unkosten,
'einen reinen Gewinn von 400 fl. O. M- abwarf. Dife
vorkommenden Stücke darin waren: l) Der j.03te
Psalm von Naumann) 2) Cantater Ewiger erbarme
'Dich, von unserm Vater; 3) Grosses Duo für zwey
"Pianofortes , von Ries; 4) die Harmonie der Sphären,
von Andreas Romberg; 5) Terzett* Zu Dir aHerr,
und Schlussgesang der zweyten Abtheilung der Schöp-
•fung von J. Haydn. Eine schöne Beurtheilung die*-
*es Concerts erhältst Du mit dem Morgen von hier
abgehenden Postwagen in dem liier: erscheinenden
Wochenblatte. ' Sobald wie möglich bekömmst Du
auch vier lithographirte Exemplare, die heilige Ofc
cilia vorstellend; eines davon bitte ich für Dich zu
behalten, und die anderen direy den Herren von Schut-
mann, Jahnal, riaczer m meinem rsamen zu geben.
Es ist -die Copio eines sehr schönen in Oel gemalten
Rüdes (fünf Schuh hoch und drey Schuh breit), die
mir bey Gründung meines Cäcilien- Chores der Her-
zoglich Anhalt -Köthensche Hofmaler Enger t ge-
schenkt hatte« 1 1 '* • ' '* f' r
?\uy\s „i r v.., • . J tl*# . K ff
** 4 ; .. Lemberg,, den i* Octbr. i8*>M?
'.' * Meine Hebe gute Mutter!
~ "' i Deinen lieben Brief und dien Partituren- Trans^
port von JShndl habe ich glücklich und mit grossem
"Danke für Deine gehabte Mühe 'erhalten j und würde
es auch früher bestätigt haben , wenn ich nicht einer
-seht- erfreulichen Nachricht entgegen gesehen hätte,
die ich Dir zugleich mittheüen wollte* Dieses, ist
nun erfolgt, und ich säume nicht, Dir zu berichten,
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60,5
habt hat. die Dedicatlon einer von mir componirten
C an täte, der erste Friihlingsmorgen > huldvollst an-
zunehmen. Wenn ich nicht das Glück hätte, den
Namen der Kaiserin auf den Titel setzen zu dür-
fen, so würde ich wohl schwerlich einen Verleger
finden; denn diese Herren nehmen nicht gern grös-
sere Werke, wie meine Cantate eines ist, denn die
Auflage kostet viel, und es finden sich auch schwe—
ÄL ungefähr kosten wird. \,
Hat Jähndl schon die Partitur des Davidde pa-
nitente bekommen? Ich ^ab sie einem Bekannten,
der nach Salzburg öfters, aber zu unbestimmten
Zeiten reis't, mit. — * ■':»."•.
Freund Gallus, der in seinem Eifer nicht nach-
lässt, ist mit meinen Fortschritten zufrieden , und
prophezeiht mir immer, dass ich gute Fugen machen
werde: wenn V nur wahr wird, denn ich möchte
mich gern vorzüglich auf Kirchenmusik verlegen,
denn da ist man weniger der Kabale und der Modo
unterworfen, und kann auch mit der Zeit ein ruhi-
ges Brod erwarten.
Lemberg, den a8, Decbr. 1817.
Meine liebe gute Mutter!
In der Hoffnung, dass Du meinen Brief vom
12ten October erhalten hast, melde ich Dir, dass
Dein Schreiben von demselben Datum mir gleich-
falls zugekommen ist. Es wäre wohl meine Schul-
digkeit gewesen, Dir früher zu schreiben und Dir
das weiter unten Folgende zu erzählen $ aber mit
dem besten Willen von der Welt war es mir nicht
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006 ,
r
möglich, früher dazu zu kommen. Ich eile nun, das
Versäumte nachzuholen, und zwar um so mehr,
wen icn sonst mit meinem nerziicnsj.en wunseno
zum neuen Jahre und zu Deinem Geburtstage zu
spat kommen konnte» Der Himmel erhalte Dich
noch lange wohl und zufrieden, und vergönne mir
das Glück, t)ir noch recht viele Freude zu machen.
Wie sehr hätte ich gewünscht, Dich an meinem
Namenstage bey mir zu haben, mn Zeuge des Ver-
gnügens zu seyn, das man mir bereitete. — Mon-
tag, am 29«ten October, als am gewöhnlichen Ver-
sammlungstage meines Cacilien- Chores , fand ich zu
meinem nicht geringen Erstaunen bey meinem Ein-
tritte den Saal schon beleuchtet, alle Mitglieder des
Vereins schon versammelt (sonst bin ich immer der
Erste), und die Gesellschaft noch durch dazu einge-
ladene Gäste vermehrt. Alle Herren waren schwarz,
und die Damen auch festlich gekleidet. Ich war
wirklich stumm vor Staunen und Veirwirrung; end-
lich nöthigte man mich zu sitzen, und zugleich tra-
ten aus einem Nebenzimmer sechs der jüngsten und
schönsten Mädchen des Vereines,- gekleidet in die
Farbe der Unschuld, und überreichten mir auf einer
eigends hierzu gestickten Tasse, auf der lauter mu-
sikalische Instrumente dargestellt waren, einen sehr
schönen silbernen und inwendig vergoldeten Becher
nebst Untertasse, mit einem Lorb er kränze umwun-
den. Auf dem Becher ist die Inschrift: Der Lem-
berger Cäcilien-CJior seinem verehrten Stifter und
Director JV ■ j4» M. zur freundliclten Erinnerung
an den Zisten October 1827$ auf der Untertasse sind,
die Worte: Kurz ist das Leben, ewig bleibend
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g
die Kunst • Während der Becher üb erreicht wurde,
sang der Manner- Chor das öedicht (s. No. f.), wel-
ches ein Vereinsmitglied, Hr. . Rolletschek , Kapell-
meister an der griechisch-katholischen Domkirche,
in Musik gesetzt hatte. Als diess geendigt war und
die Damen wieder an ihren Pulten waren, wurde
noch eine zweyte Ca n täte für den1 ganzen Chor, von
einem Vereinsmitgliede in Musik gesetzt, mit vielen
schönen, und sinnreichen Anspielungen auf meinen
Vater und mich etc. gesungen (No. 2). Nach been-
digtem Gesänge wurde der Becher mit Wein gefüllt,
una aie ganze vreseiiscnait tran& aaraus aut mein
und des Cäcilien- Chors Wohl und Gedeihen. Nach-
dem nun auch für den. Gaumen gesorgt war, Henn
es wuruen neust wein aucn uactereyen u. uergi.
herumgetragen, fing das junge Volk an, heym Cla-
viere zu tanzen, und so endete fröhlich dieser für
mich gleich ehrenvolle als freundliche Ahend. Meine
Freude wurde durch das reine Vergnügen erhöht,
das von jedem Gesichte strahlte. Die Gesellschaft
bestand aus 45 Mitgliedern und 23 Gasten. Tags
darauf wurde ich noch von allen meinen Schülerin-
nen mit niedlichen Handarbeiten beschenkt. — —
• ■
(No. i.) .
, Blumen winden Himmels -Mächte
In der Jugend Kranrgeflechtc.
Blumen welken — und vcrblüh'nj
Ares und Apollo lohnen . i
Mit des Ruhmes Lorbeerkronen}
Auch der Lorbeer welket hin.
Doch Lyä'us kränzt dio Schläfe
, Mit der Reben Laub, und Hefe
Schmückt der Bacchen Ang&ncht;
; Er entzündet Ares Feuer» :
Er begeistert Fhoibos Leier, .
Er giebt Jugend, Glan« und Liebt,
Darum göttlich ist der Zecher.
Darum lohnt und ehrt ein Becher
Jeder Gottheit hehren Sohn»;
Nimm ihn denn aus schönen Händen
Zarter Frauen, die ihn spenden,
Als ein Denkmal, nicht sie Lohn.
Schlurfe, trink mit vollen Zügen
r!L Sraftt Gesundheit und Vergnügen,
Lach' des Lebens Kummer Hohn!
Denn glückselig ist der
' Und es lohnt und ehrt ein
Jeder Gottheit hehren Sohn*
4 •
(No. 2.) • -
WORTE DES DANKES.
Gesprochen
vom Lemberger Cäcilien-Chor
am 3i. October 18117,
/ ' gerichtet an
W. A, MOZART,
den Stifter und Director dieser Anstalt.
Chor. .
Töne fröhlich, töne freyer,
Sang, der hin zum Aether schwebt,
Den zur schönen Tagesfeyer
Hehres Dankgefühl belebt;
Für den Sohn der Kunst, den Einen,
Der in uns'rer Bnist dich schuf,
Ihn harmonisch xu Tereinen,
Auserkohr sich zum Beruf,
Der ein nie gekanntes Sehnen
Hin nach dem, was schön und gross,
In dem Reiche der Kamönen,
Uns im Innern auferschloss.
Rtcitatip,
Es naht der Tag, der Dich zum neuen Lehen
In dieser Welt, tarn schönen Wirken rief}
Du solltest dem die Künstgestaltung geben,
Was formlos in der Jünger Busen schlief,
In anmuthvolle Harmonieen, weben,
Was im Gemüth so räthsclhaft und tief
Gelegen, und des Herzens hohe Fülle
Entfalten* uns, im künstlerischen Spiele«
♦ »
A r i a.
Nicht apurloa soll der Tag entschwinden,
In uns ein stetes Denkmal finden,
Der uns den Meister gab, den Freund,
Der uns tum schönen Zweck vereint.
Des Glückes Stern soll ihm erglänzen,
Zufriedenheit sein Leben kränzen,
Sein Name werd' in jedem Land» •
Mit dem des Vaters einst genannt.
Recitativ.
Der schÖno Augenblick soll nicht entflieh'n,
Und Dank soll bringen diese ganze Rundo
Dem Lehrer für sein liebevolles Müh'n,
Für manche nie vergessene Stunde,
Die Dankgeflihle, die im Herzen glüh'n,
Er höre sie aus dem beredten Mund«:
«•
Quartett mit Chor.
Für das meistervolle Walten,
Wahren Kunstsinn zu entfalten,
Für das herrliche Beginnen,
9
i *
Worten Harmonie zu geben,
Bringt dem Stifter und dem Leiter
Tiefen, stets gefühlten Dank.
Auf, erhebe Dich, Gesang l)i
Brust und Her«, sie werden weiter;
Könnten Alle doch es hören,
Wie wir hoch den Meister ehren !
39
/ IV...*
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610
R e c i t a t i v.
Wer nur den Pfad der Kunst betritt,
Der sieht die Welt im hellem Glänze,
Zu höh'ren Zwecken aufgeblüht,
Scheint ihm das rathsclhafte Ganze i
Dio Schauer einer Ewigkeit, ( M»
, Die ahnungvoll die Brust durchbeben^
Sie bringen reine Seligkeit »
In jede, wahren KünsÜers Leben. §
Ar i a.
Als der Schöpfer sprach: Es werde!
Schwebte auf der jungen Erde
Unbewusst der grosse Geist,
Der sich durch die Kunst um wei&'t,
, • • • • • » ■
Der Apelles Pinsel führte, .
Der Canova'a Formen zierte^
Der in M o z a r t » s Tönen Leget,
Seine Melodie'n durchfliesst, Xi
Auf St. Peters Dom sich wieget,
Und in Schillers Dichtung spriesst,
Dessen hohes, heil'ges Wehen
Uns die Kunst nur lehrt verstehen*,
Himmclstochter ! um uns breite
Deine Flügel *
Deine treuen Jünger
Zum Altar ins Heiügthi
• • ■
S c hl us s - Chor*
Wir nahen dem Ziele,
Wenn Mozart uns führt,
Wenn er 1 uns die FfadV
Zur Künst weisen wird, '
Aus tieferem Geisto
Uns freundlich belehrt;
Dafür wer d' Er ewig •
und geehrt! —
*_i • • -
• 4
Lemberg, den 16. Januar i8a8.
Meine liebe gute Mutter! '
Unser Gouverneur, der Fürst Lobkowitz, hat
vorigen Monat mit einer Fürstin Schwarzen-
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611
* *
berg , . Tochter des regierenden Fürsten , vermählt,
und ist mit seiner jungen Gemahlin am 4ten d. M.
von Wien hier angekommen. Nun jagt ein Ball und
ein Fest das andere, zum Empfange des jungen Für-
stenpaaresi Unter anderm gab auch, unser Erzbischof
aus dieser 'Veranlassung vorigen Sonnabend eine
grosse Assemblee, und da bey ihm nie getanzt wird
und er dem Fürsten eine . besondere Ueberraschung
bereiten wollte,, so gab 'er mir den Auftrag, eine
Cantäte zum Empfange der Fürstin zu componiren.
Montag, am 7ten, fasste der Erzbischof erst diesen
Entschluss. Dienstag Mittags bekam ich die Worte
und Samstag sollte die Aufführung seyn! Da hiess
es sich zusammen nehmen. Ich war auch sd glück-
lich, bis Donnerstag Abends mit meiner Arbeit fer«-
tig zu seyn. Freytag wurden die Stimmen ausge-
schrieben und Samstag probirt, und Abends mit Bey-
lall aufgeführt. Mit weniger .Eile hätte ich es wohl
besser machen können ; aber ich kann mir doch selbst
das Zeugniss geben, dass meine Composition ihir ge-
lungen ist , und dass sie Effect macht. Nach dieser
Cantate spielte meine Schülerin, die jüngere Fräu-
lein Baroni , das Rondo brillant in Adur von Hum-
mel, welchem eine von Hrn. Servaczinski sehr schon
gespielte Polonoise von Mayseder folgte, und den
Beschluss machte meine der Kaiserin dedicirte Can-
tate, die allgemein anspräch. Mir machte das Ganze
viele Freude, denn es lieferte mir neuerdings den
Beweis, dass ich Talent zum Componiren habe, und
dass ich etwas Ausgezeichnetes zu leisten im Stande
seyn werde, wenn ich meine ganze Zeit darauf werde
verwenden können. Aber so muss ich mich gegen-
39*
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r>i2
^ ™^^— ™
wärtig mit Lectionen plagen und abstumpfen« . Nur
zwey Jahre Herr meiner Zeit, und mein Vater sollte
sich im Grabe über mich freuen! — * ilch brauche
noch vier bis fünf Monate, um mit meinen Studien
fertig zu werden, und wenn ich: einmal so weit bin,
so werde ich früher einige kleine und grossere Stücke
für die Kirche schreiben müssen, um mich in diesen
Styl erst recht einzuüben* ••«••..' -i
Das G alizische Abendblatt für gebildete Leser
in Lemberg hat in No. 35 Folgendes: „Ihro Maj<*
stät unsere geliebte Kaiserin Carolina Auguata. geb-
rühte huldreichst die Dedication einer Cantate: Der
o i*s t, c X^i* l 1 1 1 1 1 11 ^ s tn ^ von ~\ I^if o ft^*^ z^tRc^iTT^oy^^
Diese vierstimmige Cantate ist bereits in "Wien un-r
ter der Presse und wird ehestens erscheinen; sie soll
nach dem Urtheile der Kenner ein vortreffliches
"Werk seyn." Bis Ende Junius, hoffe ich, wird sie
endlich herauskommen. , - J - ! 1
Möge dieser hbfrnungs volle Sohn in diesem so
schönen Bestreben nach Vollkommenheit nicht er-
müden, und so wie, er der Erbe des väterlichen Ta-
lentes ist, auch seinen rastlosen FleisS in dem Stu-f
dium grosser Meister geerbt haben! I^ur dadurch
geht der Weg zum wahren Ruhme! Der ältere Sülm
Carl ist. gegenwärtig in Mailand Secretair < beySder
Kanzley der Regierung, ist aber auch, in der »Musik
sehr ausgebildet. — So weit von Mozart7* Sohne«; ■■tt
• :...•» « • s, * t.
* — - — — — — — — —
, 1*1
. • • i : I •! ■ «» II
*: x* w. • v ' « • ' i :r u> ' a
/
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613
' Des grossen Mozart's Kunst - Vollkommenheit
tvurde noch bey seinem Leben allgemein anerkannt
und nach Werthe geschätzt: aber er lebte zu kurz,
um die wahre Blüthezeit seines Ruhmes zu sehen.
Selbst in Wien> seinem Wohnorte, waren es nur
Kenner, die seinem Genie Gerechtigkeit widerfahren
Hess on. Der Zauberflöte, wovon Mozart die ersten
Vorstellungen, und folglieh auch den ausserordent-
lichen Beyfall noch erlebte, war es vorbehalten, seine
Grosse dem Auslände zu verkünden. Durch diess
Meisterwerk begeistert, suchte man seine übrigen
Werke auf, stüdirte sie und empfand ihre Schön-
heit, und so war der Name Mozart bald in der
ganzen gebildeten Welt gefeyert, seine Gesänge die
Lust jedes Ohres!
In der allgem. Leipz. musik. Zeitung von 1819
heisst es aus Wien, bey Gelegenheit einer Reprise
von Mozart's Mädchentreue im Hoftheater: Wird
zwar das hiesige Publicum bisweilen von dem er-
borgten Mondlicht eines Rossini zu menschlichen
Schwachen herabgezogen, huldigt es dennoch dem all-
mächtigen Strahlenmeere der ewigen Sonne anbetend,
empfangt das unvergänglich Schöne stets mit war-
mem Herzen und setzt dem wahren Verdienste jubelnd
die Lorberkrone auf. Wenn man so die Werke des
verklärten Meisters mit aller ihrer Erhabenheit, Lieb-
lichkeit, mit dem unerschöpflichen Borne an Neu-
heit,'Fülle, Reichthum der Melodiecn, an Ausdruck,
Gefühl, Wahrheit und Natürlichkeit unter die Ka-
pelle brächte, wie würde doch so rein gediegen Gold
zum' Vorscheine kommen, wie tief müsste selbst im
umgekelirten Verhältnisse die Waagschale manches
gefeyerten Tondichters unter unseren Zeitgenossen zu
Boden sinken, indess jene des olympischen Sängers
— gefüllt mit Aether - Blumen — himmelan zum
Mutterlande empor steigt! — . ' \ .
Die Wittwe erfuhr es auf ihrer im Jahre 1796
u uteri lommciicii Ii. eise durch Deutschland ^ uhcr3.ll
zu ihrer innigsten Wonne, wie gern die Deutschen
wahres Verdienst erkennen und ehren, und wie tief
Mozart's Gesänge auf ihre Herzen einwirkten. In
Leipzig nahm der Gastwirth Ernst keine Bezahlung
ron der Wittwe: Reisen Sie glücklich, und tom-
Sie bald wieder, war seine Antwort*
Bey ihrem Aufentbalte zu Berlin im Februar
1796 gab der höchstselige König JVillielm IL, dieser
vortreffliche Freund der Tonkunst, der Mozarten noch
ein Jahr vor seinem Tode eine goldene Dose und
100 Friedrichsd'or iibersandt hatte, und der ganze
königliche Hof ausgezeichnete Beweise seiner Liebe
und Achtung für das Genie Mozart's. Durch ein
gnädiges Handbillet ward ihr, bloss aus Rücksicht
auf die Talente ihres Mannes, das königliche Theater
und die Kapelle zum Gebrauche für ihr Concert über-
lassen; und ihre Unternehmung wurde nicht nur von
dem Monarchen , sondern auch von dem ganzen Publi-
cum auf das Grosstnüthieste unterstützt. lieber alle
Beschreibung gross und rührend war die Wirkung,
weiche die Aufführung der Singstücke aus der Oper:
ha Clemenza di Tito bey dem Concerte auf den Kö-
nig und das so ungewöhnlich zahlreich versammelte
Publicum machte. Alles war gleich begeistert, die
grossen Sänger, das vortreffliche Orchester und die
Zuhörer. Der Geist des verewigten Künstlers (so
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615
drückt sich ein Berliner Wochenblatt am) schien
über der Versammlung zu schweben, als zum An*
fange die Symphonie aus der Zauberflöte, von dem
rc^li^^stc^ s ^) ni 1 1 ^ t i J i tL f^t *\^^^ y o 1 1 i c f o ^ (_ 1 1 i 1 1 c?
einweihende Stille hervorbrachte« Das Ilandbillet,
Worin der König von Preussen einen so rühmlichen
Beweis seines guten Geschmacks und der Achtung
für deutsches Talent gegeben, lautet wörtlich so:
„Se. Königl. Majestät von Preussen etc. machen
sich ein wahres Vergnügen, durch die Gewährung
des Wunsches der Wittwe Mozart zu beweisen, wie
sehr Sie das Talent ihres verstorbenen Mannes ge-
schätzt, und die ungünstigen Umstände* bedauert ha-
ben, welche ihn die Früchte seiner Werke einzu-
ernten verhinderten. Allerhöchs'tdieselben bewilligen
der Wittwe Mozart zur Ausführung dessen letzter
Composition, La Clemenza di Tito, da« grosse Opern-
haus, so wie Dero eigenes Orchester, Laben auch
dieserhalb die nöthigen Befehle an den Kammerherrn,
treyherrn von der Rech erlassen, an welchen sich
selbige nunmehr zu wenden hat, um wregen des zu
bestimmenden Tages und wegen des übrigen petails
mit ihm sich gehörig zu besprechen. Berlin, den
l4ten Februar 1796."
Selbst Italien, seit Jahrhunderten im unbestritte-
nen Besitze des Meisterrechtes der Tonkunst, über-
wand seinen Nationalstojz und erkennt nun Mozart's
Ueberlegenheit in der Musik an. Mozart's .Opern
werden in Rom, May 1 and und anderen Städten mit
Beyfali gegeben, die Ciaviersachen von Jedermann
gespielt* und Meister studiren seine Partituren. !
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-
Noch früher hat Frankreich seinem Talente ge-
huldigt. Der Beyfall, den die Mysterien der Isis
(Zauberflöte) in Paris erhielten, ist ein Beweis da-
von. Lachnith hat zwar die Zauberflöte frevelhaft
verstümmelt; aber gleich dem ephesischen Tempel
ist das Mozart'sche Wunderwerk (eines der sieben
musikalischen, die alle von einem und demselben
Componisten sind) auch selbst noch in seinen Ruinen
ein erstaunendes und entzückendes Monument des
unsterblichen Meisters* Baron v. Sievers giebt über
dessen Aufführung folgenden Bericht:
Die Ouvertüre wurde von dem Orchester der
grossen Oper, besonders in den Parthieen der Blas-
instrumente, mit wunderbar vollendeter Reinheit und
Pracision ausgeführt. Von einem solchen haarscharf
bestimmten und durch die grosse Masse der Künst-
ler mit überwältigender Kraft imponirenden Vor-
trage, der bey Mozart's Werken aller Nüancirungen
(welche diesem Orchester überall abgehen) entbehren
kann, geben die deutschen kleinen Orchester, in
welchen überdem nur zu oft Jedermann Künstler
und Niemand Ripienist seyn will, keinen Schatten
zu erkennen. Was aber würden deutsche Musik-
Liebhaber zu dem herzerhebenden Effecte sagen,
welchen die beyden End -Chöre: Es lebe Sarastro,
und: Es siegte die fVeislieit, hervorbringen, wenn
sie von ein paar hundert Instrumentalisten und Vo-
calisten vorgetragen werden, die Alle, ohne Aus-
nahme, im höchsten Grade musikalisch sind und
eine vollendete Routine besitzen! So kann sich ein
deutsches Ohr gleichfalls keinen Begriff von der
vollendeten Präcision und Reinheit machen, mit
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•« /
ff 17
— *
weicner oaniiiiLiiciiu oiucxe cier urey uarnen unu
der drey Knaben, von welchen letzteren freylich
nur : Seyd uns zum zweyten Mal? willkommen,
beybehalten worden ist, vorgetragen werden. Wer
weiss nicht, dass die genannten Stücke auf allen
deutschen Theatern die Partie honteuse sind, von
denen ein gebildeter Musik -Kenner sein Gehör ab-
wenden möchte? Hier werden die drey Damen,
Welchen auch das eben erwähnte Terzett der drey
Knaben zugetheilt ist, von den ersten drey Chor-
Solo - Sängerinnen der grossen Oper gesungen, drey
Künstlerinnen von vollendet musikalischer Bildung,
von denen insbesondere Madame Lebrun, die Gattin
des Componisten des Rossignol, eine vortreffliche
i^ontra — /vitstimme Desitzt. uurcn iure Juraitige,
kühne und präcise Intonation erhält besonders das
Quintett: Hu, hu, und in diesem besonders die
Stelle: So lebet wohl, eine Bedeutung, die mir in
Deutschland gänzlich unbekannt geblieben ist. Der
Charakter der ganzen Vorstellung offenbart über-
haupt eine Grösse, von der Mozart, hatte er einer
derselben beywohnen können, wahrscheinlich selbst
ergriffen worden seyn würde. Die Arie: Diese
Bikini ss ist bezaubernd schön, singt Herr Nourrit
als Tamino (Ismenor) aus D dur! Was die Verän-
derungen, welche mit dem Texte und der Musik
vorgenommen sind, anbetrifft, so kann ich von dem
ersten, ohne in ein zu weitläufiges Detail mich ein-
zulassen, nur so viel sagen, dass ihm alle äusseren
romantisch -bizarren Auswüchse abgeschnitten sind,
und das Stück nun einem Knochen- Skelette gleicht,
_ von welchem das Fleisch abgestreift ist. Die Grund-
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Idee Sclnkaneders begreift man gerade noch so viel
als man den Wein in einer Bou teil le riecht, wenn
W m
er nicht mehr darin ist. Verschwunden sind die
Schlange, das Schloss am Munde, die Königin mit
Donner und Blitz und ihren zwey Arien, das Was-*
aer und Feuer, die geharnischten Männer, die Sitzung
der Eingeweihten mit ihren Posaunen, die wilden
Thiere, die drey Knaben, der Wahnsinn Paminens,
und endlich Monostatos nebst dem Mondscheine; ge-
strichen alle Musikstücke, welche durch Ausmerzung
obiger Personen von selbst wegfallen mussten, aus-
ser: Sejd uns zum zweyten Mal willkommen, wel-
ches, wie schon oben gesagt, von den drey Damen,
und: Alles fühlt der Liebe Freuden, welches von
der Papagena gesungen wird. Ausserdem bleiben
weg : Wie hold ist nicht Dein Zauberton, die bey-
den Duette zwischen Tain in o und Painina, natürlich
auch (da die Knaben fehlen) Pamina's Wahusinns-
scene, das letzte Quintett zwischen der Königin,
Monostatos und den drey Damen, das Final des er-
sten Actes: O Herr und die Folge desselben, wel-
che mit dem Auftritte des Monostatos anhebt, (Es
Übe Sarastro ist geblieben) Du feines Täubcfon,
nur herein, und endlich: In diesen lieiVgen Hallen.
An die Stelle sind viele Tanzstücke und mehre Arien
und Chöre getreten, von denen ein guter Theil von
Herrn Lachnith selbst seyn soll. Kein einziges der
* beybehaltenen Stücke ist an seiner Stelle verblieben,
keinem der Sinn seines ursprünglichen Textes gelas-
sen worden. Aus dem Duett: Bey Männern, wel~
che Liebe fulüen, ist ein Terzett geworden u. s. w.
Am ärgsten ist es aber, dass man sich sogar Veriux-
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619
in der Partitur erlaubt hat. So fehlt z. B.
in der Arie: /» diesen heil' gen Hallen, bey der
Stelle: so wandelt er an Freundes Hand, der
ahmende B*.J^
der hier nicht allein d
beb rl ich, sondern auch auf das Wandeln deutend,
so charakteristisch ist, ganz und gar, nnd die Basse
schlagen statt dessen nur das h einige Male an. Wie
nüchtern und kahl diese so bewunderte Stelle nun
üingt, kann man sich leicht denken. So ist d
Verstümmelung beschaffen, in .welcher die Zauber-
flöte auf dem grossen Pariser Opern -Theater gege-
ben wird, und so gross ist nichts desto weniger die
bewundernde Anbetung, mit welcher Kenner nnd
Liebhaber die Zaubertöne anhören, dass sie unbe-
wegiicn siLzen, keine xiana runren, unu aas Jint-
zücken, welches sie empfinden, nur durch Verklä-
rung ihrer Mienen zu erkennen geben.
Lachnith hat die Recitative statt des deutschen
Dialogs, und Herr Molina das neue Gedicht ge+-
schrieben. • v /
Don Juan machte kein so grosses Glück $ aber
diess war, wie alle Nachrichten einstimmig aussag-
ten, die Folge der schlechten Darstellung des Stückes 5
denn der hohe Werth desselben wurde vollkommen
anerkannt. Der grosse Spohr schrieb während sei-
nes /vutentnaites m 1 ans iozö nicruoer roigenuess
Gestern sahen wir endlich denn auch im i
lienischen Theater bey überrolltem Haus* Don
Ich wurde versucht zu glauben : die Pariser hätten
nun endlich die klassische Vortrefflichkeit dieses
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Werkes begrinen, und drängten wen in immer gros-
serer Menge herbey, um es zu gemessen; diese Mei-
nung gab ich aber bald wieder auf, wie ich sah, dass
die herrlichsten Nuibmern der Oper, das erste Duett,
das Quartett, das grosse Sepiett, und so manches
Andere, ohne Eindruck auf sie zu machen, vorüber
ging, und nur zwey Nummern rauschenden Beyfall
erhielten, der überdiess mehr den Sängern wie dem
Componisten galt. Diese zwey Nummern, die jedes
Mal da capo verlangt werden, waren: das Duett
zwischen Don Juan und Zerline : Reich9 mir die
Hand, mein Leben, und die Ariä von Don Juan:
Treibt der Champagner. Die ganze Oper ward ver-
kenn besetzt. So viel wird einem Deutschen aber
doch bald klar, dass diese Sänger, die/die neu italieni-
sche, besonders Hossini'sche Musik in höchster Voll-
endung geben,, die Mozart'sche nicht mit gleicher
-Trefflichkeit executiren können ; die Gattung ist gar
zu verschieden. Der weichliche, süsse Vortrag, der
bey jener ganz an seinem Platze ist, verwischt hier
zu sehr den energischen Charakter, der dem Don Juan
vor allen anderen Mozart'schen Opern eigen ist u. s. vr.
. , Mozart's Symphonieen , Glavier-Goncerte, Quar-
tetten werden allgemein bewundert« häufln cesnielt-
neu aufgelegt.
: England, welches deutsches Tonküustlerverdienst
von jeher schätzte und lohnte ^ kennt und bewundert
.auch Mozart's allgewaltigen Geäst. Das Requiem
wurde in London öfters mit dem grössten Beyfall
aufgeführt, und der Absatz seiner bey Breitkopf u.
*
■
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Werke ist nach England
eben so stark, als in Deutschland und Frankreich.
Wo giebt es überhaupt Kenner und Liehhaber
der süssesten der Künste, wo nicht MozartV/Tonö
tönten und jedes Ohr entzückten?. Selbst in den
Welttheüen, wohui kaum der Name
der berühmtesten Europäer dringt, hallen seme
Harmonieen wieder. In den philippinischen Inseln
(schreibt der bekannte Botaniker Hanke) werden
seine Werke mit Entzucken gebort. ,
I. LI i'llVil
Folgendes Schreiben aus London 1817 an die
Redaction der Leipziger allgemeinen musikalischen
Zeitung enthält Folgendes:
Auf dem Theater der italienischen Oper in Lon-
don machen Mozartfs Meisterwerke,, vor aUdK Don
Juan, endlich auch. Epoche, so dass4 Jeder sich selbst
bey der feinen Welt das Urtheil sprechen würdey
der nicht Mozart unter den Opern ~ femponistej*
eben' so hoch stellte, als Händeln unter den Kir-
chen-Compomsfcem . .» ;..•.!;»,•,...! ' ..w :n
, «Das« Mpzart'a Werke in Nord- Amerika ziem«,
lieh bekannt sind , kann ich versichern 5 . dass sie ii
Süd- Amerika, in Brasilien durch Neukomm beka
worden, sehe: ich aus Ihrem Blatte; und dass
nun von hier au s . auch nach Indien wandern wer»;
wohl kein Land der alten und der neuen Welt, das/
überhaupt kunstgemasse Musik besitzt , wo nicht j\Io-»
zart Bildung und vielfältigen frohen Genuss verbrei«*:
tele,— er, den man bey Lebzeiten kaum aufducken
und hungern lies*. Kurz, <&*yNwliwd* ist ge£m»
die Verdienste und das Genie Mozart's «erecht.
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Latrobo fand bey
discher Abkunft im Tief* Innersten des Landes der
Hottentotten und Kafiern MozartVhe Hefte auf dem
Notenpulte des Pianoforte. Und selbst die neuesten
Reiseberichte sagen uns- (1827): 1J-\ - • •
Ht[ *In Mexico hört man häufig In porfern auf dem
Öelbirge die grossten Musikstücke von Haydn, Mo-'
starj:, "Bach, fieethoven^ weit von der Hauptstadt;
und 'Ciavierstücke von Pleyl, fties, Cramer u.
trifft man in jedem Hause.
I '1 V« .... * v
,%l uM0^ o& Künstler und Mensch.
D» : l/>nrösa von Mc-zart's
gezeichnet, dass *ie, wie die Umrisse der Köpfe
Friedrich II. von Preussen, oder von Sokrates, fast
gar nicht ganz verfehlt werden können. Die Kör-
perbildun g dieses ausserordentlichen Menschen hatte
nichts Auszeichnendes; er war klein , sein Angesicht
angenehm, aber es kündigte, wenn man das grosse,
feurige -Auge ausnimmt, die Grösse seines GeiuVa
auf den ersten Anblick nicht aiu Sein Auge war
mehr matt als feurig, ziemlich gross und gut geschnit-
ten, mit sehr schonen Augenbraue» und Wimpern*
So. lange er mager war, standen die Augen etwas
vor, er war dann übersichtig. Die Augen
und scharf: mal
schien uns tat und « verstreut , ausser wenn , er am Cla-
vicre saass ; da änderte sich sein ganzes' Antlitz! Ernst
und gesammelt ruhte dann sein -Auge ; auf jeder
Muskelbeweeunc drückte sich die- Emufiiidumr
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Welche' W durch sein Sj>iel vortrug, und in dem Zu-
hörer s"o mächtig wieder zu erwecken ' vermochtet **
"* ! ißr hatte kleine, schöne Hände; bey dem Ciavier* - „
spiiden wusste er « sie sö sanft und natürlich auf der
Cläviatür au bewegen, dass sich das Auge daran
nicht > minder als das «Ohr an den Tönen ergötzen
mussie7. « Zu bewundern ist es, wie er damit so vie-
* • • •
les , besonders im Basse greifen konnte. Auch darin
tieiehhete sich also Mozart vor- den toinmelndfen ,
KraflgeiuVs unserer Tage aus ! I '»
: &ein Köpf \*ar far den fcorßer verhältnissmässig v
W gross: derrKörpet selbst, die Hände und Risse
gut proportionirt, worauf er auch etwas eitel war.
Die Nase war schon $ nur so lange er mager war
und nach den ersten Jahren seiner Verheiratnunfe
War die Grösse «einer Nase auffallend. Ini Mor-
genblatte wird er einmal dCr endrm benas'te Mozart
genannt. ' ;- .v.H.. 1* 1 n t T' :• ! -» . <
• Der zurückgebliebene Wuchs seines Köi*pera
mochte von seiner frühen Anstrengung und Bntwicke-
hmg seines Geistes .herkommen', nicht aber von dem*
Mangel an freyer Bewegung in seiner Kindheit (wie*
einige irrig behaupten)* denn gerade in sein er Kind-
heit und Jugend hatte er bey seine*! vielen weiten*
Reisen die meiste Bewegung; aber in spateren Jahren
bey seinen Studien und Compösitionen kann ihm
Mangel an Bewegung schädlich 'gewesen seyn. Er
war von schönen Eltern gezeugt, nnd ist selbst ein
schönes Kind gewesen» Wie känn sich aber in der
Welt Schönheit an sich' erhalten , nnd wie bey ei-
, ' »em Manne, der in seinem Leben und meist des
Nachts soviel schrieb und dichtete* Da Mozart lbe-
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kaimtermaassen in der Nacht am liebsten spielte and
oomponirte und die Arbeit oft dringend war; so ist
leicht begreiflich . wie sehr ein so fein orfranisirter
Körper darunter leiden musste. Das« eine keines weges
starke Constitution, eine so starke JWifung, als seine
ungemeine Arbeitsamkeit war- aushalten sollte, war
nicht zu er war Ich; aber das s bey felilendem Wohl-
befinden der Eifer des Tonkünstlers noch zunahm,
davon liegt die Erklärung darin , dass sein Geist sich
auf Kosten des Leiblichen ausbildete , bey dieser
Ausbildung sich canz fiir's Leibliche vercaass und nur
das Eine zu pflegen bestrebt war. Daher gab die
Zeit seiner nahenden Auflösung seinen Anstren-
gu ngen neues Feuer» und spornte oft seinen Fleiss
bis zur Ohnmacht, Diese anhaltende Geistesanstren-
cunff hatte nothwendie Erschlaffung und Schwäche
zur Folge, ähnlicji der , welche Tasso und 1. 1. Rous-
seau erlitten: er i?erietli nämlich in einen Zustand
von Sch wermuth, in welcher er immer das schauerliche
Todesbild voi? sich sah. Dieser unglückliche Ein-
druck, wurde noch durch das Ereigniss bestärkt, wel-
ches seinem letzten und edelsten Werke (dem Re-
quiem} die Entstehung gab. Sein früher Tod (wenn
er ja nicht auch künstlich befördert war) muss die-
sen Ursachen hauptsächlich zugeschrieben werden.
D,ie Leipzjgpr allgem. musifcal. JZeftung enthalt
über seinen frühen Tod bey folgende Veranlassung:
i)ic ^etzt ^\ icdci ei \\ ach c nd cn 1 i eu n cl c des strengen
Styls der Vorfahren werden gu erinnern seyn, die
Fortschritte des Zeitalters in anderm Betrachte nicht
zu verkennen, und auch dem freyern anmuthjgen
Styl ein offenes Hera; zu erhalten. Den Componi-
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625
sten hingegen, die seit Mozart mit mehr Ernst und
Gelehrsamkeit sich in die Tiefen der Harmonie ver- '
senken, und desshalb sich vornehmlich an die wieder >
erweckten Alten halten, scheint es rathsam, zu Ge- ,
mütlie zu fuhren, dass die gelehrteste Ausführung
allein eine Cömposition noch nicht zum Kunstwerke
mache; dass ein solches nicht nur. das Gefühl, oder
das Gemüth und den Verstand, sondern die gesamm-
Ifen Geisteskräfte des Menschen beschäftigen müsset
dass, was als Studium unschätzbar ist, doch nur dann
erst für die Kunst selbst Vortheile bringen kann,
wenn der Künstler es sich ganz zu eieen gemacht
und sich dadurch in den Stand gesetzt hat, um so
tiefere Ideen gewandter, bestimmter, körniger und ,
edler auszusprechen * einen Gebrauch davon zu
machen, wie es Mozart in seinem Requiem that, das
gerade in dieser Hinsicht das Vollkommenste , ist,
was die Welt seit Sebastian Bach und Händel auf-
zuweisen hat. Eine solche Warnung dürfte um so
nöthiger seyn, da die anhaltende und ausschliessliche.
Beschäftigung mit den Werken des strengsten Styls,
wie* alles sich Hingeben in die Tiefen der Specula-
tfan nach und nach einen bezaubernden Reiz, eine
fast unwiderstehliche Gewalt über den Geist bekömmt,
und, weil der darin befangene, indem. er unendlich
tic ici zu blicken wahnt j ~\\ c it mein Iwiaft au l>. u\n < n—
den, weit fetter, zu fte{ien glaubt, als . <Jie meisten
seiner Brüder, die mehr ihrem Sinne folgen, leicht
überstreng gegen sie und ihre Werls e, wirf, sie jrerr
achtet, ihnen Unrecht Lhut, und der Kunst, die,
frisch, gebend; in, ^en Regionen, wohin alle edleren
Menschep gehqren> ( diese. beglücken will und soll,
40
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C26
«
Fessel« anlegt. ,So wird z.B. der Maler, und wenn
er auch Seelenmaler ist, schon durch die Gegen«
stände, die er behandelt, mehr an die Natur geket-
tet; der Musiker hingegen findet in seiner Jvunst
kein Band, das ihn an jene schlösse, er wird nur
durch gemeinschaftliches Aufeinanderwirken der Gei-
steskräfte in Verbindung mit dem Tonsinne geleitet,
und wenn er durch ununterbrochene Anstrengung
tmd Thätigkeit derselben, gleichsam durch anhaltende
Spannung sie erschöpft, sie durch übermässige Span-
nung gleichsam zur Lähmung bringt, — wie kamt
er anders werden, als kalt, finster, starr, und *für
die Welt, der er doch angehört, ganz verloren! —
Wie diess aus der Natur der Sache von selbst ein-
leuchtet, so bestätigt es sich näher durch die Ge^
schichte verschiedener anderer grossen Geister und
auch der grössten Musiker; und man fühlt gewiss,
dass unser Mozart unter die äusserst seltenen Men-
schen gehöre^ die mit allem Scharfsinn - auch Tiefsinn
und eine so glühende Phantasie und reines Naturge-
fühl besaassen, deren Talenten keine Fesseln anzule-
gen waren. Daher war Mozart in den letzten Jahren
seines Lebens im Stande, die Kunst gleichsam an
ihren beyden Extremen zu erfassen, festzuhalten und
darzustellen — und dabey war er nur ein Mensch*
Da sich aber, laut aller Erfahrung, . übermässige Gei-
steskräfte nicht mit der Dauer des Körpers' vertra-
gen, da sich ersteTfc immer nur auf Kosten des letz-
tern ausbilden, so wandelt der Geist, -unbekümmert
um seine Hülle, seinen Lauf, und geht dann leicht
eine Richtung, die grossen Geistern schon begegnete:
von ihrer Höhe fallen sie zur Tiefe herab, die Klar-
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637
heit neigt sich zur Finsternis«, das Licht znm Schat-
ten, und — der Mensch erlischt. So erging es auch
unserm Mozart, der, im Vorgefühle seiner nahen
Auflösung, noch in eine Art Schwermuth verfiel, »
die das gemeinschaftliche Wirken der Seele mit dem
Körper nicht beherrschen konnte. Man möchte fast
sagen , dass Mozart bey der Arbeit seines Requiem
schon nicht mehr lebte, dass seine Seele schon gröss-
tenteils vom Körper getrennt war und er nur als
Halbverklärter noch hienieden schuf. Nur auf diese
Weise konnte es aber auch kommen, dass Mozart
ein Requiem componirte, wie eben sein letztes ist 3
lind hätte er auf andere, nicht zu sehr angestrengte
Weise,4 und nicht meist bey Nacht es arbeiten wöf-
len - nimmermehr Vir« ein „olches Geiatesproduct
auf die Welt gekommen,
' Da Mozart immer geistig und nur für sein Fach
beschäftigt war, so konnte er in seiner Art seinem
Verleger Hofmeister, der ihm sagte: Schreib* popu-
lärer, sonst lann ich Nichts mehr von Dir drucken
und bezahlen, richtig utfd trefflich antworten: Nun,
so verdien* ich Nichts mehr und hungere, und scher*
mich doch den Teufel darum I* l,;
Sophie, seine noch lebende Schw3gerin, bestätigt
seine anhaltende Geistes' -Thätigkeif, 'indem sie*' 'von
ihm und seinen späteren Jahren erzählt : J Er war
immer guter Laune^ aber selbst in der besten' sehr
nachdenkend, eiriein dabey scharf ins Auge blickend,
auf Alles; es mochte heiter oder traurig seyn, über-
legt antwortend, und doch Schien elf' dabey an ganz
etwas Anderm tiefdenkeilfd; zu arbeiten. Selbsf wenn
er sich in der Frühe die Hände wusch, ging er ^a-
40*
628
bey im Zimmer auf und ab, bljeb nie ruhig stehen,
schlug dabey eine Ferse an die andere und yrar im-
mer nachdenkend. Bey Tische nahm er oft eine
Ecke seiner Serviette, drehte sie fest zusammen, fuhr
in sei-
nem Nachdenken Nichts davon zu wissen, und öfters
machte er dabey noch eine Grimasse mit dem Munde.
In seinen Unterhaltungen war er für eine jede neue
sehr passionirt, wie für's Reiten und auch für Bil-
lard. Um ihn vom Umgänge misslicher Art abzu-
halten , versuchte seine Frau geduldig Alles mit ihm.
Auch sonst war er immer in Bewegung, mit Händen
und Füssen, spielte immer mit Etwas, z.B. mit sei-
nem Chapeau, Taschen, Uhrband, Tischen, Stühlen,
gleichsam Ciavier. Just so war sein jüngster Sohn
in seiner Kindheit.
In Mozart's unansehnlichem Körper wohnte so-
mit ein Genius der Kunst , wie ihn die Natur nur
wenigen ihrer Lieblinge zu verleihen pflegt* Die
Grösse und der Umfang seines Genie 's lässt sich, nur
nach dem so frühen, so beyspiellos schnellen Gange
seiner Entwickelung und nach der hohen Stufe der
Vollkommenheit abmessen, auf die er. gestiegen war.
Kein TonknnsÜer vor ihm hat: das weite Gebiet der
Kunst in seiner vielseitigsten Richtung so ganz um-
fasst und in jedem Zweige derselben so vollendete
Producte geschaffen, als er. Von der Schöpfung
einer Oper an bis zu dem einfachen Lied*, von der
kritischen Erhabenheit einer Symphonie bis zu dem
leichten Tanzstucke herab, sowohl im Ernsten als
auch im Komischen, tragen seine Werke überall den
Stemnel der reichsten Phantasie, der eindringe udsten
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*
Erfindung' lind* des feinsten Geschmackes* Sie ha-
bfch eine Neuheit und Originalität, die sein Genie''
imhezweifeU beurkunden. Selbst das, was man ihm
als Fehler vorwirft, zeugt von der Kraft seines freyen,
eine neue Bahn gehenden Geistes. Dazu denke man
noch die Vollkommenheit, die er zugleich im Cla-* k
vierspielen; erreicht hatte ! Mozart will nicht bespro-* 1
chen," nicht erklärt, nur im Fühlen will er verstan-
den seyns er :isfc ein 'Wunder, welches, der Ahnung
imd dem Gefühle allein angehörend, von feinen* > "
seichten Verstände berührt werden dar£ Seine Werke !
ziehen, ungeaehtdt ihres ganz neu erschaffenen und
aile his dahin betretenen Bahnen hinter sich lassen-
den Charakters, durch ihre innere, reiche und alle
Mittel der Kunst erschöpfende und doch zugleick '
hammlisch klare. Vollendung den Liebhaber so wie 1
den eigentlichen Musiker gleich mächtig an. So ist
namentlich sein Don Juan ein Werk, in dem Alles
erschöpft ist, was die Seele des Menschen in ihrer 1
tiefsten Tiefe ahnet und empfindet, aus welchem uns
der ewige Geist der Welt selbst in seinem Hauche
von Glauben, Liebe und Hoffnung anweht, ein Werk,
da» selbst in seiner sittlichen Tendenz zu einem jung-
steh Gerichte für alle Verruchtheit wird, zu deren
Gewissen die Posaune (denn was ist die mit der Er-
scheinung des Geistes ertönende Musik anders ?) in '
schrecklichen, Alles zermalmenden Tönen redet.
So auel fi sein Requiem, in welchem Mozart's Geist
seine eigene Verklarung feyert. Der Vf. von „Mo-4,
zfert's Geist" sagtr Das heisse Gefühl wird jeden ta-
lentvollen Künstler bey wiederholtem Studium des
Requiem überzeugen, dass MozartY unerschöpflicher
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630
Reiqh thum keiner Auseinandersetzung » in Worten be- »
darf, , da das geistvolle Anschauen allein .vermögend »
ist, Grazien zu enthüllen, an deren Ausdrucke die
Sprache verarmt, / , . . f , , , • • /
In Sebastian Bach hatte die contrapunctische Pe-
riode der Tonkunst ihren Gipfel und ihre Vollen-
dung erreicht* in Verbindung mit der. melodischen,
erlebte sie sie in Mozart« • ■ f u • ^
, Alie diese so seltenen, so mannigfaltigen und so
innic verwebten Vorzüge bestimmen den llane, der
unserin, Mozart unter den Genien der Künste ge-
bührt. Er war einer der Crossen, schönferischen
Geister, die in ihrer Kunst Epoche machen, weil
sie dieselbe vervollkommnen, oder doch ihren Nach-* ,
folgern neue Ansichten und Pfade eröffnen; nach*
deren Erscheinung indess die Kunst gewöhnlich still»
steht oder rückwärts geht. . ».
Unter den schönen Künsten ist keine so sehr
Sklavin der Mode und des Zeitgeschmackes, als die
Mu.sik. Da Musik bloss dem Vergnügen dient, bloss
Sacho des Einzelnen bleibt, keinen Vereinigungspunct
und keine Anstalt hat, wodurch der Geschmack des
Publicums die gehörige Richtung bekäme; da ferner
ihre Theorie noch zu wenig bestimmt und" ihre Em>
vvickelung so schwierig ist, um selbst den Künstlern
djq Grenzen zu zeigen, oder ein Ideal vorzustellen:
so muss sie immer* zwischen der Laune der Mode,
dem Eigensinne eines verderbten Geschmackes und
^! w i j 1 1 c_ i x t.1 c n ein ^"^^ c? L (_ ^ 1. 1_ c 1 1 1 1. <s toi xi i o iS iS ^ x _t*v_uns t^loi^
uua la t hin und her schwanken , und erhalt nie einen
sichern Gang zur Vollkommenheit* Ueberdiess sind
ihre Zeichen und Formen zu unbestimmt, upd das
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viel zu untreuer Bote, und «eine Sensationen sind zu
dunkel, als das« man so deutlich bestimmen könnte,
welches das wahre Schöne sey. Was dem grossen
Haufen gefallt — heisst schön! Das Neue hat einen
starken Reiz: daher ist es seines Sieges über das bes-
sere Alte gewiss; und darum gilt alte Musik und alte
Mode einerley. Demi die wenigsten Menschen haben
Geschmack und Keimtniss genug, um ächte Schön-
heit vom Flitterscheine zu unterscheiden« Wenn
grössere Geister durch ihre Meisterwerke auch mehr
als eine augenblickliche Rührung hervorbringen y so
srnnmeu doch: die Leyerniäuner mehr die kleinen
Sächelchen dem Publicum so lange um die Ohren,
bis der Nachhall schönerer Töne verschwindet! Dann
kennt man die Namen grosser Meister nur noch aus
Büchern; ihre himmlischen Harmonieen sind langst
verhallt! Das ist so gewöhnlich das traurige Schick-
sal der Musik r
IVIadanie de 13a\vr in ihrer Geschichte der Musik'
stfetir Jetzt, da der Geschmack am Neuen und die
Herrschaft der Mode uns dahin gebracht haben, wo
wir sind (1826), ist wohl vorherzusehen, dasa jene
inachtigen Herrscher uns nicht lange da lassen wer-
den*. Allein, wo werden wir hin gerathen? Wird
man neue Entdeckungen machen, unsere Ohren noch
lärmender zu ergötzen, oder wird man zur Einfach-
heit wieder zimickkehren ? Dieser retrograde Schritt .
wurde schon einmal gemacht, und Pergolesi's und
Vinci's Meiosen verdrängten die gelehrte Harmonie,
, die .sich im i?fcen Jahrhundert allein breit gemacht
hatte. Italien wollt© damals nur zwey Violinen und
633
einen Bas« in seinen Orchestern hören, und verwärf ^
die Schatze, welche Jomelli seinem Vaterlande aus
der Fremde mitbrachte. Doch wenn man jetzt zu-
rückgeht, wird 11 1 an nicht zu weit zurückgehen ? Ueber/
diese Frage wild die nächste Zeit entscheiden; In-
dessen wollen wir uns unserer Efiectmusik freuen,
die doch noch genug 'Frische hat, und für uns nicht
au sehr abgenützt ist; für <üa Zukunft der Kunst
darf uns auch nicht bange seyn, so lauge noch. eine
Partitur von Mozart .vorhanden ist« Und bliebe nur
eine einzige der Nachwelt übrig, so würde dieser
Typus des wahrhaft Schönen zum Leuchtturme wer-
den, der den verirrten Schifter .stete in den sichern.
Hafen leitet« . . .... ..-.;•»' 1 fu:i ir- l- •• '»if\ X
» Wie viel Kraft, wie viel klassischer Gehalt
kung von dieser Erscheinung eine Ausnahme macht!
Ihre Schönheit empfindet man gewöhnlich dann erst
recht lebhaft, wenn man sie wiederholt gehört, «rid
dadurch reoht scharf; geprüft hat* 'Oder haben uns
wohl Figaro, Don Juan, Titus, wahrend ihrer viel-
jährigen Vorstellung noch jemals Langeweile gemacht?
Hört man Mozarts Clavier-Concerte, Sonaten, Lie-
der etc. das dreyssigste Mal nicht fast noch lieber,
als das erste Mal ? Wer : hat < die tiefgedachten Schön-
heiten seiner Violin — Ouartelten und Ouintetten nach
der häufigsten Wiederholung eriichöpft? Dieses ist
der wahre Probierstein des klassischen; Wertheal/ Die
Meisterstücke der Römer und Griechen gefallen bey
fortgesetzter Leetüre» und je reifer der Geschmack
wird, immer mehr und mehr ~ das Nämliche wi-
derfahrt dem Kenner und Nichtkenner bevm Ynhö-
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Werke. So ging es bey der ersten Vorstellung des
Don Juan und insbesondere des Titus in Prag« 1 Das
Fremdartig* der originellen Werke, die, aus eiheni
tiefen Innern entsprungen, in eigentümlicher Ge-
stalt ! auf treten, verblüfft, ihr vom Gewohnten Ab-
spruch, ihren eigen th um liehen Sinn fasst man nicht
Manier scheint erzwungen; doch diess
Glücke nur auf eine Weile. Dann ist uns das Fremd-
mehr so fremd dem Abweichenden ha-«
wir uns genähert, .der Sinn ist uns heller auf-*
und die Manier geläufiger geworden» Nun
ist, dann aber wenden diese Werke feststehen,
fand selbst Mozart'* Figaro in Wien
Juan in Prag anfangs
, Und endlich so allgemeinen Bey fall, dass
sie auf den Bühnen aller Nationen feststehend sind,
und die Welt immer von Neuem entzücken. Nufc
darum sprach Mozart's erstes Ciavier- Quartett, G h
anfangs so Wenige an, daher der Verleger Hofinei*
ster dem Meister den vorausbezahlten Theil des
Honorars unter der Bedingung schenkte, dass er die
zwey anderen accördirten Quartette nicht schrieb und
Hoffmeister seines Contractea entbunden wäre % { —
Möhra von dieser Musik ein*
jetzt würden wir das Manuscript*
das wir unterdrückten, gewiss mit Perlen aufwiegen,
jetzt, nachdem die meisten Schöpfungen seiner Kunst
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9b Tns 40 Jahre alt sind, gefallen sie: am meisten!
rer Componisten die still erhabenen, so einfachen
Gesänge unseres. Lieblings! Wie wohl Uran sie un-
senh Gefühle! — es ist, als wenn .man ans einem
chaotischen Ge wirre, aus dichter Fi nsterniss ins Licht
tmd in eine heitere Ordnung versetzt würde.
J b Nebst den oben angeführten Eigen thümlichkeiten
und Vorzügen- des Mozart'schen Kunsttalentes beob-
achtet der aufmerksame Zuhörer seine* Werke einen
gewissen feinen Sinn, den Charakter jeder Person,
Lage und Empfindung aufs Genaueste zu treffen;
sein wahrer Beruf zum dramatischen Com ponisten,
und ist zugleich der Erklärunpscrund des Zaubers
unu aer giossen Wirkung seiner wer kg. jL/aner iiat
jede semer Compositioneu einen bestimmten, eigen-
tümlichen Charakter, eine Individualität, die seihst
in der Wahl der Tonart sich ankündigt. Kenner
seiner Werke bedürfen keiner besonderen Beyspiele*
da alle. Opern von seiner Composition diese Eigen-
schaft ihn hohen Grade in sich tragen, wovon jedoch
jLa Clemenza di THto das beste Muster seyn mag.
h'jii Eine andere sich auszeichnende Eigentümlichkeit
seiner Werke ist die Verbindung der höchsten Com-
^ositions - Kunst mit? Lieblichkeit und Anmuth. Diese
Vereinigung ist eine Aufgabe bloss für Künstler von
Mozart'schem Genie« : Den Beweis davon giebt die
Erfahrung, Er hätte die ersten Werke .eines Bach
siudiri. und nahm ihre Gründlichkeit zum Muster der
eemigen , ohne jedoch ihre Steifheit nachzuahmen;
er ga1> seinem kräftigen Genera lbasse die Leichtigkeit
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der italienischen Musik ohne in. ihr«
faden Wiederholungen, leeren Kraftlosigkeit« und
nichts sagenden Tändeleven zu verfallen • er
deutsche .Kraft mit italienischer Anmuth, wählte
Beeden di* s*bÖ&*te Seite, umging ihre: Fehler, nnd
neue Musik war seine origineile:'*dhöpfangKJdi«
Ton Beyden abstrahirt, aber keine Nachahmung
illi, für , sich ***tefctv Z- Seena con
mit Klavier - Solo für Mscl Je. S torace und ihn <274
Dacember 47Hfi\ Nach einem meisterhaft geführten
und declamirten Reoitative folgte 4i«sea;Rc«doi> #0*.
y amato bene, das Annehmlichkeit und) Reiz
Reichthum der schönsten , bedeutendsten Ii
tal - Begleitung mit, «o viel' Wahrheit und Kjfcfti de«
Ausdrucks, vereinigt , als nur immer die gliic}dkhste
Anwendung aller jener Zaubermittel selbst dem g<*
nie vollsten Comnonisten gestatten mafif* Wet dieses^
^ic alle Mozart'schen Arbeiten, an Modulationen
überAii« reiche Rondo rein und mit Kraftausdruck
vortragt, mag sagen, dass er singen kann; und wer^
das Fortepiano dazu, mit ebej\ so viel Diskretion al*
Fertigkeit zu acaomflaguiren vermag,7«Q dass Sänger
und Publicum zugleich mit ihm t Wilfrieden . jseyn tön?*:
nen masx saften, dass er Forteoiano snielen kann,
wenn gleich dieses Stück für italifcuisoJie Kehlen und;
Kinger nicht ist Wie seUen trifft iuau auf Com&xr>
sitionen, die den beyden Forderungen, der höchsten.
Compositions - Kunst, mit Lieblichkeit , und Anmuth'
verbunden, Genüge leisteten? Entweder sind es;
bloss contrapunclische Kunststücke, die wohl allen
Ueffeln des Satzes zusagen müjieu; aber "Wärme,
Anmutfc und kieWichkeit, diese Zaultermitter Äer
MhittWg, Wlisst^ ihnen ihr Meister ni cl i t an zuzifFern :
ddet^es sind geistlose, fade JbÄedeleyen, ohne Siim
und Zusammenhang und kaum im Stande, dem
Öhre . mit ihrem' süssen Geklingel eine» vorüberg0*i
henden Kitzel zu verursachen« '" fr :v' r ' " f ^"'^
• >n-Wie ganz anders' ist es beym, IVlözart? Wie^*
schmilzt iu> seinen Werken das, - was man Kunst des -
Satzes: nennt, mit Anmulh, Lieblichkeit und Wohl-»-
laut so schön zusammen , dass1 Eines «wegen des An-
dem da zu seyn scheint — Beydes- zur Heivorbrin^
gnng des höchste» Effektes gleich wirksam ist!, Und
docfay wie ma ssig und besonnen war -er in dem Ge-
brauche I der Süssigkeiteii und Gewörze ? Er kannte
die- hohe FWderuag -'4eb'&unsfr>ttri<d0r Natur.: *r
schrieb, was sein Genius ihm eingab, was sein rich-
tiger * Göscli^iacK wahr fand , imhekümmärt , ob es
nach dem Gesohmacke des Parterre seyn wurde, oder
nicht; und so bildete er sicli selber das Publicum,
überzeugt, dass wahre Schönheit, wie die Wahrheit,"
endlich doch erkannt wird und gefällt. Diess thaten
immer grosse Künstler, welche* die Kraft hatten,
einen eigenen Weg zu gehen und der Mode nicht-
zu1 frohnen. Der Punct ' dieser Schönen Vereinigung
der Gründlichkeit des Satzes mit Anmuth und Lieb-
lichkeit ist gewiss die- treffliche und vor seiner Zeit
unbekannte Art, die Blas -Instrumente wirken sni*
lassen: Hierin glänzt «ein Erfinderisches Genie ohne
Beyspfei ufa<i ohne Nebenbuhlern Er maass mit dem
feinsten Sinne die Natur und den Umfang der In-
strumente abzeichnete ihnen neüe Bahnen vor und
gab jedem derselben die zweckmässigste Stellung, um
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«die- .kraft volle Masse Von Harmonie hervorzubringen.
■Welche die Bewunderung aller Kenner erzwingt Und
das Muster und Studium der miten Köüfe bleiben
/wird. Wie ganz anders sehen hierin die Composir
tionen selbst grosser Meister vor Vfre nach Mo zart 's
•Periode aus 1 ■ *^Vie u neu cl 1 ich viel haben die ^Jeueren
gewonnen durch die Anwendung seiner Art, ;. die
Eins - Instrumente zu gebrauchen? Selbst desi grossen
Jrlajf du s "\^^"ei ke bestätigen diese Ü ehauptun^^. J^^an
vergleiche die ä I lereli Symphoniceii Von ihm mit den
^eueren. Die Schöpfung schrieb Haydn erst nach
U<mrVs Epoche. Wienn Mozart von Haydn Quar^
tetten zu schreiben gelernt hatte, so hat wohl Haydil
.die Blas-Instrumente anzuwenden von ihm gelernt.
Gluck war es, der zuerst von den Blas-Instxu~
in enten den gehörigen Gebrauch machte und das Or-
chester in seine Rechte einsetzte. Piccini und Sac-
■
chini folgten ihm mjt einer gewissen Schüchternheit.
Nur Mozart enthüllte dessen Zauber ssum blendend-
sten Glänze. Wie leise schmiegen sich die Töne der
Blas-Instrumente dem Ilauptgesange *n !. wie kühn
wetteifern sie bald wieder, mit der Skigstimmei
Welche feiile0WeadvngenJ 'Welche Mannigfaltigkeit
und Abwechselung überall! Bald wieder, wo es der
Gegenstand oder Alfect ' erfordert . wie abstechend der
Contrast! Wie gewaltig das Aufbrausen der Leiden-
schaft! Selbst in Stücken ohne Singstimmen lehrte
Mozart seine Instrumente einen Gesang r de* so ver~
nehm Ii cli zu dein Gefühle , spricht, dass der Zuhörer
nur wenig die' Abwesenheit der Singstimme wahr-
nehmen kann. Er ersetzte dadurch Hey seinen Sym-
phomeen gleichsam eine Singstimme* Man .höre seine
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, 638
/vnuanie 8 ouer ivomanzen in uen Klavier— v/oncercen
und QuartettenV Bcy dem häufigen Gebrauche der
Blas— Inst rumente, wie 'vollkommen wusste doch Ä£ö—
zart alle Ueberladung zu vermeiden I wie richtig den
Ort und den Zeitpunct zu treffen, wo sie Effect
machen! Nie ist ein Instrument verschwendet oder
gern issbrau cht, und* daher überflüssig5! Aber nur er
Verstand die Oekonomie, mit dem geringsten Auf-
wände , oft durch einen einzigen Zug eines Instru-
ments, durch einen Accora, einen l rompetenstoss,
einen Paukenwirbel die grösste Wirkung hervorzu-
zaubern! Wie tief stehen viele seiner Nachahmer
hierin unter ihm! Was sonst Kunst gewesen, war
ihm- keine, und er greift daher mit Leichtigkeit aus,
wo Andere noch genug zu thun haben, nm sich
noth dürft ig auf den ersten Stufen zu halten« Und
doch will Jeder, dem der Theaterdichter eiö paar
Geister und Fictionen hingaukelte, es ihm nachthun!
Wer nicht mit gewagten Ideen und der Instru-
mental - Musik so frisch schalten und walten kann,
wie Mozart, der sollte ja jede unglückliche1 Erinne-
rung an ihn vermeiden. ' v ' ? ■ ■* : • '
Die Vervielfachung der Instrumente (sagt Nägeli)
m den modernen Orchester- Cöinpositionen (voraus-
gesetzt, die CompoHisten sind, wie Haydn und Mo-
zart, erfahren genug,' jedes der<' Instrumente nach
seiner akustischen Natur zu behandeln, nud reich
genug? jedes- eigenthümlich zu obligüfen*) ist ' nicht,
wie schon hat behauptet werden wetliray'eine Ent-
artung, sondern, Wtgen der Reize der " akustischen
Mannigfaltigkeit, ein wahrer und grosser Vorschritt
der Cultor.: So gross, so nett ünmer Mozart in der
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f>39
Instrumental -Partie seyn mag, so entfaltet sich doch
sein mächtiges Genie noch reizender in dem Salze
des Gesanges für menschliche Stimmen* Mozart ist
derjenige Componist, dessen Musik am sangbarsten
ist. Mancher Comoonist behandelt namentlich die
Gesangpartie so s tief väterlich , dass die Singstimme
zur Beel ei tun er sich bevnahe verhalt, wie eine Alt-
stimme zur Concertante. Gretry sagte einst: Man
hat die Bildsäule ins Orchester, und das Fussgestell
auf die Bühne gebracht. Opern sind Musik für dei>
oder jenen Schauplatz — für ein besonderes Perso-
nale und Publicum: was Erstere am besten executi-
ng und Letzte im am besten behagU Daraus erkläre
man sich Mozart's sonst übertriebene Forderungen
an Sänger und zuweilen an einzelne Instrumente*
Hierin, im Satze des Gesanges, erwarb sich Mozart
ein zweyfaches, gleich grosses- Verdienst. Mit rieh-*,
tigern Geschmadke führte er ihn zu seiner anspracht
losen Mutter j .: der Natur und Empfindung zurück.
Er wägte es, den waischen Sängern zu trotzen» und
alle unnützen, characterlosen Gurgeleyen, Schnörkel
und Passagen zu verbannen. Auch diess ist eine
Ursache der Abneigung der welschen Sänger gegen
seihe Werke) eine noch stärkere ist die Mühe, die
es ihrer Unwissenheit kostete, seine Gesänge einzu-
studiren. Mozart hat zwar von diesem Grundsatze»
eine Ausnahme gemacht. Aber war er denn in be-
stellten Sachen immer frey? Musste er nicht gegen
Sänger gefallig seyn, wenn er wollte, dass sie ihm
die Sachen nicht verderben sollten? Darum müsste
man immer die Sänger kennen, fiir die er schrieb,
wenn man ein richtiges Urtheil f iiber «e&e^rainat* i
i
■
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640
/ — — —
sehen Werke fällen wollte. Mozart'« Gesang ist im
hohen Grade dramatisch und wahr 5 das, was er
durch ihn nicht ausdrücken wollte, aus Furcht, die
Reinheit der Melodie zu trüben, theilt er sinnreich
dem Orchester zu. Aber Gesang und Begleitung
sind so innig verbunden, dass sie nicht getrennt
werden können, ohne das Ganze in Unordnung zu
bringen. Die Folge dieser vollkommenen Verschmel-
zung ist, dass der Sänger sich gezwungen fühlt, mit
dem Orchester gleichen Schritt zu halten; dass die
kleinste Laune, die geringste Abweichung vom Zeit-
maasse eine unvermeidliche Verwirrung nach sich
zieht. Mozart ist daher durch das Wesen seines
Styls ein unversöhnlicher Feind der Gurgeleyen und
der Verbrämungen, kurz aller der Verschwendung
von Zierrathen, welche die musikalische Phrase ent-
stellen und den Ausdruck lähmen. Jiit einem .Worte :
Mozart verlangt, dass man musikalisch sev. um seine.
Musik zu singen. Die Catalani, als man sie als Di-*
rec torin in Paris aufforderte, ie Nozze. di Figaro
au geben, bat, Mozarfs Partitur vorläufig zu strei-
chen und eine leichtere Instrumental - Hegleitung un-
terzulegen? als wenn eine Schauspielerin, diedieAtha-
lia oder Phädra spielen soll, Verlangt, die Verse des
Racine in Prosa zu übersetzen! Arien, wie Voi
che sapete, bedürfen, um an das Herz zu dringen,
weder Triller, noch Torisprünge, weder Verdrehung
des Kiefers, noch auch jene sogenannten chromati-
schen auf- und absteigenden Leitern, die in der
Thai Nichts sind, als Gurgeleyeiw : . i
,ri Daher ist Mozart's Gesang überall einfach, na-
türlich, kraftvoll, ein reiner Ausdruck der Empfin-
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641
düng und der Individualität der Person und ihrer
Lage. Der Sinn des Textes ist immer richtig und
genau getroffen, dass man ausrufen muss: „Wahr-
lich, die Musik sprichtl" Aber Mozart scheint sich
selbst zu übertreffen, wenn er den Gesang für mehre
Stimmen dichtet, in Terzetten, Quartetten, Quintet-
ten, nämlich in mehrstimmigen Stücken $ vorzüglich
in seinen unübertrefflichen, fürwahr einzigen Oper«
Finalen. Welcher Reichthum! welche Manniefal-
ligkeit in Wendungen und Veränderungen! Wie
_ ■
schlingt sich da eine Stimme um die andere! wie
schön vereinigen sie sich alle, um ein reizendes Gan-
zes zu bilden, um eine neue Harmonie hervorzu-
bringen! Und doch sagt jede nur ihre eigene, oft
entgegengesetzte Empfindung! Hier ist die grösste
Mannigfaltigkeit und die strengste Einheit vereinigt»
Man findet wohl auch schöne Arien bey anderen Mei-
stern : aber Niemand wird in mehrstimmigen Sachen
Mozsurt die Palme entreissen. Doch wer mag sie
alle entwickeln, die unzähligen Vorzüge, die uner-
schöpflichen Schönheiten seiner Kunst? Wer mag
mit Worten das Neue, Originelle, Hinreissende, Er-
habene und Volltönende seiner Musik beschreiben?
Seine Musik verfehlt nie ihre Wirkung, wenn sie
nur pünktlich und mit Feuer vorgetragen wird*
Freylich ist es nicht leicht, seinem Geiste nachzu-
fliegen; und da bey ihm Alles mathematisch genau
zu der Harmonie berechnet ist: so giebt es auch
kein so arges Missgetön, als wenn rohe Hände un-
wissender Bierfiedler sich an seine Heiligthumer wa-
gen. Mozart hat sich durch sein frühes Studium der
Harmonie so tief und eindringend mit ihr bekannt
gemacht, dass es einem ungeübten Ohre schwer ist,
ihm auf der Stelle zu folgen und die Schönheiten
seiner Musik sogleich zu entdecken» Man muss da-
her seine Musik öfters hören, mit Aufmerksamkeit
ihr folgen, um das zu finden, was man soll, und
was sich in derselben so herrlich ausspricht.
Die berühmtesten Tonkünstler erkannten die
Grösse seines Genie s und bewunderten seine Werke.
Joseph Haydn, dieser Liebling der Grazien, der in
seinem Alter noch das Gefühl eines Jünglings zeigte,
ist gewiss vor Allen ein befugter und berufener Rich-
ter« Sein Urtheil ist unparteyisch , weil er als ein
redlicher Mann bekannt ist, und Mozart's aufblühen-
der Ruhin dem seinigen im Wege stand. Schon im
Jahre 1785, da Mozart's Vater noch lebte, sagte Jos.
Haydn bey seiner Zusammenkunft in Wien zu ihm :
„Ich sage Ihnen vor Gott und als ein ehrlicher Mann,
dass ich Ihren Sohn für den irrössten Comuonisteu
anerkenne, von dem ich nur immer gehört habe;
er hat Geschmack und besitzt die gründlichste Ken □ t -
niss in der Kunst der Composition." In eben die-
sem Jahre, 1785, sahen Vater und Sohn sich zuletzt.
Der Vater besuchte den Sohn in Wien. Wiewohl
sein Aufenthalt nur sechs Wochen währte und er
die meiste Zeit unpass war, liess er sich doch zum
Freymaurer aufnehmen. Der Sohn war früher schon
im^Orden. Diese Anerkennung Mozart's von Haydn
war nicht minder grosssinnig. Er widmete ihm, wie
angegeben, sechs Quartetten, die man für /sein Bestes
in dieser Gattung- halten kann. Diese Widmung,
sagte Mozart, bin ich ihm schuldig gewesen, weü ich
von ihm gelernt habe, Quartetten zu machen.
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■
Im Jahre 1787 im December schrieb eben dieser
grosse Haydn an einen Freund in Prag, der mit ihm
seit langer Zeit im Briefwechsel stand, und ein Sing-
spiel von seiner Composition für Prag verlangte, fol-
genden merkwürdigen Brief: „8ie verlangen eine
Opera buffa von mir 5 recht herzlich gern, wenn
Sie Lust haben von meiner Sing- Composition Etwas
für sich allein zu besitzen« Aber um sie auf dem
Theater zu Prag aufzuführen, kann ich Ihnen diess-
falls nicht dienen, weil alle meine Opern zu viel
auf unser Personale (zuEsterhazy in Ungarn) gebun-
den sind, und ausserdem nie die Wirkung hervor-
bringen würden, die ich nach der Localitat berech-
net habe. Ganz was anders wäre es, wenn ich das
unschätzbare Glück hatte, ein ganz neues Buch für
das dasige Theater zu componiren. Aber auch da
hätte ich noch viel zu wagen, indem der grosse
Mozart schwerlich Jemand andern zur Seite haben \
kann. Denn, könnt' ich jedem Musikfreunde , beson-*
ders aber den Grossen die unnachahmlichen Arbeiten
Mozart's so tief und mit einem solchen musikalischen
Verstände, mit einer so grossen Empfindung in die
Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde: so
würden die Nationen wetteifern, ein solches Kleinod
in ihren Ringmauern zu besitzen. Prag soll den
theuern Mann festhalten — aber auch belohnen $ denn
ohne dieses ist die Geschichte grosser Genie* s trau-
rig, und giebt der Nachwelt wenig Aufmunterung
zum fernem Bestreben ) wesswegen leider! so viel
hoffnungs volle Geister darnieder liegen. Mich zür-
net es, dass dieser einzige Mozart noch nicht bey
einem kaiserlichen oder königlichen Hofe engagirt
■
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644
♦ 1
ist. Verzeihen Sie, wenn ich aus dem Geleise kom-
me i ich habe den Mann zu lieb. Ich bin etc.
Joseph Haydn."
N. S. An das Prager Orchester und die dasigen
Virtuosen mein ergebenstes Compliment,
Wenn ein Haydn so urtheilt, so begeistert spricht
— ein Haydn, der allein unter allen Tonkünstlern
über seinen Verlust zu trösten im Stande wäre, was
will dann das Gekreische einiger kleiner Geister sa-
gen, die an Mozart'« Ruhme zu Rittern werden
wollten?
Cherubini's Vorliebe für Mozart ist eine Art
religiöser Verehrung, aus dem Innersten seiner Seele
dem hohen Geiste dargebracht. Er besitzt leider ei-
nen sehr schwächlichen Körper und die zarteste
Reizbarkeit: so dass er nicht selten mit Nervenzu-
föllen geplagt ist, und versinkt oft in die tiefste Me-
lancholie. In solchen Stunden des Leidens ist oft
eine leise Erinnerung an seinen Mozart hinlänglich,
ihn zu beruhigen und zu zerstreuen. Dann spricht
er allezeit von kleinen Umständen aus dem Leben
dieses Meisters und zergliedert die Schönheiten sei-
ner unsterblichen Werke.
Hr. Naumann bezeugte bey seinem Aufenthalte
zu Prag auf eine rühmliche Weise seine Hochachtung
und Bewunderung für Mozart's Werke in einer rüh-
renden Anrede an Mozart's Sohn , als ■ ihm derselbe
von seiner Freundin Duschek vorgestellt wurde. Wer
die redliche anspruchslose Denkungsart dieses be-
rühmten Meisters kannte, wird an der Wahrheit
seiner Gesinnungen gewiss nicht zweifeln.
I
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I
645
Wie «ehr ihn Gluch geschätzt habe , ist schon
erwähnt worden. Cherubim, dessen Geist dem Mo-
zart'schen am nächsten verwandt scheint, ist sein
grösster Bewunderer, und hat seine Werke zum
Gegenstande seines beständigen Studiums gemacht«
Alle Neueren , wenn sie es auch nicht gestehen wol-
len, haben von Mozart gelernt, oder ahmen ihn nach.
Cherubini ist durch sein Requiem gleichsam mit
Mozart in die Schranken getreten, wodurch aufVer-
anlassung zweyer sehr gelungener Aufführungen sei-
nes Werkes in der Augustiner -Hofkirche in Wien,
welche beynahe ein Schisma bewirkten, indem der
eine Theil von Cherubinrs hoher Genialität und sei-
ner ewig neuen Instrumentirung geblendet, ja hin-
gerissen wurde, während der andere Mozart's engel-
reines Gemüth , seine tief erschütternden Harmonieen,
den andächtigen Sinn und seine Alles überflügelnde
contrapunctische Technik nur ungern darin zu ver-
missen glaubten, die Theilnahme einen sehr hohen
Grad erreichte. — Die ausdrucksvollen Worte, die
den Charakter der demuthsvollen Bitte oder des zer-
knirschten Gemüthes an sich tragen: Quid aum mi-
aer tunc dictum* , und Salva nie fona pietaii* sind
besser bey Mozart, über alle Vergieichung herrlich,
und doch im heiligsten , und der Kirche au passendsten
Style gegeben; und das Tuba mirum von Die* irae
sowohl, als auch von Rex tremendae vuijeaiati*,
durch die grosse charakteristische Behandlung unter-
schieden, welche dieses Werk Mozart's durchstrahlt
und verherrlicht. Nicht so bey Chcrubinil —
Ein noch lebender niehl uuberühuiter Tonkünst-
ler in Wien sagte zu einem andern bey Mozart's
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f,46
Tode mit vieler Wahrheit und Aufrichtigkeit t „Es
ist zwar Schade um ein so grosses Genie; aber wohl
uns, dass er todt ist. Denn, würde er länger gelebt
haben, warlich! die Welt hätte uns kein Stück Brod
mehr für unsere Compositionen gegeben!«
- * Die zahlreiche Klasse gründlicher Tonkünstler
in Prag verdient mit Recht unter den Richtern über
Mozart's hohen Werth einen ansehnlichen Platz. Die
meisten von ihnen sprechen mit einer Achtung von
Mozart's Werken, die ein rühmlicher Beweiss ihrer
Kenntnisse und der Unbefangenheit ihres Herzens
ist. Einige (lange noch nicht Alle) sind früher
schon genannt worden» Der brave Duschek mit sei«»
ner Gattin, die als Künstlerin und gebildete Frau
im gleichen Maasse auf Achtung und Bey fall Anspruch
machen kann« waren Freunde und Bewunderer Mo-
zart's» Wie viele treffliche Künstler, auf welche
Böhmen stolz ist — wie viele gründliche und ge-
schmackvolle Dilettanten von Adel und dem Bürger-
stande, die in jedem andern Lande für Virtuosen
gelten würden, müsste ich nennen, sagt Niemtschek,
wenn ich alle Freunde und Verehrer seiner Werke
und seiner Talente in Böhmen herzählen wollte!
Doch um Mozart als Tonküustler ganz kennen
zu lernen, ist es nöthig, ihn bey seinem Schreibpulte,
wenn er die unsterblichen Werke dichtete, zu be-
obachten.
So lange Mozart lebte, wurde ihm oft mehr aus
unverständigem Preis, als aus neckendem Uebelwollen
nachgesagt, er werfe seine Werke, auch die herr-
lichsten, nur schnell hin* — Mozart schrieb aller-
dings nicht gern — denn wie schwer oder wie leicht
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647
rausste ihm bey «einem Alter und Temperamente
Stillsitzen und Federführen seyn! — : dazu musste er
oft veranlasst, sogar gedrängt werden. Ward er aber
das, und war er nur erat warm dabey, dann ging's
auch sehr schnell, und doch zugleich, wenigstens in
späteren Jahren, mit so beharrlichem Zusammenfassen
aller seiner geistigen Kräfte, dass er nicht oft was
zu verbessern hatte. Aber desshalb arbeitete Mozart
nicht so schnell und leicht hin, dass man es spielend
nennen könnte; was er schrieb, fiel ihm sehr selten
erst in dieser Stunde bey, und wie viel weniger war
<
diess mit der Anordnung und Gestaltung des Ganzen
der Fall! — Mozart hatte die Gewohnheit — war
er allein, oder mit seiner Frau t oder mit Anderen,
die ihm keinen Zwang auflegten, vor allem aber
auf seinen vielen Reisen im Wagen — fast unautr
gesetzt, nicht nur seine Phantasie auf neu melodische
.Erfindungen ^ausgehen zu lassen, sondern auch seinen
Verstand und sein Gefühl gleich mit der Anordnung,
Benutzung, Ausarbeitung solch eines Fundes zu be-
schäftigen; wobeyer, ohne es zu wissen , oft summte,
ja laut sang, glühend heiss wurde, und keine Stö-
rung duldete. So fertigte er ganze Musikstücke im
Kopfe und trug sie mit $ich herum, bis er zum Nie-
derschreiben veranlasst wurde, oder sie durch eige—
Drang los seyn wollte. So konnte freylich her-
sein Schreiben schnell von Statten gehen; ja,
er hatte es sogar gern, wenn beyui Niederschreiben
um ihn her Gleichgültiges gesprochen wurde, und
gab wohl auch dazu sein Wort.
Um dergleichen Vorarbeiten nicht zu vergessen
zu vermischen, brauchte seine leicht entzünd-
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bare Phantasie, seine vollkommene Beherrschung al«*
ler TC u nstmittcl der Ausarbeitung und sein für \fu—
sik erstaunenswürdiges Gedächtniss nichts weiter als
kurze, leiohte Andeutungen $ und zu diesen musate
er stets t vorzüglich aber auf Reisen in einer Seiten-
tasche des Wagens, Blättchen Notenpapier zur Hand
haben, welchen dann jene Notizen, jene fragmenta-
rischen Grundrisse anvertraut wurden, und welche
Blättchen, zusammen in einer Kapsel aufbewahrt,
sein in höherer Bedeutung sogenanntes Reise- Tage-
buch ausmachten« Diese Fragmente sind solche No-
tizenblattchen aus dem Fache der contranunetischen
S tAidicix uiul "\^~o 1* hu 1 1 Xi)s * jiiro zu \vrii.nscTycxiy
deren auch aus dem Fache der melodischen zu ha-
ben- wenn auch schon die Melodieen in ausueführ—
ten Stücken benutzt seyn sollten» Sie würden eben
so anziehend und lehrreich seyn, wie die skizzirten
ersten Entwürfe grosser Maler, die sie hernach in
Gemälden weiter ausgeführt haben, und zu denen
sie als Vorbereitung dienten. Solche Symbole für
vortreffliche Gedanken sind bey Genie's durchaus
nÖthigj denn wie oft lässt man im kältern Augen-
blicke wieder fahren, was der Geist in seiner erhöh-
teren Thätigkeit gedichtet hat, ja oft ist es spater
unmöglich, in die erste glückliche Erfindung wieder
hinein zu kommen.
Die Künstler vergessen oft, dass die vortreff-
lichste Anlage nur Anlage ist, dass die Natur allein
nie etwas Cranz Vollendetes in der Kunst hervorbringt;
dass dio ewigen Werke der äusserst wenigen Künst-
ler, die nur aussprachen, was ihnen ein Gott gege-
ben, zu ganz anderen Zeiten und unter ganz anderen
■
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649
Verhältnissen lebteil, und dass gerade Deutschland.
so viel ich weiss nicht eine solch siegreiche Natur
jemals hervorgebracht hat, und unter den Musikern
diess am allerwenigsten« Hier führe man nicht etwa
den unsterblichen Mozart am.« JEr war zwar für
Vieles nicht gebildet, aber wie, «ehr war erY auch
für den mechanischen Theil seiner Kunst! Und mit
welcher ihn selbst aufreibenden Anstrengung studirle
er diesen bis an sein Ende! Man glaube überhau pt
dem Geschwätze nicht, als habe er seine bedeuten-
den Werke nur flüchtig und schnell hingeworfen.
Er trug sich sehr lange mit den Hauptideen herum1,
zeichnete sie sich oft kurz auf, arbeitete im Kopfe
die HauDtsachen tranz ferticrr dann erst schrieb er
das Ganze schnell nieder — und auch nicht so schnell,
als man sich einbildet: er besserte sorgfaltig nach,
nur war er in solchen Compositionen, auf die «er
selbst Werth legte, äusserst streng gegen sich. ! i
Es ist schon oben gesagt worden, dass er auch
in seinen Mannesjahren halbe Nächte beym Ciavieira
zubrachte, welches eigentlich die Schöpferstunden
-seiner himmlischen Gesänge waren. Bey der sanften
Ruhe der allen denkenden Geistern günstigen Nacht,
wo kein Gegenstand die Sinne fesselt, entglühte sein je
Einbildungskraft zu der regsten Thätigkeit und ent-
faltete den ganzen Reichthum seiner Töne, welchem
die Natur in seine Talente gelegt hatte. Hier war
Mozart ganz Empfindung und Wohllaut — hier flos—
sen von seinen Fingern die wunderbarsten Harmo—
nieen! Wer Mozart in solchen Stunden hörte, den
nur kannte die Tiefe und den Ganzen Umfang seines?
musikalischen Geniels: frey und unabhängig von je-
4
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630
4
4 ler Rücksicht durfte da sein Geist mit kühnem Fluge
nich zu den höchsten Regionen der Kunst hinauf-
schwingen. In solchen Stunden der dichterischen
JLaune schuf sich Mozart unerschöpflichen Vorrath,
i ind daraus ordnete und bildete er dann mit leicliter
Hand erst seine unsterblichen .Werke. Dass hierzu
.te.ine reiche Ader erforderlich war. begreift leiclit
Jedermann, denn ohne diese würde drum alle seine
JCunst unfruchtbar geblieben seyn. Es giebt zwar
Komponisten, die, durch eisernen Fleiss einige Ge-
jä anken erawingen: aber wie bald versiegt ihre Quelle!
.Dann hört man sie nur wiederholen: ihre späteren
y,V*rke sind gewöhnlich nur dio Musterkarte der
"früheren. : r.r .h . r .
fl. • Diese Leichtigkeit, mit welcher Mozart schrieb,
■hat er, wie wir schon ausgesprochen haben, schon
als Knabe gezeigt: ein Beweis, dass sie ein Werk
t les Genie's war. Aber wie oft überraschte er damit
in seinen letzten Jahren selbst «Mejenigen, die mit
steinen Talenten vertraut waren! Die genie volle Ou-
vertüre zum Don Juan ist hiervon ein merkwürdiges
üBeyspiel. Mozart schrieb diese Oper im Octbr. 1787;
,«ie war schon vollendet, einstudirt .und sollte auf
LTebermorgen aufgeführt werden , nur die Ouvertüre
-fehlte noch. Die ängstliche Besorgniss seiner Freun-
de, die mit jeder Stunde zunahm, schien ihn zu un-
terhalten; je mehr sie verlegen waren, desto leicht-
sinniger stellte er sich. Endlich, am Abende vor
dem Tace der ersten Vorstellung, nachdem er sich
satt gescherzt hatte, ging er gegen Mitternacht auf
sein Zimmer, fing an zu schreiben und vollendete
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OOl
■ I >
Ouvertüre der Zauberflöte nachsetzen«
Die Wittwe erzählt den Vorgang so : Den vor-
letzten Tag vor der Aufführung, als die Generale
probe vorbey war, sagte er Abends zu ihr, er wolle
Nachts die Ouvertüre schreiben, sie möge ihm Punsch
machen und bey ihm bleiben, um ihn munter zu
erhalten. Sie that's, erzählte ihm, nach seinem
Wunsche, leichte, muntere Sachen, z. B. von Alb*-
din's Lampe, Aschenbrödel u. s. w-, die ihn Thro-
nen lachen machten. Der Punsch machte ihn aber
so schläfrig, dass er nickte, wenn sie pausirte, und
nur arbeitete, wenn sie erzählte. Da aber die An-
strengung, die Schlafrigkeit und das öftere Nicken
und Zusammenfahren ihm die Arbeit gar zu schwer
machten, ermahnte seine Frau ihn, auf dem Canapee
zu schlafen, mit dem Versprechen, ihn über eine
Stunde zu wecken. Er schlief aber so stark, -dass
sie es nicht über's Herz brachte, und ihn erst nach
zwey Stunden aufweckte. Diess war am 5 Uhr früh.
Um 7 Uhr war der Copist bestellt und um 7 Uhr
war die Ouvertüre fertig. Die Copisten wurden nur
mit Mühe bis zur Vorstellung fertig, und das Opern-
Orchester, dessen Geschicklichkeit Mozart schon
kannte, führte sie prima vista vortrefflich aus.
Nach der Behauptung des Verfassers von „Mo-
zart's Geist" soll Mozart die erste Ouvertüre umge-
arbeitet haben, weil J. Havdn Einiges daran auszu-
setzen hatte. Die Wittwe weiss indes a davon nichts,
Die Musik zur Zauberflöte war schon im Julius
1791 fertig. In der Mitte des Augustus ging Mozart
nach Prag, schrieb da innerhalb.^18 Tagen La Cle-
% DTgitized by Google
I
0 •
menza di Tito, welche am 5ten September auPs
Theater kam. In 'der Mitte diese« Monats reis'te er
nach Wien zurück und schrieb ein paar Tage vor
der Vorstellung der Zauberflöte , die am 30sten Sep-
tember 1791 geschah, die beste seiner Ouvertüren
und den herrlichen Priestermarsch zu Anfange des
zweyten Actes der Zauberflöte am 28«ten September*
Solcher Beyspiele könnten mehre angeführt wer-r
den« Sein ausserordentliches Gedächtniss zeigte sich
auch schon in der Jugend; das aufgefasste Miserere
in Rom giebt hiervon einen vollen Beweis. Er be-
hielt es ungeschwächt bis an sein Ende. Es hat sich
gefunden, dass, als Burney viel spater dieses Mise-
rere nach einer Copie des Originals Öffentlich be-
kannt machte, auch nicht eine Note anders als bey
Mozart darin war.
Da man seine Compositionen unglaublich suchte:
so war er nie sicher, dass ihm nicht ein neues Werk
selbst wahrend des Copirens abgestohlen wurde. Er
schrieb daher bey seinen Clavier-Concerten gewöhn-
lich nur eine Zeile für eine Hand auf, und spielte
das Uebrige aus dem Gedächtnisse. So hat er einst
ein Ciavier -Concert, welches er schon seit geraumer
Zeit nicht in Händen gehabt hatte, in einer musika-
lischen Akademie aus dem Gedächtnisse gespielt, in-
dem er die Principalstimme in der Eile zu Hause
gelassen hatte.
In seiner Akademie zu Leipzig spielte er zwey
€oncerte, das sanft heiter reizende aus B dar mit
den Variationen aus G nioll, und das glänzende, pracht-
volle aus Cdur, das nach seinem Tode heraus kam.
In der Probe, wie am Concert- Abende, hatte er
i
»
*
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stntt der Solostimme für sein Instrument einen blos—
sen Ba.ss, hin und wieder mit Bezifferung, Andeu-
tung der Eintritte und dem Anfange einiger Haupt-
figuren auf dem Notenpulte, Die Solostimmen, sagt©
er, sind wohl verschlossen in Wien: auf Reisen muss
ich's so machen, sie stehlen mir sonst Abschriften
und drucken sie frich weg. Hätte er auf diesen Rei-
sen, wie Virtuosen wohl pflegen, ȟberall dieselben
Compositionen vorgetragen, so wäre davon kein Auf-
heben zu macheu, selbst wenn er davon die Bass-
stimmen weggeworfen hätte. Aber von seinen vie-
len Compositionen dieser Gattung spielte er an ei-
nem jeden Orte nur die, welche er für das Audito-
rium am geeignetsten hielt; und dann, welch ein
Unterschied auch für das Festhalten im Gedächtnisse,
Concerte, wo, wie gewöhnlich, die Solostimme, b£-
eiunt sie einmal, durch einen Abschnitt hindurch
die Hauptmelodieen und Figuren allein durchführt —
und Concerte, wo, wie bey Mozart, die Solostim-
*men auPs ennste verschlungen mit allen anderen . nur
die erste unter Gleichen bildet!
Aber wie ist Mozart ein so grosser, ja man .
möchte sagen, einziger Mann in seiner Kunst gewor-
den? Hat er Alles der Natur, oder seinem Studium
und seiner Ausbildung zu verdanken? Einige deut-
sche Schriftsteller sprechen von einer instinetartigen
Beschaffenheit seines Geistes, welche ihn unwillkür-
lich zur Hervorbringung seiner Meisterwerke getrie-
ben habe. Diese kennen aber sicher Mozart gar
nicht, und scheinen die Leichtigkeit, mit welcher
er, wenn die Idee des Werkes einmal gebildet war,
schrieb , für die instinetartige Wirkung seines Talen-
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Genie's, in so fern es angeboren ist, etwas Jus i inet-
artiges: aber nur Bildung und Uebung — Studium
giebt ihnen Reife und Vollendung. Mozart hatte
von der Natur ein Genie empfangen , wie Shakespeare
Gleichen, aber er übertraf diese
\_/orrecineiu i^r piociuciite mit
Verstand und Wahl. Diese so seltene Vereinigung
eines feinen Geschmackes und der richtigsten Beur—
theilung mit den gross ten Naturanlagen, die Mo«
«art unter den Meistern seiner Kunst den ersten
Rang giebt, war grösstenteils sein# Werk — das
Werk seines Eifers, seines Fleisses, das Werk des
tiefen und gründlichen Studiums der Kunst.
■
Aus der Geschichte seiner Jugend haben wir ge-
sehen, wie sorgfaltig er jede Gelegenheit benutzte,
um zu lernen, wie weise und streng ihn sein Vater
dazu leitete und wie tief er in die Geheimnisse der
Kunst so früh schon eingedrungen war. Aber wir
wollen ihn selbst einmal darüber hören. Einst *—
(es war nach den ersten Proben seines Don Juan) —
ging Mozart mit dem damaligen Orchester -Director
und Kapellmeister Kucharz*) spaziern. Unter an-
dern vertraulichen Gesprächen kam die Rede auf
Don Juan. Mozart fragte: Was halten Sie von der
Musik zum Don Juan? "Wird sie so gefallen wie
Figaro? Sie ist von einer andern Gattung!
Kuch. Wie können Sie daran zweifeln? Die
Musik ist schön, originell, tief gedacht. Was von
■
Mozart kommt, wird den Böhmen gewiss gefallen.
•) Ein trefflicher Schüler SeegerU und rorzüglicher Organist etc.
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Mög. Ihre Versicherung beruhigt mich, sie
kommt von einem Kenner. Aber ich habe mir Mühe
und Arbeit nicht verdriessen lassen , für Prag Vi was
Vorzügliches zu leisten. Ueberhaupt irrt man, wenn
man denkt, dass mir meine Kunst so leicht gewor-
den ist. Ich versichere Sie, lieber Freund, Niemand
hat so viel Mühe auf das Studium der Komposition
verwendet, als ich. Es giebt nicht leicht einen be»±
rühmten Meister in der Musik, den ich nicht fleissig
und oft mehrmals durchstudirt hätte. • '
Und in der That, man sah die Werke grosser
Tonkünstler, z. B. Seb. Baclrs , Durands, Porpora'a,
Leo's, Händers, u. dgl. auch da noch, als er be-
reits klassische Vollkommenheit erreicht hatte, auf
seinem Pulte; besonders waren Bach's und Händers
Fugen und Präludien immer auf seinem Clavierc.
Man hat Mozart den Vorwurf gemacht, er
habe sich nur mit seinen Werken beschäftigt, «ich
nicht* um das bekümmert und nicht das gekannt,
was Andere geleistet haben. Wenn man diesen Vor-
wurf auf das mehr oder weniger einschränkt, so ist
Mozart nicht ganz frey zu sprechen. Indessen liegt*
die Schuld weit weniger an ihm selbst, als in seinen
Verhältnissen, nach denen er, auf Reisen oder com-
ponirend, fast nur Neues oder sich selbst hören und
kennen lernen konnte. Wo ihm aber etwas Gutes
aufstiess, mochte es alt oder neu seyn, war er voll
Freude und wusste es zu schätzen. Worin er nicht
Etwas von eigenem Geiste fand, das warf er weg,
mit den Worten : Es ist ja Nichts darin. Aber auch
das leichte Blinken der Funken des Genie's übersah
er nicht, nahm den jungen Künstler von Talent in
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«einen Schutz, und trug bey am seiner Bildung, Em-
pfehlung, Belohnung und zu seinem Fortkommen*
Die Undankbarkeit, die bisweilen sein Loos war,
störte ihn nicht darin: er vergass das Böse, was sie
ihm anthaten, so schnell, als sie seine Gutthaten.
Zu dem oben Gesagten mögen folgende Anek-
doten aus dem Munde eines Augenzeugen, des Hof-
raths Rochlitz, hier nicht am unrechten Orte stehen.
Auf Veranstaltung des damaligen Cantors der |
Thomas - Schule in Leipzig, des verstorbenen D^les,
überraschte Mozarfn das Chor mit der Aufführung
der zweychörigen Motette: Singet dem Herrn ein
neues Lied — von dem Altvater deutscher Musik,
Schaut. Bach. Mozart kannte diesen Albrecht Ddrer
der deutschen Musik mehr vom Hörensagen, als aus
seinen selten gewordenen Werken. Kaum hatte das j
Chor einige Tacte gesungen, so stutzte Mozart —
noch einige Tacte, da rief er: Was ist das? — und
nun schien seine ganze Seele in seinen Ohren zu*eyn.
Als der Gesang geendigt war, rief er voll Freude:
Das ist doch einmal Etwas, woraus sich was lernen
lässt! Man erzählte ihm, dass diese Schule, an der
Bach Cantor gewesen war, die vollständige Samm-
lung seiner Motetten besitze und als eine Art Reli-
quien aufbewahre. Das ist recht, das ist brav, rief
er 5 zeigen Sie her! — Man hatte aber keine Parti- j
tur dieser Gesänge; er liess sich also die ausgeschrie-
benen Stimmen geben — und nun war es Tur den
stillen Beobachter eine Freude, zu sehen, wie eifrig
sich Mozart setzte, die Stimmen um sich herum, in
beyde Hände, auf die Kniee, auf die nächsten Stühle
vertheilte, und, alles Andere vergessend, nicht eher
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657 .
\ ii ii im
I
aufstand, bis er Alles, was von Bach da war, durch-
gesehen hatte. Er erbat sich eine Copie, hielt diese
sehr hoch, und — wenn ich nicht sehr irre, kann
* dem Kenner der JSac/t'schen Compositionen und des
Jtfozar/'schen Requiem, besonders etwa der grossen
Fuge Christe eleison — das Studium, die Werth-
schätzung und die volle Auffassung des Geistes jenes
alten Contrapunctisten bey Mozart's zu allem fälli-
gen Geiste nicht entgehen. „
In demselben Hause stritt man sich, nach Mo-
zarfs Zurückkunft, eines Abends über das Verdienst
mancher noch lebender Componisten, besonders über
einen Mann, der für die komische Oper offenbares
Talent hat, aber s als Kirchen -Compositeur ange-
stellt ist. Vater Doles, der überhaupt etwas mehr,
als recht und billig war, an dem Opernwesen in der
Kirche hing, nahm jenes Componisten Parthey ge-
gen Mozart's stetes Ist ja all9 nichts! sehr lebhaft.
Und ich wette, Sie haben noch nicht Vieles von
ihm gehört, fiel Doles ebenfalls lebhaft ein. Sie ge-
winnen, antwortete Mozart} aber das ist auch nicht
nöthig: so Einer lann nichts Rechts dieser Art ma-
chen ! Er hat keine Idee davon in sich. Herr, wenn
der liebe Gott mich so in die Kirche und vor ein
solches Orchester gesetzt hätte! u. s. w. — Nun, Sie
sollen heute noch eine Missa von ihm sehen, die Sie
mit ihm aussöhnen wird. — Mozart nahm sie mit
und brachte sie den folgenden Abend wieder.
Nun, was sagen Sie zu der Missa von — —
Lässt sich all gut hören, nur nicht in der Kir-
che ? Sie werden's nicht übel nehmen, ich habe bis 0
zum Credo andern Text unterlegt, so wird sich*
658
■
noch besser machen« Nein, es muss ihn Keiner vor-
her lesen! Wollen's gleich auffuhren!
Er setzte sich an das Fortepiano , theilte die vier
Singstimmen aus , wir mussten ihm schon zu Willen
seyn, sangen, und er aecompagnirte.
Eine possirlichere Aufführung der Missa hat es
wohl nie gegeben. Die Hauptpersonen — Vater Do-
les mit der Altstimme, die er unter stetem ernsten
Kopfschütteln über das Scandal doch so trefflich ab-
sang; Mozart immer die zehn Finger voll in den
Trompeten- und Pauken- reichen Sätzen, unter aus-
gelassener Freude ewig wiederholend: Na, geJifs
nicht so besser zusammen? Und nun der arge und
doch herrlich angepasste Text — z. B. das brillante
Allegro zu Kyrie eleison: „Hol's der Geyer, das
geht flink!" Und zum Schlüsse die Fuge, Cum
saneto spiritu in glöria, Dei patris: „Das ist ge-
stohlen Gut, Ihr Herren, nehmt's nicht übel!a *
Es lag in seiner Reizbarkeit, launig zu seyn,
und in der Stimmung seines Gemüths, nicht selten
unmittelbar von einem Extreme zum andern überzu-
gehen. Nachdem er in jener ausgelassenen Lustig-
keit noch eine Weile verblieben war, und, wie öf-
ters, in sogenannten Knittelversen gesprochen hatte,
trat er ans Fenster, spielte, wie gewöhnlich, Ciavier
auf dem Fensterpolster, und schwärmte, ohne auf
die an ihn gerichteten Reden etwa, Zn geben, als
gleichgültige Antworten, fast ohne Bewusstseyn: Das
Gespräch über Kirchenmusik war allgemeiner und
ernsthafter geworden. Unersetzlicher Schade, sagte
Einer, dass es so vielen grossen Musikern, besonders
der vorigen Zeit, ergangen ist, wie den alten Maiern 5
t
Dig
(
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dc-Lss sie nämlich ihr© ungeheueren Kräfte auf meistens
nicht nur unfruchtbare, sondern auch Geist- tödtende
Sujets der Kirche wenden mussten! — Ganz umge-
stimmt und trübe wendete sich Mozart hier zu den
Anderen und sagte — dem Sinne nach, obschon nicht
auf diese Weise: Das ist mir auch einmal' wieder
so ein Kunstgeschwätz ! Bey Euch aufgeklärten Pro-
testanten, wie Ihr Euch nennt, wenn Ihr Eure Re-
ligion im Kopfe habt — kann etwas Wahres darin
seyn; das weiss ich nicht« Aber bey uns ist das an-
ders. Ihr- fühlt gar nicht, was das will: Jgnus Der,
qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem u. dgl.
Aber wenn man von frühester Kindheit, wie ich, in
das mystische Heiligthum unserer Religion eingeführt
ist; wenn man da, als man noch nicht wusste, wo
man mit seinen dunkeln, aber drängenden Gefühlen
hin solle, in roller Inbrunst des Herzens seinen Got-
tesdienst abwartete, ohne eigentlich zu wissen, was
man wollte; und leichter und erhoben daraus weg-
ging, ohne eigentlich zu wissen, was man gehabt
habe; wenn man diejenigen glücklich priess, die un-
ter dem rührenden Jgnus Bei hinknieeten und das
Abendmahl empöngen, und beym Empfange die, Mu-
sik in sanfter Freude aus dem Herzen der Knieenden
sprach : Benedictes qui venit etc. : dann ist's anders.
Nun ja, das geht freylich dann durch das Leben in
der Welt verloren; aber — wenigstens ist's mir so
— wenn man nun die tausend Mal gehörten Worte
nochmals vornimmt, sie in Musik zu setzen, so
kommt das Alles wieder und steht vor Einem und
bewegt Einem die Seele, — . . ,
Er schilderte nun einice Scenen iener Art aus
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*
*
seinen frühesten Kinder jähren in Salzburg, dann auf
der ersten Reise nach Italien, und verweilte mit be-
sonderm Interesse bey der Anekdote, wie ihm die
Kaiserin Maria Theresia als vierzehnjährigem Kna-
ben aufgetragen habe, das Te Deum zur Einweihung
— ich erinnere mich nicht, eines grossen Kranken-
hauses oder einer andern ähnlichen Stiftung, zu
componiren, und an der Spitze der ganzen Kaiser-
liehen Kapelle selbst aufzufuhren« Wie mir da war!
— wie mir da war ! — rief er ein Mal über das an-
dere. Das kömmt doch all nicht wieder ! Man treibt
sich umher in dem leeren Alltagsleben — sagte er
dann, ward bitter, trank viel starken Wein und
sprach kein vernünftiges Wort mehr«
Bin Beyspiel, wie Mozart Künstler behandelte.
Am Abende seines öffentlichen Concertes in Leipzig
nahm Mozart Berger (Carl Gottlieb — Violin-Solo-
spieler, eine Zierde der Leipziger Concerte) zur Seite i
Kommen Sie mit mir, guter Bergerl Ich will //i-
nen noch ein Weilchen vorspielen. Sie verstehen'*
ja doch besser, als die Meisten, die mich heute op-
plaudirt haben. Nun nahm er ihn mit sich, und
phantasirte, nach einem kurzen Mahle, vor ihm bis
Mitternacht, wo er dann, nach seiner Weise, rasch
aufsprang und rief: Nun, Papa, liabe ich's recht
gemacht? Jetzt haben Sie erst Mozart gehört. Das
Uebrige können Andere auch.
Bey Mozart's letzter Anwesenheit in Leipzig,
wenige Jahre vor seinem Tode, rühmte einmal Hil-
ler den Gassman.*) Doles wollte nicht recht ein-
— r •
*) Koiserl. Hof- Kapellmeister und Aofceher über die musütali-
•cho Kaiaerl. Bibliothek in Wien, der Liebling teines Leb-
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*
*
stimmen. Papa, sagte Mozart, wenn Sie nur erst
Alles 'lennten, Ufas wir in Wien von ihm haben!
Wenn ich jetzt heim komme, will ich seine Kir-
chenmusilen fleissig durchstudiren> und ich hoffe
viel daraus zu lernen.
Mozart war, wo nicht der Erste, doch einer
der Ersten, die den Deutschen das Vorurtheil be-
nahmen, dass der Silz der wahren Musik noch im-
mer in Italien wäre. Doch thun ihm die Kunstrich-
ter Unrecht , die behaupten, er habe nur kunstvolle
Harmonie, nur gelehrte Arbeit an Anderen geschätzt.
Er liess der durchsichtigsten Musik, nur musste sie
etwas Geist und Eigentümlichkeit haben, Gerech-
tigkeit wiederfahren. So sprach er sehr vorteilhaft
(in Leipzig) von Paisiello, dessen Arbeiten, ihm sehr
wohl bekannt waren. Er sagtet Man kann dem,
der in der Musik nur leichtes Vergnügen sucht, nichts
Besseres empfehlen. Unter den alteren Componisten
schätzte er ganz besonders einige Italiener, die man
längst vergessen hat; am allerhöchsten aber Händeln.
Die vorzüglichsten Werke dieses in einigen Fächern
noch nie ühertroffenen Meisters hatte er so inne, als
wenn er lebenslang Director der Londner Akademie
zur Aufrechthaltung der alten Musik gewesen wäre:
Händel, sagte er oft, weiss am Besten unter uns
Allen, was grossen Effect macht; wo er es will,
schlägt er ein, wie ein Donnerwetter* Diese Liebe
zu Händel ging so weit, dass er Vieles, was er aber
nicht selbst bekannt gemacht hat, in seiner Manier v
rers, des Paters Martini , und des Kaisers Joseph und des-
sen Mutter, der grossen Maria Theresia» (Mehr lese mau
in dem klassischen Werke von Gerbers Lexikon.)
9
m
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schrieb, Er schätzte und liebte nicht allein Handels
Chöre, sondern auch viele seiner Arien und Solo's.
Wenn er da auch manchmal, sagte Mozart, nach
der Weise seiner j£ ' eit hinsc/ilendert , *so^ ist doch
uberall Etwas darin.
Er hatte sogar die Grille , eine Arie in ßeinem
Don Juan nach Handels Manieren zu setzen, und
seiner Partitur diess offenherzig beyzüschreiben : man
soll sie bey der Aufführung allenthalben weggelassen
haben. Eben so findet sich in seinen Ciavierheften
- eine Ouvertüre nach Händeis Style.
Von Hasse und Graun schien er weniger zu hal-
ten, als sie verdienen. Vielleicht kannte er ihre
Werke nicht. Jomelli schätzte er hoch : Der Mann,
sagte er, hat sein lach, worin er glänzt, und so,
das a wir's wollt werden bleiben lassen müssen, ihn
bey dem, der es versteht, daraus zu verdrängen.
Nur hätte er sich nicht aus diesem heraus machen,
und z. B* Kirchensachen im alten Style sclireiben
sollen .
Von Martini, der damals die ganze Liebhaber-
weit zu bezaubern anfing, behauptete er: Vieles in
seinen Sachen ist wirklich hübsch, aber in zehn Jah-
ren nimmt lein Mensch mehr Notiz von ihm.
Keiner, sagte er ferner, lann Alles — schälern
und erschüttern , Lachen erregen und tiefe Rührung
machen — und Alles gleich gut, wie Joseph Haydn.
• • «
Sein gewandter Geist wusste sich den Charakter
eines Jeden so anzueignen, dass er sie oft zum
Scherze im Satze und Style, und sogar bis zum Täu-
schen nachahmte. ' "
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s i i ■
Sein Gehör war so fein, ei* fasste die Verschie-
7 9
* denheit der Töne, so gewiss und richtig auf, dass er
den geringsten Misston selbst bey dem stärksten Or- 1
ehester bemerkte, und dasjenige Subject oder Instru-
ment, welches ihn beging, genau anzugeben wusste.
Nichts brachte ihn so sehr auf, als Unruhe, Getöse
oder Geschwätz bey der Musik. Da gerieth der so
sanfte, muntere Mann in den grössten Unwillen
und äusserte ihn sehr lebhaft. Es ist bekannt, dass
; er einst mitten im Spiele unwillig von dem Claviere
aufstand und die unaufmerksamen Zuhörer verliess.
Dieses hat man ihm vielfaltig übel genommen ; aber
, , gewiss mit Unrecht. Alles, was er vortrug, empfand
er selbst auf das stärkste — sein ganzes Wesen war
dann Gefühl und Aufmerksamkeit: wie konnte ihn
also kalte Fühllosigkeit , Unaufmerksamkeit, oder gar
ein störendes Geschwätz in der Laune und Fassung
erhalten? Als begeisterter Künstler vergaass er da
alle andere Rücksichten*
Von der allzugewöhnlichen Virtuosengrille, sich
nur nach überschwenglichem Bitten und Flehen hören
zu lassen, war wohl kein Virtuos der Welt mehr
frey als Mozart: im Gegentheil machten es, beson-
ders viele gnädige Herren in Wien, ihm zum Vor-
wurf, dass er vor jedem, der ihn gern hörte, eben
so gern spielte. Nur war dabey sein grÖsstes und
und oft von
gewöhnlich von ihm nur mechanische Hcxereyen
und gauke] hafte Seiltänzerkünste auf dem Instrumente
erwartete und zu sehen wünschte; aber dem hohen
Fluge seiner Phantasie und seinen gewaltigen Ideen
mcht folgen konnte oder nicht folgen wollte. Als er
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I
I
nachN — kam, lud der kunstliebende X — eine zahl-
reiche Gesellschaft der Honoratioren der Stadt zu-
sammen, um ihnen das Vergnügen zu machen, Mo-
zart zu hören, der versprochen hatte, in die Ge-
sellschaft zu kommen und dort zu spielen. Mozart
hielt natürlicherweise die versammelten Herren und
i
Damen, von denen er kaum zwey kannte, für Kenner
oder doch gebildete Liebhaber: fing also, wie ge-
wöhnlich, im langsamen Tempo, einfacher Melodie,
noch einfacherer Harmonie, die nur nach und nach
interessanter wurde — theils um sich selbst erst zu
erheben, theils um den Geist der Zuhörer mit sich
empor zu tragen , an. Die Leutchen saassen im Halb-
cirkel des prachtvollen Zimmers und fanden das all-
täglich. Mozart wurde nun feuriger: das fand man
ganz hübsch. Jetzt wurde er ernst und feyerlich,
besonders seine Harmonie frappant, gross, und etwas
schwer : das däuchte den meisten langweilig, verschie-
dene Damen fingen an, einander etwas — wahrschein-
lich eine kurze Kritik, zuzuflüstern, mehre nahmen
Theil, am Ende sprach vielleicht die halbe Gesell-
schaft leise; der wirklich kunstliebende Wirth kam
immer mehr in Verlegenheit. — Jetzt bemerkte Mo-
zart die Wirkung seiner Musik auf sein Auditorium«
Er, der stets leicht gereitzt und jetzt durch das Spiel
selbst noch viel mehr reizbar war, liess seinen auf
dem Fortepiano bisher ausgeführten Hauptgedanken
nicht fahren, bearbeitete ihn aber jetzt mit der Hef-
tigkeit, mit welcher sein Blut durch die Adern flu-
then mochte. Als darauf nicht gemerkt wurde,, fing
er an — erst ganz leise, dann immer lauter auf das
unbarmherzigste auf sein Auditorium los zu ziehen
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and fast zu schmähen. Zum Glück war die Sprache,
welche ihm zuerst in den Mund kam (aus anderer
Ursache gewiss nicht) die italienische , und nur wenig
Mitglieder der Gesellschaft verstanden diese so fertig,
dass sie des noch immer fort Spielenden polternde
Apostrophen verstanden haben sollten« Man merkte
% der immer noch ununterbrochen fortphantasirte, muss-
te1, sobald der Zorn hinweggepoltert war, heimlich \
^uber sich selbst lachen; gab seinen Ideen eine galan-
tere Wendung und fiel endlich ein in die damals auf
allen Strassen gangbare Melodie des Liedchens: Ich
klage dir etc. Dies trug er niedlich vor , variirte sie
zehn oder zwölf Mal, abwechselnd mit Fingerhexerey
oder affectirter Süsslichkeit, und beschloss hiermit«
Alles war nun voll Entzücken , und nur wenige hatten
errathen, wie grausam er seine Leutchen zum Besten
hatte. Er selbst aber ging bald weg, liess seinen
Gastwirth und einige alte Musiker der Stadt kommen,
»
behielt sie beym Abendessen und phantasirte den Al-
ten, auf deren schüchternes Wünschen, mit Vergnü-
gen bis nach Mitternacht vor.
Wie reizbar lebhaft sein Kunstsinn gewesen sey,
kann man daraus schliessen, dass er bey der Auf-
fuhrung einer guten Musik bis zu Thranen gerührt
wurde: vorzüglich wenn er Etwas von den beyden
grossen Haydn hörte. Aber nicht allein Musik, son-
dern auch jeder andere rührende Gegenstand ergriff
sein ganzes Gefühl und erschütterte ihn. Seine Ein-
bildungskraft war immer thätig, immer mit Musik
beschäftigt, daher schien er oft zerstreut uud gedan-
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666
. So gross war Mozart als Künstler! Den For-
scher der menschlichen Natur wird es nicht befrem-
den, wenn er sieht, dass dieser als Künstler so sei-
tene Mensch nicht auch in den übrigen Verhältnis-
sen des Lebens ein grosser Mann war. Eben darin
ist, wie uns dünkt, die Natur des wahren umfassen-
den Genie's begründet, dass dieses, für keine Aus-
sendince Sinn habend, nur auf sich selbst beschränkt
ist und nur seiner Kunst lebt, keinen Einfluss der,
äusseren Einwirkungen und der Einzelnheiten aner-
kennend, die nur den blossen Verstand, entblöst von
allem eigentlichen Genie, zu interessiren vermögen.
*
So hat man Mozart häufig seinen Mangel an
Allem, was Wissen heisst, zum Vorwurfe gemacht,
ein Vorwurf, der, dünkt uns, durch das, was wir
do eben gesagt haben, vollkommen widerlegt, ja so-
gar bey ihm zu einem ehrenden Verdienste wird.
, . Die Tonkunst machte die Haupt- und Lieblings-
Beschäftigung seines ganzen Lebens aus — um diese
bewegte sich sein ganzes Gedanken- und Empfin- |
dungs- Spiel $ alle Bilduüg seiner Kräfte, die das I
Genie des Künstlers ausmachen, ging von da aus
und bezog sich darauf. Ist es ein Wunder, wenn
er den übrigen Dingen um sich weniger Aufmerk-
samkeit widmete und widmen konnte? Er war »
Künstler, war es ganz, und war es in, einer bewun-
derungswürdigen Grösse : das ist genug! Wer mag
indess die Grenzlinien seiner Geisteskräfte so genau
ziehen, um behaupten zu können, Mozart habe aus-
' sjer seiner Kunst zu Nichts sonst Anlage oder Fällig-
keit gehabt? Man setzt freylich das Wesen des
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*
Künstler -Genie's in eine überwiegende Starke der
unteren oder ästhetischen Kräfte der Seele; aber man
weiss auch, dass die Künste, besonders die Musik,
häufig einen scharfen Ueberblick, Beurtheilung und
Einsicht in die Lage der Dinge erfordern, wrelches
bey Mozart um so, gewisser vorauszusetzen ist, da
er kein gemeiner mechanischer Virtuos eines Instru-
mentes war, sondern das ganze weite ,Gebiet. der
Tonkunst mit seltener Kraft und Geschicklichkeit
^ • j ■ ■ f
Wie schön und beneidens^rertli ist übrigens jler
Wirkungskreis eines Tonkünstlers!, Mit seinen süs-
sen Harinonieen entzückt er tausend gefühlvolle See*-
len$ er schafft ib nun die reinste Wonne; er erhebt^
besänftigt, tröstet l Auch dann, wenn er nicht mehr
ist, lebt er ^ennoch in seinen wiederholenden Q«t
sangen — Tausende segnen und bewundern ihn»
, Mozart hatte schon in seiner Jugend zu allen
Kenntnissen, die man ihm beyzubringen für n olliig
fand, eine grosse Anlage gezeigt, in allen schnelle
Portschritte gemacht^ von der Aritlimeük ist Er-
wähnung geschehen. Auch in seinen spateren Jah-
ren liebte er diese Kennüriss sehr, und war wirkliclj.
ein ungemein geschickter Rechenmeister. Eben so
gross war sein Talent zur Sprachwissenschaft; , er
verstand Französisch, Englisch, Italienisch u. Deutsch.
Im Allgemeinen bietet er einen , ausserordentlichen
Gegenstand der f philosophischen Betrachtung dar.
JDie Erhabenheit seine? Compositionen war eben so
bemerkbar, als das einfache Gepräge seines persön-
lichen offenen Charakters. Zu bescheiden für Eigen-
dünkel, jagte er nicht nach Beyfall : im Bewusstseyn
, Digitized by
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seines wahren Werthes, war er zu gerecht gegen
sich selbst, um sich denselben absprechen oder be-
streiten zu lassen. Ohne Affectation zeigte er seine
'Seele frey und unverstellt, ohne Stolz achtete er das
Talent auch in seiner niedrigen Sphäre, und seine
eigenen geistigen Kräfte lassen sich in der Benen-
nung zusammenfassen, welche ihm die Italiener ga-
ben : Quel mostro d'ingegno ? — Die lateinische
Sprache lernte er nicht erst in späteren Jahren, wie
Einige irrig berichtet haben, oder nur so viel, als
es zum Verständnisse des Kirchentextes, den er allen-
falls in Musik zu setzen hatte, erforderte. Mozart
hat sowohl für die lateinische Sprache, wovon er
mehr wusste, als zum Verstehen des Kirchengesan-
ges nothwendig war (wie es auch seine lateinischen
Floskeln in Briefen beweisen), als £ur die übrigen
zu seiner Zeit gewöhnlichen Lehrgegenstände in der
Jugend eigene Lehrer gehabt, und machte in allen
Fächern, von seinen angebornen Fähigkeiten unter-
stützt, guten Fortgang, indem sein Vater, der eine
"gelehrte Erziehung gehabt hatte, ihm zugleich in
Allem an die Hand ging, ungeachtet sein Haupt-
unterricht sich auf die Musik beschränkte.
In allen übrigen Sprachen hat er mehre gute
Schriftsteller gelesen und verstanden. Er machte oft
selbst Verse, meistens aber nur bey scherzhaften
Gelegenheiten, z. B. sein „Mandel, wo isVs Bändel«
ein komisches Terzett mit Ciavier -Begleitung. So
auch unter anderen bey dem Tode eines geliebten
Staares, dem er in seinem gemietheten Garten ein
ordentliches Grabmal errichtete und dieses mit einer
Grabschrift versehen hatte.
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In Knittelversen zu sprechen und zu schreiben,
war eine von den Possirlichkeiten, die er mit ausser-
ordentlicher Leichtigkeit und recht gern handhabte*
Wie ein für alle Rhetorik Ungebüdeter in der Leb-,
haftigkeit des Gesprächs alle Figuren der Redekunst,
ohne es zu wissen, anwendet, so ging es ihm mit
den Künsten des Versbaues, von denen er kein Wort
wusste. (? Durch mechanische Uebung ist man leicht
damit bekannt, durch blosses Hören oder Lesen.)
Sein Metrum wechselte immer z. B. mit dem Aus-
zudrückenden. Seine Fertigkeit darin ging so weit,
dass er ganze Briefe mit einem Echo schrieb. Man
hat einen solchen, der drey Xjuartseiten lang ist: er
ist aber eben so unartig als witzig. Hier als Probe
ein Brief an seine Schwester aus Wien vom löten
August 1784:
Ma tris chire Soeuri
Potz Sapperment! — Jetzt ist es Zeit, dass ich
schreibe, wenn ich will, dass Dich mein Brief noch
als eine Vestalin antreffen soll! — Ein paar Tage
später, und — weg ist's! — Meine Frau und ich
wünschen Dir alles Glück und Vergnügen zu Dei-
ner Standes -Veränderung, und bedauern nur von
Herzen, dass wir nicht so glücklich seyn können,
bey Deiner Vermählung gegenwärtig zu seyn; wir
hoffen aber Dich künftiges Frühjahr ganz gewiss
in Salzburg sowohl als in St. Gilgen als Frau von
Sonnenburg sammt Deinem Herrn Gemahl zu um-
armen. Wir bedauern nun nichts ab unsern lieben
Vater, welcher nun so ganz allein leben soll! —
Freylich bist Du nicht weit von ihm entfernt, und
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er kann öfters zu Dir spaziren fahren — allein jetzt
ist er wieder an das verfluchte Kapellhaus gebunden!
— Wenn ich aber an meines Vaters Stelle wäre, so
würde ich vermöge der schon so langen Dienstzeit
bitten, in Ruhestand gesetzt zu werden, und nach
■
erhaltener Pension ging* ich zu meiner Tochter und
lebte dort ruhig. — "Wollte der Erzbischof meine
Bitte nicht eingehen, so begehrte ich meine Entlas-
sung und ginge zu meinem Sohne nach Wien —
und das ist's, was ich hauptsächlich Dich bitte, dass
Du Dir Mühe geben möchtest, ihn dazu zu bereden;
ich habe ihm heute das Nämliche geschrieben, —
Und* nun lebet Beyde so gut zusammen, als wie —
wie Zwey. — D'rum ni mm von meinem poetischen
Hirnkasten einen kleinen Rath an; denn höre nur :
Du wirst im Eh'stand» viel erfahren,
Was Dir ein halbes Räthsel war;
Bald wirst Öü aus Erfahrung wissen,
.Wie Era einst hat handeln müssen,
Dass sie hernach den Kain gebar.
Wirst Du von Herzen gern verrichten,
Denn, glaube mir, sie sind nicht schwer.
Doch jede Sache hat zwo Seiten: •
Der Eh'stand bringt zwar viele Freuden,
Allein auch Kummer bringet er.
D'rum, wenn Dein Mann Dir finst're Mienen,
Die Du nicht glaubest zu verdienen,
In seiner Übeln Laune macht:
So denke, das ist Männergrille,
Und sag': Herr, es gesehen' Dein Wille
. >r • *• — • _ _ ^ — — — 4 . i
Dein aufrichtiger Bruder
. : . , W. A. Mozart. ». ,
Thiere und insbesondere Vögel liebte er sehr.
In den übrigen Fächern hatte Mozart wenigstens- so
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-
671 ,
— — —
viel historische Kenntniss, als rar einen Mann von
Bildung nöthig war. Er zeichnete auch sehr artig.
Zu hedauern ist es, dass er nicht über seine Kxmsi
schrieb! Aus* seinen Briefen erhellt, dass Mozart,
ohne gerade ein Meister im Style zu seyn, die Feder
doch besser, als manche Musiker, zu fuhren wusste.
•
Warum also zweifeln, dass er das Talent besessen
habe, sich über die Theorie seiner Kunst deutlich'
und bestimmt auszudrücken ? Aus einem Briefe , wel-
eben er an Frau von Trattner, eine seiner Schüle-
rinnen, über den Vortrag der für sie gesetzten Cla-
vier-Phantasie geschrieben hatte, konnte man sehen,
dass er nicht nur die Praxis, sondern auch die Theo-
rie seiner Kunst vollkommen verstand. Noch mehr.
• • • .i
— Abbe Stadler besitzt ein sehr schätzbares "Werk,
nämlich einen Unterricht in der Composition, wel-
chen Mozart seiner Cousine ertheilte, und den er
von ihr als Andenken erhielt. So oft ich diese Blät-
tor durchgehe, sagt Abbe Stadler, erinnere ich mich
an den grossen Meister, und freue mich, daraus zu
ersehen, wie er im Unterrichte zu Werke ging.
Fundament des Generalbasses von W. A. Mozart;
herausgegeben und mit Anmerkungen begleitet von
J. G. Siegmeier. Berlin 1822. — und bey Steiner
in Wien, unter dem Titel: Kurzgefasste General-
bass-Schule von W.A.Mozart.' — Man untersuche,
wie er den Text des Titus behandelt und abgekürzt
hat; man lese die Briefe, die er während der Com-
position des Idomeneo und anderer Opern an seinen
Vater schrieb; und man wird den rasonnirenderi,
denkenden Kopf erkennen. Wie viele Logik zeigt
er in seiner Musik! " "" ' - ' •
■
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-
672
In einem Heft einer musikalichen Zeitschrift von
Berlin vor mehren Jahren wurde von Mozart behaup-
tet, er habe eigentlich keine höhere Bildung gehabt«
Gelehrte Bildung hatte er freylich nicht. Aber es
ist schwer zu errathen, was der Verfasser mit den
Worten „höhere Bildung" gemeint habe« Mozart
hatte die ^Welt gesehen« er kannte die Schriftsteller
der gebildetsten Nationen, zeigte überall einen offe-
nen freymüthigen Geist: was fehlte ihm also zur
höhern Cultur? Muss man in Göttingen, Berlin
oder Jena studirt haben, um höhere Bildung zu er-
langen? Oder besteht die höhere Bildung darin,
dass man weiss, was deutsche Schriftsteller sagen?
dass man von allem zu schwatzen versteht?
Der moralische Charakter Mozart's war bieder
nnd liebenswürdig. Unbefangene Herzensgute, und
eine seltene Empfindlichkeit für alle Eindrücke des
Wohlwollens und der Freundschaft waren seine Grund-
züge« Er überliess sich diesen liebenswürdigen Re-
gungen ganz, und wurde daher mehrmals das Opfer
seines gutmüthigen Zutrauens. Oft beherbergte und
pflegte er seine ärgsten Feinde und Verderber bey
nebt
Schon der Knabe Mozart hatte sich allen Din—
■
gen und Personen, woran sein Geist einiges Interesse
fand, mit der ganzen warmen und lebhaften Innig-
keit, deren ein so zart organisirter Mensch fähig ist,
ergeben« Der Mann hatte denselben Haupt- Charak-
terzug behalten, welches oft zu seinem grössten Nach-
theile diente«
Seine Schwagerin hat Mozart nie betrunken
gesehen, was man auch in die Welt hinein geschrie-
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r»73
■
ben hat : er trank indessen bis zur : Lustigkeit« Es
freute ihn aber, wenn seine Tischgäste (leide1 rl&l-
sehe Freunde und Blutsauger ohne? sein i Wissen,
werthk>se Menschen; die ihm -zu- Tisrlniarren dien-
ten) es sich bey ihm schmecken . Hessen^ Ihs Um-
gang schadete- ihm au Credit und Huf. hC[
Bey einer der Sonntagsmusiken* die bey. -Mezaxt
-gehalten wurden*, war ein polnischer Graf »zugegen,
der über ein neues Quintett mit IHas- Instrumenten
:twd*€lavier, so; wie alle Zuhörer, Ifrxt entzückt ftar.
Er bezeugte ihm dieses und äusserte seinen AN 'misch,
dass Mozart üör ihn ein Terzett ilirdie FiötogeJe-
gentlich machen mochte. Er versprach es gelegent-
lich. So bald -der Graf «u Hause* war* ! schickte er
Äioiart 100 halbe Souverainsd'or) {t&O Kaiser;* Du-
caten) , mit einem sehr verbindlichen. Bill et und wie-
derholten' Danksagungen für das bey ihm genossene
- Vergnügen. Mozart war »wiederum erkenntlich lmxl
schickte ihm die Original -Partitur des erwähnten
Quintetts, wie er sonst nie that, und erzählte seinen
"»Freiinddn mit Eifer »dieses schöne». »Verfahren*? Der
: Graf verreis' te, kam. nach ieinemi Jahre wieder zu
Mozart und iragte nach seinem Terzett* Mozart ant-
wortete, das* es noch bichf sieht d*zn aufgelegte ge-
fühlt hätte , ihm etwaJ seiner (des Grafen) Würdiges
• »u componiren. Der »Herr Graf erwieder te : So wer-
ben Sie sich wohl auch nicht aufgelegt fühlen, ., mir
die 100 halbe Souverainsd'or wieder zu geben, ..die
ich Ihnen dafür, voraus rbezahlte. Man, erinnere sicli
obigen Billets, worin das Geld für- nichts anders als
einen Tribut seiner Bewunderung' /uxft^nes Dankes
für genossenes Vergnügen passirte. Maaart, unwil-
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>Tigrf*b^ed*l^^ Der iGmf
behielt die Original -Partitur, und einige Zeit darauf
^erachten das Quintett als Clavier-QuatteU, mifcBe-
Leitung einer. Violine,, ! Viola und! Violonceü , ohne
-Mozart -s Zuthun, bey Artaria in Wien« i., , > [. \
Diese seihe; Seh wägerin erzählte: wenn Er Et-
iwae'hatte, so hatten Aach die* die um ihn herum
waren und welche sein gutes unverbesserliches Herz
. schandlkh ««.hihtergehen wusstem Er war unglück-
lich in der . \\a hl seiner I laus- und Tisch freunde :
durch ' sie kam er um. Vieles. Die Frau litt* in der
-Stille und unterdrückte ihr Missfallen.
- : . * iSr hatte , zwar ; oft" mit : einem schnellen Blick e
au oh versteckte Charaktere aus dein Innersten aus-
»
gehört* aber iin Ganzen genommen hatte er zu viel
Gutmüth igköii , : : um Mensch enken ntn iss zü erlangen.
^Selbst tue Art seiher Erziehung^ die unetäte Lebens-
art auf Reisen,' wo er nmrwfur seine Kunst lebjte,
machte eine wahre Kenntniss des menschlichen Hei -
s*na unmöglich. Diesem Mangel muss man manche
Unklugheit seines Lebens Zuschreiben« UebrigetJS
hatte Mozart iur die Freuden der .Geselligkeit und
-Freundschaft einen offenen Äinn. r Mozart!* legend-
-Hebe Briefe zeigen [seine liebende Seele« Hier : noch
eine. Probe ihrer Sprache. In seinem Stammhiiclie
unter der Inschrift des Doctor Siegmund Barisani
findet i man von seiner Hand einen Zusatz. ■ Bey des
lautet so: »*!»••'..' >"—if~u *, !f .|J
D« rBHft»m»i «kr,, selbst grps* ron, Q*i*V /: . .
Den grossen Mann zu schätzen weiss,
JJahin reisst zur Bewunderung;
-:. /,.,. W*nn t)eme Kunst, um welch« Dich ...lirng
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6^5
, , Der , we Ische Comppnist beneidet,
luiu >•!. ^ttto^wW it¥,iaw'im*Mist Wfölgtr'' rf ;
i! i 1" Wenn Deiue launt, an der Dir ahr •■ .I»«i
. i. Ein Bach, ein Joseph Havdn gleicht, ,
Dir langst verdientes Gluck erwirbt,
Verg^gr '^a* :Deinee Freunder nicht,"' " l!,v ■»••»'
j sb Der sich mit Wonne stets un<l $tej* ,
• i . StpM- erinnern wird , , dass .er ,
* ; Als Ar*t W;twey rMaS tiV'gaaSint, ' * 1
.}; : XJh& • IKeh ; der * W<eH aur Lu»t - erhielt | • - L ; . ; *i »j
. • Da«a Du sein Freund bist, so. wie er _
am 14. April 178?. Physicuä primaria* *m allaemeiuen
• :" ' " • » ' l, ,1<lÖalft©nliauiü* ' ^ ' '»i
' Heute dm iten Sfcptember dieses ntmKcnen Jahres war ibn'so
• unglücklich, diesen, edle» M«nn^> Anbs^fnvfaeaten.Froniid und
■il'i, •¥rF*t*er WPWÄiLpV^ns .gans, unrermu^ert ^ur.c^ denrTod tu
rerlieren. — Inm ist wohl \ aber mir, — »• uns — und Allen,
I: '** 'die ihn genau lyinnten : uns' wird es' mihi ah weh! wenden
•fr," bis wir SO glücklich sind , ' ihn in ein er . bessern Welt —
JuotärK "
- j < i '.»•.>.. . » tl.lt, * . . v_: »Ii , 2 . 1 '»t i# .Li . 1 . l'§, . n; iI/aO
Unter guten Freunden war Mozart vertraulich
ä ^jie^cin Kind, voll n Hintere r Laune; diese ergoss
«ich dann meisteintheils in. die iärolligstett lEinfölle*
Er hatte eine reiche Gabe von Witz aus 3er Hand
* 1 I 1 *
der Natur fmp&pgetL. Dpi., er diesen Schate offauf
^ seltsame, nicht eben ausgewählte Weisq an den. Tag
legte, konnte, nicht anders ^pniinen^ da er, ausser
'«einer K^nnife äe.«ei;^^ehenden, zuwe-
nig verschiedenartige Ideen , also zu wenig Materie
,be,aass, an der«' f>tfnirun£ «ein" Witz «ichjatte
auslassen können. • Aber wie reich floss ihm die
fröhliche Quelle in seiner Kunst! — Wenn er z.B.
auf dent, Fortepiano .p^taairte, ^ leicht war e«
ihm jla, ein Thema «o .zu bearheit^, das« i « li|«r
43*
-
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• t •
und
possierlich, <lf>rt gr*
spitz, oder flel»en*lich'>ocJet miserabel auftretend oder
hervorlausch^nd^cfder iich hradtfrch1 arbeitiend zeigte
und deuten lies**., savdass ei; , aait ^ejyaen; Zuhörern
machen konnte^ was**«r wHtfe. I)ns -* gerade das
hat vielleicht, vir uid'Ä^m^iie1 efn Clavierspie-
ler in diesemJtfAasj(Mgehabt.;/EE; parodirtq mit nicht
übel gemeinter Persiflage nicht; Helten die Kunst- und
GeschmackveräerBen' ^Seine : musikalische Satyre ging
vjea6ch°wr afäoMf hinaus, weniger auf gewisse
italienische Komponisten und ihre Nachahmer und
die ausübenden Künstler kam. welche damals- hoch
gepriesen waren, und von denen freylich sidh Einige
gar',übel um Um1. Verdient geniäcmThatten. Öa rührte
„ er nnn vor seinem Cla viere ganz , grosse Operoqcenen
—aMs'^i«int'i&tegrehce • in» «jener Manier auf, und -es war
unmöglich, inrif mit «leich^uWgkeit zuzuhören. Er
? nahm sich nicht, die Müh^, dergleichen aufzuschrei-
U Den.' ßoeh Idsü mau eine solche grosscf^Bravoür-Arie
' ^einer Prima Ijijonna. *fis ist ein ' künstlich verwettes
* un^ auf den erstell Anblick sehr ernstnaft gemeintes
* Ganze aus Lieolingsideen der ÄlesYandri, Gäzzaniga
'•'i-'&ff wii sie •'^i&t^lM^■JmatÄt■•h«tt*,,«
sich gleichfalls selbst gemacht. 4 fir bestand aus einer
^\>\* mia :.) »H-ucLiiyu, w «:« w iiräiL t»Jim»i «
1 'SÜmi nV von den noenitrabenden öaer wüthigen
ifoir xAArmMitä£in;:- ternttä italienischen
...... X.K '« I »I . -I. * t„_ _ _*
•31
Qperpdichier so £eifh *Älles überschütten , uncl diese
Gilten Glasperlen'4 Waren' nun 'fdsierk' p öss&tfch
";>sä'nimen gerenkt. «Ai >Ji fo^tf tf
ungefähr die erhalirae Prinzessin" — 4 Öh jJto! questa
pena! o prince . . o
V. lo *re/no .. zo miweo ..
t» ■ * «
io moro . . ."o dolce motte. , i ".' iDä fallt, wiö eine
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t^ge ^hn^lje^, und ,.^¥iedej?hakeu.u I) och r vielleicht .
^ifflnW^W^f^Hfi verme^t;,«ugleich den de- '
cUt'seji einige Belege dqi> Schelmerey ^ des possierlich»
,ny YW.t'<S»PV,cllo( )^I)(?u Jujn^eseni ganajjvoll-
epi^fen, Qe^qpf«,, ^» musikahschen Witz« und
♦«iHiraft^ fr?^. 6aS' weil, es .hier '
^«(ipeE ^.if^hern flj?lweis,un£ .Bedarf, und I^e^uiello
fcWft Wjigfir ^o^dflt mif?.ikaliSche '
jKikU-i-. des. Don AUvnso, $ee, sogenannten Philosophen
%MMJ^,:6¥t «Jffi*? j*,»?™? j^^WWä .
W)«Wt^ a?,.a^4et flwl^ fest jda, ..«ass mau
scJiun uni.se^^iUeii. beklagen Iii ii »s^ dass das Stück,,
WfflfflP»*r: 9» 9Wtpo«n F J>i(ihter> .,&F ™\.
JWfcW^W*?^ Ganye^u^njen ^erfen, und;'
W^t^hr aus ,d<3;.^p*ik, al^aus. dem italienisclien-
Te:^*,, etwas, Anderes herstellen^ Das, deutsche Pu7r
bluum hat ^ohl überall zu ySel, Schwere pnd, zu
wenig leitjhtfer^igen^ Mttth fj^dje*^ Art des itopn-
selien.; und unsere ,rneistent Säiiffqr und. Sängerinnen
U*el *u S^auspieler und voj .Allem >u
wenig fein, possierlich und schelmisch für di^ G'at-.
tmi**?. itaüenüohen «Burleske, ,^e sie
i «
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678
hier, getrieben \£ird; So scharf gezefchiiet jener* Ate '
funso nun aüch itfi:Äer'Mtöik steht/ so ist man döch"
in VeMefcenheit/ Wehn' man mrtV«mgW^Jedei^to
verstandlichen Worten sagen 'sba, ynk 'er ist. •*-*EBf •-
BatÄV'feaei V prate, -paföig^itörinchen, "ftä «V
der Mand vie^inrige/i%fahrun^ gelernt ^SÄJ'TÄ»
manches Grösse, das In di r Welt gesucht %iriF, zu
lachen, ' nnd dafür ' inäncbe« klein*;" aas' veracltef :
wird,' mit einem gewissen Ernste' zu'' behandeln'^ ffdr
für den'BeobaciiteT1 weit #ehi£er %rrist} 614 komlschl'
ist. Letzteres ist ^esbhcJers Mtiz&tttmth gelmi^
gen. Ernsthaft kann der Alte nun einmal nicht seyn,
und selbst wenn er mit den MJdcfcen trauert,- odfer*
am Ende zum To^e^e^hröcketl s^yn Will, aö'itft
und bleibt's Spaäss, so däss sem aufgeschrieen«?/
iMtfricör&a" in letzter1 Stelle* j fottüffifc ni«hl Weni*
ger drollig ist, afa^orii'sdn ,^hiitö ^ ßnefn
laudaf* Einzelries lasst sich rten fcHnt' nicht Tlel
anfuhren, weil dks Ganze so ge^et 4st. Auf ^
nige. einzelne hiern et gehörige Züge aus den anderen
Partieqn dieser Oper will ich aber noch hhidentett;-
Zur Änfuhruiig gleich der erÜterh Zeilen der Wfaf*
tura nage ich noch eine' besondere1 Veranrai^üngv
Ein, Kunstnchlerl nicht ohne' Verdienst und :Rn5f, ,
schrieb . einmal' hin, dieser Anfang gerade sey ein
Beweis /wie Mozarf gar keine Auswahl seiner Ideen
verständen habe : denn liier stehe einö erhaben* Aufc
forderung, unmittelbar darauf komme ein sehr ge4*
meines, alltaglich hingeblasenes rÖatzchen,: nnär nun
geh© es/ wieder unmittelbar, im lustigen fr eyeh AI*
legro fort u. s. w. "Wie steht es denn um die Sache?
Also. Der Titel: Coti fah tütie , ist bekanntlich era
4
«
, Digitized by Googl
679
Sprichwort , auch iü* 'der Anwendung* Äl..\velch6r rfl»!j
liier gebraucht, wird, r j Zwey Liebhaber aind tbi& je-?; i
nem Phfloaophen im Jdbhajtett-Stmt«, weüder *wigc'>
Lacher ihnen nicht, zu geben will , • dass Niel i ts in der >
Welt ihre Mädchen ihnen . ün treu machen könnt«. ,
Es wird ein Plan ersonnen, die guten Kinder/ auf ;t
eine harte Probe zu stellen. Der Thui >vü'd auspe- .
fuliiit, die Prohrgelingt — aber zumYortheuV* dejiPhir,
1 osophen. Die Liebhaber wüthen , ; der Alte hält ihr 3
neu eine Kreuz- und . Trostpredigt, bringt sie zur
Raisont macht ihnen.wieder gutes Blut: und beschliessl; j
in seiner alten Laune:. Kipetete eon mä, eosi /ah
t utte. Im Durchbrechen des guten Mutlies fallen
ein-: ( W. fan tuttc. Es wird Friede, und der Dich-
te setzt, recht gut; den Waidipruch a« die Fronte,
des Ruckes. Mozart bleibt nicht, daliinten. Br lässt
in jener Stelle« den. Spruch choralinassig absingen^
imdi vorn in derOiseriura kömmt richtig auch, nach,
einigen imponirenden Taeten, welche den« Zuhörer,
auffordern, etwas , höchst Bedeutendes zu erwarten,
die Melodie jener Firma des Ganzen , so gl alt hingen
sagt, als ob sie vonxTihurme geblasen würde, :jK>im/
man das Verkennen? kWmte manfs liubewHer macJi^t
>Die, Scene dWitiutäefflicheiii era1ia:Finiu^idi48eri
Operv wo die. Verzweifelten Gifli; geuowmen. hÄhÄ
wollen, ist toU , von rZrügen der Schelmefcey und-desl
possierlichsten: IWitzes^ ich. müstte aber die Noten::
abschreiben, um eaoanathaulich »iL machen;.. VieUeicKi*
gelingt . mir diess aber ohne >enei : 'Abschreiben mit
einer Scene dea zweyten Finale. Nachdem Frieder
gestiftet und Alles in integrum restituirt worden,
necken die Herren, wie billig, ihre Mädchen jnil,
•
•
dem Vorgefallenen. 5,Beson3crs ' füiirt der
neri Geliebten die« Scene ztr Gemüthe, wo sie,
dem zweyt en 'verstelltieB • Liebhaber • das erste ' <
schenk angenommen , ! lind wo J>espihay i
die Vergifteten »mawipulircnd wieder hergestellt habe
ufawl.M4kOrttmfrä& aun- die. . Hauptideen des Ao-
conipagnements, welche in den Seinen, wo jenes
vorging; weiter ausgeführt wurden, herüber,, wirft
ste*'du^--ei^tt*rara«rbilAjt <dariu^*fa«ui*m.
fröhlichen Satz, welcher so* deni Aufmerksamen auch
die ganze Musik jeher Seemen im entgegengesetzten
Lichte - wi eder vorüb et« * führt. ; * Wenn • man i darauf
5ht iheftt , io I Ist däs-mobt Mozarts SchulA .
» »Mit Vergnügen y «agt Niemtschek,; denken.'
Freunde in i Vag au die schönen Stundeh, die sie in
seiner XJeseUsckaft 4 verlebten; sie i können aein gutes
argloses Herz hie1 genbg rühmen-; man vergaass in
seiner Gesellschaft* gatizy dass man Momart, den be^
W«DÄe¥fen-Künafler vor. sifch fcabefc.n »in.,.-L. . • i r , .«
Wöch ein Beweis seines Witzes* /Seine Schwe-
ster erzählt: Als ^ie «'amilie^ |76Ö wieder, *u Hauae
war* 'Kind» • Wblfgang »sich sch on ' damals berühmt ge-
te Jahr
machte obseHon^er -hoch nicht däs<
reicht hatte, »bekamen sie viele Besuche der grossen
Herrschaften y »worunter i denn auch ein : sehr stolzer
Herrlwar; dttr'aBe* nicht w^witev wie er deurilek
nen Mozart titul i r en : soll te. Du zu i Ii m zu sagen,
schien' ihm nicht:
immen, Sie «ler Ihnertl 2
UVid so glaubte dieser am besten zu thun, wenn er
Wir zu ihm spräche. Er begann, .also : Wir waren
also auf Reisen, haben Uns viele Ehre gemacht
u. s. f. Sogleich versetzte der kleine Mozarts Ich
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JüAe\ Sü -doch,nirgeriik gesQhmAode^ gfitnpffm saU \
) Nie vewieth; ier , eine» i gewissen, iTwtf-jR««^,
tismus ode» Caprice, der an, maachett Jiwgfiff^i^jp^l-,.
lo's so ■ widerlich ist. • 'JSf epxraoh selten IlW|4f Vtenig |
von seiner Kaufst und .* immer ; mU i einea^jjif bj^nftwirrr ^
digen Bescheidenheit. Unaufhörlich ,#ity)fQ#igjpMJif.t
CSomposiiJoA beschäftigt, wr<to\*tinMpm #nd,>«eist
zu voll von eigenen Ifooductten , um 'ihm in seilen
Unterredungen,» «etfaubea&M bey_ den H#r^p jÄndev .
rer Meister»- zu velweilenvrj ^icjitsr.'d^sxo weniger:
sprach, .eptigerp ,von de». yo^Sliohi.eitß^ ,*oJcber
Compo*is*eh, wie Porporajund JOnran^t und,
AI css antl ro ■ S Carla tti , und i seine .Einsichten . lehrten
ihn' gan*>,. dio^viüiexschweogUcli^|v .^al^te.; »aWel*,,
soll ätzen. JBin sagte, oft j.daas eir sich durch das» Spie-
len der Bach'schen Arbeit .Ter vollkönunnet, #4V^
stm Fingw-seUung üir. die- einaig ricMige , JiaUe. / v
Hochschätzung des watweÄ YöI^ienfi^^^v\^xiVpb^!^
tung für flifePereanilehe^,^!^^^^, &&unst-
sachen. . Es . War gewiss führend * . Wenn, , er , yqj^ c[en
hfiyAßii\Bayda V loder anderen £r$ssen Meistejrn snr^ch^
inan^ glaubte v nicht . den allgewaltigen iMozar fi, , ; sondern
einen ihrer begeisterten Schüler zu hören* * Dass
Mozart nie, ohne diev lebhaftere Achtung -von; J. Jlaydn
sprach»; hab^n Wir , schon S. /; 13. er^^h^t, uijicl $en*eit-
ken nu^o^. dass er v.d»Tch. jenei? dpxfr erwälmjeft
Einfall sieb qinen unrers^hi^ctien Fein^^
zeluch zugezogen; f;»\ w'wi R>t.;* «Salami; .» j
Mozart war sehr human gegen Dilettanten, die
in seiher <^g$iwart spielte^ und furcjjjt^a^
Wackerer M^t, wie ^t Wd freund^>be icjt
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1
Dfoh *vfä**ty*mAdkm ^erainWmgfa geÜthdeidt.
Und nicht etwa aus Höflichkeit oder Galanterie , wo*»\
vwi DS,- da*'. Weiss der Igiflrmel, bliltWttWg* wusstest
und jKehts mochtest , sondern weil er infr Deiner gu— \
ten ehrlichen ! Seele lag , ' und -Du von aller An m aas-
sang und Pedanterie weit entfernt E* hatte
eine liebendfe Seele»: •••"rfliran; J .? »i-.irlhdf^Ü
: '> VoW Welcher ' richtigen * Seite Mozart/' Uos vo»>
seinen! i GeiMs geleitet, die Dinge der Musikwdt an-
sah, Sengt fblgeftde Anekdote. Er kam auf seinem
Keiit>h tfu -dessen jetzT lebender Sohn in seinem
zwölften Jahre schon sehr Brav Ciavier spielte* „Aber;
Herr Kapellmeister, sagte der Knabe, ich möchte,
auch gerri Etwas componire». Wie fange ich das
ata? H Nicht*, nichts, müssen warten, „Sie haben
ja noch viel: früher componift.'' Abtornioht gefragt.' \
Wenn man den Geist- dazu hat, i:#b'< drüt L t\$ und
quälfs Einen* mkn muss et machen, und man tnachfs
auch und ft*agt nicht darum, ' ' • •
-»-'"DA: Knabe stand beschämt und traurig, da Mo-5
zkrt däs heräuspolterte, und sagte endlfcfr: |ch meine
ja riur, Üb Sie mir kein Buch vorschlagen können,
wöräus^ioKV recht machen lernte. Nu* tcJuum's,
iratWortefe' Mozart freundlicher und st rei diel t e dem
Krisen ^Wangen, -deu ist all* nieder Nichts.
Tfiet, ht&' utö hier (er zeigte auf Ohr, Kopf und:
Herz)1' ist Ifire Schule.1 TsVs da, richtig, dann im
GtitetWanlen Feder in die Hand, und steht**
da — Mrnach einen verständigen Mann darüber oe-
fragtf >1rrv' t, 't u ' - '«*•.' ■ ":
Einsendungen, auch Tadel liess Mozart sieh ge-
fallen. Nur gegen eine einzige Art desselben war
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er seW'eiin^firiäHai," und twBf gegen dSey weieh«1
inin gewae!1^!mr8tea r;gemac1it- wurde' -«ftideH
Wegen allzöfeurigen Geistes; '-wegen allznaussch wei-
fen der Hianüftiie." ;I>ieie' Ei
1 J
Ii 1
IPJ
• Ml*
A
taugte gerade 'däs EigentlräMr^te ^d' Ausgezeich-
netste seiner Werke niclrtäi, und sie verloren in s«-
rWh Aagen'afled '' Werth/'"4 *> * ff .ab.ii.v. I
f,i" Seine " unglaubliche- DingÄuflk und •Naeh»icnt
rtit kfeb^ welcnem er ieinn^ii gvk war, er**Ht aus
Folgendita i Als er nach Frahifu«ri7W mseh "#»lÄe^
und Geld dazu brauchte, wa.s ihm nur zu ungeheueren
Zinsen angeboten ward, schlug seine Frau ilünf;'»brt;
ihre silberne Toilette und Pretiosen «ä Vettetiett.»
Es geschah; er reis'te. Als er zurück karti rind nicht
Viel gewonnen blatte, Whitft Stadler den ' AnfbitgV
eiÄen Theili ä'fi; Blesteek ette. einzülSse«,' und 'das
Andere umschreiben zu lassen*. Der Vefsetzzeltel
iur den ixest wai u inrn wanrscnemiicn von ciiesem
HaüsfreunuV entwendet" aus »einer stets onehefc * ChM
foulte. MlteteÄ Bekam «W^B^
XJm diese m'eldete' ^icTi**sögleieH* der lauernde 'Städler
urid sagte, er^vvare gänzlich Verloren, wenn er sie
niclit BekSmeV -ifo^htmtto'täbst das «öl* J «ein
gutes Heri vermöchte ^ihi , ihm j zwey schwere Repe-
tft - tJh&tf* 2?um?^ersat2: {tiä- geben: Dh gtfc und
bring* mir dkn Zettel und löse' sie zu rechter Zeit.
Da diess nicht' geschah und "Mozart deine TJhreii
m^Z-^U* •^*JKA»ijji- ;;f- II« , -iü » J*JU •i.L,.: >-44 a-uJ „,rfi n*
nicnt verlieren wonte,. so gao er lnm zu acr wior*
derlichen Zeit die 50 Dücaten und Zins^.' ' ' Öieser
Wdr so liiedertrSchtig, sie zu behalten« Mozart zankte
ihn zwar aus, aber blieb sein- Freund,- Wohlthäter
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■
<M9fr$ x r#»niP0*tioa.-,»Wjv «fr Wflpld
nach Puaov und machte da&s er da iLcbraucJit wurde.
TJTjibv rz" ' ^,rf' -Tf,7f ttt,*ä» { p^rnTi jt!it^t>^^^
lerwürde. Wie wäre es auch.TOÖ^^Wewp,, ni^ts
zur^wi^ea, tjwi? Ä7i<Vtf- - er T ser m ^ Al^ , , F nie
lea uleitJiiiültiflr was bloss aus Neugierde ihn auzu—
• toi<^,wwe& ,gf;iW^.dftber bisw^pi der.
9egfiii«fart ,gKgs?er,H^erv;iwm;jhvc^t^a R*u}gfi.,aun*
Spieffiu/nifillt, b^w*g1»r!oder.«r^^::»^a ak,
Tändeleven. wenn er merkte^ dassisie keine Kenner
pc^ii^^e^kl^be^^aj^n^,. ^ejr^psarj, ^r*»**?*
ffcCilüflfste Mann Ton dur Welt'- "wenn er -aali«, dass
S> r* n'O" Tri i T ~ - r "^TT* ~ttl /r JTlrTT J *xxn* (3
lte*ii^gi.£fnfc Mgew£fl0ent,)tf)4 «unb^annte^ Ifenr,
S^W???"} c*^9Ct im o^^J £ • j^tt^inij^x^^rn d , ^Axflil-^ajjnk 1. 1 1 , Ii o 1 1 *
er die Ypwucne j ull£cr Künsl J er an rt nd w eckte d 1 1 refy
eine liebevolle Bevlalls-Aeasserujni das schlummernde
.-ur»r\ r*vrn~ i .. jr i _t \, rnuiTW TTTB .TVT" «TT :m .• r" ■
S^^b^u^yn., - . Unser f fe^te^ rt^jpoto ( muj
fcejjjebjs^ ^«Esetzer^ Jo^^^i^^s^^iejn^
Pie'wenjgp^ Stufen, bey Mfflc*r
schätzt er nach eigenem Gestäudiiiüse für
;*u *^e/rj^&%nSib j
Menschenfreundlich und untH^ennützui war I
part Wawern liobqu. G^adfij darum sammelte
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"Kirf 'WywKJP; Gan* 'farf Aend,
icliäk'ite'iii'' ^h 'WärtH dei; G'eföesr haW'ikr in%Hg«!n
"Öinge; 'iüVeMgf J)al,<^felfcfy<er Iritis 4Xu3&,
aus Gefälligkeit oder Wohlrhäliukrit. .TeoVr reisende
"^fiHÜoSf W'gWwi*,1 THreiirf ^^^fe^ifififteH^alent
f odei* ^nSo\,aiis;<^ein 'CHaraktejr"z&J%ia^
eine Com^o^tf'Sar 'iffli11tfx eMltehV^ ^fc'Mi^
-Ü^W^ ÖpetM 'tm^mitä Arien tod ^Öe¥fc
"aus Weiitttfscftäft "getoac&teil* Sccnm
•SetW'^^ytkÖilFw'^to ewehieiierf. 'Ent-
standen die Concerte für die übrigen* liistruineute',
~a'o;eine::Me»g^
^ai.derrf tfe^aftwätiscWhi^Hö^ tirfd die EMtÜktU
zu dem Schatfs^eleT Köllig' Wamos !in E^ypteiP/^b-
~ von das:<JedHM^o*ä<Äi »sief^kchlschek töcekim*-
' 1er Baron Gebier' iit, 'WelöBeirC3iorrA:,derf !e4haWnkten
'Werieti Händel und" Öfafcä? Äi'' die ^eite' -gfeHefit
werden kßnnen tind':u nÜßerfi4'ffene; MeSstebtückV in
diesem 'GfcrirVinVid. ' Iii Prag Verden' s'fe''äls Grada-
; aiien oder 'Offerten lief feVernchem Gott&flienHe
' "seit1 den ! erJrftifo1'1790ger' Ähren* Ununterbrochen" £e-
•^Un'cn't' und /mit" defti groVst^'BeyfaÜe ^lge*aTi&. '
' «Sie sollen1 iü Wien für einen TKeälet-Üiiternelimer
• JIM
Ulli
Deik" sie
'"nicht Viel ' Ute* • als 'if$v&jW£r m i t we 1 rh em Jah»e
1 nanÜich"'äie klassische" Scho^aiigs-SririöaeuMbjin4's
"a'nfari^t. ' Atfh in'Wieh-^ei^eä idfe'bey grcMi"«*-
legetiheften' eieeiitirt. : it86; gah ' Momart! "InV'irf ''Prag
de,,, l>edrängt«n'Th(-aler-L:nll-rnel„„erldeä<-afentSchen
* ScIifcospieTs, IfaUa, gratis; und sie* Vfirichaffien ihin
;e'in%e <gute Einnähnien. •lM" K;'. ,
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Selbst die Bezahlung« die Mozart für seine Ar-
beitea hekani, war meßten* nur hpcbst, mittelmSsfiig.
Der Theater- Unternehmer Guar dasoni zahlte ihm
für Don Juan nur 100 Ducaten»
. yjVeratellung und Sclnneicheley waren seinen; arg-
losen Hewen g^ch ,£ren^:ini^ jeder Zwang, den
W seinem Geiste anthun musste« unausstehlich« Frev-
müthig nnd öffen in seinen Äusserungen und Ant-
wur Leu « /beleidigte er nicht selten die Empfindlich-
st, der Eigenliebe und aog sich dadurch mancher-
ley Feinde* *n- .s<j M>.. ,{.%
:<fiW° hohe Knast »ad der Hebenswürdige Cha-
vrakter verschafften ihm: Freunde, die ihn von ganzer
Seele liebten und fär sein WoJW eifrig besorgt wa-
ren« Es würde das Zartgefühl dieser edlen Men-
sehen beleidigen, wenn sie hier namentlich angeführt
würden*: wie wäre es auch möglich, alle zu kennen
tnnd zu nennen! jaden* also diese Betrachtung ver-
bietet« von der grossmüthjgen Freun^dscliaftv eines Ba-
,ron van Swieten und des Kauf manns,yon Puchberg
..in Wien, der ihm immPV Geld lieh, und bejr «ejnem
Tode gegen 1000 fl. zu, Gut,e hatte, die pr erstj. mehre
..Jahre, später von der Wittwe verlangte; und erhiejt,
..TO ; reden. : so sey es , wenigstens erlaub* , , hier der«
ausgezeichneten Wohlthätigkeit eines Wiener Bür-
gers gegen Mpzar^ zu erwähnen. Dieser brave Mann,
. Rind tun, ein Flecksieder vom Gewerbe, ulme Mozart
„persönlich zu kennen * ! hlos yon Bewunderung für
seine seiner Juranken
, Gemahlin, die, nach ärztlicher Verordnung« wegen
einer Lähmunn am Fusse. Bäder von - -gekochtem Ma—
gengekröse brauchen musste, u^e (Jelegei^eit, in sei-
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nein eieeneu Hause geraume Zeit hindurch die Kur
mit vieler Bequemlichkeit brauchen KU könnet ,Er
lieferte. ihr nicht wir die Stecke *n^ntgcilüich , und
- iersparte dadurch Mozart -eme i Auslage , yo n m elu*cn
idhuridertnGulden, sondern >erUuigte attefr füfcyLogis
. «nid .Kost gajp.n Nichts. > . Aehnliohti '-.Bq^eki/mes
solchen : Enthusiasmus für die hohe Kunst Mozart 's
-sind seh»: liin)*^. / . ; m > « ?> r
v •:! Als ^seitte Frau sehr krank, war, eiripfing er je-
den-Besrolienden mit dem Finger auf dem Munde
u»d; dem leisen Ausrufes bstS Dieses war ihm nun
, •» so sehr zur Natur geworden* dass er in der ersten
ihrer Besserung, auf der. Strasse seinen
Bekannten mit dem Finger auf dem Mundo sein bst!
zuzuflüstern und sich dabey auf die Zehe zu heben,
fortfuhr. v» **j> -u r ' r:: -'-'::r:iul •'. «».(I rt»!/ ,
Er ritt. Mprgene um fu^iflff, wenn seine Frau
,» •.. .
Äranjk »ucr' Schwach war, allein spazieren,
ohne ein Papier in Form eines Rece|>£s; <vor: dem
Bette seiner Frau zu lassen. Dieses enthielt folgende
liebevolle Vörschriftens Guten Morgen, liebes Weib-
chen f Ich dass Du gut . geschlafen habest,
dass Dich Nichts gestört habe, dass Du nicht zu jäh
aufstehst, dass Du Bich nicht erkältest, nicht bückst,
zürnst, im nächsten Zimmer nicht über die. Schwelle
frfallst. Spare häuslichen Verdruss , bis ich zurück-
"komme. Dass nur Dir Nichts geschieht! Ich* komme
. -um — Uhr eta ■ : i.* H •»
~> Die Schwester ' seiner Frau erzählt Folgendes :
"Wie war der Schwager besorgt, wenn seinem Weibe
'•.Etyma fehlte! So war es einmal, als sie sehn krank
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lag und *leh volle acht Monate ste wartete. Ich saass
an ihrem Bette; Mozart auch. Er componirte an
1 ihrer Seite. Ich beobachtete ihren nach ! ;so langer
Zeit sich eingestellten süssen Schlummer. Stille hiel-
ten s Wir Alles, wie in einem Graba,' um/aie: nicht' iu
stören. Plötzlieh trat ein roher Di enstbote ein. Mo-
«aitt iisciimk -ans Furcht, seine Frau .möchte gestört
seyn, wollte, still zu seyn, winken, rückte den Ses-
sel rückwärts hinter (steh weg und hatte gerade das
Federmesser offen in der Ilaud. Dieses spiesste sich
zwiachem den Sessel und seinen Schenkel, -so dasa.es
' ihnrbir»an das Heft in das Bein einstach*: Er, der
! sonst wehleidig war,, macht« keine Bewegung und
Terbiss seinen/ Schmerz, winkte mir , ihm Jhinaus zu
folgen, und ich fand, dass die Wunde wirklich sehr
tief war. Durch Johannisöl wurde er geheilt. \ Ob-
; schon; :ei% f ür S chmerz etwas^ krumm ging , i so m ach t e
ner idöch, .dass es verborgen büeb und deine Irau
f! Nichts /erfuhr* . . «*' ui-3 nnf**! ui *fti»;,<.<i • •
^ij;.MbeivjMqzarfr hätte «neb Feinde,- zahlreiche und
unversöHnüche Feinde. Wie hatten ihm auch diese
. mangeln können, da er ein so grosser Kbtnithr und
leim: vdfyerader Mann war:? Und I diese >waren die
r.unlautere QueUe, aus welcher 60 viele häusliche Er—
- Zählungen ' von seinem .Leichtsinne und seinen Aus-
schweifungen etc. Geflossen sind. Besaass Mozart als
Mensch vielleicht -manche Schwachheiten, so mögen
ihn diejenigen herabsetzen, die a» isick selbst keine
entdecken! Ausgemacht ist, dass ex i nie deiner Bos-
: heit fähig war,, und dass ;er sich bey - allen Gelegen-
uheiWm grösser als; seine Feinde «igte* Lebenslustig
und vergnügungssüchtig ist ^eri schon in aeiner Jugtmd
•
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GH9
gewesen. Man sieht au* Briefen des Vaters,* dass
er, um ihn nach Salzburg zu ziehen, oft und emsig
ihm viele Unterhaltungen versprach. Der Vater
hatte ihm also wohl stets in dieser Neigung nachge-
geben, und ihn nicht so sklavisch behandelt, wie er
«s in den Briefen ziemlich thut. Und so blieb er in
seinen Mannesjahren eigentlich sehr, lustigen Humors.
Plötzlich konnte er aber auch sehr ernsthaft werden.
Dann hörte, und. sah er Nichts, ging auf und ab mit
ewiger Bewegung der Finger an einem Theile des
Körpers, an seinen Manschetten u. s. w. Dann setzte
er sich wohl hin um niederzuschreiben, und während f
diesem liess er sich von seiner Frau Mährchen er-
zahlen. Diese störten ihn nicht, sondern machten
ihn oft Thranen lachen, und je dümmer sie waren,
desto mehr erfreuten sie ihn.
Mozart war Mensch, folglich Fehlern unterwor-
fen, wie alle Menschen. Die nämlichen Eigenschaf-
ten und Kräfte, die das "Wesen seiner grossen Ta-
lente ausmachten, waren zugleich Reiz uhä Ählass
zu manchen Fehltritten, und brachten Neigungen her-
vor, die freylich bey Alltagsmönschen riidhi ange-
troffen werden. Seine Erziehung und Lebensart bis
zu dem Zeitpuncte, wo er sich in Wien niederliess,
war auch nicht geeignet, ihm Menschenkenntniss und
Weiterfahrung zu verschaffen» jfrenke man sich ei-
nen so zart organisirten Jüngling — einen Tonkünst-
ler von seiner Empfindung in Wien und sich selbst
überlassen: braucht es mehr, um zur Nachsicht
gegen seine Fehler gestimmt zu werden? Maa-muss
aber gegen diese Erzählungen überhaupt misstrauisch
seyn, da gewiss der grösste Theil reine Unwahrheiten
44
I
■
-
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und nichts als Schmähungen des scheelsüchtigen Nei-
des sind. Wir haben diess in Rücksicht seiner hin-
terlassenen Schulden schon bemerkt. Niemand wird
es unbegreiflich finden , warum die Welt diesen Aus-
streuungen so leicht Glauben beymisst, Wenn er sich
erinnert, dass man gewöhnlich mit einem Tonkünst-
ler den Begriff eines Verschwenders oder Wollüst-
lings verbindet. Aber zahlreiche Beispiele achtungs-
würdiger Künstler haben bewiesen, wie sehr dieses
Vorurtheil einzuschränken sey.
» .■»
In seiner Ehe mit Constanze Weber lebte Mo-
zart vergnügt. Er fand an ihr ein gutes, liebevolles
Weib, die sich an seine Gemüthsart vortrefflich an-
zuschmiegen wusste, und dadurch sein ganzes Zu-
trauen und eine Gewalt über ihn gewann, welche
sie nur dazu anwendete, um ihn oft von Ueberei-
lungen abzuhalten. Er liebte sie wahrhaft, vertraute
ihr Alles, selbst seine kleinen Sünden au — und sie
vergalt es ihm mit Zärtlichkeit und treuer Sorgfalt.
Sie sagt noch immer: Man musste ihm vergeben,
man musste ihm gut seyn, denn er war zu gut.
Wien war Zeuge dieser Behandlung, und die Witt-
we denkt nie ohne Rührung an die Tage, die sie
mit ihm in der Ehe verlebte. Die achtungswürdige
Frau betrug sich in ihrem Wittwenstande sehr klug,
und sorgte für ihre zwey Söhne mütterlich. Sie
lebte in Wien von ihrer Pension und dem kleinen
Erwerbe aus dem Nachlasse ihres Mannes.
, Mozart's liebste Unterhaltung war Musik; wenn
ihm daher seine Gemahlin eine recht angenehme
Ueberraschung an einem Familienfeste machen wollte,
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• ■
«
691
so veranstaltete sie im Geheim die Aufführung einer
neuen Kirchen - Compositum von Michael oder Jo-
seph Haydn. '
Seihst Personen, die Mozart gekannt hahen woll-
ten, haben behauptet, dass ihn Nichts in der Welt
interessirt habe als Musik. Ob diese Beschuldigung
für den Künstler sehr demüthigend ist, weiss ich
nicht, wohl aber weiss ich, dass sie nicht wahr ist,
Sie scheint auf oberflächlicher Beobachtung seines
Sinnes und folglich auf einem Missverstande zu be-
ruhen, welcher seinen Grund darin' hat, dass sich
ihm z. B. Schönheiten der Natur und anderer Künste
als der seinigen etc. gleichsam nur in der Form sei-
ner Kumt darstellten und nur auf diese Art ihn an-
zogen. Freylich war er mit der Befriedigung seiner
körperlichen Bedürfhisse gar bald und ohne Umstände
fertig; er übersah sich in deren Befriedigung oder
vielmehr Abfertigung mehr, als ihm selbst gut war.
Aber welchen schönen uneigennützigen Sinn hatte
er für Freundschaft, für allgemeines Wohlwollen!
Wie viel arbeitete er nicht aus blosser Gefälligkeit,
bloss für Bekannte! Wie viel mehr für seine
Freunde ! Wie oft verwendete er sich mit Auf-
opferung für arme reisende Virtuosen! Wie oft
schrieb er für sie Concerte, von denen er nicht ein-
mal eine Abschrift behielt, damit sie unter gutem
Vorurtheil auftreten, und Unterstützung finden könn-
ten! Wie oft theilte er mit ihnen Wohnung und
Tisch ! Kaum Minuten lang ward er über Undank-
barkeit unwillig. Als er die erwähnte Betrügerey des
Theater- Directors erfuhr, war Alles, was er sagtet
Der Lump! Und damit war es vergessen.
44*
i
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692
i ■
Was ich früher von seiner eigenen, dem wah-
ren Künstler natürlichen Art des Genusses , der
schonen Natur dunkel sagte, will ich durch einen
kleinen Zug seines Wesens deutlicher machen.
Wenn er etwa mit seiner Frau durch schöne
Gegenden reis'te, sah er aufmerksam und stumm
in die ihn umgebende Welt hinaus; sein gewöhn-
lich mehr in sich gezogenes und d üs leres , als mun-
teres und freves Gesicht heiterte sich nach und nach
auf, und endlich fing er an — zu singen, oder viel-
mehr zu brummen; bis er endlich ausbrach:
„Wenn ich das Thema auf dem Papiere hätte» " —
Und wenn sie ihm etwa sagte, dass das wohl
zu machen sey, so fuhr er fort: .
„Ja, mit der Ausfuhrung — versteht sich! Es
ist ein albern Ding, dass wir unsere Arbeiten auf
der Stube aushecken müssen!" —
Ich denke, auch dieser kleine Zug ist für den,
der Kunstsinn kennt, nicht ganz unbedeutend.
Das Billardspiel liebte er leidenschaftlich und
hatte sogar ein eigenes zu Hause, bey dem er sich
täglich mit seiner Frau unterhielt. Ausser dem
Billardspiel liebte er noch leidenschaftlich das Tan-
zen, und versäumte weder die öffentlichen Masken-
bälle im Theater, noch die Hausbälle bey Freun-
den. Er tanzte aber auch sehr schön, besonders
Menuett. Im Tanzen war Vestris sein Lehrer ge-
wesen. Ueberhaupt sah er sehr auf seinen Körper,
der auch sehr proportionirt war, hielt viel auf
schöne Kleider, Spitzen und Uhrketten. Er war
einmal recht böse, als er hörte, dass der preussische
Gesandte Jemanden ein Empfehlungsschreiben an
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i
693
ihn gegeben, und dabey gesagt hatte, man möge sich
au Mozart's unbedeutendes Aeussere nicht stossen.
• * *
Er tanzte und compouirte selbst Pantomimen
und BaUete. In den Redouten hatte er oft Charak-
ter ~Maskeq; so machte er unvergleichlich den Har-
lekin und den Pierrot.
• . •
Die Schönheit der Natur im Sommer war für
sein tief fühlendes Herz ein entzückender Genuss;
er verschaffte sich ihn, wenn er konnte, ,und mie-
thete daher fast alle Jahre ein Gärt che» in der Vor-
Stadt, wo er den Sommer über zuzubringen pflegte.
Erstaunend ist die Arbeitsamkeit seiner letzten
i
Lebensjahre. Und man kann sich der Frage um
so weniger enthalten , ob er bey längerer Dauer
seines Lebens nicht noch genialere Werke geschaffen
haben würde ? "Wer ist im Stande zum Tröste der
musikalischen Welt diese Frage zu verneinen, oder
unsern Schmerz um Mozart's frühen Tod immer
dauernd zu machen, und jene Frage zu bejahen!
Aus dem vollst! indigen Verzeichnisse seiner Com-
positionen seit dem Jahre 1784 bis zu seinem Tode,
in welches er mit eigener Hand das Thema eines
jeden Stuckes und den Tag der Vollendung eintrug;
sieht man, wie viel er oft in einem Monate gear-
* Beitet hatte. Dieses Verzeichniss ist bey A. Andre
in Offenbach a. M. im Verlage. Bey der Heraus-
gabe desselben Versprach Andre, von den gegen 250
in seinem Besitze sich befindenden Äfozart'schen Oii-
ginal - Manuscripten aus früherer Zeit als 1784 ein
chronologisch geordnetes thematisches Verzeichniss,
mit den nöthigen Bemerkungen versehen, heraus-
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694
zugeben. Bey Veranstaltung der Herausgabe dieser
Biographie erklärte sich Herr Andre wegen dieses
nachträglichen Verzeichnisses in Briefen dahin , dass
er nicht allein dieses baldigst im Druck erscheinen
lassen werde, sondern dass er auch zugleich damit
die öffentliche Bekanntmachung dieser Manuscripte
auf dem Wege der Subscriptioh bezwecke, nur habe
er mit sich noch nicht einig werden können, wie
diese Subscription zu eröffnen sey, damit sie nur
einigermaassen Erfolg habe. • !
Möchte doch dieses schöne und uneigennützige
Unternehmen des Hrn. A. Andre1 durch eine zahl-
reiche Anzahl von Subscribenten zur Wirklichkeit
werden. Welch ein neuer Gewinn für die Kunst-
geschieh te, und für den Kunstjünger besonders die
beste Schule der Musik, Mozart's Partituren zu
sehen und zu lesen, in denen die erste Anlage und
weitere Ausführung derselben am festen einge-
den kann! „
Die Grösse und Fruchtbarkeit des Mozart'schen
Genie's macht nur allein die Möglichkeit so viel-
Fächer und vielseitiger Arbeiten begreiflich.
• Die grosse. Arbeitsamkeit in den letzten Jahren
seines Lebens, sagt seine Frau, bestand darin, dass er
mehr niederschrieb. Eigentlich arbeitete er von jeher
im Kopfe immer gleich, sein Geist war immer in Be-
wegung, er componirte so zu sagen immer. Obgleich
u
■
wurde, ihn zur Arbeit anzuhalten : so musste sie es doch
für Pflicht ansehen, ihn öfters nur noch abzuhalten 1
und zu temperiren. So wurde Mozaxt ein Wunder
seiner Kunst, der Liebling seines Zeitalters! Sein
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I
fi9r>
— — /
• * V
kurzes aber glänzendes Kunstlerleben macht in d#»i*
Geschichte der Tonkunst eine neue Epoche, und
sein Talent brach seinem Fache eine neue Hahn*
; • Die erste Periode der musikalischen Bildung. ,
überhaupt ^ar: der Künstler schuf im Mittelalter
aus reiner schallender Seele, ohne von dem zwei—
feinden Vei'stande beengt zu werden, und das Volk
genoss mit kindlich frohem Sinne« Noch waren
keine Kunst-verderbenden Dilettanten zwischen bey-
den: die Kunst ward mehr als ein »Handwerk ge-
trieben und hatte als solches einen goldenen Boden,
und dieser liess die grössten Meisterwerke aller Jahr-
hunderte, die Vorbilder, in so fern es ihren innern
Gehalt betrifft, h ollen. Graun schloss diese in
Deutschland mit Händel. Kavser. Hasse«
«
, . Die zweyte Periode, in welcher der skeptische
Verstand jede freye Productivitat unterdrückte und
die theilweise noch jetzt herrscht, begann mit Gluck.
Dass Mozart's Daseyn in diese Periode des Skepti-
zismus fallt, darf Niemanden befremden, denn die
Erscheinung wahrhaft vortrefflicher Geister ist we-
der an Zeit noch Raum« noch auch an ein Volk
und die Einwirkungen von Aussendingen gebunden*
Was übrigens Mozart ist, wird, da sein Tod allem
Parthey geiste ein Ende gemacht hat, in Deutschland #
sicher Niemand verkennen. Er ist der erhabenste
Geist, den bis jetzt die musikalische Welt aufzu-
weisen hatte. Ob je ein erhabenerer nach ihm er- j
scheinen wird, lässt sich wohl bezweifeln, aber nicht
absolut verneinen. Wer hat wohl je mehr in die
Geheimnisse der organisch und intellectuell bilden-
den Natur in musikalischer Hinsicht geschaut ? — ( .
«
m
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CM
Der grosse feurige Geist, der in seinen Werken
waltet, und der volle Strom der Empfindung reissen
jede» gefühlvolle Herz mit unwiderstehlicher Gewalt
hin. Der süsse Zauber seiner Harmonieen entzückt
das Ohr; die Fülle der Gedanken und das Neue in
ihrer Ausführung machen das Gefallen an seiner Mu-
sik dauerhaft. Wer einmal an Mozart Geschmack
gefunden hat, der ist durch Anderer Musik schwer
zu befriedigen« ' f • ■ i
Und alle diese Vollkommenheiten hat W in
einem Alter erreicht, was für gewöhnliche Künstler
kaum der Zeitpunct der ersten Ausbildung ist! Da
er starb, hatte sein Ruhm bereks eine Grösse, wie
sie nur selten auch* -der glücklichste Künstler hoffen
Äarf — und wie kurz war sein Leben! Er hatte ja
noch nicht das 36ste Jahr vollendet, als er von uns
ging! — "Was würde sein unerschöpflicher Geist der
Welt noch geliefert haben! — Sein Genie war eine
seltene Naturerscheinung, aber noch seltener der
hohe Grad seines damit verbundenen Fleisses und
Geschmackes. Viel gab ihm die Natur; noch mehr
wusste sein Fleiss und seine, unermüdete Beharrlich-
keit sich zu erwerben.
Erst nach seinem Tode fühlte man den Verlust,
dass er in der schönsten Blüthe seines Lebens den
grösseren Hoffnungen seiner Freunde und aller Ken-
ner entrissen wurde. •
Ware er nach England gegangen — sein Ruhm
wurde neben Handele unsterblichem Namen glän-
zen: in Deutschland rang sein Geist oft mit Mangel;
seinen Grabeshügel bezeichnet nicht einmal eine
schlichte Inschrift! — - *
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1 •
-697
Die sonstige Steiner'sche,' letzt Hasslineer'sche
Kunst- und Musik -Handlung zu Wien forderte vor
mehren Jahren zur Errichtung eines Denkmals für
Mozart auf, was sich zugleich auf seine Zeit- und
Kunstgenossen Haydn und Gluck richten sollte. Die
Handlung erhot sich, die Suhscription dazu anzu-
nehmen. Die Ünterzeichnun gen, welche bis jetzt
geschahen, reichten aber noch nicht zur Ausführung
, obschon der Kaiser dam eine bedeutende
e bewilligt hatte. Dieses Denkmal sollte in
der schönen Karlskirche in der Vorstadt Wieden er-
richtet werden, wozu die Kosten auf 30,000 fl. C. M. .
angeschlagen waren. Noch ist bey weitem nicht der \
vierte Theil unterzeichnet worden« , [
Das Haus, wo Mozart starb, heisst das Kaiser-
haus und war einst ein Staatsgebaude. ,„
Auf Mozart's Tod erschienen mehre Trauer-
Cantaten, worunter sich besonders zwey auszeich-
nen, nämlich eine von Wesstty, Kapellmeister zu
Rheinsberg, und eine von Carl Cannabich, Musik-
Director an der Münchner Kapelle«
Einfach und edel war das Fest, welches die
Hörer der Rechte zu Prag in ihrer musikalischen
Akademie bey der Anwesenheit der Wittwe im
Jahre 1794 Mozart's Andenken weihetenj es wurde
ausserdem noch durch ein Gedicht vom Professor
Meinert verherrlicht. Ein paar Stanzen daraus ver-
dienen hier wohl einen Platz:
Ach! er ward uns früh entrückt, » ,;rM|
Der die Saiten der Empfindung i .
Wie ihr SchOpfeV lannt» und ferißV
In harmomVhe Verbindung '
r
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, .! • . . Ihre kühnste» Töne rief: « o
Jetzt ein öott in «einet Zunies
Donner rauschend niederfuhr;
. ", - ' Jet zu lispelnd wie des Wiesenborncs
i Welle floss in silier Flur. . . *
! . Ach! srhon gribt dos Edlen HügeL:
r .Aber gan* birgt «r ihp nicht.
Eine«, dat durch Gräber, Riesel,
• r
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. . • • &
• m m » _ • « _ Sa • » «*» •» • f. i • .4.1.
---Ii. J m m
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• • • t\ •
1 1
jung und- göttlich bricht,
Einet W>t:.- ffer ho**, rfc**^ :
^Geistesabdmck ist diess Eine,. „ ■
Dat zur Ewigkeit entolüht,
' Norne ! deinem Dolch' entflieht.
«••• •
Fühlt Ihr in der Saiten Beben,
Im begeisternden Gesang,
In des Herzens Sturm und Drang
Fühlt Ihr des Entschlaf nen Leben?
Horch! es t<5nen Engel - Harmonie'n —
—•''*'• * ■ Dat ilt Mozartl Seht Ihr ihn
Licht beksänzt? Mit Feentritt©,
WaUt tein Geist in Eurer Mitte.
• ■ i •« •
, Die Verehrung für Mozart in Copenhagen geht
ao weit, dass ein angesehener Kaufmann, der Hof-
^jW^^t^:^^ Sphn, ajs er auf die
Welt kam, Mozart taufen liw.; — Auch sagt di<*
• 4 . . ~ -■ ' .
Wittwe Mozart, .dass die Werlte Mozart1« nirgends
besser aufgeführt würden, als in diesem Hauptstadt
unter der Direction des so sehr , geschickten und
einsichtsvollen Directors Schall, in Beziehung auf
das Orchester. Für die Singstimmen blieb jedoch
noch Vieles zu wünschen übrig, welches sich aber
auch sehr verbessert hat, seitdem der König von
Dänemark den berühmten Siboni zum Singmeister
berief.
Bin Brief aus Paris in der Lcipz. allg. musikal.
Zeitung von 1800 sagt:
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699
Ach das« noch Mozart lebte! Es sey uns er-
laubt, einige Blumen auf seinen Grabhügel zu streuen!
Er war der Shakespeare der Musik. Frankreich und
Italien, die jetzt angefangen, seinen Werth ganz zu
fühlen und seine Verdienste zu verherrlichen,, wie
Deutschland« das man um den Crossen Mann benei-
den möchte, schon längst thut, ehren dadurch sich
selbst ' zugleich. Wir berufen uns in Ansehung
Frankreichs auf die feyerliche Huldigung, die Mo-
zart bey dem jährlichen Concerte des Conservato^
riums in der Rede Lucian Bojjagarte's zu Theil
ward. Piccini, Cherubim, Gretry, Mehiil und an-
ihren lebhaftesten Beyfall gleichsam einige schone
Blüthen zu dem Kranze bey, den der den Künsten
befreundete Minister wand.
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Anmerkung.1
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Da die eigentliche Biographie Mozart'* dio den resp. Sub-
acribenten rertprochenen 5o Druckbogen reichlich füllte, demohn-
noch Viele 'interessante Nachrichten roi
Praren, to ist sogleich ein Nachtrag in
rurwiiit Und gleicher 1 orin ^cclrut k.t w orden , der mit tlicsi r J3io**
graphie ein fortlaufendes Ganses bildet, und dieser Nachtrag wird
den resp, Subscribenten, wenn sie ihn kaufen wollen, auf Velin-
papier um l Thlr. 18 Gr. oder 3 11. 9 Xr. rhein«, auf Schreib-
pajpler um 1 Thlr. la Gr. oder3 a fl. 4a Xr. rheim, und auf weisses
Öfuckpapier um l thlr. 6 Gr. oder a fl. 1* Xr. rhein. Seygege-
ben.4_. Später wird auch. der Ladenpreis dafür, gleich der Bio-
graph*, bedeutend «rh^öht werden. , 1 . . ..
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Inhalt.
Vorwort vom 27. Feuerstein ▼»»
Vorrede G. N. von Nissen's xnt
Die Vier und Zwanzig ersten Jahre von Mozart'» Leben • 1
Erste Reise des Vaters mit dem Sohne und der Tochter nach
München, im Januar 1762 20
Zweyte Reise des Vaters mit den heyden Kindern nach Wien,
im October 176a v . . • • 20
Dritte Reise ausser Deutschland, nach Paris, London, Hol-
land, oder die erste grosse Reise genannt, im Juny 1763 36
Vierte Reise des Vaters mit den beyden Kindern nach Wien,
im September 1767 - • »•••••« 121
* *
Fünfte Reise des Vaters mit dem Sohne nach Italien, im
December 1769 . • k . tf6
Sechste Reise des Vaters mit dem Sohne nach Mailand, oder
die dritte italienische Reise, im October 1772 ... 264
Siebente Reise des Vaters mit dem Sohne nach Wien, im
July 1773 . . , 275
Achte Reise de, V.tcr. w* tan Sonn, nach München, i»
December 1774. Die letzte Reise des Vaters mit dem
Sohne 281
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Seite
Reise W« A« Mozarts mit seiner Mutter nach Paris«
Die sogenannte grosse oder die Pariser Reise. Im Sep-
tember 1777. (Hier fSngt gewissermaassen eine Autobio-
graphie, eine Autocharakteriatik an) 293
Zehnte Reise. W, A. Mozart reis't nach Wien, um sich dort
zu habilitiren, im November 1780 # • 437
als Künstler und Mensch 622
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Anhang
zu
Biographie
Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn
Geschriebenen, mit vielen neuen Beylagen,
Steindrucken , Musikblättern und einem
Fac - simile*
Von . . '
#eotg iliUlmz bon jtimn,
Königl. Dänischem EtaUrath und Ritter Tom Daniiebrog- Orden etr.
Nach dessen Tode herausgegeben
• Ton
Constanze, Wittwe von Nissen,
irniicr >v lttwe Mozart.
Leipzig, 182 8.
Gedruckt bey Breitkopf und Härtel.
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MozartV hinterlassene Werke.
I. Verzeichniss desjenigen, was Mozart von sei-
nem siebenten bis zu seinem zwölften Jahre
lirte.
1) Sonatea p. le Ciavecin avec Vaccomp. de Violon,
dddieea h Madame Victoire de France, par W.
Mozart, age de aept ana. h Paria. Oeuvre I. 1764.
2) Sonatea pour le Ciavecin etc., dedidea a Mad. la
Comteaae de Teaae etc. Oeuvre II. iy64.
3) Six Sonatea pour le Ciavecin avec Vaccomp. etc.
dedidea a Sa Maj. Charlotte Reine de la Grande-
Bretagne, par W. Mozart, age* de huit ana.
n Londre. Oeuvre III. i?65.
4) Six Sonatea p. le Ciavecin avec Vaccomp., dddieee
a Mad. la Princeaae de Nassau- JVcilbourg , nie
Princeaae d'Orange, par TV. Mozart, age de
neuf ana. h la Haye. Oeuvre IV. 1766.
5) Variationen fur's Ciavier, (gravirt) a la Haye 176G.
6) Andere Variationen fuVa Ciavier, gravirt, a Am-
sterdam 1766.
7) i5 italienische Arien, theils in London nnd theils
im Haag componirt. 1765 und 1766.
8) Ein Quodlibet unter dem Titel: Galimathiaa mu-
aicum, k 2 Violini, 2 Ob. 2 Corn. Cembal. obligat.
2 Fagott. Viol. e Basso. Alle Instrumente haben
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ihre Solo's und am Ende ist eine Fuge mit allen
Instrumenten über einen holländischen Gesang,
der Prinz Wilhelm genannt, angebracht. Ist für
den Prinz von Oranien componirt.
9) i3 Symphonieen a 2 Violini, 2 Ob. 2 Corni, VioL
e Basso*
10) Ein Oratorium von 5 singenden Personen. Die
Originalsparte ist 208 Seiten lang.
11) Eine Musik zu einer iatein. Comödie: Apollo
und Hyacinth, für die Universität zu Salzburg,
von 5 singenden Personen. Die Originalsparte
ist 162 Seiten lang. Componirt 1767.
12) 6 Divertimenti a 4. für verschiedene Instrumente,
wie Violin. Clarin. Com. Flauto travers. Fagott,
N Trombone, Viol. Violoncell. etc. '
13) 6 Trio's a 2 Violini e Violoncello.'
14) Eine Cantate zum heil. Grabe Christi, für zwey
singende Personen. Besteht aus 2 Arien, Reci-
tativ und einem Duett.
15) Ein kurzes Stdbat mater a 4 Voci, ohne Instru-
mente.
16) Verschiedene Solo's für Violin; Violoncello fin-
den Fürs^zu Fürstenberg; für Viola di Gamba;
für Flauto traverso für den Herzog Louis von
s^* Würtemberg in Lusana.
17) Viele Stücke für 2 Clarin., 2 Corni, und für
2 Corni di Bassetto.
18) Viele Menuetten mit allerhand Instrumenten.
19) Aufzüge für Trompeten und Pauken.
20) Verschiedene Märsche für 2 Violini , 2 Corni , 1
Ob. Basso etc* — militärische mit 2 Ob. 2 Com.
e Fagott. — und dann zu 2 Violin e Basso.
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21) ZWey geschriebene Bücher mit rerschiedenen
Cla vierstücken, die er in London, Holland etc.
nach und nach componirte.
22) Eine Fuge fuVs Ciavier«
23) Eine Fuge k 4 VocL
24) Veni sanete spiritue, a 4 Voci, 9 Violini, 2 Ob.
' 2 Com., Clarin., Tymp., Viol. etBasso. 1768.
25) Eine deutsche Operette: Bastien und Baslienne.
1768.
26) Eine Opera bufia: La finta semplice, auf Kai-
ser Josephs Befehl 1768 componirt. Die Origi-
nalsparte beträgt 558 Seiten.
27) Eine grosse Missa ä 4 Voci, 2 Violini, 2 OK
2 Viol. 4 Clarin. Tymp. etc. 1768.
28) Eine kleinere Missa k 4 Voc. 2 Violini etc. 1768.
29) Ein grosses Offertorium a 4 Voc 2 Violini, 3. Cla-
rin. etc. 1768*
II. Verzeichniss desjenigen, was Mozart vom gten
Februar 1784 bis zum i5ten November 1791
componirte, worüber er selbst einen thema-
* *
tischen Katalog führte , der, wie schon ange-
geben, wörtlich bey J. Andre in Offenbach a.M.
im Druck erschienen ist
■
.1 7 8 4. '
Im Februar: 1) Conc. p. Pf. Es £ Tact.
Im Marz : 2) Conc. p. Pf. B. f. — 3) Conc. p. Pf.
D fr — 4) Quint, p. Pf. av. Ob. Clar. etc. Es. %.
Im April: 5) Conc. p. Pf. G. f. — 6) Sonate p. Pf
et V . B.
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« •
Im Aug. « 7) Variat. p. Pf. Un«er dummer Pöbel etc.
Im September: 8) Coric, p. Pf. B.
Im October : 9) Sonate p. Pf. C min.
Im November : xo) Quat. p. 2 V. A. Vc. B. f.
Im December: li) Conc. p* Pf F. f.
1 7 8 5.
Im Januar 1 12) Quatuor p. 2 V. A. Vc. A. J. —
i3) Quat. p. detti. C. $.
Im Februar: x4) Co/*c. p. P/. D min. f.
Im März: i5) Aria: ^ /ra tanti. — 16) Co/zc.
p. Piano f C. f. — 17) Aria: Fra toscure. —
x8) Maurerlied: Die Ihr einem neuen Grade etc.
Im April: 19) Andante p. V. prinzipal. H. £. —
20) Cantate : Die Maurerfreude. Es* $.
Im May: 21) 22) 25) Drey deutsche Lieder. —
34) Fantas. p. Pf C min.
Im Juny: 26) Lied: Das Veilchen.
Im July: 26) Maurerische Trauermusik. — 27) Quat.
p. Pf. G min. £.
Im November: 28) Quat. p. VOpera* Villanella.—
29) Terzetto p. le mime Opera.
Im Decembetf : 5o) Sonate p. Pf et V. Es. —
Si) Conc. p. Pf Es. f.
1 7 8 6.
. Im Februar: 5a) Oper: Der Schauspieldirector.
Im März : 33) Conc. p. Pf A. f. — 54) Duetto p.
Idomeneoz Spiegarti. — 55) Seena c. Rondo a».
V. obl. — 56) Conc. p. Pf. C min. J.
Im April : 37) Le nozze di Figaro. Opera.
Im Juny: 38) Quat. p. Pf. V. A. Vc. Es. f. —
39) Bondeau p. Pf. F. f. — 4o) Conc. p. Corno.
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Im July : 4i) Trio p. Pf V. et Vc. G. %. \
I*n August: 4s) Sonate *4 mains. — 43) Trio p.
Pf Clor, et A. Es. f. — 44) QuaL p. 2 Viol.
A. Vc. D. |.
Im September : 45) Variat. p, Pf
* Im November: 46) Variat. a 4 mains. — 47) Trio
p. Pf V. Vc B. f.
Im December: 48) Conc. p. Pf C. }. — 49) Sin-
fonie* D. |. — 5o) Seena con Rondo c. Pf oblig.
-1 7 8 7.
■
Im Februar: 5i) Sechs deutsche Tänze.
Im März: B2) Rondeau p. Pf — 53) Seena edAria:
Non so d'onde viene. — 54) Aria: Mentre ti
lascio.
Im April : 55) Quint, p. 2 Viol. 2 A. Vc, C. f.
Im May: 56) Quint, p. 2 V. 2 A. Vc* Gmin. $• —
57) 58) 59) 60) Vier deutsche Lieder. — 61) So-
nate ä 4 mains p* Pf C.
Im Juny: 62) Musical. Spaass f. 2 V. A. 3 Cor. u.
Bass. — 65) Lied f. Pf.: Abend -Empfindung^ —
64) Lied: An Chloe.
Im August: 65) Kleine Nachtmusik f. 3 V. A. B. —
| 66) Sonate p. Pf et V. A. f.
1 Im October : 67) // dissoluto punito, ossia il Don
Giovanni. Opera.
| Im November: 68) Seena: Bella mia fiamma. —
59) 70) Zwey Lieder.
Im December: 71) Lied: Die Spinnerin.
1 7 8 8.
Im Januar: -73) Sonate p. Pf F. — 76) 74) VI Con-
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8
Im Februar: 76) Coric, p. Pf. D. £
Im März: 77) Aria: scia ciel. — 78) Lied: Ich
möchte wohl der Kaiser seyn. ~- 79) Adagio p.
Pf. Hmin.
Im April: 80) Aria p. VOp. Don Giovanni t Deila
eua pace. — 81) Duetto p. detta Opera: Per
quelle tue manine+~- 82) Seena e Rondo p. detta t
Mi tradi.
Im May: 83) Ariettai Un bacio di mono.
Im Juny: 84) Trio p.Pf. V. Vc. E. *. — 85) Sin.
fonie. Es J. — 86) Kleiner Marsch f. Orchester.
— 87) Sonate facile p. Pf. C. — 88) Adagio in
C min. ä 2 V. A. Vc% p. une Fugue.
Im July : 89) Sonatine p. Pf et V. F. f. — 90)
Trio p. Pf. V. Vc. C. f. — 91) Canzonetta;
Piü non si trovano. — 92) Sinfonie. G min. $ T.
Im August: 93) Sinfonie. C. J. — 94) Lied: Beym
Auszug in das Feld.
Im September: 95) 8 Canons — 96) 3 Canons —
97) Trio p. V. A. Vc, Es. f.
Im October: 98) Trio p. Pf. V. Vc. G. J. — 99)
2 Contratänze.
Im November; Händeis Acis u. Galathea bearbeitet
Im December: 100) Sechs deutsche Tänze. — ioi)
Zwölf Menuetten.
1 7 8 9-
Im Januar: 102) Arie: Ohne Zwang.
Im Februar: io3) Sonate p.Pf B. J. — io4) Sechs
deutsche Tänze.
Im März: Handels Messias bearbeitet.
Im April : io5) Variat. p.Pf. sur Menuet du Duport.
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Im May: 106) Kleine Gigue f. Ciavier.
Im Juny ; 107) Quat p. 2 V. A. Vc. D. %.
Im July: 108) Sonate p.Pf. D. f. — 109) Rondo
p. Op. Figaro: AI desio.
Im August: 110) Aria: Alma grande.
Im September: 111) Arie: Schon lacht der holde
Frühling. — 112) Quint, p. Clarinette, 2 V. A.
Vc. A. |.
Im October: n3) Aria: Chi eä, cid *ä. — u4)
Aria: Vado, ma dove?
Im December: 11 5) Aria: Ripolgeti a me. — 116)
12 Menuetten. — 117) 12 deutsche Tänze.
1 7 9 0.
Im Januar: 118) Cosl fan tutte. Opera.
Im May: 119) Quat. p. 2 V. A. Vc. B. |. — 120)
Quat. p. detti. F.
Im July: Handels Alexanders fest und Cacilia bear-
beitet.
Im December: 121) Quint, p. 2 V. 2 A. Vc. D. \.
— 122) Ein Stück für eine Spieluhr. Fmin. |.
17 9 1-
Im Januar: 123) Conc. p. Pf. B. f. — 124) Drey
deutsche Lieder. — 12S) 6 Menuetten. — 126)
6 deutsche Tänze.
Im Februar: 127) 4 Menuetten a. 4 deutsche Tänze.
— 128) 2 Contratänze. — 129) 2 Menuetten und
2 deutsche Tänze. — i3o) Contratanz und sech*
Ländler.
Im März: i5i) Stück für eine Spieluhr. F. %. —
i52) 2 Tänze. — i35) Aria: Per questa hello. —
i54) Variat. p. Pf.; Ein Weib ist das etc.
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10
Im April : i55) Quint, p. 2 V. 2 A. Fe. Es . f. —
i36) Coro: Viviamo felici.
Im Mays i^) Stück für eine Orgelwalte. F. f. -
i58) Quint, p. Harmonien etc.
Im Juny: 159) Ave verum corpus.
Jin August: i4o) Cantate: Die Ihr des unermessbV
.v chen Weltalls etc. — i4i) Die Zauber flöte. Oper.
Im September: i42) La Clemenza di Tito. Opera
eeria. — i43) Ouvertüre und Priestermarsch zur
Zauberflöte. — i44) Conc. p. Clarinette.
Im November: i45) Kleine Maurer- Cantate. C. f.
Anm. In diesen Jahren componirto Mozart noch Vieles,
was er nicht in dies« Verzeichnis« eingetragen hat und was
nicht aufgeführt werden kann, weil er Mancherley, ohne eine
Copie für «ich zu behalten, an Freunde verschenkte. — Na-
mentlich muss hier besondert sein Schwanengesang, das Re-
quiem aufgeführt werden, und vielleicht dürfen «eine zwey
solennen Messen aus C durt die bey Brcitkopf und Härtel un-
ter No. I. und II« erschienen sind, in seine reiferen Jahre
gesetzt werden.
III. Verzeichniss der in Mozart's Verlassenschaft
gefundenen musicalischen Fragmente und
Entwürfe, wie es grösstenteils vom Abbe
Maxim. Stadler verfasst worden.
*
■
A. Fragmente für's Ciavier.
1) Cancer to per il Cembalo e Violino D%9 welches
er in Manheim 1778 anfing. Das Ritornell ist eins
der prächtigsten und schönsten, welch es er jemals
gemacht hat. Die Violinen fangen mit Piano an
und die Begleitung der Viole^ des Vcello. und des
Basso ist 1 1 Tacte hindurch pizzicato. Hierauf folgt
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11
ein herrliche« Forte mit Begleitung von 2 Flöten,
2 Oboen , 2 Hörner, 2 Trombe und Tympani von
65Tacten, welches mit dem angenehmsten Piano
abwechselt« Die Principal violine hat das erste Solo
11 Tacte hindurch, diesem folgt Cembalo ebenfalls
11 Tacte lang, denen ein kurzes Forte mit der gan-
zen Begleitung folgt. Endlich ertönen VioL princi-
pale und Cembalo zugleich und concertiren wech-
selsweise 21 Tacte hindurch« Bey allen diesen
Solo's fehlt aber noch das Accompagnement, sonst
ist es durchaus vollendet« »
2) Concerto per il Cembalo D fl. Von diesem sind
nur 21 Tacte für Clavicembalo geschrieben, der
Raum für die Begleitung ist leer geblieben.
5) Concerto per il Clavicembalo D ü |. Hiervon ist
nur das Ritornello durch Violine und Bass ohne
Begleitung der Flöte, 2 Clarinetten. 2 Hörner,
2 Fagotts etc. angemerkt«
4) Conc. per il Cembalo £ mit Begleitung von
2 Violin. Viol. 1 Flauto , 2 Ob. 2 Fagott. 2 Hör-
nern etc. Das Ritornello besteht aus 25 Tacten,
doch nicht ganz instrumentirt. Hierauf folgt ein
Solo des Cembalo 8 Tacte lang, alsdann 4 Tacte
von Instrumenten.
5) Conc. per il CembaJo C 9 mit 2 Viol. VioL Flauto,
2 Ob., 2 Corn., 2 Clarin. und Tymp. Hiervon
ist das Ritornello durch Viol. L und Basso in 19
Tacten angemerkt«
6) Conc. p. il Clavicembalo D* mit 2 Violin. VioL
Flöte, 2 Ob. 2 Corn. di Rosset, 2 Corn. 2 Fagott.
Deren sind nur 6 Tacte für Violine und Basso etc.
7) Anfang eines Rondo für ein Ckvierconcert Es ü
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I -
12
' besteht nur aus 5 Tacten, ohne die übrige Be-
gleitung«
8) Rondo aus Ai für ein Clavierconcert. Das Cia-
vier macht den Anfang Alla breue mit 8 Tacten,
was Violine und Basso i5 Tacte hindurch fort-
setzen. Die übrige Begleitung mangelt.
9) Rondo A 8 f für ein Clavierconcert. Das Ciavier
fängt 4 Tacte allein an, dann spielt Clarinett 4
Tacte und das Ciavier weiter durch wieder 4 Tacte,
Clarinett wiederholt dieselben und endlich fangen
die Violinen an, wozu die Begleitung nicht ge-
ist. #
10) Ein Ciavierquintett B$ f mit Oboe, Clarinett,
Bassethorn und Fagott. Sind nur 55 Tacte, aber
canz im Mozart'schen Geschmacke.
11) Anfang eines Ciavierstücks D % mit 2 Violinen,
2 Hörnern und Basso. Besteht aus 29 Tacten.
12) Anfang eines Trio für Ciavier B ä mit Violino
und Vcello. Enthält 25 Tacte.
13) Anfang eines Trio für Ciavier, Violine und
Vcello, G 8. 19 Tacte.
14) Anfang eines Andantino G*> für Ciavier mit
Begl. eines Vcello. Enthält 55 Tacte.
15) Anfang einer Ciaviersonate mit Begl. einer Vio-
line B tf. 5i Tacte.
16) Anf. einer Ciaviersonate mit Violine^ 8. 34 Tacte.
17) Einige dergl. aus A\ J. i5 Tacte.
18) Anfang einer Phantasie für Ciavier F i4 Tacte.
19) Anfang einer Ciaviersonate F 8. 7 Tacte.
20) Einer dergl. F & Alla breve. Enthält i5 Tacte.
21) Anfang eines Allegro f. Ciavier Fi f. — 16 Tacte.
22) Ein Rondo aus Fi f. 33 Tacte.
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• • I I
13 ' " -
■
! .23) Anfang eine* Adagio in D K 4 Tacte und der
erste Theil eines Menuett ans D #•
*4) Anfang einer Sonate aus B 8. 19 Tacte. -
25) Ein sehr kurzes Andante aus Es 8. Der erste
Theil enthält 8, und der zweyte 12 Tacte«
)> 26) Thema für Variationen aus C &
27) Anfang eines Adagio DK 9 Tacte,
.28) Anfang eines Allegro C * für 2 Cembali, 22 Tacte,
29) Anfang einer Sonate für 2 Cembali B 8- Das'
< Adagio enthalt 89 und das Presto 44 Tacte.
5o) Anfang einer Sonate f. 2 Cembali B & i5 Tacte.
| . 3x) Anfang einer Fuge G 8- 35 Tacte.
32) Vierzig halbe Bogen, welche verschiedene The-
mata zu Fugen , Canonen und Uebungen in Con-
trapuncten enthalten.
35) Eine Sonate f. Ciavier C8 mit 1 Violin. Andante, "
welches in ein Allegretto übergeht. Das erste Alle-
gro und Andante ist von Mozart vollendet, das
letzte Allegretto ist von einem Andern ergänzt.
54) Eine Sonate A% für'a Ciavier mit 1 Violin. Sie
fangt mit einem schönen von Mozart ganz bear-
beiteten Andante an und geht in eine Fuge A *
über , welche nur zur Hälfte Mozarts Arbeit ist.
55) Ein Allegro D min* Ein Tempo di Menuetto
in GH. Ein anderes Allegro JD 8 f für Ciavier,
Violine und Vcello, sind ebenfalls nicht ganz
vollendet. Das Fehlende ergänzte ein Liebhaber.
I Zusammen können sie ein Trio ausmachen.
36) Ein schönes Allegro für Ciavier B 8. Ist auch
von einem Liebhaber vollendet.
57) Anfang einer Ciavier -Sonate B 8 mit 1 Violine.
Auch von einem Liebhaber vollendet.
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14
58) Eine kurze Fuge für Violine, Viola' u. Vcello. Gif.
39) Ein Vorspiel, Präludium oder kleine Phantasie
in Ctf, die er für seine Schwester componirte.
Et hebt an mit Allegretto CC% geht dann über
in ein Cappriccio, worauf ein Andantino folgt.
Dann kommt ein Cantabile und ein Cappriccio
Allo macht den Beschluss. Ist vollendet*
40) Ein Concert zu 3 Cembali con Violini, 2 Oboi,
2 Corni, Viola et Basso in F. Der Eingang ist
ein Allo in F tf. Dann folgt ein Adagio in B
darauf ein Tempo di Minuetto Rondo in F 8. —
Davon ist da in Stimmen: Cembalo primo, Vio-
lino primo et secondo, Viola und ßasso. — •
Dieses kann im Jahre 1777 componirt worden
seyn. Dass es vollendet gewesen ist, beweisst
nicht nur, dass es der Componist in einigen
L Briefen an seinen Vater erwähnt und sogar die
Ausführung in Augsburg vom a4. Octbr, 1777.
erzählt (siehe hier in der Biogr. Seite 319.), son-
dern auch das zierliche mit musikalischen At-
tributen ausgestattete Titelblatt, worauf von der
Handschrift seines Vaters zu lesen ist: Dedicatio
al incomparabile Merito di sua Excellenza La
Sigra. Contessa Lodron, nata Contessa d'Arco,
e delle sue Figlie — le Sigre. Contesse Aloisia
e Giuseppe
in F 0 ■ • dal loro devotissimo serpo
Wolf gango Mozart.
Wahrscheinlich war die Handschrift W. Mozart's
für eine solche Dedication zu schlecht.
£1) Seine allerältesten Compositionen sind dieser Bio-
graphie Seite i5. als Beilage zugegeben«
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B. Fragmente für Violine.
1) Anfang ejner Symphonie Eafi mit Violine, Viola,
Flöte, vi Ob. 2 Hörnern, Fagott, Vceilo und Bass.
Das Adagio besteht aus i4 Tacten und ist. ganz
vollendet und durchgehends instrumentirt. Der
erste Theil des Allegro ist gleichfalls vollendet,
auch grösstenteils instrumentirt und besteht aus
83 Tacten. Der zweyte Theil fehlt.
2) Ein Fragment, vermuthlich zu einer Oper, mit
Violine , Viol. Ob. Corn. Clarin. Tymp. Fagott
und Basso aus Z)^ enthält 64 Tacte und^ist ganz
vollendet. Es fehlt also nur das diesem vorher-
gehende. #
3) Anfang einer Ouvertüre, Andante jEs$ mit Vio-
lin. Viol. 2 Flaut. 2 Ob. 2 Clarin. 2 Fagotts 2
Corn. Tymp. und Basso. Enthält 8 Tacte, wor-
auf ein Allegro folgt, wovon nur 18 Tacte ohne
weitere Begleitung in Violin geschrieben, da sind.
4) Chosae A Jf f mit 2 Violinen, Viola, 2 Flaut. 2 Corn. ■
Ob. und Basso. Der erste Theü enthält 8 Tacte
und auch der zweyte, und sind ganz vollendet
und instrumentirt. Hierauf folgt ein Minore von
2 Theilen, wovon jeder 8 Tacte enthält, an wel-
. eher aber die Begleitung fehlt.
5) Sinfonie concertante a tre Instrumenti, Violino,
Viola, Vceilo. A% mit 2 Ob. 2 Corn. 2 Viol. und ,
Basso. Das Ritornell ist ganz vollendet und be-
steht aus 43 Tacten. Das übrige Concertirende ent-
hält 83 Tacte und meist ohne Begleitung.
6) Anfang einer Symphonie Andante G $• 10 Tacte
ohne Begleitung.
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-
7) Menuett £ Violin. 3 Ob. l Fagott, 9 Com. Flauto
piccolo und Tamburin A 8. Der erste Theil von
8 Tacten ist vollständig, vom zweyten sind nur
3 Tacte da.
»
8) Anfang eines Rondo, aus J38 mit Viol. Flaut.
Ob. Fagott. Corn. Alto und Basso. Enthalt a5
Tacte. Die Begleitung fehlt.
9) Anfang eines Rondo aus F% zu a Violinen, Viol;
. 3 Corn. und Basso, enthält nur 5 Theile, deren
jeder 8 Tacte enthalt. Die Begleitung fehlt.
10) Anfang eines Quintetts für Violine, Viol. Clarin.
Corhi diBassetto und Vcello. Fi. Die Beglei-
tung ist meistens vollständig. 10a Tacte.
11) Anfang eines Allegro A*> für ein Quintett von
a Violin. 3 Viol. und Vcello. 7a Tacte lang.
13) Anfang eines Quintetts, Allegro J9# für 3 Vio-
lin, a VioL und Vcello. 133 Tacte alla breve.
13) Quintett f. 3 Violinen, 3 VioL und Vcello. Alle-
gro Es 8 J. Enthalt 71 Tacte und ist unvollendet.
14) Anfang eines Quintetts Es Ü f. 3 Violinen, 3 Viol.
und Vcello. 19 Tacte.
15) Anfang eines Quintetts D 8 für 3 Violinen, 3 Viol.
und Vcello. 18 Tacte.
16) Ein dergL Rondo Gb f. — Enthalt 8 Tacte.
17) Ein dergl. Rondo F% f. — Enthalt 10 Tacte.
18) Ein dergL Larghetto C 8. — Enthält 16 Tacte.
19) Anfang eines Violin quintetts aus E min. Der
erste Theil Allegro ist vollendet und enthalt 74
Tacte.
20) Ein dgl. aus G min. Alto. Enthält 24 Tacte.
31) Ein dgl. Allegretto aus B Enthält 56 Tacte.
22) Ein dergleichen Rondo 2? 8 von 10 Tacten«
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«
23) Ein dgl. aus f von 109 Tacten»
24) Ein dgl. Adagio 7^1 von 8 Tacten.
25) Ein dgl. Rondo jPÖ f. von 16 Tacten.
26) Ein dgl. mit einem Menuett beginnend, 2?# von
9 Tacten. ' .
27) Anfang eines Trio G8 | für Violine, Viola und
• Vcello. Der erste Theil ist ganz vollendet und
besteht aus 91 Tacten. Der zweyte Theil ent-
hält 9 Tacte.
»
Anm. Unter diesen Fragmente^ können ▼oreüglich ausge-
hoben werden No. 1. 2. 5. 5. 10. 11. 13, i3. 19. a3. und 27.
Diese «eichnen «ich alle durch Originalität, Melodie, Harmonie
und gute und meisterhafte Begleitung vor den übrigen aus. ,
C. Fragmente für Blasinstrumente.
1) Anfang eines Adagio lur eine Harmonica mit 1 ,
Flöte, 1 Ob. 1 Viola und Vcello. — Sind 10 Tacte.
2) Bruchstück eines Hornconcerts,
5) Eins dgL . ,
4) Quintetto für Clarinetto, 2 Violinen, Viol. undBass.
B #. Der erste Theil Allo von 90 Tacten ist voll-
endet. Der zweyte Theil besteht ans. 3 Tacten.
5) Quintetto für ein Clarinetto, 2 Violinen, Viol.
undBass^tf. Enthält 89 Tacte, ist unvollendet
und nur hier und da die Begleitung angedeutet.
6) Allegro für 2 Ob. 2 Corn. 2 Clarinett. und 2 Fa-
gotts B 8. Enthält 16 Tacte und ist unvollendet.
7) Anfang eines Adagio aus jF# für 1 Clarinett und
3 Corni di Bassetto. 6 Tacte lang.
8) Anfang eines Allegro für 1 Clarin. und 3 Corni
. di Bassetto. 22 Tacte lang.
9) Anfang eines Adagio für 1 Corno Jnglese, 2 Vio-
linen und Basso. ;Der erste Theil aus 23 Tacten
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18
ist vollendet. Der zweyte Theil von 56 Tacten
ist auch vollständig, doch ohne Begleitung.
. « ■
D. Fragmente für den Gesang,
1) Anfang eines Kyrie aus Es | J Largo für 4 Voc.
12 Violin. 2 VioL 2 Ob. 3 Corn. a Tromb. Tymp.
e 2 Fagotti. Enthält 22 Tacte und ist voller
Andacht im Kirchens tyle verfasst, die angenehm-
ste Molodie ist mit abwechselnder harmonischer
Begleitung durchgeführt. Das Chris te enthält kleine
Solo's für Sopran und Alt.
2) Anfang eines Kyrie aus Cfl für 4 Voc 2 Violin.
3 darin, und Tvmp. mit Oreano. Besteht aus
9 Tacten.
3) ^Anfang eines Kyrie aus Dil ä 4 Voc 2 Violini,
Viol. 2 Ob. etc enthält 11 Tacte ganz im Kir-
chens tyle und ist überaus schön.
4) Fragment eines Kyrie a 4 Voc Violin. Viol. 2
Ob. 2 Fagotten, 2 Clarin. und Tymp. im erhabe-
nen Style. Enthält Zj Tacte
5) Eins dgl. fangt mit Adagio inGft an, worauf ein
fugirtes Andante folgt. Sind nur 54 Tacte.
6) Eins dgl. in D 8 ein fugirtes Allo, besteht aus
52 Tacten.
7) Eins dgl. in C}f. Der Anfang ist ein Adagio von
i4 Tacten, dann folgt ein Allo, wovon nur 55
Tacte geschrieben sind.. *
8) Fragment eines Gloria aus Cfl von 26 Tacten.
9) Ein unvollendeter Psalm: Memento Domine Da-
vid etc. aus Fi vierstimmig. Sind nur 52 Tacte .
geschrieben.
10) Eine deutsche Cantate: Die Seele des Weltalls,
1
*
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_'9_
o Sonne! etc., fiir 2 Tenore und i Bass. Der
erste Chor aus Es% ist ganz vollendet, er bebt
mit einem prächtigen Unisono an und es herrscht
in ihm eine simple, edle und angenehme Melodie.
Li den Worten : Von Dir kömmt Fruchtbarkeit,
Wärme, Licht etc. wird besonders der Name
Licht durch ein überraschendes Forte im Septi-
menaccorde herausgehoben und kann nicht ohne
Wirkung seyn, wenn die Begleitung durch die
angemerkten Instrumente der Flöten, Oboen, Cla-
rinetten, Fagotten etc. dazu gesetzt wird. — Nach
diesem Chore folgt eine Tenorarie in 2? 8 voll
der zartesten Melodie und mit einer herrlichen
Begleitung des Contrabasses. Hierbey fehlt auch
die Begleitung der übrigen Instrumente, wozu
der Raum leer gelassen ist. — Auf diese folgt
eine unvollendete zweyte Tenorarie in F von
17 Tacten.
11) Ein angefangenes Duett für 2 Soprane: Ich nenne
Dich, ohn' es zu wissen etc., mit Begleitung des
Claviers. 27 Tacte lang. '
12) Ein Recitativ: O Calpe, Dir donnert's am Fusse
etc., mit Begleitung des Claviers. Ist unvollendet.
l5) Anfang einer Arie : Einsam bin ich etc., aus D
Enthält nur 8 Tacte. ' ' 1
14) Einer dgl.: V'anvo dl core etc.
15) Sined's (Denis) Bardengesang auf Gibraltar, (lie-
ber diesen schreibt er selbst vom 2isten Decbr.
1782. Siehe in d. Biographie Seite 472.)
16) Eine unvollendete italienische Operette, worin
die Personen: Bettina, Don Astrubale, Pulcherio
und Bocconio vorkommen«
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t
t
20
17) Eine unvollendete deutsche Operette, die in der
Manier Aebnlichkeit mit der Entführung aus d.
Serail hat, und worin die Namen H. v. Dumm-
.kjppf," Rosaura, Trautel, Leander, Casperl, Wurstl,
Knödl etc. vorkommen. . :j
18) Ein Wiegenlied in 5 Strophen, mit Begleitung
des Pf. : Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein etc.
Andante Ffa Es (ist ganz mozartisch, naiv, ori-
ginell und launig. Es ist lüer als Beylage zu-
gegeben. .iL*
19) Eine Arie : Dentro il mio petto, D j| |. Allegro
, maestoso. Unvollendet.
1 «
tV. Verzeichniss derjei ligen Composit innen , wel-
che Mozart ausser den hier angeführten noch
vollendet hinterlassen hat.
1) Ein Oratorium: Davidde penitente, vom J. 1785,
wovon in der Biographie mehres gesagt ist.
2) 5o verschiedene Kirchen - Compositionen , wie:
Missen, Litaneyen, Offertorien, Motetten, Hym-
nen, Cantaten u. dgl., worunter auch ein Requiem
mit ist. Vorzügliche Auszeichnung unter diesen
verdient ein Stabat mater ä 5 Soprani von lau-
ter Canons, und dann die Antiphona a 4 Vod9
welche er 1770 zu Bologna als Aufgabe zur Auf-
nahme in die dortige filarmonische Gesellschaft
scnrieb. Siehe die Beylage zur Biogr. S. 227. — Die
grösste ist sein schon aufgezähltes Requiem.
3) 4 Chöre fiir 4 Singstimmen und volles Orchester.
4) 43 italienische Arien, Duette und Terzette, mit
und ohne Recitative, mit vollem Orchester, fiir
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Anhang, S. 20-
Ai
| * T.
prstummt, auch nicht ein Biel
4
ichenmehr
E^o- (f >— 1
Schein,
schlafe raein Prinzchen, schlaf
ii?
Ruh!
lauf.
,uf,
j J — £=|
nicht schreit,
seyn?
Ischlaf ein !
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besondere Sänger und verschiedene Stimmen ge-
. schrieben, '
5) 16 Canons mit u. ohne Text zu 5 und 4 Stimmen.
6) Einige Solfeggi zur Gesangsübung.
7) 54 Ciavierlieder.
8) 33 Orchester -Syraphonieen. Davon sind zu Wien
und Offenbach viele erschienen.
9) i5 Opern -Ouvertüren. 7 davon sind zu Offen-
bach gestochen.
10) 4i Divertissements für mehr und weniger In-
strumente. Zu diesen gehören auch mehre Har-
moniesuiten.
11) 8 Quintetten für 2 Violinen, 2 Violen und Bass.
Diese sind alle in Leipzig, Wien und Offenbach
erschienen.
12) 28 Quartetten. 26 davon sind für zwey Violinen,
Viola und Basao; eins ist mit Öboe und eins
mit Flöte.
13) 10 Violihtrio's.
14) 4 Ballette und Pantomimen.
15) 5 Violinconcerte. Eins davon ist zu Offenbach *
gestochen erschienen.
16) 6 Hornconcerte. Davon sind drey zu Offenbach
herausgekommen.
1 17) Ein FagottconcerU Ebenfalls in Offenbach er-
schienen.
18) Ausser den schon zuvor angegebenen noch i5
Clavierconcerte. Im Ganzen componirte er näm-
^lich 29 solche. Bey Breitkopf und Härtel in
Leipzig sind davon 21, und bey Andre in Of-
fenbach 25 erschienen.
19) Fünf Ciavier- Quartetten.
«
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20) 23 Claviertrio's« Sind alle in den Oeuvr* compl.
in Leipzig bey Breitkopf u. Härtel abgedruckt«
ai) 5i Claviersolo's für 2 Hände. Sind ebenfalls in I
Leipzig erschienen«
22) 4 Sonaten für Ciavier zu 4 Händen.
35) 2 Stücke für 3 Claviere, nämlich eine Sonate
und eine Fuge.
34) Viele variirte Themata für'* Ciavier zu 3 und
4 Händen.
2 5) 4 Rondo's fiir's Ciavier»
26) Mitridate. Opera seria. 1770 zu Mailand ge-
schrieben.
27) Ascanio in Alba, eine dramatische Screnate,
1771 zu Mailand verfertigt.
28) II «o£7zo di Scipione, Serenate, 1772 zur Instal-
lirung des Erzbischofs zu Salzburg geschrieben.
29) Lucio Silla, Opera seria, 1775 zu Mailand ge-
schrieben.
00) La finta Giardiniera, Opera buffa, 1774 zu
München geschrieben.
31) II Re Pastore. Pastorale, \jj5 zu Salzburg ge-
schrieben. In diesem begann der hohe Genius
Mozarts, der in seinen späteren Werken durch-
aus herrscht«
32) Zwischenacte und Chore zum Schauspiele: Tha-
mos von Egypten, für 4 Singstimmen und Or-
chester.
*
33) Tdomeneo, Re di Creta. Opera seria in 3 Attu
1780 für das Münchner Carneval geschrieben.
34) Die Entführung aus dem Serail, oder Constanze
und Belmonte. 1782 auf Kaiser Josephs Befehl
componirt.
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23
•
35) Dann ist noch von ihm vorhanden eine „Kurz
gefasste Generalbass - Schule , oder Fundament
des Generalbasses," deren Aechtheit nicht zu
ein, wenn gleich es Mozart nie für die
itliche Bekanntmachung geschrieben hat«
Anm. Obgleich, wie schon angegeben, noch so
Composition Mozart's theils gänzlich verloren gegangen und
theils noch in Händen mancher Kunstfreunde verborgen liegt,
so musa man doch staunen, dass dieses möglichst sorgfaltig
zusammengestellt© Verzeichniss , mit Inbegriff der Fragmente,
und Entwürfe, über 800 Stücke zählt, von denen doch viele
sehr bedeutend sind \ und alter ist Mozart nicht geworden ! —
Mozart und die Eigenthümlichleit seiner Werke.
Nach dem vorhin angegebenen Verzeichnisse der
Werke Mozart's bedenke man, wie ausserordentlich
Viel er in einem kurzen Leben in allen Gattungen
d Arten der Musik, vom kleinsten bis zum gross-
ten, vom Einfachsten bis zum Zusammengesetztesten
Und Verwickeltsten in so mannich faltigen Werken
geliefert hat. Hatte man unter diesen zahlreichen
Schöpfungen seiner genialen Einbildungskraft und
durch Studii
1
miti
sinnes, womit sich die vertrauteste Kenntniss aller
Kunstmittel verband, hätte man unter diesen Produc-
ten nur in jeder Gattung, ja nur in einer, eines der
vorzüglichsten; kennte man z. B. nur eine seiner
herrlichen Symphonieen, wie die hinreissend grosse;
feurige, kunstreiche und pathetisch erhabene in Cü;
nur eines seiner schönen Clavierconcerte ; nur eines
seiner ausgezeichneten Quartetten, Quintetten, Trio's;
mir Eine seiner im Ernsten wie im Heitern und Ro-
1
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mantischen deich bewundernswerthen Ooern. seine
Entführung aus dem Serail, oder seinen Don Juan, das
anerkannte Meisterstück der theatralischen Musik;
unter so manchen würdigen €ompositiouen für die
Kirche sein erstaunenswerthes Requiem — so würde
man ihn schon für eines der ersten Genie's der neuern
Zeit erkennen müssen. Und nun hat er sich in allen
diesen verschiedenen Fächern mit so hoher Origina-
lität der Erfindung, mit so viel Geschmack, Einsicht
und meisterhafter Gewandtheit zugleich hervorgethan !
Dazu kommt noch, dass Wenige, wie er, die Gründ-
lichkeit, den Ernst und tiefen Gehalt der Musik mit
den Reizen und der Anmuth der modernen und an-
tiken Musik so glücklich vereinigten. Der Anbeter
eines Seb. Bach war selbst der gewandteste Contra-
punetist und zugleich ein anderer Gluck in der pa-
thetischen dramatischen Musik. Er verband den Ge-
halt und die Würde der deutschen mit dem Zauber
und der Lieblichkeit der italienischen Meister, ohne
desswegen minder originell zu bleiben. Rechnet man
hiezu seine glänzende Virtuosität auf dem Pianoforte
nnd von Seiten seiner Denkungsart seine, bey allem
richtigen Selbstgefühl , für Seb. und K. Ph. E. Bach,
Händel, Gluck, Jos. und Mich. Haydn u. a. bewie-
sene Hochachtung; seine Gefälligkeit, die Wünsche
der Kunstfreunde zu erfüllen, und überhaupt das.
Sanfte und Menschenfreundliche seines Charakters;
so wird man mit Bewundrung und Rührung das An-
denken eines Künstlers feyern, welcher der Stolz
Deutschlands und des ganzen gebildeten Europa blei-
ben wird, so lange der Sinn für geistvolle Ausübung
der Tonkunst in ihrem gauaeft Umfange* frey von
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I
aller tadelsüchtigen Einseitigkeit und Beschränktheit,
die Gemüther der Gebildeten belebt und erwärmt«
(Gerber.) .
Nachdem Busby von Haydn gehandelt hat, geht
er auf Mozart über und sagt: Von der Betrachtung
solcher Talente und Kenntnisse, wie Jos« Havdn be-
saas, zur Würdigung der natürlichen und erworbe-
nen Fähigkeiten eines Tonsetzers, wie Mozart, über-
gehen, heisst das Vergnügen jenes Uebergarigs zu
empfinden, welcher den entzückten Naturfreund von
einer blühenden Flur auf die andere oder in einen
Garten bringt, worin die Blumen, zwar nicht von
derselben Gattung wie die ersten und nicht so geord-
net sind, um dem geblendeten Auge dieselben irdi-
schen Consteilationen darzubieten, aber doch gleich-
falls mit dem Glänze der Gestirne wetteifern, und
nur die Schönheit einer andern Hemisphäre zu ent-
falten scheinen. Allein Mozarts schöne Erzeugnisse
Viraren, wo nicht glänzender, doch weniger einfo>-
mifir« als die gleichmässig dauerhaften immer blühen-
den Werke Haydn's, und erforderten bloss einen
langer von dem vereitelnden Ueberfalle der Sterblich-
keit freien Boden, um nicht weniger zahlreich zu seyn.
Nachdem man all mahl ig mehr auf das Leichte,
Populäre, Sentimentale hinarbeitend, mit Ausnahme
weniger Meister, sich immer weiter von der alten
Seb. Bach'schen Gründlichkeit entfernt hatte, , trat
Mozart auf, der, mit tiefer Verehrung für Bach er-
füllt, in seinen eigenen Compositionen italienische
Anmuth mit deutscher Kraft, und merklich mit Bar-
scher Kunst (in dem Reichthume der Harmonie und
in den melodischen figurirten Bässen, in contrapuncti-
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26
tischer Behandlung überhaupt) verknüpfte, und nebst
Jos. Haydn eine neue Epoche der Tonkunst begrün-
dete, mit welcher derjenige moderne Styl begann,
dessen Reichthum, Fülle und Glanz sich auf der
Bühne, im Concert und in der Kirche zu verbreiten
anfingen* So viel aber die vielseitige Ausbildung
der Instrumentalmusik hierdurch gewann, so ging
doch zum Theil dadurch oft die grössere Einfalt und
Würde des Kirchenstyls verloren.
Indessen erschienen Mozarts geniale Werke mit
ihrem Reichthume an neuen Ideen, ihrem romanti-
schen und humoristischen oder pathetischen Geiste,
ihrer epischen Grösse und Pracht, und mit all' ih-
ren Reizen und Schönheiten der Melodie und der
harmonischen Ausführung. Dieser Genius, dessen
Lob nie genügend ausgesprochen, dessen Name vom
Kunstjünger nie zu sehr verehrt werden kann, dessen (
Ruhm ewig leben wird, war ganz Liebe und Har-
monie, ein Nachhall des Schwanengesangs, der, mit
Engelsharfen vermischt, die Seligen in den Gefilden
der Ewigkeit einst empfangt. Bey ihm waltet nicht
dieser innere Kampf, der die menschliehen Naturen
zerwühlt, bey ihm werden Mühe und Anstrengung
nie sichtbar, jeder Satz scheint sich an den vorher-
gehenden reihen zu müssen, Alles ist so leicht, so
natürlich, so rein und eben so tief, als das uner-
messliche Blau des Himmels an einem schönen Früh-
lingstage. Daher erregen seine Werke, obenhin
leicht betrachtet, jetzt nicht weniger Bewunderung
als andere Meisterwerke, deren reine Verhältnisse
' und vollkommene Symmetrie fallen nicht so sehr in" s
Auge, als eine etwas fehlerhafte Anordnung, und
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man erkennt bey dem ersten Blicke die gigantischen,
aber herrlich gestellten Massen nicht*). Dringt man
aber tiefer, so erscheint die wahre Schöne, die co*
lossalische Tiefe nnd Grossheit der mit höchster
Kunstvollendung verknüpften Elemente, man knieet
nieder und betet an.
Mozart gehört in die Zahl derjenigen, die mög-
lichst unabhängig vom Modegeschmacke der Zeit, nach
dem Ideale ihres Geistes arbeiteten, und Gründlich-
keit mit Feinheit und Schönheit der Behandlung in
ihren Producten zu verbinden wussten.
Frühzeitigen Talenten drohen aber auch gewöhn-
lich grosse Gefahren; denn indem man sie zu An-
strengungen reizt, gehen sie gegen die Kindesnatur«
So nur bey unserm Mozart« Er spielte schon in
seinem 6ten Jahre brav, im 7ten und 8ten schrieb
er Sonaten, im I2ten oder i4ten ein Te Deum, was
wir noch jetzt nicht ungern hören! — So glaubt
ihr wirklich, mit eurem Kinde dieselbe Ausnahme
zu erfahren, die die Natur in. fast einem vollen Jahr-
hunderte (seit Handel) nur ein Mal machte? glaubt,
weil ihr ein Loos in der Lotterie habt, den gross ten
Gewinn zu erhaschen (dieser Vergleich sagt noch viel
zu wenig) , und macht in dieser Zuversicht den gan-
zen Zuschnitt des Lebens darnach?! v
Ich frage auch nicht: war denn Mozart glücklich?
— Ich habe ihn gekannt, er war es nie« Ich erinnre
euch auch nicht daran, wie kurz sein Leben war«
Ihr würdet wohl nur sagen : so brachte er Glück und
Leben der Kunst zum Opfer! so steht er darum vor
•) Wie in der Symphonie CjJ mit der SchluMfnge. •
• i
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aller Welt ton «, hoher da! — Ihr" habt Recht» Aber
das ist gewiss, Mozart wurde in früher Kindheit
weniger gereizt, weniger in der Kunst angestrengt,
nicht einmal wissentlich zu ihr geleitet, sondern nur
sielt selbst überlassen, ja sogar zurückgehalten g bis
seine ganz eigenthümliche Natur Ton selbst unauf-
haltsam hindurch brach und unverkennbar ankün-
digte : Dieser soll einmal unter Millionen allein ganz
gegen die Regel gerathen. Nun so wartet's nur still
ab, ob sie über euejr Kind dasselbe unwiderstehliche
Machtwort zu sprechen, und ihnen diess grosse, nur
änderen wohlthätige Opfer aufzulegen vorhabe.
Mozart schineb seine Noten in seiner Kindheit
für sich auf Papier, wie es ihm eben zur Hand war;
kleine Notenköpfe, aber verhaitnissmässig grosse
Schwänze. Die Noten sind einander sehr gleich,
recht deutlich und ohne alle Abkürzungen; selbst
das Forte und Piano etc. schrieb er durch alle
Stimmen der breiten Partituren ganz genau bey; in
späteren Jahren hingegen schrieb er sehr nett, nicht
selten mit Verbesserungen, wo er denn das eben Ge-
schriebene mit den Fingern auswischte, oder das schon
getrocknete mit einem einzigen dicken Kreüz ver-
dammte. Radirt hat er wohl nie, und eben so hat
er selten Was nachgetragen und eingehängt.
Mozarts Körper kränkelte in seiner letzten Le-
benszeit und litt besonders an äusserst leichter Reiz-
barkeit der Nerven, und wurde, wie sich wohl psy-
chologisch erklären lässt — überhaupt sehr furcht-
sam, was er auch schon früher war, besonders viel
von Todesgedanken beunruhigt. Nun arbeitete er so
viel und schnell, — freylich desshalb zuweilen auch
/
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"
flüchtig, — dass es scheint, er habe sich vor dem
Aengstenden der wirklichen Welt in die Schöpfum-
gen seines Geistes flüchten wollen. Seine Anstren-
gung ging dabey oft so weit, dass ! er nicht nur die
ganze Welt um sich her vergaass, sondern ganz ent*
kräTtet zurücksank und zur Ruhe gebracht werden
musst'e. Jedermann sah, dass er sich auf diese Weise
bald aufreiben müsse. Die Zuredungen seiner Gat-
tin und seiner Freunde halfen nichts, die Versuche,
ihtr kü Berstreuen, eben so wenig. Er that Etwa«
seinen Lieben zu Gefallen, fahr mit ihnen aus;
nahm aber an Nicht* mehr wahren Antheil, sondern
lebte immer fort in seinen Phantasie* -n , aus denen
ihn nur zuweilen ein Schauder vor dem Tode, der
.sich schon um sein Gebein zu winden- anfing, er-
weckte. Seine Gattin bestellte oft heimlich Per*-
sonen, die er liebte: sie mussten ihn zu überraschen
scheinen , wenn er sich wieder zu tief und anhaltend
in seine Arbeit versenkte : er freute sich zwar, blieb
aber dennoch beym Arbeiten. Sie mussten nun viel
schwatzen: er hörte Nichts: man richtete das Ge-
spräch an ihn: er ward nicht unwillig, gab einige
Worte dazu, schrieb aber fort. ' i- - ' ? '!
In dieser Zeit und traurigen Gemüthsstimmung
schrieb er bekanntlich die Zauberflöte, La Clemenza
di Tito und sein Requiem. Schon über der Zauber-
flöte, versank er, dem Tag und Nacht gleich war,
wenn ihn der Genius ergriff, in öftere Ermattung
und minutenlange halb ohnmächtige Bewußtlosigkeit.
Die Musik dieser Oper hatte er recht lieb, obschpn
er über manche Sätze, die gerade den allgemeinsten
Beyfall erhielten, lachte. Man hat zwar das Seit-
I
30
samc des Gesanges der geharnischten Männer, wäh-
rend der fromme Tamino die Famina durch Feuer
und Wasser führt» und die wunderleisen grillenhaf-
ten Uebergange und besonders Ausgange der Melo-
die in mehren Kritiken bemerkt , aber die eigent-
liche Pointe, von welcher jene Sonderbarkeiten ab-
hängen, nicht angemerkt. Die schwarzen Männer
singen nämlich unter dem düstern melancholischen
Accompagnement die uralte Kirchenmelodie etc.
»• . . (Rochlitz.)
Mozart konnte seine Zauberflöte wegen Kränk-
lichkeit einmal nicht selbst diriciren, desshalb legte
er zu Hause die Uhr neben sich und horte im Geiste
die Musik. „Jetzt ist der erste Act aus — jetzt ist
die Stelle: Die grosse Königin der Nacht etc« sagte
er, und dann ergriff ihn wieder der Gedanke, dass
das Alles für ihm bald ganz vorbey seyn werde, und
er schauderte zusammen.
Busby sagt: Die Ouvertüre der Zauberflöte und
die der Clemenza di Tito und das Requiem durch
Flights und Robsons erstaunenswürdige cylindrische
Orgel zu hören, heisst die Wunder der Musik und
Instrumentenbaue kennen lernen. •
• ■
So sehr auch Mozart als, ausgezeichneter fCunst—
ler anerkannt wurde, so blieb er doch auch nicht
frey von Tadel. Hier einige Beyspiele:
Gerade desshalb, weil Mozart Genie war, hatte
er weit mehr Fehler, als andere Componisten. *)
■
•) Jo. Bapt. Schau] Ostcrvaz, inst ruf tive all* uso degli amanti
della lingua Holum a e dellc belle etr. Fnmkf. h. Willmanns.
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31
I —
Das Genie wül Alles
um Regeln oder ältere Vorbilder; die Meisterbahn,
die so viele Andere vor ihm betraten, verschmähend,
will er selbst Original seyn und alle Uebrigen, die
mit ihm in die Schranken treten konnten,
Ueber Mozart's eigenhändigen Katalog
Werke heisst es ferner: Diese Ueberschwemmung
nes Talents, aber zugleich ihre Aehnlichkeit einer
Ueberschwemmung, welche Alles verheert und Erde
und Pflanzen, Steine, Holz und Wasser unter ein-
ander wirft. Seine Werke enthalten Gutes, Mittel-
sie keines solchen Aufhebens Werth sind, als seine
Verehrer davon machen. Ich behaupte, dass die Me-
lodie in den Singstimmen nicht selten gezwungen
und schleppend ist, und den natürlichen Fluss
behrt. welcher den italienischen Gesang
Seine Harmonie ist rauh, hart und gesucht: die
Ouartetten, Quintetten, Septetten und Finalen seiner
Opern sind allzu überladen: ja, wie oft sogar hat er
digt! Ist wohl das letzte Finale der Zauberflöte mit
der -gesunden Vernunft zu vereinbaren, da er die
drey Knaben in so schweren Tonen singen lässt,
welche selbst einem erfahrnen Sänger auszuführen
Mühe kosten würden! — Im Tito singt Sextus, von
Gewissensbissen gequält, zu Titus ein Rondo! Ist
das Sextett aus Es # im zweyten Acte des Don Juan,
in welchem die Spitzbüberey des Leporello entdeckt
wird, nicht in einem höchst tragischen Style ge-
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32
■
sehen Anstrich haben sollte? (mezzo carattere.) — Im
letzten Duette des Don Juan mit Leporello aus £ <j
sind die Flöten ganz gegen ihre Natur gesetzt, der-
gestalt* dass auch der geübteste Spieler nicht im
Stande ist, die so schweren Stellen mit Deutlichkeit
und Reinheit auszuführen. Noch ist eine Arie der
Donna Anna aus D 8, welche, man mag das Zeit*
in aas s noch so geschwind nehmen, immer für die
Singstimme zu schleppend bleibt, hingegen für die
Begleitung stets zu schnell ist, so dass ein Misch*
ma&ch daraus entsteht* In den Arien überhaupt ist
er, wenige ausgenommen, niemals glücklich gewesen«
Weil die Begleitung meistentheils nur aus Nachah-
mungen besteht, nämlich: wenn die erste Violine
eine Idee beginnt, so wird diese« voa der zweyten,
von der Viole oder dem Basse, oder von Bks-In-
strumenten wiederholt, so dass die Instrumente eine
yon der Singstimme ganz verschiedene und eigene
Sprache reden. Und wie oft offenbart es sich, dass
sein Haupt -Instrument das Ciavier war und er we-
nig von der Natur der Instrumente verstand, indem
er für sie setzte, was ihm eben beliebte, ohne sich
um die leichte oder schwere Ausführung zu kümmern.
Die Begleitung muss einfach, natürlich und fass-
lich seyn; dann gewinnt sie an Ausdruck, Energie
und Effect« Aber man soll für ein Orchester keine
Concerte setzen und mit Gewalt die Saiten -Instru-.
mente mit einer übertriebenen Anzahl Veto lärmen-
den Blas -Instrumenten übertönen, wie Mozart ge-*
than hat, als Posaunen, Hörner, Flöten, Oboen, Cla-
rinetten, Fagotten, Trompeten und Pauken, welche
sich alle vereinigen, den armen Violinen sowohl ^ls
*
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den Singstimmen den Krieg zu erklären* Ich ver-
damme in dieser Rücksicht daher jeden Tonsetzer,
er sey Deutscher oder Italiener; doch in den italie-
nischen Opern sind die Instrumente weit' weniger
gemissbraucht , als in den deutschen. Wo man aber
solche Fehler findet, sind sie tadelnswerth und ab-
scheulich, weil ein solcher üppiger Luxus zur Bar-
barey fuhrt, und alle philosophischen Musiker soll-
ten sich der Verbreitung eines solchen ausgearteten
und verdorbenen Geschmackes widersetzen. Wo ist
der Sänger, dessen Stimme durch das Geräusch der
Harmonie, durch die aufgehäuften Accorde und die
Millionen von Noten durchzudringen vermag? Man
könnte mit Recht sagen, dass die Instrumente sin-«
gen, und nicht der Sänger. Von allen Opern Mo-
zart's, obgleich viel Triviales darin ist, halte ich die
Zauberflöte für die melodieenreichste. Es herrscht
Einfachheit und Sparsamkeit darin. — Die Arie : Diess
Bildniss ist bezaubernd schön etc. nennt er einen
Gassenhauer! — Einige Stücke ausgenommen, ist Tito
so trocken und langweilig, dass diese Arbeit weit
eher für die ersten Früchte eines aufkeimenden Ta-
lents, als für die eines ausgebildeten, gelten kann.
Es leuchten nur einige Genieblitze hervor, welche
zeigen, was Mozart bey besserer Leitung Latte wer-
den können. Das Wenige, was, mir. die Italiener ge-
ben, macht mir mehr .Vergnügen , als alle Reich Um-
mer der Deutschen , weil das Wenige zu Herzen
geht, hingegen jener Reichthum Nichts.
Dieser Schäul lässt nicht einmal das Urtheil gel-
ten, was Jos. Haydn 1785 zu Mozart's Vater über
Mozart äusserte, der damals 29 Jahre alt war, „weil
3
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das Urtheil ein Doctor der Musik fällte, und die
*
Gelehrten oft das Wissen und das Ungewöhnliche
eines Talents nur deswegen beloben, um ihre per-
sönlichen Eigenheiten zu rechtfertigen." — Schaul be-
hauptet, die Ouvertüren Mozart's sind nie im Stande,
die Wirkungen hervorzubringen, als die Jomelü's,
die man eigentlich nur Ouvertüren nennen kann* *)
Nachdem nun dieser Schaul den Jomelli, den er
den Gott der Harmonie nennt, Salieri und Andere,
deren Ruhm Niemand schmälern wird, bis in die
Wolken erhebt, sagt er noch: Wenn Mozart seine
Unzulänglichkeit gefühlt hätte und den wahren Trieb
eur Kunstausbildung, so würde er barfuss nach Bo-
logna gewandert seyn, um Martini, den Nestor der
Musik, zu Rathe zu ziehen* (Man weiss übrigens,
dass Mozart den Martini schon kannte und ihn im
Jahre 1770 besucht hat.)
Anderswo **) heisst es, Mozart habe kaum den
Beruf zu einem Ciavierspieler, und dioKritik schliesst
so: Si puofar di piü per far stonare ä professori?
womit besonders der Anfang des Quartetts gemeint ist«
Rochlitz selbst sagt, dass Mozart in den Feldern
seiner Kunst als Fürst herrschte und glänzte, dass
es aber doch einige giebt, worin er sich als unbe-
dachtsamer A^anderer verirrte»
Anderwärts ist er auch ein Sänger des Waldes
ohne Idealität genannt worden.
» •
*) Briefe über den Geschmack in der Musik, von J. 11, Schani,
Königl. Würtemb. Hofmusicus. Carlsruhe. Maklot. 1809.
♦•) Osserrazioni critiche sopra im QuarUtto di Mozart. Von
Sarti. Es ist dieses das Violin -Quartett, welches mit Ada-
gio C}| | beginnt, das Final ist C in Achtelnoten.
♦
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I
I •
In Italien heisst es: Wir bewundern tief Mozart's
Opern, aber nicht als Gesangmusik. (Dieses erklärt
sich nun aus dem Sinne und Geiste der Nation, aus
dem Stand und Gange ihrer musikalischen Cultur
und aus ihrer Sprache.) Sie sagen : „seine Melodieen
sind uns noch nicht fliessend genug: er lässt den
Sängern zu wenig freyen Abdruck, und wir haben
Sänger, die sich darauf sattsam verstehen: er ver-
stand die italienische Sprache nicht genug, oder ging
zu willkührlich mit ihr um: er hat bey weitem zu
viel und nicht leicht genug zu ubersehendes Accom-
pagnement, die Soloparthieeu sind zu überladen:
Alles ist nur nath reifer Ueberlegung vom Herzen
zu geniessen. (Hier darf wohl zugesetzt werden:
Mozart's Musik gut zu executiren, ist für Italiener
zu schwer, denn in ganz Italien ist bis 1801 kein .
Orchester, das z. B. den Don Juan gut aufzuführen
im Stande wäre.)
In Frankreich führt man nicht gern Mozart's
Symphonieen auf, man kann sich ihren Geist noch
immer nicht recht aneignen« Man sagt: Mozart ist
allerdings als Instrumental- Componist Haydn's iW
benbuTiler, aber weniger weiser Nebenbuhler: er be-
weist weit mehr Genie, als Geschmack.
Der Italiener verlangt, der Gesang in der Oper
solle deutlich und klar, nicht der künstliche Gesang
der Kirche und frey von jenen kühnen gesuchten
Modulationen seyn, die man in der Instrumental-
" Musik mit Vergnügen hört. Er giebt nicht zu, dass
das Orchester den Sänger bedecke, um nur Künste
, des Tonsetzers und der Instrumente hören zu lassen,
geht aber hier in seinen Forderungen zu weit, und
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will Alle« gar zu plan und kahl. Daher machen die
Opern , auf die Deutschland stolz ist, in Italien kein
Glück. Die Zauberflöte und. Z,a Clemenza di Tito
gefielen in Mailand nur wenig, und Cosl fan tuite
fiel in Neapel gänzlich durch.
In Paris war 1823 ein Streit zwischen Mozart's
und Rossini'« Anhängern, wie einst über Gluck's
und Piccinrs. Alles nahm an dem Kampfe Theil.
Die Musiker waren auf Mozart's Seite und die Di-
lettanten, die Literatoren und die meisten Journali-
sten auf Rossini's. Die letzte Parthey hatte dabey
den Vortheil Alles, was sie für ihre Meinung zu
sagen wusste, leichter durch den Druck zur allge^
meinen Kenntniss zu bringen. Die Musiker wurden
damit abgefertigt: der Neid spreche aus ihnen.
Man sagt, *) die Rossini'sche Musik lasse keine
solche tiefen Eindrücke im Gemüthe zurück, wie die
TT
IM
r»
der Gesang der absolute Monarch derselben und die
begleitenden Instrumente seine getreuen Unterthanen ;
Rossini'sche Opern werden daher dem Publicum im-
mer besser als die Mozart'schen gefallen. Rossini's
Musik wird allenthalben nachgesungen: wo sind die
singbaren Arien in den Mozart'schen Opern, welche
den Dilettanten gefallen? Ausser dem Duett: Lad
darem la mano, welches übrigens so trivial ist, dass
weder ein Liebhaber noch ein Kenner sich dessen
erinnert, welch anderes Stück macht im Dou Juan
auf die Seele einen Eindruck? Die allgemeine Tinte
*) Cenni di una Donna giä contante sopra Rossini. Bologna.
Sassi. i8a3. (Sioheisat: Carolina Giorgi Righctü auaBologua.)
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♦ »
sowohl dieser als aller anderen Opern Mozart s scheint
mir ohne Haltung {non sostcnuta); viel weniger jene
der verschiedenen Empfindungen und Charaktere.
Der Bauer singt oft wie der Held, und die ernst- x
hafteste Person singt in einem trivialen Style. Die
Scene des Geistes im Don Juan ist schrecklich und
majestätisch; allein auf dem Theater del Corso fand
man in ihr ein Quantus tremor und ein Tuba mi-
rum der kältesten Puristen des verwichenen Jahr-
hunderts. Man behauptet, dass die Mozart'sche Mu-
sik einen hohen Grad Aufmerksamkeit md ein sehr
empfangliches Gefühl erfordere, um in alle ihre
Tiefen einzudringen; allein die Aufmerksamkeit finr
det nur da statt, wo Etwas wahres Interesse erregt;
der Eindruck der Musik ist schnell und kann weder
üef noch permanent seyn, der Mechaniamua in der
Musik erregt Langeweile und Gähnen.
In Mailand hat's geheissen: die Zauberflöte hat
gar keinen Gesang. Auch: sie hat Nichts, als Ge-
sang, und das Orchester zu wenig zu thun. Auch :
diese Oper hat eine Musica scellerata. Letzteres
sagten diejenigen, die nur einer Musica di piazza
' huldigen.
Von Clemenza di Tito sagten einige Mailänder,
dass sie in der Scala keinen Effect machen könne,
' weil sie eine Miniatur- Musik habe, denn die Oper
hat kleine und kurze Stücke. (Duette, Terzette.)
Andere erklären den Ausdruck so: die Harmonie
ist bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. (Ueber dem
Einzelnen ist aber wohl das Ganze zurückgesetzt ? — )
— Noch ein Vorwurf, der dort Mozart gemacht
. wird, hilft ebenfalls Ort und Zeit, Urtheil und Ge-
» «
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• ■
I
schmack bezeichnen. „Viele Stücke Mozart/s endigen
leise, das ist, wo nicht überhaupt unrecht, doch ge-
gen den Effect." Und doch sagt man in Italien von
jener lärmenden Cadenz, mit welcher fast alle Stücke
der italienischen Oper endigen, sie sey eine Bettel-
Cadenz, weil nämlich der Componist oder Sänger sich
durch dieselbe den Beyfall des Publicums erbettele.
Es ist wohl nichts leichter, als jedem Stücke diess
ewige Einerlev anzufiicen : allein ob dergleichen lär-
mende Schlusscadenzen überall am rechten Orte ste-
hen, ist eine Frage, und Mozart wusste gewiss am
besten, wo sie hingehörten. Will man letzteres nicht
eingestehen J was , sagt man zu der Erfahrung, dass
sogar ein Finale, wie das erste im Titus, leise en-
digt und doch in Italien auf dem Theater den gröss-
ten Beyfall erregte ? Und hat nicht das Terzett Quello
di Tito e il volto bey jeder Vorstellung sehr grossen
Beyfall erhalten, wiewohl es leise endigt?
„Musik, wie die Mozart'sche , bedarf keiner vor-
züglichen Sänger." Was wird nicht hiermit ausge-
sprochen?
Einige in der Musik nicht unbedeutend seyn
wollende Zuhörer von Mozart's Opern in Italien
meinten, er hätte doch auch Vieles von anderen Mei-
stern entlehnt, und citirten Opern zur Behauptung
ihres Satzes. Als man ihnen aber sagte, diese Opern
wären erst wenige Jahre alt, und Mozart sey seit
25 Jahre unter der Erde — war freylich die Sache
anders«
Vala-Bregues sagte, dass Mozart im Grunde nicht
für den Gesang habe gut schreiben können, weil er.
mit keinem guten Sänger zu thun gehabt hätte. „Er
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habe leben sollen, Um die Bekanntschaft seiner Frau
(der Catalani) zu machen."
Die Opernarien Mozart'« sind den Italienern auch
desshalb zuwider, weil daraus Nichts anders gemacht
werden kann oder muss, als was es schon selbst ist;
und um eine Arie voll tiefer Seele, Empfindung uud
Ausdruck zu begreifen, dazu gehört* gerade wieder
tiefes Gefühl und Seele.
' Die Bässe sammtlicher Mozart'scher Opern liegen
ausser dem Reiche der italienischen und französischen
Kehlen: ihre Besetzung bietet unbesiegbare Schwie-
rigkeiten.
Ueber Mozart's Modulali ons- Manier sagten die
Italiener : Dieses plan- und zwecklose Herumschwei-
fen ist nur Folge der Unbeholfenheit, sich glücklich
auf dem Platze zu helfen, wo man eben ist. In den
herrlichsten Werken der grössten Meister aller Zei-
ten betrachtet man die Einfachheit, Ruhe, Ordnung
und Klarheit als die nicht geringsten Eigenschaften.
— Aber auch darin, wie fast in Allem, ist Mozart
Meister und wird es bleiben, wenn auch neuere Scri-
benten, die Niemand kennt, obgleich sie, sich zu
nennen, den Muth haben, ihm Geist und Urtheils-
kraft absprechen und nur Kunstinstinct zugestehen*
(Risum teneatia — )
Nägeli*) weis't der Instrumentalmusik zu: das
Gefühlleben, die Bewirkung einer freyen Stimmung
durch ein freyes Tonspiel 5 die Vocalmusik , das Ge-
biet der Affecte, der Situationen. Diese wendet sich
*) In seinen Vorlesungen über da« Wesen der Musik, gehalten
in Stuttgart 1824«
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40
an die Einbildungskraft und dringt selbst in den Geist
und das Reich der Ideen. Er tadelt die falsche Can-
tabilität in der Instrumentalmusik, eine solche, die
unvermittelt zwischen Instrumentalsätzen steht^ um
durch Gegensatz Effect zu machen. Er beschuldigt
Mozart dieses Fehlers und misst ihm bey das Umsich-
greifen eines musikalischen Unneils, das Anwenden
eben dieser falschen Cantabilitat und das Erregen von
AfFecten, durch Contrastirungen, da wo blos freyes
Tonspiel zu Herbey fuhrung einer freyen Gemütha-
8tiinmung herrschen sollte. Es kam so, weil, was bey
ihm, besonders in den Symphonieen, aus Uebermaass
des Reichthums geschehen, von wenigen begabten,
als ächte Kunst nachgeahmt worden. Kaum ver-
mochten seine unbedingten Verehrer unter den Zu-
hörern durch das Lob, das z. B. seinen Claviercon-
certen uud durch die Huldigung, die ihm als Schö-
pfer unsterblicher Opern gezollt wurde, mit jener
frechen Kritik ausgesöhnt zu werden.
Einige halten den Don Juan, wiewohl für gross
und harmonisch, doch aber mehr für schwer und
kunstvoll w als gefallig und populär.
Rochlitz sagt, man könne wie Sterne die Rei-
senden, so die Musikhörenden und Beurteilenden
ebenfalls in vier Classen zerwerfen. In die zweyte
setzt er die, welche nur mit dem Verstände hören
und den Namen der Kunstkenner fuhren. — Die
Einen lieben nur alte Musik und hören das Neue
nicht gern. — Die Zweyten suchen ihre Freude bey
dem Anhören der neuen berühmten Meister , falsche
Quinten, verbotene Oclaven zu finden.
41
Den ersten war Mozart zuwider sein ganzes
ben laug, und nur nach seinem Tode wurden sie
mit ihm versöhnt durch sein Requiem, in welchem
er sich dem altern Kirchenstyle nähert. Den letz- .
teren war er durch frühere Arbeiten interessant, weil
sie in seinen damals nicht seltenen Vernachlässigungen
der grammaticalischen Regeln Stoff zum Tadel des
Meisters' fanden und in seinem Beyfalle bey dem Pu-
blicum Stoff zu klagen über die Geschmacklosigkeit
der Zeitgenossen« * > •
In der Zauberflöte, die weniger wahren innern
Werth hat als Don Juan, Cosi fan tutte etc. sind
bey vielen einzelnen meisterhaften Scenen auch ver-
schiedene Arien und dergL in einem gar zu kleinli-
chen, beynahe niedrigen oder gemeinen Style ge-
schrieben« Das Ganze hat daher nicht die gehörige
Haltung, so wie man auch nicht selten Wahrheit
oder richtige Darstellung des Charakters vermisst,
z. B. wenn eine königL Prinzessin und ein Vogel-
steller sich auf ein und dieselbe Art ausdrücken. Auch
beweiss t es, dass Mozart's Stärke nicht in richtiger
Declamation bestand. (Aus der allgem. deutsche»
Biblioth. so wie auch das folgende.)
Ueber den Schauspieldirector. Einzelne sehr
schöne Züge machen, dass diese Operette, von einem
minder als vorzüglich bekannten Tonsetzer compo- ,
nirt, allenfalls für ein Meisterstück gelten könnte 5
allein gegen M/s übrige theatralische Arbeiten ist sie
unbedeutend. Man findet darin nicht die ihm sonst
eigene Originalität, ja sogar ganz gewöhnliche, zum
Theil bekannte Gedanken. Ja, man möchte hier und
da den Text für untergeschoben halten, wenn man
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nicht schon wüsste, das« es dem Verfasser in Absicht
auf die Declamation zuweilen nicht glücken wollte.
Auch die Modulation ist hin und wieder sehr gemein,
und von kleinen Nachlässigkeiten gegen den reinen
Satz ist diese Musik nicht durchgängig frey. füebri-
gens sehr hübsch.)
Siehigke sagt gegen zwey Aufsätze wider Mo-
zart im Journal von und für Deutschland 1799, die
wahrscheinlich von J. F. Reichard herrühren : eigent-
lich ist es freylich nicht zu entschuldigen; aber Mo-
zart opferte oft lieber die Worte auf, als eine schöne
Melodie, wofern diese nur auf die herrschende Haupt-
empGndung passt« Man verdankt bey ihm diesem
Fehler die lieblichsten Melodieem Die Hauptempfin-
dung hält er vortrefflich«
Nägeli tritt, in der ganzen Welt allein, gegen
die ganze Welt allein , gegen Mozart's Quartette auf,
als neuen das Vollkommenste, was man irgend in
dieser Gattung besitzt — weil er nun einmal aus
eigener Machtvollkommenheit und wieder gegen die
ganze Welt behauptet hat, die Instrumentalmusik
solle blos durch freyes Tonspiel eine freye Stimmung
herbeyführen: jene Quartette aber tliaten mehr, drück-
ten Affecte aus etc., und das gebühre ihnen nicht,
sondern der Gesangsmusik i. sie sängen zugleich und
werflich. — (Wenn er min einmal gegen diese
Werke sich aufmachen will und Nichts gegen sie
einzuwenden hat, als dass sie des an sich Guten, ja
Vortrefflichen zu viel und auch aus anderen Gattun-
gen musikalischer Werke enthalten — wie kann man
dea Meister besser preissen, als dadurch? — )
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Mozart, ce gtnie de la douce mtlancolie , cet
komme plein de tant d'idees et d'un goüt ei gran-
diose, cet auteur de Vair : Non so piü cosa son, cosa
faccio, a quelquefois un peu abuse des modulations.
II lui est arrivS de gdter les beaux chants, dont les
premieres nie sur es sont exactement les soupirs d'une
cime tendre, En les tourmehtant un peu vers la fin,
souvent il les rend obscurs pour VoreiUe, quoique
CÄflC^J^ J Cl- J^yClf*tlt>LQTl' 1 £ £t SQ^i @Tl% Cs^&l- F* f$ OZ£F* l&
Quelquefois, dans ses accompagnemens , il met des
cliants trop diffdrens de celui de tacteur en scenez
mais que ne pardonneroit - on pas en faveur du
chant de Vorcliestre, vers le rnilieu de l'air: Vedro*
mentr' io sospiro, felice un servo miol (Figaro) -ü
cliant divin, et que tout homme qui souffre d'amour
st rappella involontairemenU . ■ ; '
Üissonances) Les gens du mdtier Von* diront, -
que Mozart abuse. sur tout des Intervalle* de dimi-
nude et de superflue.
Clementi, l'dmule de Mozart, dans ses composi-
tions pour le Piano, a publik a Londres, cette pa-
trie des caripatures, un recueil de caricatures har-
moniques, dans lesquelles ü contrefait les plus cer
lebres compositeurs de Pianot quiconque a la con-
noissance la plus legere de manieres de Mozart,
Haydn etc., et entend ces petites Sonates, composees
tfun prdlude et d'une cadence, devine sur le cltamp
le mattre du quel on se moque; on y reconnoit son
style, et sur tout les petites affectatione et erreurs
dans Irsauelles il est suiet ä tomber. * '
Bey anderen Gelegenheiten heisst es: Mozart hat
ungeachtet seines sonst bewunderungswürdigen Ge-
I
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44
■ ■
schinacks sich in seiner Bearbeitung des Messias, wo—
bey doch die höchste Vorsicht nöthig gewesen wäre, ,
Ueberladungen und Einschaltungen zu Schulden kom-
men lassen, welche der erhabene Schöpfer jenes Mei-
sterstücks gewiss als störend verwerfen würde. Die
herrliche Bassarie: das Volk, das im Dunkeln wan-
delt, ist tief melancholisch, und es gehört dazu eine
ernste Ruhe in der Begleitung. Händel hat hier !
daher auch nur Violinen und Bässe (aber ohne Zwei-
fel so viele tüchtige, als der Sänger erschreyen kann).
Mozart dagegen hat unbedenklich die Flöten , Clari-
uetten und Fagotts zu Hülfe genommen. Gleich im
vierten Tacte fallen sie ein, als ob jemand aufzu-
wecken wäre, brechen dann gleich ab, stellen sich
aber der betrübten Malerey wegen wieder ein, wo die
Worte : „ein grosses Licht" kommen, schweigen noch-
mals, kommen bald wieder etc. Man kann sagen
dass auch dabey wieder Mozart's Genie erkennbar
ist; aber Händeln hat er hier zu Grabe getragen
und den ganzen Charakter des Stücks aufgehoben.
Der Verfasser von: Ueber Reinheit der Ton-
kunst schreibt: Mozart's Kirchensachen, in ein rein
verliebtes leidenschaftliches Wehen ausartend, tragen
ganz und gar das Gepräge der weltlichen, der ge-
suchtesten und also der recht gemeinen Oper. (Er
will wohl nicht vom Ave verum corpus, oder vom
Requiem etc. sondern von seinen Jugendarbeiten diess
* *
gemeint haben« ■
Von einigen Mozart'schen Ciaviervariationen mit
Violine sagt man: Schwierigkeiten folgen auf Schwie-
rigkeiten und schnell beflügelte Sätze der rechten
Hand wechseln mit solchen für die linke. Das giebt
»
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*
>
I 45
* >
denn diesen Producten eine solche Einförmigkeit , das*
wenn man eins gehört hat, man beynahe alle gehört
hat« Zwar wird man diese Variationen immer gern
hören und sie als Muster und Uebungsstücke schätzen;
allein man vermisst doch in ihnen die sinnreichen
Inversionen und Nachahmungen und die in der ge-
bundenen Schreibart variirten Sätze, wodurch solche
Compositionen allein einen wahren Werth erhalten
können. Vergleiche ähnliche Arbeiten Bachs.
An anderen Orten heisst es, Mozart's Misericor-
. ' dias Domini sey nach einer gewissen Regel sehr me-
lodisch gesetzt. Der Text besteht, wenn man so sa-
I gen will, aus zwey kurzen Sätzen: Misericordias
JJojnini und Cantabo in aeternuni? im Grunde aber
nur aus Einem Satze. Man nimmt entweder das
Eine oder das Andere als den Grundgedanken. Ist's
ersteres, so muss äuch das Cantabo sich mit beugen;
ist* s Cantabo, so muss der Begeisterte auch die Barm-
herzigkeit mit in den Jubel aufnehmen. Der belieb-
ten Malerey wegen, der auch Handel manches Opfer
brachte, hat es Mozart so gemacht, dass das Miseri-
cordias Domini als Grave leise, das Cantabo in aeter-
mun aber stark und in einem frischen Fugensatze
gesungen werden soll. Ist die letzte Spindel abge-
wickelt, so kömmt wieder das Grave, und dann
wieder die Fuge.
Was immer gegen Mozart's frühere Kirchenstucke
gesagt werden mag, so sind am 15ten October 1825
zu Wien im St. Stephan und in der Hofkapelle zwey
grosse Vespern von ihm aufgeführt worden, erstere
durch Gänsbacher, welcher bezeugt, dass sie ganz
das Gepräge von Mozart's Genius tragen. Beyde sind
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aus C für vier concertirende Singstimmen, zwey
linen, Trompeten, Pauken, Orgel und Violon.
Auf eine Ciavier- Sonate mit Violine von Mo-
zart lautet das Unheil dahin : Es wäre nur zu wün-
schen gewesen, dass er sich weniger vom Modege-
scnmaclt unsers z<eitaixers lessem iiess. Hir Kann uns
stärkere Speise vorsetzen« Der zweyte Theil ist in
Vergleichung zum ersten viel zu lang. Zwar gieht
es keine bestimmte Vorschrift, aber ein Unterschied
von 3i Seiten ist kein Verhältnisse Das Adagio ist
voll sanfter Empfindung, wahrer Ausdruck schmach-
tender Liebe, und die Verwechselung der Klangge-
schlechter, die Mozart sich in diesem Satze zweymal
erlaubt, ist nicht nur ohne Harte , sondern auch von
guter Wirkung,
■
Das Grosse der Kunst.
Kein Componist der Welt, unter den Alten wie
unter den Neuen, hat das Grosse musikalisch glück-
licher dargestellt • als der mächtige, unsterbliche Re—
volutionair unserer Musik — Mozart. Was auch
dieser Strahlen werfende Genius in seiner Kunst ver-
suchte, gelang zwar frey lieh mehr oder weniger,
aber es gelang — jedoch hier, im Gebiete des Gros-
sen, des Erschütternden, ist seine eigentliche Hei-
math. Und hier verweilte er auch, war es irgend
zulässig, mit unverkennbarer Vorliebe — hier in ei-
nem Lande, wo fast immerwährende Stufen und
Erdbeben ihn selbst nothwendig früh aufreiben muss-
ten. Es haben andere vor ihm, wie Jomelli, und
noch mehre nach ihm diess Feld mit
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_
tem Glücke bearbeitet; aber keiner mit größerem,
wohl keiner mit gleichem Glücke* Und vornehmlich
bat keiner sich auf diesem Boden so innerhalb der
Grenzen des wahrhaft Schönen zu halten gewusst — *
so frey sich zu halten gewusst von allen betrachtli«*
in das Groteske, Bizarre, Widerhaarige. Man über-
sehe erst, höre dann und studire nun seine bedeu-
tenderen Werke, besonders die Ouvertüren, die Fi*
nalen und hierher gehörigen Scenen des Don Juan,
mehre Stücke des Idomeneo, besonders das erste K*
nale und die Scene Volgi intorno, das erste Finale
der Clemenza di Tito, die meisten seiner Sympho-
nieen, seine Clavierconcerte, z. B# das aus 1) l> , Chf
C#, 2*8, von welchen die ersteren posthuma sind;
dann verschiedene seiner Quartetten — man gehe
über zur Kirchenmusik, zu seinen Motetten, z. B.
zu der aus D und zum ersten Satze der aus D bf
und nun besonders zu seinem Requiem : Requiem
hat über die hier besprochene Gattung von Musik in
Absicht auf zweckmässige Anwendung der Kunstmit-
tel zugleich die schönsten Muster fiir das. was sich
nicht mehr in Worte und Rasonnement einfangen
lässt. Seine besten Nachfolger, Cherubini und Beet-
hoven, haben bisher (1805) noch nicht vermocht,
wie er, die Kunst der Natur zu bezwingen und sich
überall vor Ausschweifungen zu bewahren.
»• • • ; ■
Das Ideal.
* • • » «
Zum Erstaunen öffnete Mozart* s Zauberhand' mit
einem Male die bisher fest verschlossenen Thore.
Er war es, der alle die herrlichen Zweige des gros-
sen Baumes in ihrer eigentümlichen Form und Far- -
benpracht überschauend, diesen G esain mt ein druck in
flieh aufnahm« um als höchster schaffender Genius
alle diese Form und Farbe nur als Masse zu betrach-
ten, und daraus die erhabenen Werke zu bilden, in
denen sich die Uebereinstimmung und Harmonie aller
i
zu einem Zwecke verbundenen mannigfaltigen Xheile
in so hohem Grade vorfinden, dass nirgends eine
einseitig hervorstrebende Kraft, ein pradominirendes.
nicht aus der Urschö nheit abgeleitetes Frincip daran
nachzuweisen ist, sondern alle schöne Form. Bewe-
gung und Farbe in höchster Ruhe und Einheit ver-
schmilzt, als freyes Proddct des schaffenden Geistes«
Parallelen zwischen Mozart und Anderen.
. . Will man zwischen Mozart und seinem Zeitge-
nossen Jos. Haydn eine Parallele ziehen, so ist wohl
folgende thunlich* Wenn wir Haydn und Mozart
zusammenstellen, so zeigt uns ein erfreulicher Blick
die heüige Einheit in der individuellsten Mannigfal-
tigkeit; und die verschiedenen Verhältnisse Beyder
stören das Fortschreiten ihrer Geister nicht, wenn
wir schon in der Bestimmung des Schicksals Beyder
auf merkliche Verschiedenheiten stossen. Musik der
Väter weckte den Tonsinn der Söhne, Mozart war
der Sohn eines musikalischen Vaters; Jos. Haydn
weckten die Gesänge und Accorde der ländlichen
Cither. Der Sohn des Musikers, dessen Genie frü-
her gepflegt, sich früher entwickelte, hatte mit we-
niger Hindernissen zu kämpfen, als der Sohn des
BAdmachers Haydn, Mozart entwickelte sich früher,
i
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«
. I
N
vollendete aber auch früher. Mozarts Genius wurde
früh unter den gefälligen Musen Wiens gepflegt 5
Haydn lebte auch in Wien; aber seine Jugend ver-
wundeten die Dornen, wahrend Mozart auf ihren
Rosen gewiegt wurde. Haydn kam nie nach Italien,
wie Mozart, wohl aber in das Land des tiefsinnig-
sten Ernstes , England , wohin Mozart nicht kam.
Mozart zeigte in seinen früheren Compositionen ei-
nen düstern Ernst, strengen Contrapunct, und leicht
war' ein zweyter Seb. Bach aus ihm geworden, hät-
ten ihn nicht Wiens gefallige Musen umgeben und
Italiens Zauber - Melodieen mit ihren Blumenketten
umwunden. Aber dabey wirkte seine Kraft wohl-
thätig auf- die Ammith seiner Umgebungen, theilte
sich ihnen mit, und so ward Mozart Schöpfer jenes
neuen Styls, der italienische Anmuth mit deutscher ' >
Kraft verbindet. — Haydn's frühere Compositionen
sind melodisch, tändelnd; denn er hörte nichts als
gefallige Musik, und Porpora war ein Italiener. Die-
ser heitere melodische Genius reis'te nach England,
und dort ward er, wie Mozart im Süden, der Schöpfer 1
eines neuen Styls im Norden, der die Anmuth des
Südens mit der Kraft des Nordens vereinigte. —
Beyde bekamen ihre eigene Popularität, die sich in
dem Maximum des Idealen umarmte. Mozart gab
der südlichen Popularität nordische Gelehrsamkeit $
die Grazie seiner gefalligen Melodie umwand aber 1
der düstere Ernst der englischen Musik tiefer in
Haydn, denn er gab der nordischen Gelehrsamkeit
südliche Popularität. — In Beyden war vereint, was
sie einander zu geben schienen. Mozart suchte seine
Melodie mit der Kraft der Harmonieen zu begleiten,
4
» ■
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er gab der Anmuth des Südens die Kraft des Nor-
dens; Haydn beschenkte die Kraft des Nordens mit
südlicher Anmuth. Haydn versteckt seine tiefen
Harmonieen unter Rosen und Myrtengewinde seiner
Melodie ; Mozart drangt unaufhaltsam durch Ton-
ströme, kämpfend wie der jugendliche Held. — -
Haydn wandelt gemüthlich, wie der jugendliche
Weise, auf Blumengefilden der erquickenden Ruhe-
stätte zu; Mozart erscheint plötzlich r prächtig und
gross , majestätisch wie der Blitz oder die Sonne. —
Haydn bereitet vor, wie ein Frühlingstag aus san£-
tem Morgenlichte, und schafft sich erst rings herum
den Himmel, in dem sich seine Erwählten freuen
sollen; Mozart tritt wie ein Sohn des Lichts plötz-
lich und unerwartet unter die Sterblichen und reisst
sie mit allmächtigem Arme im unaufhaltsamen Fluge
hoch empor zum Olymp. — Haydn's Genius sucht
die Breite ; Mozart's Genie aber die Höhe und Tiefe,
— Haydn führt uns aus uns heraus ; Mozart versenkt
uns tiefer in uns selbst, und hebt uns über uns. —
Aber beyde Genien stehen kraftvoll, gleich anmu-
thig da, und wandeln so in den Schatten, wie sie
von uns ausgegangen sind. — Mozart starb in seiner
schönsten Blüthenzeit und sein Geist schuf im Ver-
scheiden noch ein vollendetes Meisterwerk des höch-
sten Ernstes; Haydn ging als ein lebenssatter Greis
von hier und schuf, als solcher, — ein Jüngling am
Geiste — eine neue Schöpfung, und einen neuen
Frühling und einen glühenden Sommer im Winter
seines Erdenlebens. — Jeder von Beyden behauptet
seine Originalität, aber Beyde sind die Schöpfer
eines cuten Geschmacks.
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Kindliche Einfalt, Naivetät, Unschuld, Bestreben
des naturgemässen Ausdrucks der Empfindung ohne
Ueberladung und Willkühr, Klarheit, Ordnung und
Verständlichkeit machen die Lichtseite — Einförmig-
keit, Steifheit, methodische Leere und Trockenheit
aber die Schattenseite der Tonkunst vor Haydn aus.
Er schliesst sich durch seine musikalische Ordnungs-
liebe, durch das Methodische und Planmässige seiner
Werke, welche — die früheren vorzüglich — oft
sogar den Anschein eines bestimmten Zuschnitts ha-
ben, und durch die kindliche Einfalt seiner Melo-
dieen an die beschriebene Periode an. Aber durch
den Reichthum seiner Gedanken, durch die uner-
schöpfliche Gewandtheit in der Ausführung dersel-
ben und in dem Gebrauche der Instrumente kann
er als Stifter einer neuen musikalischen Epoche an-
gesehen werden. Sein scherzendes, humoristisches
Wesen verlor bey allen Spielen seines Geistes nie
den entworfenen Plan aus den Augen. — Mozart
nahm noch einen kühnern Flug 5 bey ihm schimmert
nie oder nur höchst selten die Reflexion über seine
Werke hervor, welche in Haydn's Werken von
dem erfahrnen Kenner grösstenteils wahrgenommen
werden kann; und doch bleibt auch Mozart darin
höchst bewundernswürdig und im Ganzen unüber-
troffen, dass bey dem freyesten Gange seiner Ton-
weisen und bey der Ueppigkfeit und Fülle seiner
Harmonieen dennoch nie ein Mangel an Zusammen-
hang oder eine gesuchte willkührliche Verbindung,
nie eine grelle Modulation, stets die tiefste seelen-
vollste Verkettung musikalischer Gedanken wahrge-
nommen wird. Seine Producte sind wahrhaft orga-
nisch zu nennen , indem sich alles Einzelne in ihnen
mit Noth wendigkeit aus dem Ganzen entwickelt;
und doch zeigen sie die Freyheit jedes wahren Kunst-
werkes. Sie sind die Erzeugnisse eines tiefsinnigen
Geistes, und. doch verräth Nichts ihr Entstehen;
man lebt, denselben hingegeben, in einer eigenen un-
sichtbaren Welt, und nur das Wiedereintreffen der
Gedanken in die Wirklichkeit nach dem Verschwin-
den seiner Töne erinnert an den Künstler und die
Kunst.
■
Scheint uns in Haydn's Werken die Phantasie
dem Verstände noch unterworfen, so stehen beyde
in Mozart's Tonstücken in so unauflöslicher Verbin-
■
dung, dass sie fast nirgends einzeln und getrennt
erscheinen.
Haydn und Mozart haben auch das mit einander
gemein, dass auch nicht das unbedeutendste Denkmal
ihre Grabstätten anzeigt — in dem Wien, in dem
sie, der Stolz der deutschen Musik durch die ganze
gebildete Welt, gelebt, gesungen, gestorben, sie,
ehemals das Eigenthum dieser Kaiserstadt, wodurch
sie ihre grosse Celebrität in Ansehung auf Musik er-
reicht hat.
Beyde haben in mehren ihrer Quartetten zuerst
die gewöhnliche und auf die Stufenfolge menschli-
cher Empfindung consequent und gut berechnete,
mithin der Wirkung auf das Gemüth sehr vortheil-
hafte Reihe der Sätze in so fern abgeändert, dass
sie das Scherzando oder die humoristiche sogenannte
Menuett nicht nach dem Andante folgen, sondern
ihm vorgehen Lessen. Diesaf wird jetzt zuweilen
• ■
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selbst bey Symphonieen (wo jene, wohl bedacht, es
• * I 9
^niemals thaten) keinesweges verstandig nachgeahmt.
r
Man thut es schon, an die Absichten jener Manner
zu denken, ja nicht selten offenbar denselben ent-
gegen. — Der psychologische örundriss eines Quar- „
tetts im Ganzen seiner Sätze ist: Erstes Allegro,
Andante oder Adagio, Scherzando etc. Nun schrei-
ben aber jene Meister ihre Sätze nicht selten, ohne
vom Hauptcharakter derselben abzuweichen, doch
sehr ernst, in einfach edlen künstlerischen Verhält-
nissen, für ein sehr gemässigtes, wenigstens nicht
rasches, nicht Siegendes Tempo und auch lang: da,
fühlten sienun, konnte das Andante, das sich jenem
Satze, in der Empfindung wie in der Ausarbeitung,
nun einigermaasseri nähert, nicht vollgültig wirken.
Es musste erst etwas lebhaft Reizendes , etwas Feuri-
ges folgen, um dann durch Contrast das Andante
zu heben und den Zuhörer fähig zu machen, es naeh
"Wunsch aufzunehmen: und darum nahmen sie das
Scherzando vor, wodurch sie ihren Zweck erreichten.
Hingegen nach einem heitern, raschen und glänzen-
den, feurigen ersten Allegro macht das Andante in
unmittelbarer Folge gerade den schönsten Effect, und
das Scherzando darnach ebenfalls. ' '
Jene grossen Männer wurden wahrscheinlich, wie
alle genialen Erfinder, mehr durch ihren innern Sinn
als durch Reflexion auf jenen Gedanken gebracht und
in der Anwendung desselben dahin gebracht, fast
ohne alle Ausnahme auch hier das Rechte zu treffen»' *
Den Nachfolgern liegt es ob, sich über das Warum
ins Klare zu setzen und nur in denselben Fällen ih-
ren Abweichungen zu folgen. ;*
54
Gleich merkwürdig sind Mozart und Haydn
gen der Lauterkeit und Deutlichkeit ihres Styl« und
der auserlesenen Anordnung ihrer musikalischen Pe-
rioden. Der erste schien wegen seiner umfassenden
Manier und Kenntniss 'des Effects, der andere in
P
Fi
Ausdruck ausgezeichneter zu seyn. ■
Was Haydn und Mozart (später Beethoven und
Romberg) in der Gattung der Symphonieen geleistet,
und die Höhe, worauf diese Meister sie erhoben ha-
ben, macht es, man sollte fast glauben, (wenigstens
in der Form) beynahe unmöglich, noch etwas durch-
aus Neues auf diesem Felde der Composition zu er-
zeugen. In der gegenwartigen Form, welche die
Symphonieen (als Gattung überhaupt) nach und nach
durch jene Meister erhalten hat, scheinen diese Alles
erschöpft zu\ haben, was erforderlich ist, um sie als
die vollendetste darzustellen.
Haydn und Mozart wagten es zuerst, bey äus-
serst leidenschaftlichen Stellen den Orgelpunct in die
Höhe zu verlegen. Haydn brachte in einer seiner
neusten (1798) und schönsten Symphonie aus C in
den Schlusssatz eine Fuge; auch Mozart that diess
früher in seiner furchtbaren Symphonie aus C8 mit
der Schlussfuge, worin er es bekanntlich ein wenig
arg macht, ^ber wie thaten diese Meister daa? —
Nun kam der Schweif des Löwen. Warum setzen
die meisten modernsten Componisten die Hörner,
offenbar ihrer Natur und eigentümlichen Schönheit
zuwider, Trompetenmässig, die Trompeten nicht
selten, ebenfalls ihrer Natur zuwider, Hornmassig?
Auch hier sind die Duces gregis, Mozart öfterer,
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6-5
1
Haydn seltener, vorangegangen; aber muss man denn
gerade Alles blind nachahmen, oder vielmehr plump
nachmachen? Und dann — wo haben jene Männer
es gethan? wo es besonders frappiren sollte und
musste. , i
Zur Instrumentalmusik gehört viele Phantasie
und Eigenheit. Nachdem Haydn und Mozart eine
Kunst erschaffen und auch gleich auf den höchsten
Gipfel geführt haben, wie sie weder das Alterthum
noch irgend] eine Zeit gekannt, reicht Studium und
Talent zur Melodie nicht mehr hin, um etwas Be-
deutendes und Grosses in der Instrumentalmusik zu
liefern.
. • Wo anders lies't man sogar von einem Feinde
Mozart's: Haydn erschuf das Quartett aus der hel-
len reinen Quelle seiner lieblichen originellen Natur.
An Naivetat und heiterer Laune bleibt er daher
auch immer der Einzige. Mozart's kräftigere Natur
und reichere Phantasie griff weiter um sich und
sprach in manchem Satze das Höchste und Tiefste
seines innern Wesens aus: er war auch selbst mehr
executirender Virtuose und muthete daher den Spie-
lern weit mehr zu; setzte auch mehr Werth in
künstlich durchgeführte Arbeit und bauete so auf
Haydns lieblich phantastisches Gartenhaus seinen
Pallast.
0
Mozart und Beethoven — der Tag und die NachU
Es hat mich lange beunruhigt, dass ich so oft einen
Widerspruch in mir wahrzunehmen glaubte, wenn
ich anerkennen müsste, dass so Vieles in Mozart so
viel vollkommener sey als in Beethoven, und dass
der letzte mich dennoch wunderbarer — und tiefer
i
• ••
»
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56
ergriffe. Endlich fand ich im Verhältnisse des Ta-
ges zur Nacht eine ganz ähnliche geheimnissvolle
Erscheinung; denn wir müssen Alle anerkennen, *
dass der Tag in seiner leuchtenden Klarheit, in der
tausendfältigen Entwickelüng aller Gegenstände der
Natur, reicher .und vollkomj melier ist, als die Nacht.
Aber dennoch bleibt dem königlichen Herrscher ein
gewisses Gebiet der Ahnung ganz verschlossen, und
wir können es eben so gut begreifen, wie wir die
Majestät des Tages anerkennen, dass der Dichter
mit Recht unmuthig ausruft: „Dein allleuchtender
Tag, Phöbos, ist mir verhasst," oder dass sich ein
Anderer über „die gemeine Deutlichkeit der Dinge"
verächtlich äussert. Der Tag erreicht das höchste
Ziel der Wonne, was in der Befriedigung liegen
kann; die Nacht dagegen strebt nach dem,~ was nur
im Wunsche und in der Ahnung empfunden wird,
also nach einem Unendlichen. Und daran« entwickeln
sich alle Erscheinungen, die durch Tag oder Nacht
hervorgebracht werden. Der Tag gebiert die Ruhe,
die Freude, die Lust, die Sicherheit seiner selbst,
das Glück 5 denn er nährt sich von dem himmlischen
Lichte der Sonne. Die Nacht dagegen erzeugt Ban-
gigkeit, Wehmuth, Sehnsucht, verlangende hei sse
Liebe, Ahnung und Drang nach dem Höchsten, nach
dem Unerreichbaren 5 denn kein Licht erhellt sie,
aber jenseits der Fiusterniss strahlen dem Hoffenden
die ewigen Sterne, die mächtigeren Sonnen einer an-
dern, aber fernen, unerreichbaren Welt. — Mozart,
strahlender Söhnengott der Kunst, der Pu uns mit
Wanne, Leben und Wonne durchdringst, erfülle
mich mit Deinem in göttlicher Freude schwelgenden
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I
Geiste, wenn ich Von Dir reden will! Wer tör
hiublicken , entzückt uns der harmonische Geist de*
Ordnung des Beherrschers, der in allen Deinen
Schöpfungen waltet. Alles dient dem Ganzen und
ist darin gross, und doch hat es eigene herrliche Be-
deutung« — Don Juan mit allen seinen Schauem und
Schrecken ist in der That ein Werk, das mehr tlero
' Tage, als der Nacht angehört. In die furchtbare* ent4
Setzliche Geheimnisse bewahrende, Introduction fallt
• * ..."
doch einiges Tageslicht. Sie gleicht einem durch Ge-
wi U er wölken schwarz und dräuend verhangenen Mor*
gen, der aber mehr und mehr die feindlichen Gewalten
besiegt. Plötzlich bricht der Feudrstrom der Sonne
durch die zerreissenden Wolken und das Leben liegt
vor uns in üppiger Herrlichkeit und Fülle und Kunst, .
schäumend und gewaltig, wie ein vollendeter Gebirgs-
strom. Doch ist dieses Werk das mächtigste von
allem, was Mozart je geschrieben. Der Schmerz der
^Anna geht in jene Welt hinüber und richtet '«ich
aus der Nacht nach den Sternen hinauf. — Hier
berühren sich beyde Meister. — Wie heilige Dämme-
rung noch das verglimmernde Sonnenlicht und zu-
gleich schon die blinkenden bleichen Gestirne zeigt,
so haben beyde ein gemeinschaftliches Element, darin
schmelzen sich WehmUth und Lust so wunderbar
zusammen, dass das Ganze sich selbst nicht mehr
kennt. Mit der einen Hand bieten wir der Nacht
den Gruss des Willkommens, die andere drückt uns
noch der schmerzlich Abschied nehmende Tag, und
III, ^ll^^S^?Hl .1 0 TT1 H t ^? ^ ^/^^^ ^91^5 UUS B^J^^^l^? SO tl^^^*1*
vten, erkennen wir sie als verwandte Geschwister. —
Beethovens dämmernd hinaufsteigende Nacht ist Mo-
0
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w
* I I
zarfs wehmüthig sinkender Tag; seine Abend roifu?
ist Beethovens Morgenröthe, die aber nicht den Tag,
sondern die Nacht verkündet. Beethoven steigt da-
her in seinen hellsten Momenten nur bis zu der Zeit
hinan,: wo der erste entzündende Morgenstrahl des
Lichts am hohen Berggipfel glänzt, während Mozart
in seiner düstersten Tiefe doch immer noch einen
Strahl des versinkenden Tags in das bange Herz
fallen lässt. So das ewige Requiem; denn auch in
dieser Musik erbleicht ihm die Sonne unseres Tages,
und durch die: dämmernde Nacht leuchten ihm schon
die Gestirne des Jenseit und durchdringen das Ganze
mit göttlicher Ahnung. Darum fasst es die Seele so
wunderbar und erhebt sie, ohnehin sie zu beruhi-
gen, und tröstet sie, ohne ihr den Schmerz zu neh-
men. Leben und Tod ringen noch; das Himmlische
wird aber schon geahnet, empfunden ; das Leben halt
uns noch mit Liebe; es ist verklärender Todeskampf.
t— Ja der Sonnenaufgang, das Jenseit ist nahe. Die
Nacht des tiefen, dunkeln Grabes wird durch rosige
Üchtwolken dämmernd erleuchtet. Noch liegen die
Todten in der GrufFt; die Posaune des Gerichts don-
nert sie in dem erhabenen Tuba nurum auf; halb
sind ihre Sinne noch irrdisch, schwer; aber in äus-
s erster verschwebender Ferne vernehmen sie schon
*
den süssen Laut der Encelstumnen; das Benedictas
tönt herüber, wie wenn es die verklärte Cäcilie
selbst seegnend hinhauchte. — Fürwahr, es bricht
wirklich schon der Tag jener Welt herein, und hier
geht der Meister weiter in der Ahnung-, als Beetho-
ven, dem nur die Sterne des Jenseit leuchten, da
die Mozart'sche Nacht wenigstens durch eine Mond-
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f
59 '
-
•
morgenrothe erhellt wird, — Der wunderbare Ge-
nius stand,, als er diess Werk erschuf, schon in je-
ner Welt; sie erschien ihm wie ein Traum,, der
aber schnell bey dem Entstehen verschwindet. Beetho-
vens ganzes Leben hingegen bewegt sich in dieser
göttlichen Ahnung; und eben darum muss er cjer
irrdischen Wirklichkeit so ganz fremd seyn. Denn
er hat Nichts von dieser Erde, als den Staub, äer
seinen Leib bildet« Sein erhabener Geist lässt ihn
nie sich zur irrdischen Tiefe, hinunterbeugen. Die
Gewalt des leuchtenden, siegenden, triumphirenden
Tages, die in. Mozart wohnt, ist in keinem Werke
so allmächtig, als in der Symphonie C Jf. Schon der
erste Satz, obschon vielleicht der schwächste, ist ein
herrlicher Sonnentag mit blauem wolkenlosem HimmeL
Im Adagio umfangt uns die geheimnissvolle Nacht
des Waldes; Sonne und Himmel äugeln freundlich
in die duftige Dämmerung hinein ; die Waldwässer
rauschen leise schauerlich neben uns« Plötzlich deckt
eine Wolke Phöbus leichten Schil4, düstere bange
Nacht droht uns zu begraben — da bricht das seelig
wonnevolle Thema wie Sonnenstrahl durch die Ge-
wölke und der goldene belebende Strom des Lichta
dringt mit erquickender Wärme ins Herz« Aber
vollends der Schlusssatz! diess ist ein Feyertag der
Welt, ein Sonnenaufgang über weiten Wassern, wo
Himmel und Erde in zurück strahlender herrlicher
Verdoppelung erscheinen« Mit leichter Anmuth ent-
falten sich die ungeheuersten Kräfte, die vier Ele-
mente der Themate bauen eine Welt aus ihren ein-
fachen Grundstoffen auf Himmel, Erde, Meer und
Sonne, die erhabensten Gedanken des Weltall'*, die
* •
■
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ungeheuersten Urmotive desselben y sind hier in sol-
cher Uetiereinstimmnng und Harmonie gehalten, dass
das Ganze leicht wie der Erguss des flüchtigen Au-
genblicks vor uns 'stellt. Spielend stand dem Mei-
ster das Gewaltigste zu Gebote, wie •ein Gott den
Riesenschwung der Planeten um die Sonne zu einem
Hahlen Tariz flammender Steme macht. — Das ist
.aber die Tagesklarheit, die uns so vertraut mit dein
fjebergrossen macht, indem sie es uns in seinem har-
monischen Gteichgewiohte darstellt, welches, indem
es alle ungeheueren Kräfte gegen einander abwägt*
immer in ruhiger Anmuth bleibt. Wie dage-
gegen die Nacht geringe Gegenstände zu einer er-
grabenen schauerlichen Grösse erheben kann, so weiss
4er unendlich tief schaffende Genius Beethoven'* aus
einem Senfkorn einen Riesenbaum zu entwickeln.
Man denke an die Symphonie C*, wie die kleine
schmerzlich hingehauchte Figur aus zwey Tönen un-
ter der erzeugenden Kraft des Meisters zu ungeheu-
rer jtraft emporschwillt und als donnernder Wald-
stjom zuletzt den Hörer auf unerbittlichen Wogen
dahinreisst. Anfangs ist's >ein leiser Luftzug, der
durch die Wipfel der Bäume malerisch streift und
sie im blossen Strahle des versinkenden Mondes leicht
bewegt; aber die Schwingen wachsen ihm gewaltig
und plötzlich brausst es als Orcan durch den Wald,
dass die alten Stämme scheu und bebend die Häup- r
ter gegen einander drängen und die stolzen Kronen
furchtsam beugen. Aber noch soll die Vernichtung
des jüngsten Gerichts nicht hereinbrechen ; wie eine
zauberische Elfenkönigin tritt die melodische Grazie
weder ein und beruhigt schmeichelnd den empörten
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I
61
^M a | ^^M— MT¥
Sturm; LeucoLhea, die selige, welche das wild geho-
bene Meer wieder zum heitern Spiegel des Himmels
und der tröstenden Gestirne ebnet« Leicht, ätherisch
schwebend wiegt sie sicJi im Glänze des Mondes
dahin, und unser Herz folgt ihr mit unendlicher
Sehnsucht und Wehmuth; sie ist uns eine Geliebte,
von der uns dieKlufft des Lebens weit unerreichbar
scheidet, — Wahrlich , kein Meister vermag das
Geheiinniss der Liebe so ergreifend in Tönen auszu-
drücken, als Beethoven, wie je aber auch die Nacht
die Sehnsucht eines liebenden Herzens in die heftig-
ste Wallung bringt. Wo ist eine süssere, seligere
Nacht der Liebe, die nur im Uebermaass ihrer Ent-
zückung wieder ihren Schmerz erzeugt, geschildert,
als in der Adelaide? Senkt sich nicht der ganze ,
wunderbare Hauch einer südlichen Nacht auf uns
nieder? Hören wir nicht die Klage der Nachtigall?
Rauscht die Welle nicht melodisch unserm Ohr ent- •
gegen? Lächeln nicht aus dem dunkeln Blau des
Himmels ewige Sterne liebevoll herab? Und durch-
schauen wir nicht den Garten der Geliebten, die
wir in jenem fernschimmernden Marmorschlosse süss
ruhend wissen, ja, die von uns träumt? — Wahr-
lieh, dabey werden wir erst unseres eigenen Herzeus
bewusstj wer nie geliebt hat, erkennt daraus die Se-
ligkeit der Liebe.
Vielfältig hat man auch Parallelen gezogen zwi-
schen Tonhänstlern und Malern, und hierin hat man
Mozart verschieden verglichen. In dieser Beziehung
behaupten Manche, dass, gleich grossen Malern, in
Mozart's Erfindung poetischer und artistischer Reich-
thum, unerschöpflicher Reichthum und Glück, und
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62
er in seiner Ausführung bey weitem am glücklich-
sten in dem sey, was gross und prachtig, nicht so
auf dem Reinen in dem, was erhaben ist.
Carpani, der eine Vergleichung zwischen vielen
Tonsetzern und vielen Malern angestellt hat, nennt
unsern Mozart den Giulio Romano in der Musik.
Wo anders wird behauptet : Gleichwie Raphael
Sanzio's einfache Grösse — Trockenheit, Kälte, stör-
rige Reizlosigkeit eine Zeit lang in die romanische,
Correggio's Farbenzauber leere Farbenspielerey , ge-
zierte Licht- und Schattentandeley eine Zeit lang in
die lombardische Schule brachte, so hat auch Mozart
im Ganzen mehr üebles als Gutes in seiner Schule
veranlasst.
Der Vater Mozart's pflegte zu sagen: sein Sohn
sey das in der Tonkunst, was Klopstoci unter den
Dichtern.
Man hat an Shakespeare gerühmt, und man kann
es eben sowohl an Mozart, dass ihre Kunstschöpfun-
gen auch auf das Volk Kind ruck machen, dass sie
auch den Ungebildeten Freude und Ergötzung ge-
wahren. Von Mozart's grösseren Werken hat wohl
nur die Zauberflöte wegen ihrer durch die meisten
Parthieen verstreuten Anmuth , die die höchste Pracht
gleichsam schonend verschweigt, allgemein gefallen.
Den Don Juan ganz zu gemessen, ist schon mehr
vonnöthen, aber man geniesst ihn wie den Hamlet,
Macbeth, Romeo; man ahnet dunkel die lebendige
Grösse, die göttliche Kraft, mit der hier die Gei-
sterwelt in die irdische tritt, um sie zu zerstören.
Idomeneo, Cosi fan tutte und Figaro haben dem
.Volke nie ganz behagen können, so wie Göthe's
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I
I
Tasso, Iphigenie, Egmont und Claudine von Villa-
belhu
Auch das Wunderbare wird in Shakespeare fast
immer musikalisch vorbereitet, und dieses Dichters
Geister sind gleichsam umgeben von seltsamen Tö-
nen, durch die sie von der lebendigen "Welt geschie-
den werden, und die selbst zu dem nüchternsten Ge-
müthe mit jenem süssen Schauder reden, den ausser
ihm noch Niemand hervor zu rufen vermochte, als
Mozart im Don Juan. Mozart ist denn auch der
Einzige unter allen modernen Künstlern, der eine
Vergleichung leidet mit Shakespeare. In ihnen Bey-
den erscheint uns das allseitige Leben in jenem war-
men Glänze, der sich Niemanden beschreiben lässt,
der ihn nicht selbst zu erblicken vermag; in ihnen
Beyden ist kein Streit mehr zwischen dem Ideellen
und Reellen, dem Intensiven und Extensiven, die
hier in sicherster Vereinigung ruhen ; in ihnen über-
haupt ist von keinem Kampfe mehr die Rede, son-
dern wir erblicken nur die stille, ewig siegende Ge-
walt, die in sich selbst beschlossen ist, da sie das
Uebersinnliche ergriffen hat. Sie ist bestimmt, be-
grenzt durch sich selbst, wodurch das Unendliche
eine Erscheinung wird für die Phantasie. Das Ver-
mögen dieser bestimmten sichern Begrenzung bey
dieser Ansicht ist nur Mozart's und Shakespeare'«
Eigenthum.
Die Vorwürfe, die man dem grossen Britten ge-
macht hat, sind auch dem edlen deutschen Künstler
zu Theil geworden. Das Komische und Tragische,
t sagt man von Shakespeare, liegt in seinen Werken
auf eine seltsame Art durch einander geworfen, und
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eben dieselbe Person, die una durch die ruhrende
Sprache der Natur Thränen in die Augen gelockt
hat, macht uns in wenig Augenblicken darauf durch
einen bizarren Einfall oder barocken Ausdruck ihrer
Empfindungen zu lachen, oder kühlt uns doch der-
gestalt ab, dass es dem Dichter hernach sehr schwer
wird, uns wieder in die Fassung zu setzen, in der
* er uns haben- möchte. Göthe hat Shakespeare ge-
rechtfertigt. Nur 4 von Mozart, der doch so ganz ei-
nig ist mit dem ersten der modernen Dichter, weil
er der erste Musiker ist, dauert das Urtheil fort:
selbst geistvolle Verehrer seines Genie's sprechen ihn
nicht frey von dieser Vermischung des Tragischen
und Komischen. Allein hier ist's gerade, wo sie
irren, denn es ist nicht das Tragische und Komische,
welches er zusammenstellt, sondern das Romantische
' mit der Parodie desselben, so wie diess auch bey
Shakespeare der Fall ist, der nicht eigentlich Tra-
gödien und Komödien, sondern romantische Dramen
schrieb. Kurz, Shakespeare wird im Mozart ange-
troffen.
■ *
Mozart und Shakespeare kommen auch darin
uberein, dass sie die einzigen Künstler sind, die dem
Sinne des Zuschauers einen Geist erscheinen lassen
können, an dessen Unbegreiflichkeit das Gemüth zu
glauben gezwungen wird. Auch ist's gerade das Be-
greifen dieser Uiibegreiflichkeit allein, das uns mit
jenem süssen Schauer erfüllt, wenn die dunkle Ge-
stalt des dänischen Königs über die Bühne schreitet.
i Wir fühlen bestimmt, dass keine eiuzelne Function
hinreichend war, um diesen Geist hervor zu rufen,
und auch der nüchternste Mensch nimmt hier den
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r - , r
6.5
— — ,
■ einseitig klügelnden Verstand gefangen; damit er
nicht die reine RecepUvität des Gemiiths störe. Doch
fast noch allmächtiger wird der Geist des Gouver-
neurs im Don Juan wirken müssen, denn von ihm
ist selbst die Sprache entfernt worden, durch welche
Hamlets Geist uns näher befreundet wird. Jenen
umgiebt eine Musik, für die die Sprache kein Wort
zu sagen vermag, ausser dass sie keines für sie habe.
Diese Töne des finstern Wesens sind durchaus grell
geschieden von denen , die das klare Leben bezeich-
nen, auch wenn es, wie bey den meisten Personen
•
dieser Oper, schon im Sinken ist. In der That,
man dürfte den, der an dem Satze zweifelt, dass
• die Kunst die Darstellung des Unendlichen im End-
lichen sey, nur in diese Oper führen, und er wird
von der Wahrheit jenes Princips überzeugt werden
müssen« Somit sind Shakespeare und Mozart die ,
einzigen Künstler, die Geister auftreten zu lassen
im Stande sind, welche sich wirklich als Geisler
geriren.
Tiefe, kühne, glückliche Griffe ins menschliche
Herz und lebhafte Darstellung der Affecten sind ihnen.
Beyden gemeinschaftlich. Eben so der Hang und das
Talent zum Grotesken , sowohl im Tragischen als im
Komischen» Beyde trifft der Vorwurf einer gewissen
Gleichgültigkeit gegen alte Kunstregeln: bey Shake-
speare gegen die poetische Einheit, bey Mozart ge-
gen den reinen Satz. Beyde hatten tiefes ästhetisches
Gefühl, ohne ganz geläuterten Geschmack, aus Man-
gel wissenschaftlicher Bildung. Daher die öftere
Verletzung des Schicklichen bey Shakespeare durch
Anachronismen und Gräuelscenen, bey Mozart durch
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. . . Digitized by Google
die häufigen Contraste des Komischen mit dem Tra-
gischen und durch bizarre Tongänge. Indessen war
hieran ihr Publicum auch nicht wenig schuld. Da-
gegen unterdrückt Shakespeare wieder die Stimme
der Kritik durch frappante Situationen, und Mozart
durch frappante Modulationen«
Verstümmelungen und Ausscheidungen hat sich
Shakespeare in Frankreich müssen gefallen lassen:
und eben so ist auch die Zauberflöte daselbst ver-
stümmelt und zerrissen worden. Bey der Zauber-
flöte war indess der innere Zusammenhang der ein-
zelnen Theile so klar und in die Augen leuchtend,
dass es in der That von jenem unberufenen Umar-
beiter eine arge ästhetische Myopie voraussetzt, die,
so lange sie noch nicht durch gute Hülfe von aussen
her den organischen Zusammenhang und die techni-
sehe Untheilbarkeit eines Kunstwerkes zu entdecken
• «
im Stande ist, es nicht wagen sollte, über bedeu-
tende Compositionen deutscher Meister, viel weniger ^
über die eines Mozart zu urtheilen.
MozarVs Opern überhaupt.
Es mag wohl mancher schätzungswerthe Com- -
ponist über die Wahl der Texte, welche Mozart
zum Behufe seiner Compositionen getroffen , mitlei-
dig gelächelt haben. Mozart hat eine Zaubernöte,
einen Don Juan in Musik setzen können: würde er
auch den französischen Tarare componirt haben?
worauf aus innigster Ueberzeugung Nein zu antwor-
ten ist. Ein Componist von Talent und Genie, oder
der, der Beydes und die Natur der Musik nicht
muthwillig verkennt, kann unmöglich von dem
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Beaumarchais'schen Pasquinaden - Witze begeistert
werden«
Bey Betrachtung der Mozart'schett Opern lasst
matt sich gewöhnlich zu sehr von den grossen her*
vorragenden Hauptmassen hinreissen$ matt lasst die
Detail- Schönheiten , in denett doch unendlich mehr
des Verdienstes, der Gelstesgrösse und der Schöpfer-
kraft liegt, zu sehr ausser Acht« Aber der gebilde-
tere Theil des Publicüms sollte nicht Schönheitert
tibersehen, die nur diesem grossen Künstler eigen
sind. Don Juan wird stets als sein gross tes Meister-
werk angegeben« Nach der gewöhnlichen Art zu
urth eilen, ist diess natürlich! die Handlung vertragt
eine Menge imponirender, stark erschütternder Stel-
len* die um so starker wirken, als sie leicht deut-
lich gefasst werden können. — Was den meisten
Menschen entgeht, ist die fein gefühlte Charakteri-
stik, nicht allein der einzelnen Personen« sondern
der ganzen Handlung einer jeden Oper«
Im Doti Juan ist Mischung Von Erhabenheit und
Leichtsinn $ im Figaro die joviale Haltung des Gan-
zen 5 in "der Zauberflöte Munterkeit mit Würde und
feyerlichem Ernste gepaart; in Cosl fait tutte die
sanften Halbtintett der feineren Weltverhältnisse«
diese süsse Schwärmerey, die von der Ouvertüre bis
zum letzten Accorde das schönste, in allen Th eilen
harmonischste Ganze ausmachen, das je ein Künstler
hervorzubringen vermochte $ in der Entführung aus
dem Serail diese National -Charakteristik irt der er-
habensten Darstellung — was überhaupt ein Vorzug
Mozart's und nur bey ihm in dieser Grösse anzu-
treffen ist: diese Einheit des Charakters« — Wenn
5* '
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nun aber ein Jedes seiner theatralischen Werke das
grosse und seltene Verdienst der Einheit und Cha-
rakteristik, das Gepräge des feinsten Menschenken-
ners an seiner Stime trägt, welchem soll ich den
Vorzug geben? Wollte man aus dem Inhalte seiner
Opern oder dessen Behandlung von Seiten des Dich-
ters einen Vorzug herleiten — ist mehr Abwechse-
lung der Situationen in einer dieser Geburten des
Aberwitzes, was kömmt Mozart dabey zu Schulden,
oder was hat er hier für Verdienst dabey? Daher
gefallt mir von Mozart's Opern am besten diejenige,
die ich zuletzt höre.
<
Zwar behauptet ein Theil, dass Mozart ein gros-
serer Instrumental- als Singcomponist gewesen sey,
und er hätte oft die Worte nur mit glücklichen und
angenehmen Instrumental -Sätzen bekleidet* Allein,
wenn auch diess bisweilen der Fall ist, so ist es
doch unleugbar, dass in Ansehung des Ausdruckes
und dessen, was grosse prächtige Wirkung hervor-
bringen muss, Mozart immer Muster bleibt. Er be-
saass eine grenzenlose Phantasie: von ihrem Strome
hingerissen, sali er nur auf das grosse Ganze, und so
entstanden oft bey der Ausführung für einzelne In-
strumente beynah unausführbare Schwierigkeiten«
Sevelinges sagt: von der einfachen Romanze bis
zur lyrischen Tragödie, von dem Walzer bis xur
Symphonie wird Mozart stets als derselbe, immer
gleich gross gefunden. Nie ging er in Augenblicken
der Begeisterung zum Claviere: so wie er die Feder
ergriffen hatte, schrieb er schnell fort, dass es ei-
ner Uebereilung gleich sah. Das ganze Stück wurde
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69
Empfangen, durchdacht und gereift in «einem Kop
während er die Noten zu Papier brachte.
Bey Mozart hält die reiche Instrumentirung die
Hauptideen desto enger zusammen, und lässt diese
desto kleiner hervortreten} auch weiss er zu rechter
Zeit aufzuhören, und sagt nicht Alles über ein The-
ma, was er wohl hätte sagen können*.
Mozart erhebt durch seine Opern die Tonkunst
zur höchsten Höhe und zeigt sie in ihrer höchsten
Mannigfaltigkeit. Es scheint in denselben Alles so
natürlich aufgefasst, dass wir uns manche wesentliche
Verbindung zwischen der Musik und dem Gedichte
vorstellen können, bis wir das Daseyn einer solchen
Verbindung dadurch widerlegt finden, dass der Cora-
ponist die nämlichen Melodieen auf verschiedene
Texte anwendet, und überall damit dieselbe natür-
liehe Wirkung hervorbringt*
Wenn die Vocalmusik , nach d'Alembert, Nichts
ist, als eine Uebersetzung der Worte, auf welche
man den Gesang schreibt, so folgt, dass diejenige
Vocalmusik die schlechteste ist, die sich am weite-
sten von diesem Begriffe entfernt — und so grau-
sam wird man gewiss nie einen Mozart lästern wol- '
len — Mozart, gleich Raphael, den Seelenmaler, den
Dolmetscher der innersten geheimsten Empfindungen,
der den Accent jeder Leidenschaft so sehr in seiner
Gewalt hatte, dass, fände man seine Gesänge, zu- •
mal die dramatischen, ohne Text, jeder richtig Füh-
lende dieselben Worte darunter schreiben würde,
auf welche die Musik gesetzt war.
Der grosse Vereinigungspunct aller Style in der
Musik fand sich in den Werken Händeis. Manche
;
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TO
derselben sind in der That merkwürdiger für scien-
tifische Composition nnd sinnreiche Erfindung, als
für Einfachheit der Wirkung. Er liebte die nach-
ahmende Begleitung. Der Geschmack der spateren
Meister war mit diesem Style sparsamer. Unter
. diesen wird Mozart'« Name ewig als einer der an-
gesehensten stehen, da er, mit nicht minderer Strenge
als Händel und Andere, aber mit einem fruchtbarem,
unbeschränktem Genie aus gediegenen und edlen
Stoffen die grösste Neuheit und Mannigfaltigkeit der
Effecte hervorzubringen verstand. Alle Vorzüge der
neueren und älteren Schulen sind in ihm vereint«
Unter den Operntexten wählte Mozart nur der
Musik wahrhaft zusagende Gedichte zu seinen klassi-
schen Opern, so paradox diess auch Manchem schei-
nen mag. Es ist übrigens ja Erfahrung, dass die
poetischsten Componisten sogar herzlich schlechte
Verse gar herrlich in Musik setzten. Da war es aber
der wahrhaft opernmässige romantische Stoff, der sie
begeisterte, wovon die Zauberflöte ein Beyspiel seyn
kann. Obiges gilt nun z. B. von Cosl fan tutte, weil
(d in die Musik kann das Komische in allen seinen
Nuancen ausdrücken) in dieser der Ausdruck der
ergötzlichsten Ironie liegt. — Figaro's Hochzeit ist
mehr Scliauspiel mit Gesang, als wahre Oper.
In der Behandlung der Geister hat sich Mozart
in aeinen Opern unübertrefflich gezeigt. Er lässt
nämlich den Geist im zweyten Acte des Don Juan
eine Melodie in fremden Intervallen und langen No-
ten , in feyerlichem Tempo und mit schauerlichem
Accompagnement singen: er bietet allen Reicbthum
ri
' - — — —
• • • • *
«eines Genie1 s, und alle, auch die liefer verborgenen
Schätze der Harmonie auf, um Schauder zu erregen :
lasst den, welcher dem Gange seiner zusammenge-
pressten Ideen folgen und sich nur dem Total -Ein-
drucke überlassen will, unter deren Fülle, Kraft
und Menge fast erliegen — und erreicht seinen Zweck t
, vollkommen*
Da in der Oper der Gesang (ordentliche Melo-
die mit Harmonie verbunden) Natur ist, so hat Mo-
zart seinen Geist natürlich, also, menschlich zu spre-
chen, wie einen Menschen behandelt« Gebe man
den Gesang des Geistes einem erhabenen Menschen,
z.'B. einem würdigen Alten, und man findet nichts
Anstössiges, nichts befremdendes. In der That hat
auch ein steinerner Mann, der erst hübsch anklopft,
dann zu Tische kömmt und einem Lüstlinge die Buss-
predigt hält, etwas sehr Menschliches. Nur durch
die Hoheit der musikalischen Ideen und die Summe
der vereinigten Mittel der Musik hebt Mozart seinen
Erscheinenden vor den übrigen Personen heraus und'
giebt ihm einen Anstrich des Ueberuatürlichen. Wer
also von dem Dichter einen so menschlich gezeich -
neten Geist vorfindet, wie Mozart, der folge ihm!
aber er hat eine duram provinciam erhalten: denn
♦
wem steht das unabsehbare Reich der Töne so zu
Gebote, dass er, wie dieser Componist, darin schal-
ten und walten kann, und also seine Absicht so gut,
wie er, erreicht? —
«
La finta semplice* Opera buffa.
Mozart war erst 12 Jahr alt, wie ihm Kaiser
Joseph (1768), vor dem er sich damals auf dem Pia-
♦
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73
j 10 fürte hören liest, auftrug , diese Oper zu schrei-
ben. Sie erhielt den Beyfall des Dichters Metasta-
sio und des Kapellmeisters Hasse, ist aber nicht auf-*
' gerührt wdrden.
■
Mithridate. Opera teria.
Dieses ist die erste Oper, welche von Mozart
auf dem Theater erschien. Er schrieb sie in seinem
I4ten Jahre 1770 für das Carneval zu Milano. Trotz
dem, dass sie eine Jugendarbeit Mozart's ist, in wel-
cher sich sein Talent erst zu entwickeln begann , so er-
hielt sie dennoch allgemeinen Beyfall bey der Auf-
führung und wurde wiederholt gegeben. .
, Lucio Sulla. Opera seria.
Der eingeerntete Beyfall voriger Oper bewegte
Mozart zur Compositioii dieser zum Carnevall 1773.
Er schrieb sie ebenfalls zu Milano schon 1772, und
sie erhielt noch mehr Beyfall als die vorige, daher sie
auch noch mehrmal wie jene gegeben wurde. Diese
beyden Werke tragen den Styl der gewöhnlichen
italienischen Opern , indess heben der feurige Gesang,
das Leben und der warme Geist seiner lieblichen
Melodieen sie weit über den Tross des welschen
Gesanges. Sie behaupten noch den dreystimmigen
Satz und zeigen wenig von jenen künstlichen Har-
monieconstructionen , die späterhin in seinen Wer-
ken angestaunt werden. Die Chöre dieser beyden
Opern zeigen noch eine Steifheit, die sich angstlich
noch an die Regel bindet und die man mehr von
einem trockenen Componisten, als von dem sich ent-
wickelnden Talente Mozart's erwartet.
1
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73
■
La famosa Buonsolazzi era in quell* epoca la
prima, Donna del Teatro Ducale. Non conoscendo
M. ella si merapigliö fortemente que fosse stato in- ~
caricato a scrivere Vopera, nella quäle' ella dovea
sfoggiare i suoi rari talenti pel conto, poiche trop-
po giovine maestro lo reputava ed incapace di ac-
commodarsi alla sua voce* Rese ella per mano M.
e gentilmente pregholo di poler prima di tutto co-
municare a lei le sue idee relatwamente alle arie ed
alle scene, nelle quäle ella dovea cantare, soggiun-
gendo, che ella avrebbe jsupplito alla composizione.
M. rise seguentemente sulV orgoglio di questa donna
e rispose che Ii avrehbe servita secondo i suoi desi-
deri. Pocchi giorni dopo presentoli M. alle prove,
e rivoltosi alla B. la chiede scusa, se aveva osato
. di scrivere tutta la composizione de IIa prima aria*
Prese in manola Cantante questa composizione, vi
gettb un rapido sguardo, e confusa per le tante
bellezze, ond' era sparsa e per la maestria, con cui
era condotta a termine non potea finire di ricoU
mare d'elogi il giovinetto, e se stessa di rimproveru
M. sorridendo Ii diceva, che se quelP aria non ü
fosse piaciuta, ne aveva un9 ultra tutta differente
ed espressamente composta per lei, e se anche la
seconda non se tornava a genio, gliene poteva pre-
sentare una terza. E tutte queste arie da IIa B.
esaminate e sehtite degli intelligenti si sono trovate
un capo d%opera e questo fu per Mozart un trionfo
privato come un publico.
Un celebre maestro e suonatore non voleva per-
suadersi, che M. fosse cosl celebre negV improvisi
come si diceva. Egli sfida lo in un pübblico ci-
%
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mento, ed i due Professori ricorromi nella cJdesa '
della Passione\similmente a Milano) dope ritravansi
due organi, Immensa folle di gente vi accorse. M.
dietro i temi, che l'altro Professore gli ttommini- .
strava sul primo organo, improviab sul secondo in .
un modo divino.
La bella finta Giardiniera. Opera hujfa.
Dieses für Kaiser Joseph IL 1774 geschriebene
gehört zu den früheren Kunstwerken Mozart's vor sei-
ner classischen Periode. Sie übertrifft die vorigen
bey weitem und es ist ihr Originalität und Regel- *
mässigkeit nicht abzusprechen, wodurch sie manche
italienische Oper weit hinter sich lässt. Hier ent-
wickelt sich Mozart's Talent schon mehr als im vo-
rigen, und der Styl zeichnet sicli durch eine ganz be-
sondere Weichheit und aufTallende Zärtlichkeit aus*
Manche wollen behaupten, es habe irgend eine ar-
cadische Oper von Piccini oder Guglielmi ihm hier-
bey zum Modelle gedient. Vorzüglich lieblich ist
hierin die Romanze aus C# mit obligater Föte, die
auch hier und da zu einem beliebten Volksliedchen
geworden ist. Man kennt sie unter dem deutschen
Namen: die schöne Gärtnerin, oder: die Gärtnerin
aus Liebe.
*
*
Idomeneo, Re di Creta. Opera seria.
Diese Oper bildet den Uebergang der frühem
Periode in die classische Mozart's. Er schrieb sie
i780 für den Fasehing in München.
Die Ouvertüre ist prächtig und, ganz in demsel-
ben heroischen Style wie die Oper selbst, mahlt sie
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I
Krieg und Sturm. Wild bewegen sich die Ton-
massen durch einander, grosse Erwartungen nährend,
auffordernd zum Streite in die donnernde Schlacht,
zum Kampfe mit den im Sturme braussenden Ele-
menten. Ohne ein vorausgehendes Adagio macht sie
nur einen Satz und eilt mit Riesenschritten, wie *
Wetterwolken vom Sturme getrieben, einher. —
Die erste Arie: padre parenti G* ist voller Aus-
druck, und in den Worten: Grecia caggion tu sei
in dem Uebergange in's S 8 liegt viel süsse Schwer-
muth und Wahrheit.
Das Finale mit den Choren der Argonauten ist
ganz besonders malend. Welcher Tumult! welch ein
kriegerisches Lärmen! wie beweglich die Saitenin-
strumente! wie wirkt gegen das Ende hin das schnel-
lere Zeitmäass so vortrelllich !
Die Arie des Arbace im zweyten Acte: Zefi-
retti lusinglieri etc. ist sehr sanft schmeichelnd, und
das grosse Quartett in diesem Acte ist vielleicht in
seiner Gattung eines der schönsten aller Zeiten und
Meister. Die Tiefen der Harmonie sind unergründ-
lich, der Styl der erhabenste und die Oeconomie
der Stimmen vertheilung das Resultat des reifsten
Nachdenkens, die Verwebung beinah unerforschlich;
Der Chor der Schiffer: Placido e il mare: an-
diamo! tutto ci rassicura etc. mit untermischtem Solo
ist der reinste Abdruck der ruhigsten heitersten
Seele ; man scheint die blaue Spiegelfläche des stillen
wellenlosen Meeres vor sich zu sehen, und mit dem
Boote sanft über ihre Fluthen zu gleiten. Clarinetten
und Fagotte coloriren vorzüglich dieses heitere Ge-
mälde.
76
■ ■ ~
Wie ausdrucksvoll der tum ul tu arische Schluss-
chor des zweyten Finales, wie schon und deutlich
die allgemeine Bestürzung in diesem fugirten Chore
und in der sonderbaren, ungewöhnlichen Tactart.
Das Ineinandergreifen, Abfallen, Einsetzen und
Nachahmen der Stimmen unter und mit einander ist
zum Erstaunen hinreisseud, und wie gewaltig wer-
den dabey die Hörer ergriffen ! Man wird unwill-
kürlich mit dem Tonstrome fortgerissen, man fühlt
sein ganzes Selbst in ängstlicher Eüe vorwärts ge-
trieben, und kann, wie von einer grossen Angst be-
freit, erst mit dem Fallen der Gardine beym Schlüsse
diesses furchtbaren Chores, freyer athmen.
Eben so reichhaltig an Schönheiten und interes-
santen Situationen ist der dritte Act, besonders die
Scene initldomeneo und dem Oberpriester, die Auf- .
tritte im Tempel u. m. Endlich lös't der Orakel-
spruch Neptuns den Knoten« Der Schlusschor ist
einer der erhabensten und feyerlichsten 5 und ein
Vorzug dieser Oper besteht darin, dass sie sich bis
zur letzten Note gleich bleibt: kein zweckwidriges
Tempo, keine üppig melodischen Auswüchse ver-
nichten hier die erhabenen Eindrücke; edle und an-
ständige Freude und Jauchzen des Volkes beschlies-
sen dieses heroische Stück.
Mozart composa cette musique sous les auspices
lea plus favorables. L'Electeur de Baviere, qui
Vavait tpujours comble de graees et de prtfdrances,
liu avait demande cet opera pour son thiatre, dont
Vorcheztre etait un de mieux composes de VAÜe-
inagne* II se trouvoit alors dann toute la fleur de
son genie, il avait 25 ans, et itait eperdument
■
■ •
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I
'•. -21— ■
amoureux (oder wenigstens zum ersten Male).. II
trouva dans ses sentimens pou,r sa Mailresse /es
motifs des airs passionnes dont ü avait besoin pour
son ouvrage. L'amour et Famour -propre du jeune
compositeur (sein Vater wollte ihn nicht die Lange
heirathen lassen, weil sie Beyde nicht etablirt wa-
ren; es scheint, er habe ihm wollen zeigen, was er
Werth sey und erlangen könne: er meinte sicher,
der Churfiirst würde ihn anstellen) exaltes au plus
haut degrd, lui firent produire un opera qu'il a
toujours regardS comme ce qu'il avait fait de mieux,
et dont il a mime souvent emprunti des idtes pour
ses compositions suivantes.
■
• ■
Die Entführung aus dem Serail,'
oder: Belmont und Constanze,
- Deutsches Singspiel in drey Acten.
Dieses componirte Mozart auf Befehl des Kaisers
Joseph IL für das deutsche Nationaltheater in Wien
1782 nach Bretzners Texte. Es giebt dieses Stück
zugleich einen schönen Zug Josephs, der den Ge-
schmack an italienischen Opern durch deutsche Sing-
spiele zu verdrängen suchte und mehr für das Va-
terländische stimmte, wesshalb er die Compositum
diese« Stückes aufgab.
Dieses Kunstwerk schuf Mozart in seinem Bräu-
tigamsstande, daher fühlt man auch den Einfluss,
den diese Seelenstimmung auf diese Composition
hat. Sie ist roll süsser Gefühle schmachtender Liebe,
und hierin spricht sich auch Mozart's musikalisches
Leben und Weben und seine Originalität aus. Im
Ganzen hat dieses Stück noch den gewöhnlichen Zu-
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schnitt deutscher Singspiele. Die Ouvertüre hat ge-
gen Mozart's sonstige Gewohnheit noch ihre drey
Satze, Ailo, Andante und Allo, und keine Finalen.
Daher schadet die Ouvertüre durch die schleppende
Verzögerung der Ueberraschung ; und statt sonstigen
Finalen schliesst der erste Act mit einem Terzette,
der «weyte mit einem Quartett und der dritte nach
JHÜlers und Standfuss hergebrachter Weise mit ei-
nem Rundgesauge, wo jede Person zu guter letzt
ihr Verschen singt« ; . .
Im Ganzen, abgerechnet die Fehler seines Zeit-
alters, ist der Plan dieses Singspiels vortrefflich und
die Fabel vielleicht das vernünftigste aller übrigen
Opernsujets« Die Charaktere sind, wie sich von
Bretzner erwarten lässt, vortrefflich gezeichnet und
von Mozart noch vortrefflicher colorirL . ' • .
Constanze ist ganz das leidende Und treu liebende
Mädchen; in ihrer Partie zeigt sie bange Sehnsucht
und ist von Muth beseelt, wenn es darauf ankommt,
ihrem Geliebten treu zu bleiben oder mit ihm zu
sterben. Ihre Arie: Ach* ich liebte! war so glück-
lich! lebt ganz in der Phantasie der hellsten Erin-
nerung« Und welche Schwermut h , welcher nagende"
Kummer scheint die Musik in der zweyten Arier
Traurigkeit ward mir zum Loose etc. selbst zu ver-
zehren in den Worten: Gleich der Wurm- zer-
nagten Rose, gleich dem Gras im Wintermoose,
welkt mein banges Leben hin* Welche Malerey in
der letzten Zeile, welches lebendige Bild des Hin-
Sterbens in der Instrumental -Begleitung, wo das
Horn decrescendo fortsingt, der Fagott in ziehenden
r
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I
\ -
79 ;
:
strumente sterbend abwärts sinken! — Wie wahr
sind Musik und Worte: Selbst der Luft darf ich
nicht klagen raeiuer Seele bittern Schmerz; denn
unwillig sie zu tragen , haucht sie alle meine Klagen
wieder in mein armes Herz! t >
Der Heroismus in der Arie t Martern aller Ar-
ten etc. ist ausserordentlich und charakterisirt die
treue und standhafte Liebe. Und wessen Thränen
flössen nicht beym letzten Duette, wo Belmont und
Constanze sich, wechselnd tröstend, zum Tode be*
reiten? . ,
Belmont ist ein schönes Ideal eines treuen Lieb-
habers. Wie malt sich sein Mutli, für sein Mädchen
Alles zu wagen, und die Angst, sie vielleicht für
sich verloren zu sehen! Die malerische Arie: Ach
4
wie ängstlich, ach wie feurig klopft mein liebevolles
Herz etc. ist sie nicht die reinste Sprache des liebe-
sehnenden Herzens! Wie schön malen die Violinen
das Pulsiren des ängstlichen Herzens; und bey der
Stelle: War das ihr Lispeln? war das ihr Seufzen?
Wie passend steht das Flötensolo da! Die Decla-
mation des kurzen Recitativs mit nachahmender Oboe
ist so redend, als durch die Instrumentation eigen-
tümlich charakterisirt. — Die Melodie der zwey-
ten Arier Wenn der Freude Thränen fliessen etc. ,
ist schwärmerische Liebe, der Abdruck der zärtlich- -
sten Empfindung. — Die dritte Arie: Ich baue ganz
auf deine Stärke, vertrau, o Liebe, deiner Macht!
etc. wird durch Zuversicht, durch starken Glauben
der Liebe mit allmächtigem Odem beseelt, und bie- . *
tet einen festen Glanz in der Melodie dar. Wie
sicher tritt der Bass auf! welche Wärme und frohe.
»-
»
■
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1
sich mit diesem Glauben verschwisternde Hoffnung
malen die kurzen und heiteren Zwischenräume der
Hörner und Clarinetten in die zuversichtliche Decla-
mation? Sie bilden einen glänzenden Pallast wer-
dender Seligkeiten, die gewisse Aussicht auf den
süssen Lohn der Liebe, auf den festen , unwandel-
baren Grund der Treue.
Blonde, die freie, auch in der Sclaverey das
Gefühl ihrer Würde nicht verlierende Engländerin,
entzückt durch Naivetät und erheitert durch ihr©
Launen« Solche naive Mädchencharaktere waren über-
haupt Mozart's Lieblingsarbeit« — Die Arie: Wel-
che Wonne, welche Lust! ist voller Feuer und ath-
met muntern Geist, daher bewegt sich die Melodie
rasch und die Flöten charakterisiren das frohe Mäd—
chen. Bey der Stelle in dem Duette mit Osmin : Ich
gehe, doch rathe ich dir etc. kann man sich kaum
des Lachens enthalten : wie drollig parodirt sie ihren
alten grämlichen Osmini Die Wirkung der meister-
haften Stellen Blondchens: Nicht so viel, du armer
Geselle etc. und Osmins : Wahrhaftig nicht eh' von
der Stelle etc. ist ganz der Natur abgeschrieben.
In Blondchens erster Arie: Durch Zärtlichkeit
und Schmeicheln etc. beweisst Mozart seine Meister-
schaft im Gebrauche der Instrumente, wo er die bla-
senden weglässt, und Alles mit Geigen, Viola und
Violoncello accompagnirt. ,
Pedrillo's lustigen, gewandten und feigen Cha-
rakter bezeichnet seine Arie: Frisch zum Kampfe
etc., worin er sich Mulh einsprechen will und doch
seinen eigenen Worten nicht traut. Die Tonart der
Entschlossenheit D # will sich zwar geltend machen,
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8t
aber das Accompagnement, und besonders die originell
angebrachten Trompeten, die immer da schweigen,
! 1 wo sie laut werden sollten , widerspricht dem Texte
bestandig, wie Pedrillö's inneres Gefühl seinen Wor-
ten. Wie zitternd accompagniren die Geigen bey
den Worten: Sollt' ich zittern, sollt' ich zagen? —
Sogar der Declamation merkt man den bloss geborg-
ten Muth an, hingegen die Stelle: Nur ein feiger
Tropf verzagt etc. singt er aus völliger Ueberzeu-
gung. Diese Arie ist überhaupt eine der durchdach-
testen, die Mozart je componirte. — Der unerwar-
tete Trompetenstoss bey Pedrillö's Stelle in der Fer-
mate: Frisch zum Streite! etc. ist niehr ein Angst-
geschrey, als wirkliche Aufforderung. Und die Angst
in der Romanze : Im Mohrenland etc. ist unverkenn-
bar, da' sie sich in die entferntesten Töne verliert.
Mit diesem sonderbaren Tonstücke wollte Mozart wohl _
nicht allein die Romanze und die Mitternachtszeit
j charakterisiren , sondern auch zugleich Rücksicht neh-
men auf den Sänger und die Umstände, unter denen
aie gesungen wird. ..' * : . >v *
Osmin ist ganz* was er seyn soll, ein grober,
niederträchtiger Türke. Sclavensinn und die ihm so
nahe verwandte sinnlose Grausamkeit und läppische
Brutalität charakterisiren diese orientaliche Nichts-
würdigkeit in scharfen Umrissen. Wie grell hallt
seine Grausamkeit \ durch den wilden Eisenton der
Janitscharenmusik in dem, die Musik der Morgenlän-
der charakterisirenden, wilden Ahi Erst geköpft
und dann gehangen etc. wieder! Und wie ist der
Ausdruck der wilden, barbarischen Grausamkeit mit
; schreyenden Farben aufgetragen bey der Stelle : Dann
«
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gespiesst auf Ii rissen 'Stangen etc., was durch den
Triangel unwillkürlich gemalt* wird; man hört die
Eisen klappern. Welche. Wuth schwellt die wild in
einander heulenden und winselnden Blasinstrumente
bey der Stelle: Dann getaucht, dann gebunden -elc
liier spricht schon die Musik allein* Die wilde rohe
Schadenfreude in der Arie: Ha! wie will ich triam-
phiren! etc. ist empörend. Man wendet sich mit Ab-
scheu yon dem Ungeheuer und scheint selbst Mozart
zu verkennen. Wie hart und unbeugsam ist der
Gang der Melodie, und wie viel Wahres liegt in
dem ersten Unisonosatze bis zu der Stelle: Und die
Hälse schnüren zu etc. Der Accent, der auf das
„und" gelegt ist, so wie die schnelle Wiederholung
des „schnüren .zu" ist voller Wahrheit und zeugt
von tiefem Studium. — Die dritte Arie: Solche
hergelaufne Lallen etc. giebt das einzelne Bild sei-
ner rohen Schlauheit und abgeschmackten Brutalität
Er bemüht sich, dem listigen Pedrillo begreiflich zu
machen, dasa er gewaltig klug wäre, und betet ihm
wiederholt vor: Ich hab auch Verstand! das Ge-
wöhnliche jener Leute, die keinen haben, dass sie
desto öfter damit prahlen. Die Wiederholung, und
immer einen Ton höher, bis auf die Letzt dar nach-
drückliche „Ich" unter dem Ruhepuncte, und hinterher
— „hab' auch Verstand" ist voller Wahrheit. Danu
im schnellern Zeitmaase, mit eilends nach einander
folgenden Sylben: Drum beym Barte des Prophe-
ten etc. ist ganz die Sprache solcher kleinen elenden
Tyrannen, die bey jeder Gelegenheit ihren Unter-
gebenen ihre Gewalt fühlen lassen. Alsdann die in
schnell aufsteigenden Noten wiederholte Drohung:
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83
- »
Nimm dich in Acht etc. — Sogar in seinen Liedern
der Liebe ist der Kerl fatal, wie in seinem schlep-
penden Vortrage des Liedchens : Wer sein. Lieb-
chen hat gefunden etc. wie ganz in seinem Charakter
in und wie träge schreitet Melodie und Zeit-
maass! Alles deutet darauf hin, dass der Kerl. gar.
nicht fühlt, was er singt, und dass er gedankenlos
trällert. Auch sein „Trallera" ist höchst erbaulich
und reizt mehr zum Einschlafen, als zur Freude,
In diesem Liedchen erscheint Mozart allein schon
als grosses Genie* Selbst das Ritornell ist ein Kunst-
griff, indem er die Melodie des Schlusses angiebt.
Hierdurch will er uns. überreden, Osmin habe schon
lange im Hause gesungen, eh' er herauskam, und
was wir hören, sey bloss die Fortsetzung des Lied-
chens, das er inwendig anstimmte*
u Dieser Osmin, so schläfrig bey Liebe und Fr ennd-
schaft — was gar nicht in seinem Charakter liegt —
wie ganz anders erscheint er, wenn vom Hängen
und Spiessen die Rede ist, wie geräth er da in Feuer
und Flammen! Man fühlt die grausamen Arien:
Erst geköpft und dann gehangen etc. und; Ha! wie
will ich triumphiren etc. wo der Charakter in grel-
len Zügen am Tage liegt.' .....
•/ Da das Stück irgend an einem Orte der Türkey
spielt, so hatte Mozart Gelegenheit, Janitscharenmu-
sik anzubringen: und wie vorteilhaft er diess thar,
beweisst die Ouvertüre , so wie die Partieen. Osmins
und der Türkenchore, die ganz im asiatischen Style
geschrieben sind und ausserordentlich wirken. Die
Türkenchöre bey der Ankunft des Lustschiffes und
am Schlüsse athmen einen starken, kühnen Geist,
*
6*
i
i
#
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zumal das erstere : Singt dem grossen Bassa Lieder etc.
Auch beym Trinkliede: Vivat Bacchus etc. ist die
Janitscharenmusik sehr gut angebracht; sie tritt ein,
sobald Osmin den ihm Vorgesungenen Vers nachsingt.
Und nun das unnachahmlich schöne Quartett
zum . Schlüsse des zweyten Actes. Welche Haltung
der Charaktere! Welche Beleuchtung der Empfin-
dungen , wie richtig gedacht und wie meisterhaft
durchgeführt! Man müsste es vielmals hören und
die Partitur auswendig lernen, um alle die namen-
und zahllosen Schönheiten ganz zu verstehen, wie
namentlich die feine Nuance in dem canonischen
Satze: Ich verzeihe deiner Reue etc.
Blondchen ist ein edles Mädchen, Constanze ist
aber in Hinsicht auf ihre Bildung und Empfindungen
weit über sie erhaben; denn Constanze vergiebt eher
als Blondchen, und diese scheint blos dem schönen
Beyspiele ihrer Gebieterin zu folgen, indem sie ihr
den angefangenen Canon abnimmt und ihrem Pedriilo
die Hand zur Versöhnung reicht. Im Tutti bey:
Nichts fache das Feuer der Eifersucht an etc. spielt
die Trompete eine sehr vortheilhafte Rolle, denn
indem sie diapasonisch mit der Singstimme geht, hebt
sie den Ausdruck der Stelle gewaltig.
Die Scene vor dem Schlusschore zwischen Bel-
mont und Constanze, wo sie sich wechselnd zärtli-
che Vorwürfe machen, dann wieder trösten und auf
ihr Schicksal vorbereiten, ist der Triumph der gan-
zen Oper, das correcteste Gemälde liebender Leiden
und erhabenen Duldens, von der traurigen Hoffnung
überdämmert, dass ein gleiches Schicksal Beyde tref-
fen werde.
*
# Digitized by Google
s
85
Welcher Odem himmlischer Ahnung weht au*
der Melodie und Begleitung der Stelle: Mit dem
Geliebten sterben, ist seliges Entzücken. Mit won-
nevollen Blicken verlässt man da die Welt. .
Und nun eine Uebersicht der mannigfaltigsten
Charaktere, der verschiedenen Situationen in dieser
Oper; eine Parallele zwischen Constanze und BeL-
inont, mit dem rauhen Osmin: welcher Unterschied! '
Dort die sanften Töne der zärtlichsten Liebe; hier
der Ausbruch wilder und geistloser Brutalität! Und
wie schön paaren sich alle diese Widersprüche zum
vollendeten Ganzen!
In diesem Stücke schäumte gewissermaassen der
junge Geist Mozart's auf, er fühlte zum ersten Male
seine Kräfte, die plötzlich hervorgetriebenen Blüthen
des jungen Kernstammes nach der wohlthätigen Er- ' •
schütterung des ersten Frühlingsgewitters. Im Ido-
meneo versuchte er seine Schwingen; hier fliegt er
kühn zum Olymp. In der Folge zieht sich die em-
porstrebende Kraft, nachdem sie einmal ihren Flug
versucht hat, in die bescheidenen Schianken der Re-
gelmässigkeit zurück.
Der orientalische Styl dieser Oper, der in spä-
teren Opern Mozart'fl nicht wieder anzutreffen ist,
darf hier nicht unberücksichtigt gelassen werden. - •
Nirgends finden sich in anderen Werken Mozart'«
Reminiscenzen dieser Schreibart.
Der Schauspiel- Director.
Komisches Singspiel in einem Acte.
Dieses kleine Singspiel ist für Kaiser Joseph TL
1786 componirt und ist ein blosses Gelegenheitsstück
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»
für den Kaiserlichen Hof zu Schönbrunn. Nebst der
Ouvertüre enthält es nur drey Arien und ein Finale..
Zu ihm gehören die allbekannte Arie: Bester Jüng-
ling, mit Entzücken etc. und: „Da schlägt die Ab-
schiedsstunde" etc., welche sehr schön sind und im-
mer gern gehört werden.
• «
Le nozz e di Figaro.
Opera bujfa in 4 Acten.
Damals machte Beaumarchais's Lustspiel: Figaro
sein Glück und war der Klepperhengst aller Theater.
Der Kaiser Joseph bestimmte Mozart, ihm, in eine
welsche ' Oper umgeschaffen , auch auf Welschlands
Bühnen durch seine Musik Celebrität zu verschaffen,
und durch diese Veranlassung componirte Mozart sie
1786 für die italienische Oper zu Wien, die auch
dann nicht allein in Wien, sondern auch an vielen
anderen Orten Glück machte.
Die Bewunderung für den Verfasser dieser Oper
ging so weit, dass Graf Johann Thun, ein grosser
Kenner der Musik und der selbst eine vortreffliche
Kapelle unterhielt, ihn nach Prag einlud und ihm
Wohnung, Kost und alle Bequemlichkeiten in sei-
nem Hause anbot. Mozart, zu sehr über die Wir-
kung seiner Musik auf die böhmische Nation erfreut,
begierig, ein Volk mit solch einem Tonsinne kennen
zu lernen, ergriff die Gelegenheit mit Freuden. Am
Tage seiner Ankunft (im Februar 1787) wurde Fi-
garo gegeben. Mozart erschien darin, und als sich
der Ruf von seiner Anwesenheit im Parterre ver-
breitete, so applaudirte ihm das gesammte Publicum,
als die Ouvertüre zu Ende ging. >
' m
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Wüsste man auch bevm Eintritte ins SchausiDiel-
nicht, dass «ine Oner« 5w^a gegeben würde,
so raüsste man es doch an der Ouvertüre hören, die
hier das ganze Stück charakterisirt. Der tändelnde
Anfang ist überraschend; das Ganze ein Spiel der
schönsten muth willigsten Laune. Man sieht darin
den verschmitzten Figaro mit seinen Sprüngen und
Wendungen, noch ehe sich der Vorhang öffnet.
Alles wirbelt und paukt durch einander; die Ge-
danken drängen sich und geben das treuste Bild
froher Laune.
Dieses Tändeln geschieht aber nicht auf Kosten
der Gründlichkeit. Vielmehr wusste Mozart mit die-
ser Anmuth so viel Kraft zu verbinden, dass Ken-
ner und Liebhaber vollkommen befriedigt werden.
Die Finalen und Sextetten sind unnachahmlich und
• • •
voll tönender Harmonie. Figaro hat besonders den
Vorzug, dass die mehresten Scenen für den Gesang
bearbeitet sind, was ihn an Terzetten, Duetten, Quar-
tetten und Sextetten vorzüglich reich macht. Das
Genie des Künstlers erhielt dadurch Gelegenheit,
sich auszubreiten und dem Ganzen mehr Einheit
und Bestimmtheit zu geben.
Ohnstreitig ist diese Oper klassisch und das
schönste Muster komischer Singspiele. In Ansehung
ihrer Anlage, ihres Zusammenhanges, der Ausfüh-
rung der Charaktere, scheint sie dem Don Juan weit
vorzustehen. Das starke Personale bietet eine Menge
verschiedener Charaktere dar, die richtig durchdacht
und vom Hauptcharakter des Figaro bis zum episo-
dischen Hannchen fein behandelt sind.
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■■ -
■
Figaro. — Leichtigkeit , Leben, Frohsinn mit
Schlauheit gepaart, sind die Hauotzüee, welche sich
gleich in der ersten Arie, sowohl durch die Wahl
der Tact- als Tonart und Instrumentation deutlich
herausheben. Figaro's Parthie hat gewöhnlich Tanz-
Melodieen. So die Arie No. 5. : Se vuol ballare
$ignor Contino etc. — Selbst dem Verdrusse wusste
Mozart den Anstrich von Laune zu geben; der
leichte Figaro satyrisirt über sich selbst. Wie un-
endlich verschieden ist seine Eifersucht von jener
des Grafen Almaviva! Wie gravitätisch zeigt sich
dieser Spanier im Terzette, wo die Geigen in der
Tiefe mit Pralltrillern anfangen und sich in demsel-
ben Verhältnisse hinaufwirbeln! Am schönsten ist
er im Finale des zweyten Actes und im grossen
Sextette des dritten behandelt.
In dem Richter Don Curzio hat Mozart seiner
Satyre ungezügelten Lauf gelassen. Unwissenheit
bläht sich mit der Würde des anvertrauten Amtes
und sagt mit feyerlichem Ernste 7- allgemein aner-^
kannte Abgeschmacktheiten. Wie Lachen erregend
ist seine Arie aus Djft, und mit welcher Gravität,
■ -
• IOMII
■ 0 m
aufgeführt: Sich zu rächen, welche Wollust für den
Weisen etc.! Und dabey sieht es im Accompagne-
ment so confus aus, wie im Kopfe des dummstolzen
Amtmannes. Menschen solcher Art blähen sich nir-
gends mehr, als wenn sie Gelegenheit finden, die
Würde ihre* Amtes, gestützt von ihrer Oberherr-
schaft, gegen Schwächere zu missbrauchen, wie der
Fall im Finale des zweyten Actes ist, wo er als
Masclüne de* Grafen mit diesem auftritt und
■
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Mähend sein Amt vergaltet* Es ist der vorletzte
Satz, wo das Finale in Es # modulirt, in welche«
Mozart die Gravität dieser erlauchten, wohlweisen
Gerichtsperson persifflirt. Die ernste Tonart ist ko-
misch behandelt, und die Melodie, in ungleicher Be-
wegung fortrückend, gieht ein groteskes Bild lächer-
licher Amts würde.
■
Basilio's niederträchtiger kriechender Charakter
liefert ein bedeutungsvolles Gegenstück zu dem vor-
hergehenden. Eben so abgeschmackt, wie Jener, aber
kriechend, geschmeidig, weil er nicht das Ansehen
des Erstem hat, macht er den Liebediener von dem
Grafen, den Kuppler, und v erschienst seine Bolzen«
In seiner Arie im dritten Acte, in den Jahren, wo
die Stimme der Vernunft vergebens spricht, liegt
der ganze Cubus seines Charakters: Feigheit, Schmei-
< cheley und Arroganz. Die abgestossenen Violinnoten
des Accompagnements benehmen dem kühnen Gange
der Melodie alle Kraft und scheinen die Worte Lü-
gen zu strafen.
• Der Page Cherubino ist eines der schönsten Ge-
mälde in der Gallerie unsers Ran ha eis. Welches
Schmachten, welche Sehnsucht! Und wie verschmilzt
* der zum Jüngling heranreifende Knabe zwischen Mann
' . und Weib! Seine Melodieen führen einen sonder-
baren Charakter. Es athmet in ihnen die emporkei-
mende Kraft des Jünglings, von jungfräulicher Scham-
haftigkeit gebunden. Der Knabe fühlt, lernt seine
Bestimmung — in der Schule lüsterner Weiber —
kennen; seine Erfahrungen sind seinem Alter vor-
gerückt, wollüstige Gluth Jiat sein Herz entzündet,
und noch kann er sie nicht stillen. Er wünscht der
■
*
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Zeit Flügel , 1 um ' Alles gen i essen zu konneu , was ety
aus dem bereit* Erfahrenen, ahnet. Wie ist Allen J
diess gemalt in der schmachtenden Arie: Voi che
aapete che cosa e arnor J
- Der Charakter der Gräfin, wie achön ist er be-
handelt! r— Betrogene Hoffnungen, Kummer, freu-
denleere Tage, getrübt von der Eifersucht eines Man-
nes, der sie mit Liebe täuschte, und — betrog!
Wie schön wusste Mozart den Ausbruch dieser Ge-
fühle in dem edlen Charakter zum Theilnehmen er-
weckenden, erhabenem Dulden zu verwandeln! Wie
edel und mit welcher Delicatesse ist diese Parthie
behandelt in der ersten Arie des zweyten Actes Es%\
Selbst durch die lärmenden Finale, wenn der Stru-
del verworrener Gefühle Alles mit sich fortreisst,
bleibt er sich gleich, durch die ganze Oper gut ge-
halten; selbst bey der verfänglichen Situation, wo
sie zum Abentheuer willigt, mit welchem die Treue
der Männer probirt werden soll, entschliesst sie sich
nur schwer, und man fühlt, wie viel Ueberwindung
ihr dieser Entschiusa kostet. Unter allen weiblichen
Charakteren, die Mozart zeichnete, ist dieses der
vollendetste und edelste.
Susanna, das verschmitzte Kammermädchen, eine
Zerline im Umgange mit der Welt, mit ihren Feh-
lern und Schönheiten bekannter, weiss ihren Mut-
terwitz besser zu brauchen, und handelt mit mehr
Unbefangenheit; der Schleyer erborgter Unschuld ist
durchsichtiger, als bey jener. Das Duett mit Mar-
zelline im ersten Acte wo sich die eben so tref-
fend gemalte Haushälterin mit ihr zankt, und die
Bey den einander ziemlich plebej — doch aus der
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.»
91
V
Natur solcher Geschöpfe gegriffen -« persifliren urii
mit steigender Galle auslachen, liefert die deutlichste
Uebersicht beyder Charaktere, .
% - . Hannchen ist das weibliehe Gegenstück des Che-
rubino, und, wenn schon als Gegenstück in schwä-
cheres Licht Gestellt, dennoch verhältnissmassic au*»-
geführt. Ihre kleine Ariette, womit der vierte Act
beginnt, passt in der Wahl der Tonart und des Zeit-
raaasses völlig zu jener, jungen Mädchen in gewissen
Jahren, ehe sie zur Liebe völlig erwachen, charak-
teristisch eigenen, ängstlichen Bedach tlichkeit. Und
wie artig wusste Mozart das Suchen an der Erde zu
malen : „L'ho per data — nie meschina!" — Die Melo-
die kriecht nur unmerklich vorwärts, wiederholt sich,
fasst die kaum gehörte Notenfigur wieder auf, wie
Einer, der Etwas sucht und immer wieder auf den
Platz sieht, den seine Augen kaum verlassen haben,
als müsse er es da und nirgend wo anders finden. '
Nur bey der Stelle, wo ihr einfallt, was der Graf,
was der Pathe darüber sagen werde, erschrickt sie;
die Noten werden geschwinder, die Melodie drängt
sich im Verhältnisse mit dem Vorhergehenden bey
den Worten: „e il Signor!" Aber sie findet nicht,
was sie sucht, fallt in ihre vorige Trostlosigkeit zu-
rück und schliessi ihre Ariette so traurig, bedach t-
lich und schleppend, als sie begann. . ..
Ueberhaupt verdient diese Oper wegen der glück-
lieh behandelten Nüancirung ihrer Charaktere, deren
fast jeder sein Seitenstück darin findet, vorzüglich
studirt zu werden. Man halte z. B. Don Curzio und
Basilio, Susanne und die ältere Marcelline, Cherubin
und Hannchen , die Schilderung der Eifersucht des
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92
Grafen und Figaro's gegen einander — welche herrlich
nüancirte Farbengebung im Verhältnisse zum Ganzen !
Italienische Componisten begnügen sich gewöhn-
lich, bey ihrer Opera buffa dem leichten plappern-
den Gesänge ein eben so gehaltloses einzelnes Ao
compagnement unterzulegen* Betrachtet man dage-
gen die Volltönigkeit der Instrumentation, den schön
geregelten Contrapunct, der den Quartetten und Sex-
tetten hier zum Grunde liegt, die unüberzählbare
Menge komischer Gedanken und Malereyen, und
dabey die ganz einfache sangbare Melodie, so tän-
delnd, anschmiegend, so leicht zum Nachsingen —
«11er Wust italienischer BuiTonaden sinkt in sein
altes, längst verdientes Nichts. Hier ist keine Wie-
derholung, keine ekelhafte Monotonie, sondern Alles
athmet hesperische Fülle und Neuheit; Blüthe drängt
sich an Blüthe; wohin man blickt, lacht Jugend und
.Frühlings-Heiterkeit aus dem schönfarbigen Büde.
*
Coal fan tutte. ,
Opera buffa in swey Acten.
Die Uebersetzung dieser Oper kennt man unter
den Titeln: „Die Schule der Liebenden." — „Die
Mädchen sind von Flandern." — »Die Wette." —
„Eine macht's wie die andere." — „So sind sie Alle."
— „Weibertreue." Sogar der wesentliche Gang
der Fabel des Stückes ist nicht bey allen Theatern
überein, daher man der Musik ganz veränderten Text
unterlegte, von denen aber keiner sonderlich erbau-
lich ist. Man muss sich fast wundern, wie Mozart
sich herablassen konnte, an so elendes Machwerk
seine himmlischen Melodieen zu verschwenden. Es
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I
stand indess nicht in seiner Gewalt, den Auftrag ab^»
zulehnen,' und der erbärmliche Text des Originals
wurde ihm ausdrucklich aufgetragen. Er seh rieh sie
für die italienische Oper in Wien zu Ende des fafc-f
res 1789« * Wf
Man kann in' diesem Stücke weder Plan noch •
Anordnung finden, und es würde schwer halten,'-^
als ein Kunstwerk zu beurtheilen. Es ist eine Samn**1
lung einzelner Schönheiten, doch trägen sie grösstien-^
theils das Gepräge froher, muthwilliger Laune« Ju—
gendkraft und üppige Fülle blüht in . ihr. Der Reich-
thum der Melodieen ist unerschöpflich. In dieser
Hinsicht hat es viel Aehnlichkeit mit Figaro, doch
strebt in ihm die heitere Laune weit höher an.
Die Charaktere der Damen sind naiv, flatterhaft'
ä buhlerisch gezeichnet; i" 1 i' ••'
Der humoristische Educationsrath zeichnet sich
vorzüglich aus. Mozart, dem überhaupt nie Etwas
misslang, hat auch diesen Charakter mit vielem
Glücke bearbeitet. ' > ' •
über sie, wie über die anderen Charaktere, verbrei-
tet sich eine leichte, etwas grelle Farbengebung.
Die Ouvertüre versinnlicht den Titel der Oper« 1
„Die Mädchen sind von Flandern" durch ihr bestän-
diges Wechseln der Instrumente. Mit einer äusserst
muthwilligen Laune giebt Mozart bald den Blas - In-
strument en , bald den Streich -Instrumenten die Me~
lodie, und wechselt hierin so schnell und unverse-
hens, dass das Gehör beständig getäuscht wird, und
oft die Geigen noch zu hören wähnt, wenn schon
die Blas - Instrumente an ihre Stelle gerückt sind,
»
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and so auch im Gegentheile mit den Violinen. Oft:
schweigen diese plötzlich und die Blas -Instrumenta
Melodie wandert» gleich den Mädchen von Flandern,
Ton einem zum andern — Instrumente« In dieser,
ao wie. in jeder andern Hinsicht ist diese Ouvertüre
eine der künstlichsten und angenehmsten Composi-
tionen Mozart's. Ihre Ausfuhrung erfordert die äus-
serste Genauigkeit und den strengsten Tact. : i
: In der ganzen Oper, so wie in der Ouvertüre,;
herrscht eine, immerwährende Abwechselung, eine
überaus liebliche Melodie und ausgesuchte Instrui
mental r Begleitung.
Man kann also nicht gerade zu sagen, dass diese
Oper das .unbedeutendste Werk Mozart's sey, frey-
lich vielleicht von seinen theatralischen Werken als
Ganzes betrachtet. Zu seiner Gestaltung hat somit
die allzugrosse Einfachheit des Gegenstandes, die
schwache Zeichnung der Charaktere von Seiten des
Dichters, die Unwahrscheinlichkeit der Situationen,
das Matte der Auflösung und vor Allem die er-
bärmlichen üebersetzungeri viel zu diesem Ürtheilb,
beyge tragen» Um desto grösser waren daher die
Schwierigkeiten, mit denen der Componist zu käm-
pfen hatte. Und wie hat er diese überwunden? Zu-
erst fallt in die Augen, mit welcher Delicatesse diese
Oper instrumentirt ist; wie Mozart sich dabey aller
ihm vorgeworfenen Ueberladungen enthalten hat;
wie zweckmässig er sich aller Blas -Instrumente be-
dient. . Man nehme dazu die Haltung des Ganzen,
die Grazie in den einzelnen Gemälden, mit welcher
Zartheit jede Empfindung behandelt ist; die Wahr-
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heit de* Ausdrucket Die »andlung vertragt teilt*
starke Colorirfung, und doch diese "leine Nuancirung
der Charaktere i Das Ernste, Bestimmte der Fiordil%H
das Lichte, Frohsinnige der Dorabella^ ]Perrando?Ä
sanfte Schwarmerey* GuglielmoY -fröhliche Lauge*
Despina's Schlauheit, wie meisterhaft! Und in* ahW
diesen Charakter- Schilderungen nicht einen einzigen
kleinen Widerspruch! Sollte man endlich» das Gänse
*u flach finden (ohne des Dichters Schuld), so be*
weisen einzelne Situationen das GegentheiL 1 Haupt-
sächlich das Terzett t Soave etfi ü vetitb etc., das
Sextett: Alla bella Despinetta etc., die Arie: timkt±
nie implacabili etc. etc. ; •»'»••' • ' *
. JD o n Q i o 'v ay n n i. • 1 * •'»• •!
-i., / .... Qperi* a Aptin. . • 1 ...l - . *.S»,r
Man kennt diese Oper unter dem Titel: Tt dit*
soluto punito, Und nach der Uebersetzung : Don Juan^
oder der steinerne Gast. Der Originaltext ist vorii
Abbate di Ponte. Ausser der Schröderschen UmanU
derung in vier Acte und Nationalisirun£ der Cha-
raktere hat man- Verschiedene tjebersetzungen. Die
Bearbeitung von Friedr. Rochlitz ist unstreitig die
, . • .«t • • • / c
beste.
Mozart schrieb diese Oper bekanntlich für dad
Präger Theater unter der Direction^ des bekannten
Bondini, im Jahre 178% ' A ' • 1 ' : - '
Wenn schon in Hinsicht der Compositum diese
Oper eines der vorzüglichsten* Kunsterzeugnisse Mo*
zart's ist, so kann sie doch' nichts weniger als den
Forderungen des Aesthetikerä Genüge leisten, weil
man sie nicht als eine ganze Schönheit betrachten
kann. Die Gefühle sind zu verschieden, zu wider-
sprechend, die Charaktere greifen nicht in einander
und von allen Aufgaben, die in der Zauberflöte so
meisterhaft . gelöVt sind , konnte hier nicht die Rede
seyn. Mozart selbst hat dies« gefühlt, aber er
konnte nicht anders ; der Text las nun einmal da.
Bey dem Dichter und bey dem Componisten
findet kein gutes Verhäitn iss zwischen den beyden
weiblichen Hauptrollen Statt* Anna soll Hauptper-
son seyn, verhält sich aber überall nur leidend und
hat doch die ausgefuhrtesten Gesangstücke. Elvira
ist heroisch, übereil ihätig und hat zwar trefflich
gearbeitete aber doch in Ansehung der Sängerin nicht
so hervorstechende Stücke. Mozart's richtiges und
feines Gefühl würde «ihn schon vor dieser Incon-
venienz gehütet habe», 'wenn er nicht, wie bey al-
len seinen Opern, auf viele Nebenumstände hatte
Rücksicht nehmen müssen* Auch hier musste er die
besonderen Kräfte der Sänger und Sängerinnen bev
der Aufführung beachten und musste ihnen nachge-
ben 5 und bedenkt man, was er unter diesen Ver-
hältnissen dennoch, leistete, so wird man Stoff zu
neuer Bewunderung genug finden* >
J)ie Musik soll nicht malen, nicht einmal pitto-
resk seyn. Aber es giebt eine gewisse malerische
Darstellung in der Musik, die gerade die vollendetsten
Kunstwerke bezeichnet. Ich, föchte sie die unsicht-
bare Malerey nennen; aber sie ist nur den erhaben-
sten Genie's, einem Mozart , eigen«, Aus einer ganz
alltäglichen Phantasie wird durch den Don Juan ein
romantisches Leben erscheinen, und alle seine wech-
selndcn Cjcstaltcu ^vexden sich vor dem innem Auge
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. — 22L_
i
zu kühnen und bedeutenden Gruppen bilden, die sich
immer kühner und immer bedeutungsvoller verdrän-
gen, bis zuletzt die dunkle Ahnung erfüllt wird und
eine unbekannte übermenschliche Kraft dieses Leben
untersinken lässt, um ein anderes furchtbares her«
vorzurufen*
In dem Andante der Ouvertüre ergreifen einen
die Schauer des furchtbaren, unterirrdischen regno
f del pianto } Grausen erregende Ahnungen erlullen das
Gemüth. Wie ein jauchzender Frevel klingt die ju-
belnde Fanfara im 7ten Tacte des Allo; man sieht
aus tiefer Nacht feurige Dämonen ihre glühenden
Krallen ausstrecken — nach dem Leben froher Men-
schen, die auf des bodenlosen Abgrundes dünner
Decke lustig tanzen. Der Conflict der menschlichen
Natur mit den unbekannten grässlichen Mächten , die
ihn, sein Verderben erlauernd, umfangen, tritt klar
vor die Augen des Geistes. Durch den Sturm der
Instrumente leuchten wie glühende Blitze die aus
ätherischem Metall gegossenen Töne- Mehr als Ver-
zweiflung über den grausamsten Frevel liegt in den
entsetzlich herzzerschneidenden Tönen. Das Terzett
der Masken ist ein Gebet, das in rein glänzenden
Stralen zum Himmel steigt, und der fugirte Chor
rundet das Werk herrlich zu einem Ganzen.
»
Thut denn zur Oper das Gedicht mehr, als zum
Gemälde die grundirte Leinwand ? Wahr ist's : ohne
Grund lässt sich eben nicht viel malen, aber das
Grundiren kann auch allenfalls ein geschickter Far-
benreiber hinlänglich besorgen. Solche poetisch mu-
sikalische Farbenreiber finden sich jetzt in allen Ecken :
fanden sich nur auch die poetisch malenden Musiker!
•
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— ■ •
«
— Mozart — Wetter noch einmal S der hat um wahre
Opern gegeben: aber wie wenige! und wie viele
müssen wir auch von den wenigen abziehen! Ido-
meneo und die Entführung sind nicht übel — das
versteht sich: doch aber nur jugendlich , gleichsam
Versuche der Fühlhörner auskriechender, aufdäm-
mernder Genie's. Figaro ist besser: aber nach Kai-
ser Josephs Geschmack; italienisirt und ohne Ro-
mantik. Den Titus musste der Meister in zwölf Ta-
gen sehreiben, einem seinem Wesen nicht zusagen-
den Texte «ich bequemen, und fast Alles überdiess
einem kleinen Häufchen italienischer Sänger auf den
Leib zuschneiden* So blieben denn nur Cosl fem
tntte, die Zauberflöte und Don Juan. Diese sind
aber auch, sagt Jemand, nebst Cimarosa's Matrimonio
segreto, die eineigen wahrhaft göttlichen, d. h. end-
lich doch die einzigen Opern, die die Welt hat.
Wenn Mozart Opern componirte , ward er für
uns Dichter! Die Ouvertüre zu Don Juan lasst alle
Schauder der Unterwelt ahnen. Die hohe Idealität
Mozart's macht, dass man keinen Maassstab einer
anderweitigen Vergleichung für sie findet Alle ge-
nialen Kräfte des Menschen stehen in diesem schaf-
fenden Geiste in ihrer höchsten Blüthe und geben
jeder durch ihn gebildeten Form einen Abglanz vom
Göttlichen, der dem Gefühle des Beschauenden die
hohe Wonne schon von selbst mittheilt, aus deren
zeugender Kraft jede seiner Melodieen entsprungen,
jedes seiner grossen Tonbilder gleich einem organi-
sehen Keime entwickelt ist. Daher der, immer wie-
der aufs neue geweckte, Enthusiasmus bey jeder Auf-
ilihrung; daher die ewige Jugend und reizende An-
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99
mulli der Ideen, und die bey den Werken des Ge-
nie'« nur zu beobachtende Erscheinung, dass Jeder
sie versteht, und wäre er auch ein Laye der Ton-
kunst«
Anna ist der höchste Charakter, den Mozart ge-
schaffen, eines der edelsten weiblichen Gebilde, wel-
ches die Literatur der Tonkunst aufzuweisen hat«
Vom ersten Auftritte an sehen wir sie in tragischer
Bewegung. Man fühle die rhythmische und melodi-
sche Steigerung des Gesanges bey den Worten: non
aperar se non m'uccidi, cti io ti lasci fuggir mai
etc. bis im letzten Tacte die Stimme in Zorneswuth
wieder zurückgeschleudert wird — man höre den
Sturm des Orchesters! Es ist nicht mehr zu ver-
kennen, dass ein furchtbares Geheimniss Anna aus
dem sichern Schlosse Don Juan nachreisst. Das Un-
glück kettet sich an die Schmach: Anna's Vater fällt:
•ie hat den Zweykampf und seinen Tod herbeyge-
zogen. Nun ist lur sie keine Ruhe und Rettung,
daher ist nach dem bewusstlosen Schrecken ihr erster
Gedanke, der neben den tiefsten Schmerzen Raulen
Sprache erringt, der Aufruf zur Rache. Ja, ehe er
noch Worte findet, ahnet man es schon in dem für
blosse Klage viel zu gewaltigen Ausbruche des Alle-
gro: Fuggi crudele fuggi, lascia che mora anch'
io etc., indem sich aus ihrem Gemüthe eine kraft
entfaltet, die selbst aus der leidenschaftlich stürmen—
den Introduction nicht zu ahnen war. Diese Kraft
und das Beruhen in dem einen Zweck der Rache
wird bewährt durch die ruhigere Haltung im Quar-
tett. Aber Don Juan's letzte leidenschaftliche Worte
zu Elviren verrathen ihn, vernichten ihre Hoffnung
7*
1
100
— unfähig, sich und die Verhältnisse zn
ruft sie in dem heftigsten Ausdrucke der Angst nach
Hülfe, Schutz: Per pieta eoccorretemi ! Nun kann
sie nicht mehr schweigen — • was verborgen war,
wird nun offenbar, und nun ist ihr Geist jeder lasten-
den Fessel frey — erhebt sich über Unglück und
Schmach — der Tod des Vaters wird nicht mehr
beklagt. Die Glut der Leidenschaft bricht in helle
Flammen aus (daher Schlag auf Schlag die Modula-
tion von A*> nach Gfl, von E*> nach G*, nach E 8)
und in gewaltigen Accenten werden die letzten W orte
der Erzählung: Cvmpie il misfatto suo — der
erste Ruf zur Rache. Diese durchströmt die folgende
Arie in einem unversiegenden Feuergusse : von ihr er-
füllt, tritt Anna aus den Schranken ihres Geschlechts,
steht als gerüstete Heldin da: jede Bewegung ist
gross und voll sieggewisser Kraft, jeder Ton in dem
ersten Satze der Arie : Or sai chi Vouore — ist ein
herrschender Ruf. Die rollenden Basse schlagen an,
wie die Brandung an den Fels , nicht ihn erschütternd,
sondern seine Unerschütterlichkeit bewahrend. Wie
ein Blitzstrahl schlägt der Racheruf: Vendetta ti
chieggio — die Seele und zwingt das aufgeregte Or-
chester, nachzuhallen. Selbst der Schmerz der Rück-
erhmerung: Rammenta la piaga etc. bis zum er-
stickenden Zorne, bis in der letzten Steigerung Ven-
detta, Vendetta ti chieggio etc. der die Welt durchzie-
hen % möchte und in die Waffen rufen gegen Don
Juan — und wo doch ein leiser Nachklang des tiefsten
Wehe nicht unterdrückt wird. Der Ruf der Rache
'ist erhört, Anna's Pflicht erfüllt. In ihr, die nur
reinen Sinn und Liebe kennt, musste der Gedanke
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der Rache geboren werden, um geheiligt zu sevn.
Sie nicht soll das Werkzeug der Vollstreckung seyn;
ihr Verlobter ist zu schwach 5 machtigere Wesen
vollbringen es* Anna hat nur noch das Gebet zum
Himmel um Schutz und Rache.
Aber eben nun muss sie vergehen , das Geschäft
ihres Lebens ist vollbracht, ihr Geschick ist nicht
wieder herzustellen. Wenn sie im Sextette wieder .
erscheint, wird sie schon bey ihrem Eintritt als das
Opfer verkündet als die unrettbar Hingeopferte —
wer erkennt das nicht mit unbeugsamer Gewissheit
in dem leisen Paukendonner, der in dem Es$ Satze
bey der unerwarteten Wendung nach D # auf A ah-
nungsvoll eintritt? Der arme Ottavio wollte trösten
— da wendet sich der Gang aus dem hellem Dur
nach Moll der ahnungsvolle Donner rollt verhal-
lend, und in langen Tönen haucht Anna ihren Schmerz
und ihre Lebenskraft aus. Sie möchte den bald ganz
Verlassenen noch ein tröstendes Lächeln schenken —
daher- die unendlich tief gefühlte Wendung nach B tf.
Aber nur einen Augenblick ist sie dieses Liebes-
opfers fähig: Sol la rnorte il mio pianto pub finir
etc. Noch nie ist das Vergehen im Schmerz und die
zuverlässige Ahnung der nahen Auflösung so gesun-
gen worden, wie hier von Mozart. Die nun folgende
Scene der Anna ist der Rückblick der Scheidenden
auf das blühende Leben — es ist der Sinn von Gö-
the's unsterblichem: So lasst mich scheinen, bis ich
werde — dieses sind die Grundzüge des erhabensten, '
reinsten, edelsten Charakters, den Mozart geschaf-
fen hat.
Auf vielen Bühnen ist Don Juan ein Wüstling,
/
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103 .
der armselig von einem Madchen zu dem andern
taumelt , mit kaltem Blute Menschen hinmordet, und
der Gemordeten in gedankenloser Rohheit spottet,
der in dieser tiefen moralischen Entwürdigung keine
einzige Kraft, nicht einmal die einer tüchtigen Lei-
denschaft entfaltet — kurz, ein dumpfes Thier unter
menschlicher Maske. Ob diess ein Gegenstand für
die Kunst ist, den Mozart im Sinne gehabt, als er
die edelsten Regungen seiner Seele in Tönen ergoss?
Daran setzte er die höchste Kraft seines grossen Ge-
niels? Im Werke selbst findet sich nicht ein einzi-
ger Zug eines gemeinen, niedrigen Charakters« Wir
sehen Don Juan in der Introduction bedrängt, fast
ausser Fassung — dennoch stolz. Ein Zug der Ge-
ringschätzung verräth sich in seinem Gesänge nach
dem. blutigen Zweykarapfe, aber zugleich in der gan-
zen Melodie eine gewisse Rührung. Vielleicht möchte
Don Juan sich ihrer entäussern, vielleicht schämt er
sich ihrer — doch kann er sie nicht unterdrücken.
Wir finden ihn nachher lüstern beyZerlina, heuch-
lerisch im Quartett und zweyten Terzette mit Elvira,
, scherzend mit Leporelfo, zu wilder Lust aufgeregt
; in der Champagnerarie, in hoher Bedrängniss im
ersten Finale, wir sehen seinen furchtbaren Unter-
gang — nirgends ist er der aller menschlichen Re-
gung haare Wüstling.
Sein letzter Frevel ist der an Anna. In ihm
und der Ermordung des Gouverneurs ist seine Bahn
beschlossen, und wahrlich ! es ist genug an dem dop*
pelten Verbrechen, das Anna's Leben ganz zerstört.
Ohne es zu wissen, hat Don Juan auch sein Geschick
dabey entschieden. Er versucht sein frivoles Leben
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103
fortzusetzen in Ausgelassenheiten aller Art; Alles
misslingt ihm: Alles drängt ihn immer näher zur
Strafe* Die letzte Gewaltthat, die er an Zerlinen
versucht, misslingt, wie Alles und treibt ihn in die
Flucht. Diese führt, ihn an das Monument des Gou-
verneurs. In dem wilden' 2?#- Duett packen ihn zu-
erst Ahnungen des bevorstehenden Untergangs; es
scheint fast, als sey er des Treibens selber müde ;
sein Scherz mit dem Geiste, sein Hohn ist erzwun-
gen, jene Regungen zu unterdrücken. Und dennoch
sein nahes Geschick.
So steht nach der Grundanlage des Drama Alles
in notwendiger Folge und im wirkungsreichsten
Zusammenhange. Don Juan mit den edelsten Anla-
gen, mit einem Herzen voll liebender Glut, von
Menschen umgeben, die ihm keine Befriedigung ge-
währen können, höher stehend, als sie alle, und
doch nicht hoch genug, um in sich selbst und eig-
nem thätigem Leben Genüge zu finden, um jene zu
entbehren — wird seiner edlen Natur abtrünnig,
fallt, und wenn er zuletzt dem Wesen naht, das
allein seine Sehnsucht hätte befriedigen können, dann
ist er durch den eigenen Abfall schon verderbt und
nur fähig,, auch sie zu verderben.
Ist dieser Untergang einer reichen Natur nicht
hinlänglicher Stoff für ein. Drama? — wozu die dop-
pelte Mordthat am Monumente? Durch diese sinkt
er unter die Banditen und Strassenräuber herab, die
bestimmte Antriebe haben. Ein Mensch, der sinn-
los mordet, kann nur Abscheu erregen, und ist kein
Gegenstand für die Kunst. (Ist bey diesen Anlässen
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Musik?) — Fast eben so störend ist der trockne
Spaass mit dem Glaubiger. Es ist nun nicht mehr
Zeit zu zerstreuenden Possen, Don Juan kann ihrer
nicht mehr fähig seyn, und im Bacchanal, womit
das Finale beginnt, sucht er nur sich zu betäuben.
"Wozu waren noch fremde Spässe?
Leporello ist ein Tropf, der, in der Schule der
Nichtswürdigkeit seines Herrn, eingeweiht in die Ge-
heimnisse der Verführungskunst, erborgten Witz mit
origineller Dummheit paart, und — wie jedes Ge-
schöpf dieses Schlages — nur klug erscheint, wenn
sein Herr nicht zugegen ist. Daher hebt sich seine
Partie nur immer da, wo er nicht mit seinem Herrn
in Collision kömmt, wie in der Arie: Madamina!
il catalogo i questo etc. und im grossen Sextett : Sola,
sola in bujo loco etc. im zweyten Acte, wo er sich
ganz ausbreiten kann, ohne zu riskiren, dass sein
Herr ihn mit seinen Albernheiten prostituire. Hin-
gegen in Gesellschaft seines Herrn 'ist er nur das
Echo des erstem, um doch etwas zu sagen, ohne
■
sich zu blamiren. Solche nachbetende Stellen sind
unter anderm vorzüglich im ersten Finale. — Der
Dichter hat freylich zu sehr auf diesen faden Spaas-
macher gerechnet, dass durch ihn nicht selten der
Totaleindruck mancher ernsthaften Scene geschwächt,
oft gänzlich vernichtet wird, wie bey der Mord scene
auf dem Kirchhofe und besonders bey der Geister-
scene, wo er völlig zum Hanswurste herabsinkt. Die
ganze Scene hätte sich selbst verderben müssen , hätte
Mozart nicht Leporello's Partie als blos ausfüllendes
Accompagnement, mit dem Basse gehend in: La
terzana d'avcrc mi aembra etc. behandelt, worin er
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alle Aufmerksamkeit nur auf Don Juan leitet und
Leporello's Worte nur mit den Triolen weniger be-
merkt dahin rollen lässt. «
Ottavio ist — ein wahrer Bräutigam. Er will
die gekränkte Ehre rächen , und zittert bey dem Ge-
danken an die Möglichkeit, sein Leben dabey zu
verlieren. Selbst das Schwankende seines Charakters
malt Mozart vortrefflich in der Arie : tl mio tesoro
intanto etc. Die ganze Musik seiner Partie malt den
Jüngling, dessen Feuer, gebunden durch die süssen
Bande der Liebe, nur hier und da noch auflodert,
schnell aber wieder in den Busen zurückkehrt, wenn
ihn sein Bräutigamsstand an die Pflichten für sein
Mädchen erinnert. Annas Besitz liegt ihm näher
am Herzen als die nutzlose, gefahrvolle Rache des
— doch nun einmal todten — Vaters.
Masetto's Charakter erlangt seine meiste Bestimmt-
■
Heit durch die späterhin eingelegte Arie : Ho capito,
signor si etc. und mit dem Anfange des ersten Fi-
nals: Presto presto! pria eh9 ei venga etc. Der
Bauer ist in beyden Stellen in der Declamation so-
wohl, als im Accompagnement meisterhaft geschildert.*
— Der Gouverneur, so kurz seine Scene ist, so edel
ist sein Charakter behandelt. Und wie schön malt
Mozart die Stelle, wo der Verwundete nur mit äus-
serster Anstrengung spricht, da ihm der Stich die
Luft versetzt, immer in abgebrochenen Noten, ein
Achtel, ein Viertel, dann wieder Pausen. Endlich
bey abnehmendem Athem bleiben die Achtel aus und
die einzelnen abgebrochnen Athemzüge erscheinen
in Gestalt einzelner Viertel zwischen Pausen in jedem
Tacte. Erst wo die Singstimmen schweigen, malt
m
Mozart mit der klagend einfallenden Oboe das Win-
den und Krümmen des Sterbenden. Dieses Solo bebt
sich auf dem trefflich gewählten Instrumente bey
der schwachen Begleitung meisterhaft heraus; der
Hörer selbst fühlt ein unwillkürliches Zusammenzie-
hen in der Brust. Wie viel Ueberlegung herrscht
in der Abnahme dieser Stelle durch die Flöte mit
dem Fagott ! Man kann hier malerisch sagen : Mo-
zart hat seine Farben trefflich in einander verschmol-
zen. Diese Scene ist überhaupt classisch«
Elvira, das treueste Bild eines edlen, gemisshan-
delten Weibes, das, vom Gram und Gefühl ihres
Unglücks niedergebeugt, ihren traurigen Verhältnis-
sen entfliehen will und nicht kann, ihren Verführet
hassen, verabscheuen möchte, und noch immer mit
Liebe an ihm hangt* Ihre Würde, so wie ihre
Schwermuth wird sehr wahr mit Es geschildert.
Zerline scheint ein Lieblings- Charakter von Mo-
zart gewesen zu seyn, denn sie ist con amore bear-
beitet und ganz das unbefangeuene Naturmädchen
mit einer gehörigen Gabe Vorwitz unter dem gewöhn-
lichsten Deckmantel der Sanftmuth und Eingezogen-
heit. Schon die Wahl der ruhigen Tonart Fi in:
Batti, batti o belMasetto, etc. und der andern sanft-
fliessenden, tändelnden C8 in: Vedrai carino etc.
charakterisiren sie hinlänglich.
Das Terzett in der fünften Scene, wo Elvira er-
scheint: Ah cid mi dice mai — drückt die Angst
der Forschenden mit den lebhaftesten Farben aus. — , i
Wie schön ist die Abwechselung im Accompagne-
inent. welche Farbenmischung der Instrumente und
welche Charakteristik in der Action in der allbelieb-
*
* M
f
I
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107
ten Arie Leporello's : Madamina! il catalogo i que-
sto. — Man fühlt gleichsam in den kurzen Achtel-
noten das Hin- und Herdeuten mit dem Finger bald
auf dieses , bald auf jenes Mädchen, und die staccato
herunter burzelnden Läufer zeigen das Wegmessen
ganzer Provinzen auf der Bandrolle« Da, wo er in
der Erzählung schneller wird und die Mädchen ge-
schwinder vorzeigt, häufen sich auch die Instrumente
V
zum lärmenden Tutti: V hon fra queste conta-
dine, cameriere, cittadine, S hon conteaae, baroneaae,
marclieaane, principeaae. —
Die später eingelegte Arie Elvirens: In qua Ii
„ ecceaai, o numi! etc. ist ganz charakteristisch und
unstreitig eine der vollendetsten, die Mozart je
schrieb, und leistet allen Forderungen des Aestheti-
kers Genüge. In der Declamation liegt so viel
Weichheit, und doch so viel Tiefe der Empfindung,
in der Melodie so viel Ausdruck des edelsten Schmer-
zes$ — sie reisst unwillkürlich mit sanfter Rührung
allmälig zur innigsten Theilnahrae hin. Sie packt
' nicht, aber ihr modülcirter Stufengang wirkt desto
sicherer, bleibender, schöner — - wie es jedes vollen-
dete Kunstwerk sollte.
■
In dem muntern Hochzeitchore: Giovinette che
fatte all' amore etc. malt Mozart die reinste, innig-
ste Freude, wie sich unschuldige und gute Natur-
menschen freuen.
Elvirens Arie: Ah fuggi il traditor! etc. ist
ein contrapuncüsches Kunststück. Es scheint, als
habe Mozart zeigen wollen, dass er auch in Bach'-
scher Manier schreiben könne.
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#
Ihr Styl ist schon, aher von allen andern Piecen
dieser Oper so unendlich verschieden, dass ihre Aus-
führung bey den Vorstellungen befremdet, und wie
mit dem Schlage einer Zauberruthe in das goldene
Zeitalter Bach 's, Handels und Hasse's versetzt. In .
Ansehung des Tactes ist sie für manche Sängerin
eine gefährliche Klippe, wesshalb man sie auch häu-
fig weglässt.
Das grosse Quartett : Non ti fidar o miscra ! —
gehört nicht allein zu den vortrefflichsten Composi-
tionen im Don Juan, sondern auch in allen Werken
seines unsterblichen Schöpfers. In ihm sind alle
Forderungen eines guten Quartetts aufs angenehmste
befriedigt.
Die Arie Don Juan's : Fin ch* hon dal vino cal-
da la testa etc. ist das Charakterstück der ganzen
Rolle. Hier malt sich die wilde, taumelnde Freude
des Wollüstlings unverkennbar, besonders in: „Se
trovi in piazza" — wahre Tanzmusik; Alles schnurrt,
geigt und pfeift lustig schwärmend durch einander;
Alles dreht sich im Kreise und musicirt in vollem
Athem. Eben so charakteristisch ist Zerlinens Arie :
y,Butti, batti, o hell' M eiset to etc.
Das erste Finale ist wohl eines der vorzüglich-
sten vielleicht von allen, die je geschrieben wur-
den. — Man merkt es gleich, wenn der Dichter
Etwas für den Componisten that, dass er es zehn-
fach zu vergelten wusste. Die Anlage ist wirklich
brav und das einzige Gelungene im ganzen Texte. •
Alle Erfordernisse eines guten Finale's sind berück-
sichtigt: öftere Abwechselung, keine Leeren, das
Ensemble gewählt und kein zweckloses Kommen
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und Gehen der Personen, die Vereinigung zum
letzten Chore aus dem Anfange zwanglos entwickelt*.
Was Mozart für dieses Finale that, ist ausseror- .
dentlich! — Seine Schönheiten lassen sich nur em-
pfinden und von Kennern beym Lesen der Parti-
tur verstehen. Wie wechseln die Gefühle«! welche
Combination der Charaktere! Von der ersten Pri-
vat-Streitigkeit Maselto's mit seiner Braut an, bis
zum allgemeinen Lärmen am Ende, durch alle Ab-
•
Wechsel ungen der Empfindungen consequent bearbei-
tet. Maselto — man sieht in ihm die Hauptpersou
des Finales — erneuert es immer fort durch alle
Abwechselungen; bey der lustigsten Musik brütet
er über Rache. Die Menuett und das Gespräch der
verschiedenen Personen während derselben ist ganz
aus der Natur gegriffen. Keines hat auf das andere
Bezug und die Musik geht ihren eigenen Gang. Das
hier angebrachte Kunststück mit der Vereinigung
dreyer verschiedener Tactarten verdient Bewunde-
rung und giebt die schönsten Aufschlüsse über die
Behandlung dieser Tactarten.
Der Schlusschor: „Trema, trema aceUratol" ist
die Krone dieses Meisterwerkes. Wie malt die Be-
handlung der Geigen die Verwirrung! welches im-
merwährende Aufbrausen, Wogen und Stürmen in
den Triolen! Die Blas -Instrumente vereinigen sich
mit dem Chore, das Don Juan nicht zum Worte
kommen lässt und immer schrecklicher hereinbraus't.
Seine Wirkung ist einzig und das Ideal seiner Grösse
unerreichbar! — '
Das Terzett im zwey ten Acte : ,^dh taci ingiusto
core etc. mit seiner sprechenden Declamation ist
-
»
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trefflich gearbeitet. Das Ganre gleicht einem italie-
nischen Abendgemälde! —
Das Ständchen mit der Mandoline ist eanz im
Geschmacke italienischer Serenaten. Welche süsse
Töne überredender Liebe, welch warmer Odem im
Gesänge find Accompagnement!
Das grosse Sextett: „Sola, sola in bujo loco
palpitar ü cor m sento" etc. ist ein erhabenes Ge-
genstück zum Quartette des ersten Actes und dem
ersten Finale. Jede Forderung wird in ihm befrie-
digt 5 man muss es aber sehr aufmerksam studiren
wenn man die Enden des künstlichen Gewebes her-
aus finden will.
Der Choral, so wie die Gesangstellen der Statüe
und Don Juan's, ist von ungeheurer Wirkung, und
Mozart ist in Behandlung solcher Stellen ganz origi-
nell. Etwas Aehnliches hat der Orakelspruch Nep-
tuns im Idomeneo»
Die Armuth des Dichters im zweyten Finale ist
zu auffallend, und fürwahr! nur ein Mozart konnte
ihre Blosse bekleiden. Er hat Alles aufgeboten, um
die Zuhörer zu amüsiren, und wie schön ist e« ihm
gelungen! Ueberhaupt gelang Mozart Alles, sein
schöpferischer Geist wusste aus Nichts ein schönes
Etwas hervor zu rufen. Fürchterlich schön ist der
Eintritt des Geistes, das Erscheinen eines mehr als
menschlichen Wesens vortrefflich idealisirt. Hier
stehen d^e Posaunen an ihrem eigentlichsten Platze.
So wenig Einheit des Gefühls der Dichter in
den Text gebracht hatte, so wenig konnte Mozart
wieder geben. Eben jenes Ineinandergreifen zu ei-
nem Zwecke, jenes ununterbrochene Fortstreben zum
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Ziele nnd am Ende die scheinbar ruhige Freude,
Alles diess war für Don Juan verloren. Wild brau-
sen die widersprechendsten Gefühle im planlosen
Style durch einander. — Wie war es möglich, aus
diesem Plane ein schönes Ganze hervor zu rufen?
Und dennoch ist Don Juan eins der reichsten Werke
an Kunstschönheiten* Aber immer nui* im Einzelnen.
Jede Scene ist für sich schön und bildet, ein einzel-
nes Kunstwerk > das nie auf das neben ihm stehende
Bezug hat. Man beurtheile diese Oper nie als "ein
Kunstwerk. Don Juan ist kein schönes Ganze, es
ist eine Bildergallerie einzelner Schönheiten. .
Man muss erstaunen, wie Mozart bey solchen
grotesken Sprüngen des Sujets dennoch so viel Gros-
ses mit Kleinem, den grössten Schreck mit dem fa-
desten Spaasse zusammenstellen konnte! Denn man
halte nur die Geisterscene gegen die Bauernhochzeit,
dieMordscene gegen die Arie: Fin ch'lian dal vino
• ■ ■
etc.!
Dass das Sujet, diese so abgeschmackte Farce,
weiland jesuitischer Erfindung ist, ist bekannt. *)
Nur zu bedauern, dass Mozart seine himmlische
Musik daran verschwendet hat.
% •) Die erste Veranlassung zu diesem Mährchen war ©in politi-
scher Koman , von einem portugiesischen Jesuiten verfasst,
unter dem Titel: Vita et mors scelemtissimi 2*rincipis Do~
• mini Joannis, und hatte «um Zwecke, daa Publicum mit den
achlechten Streichen des damaligen Könige Alfons VI., eines
Sohnes Don Joannes von Braganza, zu unterrichten und zur
Empörung gegen ihn zu verleiten. Der darin aufgestellte
Don Juan ist König Alfons selbst, gegen welchen sich seine
eigene Gemahlin, die als Donna Elvira auftritt, mit seinem
Bruder Don Pedro verband und ihn vom Throne brachte.
Er wurde auf eine der azorischen Inseln gebracht, wo er
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ig»
Dil Zauber flöte.
Oper in a Acten.
• Diese Oper hat den Kunstrichtern viel zu schaf-
fen gemacht. Einige verwarfen das Gedicht als rein
toll und abgeschmackt und sahen Alle (sich seihst
mit), die sich darin geachtet zum Schauspiel dräng-
ten, als Verführte durch Mozart' s Musik« Sie mein-
ten, Mozart habe aus dem Unsinne Schikaneders nur
•
erst Etwas gemacht, aber ein Etwas, das in Schika-
ne der gar nicht begründet, gar nicht zu ahnen ge-
wesen wäre. Aber Mozart twar kein Schikaneder
und seine Opern sind nicht aufgesetzte Flicke, son-
dern die Beseelung der Gedichte im Elemente der
▼erhungern sollte, nach der Zelt aber, als der neue Regent
nichts mehr rem ihm au furchten hatte, wieder aurückgebracht
und bis an seinen Tod in einem Thurme bey Lissabon ver-
wahrt. Die Jesuiten mschteh dem Volke weiss, der Teufel
habe ihn in den Lüften fortgeführt. Er war ein gleich schlech-
ter Regent und bey spie Unser Bösewicht, allen, selbst den un-
natürlichsten Lastern mit Aufopferung seiner Gesundheit und
seines Verstandes ergeben. Die Jesuiten , die am thätigsten
su seinem Unglücke mitgewirkt hatten, sogen ans dem Ro-
mane eine Komödie und liessen sie von ihren Schülern auf-
führen ; wandernde Schnuspielertruppen brachten sie als ex-
temporirtes Stück nach Spanien und Italien, wo es als Hallet,
Pantomime, Schauspiel, Farce, Oper und Marionetten - Ko-
mödie aufgeführt wurde. In letater Qualität ergötat es noch
jetzt die Bauern im Oestreichischen. Goldoni bearbeitete ea
schon als skJssirtes Schauspiel für Venedig. Moliere führte
es ans, und der Abbas di Ponte, Theaterdichter bey der ita-
lienischen Oper in Wien (Metastasio's Nachfolger), fertigte
den Text für Moxart's Composition, wo Arien und Dialog,
wie in den mehresten italienischen Opern, durchgängig gereimt
sind. Man könnte sehr gut dieser Oper die Geschichte Al-
fons VI. unterlegen, ohne dass die Musik verrückt würde.
Und auf diese Weise würde Mosa*'« Musik allenfalls noch
gerettet.
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<13
Musik. Seine Zauberflöte ist das musikalische Leben
der Schikanederschen« Andere hatten auch diese
Ansicht und den Glauben an eine innere nothwen-
dige Verknüpfung des Textes und der Musik, und
so wenig sie mit jenem an und für sich anzufangen
wussten, so galt er ihnen doch nur in seiner musi-
kalischen Belebung. Aber solch ein Schatz von mu-
sikalischen Schönheiten, so mannigfache und tiefe
Empfindungen, die Mozart dem Gedichte abgewon-
nen, waren denn doch wohl zu köstlich, um an ein
blosses Zauberspiel, über dessen abergläubischen und
inepten Inhalt verständige Leute nur lächeln, ver-
schwendet zu werden? Was war denn die Absicht
des Dichters gewesen? „Eine Parodie, eine Apo-
theose des Freymaurer- Ordens." Symbolisch: der
\ Kampf der Weisheit mit der Thorheit — der Tu-
gend mit dem Laster — des Lichtes mit der Fin-
sterniss.
Ich ziehe vor, mich dem Künstler bey dem Ge-
[ nusse seines Werkes ganz hinzugeben und ohne Kopf-
> brechen nur das im Kunstwerke für mich gelten zü
lassen, was sich daraus offen ergiebt. Versucht es>
. Euch dem Künstler und seinem Werke ganz hinzu*
\ geben, wie das Kind der Mutter. Vielleicht geben
r die Weisen des Künstlers Euch eine Ahnung, die
1 höher schwebt, als Ihr auf dem Fittige des Text-
\ buches empor flattern könntet. Ruft die Kindheit
zurück, wenn Ihr die Zauberflöte verstehen wollt.
Zertrümmert mir nicht sogleich die Feenpaläste mit
f rohem Geschrey, läutert, klärt mir nichts ab mit
Greisen- Weisheit, was nur als Unerklärbares die
Kinderseele entzückend berauscht. Wahrlich, der
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Gewinn ist nicht erheblich, zu ergründen, wie und
warum die Fabel in dem Kinde entstanden: das
Mährchen nur und der Glaube daran kann das Mähr-
chen belohnen. So glaubt zwey kurze Stunden, oder
entsagt dem Genüsse des holden Wahnes.
Mozart hat es zuversichtlich nicht anders gemeint.
Er hat nicht hochmüthig über Schikaneder gelächelt
— wie hätte er ihn denn sonst componiren können?
— oder in thörigter Weisheit die Tiefe gesucht, wo
nur die Oberfläche in gleissender Farbenpracht ent-
zücken und nur die Ahnung der Tiefe im Entzücken
uns durchschauern konnte. Er ist mit Schikaneder
Eins geworden; allem Vermögen des Kindes gebeut
er, keiner Schwäche schämt er sich. Hört nur die
Ouvertüre, wie ernst es ihm war, wie dem holden
Kinde im Glauben an die Zauber weit die erste Ah-
nung eines Göttlichen in feyerlichen und so kindlich
süssen Weisen erwacht! Wie löset sich Tamino's
verzweifelnde Angst und der .Triumphgesang der
Damen in die niedlichste Kinder - Koketterie, wie
närrisch der Vogel Papageno die Bühne um das Pu-
blicum vergisst — und wie verliebt Tamino und wie
majestätisch und klagenvoll die Königin thut — erst
Tamino, und dann der Tochter gegenüber — und
sich, so kinderhaft vergessen, in die zartesten Lerchen-
triller verirrt! Ueberall holdes Spiel, der kösüichste
Selbsttrug mit Herzenskummer und Seeleuquaal, und
überall fuhren die Spuren zurück zur Kinderlust
und zum herrlichen sorglosen Spiele mit dem ern-
sten Leben.
Wäre eine Truppe der kindlichsten Wesen zu
finden, die sich und die Bühne und das Publicum
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I
145
vergässen, mit Mozart Kinder zu werden; eine mu-
sikalische Fee müsste an der Spitze stehen! Dann
würde die Zauberflöte zum ersten Male und voll-
kommen verstanden«
In der Zauberflöte sind alle ästhetischen Aufga-
ben der Tonkunst gelös't, wenn man nämlich zur
innern Schönheit eines dramatischen Tonstückes die
Sittlichkeit mit zur Hauptbedingung des Wohlgefal-
lens macht $ wenn Harmonie im Gange der Hand-
lung, reines Gefühl, ruhige, innige Freude am Ziele
des Gebildeten Sinn erfreut: so ist die Zauberflöte
gewiss der vorzüglichste Gegenstand des Wohlgefal-
lens für den mit achtem Kunstsinne begabten Ken-
ner. In diesem Werke herrscht durchaus ein Haupt-
gefühl jenes ruhigen, aber ununterbrochenen Hin-
atrebens an das Ziel, und ruhige Freude bey Errei-
chung desselben»
Das Hauptgefiihl ist durch die Ausdrücke von
Ergebung in Widerwärtigkeiten, des ruhigen, aber
kraftvollen und unablässigen Kampfes mit Wider-
wärtigkeiten, unnachahmlich schön colorirt, und mit
anderen Gefühlen, wie z. B. dem des Ausbruches
wilder Freude und unzweckmässigen Ringens, mit
Schilderung unedler Lust und verbotener Wünsche
- aufs vollkommenste contrastirt. Dabey sind aber
alle die verwandten und zur Hebung des Hauptge-
fühles dienenden Gefühle, bey aller Lebhaftigkeit
und Richtigkeit der Darstellung, doch immer so
gezeichnet, dass sie gleichsam im Schalten stehen,
während sich jenes im vollen Lichte heraushebt,
dass sie also nie den Haupteindruck im Zuhörer ver-
löschen, sondern immer nur auf die Hauptsache, auf
»
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■
116
die kindliche Sittlichkeit hindeuten und eine Selm-
sucht nach dieser vennehren.
Desshalb ist dieses Meisterwerk vollkommen ge-
eigenschaftet, einen Beleg zu den Regeln der Kritik
abzugeben. Das Gefühl, dessen Schilderung das
Thema des Ganzen ausmacht, ist sittlich im hohen
Grade, ja es ist etwas Vollkommenes, und ist auch
in einer sehr vollkommenen Darstellung ausgeführt
worden. Für Annehmlichkeit und Reiz des Ohres
ist durch Abwechselung jeder Art gesorgt. Die äus-
sere Schönheit des Gänsen besteht zum Theil eben
darin, worin die Annehmlichkeit liegt, zum Theil
wird sie durch die immer wechselnde Theilnahme
und die immer bestimmtere und hervorstechendere
Zeichnung des Hauptgefuhls bezweckt,
"Was im Ganzen dem Künstler so wohl gelun-
gen ist, hat er auch im Einzelnen erreicht. Die
kleineren Stücke behaupten, so wie die grösseren,
eine Einheit der Darstellung, die zur Bewunderung
hinreisst. Noch mehr : man kann in Beürtheüung
dieser Stücke nie übersehen, dass sie nur Theüe eig-
nes Ganzen sind; so geschickt deuten sie bestandig
auf die Hauptsache hin, so richtig ist die Schattirung
der einzelnen Partieen in jene des Ganzen verwebt.
Man nehme eine Arie, ein Chor etc. heraus, wo
man will: es hat einen edlen, ruhigen Charakter,
die Farbe, die es trägt, ist eine gemilderte Farbe,
uud die Freude, die es athmet, ist der stillen, ru-
higen Freude des Weisen verwandt. Diess freylich
mehr oder weniger, wie es der Zweck erforderte,
denn die untergeordneten Personen durften nicht so
edel empfinden als die Hauptpersonen 5 allein der
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117 .
Ausbruch des Gefühls ist selbst bey den Ernsteren
gleichsam durch die Verbindung, in welcher sie ste-. -
hen, geadelt, und der Schauspieler,, der den Mono-
statos oder Papageno spielt, muss ein sehr gewöhn-
licher Mensch seyn, wenn er durch sein Spiel der
Rolle das Schickliche und Anständige nimmt, wel-
ches der Tonkünstler, freyiich nur mit einem leisen
Hauche, über dieselbe zu verbreiten wusste.
Was die Charaktere betrifft, so sind sie gleich
gut gewählt und behandelt. Mozart bewies* sieh
darin als einen sehr gemüthvollen Zeichner; er hat
die Scene gut gewählt, wenn gleich nur Schatten
darauf zu spielen scheinen. Diese Schatten zu leben-
den Gestalten zu erheben , das lebendige , aber , nur
zu verworrene Leben, welches diese Oper bezeichnet,
zur blühendsten Romantik auszubilden , diese Auf-
gabe, welche Mozart bey der Bearbeitung dieses
-Stückes vorfand, hat er sehr glücklich gelös't. Mit
acht künstlerischer Willkürlich keit hat er die halb
verwischten und von Widersprächen mitunter durch-
kreuzten Charaktere aufgegriffen und mit festem Sinne
behandelt. Von der reizenden Fülle seiner Töne
* wie von einer goldenen Wolke umgeben, gekräftigt
und gediegen, wie von einem Zauberstabe berührt,
erscheinen sie jetzt in schöner Frische und üppiger
Jugendlichkeit. Wenn die Personen zu reden an-
fangen, so kömmt es uns nicht anders vor als miss-
lungene Ironie gegen sich selbst, wodurch das Stück
indessen eine gar nicht uninteressante Duplicität be-
kömmt.
Die Ouvertüre ist die Ouvertüre aller Ouvertü-
ren, sie ist gewiss die erhabenste aller Ouvertüren,
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118
die je compomrt wurden — ja, man kann sagen —
sie ist ein Monument, das Mozart dem unsterblichen
Ruhme der Kunst und der Verzweiflung seiner Ne-
benbuhler errichtet hat.
Sarastro, der König und Oberpriester — ein
Greis, ehrwürdig und weise, gut und streng, sanft
und erhaben ; sein Charakter ist sehr bestimmt* Grau
geworden in den Lehren der Mystik bleibt er sich
immer gleich; kein Ausbruch heftiger Leidenschaft
entweiht die Zeichnung des Charakters des stil-
len, ruhigen, erhabenen Weisen« Mozart hat die-
sen Charakter äusserst richtig bearbeitet« Die Ton-
arten, die er ihm anwiess. athmen Ruhe und Sanft-
heit, wie in der Arie: In diesen heil'gen Hallen etc,
DieTempo's sind feyerlich, erhaben* sanft und vol-
ler Würde. Man nehme das Gebet: O Isis und
Osiris etc. welche Inbrunst und edle Einfalt in Me-
lodie und Ausdruck! Wie schön hebt sich sein Cha-
rakter in dem Terzette: Soll ich dich Theurer nicht
mehr sehn ? und : Ihr werdet froh euch wiedersehn etc
Wenn gleich die Musik der anderen Sänger Unruhe
und Angst ausdrückt, so verräth das Accompagne-
ment doch hier und da einige innere Unruhe des
Weisen über den ungewissen Ausgang der bevor-
stehenden Probe. Sein Trost ist mehr wohlgemeint
als gründlich, und soll nur den Augenblick der Tren-
nung erleichtern, was sich auch in der Folge und
dem Schlüsse entwickelt. — Die besänftigende Arie:
In diesen heil'gen Hallen etc. hat so viel edle Ein-
falt, so viel namenlose Sanftmuth, und ihre Decla-
mation ist so richtig und dem Charakter des erhabe-
nen Weisen so anpassend, dass sie nicht schöner ge-
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geben werden könnte. Die einfache Begleitung, das
leidenschaftlose , ruhige Zeitmaass, die heitere Be-
reinigung einilössende Tonart, alles malt uns den
ruhigen Greis durch Weisheit und Erfahrung von
allen Leidenschaften geheilt, den väterlich Nachsich-
tigen, den Bemitleidenden, Lehrenden, Bessernden.
Nicht strafen, nur bedauern, ist der Geweihten
Pflicht. — Er nimmt an der Wuth des boshaften
Weibes, selbst da sie ihrer Tochter den Dolch zu
seinem Morde vertraut, keinen Autheil, sieht mit
gleichgültigem Bedauern auf ihre machtlose Wuth
herab, sein Herz schlägt nur für Menschenliebe —
die wahre Weisheit. — Wie schön malt uns diess
Mozart in derselben Arie: Den Müden reichen wil-
den Stab etc. oder: Man reicht sich treulich hier
die Hand und hat die. Rachsucht nie gekannt etc.
Bey dieser Lehre wird das Herz des alten, silber-
lockigen Greises warmer — die Melodie steigt auf-
war ts und verkündigt die wärmeren Pulse für Men-
schenwerth, die auch im Herzen des Greises nicht
erstorben sind. Und seines Charakters eingedenk,
schliesst die Arie doch so traulich sanft, als sie be-
gann, als wollte der Weise die Wärme seines Her-
zens nicht laut werden lassen, und sein halbverhalt-
nea Feuer lässt uns nur die warmen Gefühle seines
Herzens unter dem Priesterrocke — errathen, die er
schnell verbirgt, sobald er merkt, dass sie dem Her-
zen überwallen. Welche ruhige, aber desto innigere,
leidenschaftlose Freude webt und lebt in dem Reci-
tativ, am Ende, wo die Königin der Nacht mit ih-
rem schwarzen Plane und ihrer Rotte unter Getöse
in ihr ünsteres Reich zurückstürzt, alles Ungemach
i
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120
verschwunden, alle Prüfungen glücklich überstanden
sind! — Der Orean der Instrumente schweigt; die
Dissonanzen lösen sich; der wilde Chor verstummt,
alles lÖYt sich in feyerliche Stille. Die Glücklichen
sind am Ziele ihrer Prüfungen. — Traulich fasst
sie der Weise bey den Händen: Es fliehen die
Feinde, nun herrschet in Ruh'. Es goben die Götter
den Seegen dazu etc. Und nun der sanfte, innige
Chor — die Herzlichkeit der Theilnahme der Ein-
geweihten! *— Hier ist kein wilder Uebergang, kein
tändelndes Rondo, kein Gassenhauer, kein kindischer
Alltagsschluss. — Nur die ruhige Freude des Wei-
sen, innig liebender, erprobter, tugendhafter, guter
Menschen ist am Ziele! Sie sehen die Belohnung
ihrer Tugend ; der Weise hat seinen schönen Zweck
erreicht, der tugendhafte Jüngling seiner Wünsche
Gegenstand errungen ; die Weisen sehen einen wür-
digen Nachfolger ihres erhabenen Sarastro's, und
Alles ist froh; eine allgemeine Heiterkeit verbreitet
sich über alle, und alles Gewühl ist in die höchste
Reinheit des Herzens aufgelöst. — Eine Freuden-
thräne im Auge, ein Druck der Hand und der kurze
aber Inhaltschwere , einstimmige Wunsch: Ihr liebt
euch — seyd glücklich und froh etc. — öffnet alle
Herzen. Die Orcane sind vorüber, der Donner ver-
hallt, zerrissen die finsteren Wolken, und die heitere
Abendsonne lächelt am blauen Himmel im Thränen
beperlten Hayne! —
An der Hand des grossen Weisen wallt ein
schuldloses Mädchen, ihrer Mutter zum Glücke ent-
rissen , Pamina. Wer will hier den Meister in der
Zeichnung ihres Charakters verkennen ? Welche Sanft-
m Digitized by Googl
»
heit, welche Unschuld verbreitet «ich über das schone
Gebild; und wie wusste der Künstler ihren Charak-
ter durchzuführen, wie nach allen so mannigfaltigen
Verhältnissen zu motiviren , ohne dem geliebten Bilde
auch nur eine einzige Grazie zu entziehen. Man
nehme das Duett: Wer zärtlich liebt, kann nicht
betrügen etc. Welche Unschuld und Einfachheit!
Welch argloses Anschmiegen der Melodie ! Die Schuld*
lose empfindet, wie sie spricht; Worte und Gefüllt
haben nur einerley Gang. Schöner noch malt sich
die Unschuld, wo sie mit Papagenq entfliehen will.
Sie fühlt den strafbaren Schritt, den sie gegen Sa-
rastro's Gebot vor hat, aber Liebe treibt sie vor-
wärts. Furcht, Freude und Hoffnung durchstürmen
ihr Herz in der Piece: Schnelle Füsse, rascher Muth
etc. und: „nur geschwinde" — Alles deutet auf Angst
und Verwirrung eines schuldlosen Mädchens, dos
diesen Schritt zum ersten Male wagt. In der Folge
sieht man deutlich, dass ihr schuldloses Herz mehr
vor Uebertretung, als vor der Gewalt des Monostatos
zittert; denn auch da, wo Papageno's Glockenspiel
die Peiniger verscheucht hatte, verräth sich ihre
Angst noch in der Melodie und die schwankende
Bewegung zwischen Furcht, Hoffnung, Angst und
Freude ist in der Begleitung meisterhaft dargestellt,
die ein völlig unbestimmtes Gefühl charakterisirt und
einigermaassen dem Texte zu widersprechen scheint
in der Stelle: „Könnte jeder brave Mann." — Pa-
mina möchte sich nämlich freuen über ihre unver-
mnthete Befreyung durch das magische Glockenspiel ;
aber der Gesang ihrer Freude ist nicht jener der
Beruhigung, er wird in seinem Gange von innerer
»
4
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Furcht unterbrochen. Um dieses ganz zu fühlen,
declamire man sich die Stelle nach den Noten und
-überblicke zu gleicher Zeit die Begleitung der In-
strumente. Schön zeichnet sich ihr fester Charakter
und der ihr eingeflößte Wahrheitssinn vor dem ängst-
lich verlegenen Alltaesmenschen PaDaeeno in der Stelle
desselben: „Sarastro kömmt, was werden wir nun sa-
gen?" Die Bewegung in der Musik, das ängstliche
Kücken des Pulses in den punctirten Noten, und
nun darauf Pamina : „Die Wahrheit" wie mit ei-
nemmale die Melodie sanft gleichfliessend wird, und
die Begleitung der Instrumente in lang gezoge-
nen Noten fest steht! — Welcher Wahrheitssinn
und welche Festigkeit! Wie schön contrastirt hier
das gebüdete Mädchen mit ihrem Wahrheitssinne
gegen den gewöhnlichen Papageno, der, ganz im
Charakter seiner Art, seine Zuflucht zum Lügen neh-
men und sich mit Pamina auf eine Ausrede besinnen
will: „Was werden wir nun sagen?" — welche
edle Zurückweisung in Pamina s Worten: „Die
Wahrheit!" —
» Pamina's Charakter ist mehr leidend behandelt,
und eben diese Passivität schöner Weiblichkeit ist
es, die uns so sehr für sie interessirt. Mozart wollte
uns ein sanftes Mädchen malen und er hat sein Ge-
mälde trefflich vollendet. » Einer Menge Klippen,
die ihm der Dichter in den Weg stellte, ist er glück-
lich ausgewichen. Denn was wäre Pamina's Charak-r
ter unter den Händen eines minder denkenden, ei-
nes oberflächlich fühlenden Cumno nisten geworden?
«— Ihr Gesang ist sanft fliessend und mehr unter
Noten gelegte Declamation. Der fein fühlende Mo-
123
1
zart wollte uns ja ein wohl gezogenes Frauenzimmer
geben, die ihre Empfindungen nicht durch leiden-
schaftliche Ausbrüche entweiht, aber eben desto in-
niger fühlt, je minder Schwatzens von
düngen sie macht, und das ist eben das, was uns
desto mehr für sie interessirt; diese halbverhaltene
und halbverrathene Liebesunruhe, dieser innere
Schmerz, die so sanfte Rührung schliesst uns an
die Leideride, die wir bewundern und an ihrem
Schicksale desto innigem Antheil nehmen, weil sie
mit Ergebung duldet. — Was rührt wohl den mo-
ralischen Menschen mehr als stummes Dulden? Und
was schmelzt die Herzen sicherer, als efne unter-
drückte Thräne? *— Wer übertreibt, sagt nichts,
und alle die lärmenden Bravourarien, mit ihren
Windsbräuten, Saussen, Quieken, Braussen und To-
ben von Instrumental-Begleitung, beleidigen das rei-
nere und zartere Gehör, übertauben den Text und
machen nicht selten die leidende Königin zum to-
benden Fischerweibe.
Pamina leidet, freut sich am Ziele, ja sogar
Schwermuth und Wahnsinn bemeistert sich ihrer —
und Mozart vergisst in keiner der mannigfaltigen
Situationen, dass ein gebildetes Mädchen, eine Prin-
zessin, Alles dieses betrifft, die so gut wie andere
Erdgeborne leidet, aber ihren Kummer zu verber-
gen, wenigstens mit Anstand zu tragen weiss. In
der Scene des Wahnsinns, unstreitig der gefahrlich-
sten Klippe für den Tonsetzer, zeigt sich Mozart in
•seiner ganzen Grösse *). — Hier: „O Dolch, du
mm *
- - —
♦) Pamina'» Arie: „Ach, ich fühl»», es ist verschwunden " etc.
wird dem Publicum nicht selten langweilig, weil man das
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i!4
bist mein Bräutigam!" hätte der Wahnsinn alle
Schranken in einer Bravourarie durchbrechen können
— wahrscheinlich wollte auch Schikaneder seinem
schaulustigen Publicum in dieser Soene ein Spectakel
geben, wollte vielleicht eine Rasende sehen lassen,
die die Luft mit ihren Affecten zerfetzt — und Mo-
zart gab uns eine süsse Schwärmerin, die wir auch
mit ihrem kränkelnden Verstände lieben und be-
dauern. Kurz, Paminas Charakter ist das schönste
i •
rechte Tempo verfehlt und das aller langsamste Andante-
Tempo fast Adagio nimmt ; sie muss in einem Tempo von
6" bis 7" rhein. genominen werden. So nahm sie auch Mo-
mart selbst, als «r dirigirte. — Gleichfalls auch das Terzett:
„Soll ich Dich Theurer nicht" etc, nahm Mozart beynahe
.. noch einmal so schnell, als es fast überall vorgetragen wird.
* Man halt sich an das Wort Andante und vergisst, dass der
; Meister den Allabreve-Tact vorzeichnete ; die eigenthum-
liclifi Bewegung der Violoncelle und Fagotte., wobey Moaart
immer das erste der drey Achtel etwas scharfer
' 'Hess, eharakteriairt genau Pamina's ängstliche
*• ■■ ruhe, die Freude, mit dem Geliebton sprechen 21
und den Schmerz, ihn wieder verlassen zu müssen
das durch solchen Wechsel lebendigerer Gefühle
brachte kurze Athemholen,
.. •; r^ite Besorgnisse : Du wirst dem Tode nicht entgehen, und
der Vorwurf: O liebtest Du,, wie ich Dich liebe, Tamino's
männliche Hoffnung: Der Götter Wille muss geschehen, Sa-
rastro's drängendes: Nun eile fort, Dich ruft Dem Wort.
,§l -t Die Stimde schlägt; der wehmüthige Abschied: Wie bitter
sind der Trennung Leiden! — - Kurz, Alles wird so das ächte
Colorit erhalten und sich zu einem schönen Ganzen endigext,
wenn man sich die Aufschrift All9 moderato im \ Tact
, denkt. Beym letzten Lebewohl und dem tiefen, ernsten:
Wir sehn uns wieder, mag man immerhin etwas langsamer
werden; auch- Mozart hielt ein wenig zurück, nahm aber
das kurze Schilfas -»Ritornell wieder im ersten Zeitmaasse.
Die Sänger mit wahrem Sinne für dramatische Darstellung
werden gewiss auch lüerin dankbar den Geist des
0
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<
musikalische Bild des reinsten Ideals weiblicher Gra-
zie, sanfter Empfindungen und ungetrübter Unschuld*
Sie ist für jeden Componisten das vollkommenste
Muster schöner Weiblichkeit.
Tamino, ihr Geliebter, ein Jüngling mit allen
Männertugenden und Männerschwächen, der sich
durch die Sirenenstimme eines listigen Weibes zu
Mord und Entführung bereden lässt, und eben so
schnell durch die Weisheit der Priester, die ihm
das Ziel seines Ringens immer in einer gewissen
Entfernung zeigen, ins rechte Gleis geleitet wird.
Thatkraft, fester Wille für das Gute liegt in seiner
Seele, aber ohne Plan, ohne Richtung. Erst als er
in die Lehre der Priester kömmt, wird sein Cha-
rakter entwickelt und erhält seine feste Norm, Wel-
che Sanftheit — doch von jener Pamina's und Sara-
stro's ganz verschieden ist über den Jüngling ver-
breitet ! Welche Anmuth mit männlicher Kraft ge-
paart! Die Arie: „Diess Bildniss ist bezaubernd
schön!" wie richtig empfunden, wie aphoristisch
der Anfang! Das Bild sehen und in diese Worte
ausbrechen ohne Ritornell, bloss einige charakteri-
stische Accorde, die nur dem Sänger den Ton an-
geben, und die Erschütterung der Seele beym A117
blicke des reizenden Bildes ausdrücken und die Worte
selbst blosse Noten der Declamation untergelegt —
wenn der erste Ausbruch der Bewunderung vorüber
ist und die Gefühle der Liebe allmählig in einander
verschmelzen — von der Stelle: „Ich fühFs" und
das Fortarbeiten der Seele durch alle Nüancirungen
bis zu der Frage: „Soll die Empfindung Liebe seyn?"
Wie schön verstefit er nicht die abwechselnden Em-
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<26
pfin düngen zu malen! Und endlich der Uebergang
zur völligen Gewissheit: „Pamina wird auf ewig
Dein!" — Der Strom der Empfindungen wird reis-
sender, die Pulse gedrängter, die Musik eilt in ge-
drängten Noten vor- und aufwärts, man bemerkt
den Stufengang der Empfindungen und wie die Seele
zu jener schwindelnden Höhe des höchsten Erden-
gliicks exaltirt wird. Der Uebergang vom Adagio
bis zum gedrängten Allegro ist so richtig gedacht;
das Schwindeln und Schwärmen in dem erstem so
schön durch alle Nuancen durchgeführt, dass der
Zuhörer seinen Empfindungen von einer Stufe zur
andern folgen kann. Diese Arie ist ein Beweis von
der äussersten Delicatesse des Gefühls, von der Rich-
tigkeit und Bestimmtheit seiner Empfindungen. Mo-
zart giebt uns hier, wie immer, reines Gefühl ohne
Ueberladung, richtig angelegt und auch richtig aus-
geführt« Diese Arie ist ein classisches Modell, wor-
an junge Tonsetzer den motiven Stufengang der Em-
pfindungen studiren können*
Die sternflammende Königin — ein leidenschaft-
liches, ränkevolies Weib — Rachsucht in ihrer fin-
stern Seele — wie sehr verschieden von dem Cha-
rakter ihrer schuldlosen Pamina! — Wer verkennt
gleich in der ersten Arie, die listige Verführerin, die
erst Schrecken, dann Seufzer und Thränen, und end-
lich die dringendste Aufforderung mit schmeichelnden
Versprechungen anwendet, den unerfahrnen Jüngling
für ihren Plan zu interessiren. — Das Ritornell mit
seinen majestätisch aufsteigenden Noten feyerlich in
die Höhe wogend, malt ihr Aufsteigen von dem un-
terirdischen Reiche und bereitet auf was Grosses vor.
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Tamino wird gespannt — und nun das Sirenen -Re-
citativ: „O! zitt're nicht, mein lieber Sohn, Du bist
unschuldig, weise, fromm." Jetzt hat sie ihn ge-
wonnen und fallt in die klagende Melodie ein, be-
gleitet von dem schwermüthigen Fagotte. Wie ma-
lerisch beredt ist ihre Erzählung des Raubes ihrer
Tochter, wie lebhaft die Unterbrechung: „Ach helft!"
um dem Zuhörer neue Spannung zu geben. Und
nun wieder der Rückfall in die Erzählung unisono
mit dem Fagotte: „War Alles, was sie sprach." —
Jetzt hat sie den Prinzen auf dem Puncte, wohin
sie ihn haben wollte; jetzt wird sie dringender, sie
stürmt mit aller Macht auf ihn ein, verspricht ih
den Besitz der reizenden Famina und verschwindet
unter einem tobenden, prächtigen Orcan aller In-
strumente, die, nachdem sie in der Begleitung ein-
zelner Stellen, jedes besonders, ihre Beredsamkeit
aufgeboten haben, jetzt mit vereinten Kräften her-
einstürmen und den betäubten Jüngling zum festen
Entschlüsse fortzureissen suchen. Die Arie: „Der
Hölle Rache kocht in meinem Herzen!" ist die
grellste Schilderung der höchsten Wuth eines von
Mordlust heissen Weibes. Alles kocht, Alles siedet,
tobt und schäumt; Alles bläs't und tobt unter ein-
ander; die Rednerin selbst scheint sich im Gefühle
ihrer Rache zu verwirren, die Wuth lässt ihr keine
Zeit, die Worte auszusprechen. Diess giebt der
Componist dadurch, dass er die Noten gleich an-
fangs verkürzt. Dann schöpft sie Odem zu neuen
Lavaströmen ihrer Wuth. — Hier steht kein Punct,
kein Sechzehntheil vergebens, und selbst die hohen
Läufer bezeichnen das Wühlende, Zitternde ihrer
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Rache bebenden Seele, Die Pralltriller und Doppel-
schläge thun hier eine allmächtige Wirkung, und
dann der schnelle, kurz abgebrochene Schluss, von
einem Sturme der Instrumente begleitet. — Sie ver-
sinkt, und die Erde scheint unter dem Hörer mit
xü versinken. — Hier ist die Bravourarie im eigent-
lichsten Sinne an ihrem rechten Platze.
*
Monostatos ist ganz der niedrige, feige Sclav ;
sein untergeordneter Charakter ist im Geschmacke
seiner Nation bearbeitet, was sich in dem Liedchens
„ Alles fühlt der Liebe Freuden" etc. auflallend zeigt,
da es von der übrigen Musik dieser Oper gänzlich
abweicht. Die Melodie und die hohe Begleitung, die
fliessende Tonart, Alles charakterisirt den Mohren,
der, so feig er im ersten Acte erscheint, in groben,
bäuerisch imponirenden , unmelodischen Noten der
Königin vorschreibt, die sich seiner Hülfe bedienen
muss: „Doch, Fürstin, halte Wort, erfülle! Dein
Kind muss meine Gattin seyn.£
•
Papageno ist ein ganz gewöhnlicher Alltags-
Mensch, und Mozart componirte seine Lieder so,
dass sie Jedermann nachsiugt, tändelnd, leicht, aber
nichts desto weniger wahr und gefühlvoll. Er zeich-
net uns einen einfachen Natursohn, nicht einen Pos-
senreisser, wie er auf manchen Bühnen gegeben wird.
Nirgends findet sich in der Musik eine Spur, die
auf Harlekinade hindeutete 5 sangbare Melodie und
der — wie das bey Naturmenschen gewöhnlich ist
— sich schärfer markirende Ausbruch der Freude,
zeigt eben keinen Hanswurst an; daher muss der
Schauspieler ein sehr gewöhnlicher Mensch seyn,
•
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/
wenn er durch sein Spiel der Rolle da* Schickliche
und Anständige nimmt, welches der Componist, frey-
lich nur mit einem leisen Hauche, über dieselbe
* •
verbreitete«
Im Priestermarsche, so wie im Gebete: „O Isis '
und Osiris!" und demselben Priesterchore herrscht
der schönste gereinigte Kirchenstyl, und Glucks und
Händeis Chöre bleiben weit hinter ihnen an edler
Einfalt, Anmuth und Bestimmtheit des Charakters
zurück«
Die Feuerprobe mit ihrem Chorale ist unstreitig
das nön plus ultra dramatischer Darstellung«
• «
Die Zauberflöte, kann man sagen, trägt das Bild
einer gereiften Frucht. Mozart musste erst seine vo-
rigen Opern componiren, ehe er im Stande war, uns
eine Zauberflöte zu schaffen $ alle seine früheren
Werke scheinen gleichsam Vorbereitungen zu diesem
Meisterwerke, und selbst sein späteres Kind, La
Clemenza di Tito, sagt ziemlich laut: mein Vater
hat sich bey der Zauberflöte erschöpft. — Das Genie
bringt erst seine üppigen Producte mit allen seinen
Auswüchsen und Schönheiten, aber nur anhaltendes
Studium bringt das Kunstwerk hervor« Mozart'«
frühere Opern sind gleichsam mehr oder minder Er-
zeugnisse des Genie's, als der überlegenden Kunst;
die Zauberflöte aber ist das Werk gereifter Erfah-
rung, das Resultat lang vorbereiteten Studiums, ein
reinea Kunstproduct.
*
In der Zauberflöte scheint sich Mozart selbst
übertroffen zu haben.
« *
9
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130
Titus der Gütige. {La Clemenza di Tito.)
Opera seria in iw©y Acten»
Dieses ist Mozart's letzte Oper. Er schrieb sie
bey hinschwindenden Kräften, wo schon sein Geist
im Begriffe war, von seiner irdischen Hülle zu schei-
den. Der Text ist von Metastasio und wurde von
den böhmischen Standen zur Krönung des Kaisers
Leopold II. als böhmischer König bestellt. Er be-
gann die Composition im Reisewagen von Wien
nach Prag und vollendete sie innerhalb 18 Tagen in
Prag 1791. ' .
*
Der musikalische und dramatische Charakter die—
m
ses Stücks ist mehr poetisch als romantisch, daher
nimmt die Vorstellung desselben, von Italienern aus-
geführt, eine Physiognomie an , welche Deutsche die-
ser Oper nicht zu geben vermögen, eine Physiogno-
mie, welche dem Werke eine Wirkung verleiht, die
dasselbe, auch von den besten deutschen Sängern
vorgetragen, nie macht«
Einige Italiener nennen diesen Schwanengesang
Mozart's das Erhabenste, womit ihn die Musen je
begeisterten. Sie vergleichen das erste Finale hin-
sichtlich der grossen Idee, des leidenschaftlichen Aus-
drucks von Angst, Schreck, Mitleid und Schmerz
mit den trefflichsten Scenen Shakespeare's und zie-
hen es allen vor. Freylich stattete der einzige gött-
liche Meister stets, und auch hier, die Nebenstimmen
aus seinem nie versiegenden Schatze mit verschwen-
derischer Fülle aus. Als Mozart diese Oper in Prag
aufführte, musste die Rolle des Titus einem Sänger
ohne Stimme zugetheilt werden 5 daher lässt es sich
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13«
entschuldigen, dass man ihr oft Compositionen an-
derer Meister einlegt.
Da Mozart's Geist beym Schreiben dieser Oper
schon im Abschiednehraen begriffen war und sein
siechender Körper die Energie des Geistes ermattete,
so fühlt man deutlich, wie sich das musikalische
Leben des Meisters auch hier noch trefflich aus-
drückt, denn die einzelnere Instrumental -Begleitung,
die stille Erhabenheit und — die Schwermuth in den
Melodieen und im Charakter des Titus sprechen
dafür.
Dass Mozart die von Metastasio gestellten drey
Acte in zwey umschmolz, ist früher schon angege-
ben worden, und auch, wie meisterhaft er diess that.
Statt dass er früher sich über Alles verbreitete und
allenthalben die Schätze seines Genie's verschwen-
derisch aus th eilte, wurde er hier mit einem Male
verdriesslich und karg. Dazu sind noch obendrein
die dialogisirenden Recitative von einem seiner Schü-
ler gefertigt, von ihm aber corrigirt worden.
Unter diesen Umständen erhielt diese Oper ei-
nen ganz eigenthümlichen Charakter und gleicht hierin
keiner der anderen Arbeiten dieses Künstlers. In den
Arien herrscht das Gefühl eines sinnenden, trauern-
den, stillen Geistes, und alle zärtlichen Empfindun-
gen färben sich mit einer Farbe von Schwermutli
au. Nur in den Finalchören rafft sich der im Schei-
den begriffene Meister gewaltsam aus seinem hinster-
benden Schlummer empor. Es ist diess das letzte
Auflodern des verlöschenden Lichts, was noch ein-
mal alle seine Kräfte sammelt, ehe es in gänzliche
Finsterniss versinkt. Daher mochte es kommen, dass
9*
%
Digiti,
132 .
i
auch der Mangel an zusammengesetzten Stücken, wie
Quintetten, Sextetten etc. auffallend ist« Es sind
meistens nur Arien und Chöre, und die Duetten
sind nur sehr kurz. Man fühlt beym Anhören der-
selben die Leere und das Erschlaffen der Energie
des grossen Meisters. Die Instrumente concertiren
weniger, sind weit einzelner — was überhaupt von
aer ganzen Begleitung verstanden werden kann —
als in seinen anderen Werken. Seine Lieblingsarbei-
ten, die canonischen Sätze, machen sich seltner.
An edler Einfalt hat das Ganze allerding« ge-
wonnen; allein es ist bekannt, dass Mozart auch bey
dem grössten Aufwände seiner Kunst, bey der reich-
haltigsten Instrumentation dieses Gesetz nie aus den
Augen verlor.
Viele schon, die diese Oper studirten und sie
mit anderen Mozart'schen verglichen, fühlten diese
angegebene Verschiedenheit auffallend, und konnten
sich der Thränen nicht enthalten, wenn sie sich die
Auspicien, unter welchen Mozart's Geist hier arbei-
tete, recht lebhaft vorstellten und die immer leerer
werdenden Tactcolumnen der Blas -Instrumente den
gebundenen Fittig seines Genius anzudeuten schienen.
In dieser Stimmung beweisst sich die schwermüthige
Arie: Ach! nur einmal noch im Leben etc. und
die Arie: Nie wird mich Hymen lächelnd entzücken
etc. Eine geheimnissvolle Ahnung scheint den Sän-
ger umschwebt zu haben, dass auch ihm die holden
Kinder des Frühlings nimmer wieder blühen würden.
Titus ist der Hauplcharakter und gewissermaassen
mit einer ängstlichen Sorgfalt gezeichnet. Mit fei-
nem Sinne fasste Mozart die Einfachheit, die Ruhe
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und stille Erhabenheit des Titus, mit Kummer schat-
tet, auf, und übertrug sie — damals wohl seine
eigenen Empfindungen — in die Compositum. Jeder
Theil, selbst die gemässigte Instrumentalpartie, trägt
dieses Gepräge an sich und vereinigt sich zur schön-
sten Einheit des Ganzen.
*
Vitellia steht diesem schönen Charakter ganz ent-
gegen. Mozart malte ihre Wildheit, ohne jedoch zu
vergessen, was er der darstellenden Kunst schuldig
war; und ist Vitellia gleich ein moralisches Unge-
heuer, so schont Mozart doch das feine Gefühl des
Zuhörers und zeigt uns die Unmenschliche immer
noch menschlich genug.
Servilia, die Geliebte des Titus : ( welcher Edel- "
muth! welche immer wahre Grösse! Ganz das Sei-
tenstück ihres erhabenen Geliebten! Ihr stummes
Dulden, ihre gewaltsam unterdrückte Flamme, wie
schön wusste Mozart diess in ihrem Gesänge zu
malen !
Sextus und Annius, das Bild der zärtlichsten
Freundschaft, spiegelt sich in dem liebevollen Duette :
„In deinem Arm zu weilen, Freund, welche Selig-
keit!"
Die Ouvertüre ist im heroischen Style und ent-
hält den ganzen Plan der Oper. — Alle übrigen
Stücke verralhen den grossen Geist ihres Schöpfers.
Das Finale des ersten Actes ist eine der vollkom-
t mensten Arbeiten Mozart's; es wetteifern Ausdruck,
Charakter und Empfindung, um den grössten Effect
hervorzubringen. Gesang, Begleitung, Instrumenta-
tion, Modulation und der Wiederhall der fernen
Chöre bewirken bey jeder Aufführung eine bey Opern
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134
■ —
seltne Täuschung, Der Schlusschor des zweyten Ac-
tes ist gewiss unter allen Chören der fliessendste,
erhabenste und ausdrucksvollste.
Der Genuss dieses Kunstwerkes erfordert ein©
reingestimmte Seele und ein vollkommen ruhiges
Gemüth. Auch wirkt es nur nach und nach, und
nur wiederholtes und aufmerksames Hören weihet
allmahlig in seine erhabenen Mysterien ein«
Pianofortespiel.
Die Ciavierstücke Mozart's enthalten einen sol-
chen Reichthum der Ideen und sind so fein gebildet
in ihren kleinsten Nuancen, dass der darin herrschende
Charakter stets genug interessirt ist, um das Gemüth
des Spielers und des Hörers anzuziehen. Sie sind
zugleich von so zweckmässiger Natur, dass die wahre
Bildung des Ciavierspielers dadurch erreicht und die
Ableitung nach schiefen Richtungen vermieden wirdL
Die schöne Haltung der Hand ist durch die abwech-
selnden Figuren und besonders die ordentliche Be-
wegung des Basses möglich gemacht , und dadurch
wird theils die Beweglichkeit der linken Hand sehr
befördert, theils die Ausbildung des Vortrags in
Rundung und Schönheit nicht gehindert; denn seine
Ciaviersachen enthalten keine Figuren, die durch un-
ablässige Fortsetzung die Steifheit der Hand her-
beyführen — oder durch eine Bewegung, der
Behandlung des Claviers zuwider, die Ausführung
mit Neuigkeit unmöglich machen — oder überhaupt,
die nicht singen, ausgenommen die Arpeggio's wel-
che dem Bau des Hammers und seinem Anschlage
*
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135
nicht angemessen sind. Mozart's Ciavierwerke ent-
halten Tiefe und Klarheit , Einfachheit und Kunst,
Reichthum der Ideen und Adel des Styls, Kraft
und Lieblichkeit. Durch ihren geistreichen Styl er-
heben seine Sonaten das Gemüth und erfüllen das
Herz mit starken oder sanften Empfindungen. ,
Die Anhänger des. neuen Systems, wonach nur *
Schwierigkeiten geschätzt werden, behaupten: man
könne durch die Ausführung Mozart'scher Clavier-
sachen seine Fähigkeit nicht hinlänglich zeigen; in-
dess weiss doch jeder, der eine gesunde Beurtheilung
hat, dass man bloss mit Zeit, Geduld und Mühe
anfangs unmöglich scheinende Schwierigkeiten zu-
letzt überwinden könne ; dass aber weder Zeit noch
Geduld genügen, Werke vorzutragen, die geläuter-
ten Geschmack, tiefes Gefühl und richtigen Aus-
druck verlangen.
Mozart schrieb, unbekümmert um den Schüler:
Clementi's Schüler behalten nur das Instrument und
den Spieler im Auge. — In wie vielen Arietten
Mozart's ist edle Schwermuth des Künstlers, der
aber nicht abgespannt ist, sondern dessen Geist wie
mit erschwerten Flügeln in den trüberen Regionen
der Dissonanzen verweilt. Welche Andante- und
Adagio - Stellen Mozart's wären in jedem Betracht
nicht himmlisch zu nennen. Alles, Alles ist schön,
und Alles gleich schön. Die meisten seiner Ciavier-
sachen sind die vollendetsten Arbeiten seines uner-
schöpflichen Genie's.
Obgleich sich Mozart's Phantasie in einigen Cla-
viersachen vielleicht bisweilen etwas zu eingeschränkt
fühlte, so haben sie doch eiuen Ungeheuern Reich-
0 J
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thum an neuen Gedanken, an glücklichen Melodieen,
an beständig abwechselnden harmonischen Wendun-
gen, und sein unerra esslich es Genie ~ wenn man
gleich öfWs in seinen Opern Fehler in der Decla-
mation und Recitation, wohl nicht immer ohne Grund,
rügt — bleibt ein Gegenstand der grössten Bewun-
derung selbst der Nachwelt.
Mozart's ehrwürdigster Zeitgenosse Jos. Haydn
j ist wohl auch hier ein competenter Richter. Dieser
gemüthliche und herzliche Mann sagte einst einem
seiner Freunde mit tiefer Rührung und thrän enden
Augen: „Mozart's Verlust ist unersetzlich, sein Spiel
am Ciavier vergesse ich in meinem Leben nicht: das
ging an's Herz."
Mozart's Clavierconcerte sind Voll blühender
Composition und sie f Hessen so leicht dahin, als hätte
es gar keine Kunst erfordert, sie zu schaffen. Das
ist aber eben die Kunst, das Werk zu zeigen ohne
die Mittel sehen zu lassen. — In allen diesen schö-
| nen Werken herrscht eine richtige Applicatur in
schwierigen Figuren, wie schwerlich bey neueren
( Ciavier - Compositionen eine vorkommen wird, die
sich nicht bey Mozart fände. — Aber es gehört zum
richtigen und genauen Vortrage Mozart'scher Con-
j certe mehr als richtige Fingersetzung, und die Folge
davon, rundes und präcises Herauskommen der Pas-
sagen.
So wie überhaupt, so auch hierin hatte Mozart
f vor allen Tondichtern im hohen Grade die schöne
Gabe, einen einmal gefassten Gedanken nicht wieder
zu verlassen, bis er ihn in allen Formen des Schönen
entfaltet hatte.
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137
Mozart schrieb gewissermaassen zwey verschie-
dene Arten von Ciavier -Concerten. Die eine dieser
Arten ist von ihm selbst geschaffen ; und wollte man
einzig auf den Sinn sehen, [so könnte man sagen,
HändePs Orgelconoerte wären Mozart'sche in der
Kindheit« Diese Art bildete er aus und vervoll-
kommnete sie dermaassen, dass kein Anderer, wer er
auch sey, darin es ihm gleich gethan hat. Diese sii
vollkommen ausgearbeitete Musikstücke für das Or-
chester mit obligaten Instrumenten, unter welchen
nur das Pianoforte bey weitem am meisten vorherr-
sehend auftritt. Dieses ist die edelste und kunst-
reichste Art. — Hiervon unterscheiden sich die Con-
certe Mozart's, mit welchen er seine letzten Reisen
machte und die erst nach seinem Tode herausgekom-
men sind. Diese gehören zu der zweyten Art: zu
der populärsten, brillantesten. Diese Art bedient
sich des allgemeinen Concertstyls und der gewöhn-
lichen Formen für Concerte überhaupt und wendet
Beydes nur auf diess Instrument in seinen Eigenhei-
ten, besonders auch den Ungeheuern Fortschritten
gemäss, an, die in der neuesten Zeit auf dem Cla-
viere gemacht sind. Das Orchester bleibt, ausser
in den Ritornellen (die hier mehr oder weniger sym-
phonieartig ausfallen), fast nur aufs eigentliche, doch
darum nicht uninteressante Begleiten beschränkt.
Manches kam von der einen Art für die andere
zu ihrer Bereicherung herüber genommen werden.
Auch hierin ist Mozart mit herrlichen Beyspielen
vorausgegangen : in seinen letzten Concerten hat er,
„ohne sich selbst und der erwählten Gattung untreu
uigiiizeo
by Google
138
■
zu werden, dem Pianofortespieler beträchtlich mehr
und beträchtlich Glänzenderes zugetheilt, als vordem.
Mozart ging also von der bis auf ihn einzigen
* Form ab und schuf eine neue. Er erwählte das Ge-
gentheil der bisherigen Theorie, nach welcher die
Solostimme das einzige bedeutende — Alles war. Er
nahm an, das Concert ist das höchste der Musik im
Zartem (als Gegensatz der Symphonie, des Höch-
sten im Grossen): Alles, was zur Erreichung dieses
Zweckes beyträgt, muss in höchstmögliche Bewegung
gesetzt werden: mithin müssen alle Stimmen voll-
kommen gearbeitet seyn: der Solospieler muss nur
die hervorstechendste unter diesen haben : die Ritor-
nelle müssen grosse Erwartungen erregen, beflügeln:
auch die natürlichen Reize aller Instrumente zum
Accompagnement müssen in hervorstechendes, an-
muthiges Spiel gesetzt werden. — Es ist bekannt, dass
der für Wissenschaften und Kunstphilosophie so gar
nicht gebildete Mozart diese Grundsätze nicht dedu-
cirte, die Pläne nicht entwickelte und berechnete,
sondern ihm gab es in dämmernder Ahnung sein
Gefühl — der Gott in ihm.
So wurden die in ihrer Art auch jetzt noch fast
einzig dastehenden Werke geschaffen. In ihrem Cha-
rakter und ihrem Vollendetsten findet sich die grösste
Aehnlichkeit in Geist, Tendenz und reinem Kunst-
werthe mit den vollendetsten Quartetten Mozart's, so
dass das, was dort als ganz vorzüglich und immer
gelungen sich findet, auch hier ganz vorzüglich und
immer gelungen erscheint.
Unser Meister hat den glücklichen. Einfall ge-
habt, Fugen für zwey Claviere zu schreiben. Dabey
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hat theils der. Lernende Gelegenheit, sich desto
mehr im Tacte und im Pausiren zu üben; theils
wird er durch das Spiel derselben allmählig um so
viel leichter mit dem Fugenstyle vertraut, weil er
hier nicht mit so grossen Schwierigkeiten zu käm-
pfen hat, als bey den mehresten solcher Fugen, die
bloss für einen Spieler bestimmt sind.
Das Eigentümlichste und Individuellste in Mo-
zart ist bekanntlich: Erfindung, poetischer und arti-
stischer Reichthum, unerschöpflicher Reichthum und
Glück. Daher steht er als dichtender Tonkünstler
in seinem eigentlichen Fache nicht nur hoch, son-
dern einzig. Seine Compositionen haben auf den
Gang und die weitere Ausbildung der Tonkunst den
entschiedensten Einfluss gehabt — sie machen im
reichsten Sinne des Wortes Epoche.
*
Wenn man die Menge derselben übersieht, so
begreift man die Tiefe Vieler kaum; wenn man die
Tiefe Vieler untersucht, begreift man die Menge
kaum. So ist's natürlich, dass man viele vor ge-
nauerer Ansicht für untergeschoben halten, gegen
die äusseren historischen Erweise der Aechtheit miss-
trauisch seyn kann. Aber nach genauerer Ansicht
führen sie einen inneren Beweis, den es nicht schwe-
rer ist zu fassen, als die Erkennung wahrhaft grosser
Maler. Aber Bewunderung wird die Menge, bey
der Verschiedenheit, immer erregen. Denn es giebt
kein Fach, keine bisher entdeckte Form, in welcher
Melodieen und Harmonieen gebildet werden können,
worin er nicht — mit mehr oder weniger Glück ge-
arbeitet hätte.
<
140
■
In mehren Mozart'schen Sonaten ist gleichsam
ein liebevolles Umschlingen zweyer schönen Gestal-
ten sichtbar, die sich in holder Anmuth einander
nähern, und wo der männliche Theil, der Bass, die
graziösen Bewegungen des weiblichen, der Sopran-
Melodie, mit aller Zartheit und dennoch mit anzie-
hender Stärke unterstützt und auf seinen Armen
huldvoll dahin trägt. Die verschiedenen Wendun-
gen Beyder, die Frucht der keuschen und doch se-
ligen Annäherung ihrer Seelen bringt mit sich das
innige Spiel der Geberden und die Beredsamkeit
ihrer Blicke. Sie wandeln daher, ihre Geister-Ver-
wandtschaft ahnend, bald sich mit gleichen Gefühlen
entgegen kommend, durch zarte Scheu wieder in ihr
Inneres zurückgedrängt und die Sehnsucht zu won-
niger Vereinigung verbergend, bis dem kühnen Muthe
des Mannes (des Basses) es endlich gelingt, die Zwei-
fel zu lösen und die Verschlingung zweyer Seelen
in wonnevoller Eintracht zu bewerkstelligen. — Die-
sen Geistervertrag lässt der Tonkünstler seine in
Tone gehauchten Gestalten gewöhnlich auf dem Ue—
bergange zur ersten Hauptcadenz schliessen; denn
von da an entfaltet nun erst die seelenvolle Innig-
keit und Einigkeit die Ausdrücke des Entzückens
über die freudige Annäherung und Ahnung ihrer
Verwandtschaft in dem Mittelsatze, welcher desshalb
auch gewöhnlich ganz den Charakter des Graziösen,
Wonnevollen annimmt. Die Melodieen sind dann
liier gewöhnlich zarter und blühender und umschlin-
gen sich schon mehr mit liebevoller Ergebung, die
durch zarte Spiele des Scherzes, der Weigerung,
der scheinbaren Annäherung zu verzögert wird, dass
i
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Iii
« - — ■
der poetische Musiker die zwey durch Liebe verei-
nigten Wesen oder Themata immer noch sich flie-
hen und in einem reizenden Kampfe begriffen sieht,
bis endlich die Stärke den Reiz oder der Reiz die
Stärke besiegt und Beyde durchdrungen und um-
schlungen nur dahin schweben in schöner schmieg-
samer Vereinigung und ihre bewirkte Harmonie in
triumphirender Wonne kund thun.
Hier ahmen sich Bevde oft schon scherzhaft, ia
bisweilen ironisch mit naiver Laune einander in Gang
und Bewegung nach, bis nach neuer Zögerung und
sinnreichen Zweifeln sie endlich einander die Hände
reichen zum festen Bunde in der Cadenz des ersten,
Theils. Mit anmuthigen Neckereyen , oft mit den
Spuren einer schnell entstehenden Uneinigkeit, die
sich in kurzen, geschwind beantworteten, doch leisen
Vorwürfen ausspricht, beginnt der zweyte Theil.
Plötzlich ergiesst sich der eine Theil in entflammtem
Zorne in langen und schnellen Perioden, welche der
andere mit Zwischenreden, die aus der ersten frü-
hern Annäherung ihrer Geister hergenommen, also
mit jenen analog sind, stellenweise nun unterbricht,
um die Versöhnung zu bewirken. Kaum lässt der
zürnende Theil ahnen, dass er besänftigt sich wieder
nähern wolle, so verwechselt jener die Rolle und
nimmt den Zorn des andern in sich auf und giebt
dieselben Zweifel und Einwürfe nur in pikanterer
Beziehung zurück, indessen jener cjas schöne Ge-
schäft der Versöhnung übernimmt. Die mannigfal-
tigsten Gradationen der Empfindungen zeigen sich in
den Perioden. Der eine Theil steigt in seiner Lei-
denschaftlichkeit, indess der andere mit scheinbarem
142
Phlegma «orglos und anbekümmert «einen Weg al-
lein geht, aber doch einige Einwürfe macht, welche
oft mit rhetorischer Kunst in kurze Absätze getrennt,
nur nach und nach das Ganze aussprechen, oft nur
einen Theil für das Ganze angeben, oft starke Zwei-
fel erheben, plötzlich sich scheinbar zur Vereinigung
nahern und doch wieder sich trennen, bis durch eine
ganz unerwartete Wendung die Freyheit der Geister
den Kampf zu beendigen und sich in schöner Ein-
tracht einander zu nahem beschließt, und Beyde nun
im Hauptthema wieder harmonisch umherwandeln.
Hier nimmt der Mittelsatz schon eine weit be-
ruhigendere Gestalt ah, indem er in der Tonica des
Stückes nun auftritt und die festeste Verbindung in
der geahneten Conclusion kund thut.
Der wonnevolle Sieg über die gegenseitige Er-
gebung verkündigt sich hier in den brillantesten Fi-
guren, in dem entzückungsvollsten Aufschwünge und
der seligsten Umschlingung der Melodieen, in dem
reichen und blühenden Schlüsse der Tonstücke.
Auf diese Weise hat der Seelen maier Mozart
alle seine von seinem Geiste durch schöne Formen
gezeichnete Tongebilde durch Mannigfaltigkeit der
Bewegung, durch Reichthum an geistreichen Ideen
und besonders durch ideale Schönheit und Einheit
aller einzelnen Theile beurkundet.
Sehr viele andere seiner Ciaviersachen sind mit
9
vieler Begeisterung erfunden und sehr sinnreich aus-
geführt. Der Wechsel des Lebens in beyden Hän-
den macht sie einem Dialoge ähnlich, worin immer
Einer des Andern Wort nimmt, mit noch grösserer
Beredsamkeit seinen Satz ausführt, und dann wird
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143
das Nachäffen und Ausspotten dessen, was Einet*
sagte, durph den Andern sehr jovial durchgeführt*
Die forte angeschlagenen Accorde treten wie heftige
Verneinungen zu obiger Rede, weil sie keine Beru-
higung herbey führen, und plötzlich übernimmt die
zweyte Parthie das Gespräch, indess die erstere nur
mit ihren schnellen Einreden dazu tritt.
• Solche Aehnlichkeiten kann man finden, wenn
man auch keine Phantasie hat; denn womit hat denn
überhaupt eine Ciavier- Sonate (im Allgemeinen alle
Instrumental -Musik) mehr Aehnlichkeit, als mit dem
mimischen Tanze? Die Form der Melodie in der
Rechten und die harpeggirte Bewegung der Harmo-
nie in der Linken gleichen dem Duette zweyer Tän-
zer, wo ein Theil seine Triller mit abwechselnden
Füssen schlägt, indess der Andere in ganzen und
gebrochenen Zirkeln bald die Hälfte seines Raumes
zierlich misst, bald mit Entrechats kühn hervortritt
und nach mannigfaltiger Wendung des Körpers in
höchster Schönheit plötzlich a plomb steht.
Die Imitation ist im Ballette ganz aufzufinden;
eben so die contrapunctische Verkehrung. In sol-
chen Stücken hebt sich Mozart auf der von göttli-
chem Hauche beflügelten Sohle fast mit spanischer
Leidenschaft und Gluth, ja, seine Themata schwin-
gen in der Rechten stets die Castagnetten, wie man
in seinen Pralltrillern sieht.
Andere seiner Stücke sind wieder von anderer
Art. Gleich einem Bache stürzt sein Thema herab
von der Höhe und rieselt dann in der Ebene fort.
Er lässt dann bisweilen die Leidenschaft in höchste
Wirksamkeit treten und* fuhrt den Bass so schön,
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<44
dass er dem Wrellenflusse gleichsam immer neue
Hindernisse in den Weg schiebt, damit derselbe sie
desto siegreicher zu überwinden in den Stand gesetzt
werde. — Zur Wiedervereinigung des Thema's pflegte
Mozart dann den Fluss in Achteln zu besänftigen,
der nur durch ZÖgerung, Zweifel und allerhand
künstliche Irrire winde sich fortschläneelu bis nach
langem Zweifeln und Aufhalten er endlich seinen
schnellen Strömen die Schleusen wieder öffnet und
denselben in schöner Freyheit sich seiner Kraft ent-
-
laden lässU
So üross IMozart in Bearljeitunt? lnstrumentirteir
Singstücke war, wo ihm zum Ausdrucke der Gefühle
jegliches Instrument zu Gebote stand, eben so gut
"verstand er, auch ohne das Rauschen derselben sei-
jien Liedern mit Pianoforte- Begleitung Geist und
Leben einzuhauchen. Manche von diesen sind ganz
vorzüglich, und fast nie verfehlte er eins im Ganzen.
Hierher gehören besonders: das Lied an Chloe; die
Abend- Empfindung * das Veilchen; das Bändchen;
der Abschied etc. Wie heisst der Talisman, der
bey so geringen Mitteln so grosse Wunder wirkt,
dass durch ein so einfaches Figurmanöuver der Finger
durch überall angebrachte Harmonieenfojge das bey
den Alltags - Erscheinungen der Zeit so verwöhnte
Ohr noch den Klangen begierig lauschen kann, die,
wie Urtöne der Kunst, in so schöner Einfachheit
und doch mit so geistiger Kraft das Herz des Hö-
renden rühren? Wie heisst diese Wunderkraft?
Etwa Genius? /
Wie oft schrieb Mozart zum Abschiede eine«
Freundes oder einer Freundin ein Liedchen in ihr
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. i - — %
% *
i * *
Stammbuch! — Und trotz dieses fast immer schnei-
Jen Hinschreibens liegt in diesen kleinen Stücken so
-viel Ausdruck, Einfachheit, Anmüth und Empfin-
dung, dass man behaupten kann, Mozart habe sich
schon in diesem Fache unsterblichen Ruhm erwor-
ben. — In diesem Fache ist Zumsteeg mit Mozart
classisch und Beyde verdanken nur ihrer edlen Ein-
fachheit ihren Beyfall. Demnach : die höchste Ein-
heit, die edelste Einfalt, ist die höchste Schönheit!
Man hört oft Zweckmässigkeits - Virtuosen Mo-
zart tadeln , dass er so viele Sonatensätze nur zwey-
oder dreystimmig geschrieben habe. Allein, wenn
er z. B. den Faden der Melodie mit der Rechten in
einer Linie fortspinnt, weil dadurch die Form ent-
schiedener wird, indess die Linke arpeggirt und die
Dreyklänge im Wechsel der Sechzehntheile harmo-
nisch dazu anklingen lässt, ist das nicht voll genug?
Ist es nicht vierstimmig? Soll etwa jede Mittel-
stimme singen? nur bisweilen, wo es der Ausdruck
erfordert. Die Melodie ist ja aber der Contour, der
durch den Bass als zweyte Linie geschlossen wird;
die Mittelstimmen sind nur die Schattenfarben, Tin-
ten. Sollen diese etwa, immer und gleich aufgetra-
gen, neben einander hinfliessen? Müssen sie nicht
gerade oft verschieden und einer scheinbaren Leere
Platz machen, um den Contour (die Melodie) her-
vortreten zu lassen, die da gerade einen Glanzpunct
haben soll?.
An und für sich wäre es Thorheit, zu fordern,
dass eine Sonate immer vierstimmig gehen soll, wenn
man nicht gerade ein solches Kunstwerk beabsichtigt :
sondern die Mittelstimmen sollen nur so hinzutreten,
10
uigiiizeo
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146
7»
wie bey einem Gemälde, wo
Farbe erfordert wird, wo also hier die Periode durch
eigene Biegungen einen neuen Charakter annimmt,
den sie vielleicht absichtlich zuvor ein- oder zwey-
stimmig erst andeutete.
Namentlich berühmte Orgelspieler, die immer
vollgrilfig Alles haben wollen, weil es auf der Or-
gel nöthig ist, gerathen darüber in Eifer, das* Mo-
zart nicht in einem fort vierstimmig geschrieben habe.
Ganz recht ist's, dass einer, der seine Hände ge-
wöhnen will, immer recht vielstimmig zu greifen,
Tonstücke wählt, welche so ersonnen sind. Allein
diess ist ja nimmermehr der Zweck der Clavierso-
nate als Kunstwerk, dass man darin nur spielen ler-
nen solle. Vorher soll man spielen lernen an Ue-
bungsstücken, die die Zweckmässigkeit als ihren höch-
sten Vorzug zum Unterricht an sich tragen, die,
vielleicht ohne Begeisterung geschrieben, nur immer
die Hammerbewegung der Finger vor Augen haben,
statt des höchsten Gesetzes der Schönheit, was in
jedem Kunstwerke das erste Augenmerk des Schöpfers
desselben seyn soll.
Uebrigens kann man auch bey dem Studium
Mozart/scher Sonaten süielen lernen. Aber Alozart
schrieb sie nicht desshalb, sondern weil er ein See-
lengespräch in diese Form goss, das, durch tausend
verschiedene Nuancen geführt, in eigenem Wechsel
der Gestalt und Farbenmischung fortlebt und durch
Vereinigung der verschiedenen einzelnen Theüe «um
harmonischen Ganzen so das höchste Postulat der
Kunst erlullt — die EinheiU
uigmzea
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r m
147 '
— T
I
In einer an productiven Geistern so frachtbaren
Zeit, wo immer neue musikalische Werke einander
verdrängen,« ist es wohl der Mühe werth, einmal
einen Rückblick zu thun auf die Werke, welche ,
über das Schicksal des Verdrängtwerdens erhaben
aind.
Mozart's Genius, der in allen Fächern der mu-
sikalischen Setzkunst mit so grossem Glücke sich
bewegte, dass er in einem jeden beynahe ein Muster
aufstellte, wie es seine Zeit noch nicht gesehen hatte,
Mozart's Genius ist's, der auch in der Ciaviermusik
einen so wunderbaren Cyclua von Werken schuf,
welche, obgleich unendlich verschieden an Charakter,
■ • • • • • *
dennoch alle den Stempel der höchsten Vollendung
an ihrer Stirn tragen. Besonders aber treten dadurch
diese Werke aus allen anderen hervor, dass eine Seele
in ihnen wohnt, /welche alle Ahnungen des hoch-
sten Schönen, von denen sie durchdrungen war, durch
ihre Zauberkraft in dem Gemüthe, das sich ihrem
Kreise nähert, wieder zu erwecken im Stande ist.
Ja, so viel des Guten auch gleichzeitige Meister
geliefert haben , Mozart's Ciavierwerke stehen immer
durch ihre gemüthvolle Tiefe, durch den vollende-
ten organischen Bau ihres Innern, dnrch die Har-
monie aller einzelnen Theile zum Ganzen bey so
grossem Reichthume der Phantasie, und ganz beson-
ders durch äie ideale Schönheit ihres Styls allen an-
deren voran, welche die damalige Welt oft mit Recht
neben ihnen bewunderte. Denn selbst des grossen
Jos. Haydn's Ciavierwerke (wir reden jetzt nicht von
neuerer Zeit), welche doch allein durch ihre Genia-
lität sich auf eine gleich hohe Stufe der allgemeinen
V ' 10»
-
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14H
♦
Bewunderung zu schwingen wussten, tragen überall
doch mehr Spuren des Humors, oft des ausgelassen-
sten an sich, und bleiben öfter noch auf der Stufe
der Zweckmässigkeit stehen, indess Mozart's Clavier-
Compositionen wahre Seelengespräche sind, die in
ihrer zaubervollen Form das Gemüth des Spielers
und des Hörers auf die innigste und oft erhabenste
Weise berühren und denselben einen Eindruck zu-
rücklassen, den nur die Anschauung des höchsten
Schönen , das, rein von allem Nebenzwecke, in sei-
ner eigenen geistigen Natur verklärt wird, denselben
rein zurückzulassen im Stande ist.
■
Wie viel der reinsten Genüsse, also auch wie
viel an geistiger Bildung und Erhebung die Mensch-
heit der Beschauung dieser schönen Kunstgebiide
verdankt, deren Anschaffung durch die häufigste
Vervielfältigung im Drucke mit wenig Kosten ver-
bunden, und deren Aufführung nicht mit so grossen
Schwierigkeiten verknüpft ist, als andere Instrumen-
talmusik, diess zu ermessen, sey das freudige Ge-
schäft solcher, welche in den engen Schranken die-
ses irdischen Lebens sich ein zweytes unendliches,
durch keinen irdischen Einfluss zu störendes Leben
in der Kunst zu schaffen wussten*
Unser sey das schöne Vergnügen, den organi-
schen Bau der Mozart'schen Ciavierwerke in seinem
Innern zu beschauen, die geistigen Fäden der Ver-
bindung zu ahnen, und so die Werkstatt des Mei-
sters mit dem frommen Sinne zu belauschen, wel-
cher die Entweihung durch allzudreiste Voreiligkeit
dem kritischen Bewunderer unmöglich macht.
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I
149
; ' ' i
' Deshalb fürchten wir auch nicht, dass diess Be-
ginnen eine Blasphemie genannt werden dürfte, weil
nur der Geist der Verehrung gegen diesen Genius
uns in dieser nähern Beleuchtung seiner an wahrer
Schönheit reichen Werke, einzig leiten und bestim-
men wird. Auch ist das Jahrhundert so ziemlich
inne geworden, was es an dem unter uns fortleben-
den Geiste Mozart's besitzt, und daher erklärt sich
das immerwährende Zurückkehren der Freunde an
Ciaviermusik zu den Werken dieses Künstlers. Eine
solche Analyse wird künftig Kanne uns schenken.
.Instrumentalmusik.
* < i
Mozart's frühere Instrumentalstücke sind mei-
stens in Salzburg oder auf seinen Reisen bis ±7Si
verfertigt, ehe Wien auf seinen Genius seine grosse
und vortheühafte Wirkung machte; denn Frankreich
und Italien hatten damals weit weniger in diesem
Betrachte gewirkt; Wien aber später sehr rieh Diese
Stücke sind nun meistens in Pichl's Geschmack und
Weise, so weit nämlich ein genialer Mensch die
Weise und den Geschmack eines andern annimmt.
Sie sind einfach, lebhaft, melödiös, klar, fast durch-
gängig sehr gut verbunden und auch sehon mit un-
verkennbaren, wenn gleich noch flüchtigen Spuren
des Sinnes und der Neigung für tiefere contrapunc-
tische Combination und Ausarbeitung. Manche Lee-
ren, die wohl erst seit jener Zeit geworden, kann
* man wohl hingehen lassen. Auszuführen ist Alles
leicht und in den wenigen Blasinstrumenten sogar
kinderleicht«
Ulylllzeu
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150
Es giebt eine Lehrlingsepoche, flie jedes Genie
durch wand ein muss. Denn es liegt in der Natur
des menschlichen Gemüths, das von dem Einzelnen
zur Zusammenstellung des Ganzen fortschreitet, dass
es erst Theile auffassen muss, um zum Ganzen einer
Vorstellung zu kommen, und das Genie sowohl als
der bloss 1 mechanische Kopf gehen im Anfange ihrer
Laufbahn von einem Puncte aus, arbeiten nach den-
selben Regeln. In der Folge erst, wenn es seine
Kräfte an einzelnen Schöpfungen nach schon vornan—
denen Formen geübt und geprüft, schreitet es zur
Schöpfung einer heuen allgemeinen Form. AucR
diese Schöpfung hat aber auch ihre Periode, in der
sie reifen und zeitigen muss, ehe die classische fol-
gen kann. So sind nun Mozart's frühere Arbeiten
aus seiner Lehrlingsperiode noch Nachahmungen von
vorhandenen Formen und nichts weniger als classisch.
Da, wo die Periode der beginnenden Steifheit all-
mählig eintritt, erscheint auch die Originalität kräf-
tiger, und wenn man seinem Geiste vom ersten Pro-
duete bis zum letzten chronolgisch nachschleicht, wird
die allmählige Ausbildung und Progression seines Ge-
nius klar, und selbst wie sich seine Form nach und
nach in sich selbst und der innern Vollendung nähert,
ans der die neueren Producle natürlich immer rei-
ner, reifer und vollendeter hervorgehen mussten.
Hierbey drängt sich einem unwillkürlich die Frage
auf: Wie hat Mozart das vorhandene benutzt, und
wer hat vor ihm so benutzt, wie er?
Die reine
ren Text selbst, und in ihr wird ein Thema so entr-
wickelt, bestätigt, variirt und conlrastirt, wie der
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1.5/
■
Gegenstand der Meditation in einer philosophischen
Ideenreihe. Begleitend ist sie das Meer und die Luft,
worin die Menschenslimme schwimmt und ihre'Fittige
achlägt« Für die Poesie ist sie das, was die Lebhaf- .
tigkeit des Colorits für eine gut entworfene Zeich-
nung oder der belebte Contrast des Lichts und Schat-
tens für die Figuren ist. Dem Genie sagt die In-
strumentalmusik am mehrsten zu, und es gehört zu
ihr unstreitig mehr Erfindungskraft und Phantasie
als zur Singcomposition. Daher vermögen Hunderte
Verse von Texten leidlich zu componiren, da kaum
einer von ihnen im Stande ist, ein erträgliches In-
strumentalstück zu machen. Es steht sicher anzu-
nehmen, dass Mozart und auch Haydn ihre Namen
als musikalische Genie's mehr durch ihre Instrumen-
tal- als durch ihre Singsachen befestigt haben 5 we-
nigstens haben gewiss jene zur Ausbreitung ihres
Namens am meisten beygetragen.
Mozart, der effectuirendste aller Orchestercom-
ponisten, hatte aber auch unverkennbar vieles den
ausübenden Meistern auf Bogeninstrumenten abge-
lauscht: und es ist bekannt, dass selbst die Men-
schenstimme durch nichts so sehr gehoben und ge-
tragen wird,' als durch die moderne und namentlich
die Mozart'sche Instrumentation der Bogeninstrumente.
So sehr nun auch in dieser Art Mozart Muster
ist, so legen es doch seine Nachahmer zu häufig auf
Fülle und Ueberfulle, auf stürmende, wohl auch
scharf einschneidende, leidenschaftlich fortreissende
Kraft, hartnäckig kunstvolle Verwebung und Aus-
führung an: es entgeht ihnen nämlich, dass Mozart
bey aller Fülle klar und folgerecht bleibt, dass er
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«
i52
seine leidenschaftlich gesteigerte Kraft stets durch
edle würdioc Mittel, nie durch bloss Rauschendes
und Lärmendes, ausübt nnd geltend macht: dass er
seinen kunstvollen Ausführungen stets eigentüm-
liche, fassliche und ausdrucksvolle Melodieen zu
Grunde legt, bey denen lange zu verweilen der
Mühe werth ist — Melodieen, die das Gemüth des
Zuhörers sogleich ansprechen und es diesem damit
erleichternden Meister durch alle seine Details zu
folgen* Ihre .Empfindungen sagen oft an sich und.
vor ihrer Ausarbeitung zu wenig aus und sprechen
das Gemüth nicht an, oder auch, sie sind oft nicht
eigentlich die ihrigen: sie sind nicht um diese sorg-
sam genug und übereilen sich: ihre gründliche in
ihren Combinationen nicht selten bewundernswerthe
Ausführung verdunkeln sie durch immerfort ange-
häufte Instrumente , so dass man ihnen nur mit an-
gestrengtem Verstände, mithin nur einseitig folgen
kann : dadurch , dass sie von einer ergriffenen Figur
gar nicht ablassen, so lange sie sich nur etwas dar-
über aussinnen können, dehnen sie ihre Stücke zu
lang aus und ermüden auch den aufmerksamsten Zu-
hörer. So machte es Mozart nicht. Seine Erfin-
•
düngen sind schon an sich bedeutend, ansprechend
und ganz sein eigen: seine reiche Instrument innig
ist so gestellt und gearbeitet, dass sie die Hauptideen
nicht aus einander treibt, sondern nur um so enger
zusammen hält, durch den Wechsel der Instrumente
sie auch um so angenehmer und klarer hervortreten
lässt. Endlich weiss er auch überall mit der Aus-
führung einzelner Theile wie mit dem Ganzen sei-
ner Sätze zu rechter Zeit aufzuhören.
i
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Mozart's Instrumentalaachen, insonderheit Beine
Quartetten und Quintetten haben gewiss zur Allge-
meinheit seines Ruhms mehr beygetragen, als Viele
denken mögen. Ein Tonkünstler kann in dieser.
Gattung am mehrsten Genie zeigen; denn nicht nur
muss er hier ganz allein erfinden und sich selber
allen Stoff geben, sondern er ist auch einzig und
allein auf die Sprache der Töne eingeschränkt* Seine:
Gedanken haben ihre Bestimmtheit in sich selber'
ohne von der Poesie unterstützt zu seyn. Bey Nie-
, mandem unter den neueren Deutschen, ausser Haydn, r
lässt sich die Superiorität des musikalischen Genies
i
so sicher aus Instrumentalarbeiten deduciren, als aus
den Mozart'schen, und daher haben sie auch so vie-
len Werth und bestimmten Einfluss auf Gefühl und
Urtheil der musikalischen Welt gehabt«
Mozart handhabte mit Leichtigkeit grosse con-
trapunctische Kunst. Mit Leichtigkeit! Das ist der
Probirstein der Vortrefflichkeit; denn man kann baltf
ein Thema linden, welches alle contrapunctischen
Versetzungen zu lässt, ohne dass es gerade desshalb
ein Gegenstand der Kunst, ein Bild der Schönheit
genannt werden kann. Den Fluss der Rede muss es
in seinen Wellen spielend mit sich tragen und in so
natürlicher Ungezwungenheit vorüber schweben las-,
sen, dass die Seele des Spielers unwillkürlich sich
hingezogen fühlt, diese interessante Wendung noch
ein Mal zurückzurufen, um bey näherer Beschauung
den innern organischen Bau naher zu betrachten.;
Bey Mozart ist aber eben diess immer der Fall, denn ,
sein Geist schwebt stets in den Regionen der Har-
monie und Melodie mit hoher Besonnenheit und ge-
*
*
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<54
nialer Freyheit und dem ersten Anscheine nach mit
solcher Un Gebundenheit dass die technisch« inn^r^
Vollendung des Werkes erst bey genauerer Beschau-
ung dem Kenner sichtbar wird, und er die
$ t volle Schönheiten hinzuzaubern wusste, zu he- '
gezwungen wird. — Die Steifheit und Ge-
zwungenheit ist der Tod der Kunst, besonders der
Tonkunst, wo alle Form in höchster Bewegung, alle
Farben im höchsten Glänze und Wechsel und alle
mannigfaltigen Reize im höchsten Einklänge seyn
müssen. Also geht daraus hervor, dass bey Mozart
die Nothwendigkeit mit der Freyheit durch Einheit
verbunden war.
Mozart's Quartetten und Quintetten sind eine
wahre Zierde ihres Geschlechts. Selbst Haydn's Quar-
tetten entgeht die Rundung, die bey Mozart, mit
der ernsten Regel des Quadrosatzes gepaart, anmu-
thig den Hörer - erfreut. Nur beym Studium und
fleißigem Zuhören lassen sich diese Schönheiten füh-
len und durch's Gefühl erklaren; die Wortsprache
ist hierzu nicht hinreichend.- Sie sind mit dem Feuer
der Einbildungskraft und mit Correctheit geschrieben.
Selbst die Menuetten darin sind mit seltenem Fleisse
gesetzt und mit seltener canonischer Nachahmung ge-
arbeitet* öie zeicnnen sicn sammtucn aurcii Heiter-
keit, frohe Beweglichkeit und Jugendkraft vor ihres
Gleichen aus. — Man kann sagen, Mozart's Quar-
tetten und Quintetten, mit und ohne Ciavier, sind fast
ohne Ausnahme höchst bedeutend, von festem Cha-
rakter, hoch gedacht, tief gefühlt, unerschütterlich
gehalten, oft wahrhaft leidenschaftlich. In diesen
uigiiizeo
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*
»
Zirkel, geht sein Geist in seltener fremdartiger Weise
gross und erhaben einher, wie eine Erscheinung aus
einer andern Welt; und schmilzt er auf Momente
in Wehmuth dahin, oder tändelt in fröhlicher Lau*
y (Sind. 03 0IV9^ ^S^t^^m u t ^5 y n^icia- d t^ncn ^51* ^ ^vüi
es auch nur auf Momente, sich wieder aufreisst in
kühner, zuweilen wilder Kraft, oder sich windet in
bitterm, schneidendem Schmerz, der dann nach dem
Siege zu triumphiren oder im Kampfe zu ersterben
scheint. Damit man diess nicht für Schwärmerey
halte, sondern gleich in Einem beysammen finde, so
rauss man sie fleissig studiren oder sie mit Aufmerk-
samkeit und wiederholt hören«
Wenn man ein Mozart'sches oder auch ein Haydn'-
sches Quartett hört, klaubt man einer Unterhaltunfir
von vier geistreichen Personen beyzuwohnen. Die
erste Violine ist ein liebenswürdiger junger Mann,
der zu reden weiss, und daher die von ihm in An-
regung gebrachten Ideen am lebhaftesten auseinander
setzt. Die zweyte Violine ist sein Freund, der gern
im Schatten steht, wenn er nur dem erstem ein
paar Nebengedanken geben, oder durch seine Bey-
stimmuiig den Hauptgedanken jenes grösseres Ge-
wicht verleihen kann. Als recht gelehrter, weisheits-
voller, aber nicht redseliger Mann tritt der Bass auf«
Was die erste Violine sagt, bekräftigt er mit ein
oder zwey Worten, manchmal deutet er auch eben
so lakonisch an. was die erste Violine schon von
! selbst gebracht haben würde, und übrigens hält er
noch hübsch darauf, dass die Ideen nicht zu weit
ausweichen, hübsch in der Association bleiben und
t • Digitized by Google
keine Sprunge machen. Die Viole ist eine etwas
geschwätzige Alte; viel Bedeutendes hat sie nicht
zu sagen. Aber sie giebt doch gern ihr Wörtchen
freundlich und redselig dazu, und füllt auch wohl
eine kleine Pause aus, wo die anderen Leutchen Athem
schöpfen wollen. Uebrigens halt sie es, weil sie
schon in den Jahren vorgerückt ist, doch mehr mit
dem weisen, ernsten Basse, als mit den Violinen,
die nur allein das Wort führen wollen. Viele neuere
Quartetten unterscheiden sich von den genannten da-
durch , dass die erste Violine allein das Wort führt,
und die anderen Instrumente Ja, ja, ja dazu sagen.
• Mozart's Tafel- und Nacht- Musiben (Harmo-
nieen) bezaubern auch das minder fühlende Herz.
Die Nachtmusik für 13 Instrumente ist von ausser-
ordentlicher Schönheit und unbeschreiblichem Ein-
drucke.
Die grossen Symphonieen sind diejenige musika-
lische Gattung, in welcher sich das Genie am frey-
sten und verwegensten bewegen darf, wo es allge-
meiner wirkt, wo es alles musikalische Zubehör als
Mittel zu seinem Zweck aufbieten kann; — eine
Gattung, von welcher sich also in Instrumentalmusik,
wie vom Chor im Gesänge, behaupten lässt, dass sie
am sichersten den Künstler selbst darstelle. Mozart's
Symphonieen (hier ist nur von denen aus reiferen
Jahren die Rede) sind an Tendenz und Geist den
Quartetten ähnlich, nur noch freyer, kühner, rei-
cher, energischer, aber auch hin und wieder noch
wilder, schneidender, drückender, so dass der Geist
des Künstlers zuweilen mehr die Gährung, als das
durch Gährung Abgeklärte, mehr die aus dem Chaos
Uigitizeci py
G(
1
157
sich selbst gebahrende, als die aus ihm neu gebome
Schöpfung giebt. Der ordnende und geordnete Ver*
stand dürfte sie also, mit Einwendung des erst hin-
gerissenen, aber mit Einstimmung des dann gerühr*
ten Gefühls, in Ansehung des reinen Kunstwerthei
den schönsten Quartetten Mozart's nachsetzen , und
hier Haydn'die Palme reichen. « : » »«»
Seine grosse Symphonie Cfl mit der Schlussfuge
ist wohl die erste aller Symphonieen. In keinem
W erke dieser Art glänzt der göttliche Funke des
<Jenie's heller und schöner. Alles ist himmlische*
Wohllaut, dessen Klang wie eine grosse herrlicto
That zum Herzen spricht und es begeistert, Alles
die erhabenste Kunst, vor deren Gewalt der Geist
sich beugt und staunt* ■ i» ' »i*t'*«» • *\
In ßezug auf seine Symphonie aus f; h kann matt
sagen: wie viele von allen seit dieser Mozart-schen
geschriebenen Symphonieen möchten wohl, also
gleichsam entkleidet — gleich lebhaft ■colorirteu Ge->
mälden, auf eine einfarbige Zeichnung zurückgeführt
— auch nur halb so viel für Einsicht, Empfindung
und Geschmack darbieten? — Die in 2£sfl hat ein
an sich unbedeutendes Thema, welches' aber auf eine
bewundernswürdig kunstreiche und angenehme Weise
durchgeführt ist. ' . • V ' "
Im Ganzen genommen sind die Mozart'schen
Symphonieen Kernwerke, die einen dauerhaften Ge~
nuss verschaffen, und die man von Zeit zu Zeit
0
wiederholen kann, ohne ermüdet zu werden. Wie
herrlich belohnt wird man für das, bey einigen' vor-
züglich schwere, Einstudiren, wenn man endlich die
Schwierigkeiten glücklich überwunden hat, und dann
158
die einzelnen Schönheiten
und/ bemerkbar werden!
Die grosse Orchester- Symphonie ist dnrch
zart und Haydn auf einen Gipfel geh«
von welchem unsere Vorfahren sich nicht träumen
Hessen, und wofür auch jetzt noch selbst Nationen,
wie die Italiener,, keinen oder sehr wenig Sinn ha-
ben« — Sie ist seit Mozart und Haydn verlassen ! —
Zartheit, Kraft und Tiefe ? Wer kann ihnen folgen,
wie Beethoven, der ihnen aber bisher (1803) nur
Ein Mal hat folgen wollen?
Die Instrumental -Musik der Deutschen auf ihrer
wundervollen Bahn, wie sieh dieselbe vorzuglich in
den Symphonieen der drey grössten Meister dieses
der Tonkunst entfaltet hat, möchte man
der Sonnenbahn vergleichen. Haydn als den
Morgen* Bey Mozart sind alle Hoffnungen, die uns
jener Morgen verkündete, in Erfüllung gegangen« In
voller Majestät prangt die Sonne im Zenith und
giesst, ein Feuerineetf, ihre erwärmenden leuchten-
den Strahlen über dio Welt* Zum Westen scheint
sie geneigt bey Beethoven.
Haydn, Mozart und Beethoven in Sonaten und
Symphonieen. Die Symphonie war auf dieser Stufe
Sonate für Orchester. Doch schon bey dieser
Symphonie Eigentümliche. — Daher erhielt die
Symphonie im Ganzen statt des freyen und äusser-
Sonate einen gehaltenem, grossartigem Gang, und tie-
Inhalt, die Melodieen gestalteten
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i
bedeutender, die Harmonie wurde reicher und
kunstvoller, die Modulation kühner, die Stimmfüh-
rung war nicht durch die geringen Mittel eine« oder
weniger Ausfuhrenden gefesselt 5 contrapunc tische
Verschlingung, ja die Form der eigentlichen Fuge
treten auch in der neuern Form der Instrumental-
Compositionen freyer in das Leben. In der Instru-
mentation wurden vor allem die Kräfte der verschie-
denen Instrumente und in mehrem oder minderm
Grade ihre Eigentümlichkeit beachtet $ die Saiten-
instrumente galten als Hauptstimmen r deren sich die
Blasinstrumente meist als Verstärkung und Ausfiil-
lung zugesellten, und so oft auch namentlich Mo-
Ausnahme des hier Behaupteten) einigen
menten Solo's übertrog, so wenig ist doch
selbst von diesen Stellen zu verkennen, dass den
Bläsern im Ganzen nur eine zweyte Rolle zuer-
theilt war.
Man muss diesen Symphonieen in Rücksicht auf
ihre geistige Bedeutung und auf die Natur des Ein-
druckes, den sie hinterlassen, eine rein lyrische Ten-
denz zuschreiben» Dieselbe Gefühlsanregung, die
von einzelnen ausgesprochen, oder von einer Masse
ausgesprochen Hymne wird, gestaltet sich in der
Musik nach Art der Ode zur Sonate, und nach Art
der Hymne zur Symphonie. Diess ist es, was Mo-
zart in seinen Symphonieen niedergelegt, was er
Vollendung gebracht hat; und wer hätte
mocht, als er, dessen Geist, dessen ganze Natur sich
in die musikalische Empfindung .aufgelöst hatte? Wir
weisen auf seine Symphonie G b zurück , die durch-
gängig den Ausdruck einer unstäten,
.'denschaft, eines Ringens und Kämpfens gegen mäch-
tig eindringende Unruhe zeigt; auf die aus jFs |, in
der die Sprache weicher, nicht Thränen — aber
auch nicht trostloser, vielmehr von manchem himin-
* * i
lischen HofFnungsstrahle durchleuchteter Sehnsucht
herrscht« . I •• •* •.!. 11 \\
.-K-i.-Sb gleichartig in dem bisher Angefahrten die
.Symphonieen Haydn's',' des Vorgängers Mozart's , der
Jlaup&ache nach, Mozart'schen sind| ist in
jenen doch noch «ine Beimischung, die bey Mozart
'durchaus fehlu Es scheint, es hätte seine Empfin-
dung/ besonders die kindliche, ungetrübte Freude,
uliW sd oft selbst nner wartet bey ihm hervorbricht,
«ich öfters bestimmter äusserer Gegenstände bemäch-
tigt und ihre Darstellung in den Ausdruck des Ge-
fühls selbst gemischt. Wer mit Empfänglichkeit z. B.
das Scherzo der C h Symphonie i anhört, dem muss
neben, fast vor dem allgemeinen Ausdruck der Fröh-
lichkeit eine ländliche Scene, ein ländlicher lustiger
&eigen.I*u der dörflichen Weise des Violoncells auf-
gehen , und selbst des ausgelassenen Juchhe! ist in
<len Violinen nicht vergessen. — Diess sind die
.Grundzüge der Leistungen im Symphonieenfache vor
Beethoven.
Beethoven begann im Sonaten- und Sympho-
nieenfache auf der Mozart'schen Stufe: seine ersten
Ergüsse sind lyrisch. Wenn sich in ihnen die Em-
pfindung oft bestimmter, oft inniger aussprach, wenn
auch als Nachklang der -Haydn'schen Schule, man-
cher Moment frischer und heller hervorglänzte, als
bey dem weichern Mozart, wenn sich endlich auch
eine grössere, tiefer begründete Einheit in Beetho-
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vcns Compositionen kund gab, so war doch der Grund-
gedanke derselbe. — In diese Periode gehören vor
allen seine CJt und Z>ft Syrnphonieen; erstere ge-
radehin Mozartiscb zu nennen, letzere in ähnlichem
Geiste geschrieben, aber gross erausgebildet und dess-
wegen schon dem Umfange nach über die Mozart'-
«che Symphonie hinausgehend. In Beethoven ist,
nach Mozart, der grösste Fortschritt der Kunst sicht-
bar geworden. — Aus der unbestimmtem Lyrik der
Mozart'schen Syrnphonieen ging zunächst Beethovens
Ch Sympliouie hervor, noch der Lyrik angehörend,
allein nicht ein Gefühl, sondern eine Folge an See-
lenzuständen mit tiefer psychologischer Wahrheit
darlegend. — Diese Symphonie ist als die erste Er-
hebung über den Mozart'schen Stand punct anzusehen*
Die eigentliche Bedeutung, der Charakter und die
Fälligkeit der verschiedenen Instrumente gingen dem
unermüäet vorwärts strebenden Meister immer klä-
rer auf. Bald waren sie ihm nicht mehr todte Mit-
tel. Sie traten in voller festgezeichneter Persönlich-
keit vor ihn, und das Orchester ward ihm ein be-
lebter, in dramatischer Thätigkeit begriffener Chor.
Aber jene ersteren Tendenzen wurden nicht aufgege-
ben, sondern nun vereinigte sich Alles in psycholo-
gische Entwickelung , geknüpft an eine Folge äusse-
rer Zustände, dargestellt in einer durchaus dramati-
schen Thätigkeit der das Orchester bildenden Instru-
mente. — Und diess ist der höchste Standpunct, der
in der Ausbildung der Symphonie erreicht worden ist.
• 4
■
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1f>2
Kirchen - Compositiönen.
Die Kirchenmusiken, die Mozart in seinen frü-
heren Jahren setzte, ehe er auf Reisen seine hohe
Schule machte, sind zwar angenehm, zum Theil gar
nicht unbedeutend, aber dennoch keine Kirchenmusik 5
später arbeitete er weniger in diesem Fache, aber
auch zweckmässiger, und zuletzt sein himmlisches
Requiem. ♦
Bey aller Verschiedenheit in der Erfindung ha-
ben sie sämmtüch eine unverkennbare Familienähn-
lichkeit im .Gesehmacke , Styl und gewissen Zufällig-
keiten. In dieser Hinsicht entwickeln sie sich aüs der
damaligen Zeit, aus dem örtlichen Geschmacke vor-
züglich des ErzbischoPs Colloredo, der auch darin
schlechterdings seinen Willen haben wollte und von
dem Mozart damals noch eine Versorgung hoffte,
und aus den beschränkten Mitteln , die dem Compo-
nisten zu Dienste standen. Mozart's Vater, ein gründ-
licher Kirchen - Componist, der aber nichts wollte,
als in und mit seiner Zeit achtbar einherschreiten,
hatte den Sohn frühzeitig auch für diess Fach gleich-
falls gründlich erzogen. Aber die Jahre, häussliches
Leiden und eine gewisse Art und Gewohnheit sei-
nes Herrn, nach welcher derselbe nur das Fremde
hoch hielt, das Heimische gleichgültig behandelte, wie
damals noch viele deutsche Fürsten, dabey auch von
den Seinen Viel verlangte und sie so schlecht als
möglich besoldete — diess vereinigt hatte den Vater
Mozart endlich ermüdet. Er schrieb Nichts mehr
uud zog sich bloss auf seine amtliche Pflicht zurück.
Mozart, der Sohn, voll Liebe und Begeisterung für
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0
seine Kunst, ertrug das nicht; wiewohl noch ein
Jüngling, seiner Kräfte sich bewusst, vorzüglich durch
seine früheren Reisen und die Aufnahme seiner Ar-
beiten in Italien und Frankreich, überdiess hinge-
halten in der Hoffnung, dem Vater mit einigem
Gehalte an die Seite gestellt zu werden — griff ein
als Componist und Director. Da er aber am Orte
fast nur Kirchenmusik zu öffentlichem Gehör, we-
nigstens nur zur Beachtung seines Fürsten, bringen
konnte, warf er sich in diese und bequemte sich bey
seinen Arbeiten aus den angeführten Rücksichten,
nach den nun, einmal entschieden ausgesprochenen
Forderungen und aus Nothwendigkeit nach den nun
einmal vorhandenen geringen Mitteln. Jene Forde-
rungen liefen auf Folgendes hinaus. Die Kirchen-
musik muss seyn höchst populär (nur eine Fuge
wurde, gleichsam Ehrenhalber, gestattet), so kurz
als bey gehöriger Anwendung aller Textesworte der
Liturgie möglich und bey Verwaltung der gottes-
dienstlichen Handlungen thunlich (nur die Schluss-
sätze beyder Haupttheile der Missa durften und das
Benedictus sollte länger ausgeführt werden) 5 im Ge-
schmack und der Schreibart sollte sie sich nicht, oder
doch so wenig, als möglich, von dem entfernen, was
man Gutes früher nun eben gewohnt worden war;
in der Erfindung und dem Ausdrucke sollte sie (in
den lebhafteren Sätzen nämlich) so heiter und fröhlich
seyn als die Worte und die Kirche irgends zuzu-
lassen schienen, wobey es sogar keinesweges ungern
gesehen ward, wenn zuweilen etwas vorkam, das
fast lustig hätte genannt werden dürfen; und in der
Besetzung waren vorzüglich Trompeten und Pauken
Ii!
uiyiiizeu
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164
nicht zu schonen. Zu diesen Forderungen der Indi-
vidualität setzte nun die Notwendigkeit von Seiten
der sehr beschränkten Mittel zur Ausfuhrung noch
hinzu: an den Sologesang müssen äusserst massige
Ansprüche gemacht, der Chorgesang muss sehr leicht
und wie von selbst dahinfliessend, die Orchesterbe-
gleitung wenigstens durchaus nicht schwer seyn.
In dieser Weise nun, aber freylich mit eigenem
Geiste, regsamem Gefühle und vieler Sicherheit, le-
bendig, einfach, sehr anmuthig und schon mit wenig
geübter Kunst schrieb Mozart alle seine ziemlich
zahlreichen Kirchenstücke in Salzburg, bis ihn Um-
stände wegführten.
Hierher gehören aber nicht, wiewohl gleichfalls
aus ziemlich frühen Jahren, seine vortreffliche Lita-
uey und die in ihren Hauptsätzen dieser gleichzu-
stellende Missa jPK, und auch eine spätere grosse
Missa von ihm aus €, aus welcher Mozart später
mehre Hauptstücke zu seinem Dcwidde penitente be-
nutzte, die noch nicht gedruckt und vielleicht gar
nicht mehr vorhanden ist. Zwey grosse Messen im
ächten Kirchenstyle sind aus seinen reiferen Jalrren.
Auf diese Weise muss dem grossen Manne von
der urtheilenden Nachwelt auch in dieser Hinsicht
sein Recht wiederfahren. Denn es ist schon gesche-
hen, dass mau auch in diesen Stücken einen Kirchen-
styl, etwa wie in seinem Requiem, gesucht, und,
da man diesen im geringsten nicht gefunden, gegen
diese Stücke nicht nur, sondern selbst gegen den
Meister achselzuckend abgesprochen hat.
ßey einer Gelegenheit wird in der Leipz. allg.
mus. Zeitung über den schädlichen Einfluss des Opern-
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styls auf Kirchenmusik geklagt, wo es unter anderin
heisst: „TrefFliches enthalten die Messen von Mo-
zart: aber Iiis non est hic locus" — MozartV Le-
ben war zu kürz. Die kleinen Messen, welche er
für seinen Erzbischof schreiben musste, konnten ihn
nicht begeistern. In Wien hatte er mit anderen Din-
gen zu tliun. Er musste leben. Bis zum Kapellmei-
ster brachte er es kaum. Als er in München Ido-
•
meneo schrieb, dachte er vielleicht dort an Anstel-
lung. Für einen Gehalt von 500 fl. war' er geblie-
ben. Aber alle Plätze waren besetzt. Es erging ihm
wie dem Schiller'schen Poeten bey der Theihmg der
Erde. In seinem Requiem erscheint der grosse Mann,
von welchem eine Reform der Kirchenmusik hätte
ausgehen können. Es war aber zu spät.
Rochlitz sagt: Aus Mozart's Requiem sieht man,
dass Mozart, wie so mancher grosse Mann, Zeit sei-
nes Lebens nicht an seinem Platze war. Er war der
Mann, die gesunkene religiöse Musik dahin zu er-
heben, wohin sie gehört — auf den Thron über alle
Musik. In diesem Fache war' er der erste Künstler
der Welt geworden: denn diess sein letztes Werk
gehört schon, nach dem einstimmigen Urtheile aller
Kenner, selbst derer, die sonst nicht Mozart's Freunde
sind, unter das Vollendetste, was die neueste Kunst
aufzuweisen hat. Die vorhandenen Messen von ihm
sind meistens frühe Arbeiten, die er wohl grossen-
theils mit Recht lieber vergessen wissen wollte.
Selbst der gewaltige Mozart erhielt sich (so we-
nig als Jos. Haydn) rein von der ansteckenden Seuche
des weltlichen prunkenden Leichtsinns, der in der
letzten Hälfte des löten Jahrhunderts in die Kirchen-
uigiiizeo
musik eingedrungen war. Die Messen, die er aber
nach vorgeschriebener Norm componirte, sind bey-
nahe seine schwächsten Werke, Er hat indessen in.
Einem Kirchenwerke sein Inneres! aufgeschlossen.
Und wer wird nicht von der glühendsten Andacht,
von der heiligsten Verzückung ergriffen, die daraus
hervorstralt? Sein Requiem ist wohl das Höchste,
was die neueste Zeit für den kirchlichen Cultus auf-
zuweisen hat.
Unter seinen älteren Kirchenmusiken ist die Messe
in F$y welche in Paris bey Porro langst erschienen
ist, aber in Deutschland wenig bekannt geworden zu
seyn scheint, nach dem Requiem, mit seine bedeu-
tendste Compositum in diesem Fache, und kann den
Freunden eines fliessenden und doch gründlichen
Kirchenstyls nicht genug empfohlen werden.
In gleichem Maasse, wie Mozart, wie er gleich
seinen Gesangmusiken, nach und nach freyeres Feld
gewinnt, sich mehrer Mittel bemächtigen, sich mehr
ausbreiten darf, werden seine Arbeiten für den Kir-
chenstyl auch charakteristischer, geistreicher, origi-
neller, gediegener, folglich reicher an Effect, und
selbst die Wortkritik hat dann weniger auszusetzen.
Seine Cantate : „Herr, Herr, vor deinem Throne"
etc. gehört ohne Zweifel zu seinen früheren Arbeiten,
wie man diess aus dem Style, aus der Anlage und
Behandlung der Harmonie und aus der Anwendung
der Blasinstrumente schliessen kann. Sie enthält eine
Menge der herrlichsten Ideen, und wird den, der
wahre Kirchenmusik zu schätzen weiss, nicht unbe-
friedigt lassen. — Der zweyte Satz, Andante für
vier Solostimmen, das zwar, vorzüglich in den In-
s
* . <
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*
strumenten verschiedene nicht moderne Figuren ent-
hält , hat aber dennoch etwas sehr Liebliches. — • Der
vierte Satz enthält zwar auch mehre sehr ausdrucks-
volle Stellen, scheint aber bey der öftern Widerho-
lung der Hauptgedanken etwas zu gedehnt: wenig-
stetia contrastirt seine Länge mit den anderen ver-
gleichungsweise ziemlich kurz gehaltenen Sätzen. —
Auffallend ist, dass der Verfasser die hier zwey
Mal vorkommende Stelle, wo der Erlöser die Völ-
ker Wahrheit lehrt etc. absichtlich (denn was hätte
wohl ein Mozart ohne Absicht getlian?) dunkel ge-
halten hat. — Sie enthält bey weitem nicht so viele
Schwierigkeit für Sänger und Instrumente, als an-
dere Werke Mozart's. Aus dieser Ursache, und (
weil einige Instrumente ohne bedeutenden Nacht heil
weggelassen werden können , muss sie imbemittelten
Orchestern willkommen seyn.
Von ähnlichem "Werth e sind in diesem Fache
noch seine Motette: „Ob fürchterlich tobend sich
Sturme erheben " etc. seine Hymnen : „Preis dir
Gottheit durch alle Himmel etc. und: „Gottheit, dir
sey Preis und Ehre" etc. seine Cantate: „Heiliger,
sieh' gnädig hernieder" etc. sein Te Deum und viele
Andere. Eben so seine Messen aus D 8, B 8, G i, etc.
Seine Cantate: Das Lob der Freundschaft und \
sein Ave verum corpus sind aus seiner letzten Zeit
und daher von ganz an der m, von jenen wesentlich
verschiedenem Charakter.
*
Sein Misericordias Domini ist ein einziger, sehr
langer, langsamer und im edelsten Kirchenstyle ver- |
fasster Chor. Mozart soll in seinen letzten Jahren
gesagt haben, dass er dies« Stück hoch hielte und
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1
bedauerte, (in seiner kindlichen Sorglosigkeit) keine
Abschrift behalten zu haben. Keine aller seiner
Kirchencompositionen kann indess den andächtigsten
Sätzen des Requiem in diesem Betracht an die
Seite gesetzt werden. Die Wirkung desselben ist
unwiderstehlich \ die tiefste Rührung, die frömmste,
wahrhaft religiöse Stimmung wird das Stück allent-
halben bewirken und vom ersten bis zum letzten
Tone erhalten, wenn man es in der Kirche gut auf-
führt. Es ist dieses Misericordiaa schon vor 1784
geschrieben.
Das Requiem.
Durch das Dunkel, welches über die Bestellung
dieses Requiem verbreitet war, und durch die übri-
Li
mung ward Mozart gleich innig ergriffen. Er ver-
sank vom Neuen in tiefes Nachdenken, hörte auf
keine Zuredungen und forderte zu seiner Arbeit
bald Papier und Dinte, und arbeitete sogleich anhal-
tend. Mit jedem Tacte schien sein Interesse daran
zuzunehmen, denn er schrieb Tag und Nacht. Da
sein Körper 65es>r Anstrengung nicht gewachsen
war, so sank er bey der Arbeit wiederholt ohnmach-
tig hin. Als nach mehren Tagen es seiner Frau ge-
lang, mit ihm in den Prater zu fahren, so fiel ihr
auf, dass er immer süll und in sich gekehrt saass.
Endlich leugnete er nicht mehr, dass er gewiss glau-
be, er arbeite jetzt zu seiner eigenen Todesfeyer *).
*) AU Benedict Schack an Schikaneders Theater nach Wien
kam, wurde er Moxart'« Freund, Vertrauter, Hausgenosse,
I
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169 •
Von dieser Idee war er nun nicht mehr abzubrin-
gen, und er arbeitete also wie Raphael Sanzio seine
Verklärung, stets im Gefühle seines nahen Todes, und
lieferte, wie dieser, die Verklärung seiner selbst.
Ja, Mozart äusserte über die sonderbare Erscheinung
und Bestellung des Unbekannten*) selbst andere,
s*
• ■■■■ i "
und wusste von iJim eine Menge Zöge, Anekdoten, die des-
selben Kunst- und häusliche» Leben schildern und die gut-
xnüthige Seele enthüllen. Für ihn wurde Tamino geschrie-
ben, er konnte angeben, wie und aufweiche Veranlassung,
SU welcher Zeit, in welcher Lage jedes Stück der Zauberflöte
entworfen, geändert und endlich ausgeführt worden. Dio
Composition des Requiem war ihm nicht fremd, da er im-
mer um aen Jueister war, wanrena derselbe sien mit aieser
Arbeit beschäftigte. Sein Umgang war desshalb unterhaltend
und belehrend. Man erfuhr, welche Wege und Irrwege auch
das grösste Talent in der rauhen Wirklichkeit des Lebens su
durchwandern hat. Dieser erzählt, Mozart habe für die Com-
position des Requiem 5o Ducaten, die Hälfte davon voraus-
bezahlt erhalten. Den grössten Theil seines Requiem schrieb
er auf der Laimgrnbe im Trattner'schen Garten. So bald er
eine Nummer rollendet hatte, Hess er sie sogleich singen und
spielte dasu die Instrumentation auf dem Pianoforte. Selbst
an dem Vorabende seines Todes liess er sich die Partitur des
Requiem noch zum Bette hinbringen und sang (2 Uhr Nach-
mittags) selbst noch die Altstimme; Schack sang Sopran, Ho-
fer, Mozart's Schwager, den Tenor, Gerle (später Bassist in
Manheim) den Bass. Sie waren bey den ersten Tacten des
Lacrymosa, als Mozart heftig zu weinen anfing, die Partitur
bey Seite legte und eilf Stunden später (um 1 Uhr Nachts,
den 5ten December 1791) verschied.
Oft kam Mozart zu Schack, um ihn su einem Spaziergange
abzuholen, und während Schack sich ankleidete, setzte sich
Mozart einstweilen an dessen Schreibtisch und componirte
hier und da ein Stück in desselben Opern; daher kommen in
Schack's Opern mehre Stellen von Mozart's eigener Hand und
Genie vor.
•) Als Breitkopf und Härtel das Requiem herausgeben wollten,
baten sie die Wittwe um ihre Copie : sie hätten schon mehre :
das Werk wäre bekannt: sie wünschten es nach der besten
1
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«ehr seltsame Gedanken, und wenn man sie ihm
auszureden versuchte, so schwieg er, aber unüber-
zeugt. |
Es ist bekannt, dass auch Mich. Haydn, gleich
Mozart, an einem Requiem in der dunkeln Ahnung
und dem Vorgefühle, er schreibe zu seiner eigenen
Todesfeyer, arbeitete und noch vor der Beendigung
starb. Haydn ergriff schon bey der Stelle: '„Liber
8criptii8 proferetur" die starre Hand des Todes,
während die Parze Mozart's Lebensfaden erst beym
Sanctus gänzlich abgesponnen hatte.
In' solcher Gemüthsstimmung schuf Mozart also
seinem eigenen Namen ein Denkmal. Die vielen
Zerstreuungen kurz vor seinem Tode hatten sei-
nen Muth noch einmal belebt und seinen Sinn noch
einmal aufgeheitert bis zur leichten Fröhlichkeit —
das Lämpchen flammte vor dem gänzlichen Erlöschen
noch ein Mal hell auf und dann — nicht wieder.
Er, nach allerley Anstrengungen entkräftet und des
Gebrausses der Pracht überdrüssig, arbeitete selbst
als schon halb verklärter, und schuf sein im Tode
Rulie verkündendes Requiem, dessen Geisterklänge
die Seele ergreifen.
• • •
Copie herauszugeben. Herausgegeben wäre es immer worden !
die Wittwe musste zix Ehren ihres Mannes wünschen, das«,
diess nach der besten Copie geschähe : über «ehn Jahre war
das Werk schon alt. Sie gab ihre Copie her. Indessen mel-
dete sich der unbekannte Besteller des Requiem, Graf ron
Wallsegg (damals auf seinem Landgute Stuppach in Unterst-
reich), durch den Wiener Adrocaten Sortsch an, beschwerte
eich höchlich, drohte, und erbot sich, mit mehren abge-
schriebenen Musicalien zum Ersätze sich begnügen ru wollen,
die er auch erhielt.
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171
In diesem sogenannten Schwanengesange herrscht
die Sprache weiser, nicht thränender, auch nicht
trostloser, vielmehr von manchem himmlischen Hoff-
nungsstrahle durchleuchteter Sehnsucht. — Sein er-
habenes, tiefes Werk: Misericordias Domini , so wie
sein Davidde penitente, scheinen wichtige Vorarbei-
ten und tiefe Studien des Requiem für diesen — den
erhabensten und reinsten Styl zu seyn. — Ob wohl
Händel, der das Utrechter Te Deum laudamus
schrieb, " und Astorga der Aeltere, der uns das Sta-
bat mater hinterliess — wären diese zu Einem Manne
zusammengeschmolzen und dieser hätte jetzt gelebt
— uns das Requiem so geschrieben hätte, als es
Mozart that? —
Dieses tiefe, überschwänglich herrliche Requiem
Mozart's ist das Meisterwerk, das die Kraft, die
heilige Würde der alten Musik mit dem reichen
Sclimucke der neuern verbindet, und das in dieser
Hinsicht, vorzüglich auch -in der so weise angeord-
neten Instrumentirung, als Muster gelten kann. Das
Tuba mirum mag vielleicht der einzige Satz seyn,
der in das Oratorienartige fallt: sonst bleibt aber
die Musik reiner Cultus, und nur als solcher ertö-
nen die wunderbaren Accorde, die von dem Jenseits
sprechen, ja, die das Jenseits selber sind, in ihrer
eigenthümlichen Würde und Kraft. Dieses Requiem
aber im Concertsaale ist nie dieselbe Musik, da ist
sie die Erscheinung eines Heiligen auf dem Balle —
eine Predigt im Theater. Denn die für den Cultus
bestimmte Musik ist selbst Cultus.
Es ist in diesem Werke eine Fülle der Kunst,
gepaart mit dem seelenergreifendsten Ausdrucke, des-
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.■ 1
sen Musik nur fähig ist. In ihm malte der grosse
Meister wirklich mit hohem Sinne und mit erhabe-
ner Freyheit. Das ganze Wunderwerk bietet über-
all die schönsten Stellen dar, die für diese Haupt-
gattung sprechen, und welche bisher noch kein blas-
phemischer Tadler zu betasten wagte. Der Styl des-
selben ist der strengste Kirchenstyl 5 düsterer Emst
und finstere Melancholie sind seine Hauptcharaktere.
Die Melodieen sind antik und tragen das Gepräge
hoher Erhabenheit. Die Stücke sind durchgängig
fugirte Sätze. Die Declamation ist so sprechend
und der Gesang so ausdrucksvoll, dass alle Forderun-
gen der strengsten Kirchen - Cpmposition in diesem
schönsten Producte seiner Gattung weit überstiegen
sind. Jede Note dieses unerreichbaren Werkes trägt
ihren bestimmten Gehalt! Jede Fuge ist Charakter,
alles erhaben, gross und prächtig! Dieses Requiem
ist die höchste Tendenz des erhabensten Kirchenstyls.
Schauerlich schön, furchtbar gross ist das Ge-
mälde des jüngsten Gerichts: Dies irae, dies illa etc.
Das Posaunen-Solo: Tuba mirum spargens sonum
macht einen grausenvollen Effect. — Man wird wohl
ziemlich überall nicht leicht Jemanden finden, der
das, was für die Posaune gesetzt ist, auf diesem un-
behülf Liehen Instrumente gut genug heraus bringt:
eine Erfahrung, die Mozart, der die Posaunen selbst
zu seiner Zauberflöte in der Folge nicht dulden .
mochte, wenn er sein Requiem aufgeführt hätte,
gleichfalls würde gemacht haben.
Die Stelle: Rex tremendae majestatia ist einzig
in ihrer Art.
Ein Gleiches gilt vom Recordare.
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\ •
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Sehr meisterhaft ist das: Confutatis maledictis,
und wie einzig schön ist die Malerey im Accom-
pagnement der Violinen im darauf folgenden: Oro
supplex! — Dieses Confutatis maledictis schildert
die Ausbrüche der Verzweiflung der Verdammten
im Gegensatze mit den Jubelsängen der Gerechten:
dieser Contrast, der höchste musikalische Glanzpunct
schafft der Musik grandiose Effecte. »Man findet in
diesem Stücke den Uebergang, welcher den Gesang
Susannens in Crudel! perchb finora so angenehm
herbeyführt. Das Werk ist von allen Fugen frey,
deren Ausführung zu schwer seyn würde, und deren
Verkettung das Publicum nicht folgen kann.
Das trauernde Chor: Lacrymosa dies illa etc.
giebt die täuschendste Nachahmung einer ängstlichen
Stille, von Schluchzen ünd Stöhnen unterbrochen.
Die weinende Tonart G*> trägt nicht wenig zur
Vollendung dieses schönen Gemäldes bey.
Aber das höchste Gefühl der Andacht beseelt ,
das: Domine Jesu Christel Rex gloriae! Wie ist
es doch so hingebend und so betend ! In seiner Ton-
art G h ! die dann in Es ö im : Hostias et preces etc.
übergeht.
Und welche Zuversicht herrscht in der Fuge:
Quam olim Jbrahae promisisti, et semini ejus in
saeculal
Das Sanctus! So viel deren auch compo-
nirt worden sind, so kömmt doch diesem keines an
Erhabenheit bey. Die immer absetzenden Chöre,
der Donner der Pauke, der ihre Zwischenräume füllt,
die mit den Vocalstimmen singenden Posaunen, Alles
füllt die Seele mit Ehrfurcht vor dem, der da heilig
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ist! — Es ist ein feyerliches, wahrhaft Ii eiliges
Sanctus! Sehr zweckmässig wird es mit der kurzen
Fuge: Ö8anna geschlossen und mit dem herrlichen
gern iith vollen Benedictus , als achtes Quartett Dehan-
delt. — In dem: Pleni sunt coeli et terra gloria
tua ist der aesthetische Lichtpunkt der Messe , wie
es Mozart vortrefflich beobachtete, welcher uns hier
die Herrlichkeit und Grösse des Schöpfers und der
erhebenden Bestimmung alles Geschaffenen in dem
majestätischen sich gegen alle übrigen gedämpften Ton-
arten so imposant hervorhebenden D | verkündigt.
Das Benedictus ist ein wahres Benedictus aus
2? 8, und das: Osanna darin ist ohnstreitig eine der
schwersten und kritischsten Fugen.
Im Agnus Dei ergreift Mozart durch die kind-
liche Frömmigkeit das Gemüthj — durch das Lux
aeterna luceat eis hebt er den Geist höher — und
in dem: Cum sanctis entrückt er ihn dem Irdischen.
Wie genial es übrigens gedacht sey, die Fuge
des Kyrie nun als Schlussfuge zu behandeln und
auch so dem Werke Einheit und innern Zusammen-
hang zu verschaffen, wie beruhigend endlich der
kurze, höchst einfache Schluss: Quia pius es sey,
darf wohl kaum angedeutet werden.
Mozart's Requiem wird immer als einzig da
stehen , bis ein Künstler erscheint, der mit Mozart's
hoher Genialität und kindlich frommen Sinne sein
9
richtiges, schönes und tiefes Gefühl verbindet und
über die Kunst so unumschränkt herrscht, dass jede
mehr im Innersten des Gemüths als im Geist em-
pfangene Idee in jeder gewählten oder sich von selbst
uigiiizeu
by G'
175
darbietenden, wenn auch noch so kunstreichen Form
einfach , klar und natürlich sich ausspreche. Das
Mozarfsche Requiem nimmt den ganzen Menschen,
mit Leben und Tod, mit dieser und mit jener Welt,
mit physischer Vernichtung und mit geistiger Un-
sterbliclikeit in Anspruch. Man möchte bey dessen
Anhörung gleichsam wünschen, schon in die ewige
N Ruhe übergegangen zu seyn, um das: Ruhe will
ich dir geben mit Mozart'schen Tönen nachrufen zu
lassen. Alles diess und noch eine ganze Welt an-
derer Gefühle fühlt man bey diesem Requiem.
Wäre Cherubini mit seinem trüben Genius im
frohen Italien geblieben, er wäre der italienische
Mozart geworden: seine Kraft hätte sich mit der
nationalen Anmuth verschmolzen und jene glückliche
Mischung des Geschmackes bezweckt, die Mozart bey
seinen Landsleuten so glänzend realisirte. — Mo-
zart's frühere Compositionen athmen ebenfalls Düste-
res, Ernstes, Festes, Kirchliches, und unter anderen
Verhältnissen wäre ein Bach aus ihm geworden. Nur
seine Umgebungen im gefalligen Wien machten seine
Compositionen heiterer und gaben ihnen den Ton
des Leichten, Naiven, Gefalligen, ohne die innere
Würde des Künstlercharakters mit sich fortzuneh-
men. I£ben dieses würde der Fall bey Cherubini
gewesen seyn. Die Anmuth seines Vaterlandes hätte
die düsteren Falten des Ernstes geebnet, ohne der
Kraft Abbruch zu thun, die aus den tiefsten Tiefen
seiner Seele quoll. ,
Mozart (in seinem Requiem) mit seinem weichen,
von Liebe überfliessenden Herzen betend, zagend,
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/ — — —
hoffend, kindlich schmeichelnd, umringt von engel-
schönen Knaben und Juugfrauen in einem offenen
griechischen Tempel, der vom sanften Abhänge eines
Hügels in reiche Frühlingsthäler herab schaut. —
Cherubini's Priester (in seinem Requiem) mit blei-
chem Gesichte, strenger, vererzter Miene, mit Au-
gen, in denen Fanatismus und der harte Kampf der
Selbstüberwindung verzehrend glühen, mit abgezehr-
ter Gestalt und doch stolzer Haltung in unabselüich
langen dunkeln Fichtengängen wandelnd, mit ver-
nichtendem Feuereifer die Gemeinde ängstigend, er-
schütternd, das Herz zerknirschend.
Denkmale TV. A. Mozart's.
(Händel hat sein Grab unter den grössten Britten in der Wett-
munster — Abt ey. Gluck ward in Paris mit einer Statue beehrt.)
1) Im Garten zu Tiefurt, bey Weimar, hatte
ihm die verwittwete Herzogin zu Sachsen- Weimar,
Amalie, 1799 ein von Klauer von gebranntem Thone
verfertigtes Denkmal aufstellen lassen. Es stellte
einen runden Altar vor, auf welchem eine Lyra auf-
recht stand, an deren beyden Seiten eine tragische
und eine komische Muse angelehnt waren. Am Al-
tare steht : „Mozart und den Musen." — Die Abbildung
und Beschreibung findet sich im November-Stücke des
Journals des Luxus u. d. Mode 1799, und auch in der
Allg. Leipz. musik. Zeitung, II. Jahrg. S. 239 u. 420. —
Schade, dass diess nicht aus anderer Masse verfertigt
war, denn es steht schon lange nicht mehr.
2) Zu Graz, im Garten des Kaufmann Deyer-
kauf, ist ihm am 15ten May 1792 ein Denkmal er-
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I
177 -
• -
richtet* Plafond i Gott Apollo hält das Bildnis des
Verewigten in der Höhe, Genien unterstützen es
und die neun Musen frohlocken darneben hin. Die
Fama verkündigt seine Unsterblichkeit. Der Wald-
gott Pan mit seinen Gehülfen bedeutet die schlech- .
ten Autoren, denen der Genius den Mund zuhält.
Die freyen Künste sind mitunter angebracht, «r An
der Seite des Tempels, weil auf dem Plafond kein
Raum mehr übrig war, erscheint die Göttin der
Ewigkeit, die die Büste Mozart's krönt, und hinter *
ihr erscheint Minerva, welche mit ihrem Speere den
Neid zu Boden schmettert* (Der personificirte Neid
scheint auf Salieri zu deuten.) Zwey kleine Knaben
erinnern durch Seifenku gelblasen an die Vergäng-
lichkeit aller Dinge. — Die Buchstaben: II TI AM
bedeuten: Mirabilia tua in aeternum manebunt*
-3) Zu Roveredo, im Garten des Banquiers Jos.
Ant. Bridi, der früher in Wien und Mozart'* per-
sönlicher Freund war, ist ihm und einigen anderen
Musikern ein Denkmai errichtet, was Bridi auch in
Kupfer hat stechen lassen. Die Inschriften lauten so j
Inscriptiones Joann. Petri Beltratnii sacerd, robor*
Pro aedicula musicae sacfa in Suburbano Bridio-
rum sub ouaaiLß imap'ine musices masristrorurn. «— «
Christopherus Glucchius, natione Bohemicus, ■
in modis musicisverbo aptissimis faciendis clarissi-
mus. Decessit a. MDCCLXXXVIL — Georgius
Fridericus Haendel, Magdeburgensis , musicae
artis et musici organi pulsandi insignis magisten
Decessit A. MDCCLVIIII. — Josephus Hayde- .
nus, natione Germanus, vel ob ejus modos musicoä
de Deo creante deque Christo in cruce loquente toto
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178
orbe clarissimus* Decessit A. MDCCCVTIJI. —
IVolf gangus Amadeus Mozartus, Salisbur-
gensis , qui, a sola natura musice doctus, musicae
est artis princeps. Decessit A. MDCCLXXXXI. —
Antonius Sacchinius, Domo Neapoli, musices
insignis magister , musicae suavitatis exemplum*
Decessit A. MDCCLXXXFL — Nicolaus Jo-
mellius, Neapolitanus, musicae artis reparator cui
grex musicorum plurimum se debere fatetur* De-
cessit A. MDCCLXXUIL —
4) In Mariagrün, einem sehr romantisch gelege-
nen Belustigungsortc bey Graz,*) der bey schöner
Jahreszeit stark besucht wird, wo eine kleine Kirche
und ein kleiner Park mitten in Waldungen liegen,
sind zwey Monumente Haydn und Mozart errichtet.
Die Büsten selbst sind aus Stein gehauen und bron-
zirt. Sie sind in gehöriger proportionirter Grösse,
in römisches Costüm gekleidet, und sollen, nach
Kenner- Aeusserungen, gut getroffen seyn. Mozart's
Büste steht auf einer kleinen Anhöhe, mit immer-
blühenden Rosen umgeben, und auf einer entgegen-
gesetzten Seite steht Haydn's Büste, mit Wintergrün
umgeben. Am Piedestal Mozart's stehen in Marmor
die Worte: Gross, erhaben, unerreichbar und un-
vergesslich. A. Mozart. — Unter Haydn's Büste steht
gleichfalls in Marmor: Immer neu, originell und
unerschöpflich. J. Haydn. — Der jetzige Besitzer
oes Berggutes Mariagrün, Jos. Seidl, pflanzte hinter
jede Büste eine schöne Thränenweide, die die uu-
vergesslichen Geister umschatten.
*) Der damalige ^Besitzer war Kargl, Verwalter der deutschen
Ordens- Commende am Lech.
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179 %
•
Anm. Steiner et Comp, in Wien luden im April 1819 »
der Wien. aUg. musik. Zeit, zur Subscription auf ein Denkmal
Tür Haydn und Mozart ein. Die Einladung wurde mit reich-
lichem Erfolge gekrönt. Dies* Denkmal wäre allerdings in
Wien am passendsten, wo Beyde lebten, ihro Werke schufen, -
und starben. Seit jener Einladung weiss man aber nichts
Weitere« über die Ausführung. '
•
Denkmünzen,
* * *
1) Carl Emanuel Barend zu Dresden hat 1796 '
eine Denkmünze verfertigt. Auf der einen Seite be-
findet sich Mozart's Brustbild, mit der Unterschrift
seines Namens; auf dem Revers: Orpheus, auf der
Leyer spielend, dem ein Löwe zuhört, mit der
Umschrift: Auditus saxis intellectusque ferarum
sensibus. Sie ward in Silber, 2i Loth schwer, für
3* Thlr. und in Zinn für l£ Thlr, verkauft-
»
2) Eine Denkmünze von Mozart soll auch der
Münzgraveur Krüger zu Dresden verfertigt haben.
/
In Kupfer gestochene und in Holz
geschnittene Bildnisse.
1) Mozart und die Familie. Folio, gemalt von *
L. C. de Carmontelle, gestochen von De la Fosse in
Paris 1764.
2) Mozart. Folio. Gestochen von Quenedey in
Paris. •
3) Mozart. Quer -Folio, an einem Monumente
von trauernden Genien umgeben. Gestochen von
Rossmässler.
4) Mozart, in Octav. Gemalt von C. J. Posch,
gestochen von Mannsfeld 1789-
5) Mozart. Octav. Gestochen von Nabholz 1796«
i
€
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180
6) Mozart. Gestochen von Nettling, befindlich
vor: Mozart's Geist. Erfurt, 1803.
7) Mozart. Gestochen von Kohl. Wien, 1799-
Befindlich vor : Mozart's Leben. Graz.
8) Mozart, in Duodez, befindlich auf dem Titel-
blatte der Mozart'schen Ciavierwerke bey Breitkopf
und Härtel in Leipzig.
9) Mozart, in Duodez, befindlich auf dem Titel-
blatte der Mozart'schen Gedächtnissfeyer von Canna-
bich. München, bey Falter, 1797«
10) Mozart, in Duodez, gestochen- von J. Berka,
befindlich auf dem TiteJLblatte : Mozart's grosse Sym-
phonie, ins Ciavier gesetzt und Herrn F. Duschek
gewidmet von Jo. Wenzel zu Prag. Leipzig, bey
Hoffmeister.
11) Mozart, in Duodez. Nachstück in Siebigke's
Museum.
12) Mozart, auf H. de Jatloty Parnass, auf wel-
chem 27 Bildnisse von Musikern vorgestellt sind, wor-
unter Haydn und Mozart obenan stehen. Dieser Par-
nass hat die Unterschrift: /. Iuundseer sc. P. S. de
Loutterbourg del. The lihenesses from Miniature
Cameos by H. de Janoty. Dublislied 48 Jan. 1801.
13) Mozart, in Klein-Folio. Wien, bey Arta-
ria et Comp.
14) Mozart, in Octav, lithographirt von J. B.
Ciarot, in A. Schlossers Biographie Mozart's. Prag,
1828.
In Kupfer gestochene Silhouetten.
1) Mozart, in bey dem Rath Bossler in Speyer.
2) Mozart, in Octav, bey Hofmeister in Wien.
uigiiizeo uy
Gemälde* >
1) Eins für den Padre Martini gemacht und ihm
damals zugesandt. 1777.
2) Die Wittwe besitzt sein Bildniss mehre Male
in Oel gemalt von verschiedenen Jaliren und alle
auffallend ähnlich.
Büsten.
1) Eine in Wachs, sehr gut getroffen, von Poscli
in Wien verfertigt.
2) Professor Bosch verkauft seine Büste klein in
Wachs und in Gyps. ✓
3) Am Sterbetage drückte der Eigenthümer des
Kunst -Cabinets .zu Wien, Graf Deym (uuler dem
Namen Müller), Mozarts Gesicht in Gyps ab.
Gedichte auf W. A. Mozart. ,
Auf Mozart sind sehr viele mehr und .minder
schöne Gedichte gemacht worden; vielleicht sind
mehre davon den Verehrern des grossen Meislers
0
nicht unwillkommen, wesshalb wir folgende zu ge-
ben uns unterstehen:
Momart*
- •
So süss wie Liebeshauch vom Rosemnunde,
So fühl' ich Mozart'* Töne mich umschweben,
Als säh» ich sanft der Jungfrau Brust sich heben,
So sinkt's und atcigt's'lm Harmouieen -Bunde.
• Doch plötzlich schlagt die Geisterstunde.
Ha ! da beginnt ein ahnungsvolles Leben !
Ich soll dem Geist die Hand zum Pfände geben:
Er bringt aus seiner Welt mir grause Kunde.
1R2
Wie TÖne in des Aethera Meer verhallen,
So kamst auch Du, ein Meteor, hernieder;
Zu bald 5ah*n wir entflieh'n den Sphärenboten. '
Doch fort soll Dein Gesang auf Erden schajlen ;
Du hauchtest Deinen Geist in heil'ge Lieder,
Und sangst noch scheidend: „Ew'ge Ruh» den Todten!
Sonettenkranz. Mozart.
Auf gleichen Boden hat mit Dir gcstellet
Die Wiege mir des mächtigen Schicksals Pfand,
Und dunkle Thränen hat im Jugendland
Dein Blitzesstrahl mir wunderbar erhellet.
Um's «arte Her?, von hoher Lust geschwellet,
Schlangst Du Dein zaub'risch Harmonieenband,
Und hobst empor bis' an der Sterne Stand
Auch mich mit Tausenden, von Dir beseelet.
So weit ein Ton an Ohr und Herzen schlaget,
In einer Brust der heil'ge Funken glühet,
Bist Du die Sonne nun der Sängerwclt!
In Deinem warmen Himraelsstrahl' erblühet,
Was sich an's Licht ans stillem Busen weget,
Sich Deinem Geiste strebeud nun vermählt.
An Mozarfs Geburtstags -Feyer.
Wen sich die Himmlischen mit Göttersegen
Zu ihrem treu'sten Liebling ausersehn,
Dem ziehen sie am ersten Tag» entgegen
Und mögen gern an seiner Wiego stehn;
Sie folgen ihm auf seines Lebens Wegen
Und fuhren ihn zu ihren heit'ren Höh'n.
Beglückt, wen die Unsterblichen so lieben,
Dass keines Gottes Gunst ihm ausgeblieben !
Du, Mozart, hast dies* schöne Glück erfahren:
Kaum da die Muse Dich als Kind geküsst,
Da nahm auch die andern Götterachaaren,
Nicht einer ist, der Dich nicht freundlich grusst.
Dich lehrt Apoll Geheimes offenbaren,
Merkur verlieh erfindungsreiche List,
Den Grazien magst Du Huld und Anmuth danken,
Minerva gab die Tiefe der Gedanken.
163
So lebtest Du im Gauzen und im Schönen,
Da ward ein jedes Werk ein Götterbild ;
D»i hast uns nicht mit unbestimmtem Sehnen,
Mit trüber Ahnung nur die Brust erfüllt,
Und locktest Du in uns're Augen Thräuen,
Nie liessest Du das Hoffen Ungestillt;
Aus Tönen schufst Du wirkliche Gestalten,
Die ewig sich der Jugend Reis erhalten.
So lange Menschenherzen fühlend schjagen,
Wird Don Juan sie rühren und erfreuu;
Des Titus Milde, wie Constauzens Klagen,
Den Meistern werden sie ein Vorbild seyn.
Spat in der Zeiten allerfemsten Tagen
Wird man der Zauberflöte Scherz erneu'n,
Und Engel werden mit der Tuba Klangen
Am Weltgericht' zuletzt die Gräber sprengen.
Da wir nun aber hier beym Gläserklange
Am hcil'ren Tag» Dein schönstes Fest begehn,
So sey begrüsst mit fröhlichem Gesänge,
Mit Saitenspiel und munterem Getön;
Heut* war uns nicht um guten Vorrath bange,
Du hast uns mit dem Trefflichsten versehn,
Und die Dir sonst mit Ruhm und Liebe dienen,
Du riefst, da sind sie Alle gern erschienen.
Susanna wird, die Zarte, heut» nicht fehlen,
Und Donna Anna mit der Stimme Pracht ;
Donna Elvira mit dem Ton' der Seelen ;
Im Strahlenkranz» die Königin der Nacht.
Wir dürfen auf Belinont, Octavio zahlen)
Sarastro hat gewiss sich aufgemacht;
Auch Don Juan, der nirgends seines Gleichen:
Sie Alle wollen Dir den Lorber reichen.
Und wie sich alle Herzen zu Dir neigen,
Zu Dir, wie nach tJem schönsten Sterne, «rhau'n,
So nennet Deutschland Dich mit Stolz sein eigen,
Wir werden ewig uns an Dir erbau'n.
Du trägst den Kranz von immer grünen Zweigen,
Und gilt os Kampf, wir dürfen Dir vertrau'rt.
Heil, Mozart, Dir, der uns den Sieg geschenket,
Und Heil dem Vaterland», das Dein gedenket! — •
1*4
— —
An Mozart gesandt*
Wenn Xngstig und fieb'risch Dein Saitenspiel bebt.
Durchfrieren uns Schauer und Angst. Doch belebt
Uns Freudo, wenn Töne sich necken und scheinen.
Wenn wimmernd und dumpf, wie des Grabes Getön,
Die klagenden Lieder die Ohren umweh'n,
Ertöuen auch Wehmuth die Saiten der Herzen. .
Sieh! Deutschland, Dein Vaterland, reicht Dir die Hand,
Nach Sitte der Deutschen, und löset das Band
Der Freundschaft mit Fremdlingen auf, und verehret
In Dir nun den deutschen Apoll, nnd versöhnt ,
Sich so mit Germaniens Musen, und höhnt
. Des schielenden Neides, der selbst sich versehret.
(Im Namen einer zahlreichen Gesellschaft
Musikfreunde aus Prag.)
Zur Ouvertüre von Mozarts Don Juan.
Es zucken Blitze durch des Himmels Höhen,
Es rollen Donner durch der Erde Tiefen,
Ceweoket sind die Todten, die da schliefen,
Dass sie hervor zum Werk» der Rache gehen.
Doch Paukenschall, Trompetenklänge wehen
Die Schrecken fern, die Juan kalt umliefen,
Und, Gott und Engeln trotzend, die ihn riefen,
Wagt er auglcich, der Hölle Macht zu schmähen.
So steht er da, der rasende Verbrecher,
Obwohl verflucht, doch gross in seinen Sünden —
So fährt er hin in ew'ge Flammenquaalen.
Diess Bild, zu trüb», zu fürchterlich dem Sprecher,
Darf nur Musik gehcimnissvoll verkünden,
Darf Mozart nur, der Herr der Töne, malen,
j
An Mozart,
Bey Vorstellung seiner Oper: Figaro. 1785.
Was soll ich die Musen, begeistert von Dir,
Um Beystand beschwören? Sey Muse Du mir!
Sey Du mir des Pindus berauschende Quelle ! ,
Ich hört* Dich, melodischer Denker, und pricss
Dein Schöpfertalent, und in's Wonnemeer riss
Mich bald der Empfindungen mächtigste Welle.
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185
/
Nicht Felsen herbey? nicht fabelhaft hallt
Dein sprechendes Spiel dem gefrässigen Tiger.
Doch bist Du der Fühlenden Orpheus Wehr,
Bist Herrscher der Seelen, Dir frffiuit das Gehör
Der Kinder, der Mädchen, der Männer, der Krieger.
• • •
Wenn Liebe Dein schmelzendes Saitenspiel tönt, . \
Sucht trunken der Jüngling sein Liebelten; und stöhnt,
Und heftiger hämmert der Busen dem Liebchen» r
Sie winkt den Geliebten «um GÖttcrgenuss,
Und mit in Dein Saitenspiel lispolt ein Kuss
Von LiDDCn des Jünsliucs . von Linnen des Liebchen»
Bey Erbliclung des Kupferstichs von Mozart
Ein Strahl, entströmt den lichten Regionen,
War Mozart's Geist. Die Götter senden ihn,'
Verwandte Geister, so im Staube wohnen,
Durch himmlisches Getön empor zu ziehen.
Doch Mozart's Geist hielt kein Gewand rom Staube:
Der Strebende die Hülle früh zerbrach.
Nach seiner Heimath eilt* er wie die Taube:
Wir seh'n ihm
't r
Ich soll Mozart und Rossini vergleichen? — Dieser ist
Eine schqne Tulpe; Mozart eine Aloe, die nur alle hundert
Jahre blüht.
„Solch ein Genius, solch ein Kind!" O wahrlich, ich sag' Euch:
Werdet ihr so nicht, ihr kommet nie in den Himmel der
Mozart's Oper Schöpfungen,
Vor herrscht hier der Gesang? Das Orchester? Dir, ewiger Mozart,
Ist, allgrosse Natur! Alles Ein innigstes All«
Nur Er.
Anderer Dichtung durchgründ' ich allmahlig: Du, Shakespcar-
Mozart,
Beutst mir, wie die Natur, tmerschöpllichen Stoff.
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186
Text am Jahrestage von Mozart.
Musik von Danzi»
Die Tonkunst trau'rt. In dumpfen Klagetönen
Beginnt ihr Saitenspicl ein feyerliche« Lied; .
Der Liebling unter ihren Söhnen,
Ihr Mozart war's, der heute schied.
Er schied. Doch seines hellen Geistes Spuren
Liess er als Studium der Kunst, zum Erbtheil für die Nachwelt.
Wer staunt nicht dieses Geistes Fülle in seinen Werken an ?
Sic sind der Nachwelt Eigenthum,
Und unvergänglich ist seiu Ruhin«
Ja, unvergänglich. Wie aichtbar ist in ihnen das schöpferische
Werde,
Wodurch sein Saitenspiel
dedanken, Ahmuth und Gefühl i
Und Leben manchem .Dichterwerke gab, . .
Das längst vergessen wäre,
Wenn seine Zauberharmonie
Nicht allgemeinen Reiz hineingelegt.
Der Zeitgenoss hat ihn geehrt-,
Die Nachweit fühlt noch seinen Werths
Und dies* Gefühl Ton seiuem Werth vereinigt uns in diesen
kleinen Zirkel, den Manen
Dieses grossen Mannes ein feyerliche« Jahresfest zu weih'u.
Es steige in schwellenden Tönen . •
lias Loblied des Edlen empor !
* ' Mit seiner allmächtigen Leyer
Besänftigt und rührt er die Herzen,
Weckt wieder zum Scherz und zur Freude
Nach Stürmen des Schicksals sie auf. *
Diesem Geber froher Stunden
WehYh wir unsere Dankbarkeit,
Und für das, was wir empfunden, .
Lohne ihn Unsterblichkeit!
Mozart.
In Salzburg war ein Wunderkuabe,
Dem seine Muse früh erschien.
Beschenkt mit ihrer liimmelsgnbe,
Schwand jedes Spielwerka Reiz für ihn.
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I
187
Beflügelt er sich seine Zeit,, • ( t
Vorahnend , da«« dereinst ihn kröne ■ *
Der Lorber der Unsterblichkeit.-
Fünf Ltnaen, Witfite^n erat dem Kleinem •
Da war er am CJavier ein Held. , -
Jetzt sollt* er als.efc Stern er« ch einen, , j
Sein Vater führ^ ihn in die W?ty ,
Umstaunt beherrscht' er wie,, ein, Meister, • t
Von Land zu Land daa Saitenspiel;
Doch war der* Jubel roher Geister ,
Kein Ehrenlohn, der ihm gefiel.
Er sagte kühl : Was * ann mir frommen
Der Laycn wüste« Lobgeschrey!
Den ATÖssten Meister lasst mir kommen;
Und was ich gelte , sag* er frey \
Kam nun ein Fürst der Kunst und lauschte,
Und sprach ein Wörtchen mild und hold,
Das hob sein Herz und er vertauschte
Des Kenners^Beyfall nicht um Gold,
In Welschland hört' er einst, tlass leise
Bey seinem Spiel die Rede ging:
Der Deutsche zwingt geheimer Weise
Durch seinen macht'gen Zauberring.
So rannten knnstbeflissne Junger
Von Neid befangen sich in's Ohr:
Er aber zog den Ring vom Finger
Und spielte schöner, als zuvor.
Die Jahre stärkten ihm die Schwingen,
Und leicht und kräftig flog der Aar,
Der Bühne manchen Schatz zu bringen,
Voll Urgeist aber sonnenklar.
Wie glänzt die gold'ne Liederkette,
Die er dem span'schen Wüstling schuf!
Diess Wunderwerk der Tonkunst hatte
Allein verewigt seinen Ruf.
• Der Kummer floh von jeder Wange,
Und das Gemüth war frey von Schmerz,
Betrat er nur mit einem Klange
Die Brücke zwischen Ohr und Herz.
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Der König wtnl von ihm erheitern/
Das Hirtenmädchen ««ig »ein LM. >
So hatte Keiner noch erweitert 7
Der edlen Tonkunst Machtgobietj
Doch schwankend neigte sich zur Erde »
Des grossen* Geistes enges Maus,
, Und dass es bald verfallen Verde,
Sprach ahnendes Gefühl ihm aus.
Es flog ihn an, als in sein Zimmer
jc.in;>tninis nn unDCKannier trat
Und dringend mit des Golde* Schimmer
' Um ein« Seelenmesse bat; ji" ■
• 9 « *
Der Kunstler, lenksam «um Gewähren,
Gelobte sie: der Fremde schied.
Und jener sprach mit leisen Zahrcn:
Ich dichte mir mein Tqdtenlied.
Und noch vom alten Geist durchdrungen,
Der Ruhm und Herzen ihm erwarb,
War schier sein Schwanenlied gesungen,
Dann neigt er sanft sein Haupt und — »Urb.
4 • I • f
In diesen Stunden sank er nieder
Auf seiner halben Erdenbahn,
Und Schaareu seelenvoller Lieder,
Sie flohen mit ihm Himmelan. . .
Wer seiner' Töne Zauber hörte,
Beklagt,, das« sein Geschick ihn rief;
Und eine heit're Welt «erstörte,
Die noch in seinem Busen schlier.
MW
m
■
Ihn zeigt kein Standbild hoch und Jielir*
Doch von Jahrhundert zu Jahrhundert
Lebt er unsterblich wie Homer.
Wenn Tausend gleichen Flug auch wogen,
Sie holen seinen Flug nicht ein«
Er wird, so lange Herzen schlagen,
Der Liebling jedes Herzens
(Zu seiner Todtenfeyer am 5. Dvcbr.
Bey Arilwrung des Mozart9 sehen Requiem.
In schwarzer Trauer tiefer Nacht gehüllet
Steh'u bang' die Freunde an dem Grab und weinen»
Kein Hoffnungsstrahl will ihrem Schmerz erscheinen,
Kein Trost ist, der der Liebe Klagen stillet.
Des Weltgerichtes Schreckenstag erfüllet
Mit bangem Schauer selbst den Geist des Reinen:
Es zittern um des Todten Ruh die Seinen,
Dass bebend ihr Gesang zum Himmel quilleU
Und drey Mal zu dem Heiland dringt ihr Sehnen :
Lamm Gottes, gieu dem Todten ew'gen Frieden!
Da schwebt dejr Geist herab auf heil'gen Tönen,
Des Himmels Ruh* erquickt die Schmcrzensmüden,
Zur leisen Klage wird ihr lautes Stöhnen,
Und ihres Todten Asche ruht im Frieden I
Vom R e q u i e m.
%
Von Heldenkraft erzeugt in glüh'nder Stunde,
Kühn hingeworfen der Natur in Schoos,
Ob er, der Sohn, ergeben seinem Loos,
Er sterbe, ob er «um Unsterblichen gesunde.
Und er erwuchs, der Heldensohn. Vom Bunde
Des Hergebrachten reisst sein Arm sich los;
Kühn blickt sein blaues Aug', auch schmachtend gross
Steht er. und hört aus kalter Richter Muude :
Verweg'ner, wühlst Du auf der Menschheit Grauen?
Nur Kreuz, nicht Palrae lässt Dein Glaube
Nur seine Thrane, ohne sein Vertrauen?
Nacht deckt mich, doch vom Stern der Lieb' erhellt
(Ihr seht den nicht) so bin ich aufgestellt,
Ein Bild des Werden» überirdischer Welt*
Das Requiem,
Amadeus sitzt im kleinen Zimmer,
Still und eigen in sich selbst gekehrt.
>
«
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190'
Durch die Scheiben blinkt des Mondes Schimmer,
Kühl der Nachtwind durch die Blumen fährt.
Stumm ist's allzumal,
Und in süsser Quaal
Zucken dumpfe Schmerzen durch dio Brust.
Plötzlich wird er leise angerühret,
Und es steht vor ihm ein spater Gast.
„Wer hat nur Dich noch herein gefuhret?
Ist es doch um Mitternacht schon fast* — "
„„Thür und Angel wich; * • -
Als ich kräftielich _ .
Porhte, ward mir aufgethan« •
Bin der Diener eines grossen Herren.'1 J
Kennst ihn wohl, und er weiss a,nch von Dir.
Weltlust konnte Dich nicht von ihm zerren.
Höre nur, was er gebeut, von mir.
Einen Todtensang,
Einen Trauerklang
Sollst Du setzen, Amadeus, schnell.
Dreyer Tage Licht ward Dir gegeben,
Nach drey Tagen schnu'st Du mich auPs Neu'.
Auf! o Amadeus, und das Leben
Setze gern an diese Melodey:
Deiner Künxtlerschaft ,
Krone, Blüth' und Kraft
Lod're d'raus in ew'gen Flammen her.
Denn an eines grossen Todten Grüften
Soll's ertönen wie ein Splifrcnlied.
soll es den entzückten Lüften,
Herrlich ist der Lohn.
Du, mein lieber* Sohn, •
Lebe wohl; sey meines Spruchs gedenk.'
Leise, wie er kam, so geht er wieder,
's ist, als wehte ihn die Nachtluft fort.
Amadeus starrt zur Erde nieder:
„Wer war dieser? — Welch ein seilsam Wort!
Floss es nicht wie Licht
Von dem Angesicht?
Blitzt' es nicht wie Sterno durch die Nacht?
Wem soll ich zur ew'gen Ruhe tönen?
Wer ist dieser hohe Himmelssohn?
Warum zählt «ich dieser zn den Söhnen?
Und was ist des Werkes Preiss und Lohn?"
Also quält und fragt
Er sich, bis es tagt,
Und ein kurzer Schlummer ihn umfangt.
Wie nun Helios in bunten Lichtern
Deinen heil'gen Graus, o Nacht, begrabt,
Sagt der Töne Meister leis* und schüchtern
Trauter Gattin, was er hat erlebt,
„Liebes Herz, das hat
Irgend ein Magnat
Dir geboten, folge dem Geheiss." —
„„Frau, mit nichten; dieser Jüngling mahnet
An ein hohes, ewig fernes, Bild."" —
„Herzchen, wie Du schwärmst! Was mir nun ahnet,
Ist ein Beutel, reich mit Gold gefüllt,
1 Mach» es gut und schön,
Und wir werden seh'n,
Wie der fremde Herr die Kunst belohnt." —
Und der leichten Rede leichte Wellen
Spülen tief'res Ahnen aus der Brust«
i Heiter geht er zu der Kunst Gesellen,
Ruft den Tönen in gewohnter Lust.
„Schon zwey Tage hin —
Denk' an den Gewinn,
Denke unVrer Noth und eile Dich."
„„Noch war nicht die Stund', o Frau, gekommen :
Tagelöhnern kann ich einmal nicht.
Ist der Weihe Funken erst entglommen,
Strahlt es schnell hervor in Feu'r und Licht.
Aber Mühe dringt —
Aber Sorge ringt
Keine Töne ab dem Genius.""
Und der zweyte Abend schwimmt im Rothe,
Und die Hand ist nicht an's Werk gelegt.
„Kehrt nun morgen wieder jener Bote,
Traun ! mit vollem Flug' sein Zorn sich regt."
<92
„„Eine Nacht Ist mein —
Wirst nicht hörigt scyn —
Cieb den Kusa mir noch — Nun , gute Nacht !
Drauf verschliesst er sich in seine Klause,
Da wird ihm so hoch und ernst und weh«
„Dunkel waltet nun im ganzen Hause ;
Aber gülden blickte ron jener Höh*.
Himmel, gross und hchrl
Erde, schwarz und schwer!
Du, mein Herz, immitteu roll und heiss!**
»
Silbern durch den Garten Lilien glänzen
Glühwurm zieht die kleine helle Spur.
Droben kreisen nun in ew*gen Tänzen
Leyer, Schwan und Wagen und Arctur.
Manche Blüthe keimt,
Und die Erde träumt
Von verlorner Unschuld Paradies.
Amadeus kühlt den Brand der Wange
An dem offnen Fenster — blickt hinauf,
Blickt hinab, und steht und sinnet lange,
Endlich rinnt der Thränen milder Lauf.
„Ach vielleicht wie bald
Lieg* ich stumm und kalt
In dem engen Breterkämmerlein,
Leben, Leben, wie die Blase nichtig!
Tod, Du Unerbittlich finstVe Macht!
Irdisch spielen, eitel, leer und flüchtig f
Der langen, langen, stummen Nacht!
Lange währt die Nacht,
Aber in ihr lacht
Von drey Lichtern rosenroth der Schein?
•
Glaube, Liebe, Hoffnung, heil'ge« Scheinen!
Winkt vom Himmelsbogen sanft mir zu.
Lasst, ihr müden Augen, ab vom Weinen:
Christus lebt und schenkt euch süsse Ruh'.
Kommt, ihr Klänge, gleich:
Ich beschwöre euch,
Tönet, tönet mir von Tod und Grab."
Zu dem Tische treibt es ihn zu schreiten.
Aus den Augen glüht Begeist'rung vor.
193
■— — — —
Wuilderaamo Weisen ihn umgleiten,
Achtsam lauschet das eutzuckte Ohr.
Ob's von innen singt,
Ob's von dranssen klingt,
Scheiden die entflammten Sinne nicht.
i
Was er hört, das musa er emsig schreiben?
(So ersteht der Töne dauernd Bild)
Kann vor süssem Schmerze fast nicht bleiben,
Durch die Adern jagt das Blut ihm wild.
Doch er lä'sst nicht ab,
Riss» es ihn in's Grab, ,
Müsst' er geben d'rum sein 'Leben hin.
Rastlos schreibt er fort durch manche Stunde.
Zu dem Zeichen fügt das Zeichen sich.
Eins! ertönet aus der Glocke Munde,
Eben zieht die Hand den letzten Strich.
Nun erschöpft zurück
Siukt er, und sein Blick « ,
Hellet brechend sich an's hohe Werk.
Horch 1 Da schallen ernste Harfentöne,
Dämmernd Fallt's hinein "wie Morgenroth.
Leuchtend in crhab'ner Himmelsschöne
Steht der Fremdling da, der ihm gebot.
Gold'ner Haare Licht
Kränzt das Angesicht,
Von den Schultern sinkt ein Flügelpaar.
Kein Gewand verhüllt die schlanken Glieder,
. Um die Ferse fliesst ein gold'ner Dunst.
Lock' und Licht und mächtiges Gefieder
Küuden Dich, o Engel schöner Kunst!
Aber mild und weich,
Einer Flöte gleich,
Oeffnet bald die hohe Lippe sich:
^Amadeus, Du hast Wort gehalten,
Sollst empfahen den verheiss'nen Lohn.
Muss der Leib auch eine Weil' erkalten,
Gehst Du selber doch zu Vaters Thron.
Morgen Abend bringt —
Morgen Abend singt
Djch zuerst Dein Requiem in Ruh.
13
i94
Würdig ao, vom Schwanenlied umklungcn,
Mein erwähltes Kind hinüber zieht«
AndYe Meister hatten'* nicht gesungen,
Welch ein helle« Licht der Kunst verglüht !
Sangst es selber vor
Dir im Trauerchor,
Und Dein Engel heischte dieses Lied.
Sage Lebewohl der grünen Erde,
Schau sie froh und kräftig noch 'mal an!"
Spricht'«, und küsst mit liebender Geberde
Sanft die Stirne dem verzückten Mann.
Schnell das Leben weicht,
t Seine Wange bleicht,
Schmerzlos sinket Amadeus hin.
Mittag ist's. Die Gattin weint und klaget,
An der festverschloss'nen Thüre drückt.
„Sagt, ihr guten Leute, mir, o saget:
Habt ihr meinen Gatten nicht erblickt?"
Jünger, fromm und treu
Ahnend, wo er scy,
Stemmte an die Pforte sich vereint.
Endlich wankt die festgefügte Platte,
Schloss und Riegel springt — hinein die Schaar.
Und was Jeder schwer gefürchtet hatte,
Schauen sie, sthau'n ihn des Lebens bar.
, Lächelnd, unentstellt
Mit der Rechten hält
Fest an's Hera er ein beschrieb'nes Blatt.
Zahllos strömen bitterheisse Thränen
Aus des Grames dunklem, tiefem Born.
„Musstest Du so frühe Dich verklären,
Gatte, Vater, Meister, Ziel und Sporn?
Lässt uns einsam stehn,
Lässt uns traurig gehn,
Und wir blicken ewiglich nach Dir."
Sanft der ält'ste Jünger ihm entwindet,
Was die Hand gefasst im Todesstreit,
Und mit schmerzlichem Entzücken findet
Er die Weise von der Ewigkeit,
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Zeigt sie Allen hm :
„Wer hegt frommen Sinn,
Bringt sie Meisters letzter Ehre dar."
Ernsthaft stehn des Domes weite Hallen
In der Kerzen, in der Ampeln Glanz.
Süsse Weihrauchdüfte wehn "und wallen,
Auf dem schwarzen Sarge grünt der Kranz.
Vor dem Hochaltar
Weilt der Jünger Schaar,
In den Gängen ein unzählig Volk.
Jetzo hauchen wehmuthreiche Flöten
Und Clarinen sanftes Klaggetön.
„Tod, warum das frische Leben todten?
Glüht's und blüht's von Blumen doch so schön !
Blume , Frucht und Laub,
Werden soll** ein Staub?*4
Fragen lange bange weinend sie.
Plötzlich schmettert, dass die Hallen zittern,
Der Trommete Ruf durch diesen Laut:
„Schweig' , o Klag' ! In leuchtenden Gewittern
Naht der Todtenrichter. Aufgeschaut 1
Sünder, schüttelt euch,
Fromme, freuet euch!
Das Verborgeue wird offenbar."
Aber milde, wie ein Maienregen,
Fliesset nun das Friedensliod herab.
Alle Töne künden frey den Seegen,
Den der Mittler uns am Kreuze gab.
v „Hölle, Deine Macht
Ist zu Schanden bracht,
Fried' im Himmel und auf Erden spriesst."
Stille wird's, da redet Keiner Worte,
In gewaltiger Rührung bricht das Herz,
Schaurig Öffnet sich djc dunkle Pforte ;
Doch nach Oben blickt der heilige Schmerz.
Nieder sinkt der Sarg,
Aber den er barg,
Hört im Blau der Engel sel'gen Chor#
13'
196
Auf Mozart'a Tod.
m
Wohin, nach seinem Tod\ wohl Mozart'a Geist geeilet,
Bleibt jedem Grubler unbewusst;
Ward er dem düstern Ort der Busse zugethcilet,
So wandelt ihn sein Spiel alsbald zum Ort der Lust;
Und kam er in das Reich der Freuden,
So müssen seine Kuust die Seraphim beneiden!
Mozart* 8 Tod.
Der Herr der Götter öffnete die Himmel
Und blickto auf das irdische Gewimmel,
Als Phöbus aus dem Meere stieg.
Hier hob die Freudo jubelnd ihre Arme, •
Dort stöhnt der Jammer flehend sein „Erbarme!"
Und ihre Laute mischen sich.
Durch Jammerruf und Freudenjubel bringen
Sich SaitcntÖne, die sich aufwärts schwingen
Bis zu der Götter hohem Haus.
Was sind die TÖne, die so rein erschallen
Und durch die Wolken zu den Himmeln wallen?
Hüft Jupiter voll Stauucn aus.
Ist Orpheus auf die Unterwelt gestiegen?
Sind's Phöbus Töne, die zum Himmel fliegen?
Wer zaubert diesen Himmelslaut?
Nicht Orpheus, spricht Merkur, stieg auf die Erde,
Und Phöbus leitet seine Sonnenpferde
Dahin, im weiten GÖttersaal'»
Die Saitentöne , die so rein erschallen,
Und durch die Wolken zu den Himmeln hallen,
Schuf Mozart dort im Donauthal'.
Da sendet Zeus mit flüchtigem Gefieder
Den Götterboten zu der Erde nieder,
Den Sterblichen zu holen zum Olymp ;
Der nah't sich ihm auf leisen, luft'gen Schwingen,
Doch als des Meisters Harmonie'n erklingen,
Eilt er zurück zum GÖtterthron'
■
Und spricht: Herr, dessen Töne dort erklingen,
Er ist ein Gott! ich kann ihn Dir nicht bringen,
Unsterblich ist er, Göttersohn!
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197
Da sendet Zeus Von «einem Himmekthrone
Der Tonkunst sanfte Göttin xu dem Sohne,
Ihn abzuholen zum Olymp.
Die weht ihm Schlummer auf die Angen nieder,
Wiegt ihn in Schlaf und singt ihm Hitnmclslieder,
Und schlummernd raubt sie ihn der Weh,
Am Götterthron' verhallen ihre Lieder,
Er Öffnet die geschloss'nen Augen wieder
Und staunt den Glanz der Gottheit an*
Zu gross war'st Du, für Menschen nicht geboren,
Und Deine Harmooie'n bestimmt für Götterohren,
Spricht Zeus, d'rura rief ich Dich.
Die Erdenhülle hemmt des Geistes Flügel,
Dort schiebt der Körper schwere Iüsenriegel
Vor's Heiligthum der Grazien!
Vernimm nun hier die Sphären -Harmonieen
Und töne Deine reinen Melodieen
In aller Sterne Feyer-Tanz,
Mozart9 8 Ende.
1-
• • •
Schon neigt sich dämmernd meines Lebens Tag,
Schon seh' ich seine frischen Farben schwinden;
Es kündet mir des Herzens matter Schlag:
Bald wird mein Geist den Weg zum Lichte füideiu
So sey es denn! Was auch da kommen mag,
Des Höchsten Wille lässt sich nicht ergründen \
Doch heimwärts, fühl' ich, strebet meine Seele,
Zu flieh'n des Leibes morsche Kerkerhöhlei
Ich habe nicht gegeizet mit dem Leben,
Die süsse Gabe hab» ich rasch verzehrt} .
.Nickt fesseln könnt' ich meiner Kräfte Streben,
Des Blutes Trieben hab' ich nicht gewehrt.
Wer aber kann an dem Einfbrm'geu kleben,
Der im Gemüth' unlÖschbar Feuer nährt?
Und frühe Hess ich reich in Tönen blühen.
Was liebend mir mein Genius verliehen.
*9S
3-
In deinem Schoos»', o Kunst, ward ich geboren,
Mit weih'ndcr Huld hast du mich angeblickt;
Es tranken deine Zauber meine Ohren,
In deinem Himmel ward ich früh entzückt;
Dir hab» ich frühe heil'go Treu» geschworen,
Und täglich ward ich mehr in Dir beglückt;
All meiner Kindheit goldgewebtes Träumen
Erging sich nur in deinen heitern Räumen.
4.
Du locktest oft des weichen Knaben Thranen,
Sein regsames Gemüth belebtest du;
Ich dachte, fühlte, träumt» und wacht» in Tönen,
In dir nur fand ich Wirken , fand ich Ruh».
Nur deine Blüthen sollten einst mich krönen,
D'rum schloss mein Hera ich allen Dingen zö,
Die an Alltäglichkeit den Menschen ketten.
Die deine Huld mir leicht entzogen hätten.
5.
So kprosst* ich auf, als wio genährt von Klangen,
Und mir erschien die Welt gaus Harmonie;
Es drohte fast des Knaben Brust zu sprengen,
Was mir, o Göttin! deine Huld verlieh;
Es strebte frühe sich an's Licht zu drängen,
Was mir lebendig schuf die. Phantasie ;
Ich reifte schnell, es durften meine Schwingen
Früh nach des Ruhmes steilem Gipfel ringen.
6*
Doch war ich nie vom stolzen Wahn' befallen,
Als kam', was ich geleistet, nur aus mir:
Vernahm ich, Knabe noch, mir Beyfall schallen
In fernen Reichen, er gehörte dir.
In meinem Ring' ist Thoren eingefallen
Zu wähnen Zauberkraft; ich Üiat von mir
Des Fipgers Schmuck, damit ich ihnen zeigte,
Dass reiner Liebe nur die Kunst sich neigte.
•
Ermessen hab' Ich, Tonreich, deine Tiefen,
De« Neuen und des Grossen viel gestaltet;
199
•
Viel Zauber, die noch nngchört da schliefen,
Die dunkel mir im Innersten gewaltet.
Die an das Licht nicht Gluck noch Händel riefen,
Und deren Macht mir selbst das Hera gespaltet:
Ich rief sie , weckte sie , und wie sie rauschten,
So schien mir oft, als ob die Engel lauschten.
8-
O Liebe , hab' ich nicht dein glüh'ndes Sehnen,
Hab' ich nicht alle deine Zärtlichkeit,
Dein Schmachten, deine Wonne, deine Thrä'neu
An meiner Lieder bunten Kranz gereiht?
. Auch süssen Scherzen, Tä'ndeley'n und Wähnen
Hab* ich manch zart gehauchtes Lied geweiht ;
Und wie mich selber deino Gluth durchdrungen,
Hab* ich sie Andern tief ins Herz gesungen.
9.
Gleich Blumen, die auf Wiesen dar sich bieten,
Verjünget sie der Lenz mit frischem Segen;
So kam, wenn deine Flammen mich durchglüh'ten,
» Begeisterung! gern jeder Ton entgegen.
Wie Westhauch, der um Blumen spielt, wie Wüthen
Des Wettersturms, gleich raschen Donnerschlägen
Ist mir's geglückt, die Hörer zu erschüttern;
Ich sah» sie schmachten, weinen, jubeln, zittern,
10-
So lange wohl Thaliens Tempel stehen,
Wo tiefe Regung sich, Gefühles Drang
Des menschlichen Gemüüis begleitet sehen
Von recht gewähltem seelenvollem Glanz :
Wird, hofl' ich, me mein Name untergehen,
Wird mit den Meistern von dem ersten Rang,
So. lang' die Muse wandelt hier auf Erden,
Mit Lieb» und Achtung stets genennet werden.
11.
Dir selbst, Allhöchster! reicht» ich Feyerklä'nge,
Sie durften in der Kirche hehren Hallen *
Zu Deinem Preiss bey festlichem Gepränge,
Und zur Erweckung heisser Andacht schallen.
Ein schwacher Dank nur sollten die Gesänge
Für Deino Vaterhuld zum Himmel wallen:
uigiiizeo
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200
1
i
Da alte Kunst nur dann erst froh gedeiht,
Wemi sie ihr Streben Deiner Ehre weih'U
Nimm meinen Dank 1 Durch Dich ist mir** gelungen,
Was ich su schaffen feurig war bemüht;
Durch Deine Huld ha)/ ich das Ziel erschwungen.
Nach welchem schon mein Knabenherz geglüht.
Dein Engel hielt mich liebevoll umschlungen,
Liess mich, von schönern Traumen stets umblüht,
Die Harmonie^ der seel' gen Geister hören,
Uud nicht der Erde Tanu* mein Herz bethören.
13.
Ein weich gestimmtes Kind bin ich geblieben,
Und lebte, wie die Laune mir's gebeut;
Nachgiebig meinen wandelbaren Trieben,
Hab* ich den kalten Ernst von mir gescheut.
Ich fühlt' es brennend mir in*s Herz geschrieben,
Dass ich nicht lebte für die Spanne Zeit,
Die mir auf Erden hier war zugemessen,
D'rum hab' ich ihrer Güter leicht vergessen.
i
14-
Du, treue Gattin! host es wohl erfahren,
Wie ich das Leben sorglos hingeträumt;
Dass ich ein and'res suchte zu bewahren,
Als was mir tönend in der Brust gekeimt.
Ach Deiner Liebe , der unwandelbaren,
Bedurft' ich sehr, da Alles ich versäumt,
Was von dem Mann und Gatten heischt das Leben
An Sorgfalt, Müh» und häuslicherm Bestreben.
15-
Wie schnell war alles oft der Hand entronnen.
Die ich stets offen zum Verschwenden hielt,
Was meine Kirnst an frohem Lobu gewonnen,
Mit Allem hatt' ich kinderhaft gespielt;
Versäumt, vertändelt hatt' ich unbesonnen,
Wonach der selbstbedachte Fleiss nur zielt.
Und alle Sorgen meidend, alle Plagen,
Licsa ihre I<ast ich Dich, o Gute! tragen.
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201
16.
Verzeihe mir, wenn ich nun froh erblasse.
Den leichten Sinn, der, nicht mich sorgen Hess,
Dass ich die Gattin , die ich» bald verlasse,
Und der mein Ruhm ein glücklich Loos verhieaa,
Bedroht vom herben Mangel hinterlasse.
Doch wenn die Welt nicht heuchelnd meist mich priess,
So wird sie, denk.' ich, selber sich zu Ehren,
Von Dir, Constanze! Noth und Kummer wehren,
• •
17- . .
O schone nun der ThrJnen! Diesen Waffen,
Geliebtes Weib! erliegt mein sieches Hers«
Lass mich den letzten Math zusammenraffen^
Dass nicht absinge mir der Trennung Schmerz :
Lass schauen mich auf das, was ich geschaffen,
Damit ich freudig schaue himmelwärts;
Denn was in mir gelebt, ich hab's ergossen:
So sey denn meiner Tage Kreis geschlossen.
18-
Zwar hatt' ich gern noch Grösseres vollendet 1
Denn Grösseres noch, als ich je vollbracht,
Wozu dem Himmel ich die Tön* entwendet,
Was nur das Ohr der Seraphim gedacht,
Ha*tt* ich der Welt zum Abschied gern gespendet;
, Es reget sich in mir mit heft'ger Macht;
Das Niegehörte möcht1 ich gern noch wagen,
Doch was es ist, ich weiss mir'a nicht zu sagen.
19.
Allein der Funken hat nun ausgeglühet,
Der Himmeisfunken, der mich einst belebt;
Das Reich der heitern Phantasie verblühet, '
Des Geistes Flügel, der so hoch gestrebt,
Er ist erlahmt! Des Leibes Bürde ziehet
Zur Grtifft mich , wo kein süsser Laut mehr schwebt.
Ermattet, ach! gebrochen ist die Kraft;
So sprenge denn, o Seele, Deine Haft!««
20-
Still saass\ die blassen Wangen feucht von Thra'uen,
Der Meister an der lieben Gattin Hand;
In seinem Auge glüht' ein tiefes Sehnen,
Zum Himmel blickt' es lang* und unverwandt.
Es war ja leider! auch kein eitles Wähnen.
Was er im Innern j:t zt so wahr empfand :
Ganz hingegeben seinem Todesahnen
Erging sein Geist sich schon auf lichtem Bahnen.
/ i
21-
Constanzen war nicht aller Trost entschwunden,
Es dämmert ihr noch schwacher Hoffnuugsscheiu,
Der theure Gatte könne noch gesunden,
Es sey noch HülP in kra'ft'gen Arzeney*u.
Die zarte Pflege lindert ihre Wunden,
Die stets um ihn sie hiess geschäftig seyn.
Ach , Hülfe , so wir Leidenden erzeugen,
Sie heisst des Busens eig^e Leiden schweigen.
22-
Da pocht es an der Thüre mit drey Schlagen ;
„Was für Besuch am Morgen früh? Herein!44
Rief Meister Wolfgang sanft , und ihm entgegen
Tritt eine hohe Mannesbildung ein.
Schwarz, wie wir es um Tode trauernd pflegen,
War sein Gewand , und bleich wie Mondenscheiu
Sah das mildernste Antlitz ; in den Zügen
Und Blicken schien geheimer Schmerz zu liegen.
■
23.
Den Meister fasst ein ungewohntes Bangen,
Wie Grabes Hauch umweh'ts ihn leis und kalt ;
Zu Schnee entfärben schnell sich seine Wangen,
Doch freundlich nahead spricht die Mannsgestalt :
Mich treibt zu Dir, o Meister! ein Verlangen,
Das Du nur, der den Scepter der Gewalt
Im Tonreich fuhrt, vermagst recht zu erfüllen;
Vernimm denn ruhig meinen Wunsch und Willen.
24-
Es löVte, ferne Dir, die ird'sche Bande
Von einer hohen Seele jüngst der Tod,
Sie heim zu führen in dos Friedens Laude,
Wie es der ew'ge Vater ihm gebot.
Sie flog empor aus ihrem Nachtgewand e,
Sie schwang sich froh zum schönem Morgenroth.
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203
Doch hier auf Erden liess sie tiefe Trauer
Üb ihres frommen Wandeins kurzer Dauer.
i
■
» r
25-
Der Abgeschied'nen oft noch au gedenken,
Zu sanfUgen der Hinterlassen Schmerz,
Sollst Du der Welt ein herrlich Denkmal schenken,
Das bleibender, als Marmor sey und Era.
Weg von der Erde nach dem Himmel lenken
Süll es der Menschen sündenbanges Herz,
Soll es versöhnen mit den Machtgedauken
An seine» Daseyrts engbemess'ne Schränken.
26- • *
Wie Rauch und Nebel soll vor ihm z er iiiessen
Der Erdengüter bunte Flitterpracht j
Der Zukunft Pforte sich dem Geist erschliessen.
Damit er, wie aus schwerem Traum erwacht,
Froh den Verklärungsmorgen möge gTÜsseu,
Zum laicht eingehend aus der trüben Nachts
Ermuthigt und ersehnend Gott «u schauen,
Von sich abwerfe Todesfurcht und Grauen.
27«
Und solch erhabenes Denkmal zu vollenden,
Hat Deine Kunst die Reife nun erlangt,
Dä Deine Blicke sich nun heimwärts wenden«
Da nach dem Ew'gen Deinen Geist verlangt«
Ermanne Dich! Gott wird noch Kraft Dir spenden
Vollbring* es kühn, 'wie auch davor Dir bangt
Tod und Gericht, Verklärung und Vernichtung
Sey Deüier Muse letzte schönste Dichtung.
28-
Und mit dem letzten Wort war er verschwunden«
Woher er kam, wohin sein Fuss ihn trug?
Man hatte nimmer eine Spur gefunden«
Doch in des Meisters bange Seele schlug
Em heller Blitz ; er meinte zu gesunden,
Er fühlt sich stark genug, den höchsten Flug
Iirs Zauberreich der Töne noch zu wagen.
Und gilt» es auch den Rest von seinen Tageu.
204 '
29.
Lang» »aast er sinnend , tief in riet versunken,
Die Hände faltend über «eine Brust;
Sein Auge glänzt von neuen Lebensfunken,
Er schien kaum halb sich seiner selbst bewusst.
"Dann blickt er aufwärts, gans gedankentrunkeu,
Und lächelt wie entzückt in Himmelsluat,
Bis er aufathmend, wie nach tiefem Schlafen,
Umschauet und seiu Weib die Blicke trafen.
* 30-
*
Er sprach: Woher ist dieser Traum gekommen,
Da mich umleuchtet klar des Tages Licht?
Hab* ich nicht deutlich jedes Wort vernommen ?
Noch tönt es mir, wie seino Stimme spricht.
Mein ganzes InnVe fühl' ich heisa entglommen !
Tod, Untergang, Verklärung und Gericht .
Soll' ich in nie gehörten Weisen singen —
Ach, müder Geist, wie wirst Du dies« vollbringeu!
•
3t.
Ein Todesengel bist Du mir erschienen,
Du fremde, düsterfreundliche Gestalt!
Ein ernstes Mahnen sprach aus seinen Mienen,
Es fasste mich mit heimlicher Gewalt.
Der schönste Kranz soll meinen Sarg umgrünen,
Mit dem die Kunst je Lieblingen vergalt:
Was ich geahn't,* es wird nun doch geschehen,
Wie ich es soll, ich hab' es jetzt ersehen.
32. ' ' •
Klar schwebt mir vor das Werk, das imgeheu'rc,
Es rauscht ein Strom, der alle Ufer brach,
Dasa ich dadurch den eignen Hintritt fey»re,
Ich glaub» es fast, geliebtes Weib ! denn ach!
Auch mir hat es gegolten, mir, o Theure!
Was ernst des Todesboten Lippe sprach;
Ich bin der Schwan, der mit melod'schen Schwingen
Sein schönstes Lied, sein Sterbelied soll singen.
33-
So schlagt denn auf noch einmnl lichterlohe.
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205
■ .* »
Noch einmal fasse mich, o Himmel« frohe
Begeist'rung, die mich oft empor gerafft;
Hauch' Glut mir ein, dass ich das Ziel, das hohe
Erflieg», eh» mir zerfällt der Seele Haft-,
Ein'n Riesenstrom soll der Gesang hinrauschen,
Die Erd* erstaunt an seinen Ufern lauschen.
34.
Vergiss mein Ohr nun üppig weicher Klänge,
Mit welchen ich die Herzen süss durchdrang;
Erfinden will ich niegewagte Gänge,
Zu singen, was kein Sterblicher noch sang.
Lasst mich belauschen eure Festgesänge,
Lasst mich umrauschen eurer Harfen Klang,
O Engel , die ihr singt auf gold'nen Sternen
Des Höchsten Lob durch alle Himmelsfernen !
35.
Er eilt an'a Werk, von muthigem Vertrauen
Auf höh'ren Beystand, glühend angefacht;
Den Prachtpallast von - Tönen aufzubauen,
Gönnt* er sich keine Ruhe Tag und Nacht;
Gern möcht» er durch des Grabe« Dimkel schauen
Um jener Harmonicen Schreckensnacht,
Die , wenn die Welten einst in Staub versinken,
Erbraussen werden — kühnen Ohr's zu trinken.
36.
Der grossen Arbeit Hallte zu vollbringen —
Es war dem Meister bald und schön geglückt;
Doch galt es wohl ein stetes heises Ringen
Mit schwerem Siechthum, so ihn niederdrückt:
Da brachen, ach! des Geistes muth'ge Schwingen,
Er liegt der Blume gleich, vom Sturm zerknickt,
Der, ob sie wohl das welke Haupt schon neiget,
Im Sterben auch noch süsser Duft entsteiget
' ■ '37.
Im Kampf mit immer wachsend herben Leiden,
Mit einem Fuss schon auf des Grabes Rand,
Will er doch nicht der Arbeit Zehrglut meiden,
Wie auch die Kraft ihm stündlich mehr entschwand,
Bis er zuletzt sich schmerzlich muss bescheiden,
Und trauernd legt die Feder aus der Hand ;
20fi
* r-
Da pocht es an der Thür© mit drey ^Schlägen,
Uud ernst tritt ihm der Todesbot' eutgegen.
30-
Er spricht: Bald ist nun Deine Zeit verronnen :
Noch fehlt im Kranze, den Du Dir gewunden,
Die schönste Blum', erblüht an warmem Sonnen,
Ihr stilles Thal, Du hast es aufgefunden-,
Halb hat die unverwelkliche gewonnen
Dein frommer Muth in trüben Leidensstunden;
Lass nimmer ab, Tollendet soll es werden,
Womit sich Deine Wallfahrt achliesst auf Erden.
39.
„So werd' es, möge Gott mir Kraft noch senden M
Rief Mozart aus, ron Himmelsgluth durchweht.
Wie nun auch bittend Freund» an ihn sich wenden,
Wie trostlos ihn die treue Gattin fleht,
"Er wolle kurze Rast sich manchmal spenden:
Vergebens; denn der Todesboto steht
Nur sichtbar ihm, nun stets vor seinen Blicken,
Nichts kann sein hohes Ziel ihm mehr entrücken.
40.
So steigt in dunkler Nacht die Sternrakete
Mit raschem Aufschwung in den Aether auf;
Hoch in den Lüften, wähnet man, mm tÖdte
Ein Hauch sie, schon geendet sey ihr Lauf:
Sie fallt; und sieh', wie gold'ne Morgenröthe
Schliesst jetzt sie stralend erst ihr Wres auf;
Die halb verloschene prangt in blauen Fernen
Erst wunderherrlich noch mit tausend Sternen.
41-
„Geschaffen ist's, roll endet; darf ich sehen
Mein liebstes Werk! Ich danV es höh'rer Marht.
Nimm jetzt mich, Herr! Dein Wille soll geschehen,
Durch Deine Hülfe hab' ich es vollbracht.
Schon fühl* ich Himmels Lüfte mich umwehen,
Von meinem Auge sinkt der Erde Nacht;
Wie strebt und sehnet sich mein Geist zu fliehen
Empor in'a Reich der cw'gen Harmonie en.
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»
207
42.
Du siehst mich an, o Werk! dem Leichensteine
Vergleichbar, .welcher meinen Staub verschliesst ;
Auf dem, bald wandelnd über mein Gebeine,
Der Fremdling des EntschlaPnen Leben lies't.
Nur einen Wunsch, Allgütigerl verneine
Mir nicht, eh» mich der starre Schlaf umachlicsst :
„Die Töne, so da soelenlos nun schweigen,
Lasa sie belebt vor mir «um Himmel steigen."
43-
So Mozart: Zu erfüllen sein Verlangen,
War eifrig schnell der Freunde Schaar bemüht;
Denn solcher Schöpfung Labsal zu empfangen,
War sehnlich wünschend Jeder längst entglüht.
Auch sah'n sie ja mit kummervollem Bangen,
Dass nur unwillig noch sein Geist verzieht,
Auf d iesem TÖnesturm sich zu erheben
Und in der Ruhe stille Welt zu schweben.
44.
Und eines Morgens sah man alle Söhne
Euterpen's, die das künstlerische Wien
Herbergte, wo die holde Ton-Kamöne
Gern thronte, nach des Domes Hallen «ieh'n,
Zn wecken hier das kühne Heer der Töne,
Das auf den Pulten rings zu schlummern schien,
Damit an seiner letzten, schönsten Gabe
% Des Meisters krankes Hera sich scheidend labe.
*
45.
Da kommt er selbst mit EÖgcmd wankem Schritte,
Ach! leichenblass, von Freunden sanft geführt;
Noch ein Mal sch'n sie ihn in ihrer Mitte,
Ihn, dessen Wink sie feurig sonst regiert;
Jetzt naht» er ihnen mit der letzten Bitte,
Wie innig waren Alle sie gerührt!
Und als sie ihn gegrusst mit vielem Neigen,
Ergoss sich tiefes, feyerliches Schweigeu.
46-
Und horch i es tönt wie leise Wehmuthsklage,
Wie sanftes GeisterfleVn in hoher Luft,
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208
Da« nach dem frohen Auferstehnngstage,
Das um Erbarmen auf zum Himmel ruft)
Als ob es vor'« Gericht die Seufzer trage
Der Todten, ao nun steigen aus der Gruft,
Und, gleich als mehrte sich stets ihre Menge,
So schwellten immer Toller die Gesäuge.
47-
Und in ein brünstig lautes Gnaderufen
Geht über bald das leise, scheue FIch'n;
Es dringt bis an des höchsten Thrones Stufen,
Es -will die Wolken fort vom Himmel weh'n.
Der Andacht Brunst, so diese Töne schufen,
O wie erbaut's den Meister, sie zu seh'n!
Er selber betet , Blick und Händ' erhoben,
Und höret kaum, wie alle Freund» ihn loben.
48-
Doch plötzlich, wie mit hundert TTngewittern,
Vom Sturm getragen, und umhüllt die Nacht,
Von Donnern, die der Erde Grund erschüttern,
Umhallt, y erlöschend Sonn* und Sternenpracht,
Erscheint der Tag, dem alle Wesen zittern,
Der Tag des Zornes der allmächt'gen Macht,
Der ew'gen Macht, auf deren schrecklich Winken
In Asche muss das Welten -All versinken.
49-
Wer Hess Dich diese Schreckenstöne hören?
Wann lauschtest Du der Welten Untergang?
Ha! furchtbar tobend brauset das Zerstören,
Es wendet sich das Herz bey jedem Klang.
Ach! horcht, wie Erd» und Himmel sich empören!
La ss ab, eh» wir erliegen dem Gesang;
Du selbst erliegst, Du kannst es nicht ertragen,
Was Du so kühn zu aingen konntest wagen.
50-
Mit ma'cht'gem Schalle dröhnet durch die Lüfte
Des Weltgerichts Posaune wunderbar;
Da bersten rings der weiten Erde Grüfte,
Aufwacht der Todten zahllos bleiche Schaar;
Es spalten krachend sich der Berge Klüfte,
Das Tiefverborg'ne wird nun offenbar.
>
209
i
Der ernst« Ruf, er ruft zu Gott« Throne,
Zur ew'gen Qual, 10 wie zum ew'gen Lohne.
51.
Ach ! süss aufweinend hör* ich nun Dich fragen,
Was werö? ich meinem Richter, wenn er nah't,
Was werd' ich Armer! dann dem Strengen sagen?
Doch finden diese Töne nicht den Piad
Zu seinem Ohr, wie sollen wir denn klagen?
Mit welchem Wort' anrufen seine Gnad' ?
In diesen Tonen schmilzt die ganze Seele,
Und fleht Verzeihung , reuig ihrer Fehle. —
62-
*
Wer widersteht euch, zaubervolle Laute?
Wo ist ein Auge, das nicht heisse Fluth
Erbarmung fleh'nder Thränen niederthaute?
Ein Herz, das nicht zerschmolz in Fenergluth ?
Und doch, wie vor dem Richterstuhl ihm grau'te,
Vor dem auch sinket des Gerechten Muth,
Wo aller Sunden Buch liegt aufgeschlagen,
Sich nicht von Hoffnung fühlt empor getragen.
63.
Wie Sturm 3en Hain durchrauscht mit Ungestüme
Gleich eines Stromfall's lautem Donnerschall,
Verkündet jetzt, es nahe Gott im Grimme
Der Majestät, der Töne hoher Schwall:
Doch Engel weinen nur mit solcher Stimme
Beklagend einer Seele tiefen Fall,
Wie jetzt aufsäuselnd flehen die Gesänge
Um Heil und Rettung, statt gerechter Strenge.
64-
Auf neuen Flammen will der Geist sich schwingen
Anbetungsvoll zum Thron des Herrn empor,
Da man das dreymal Heilig höret singen
Als tönt aus Lüften hoch der Scel'gen Chor*
Es wirbeln Pauken, die Trommeten klingen,
Und hingerissen lauschet jedes Ohr)
Demüthig hat sich jedes Knie gebeuget,
Als in die Wolken das Osann« steiget.
14
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56-
Wie trenn das Meer rorher ron Nacht umzogen^
Von wilder Wuth der Winde laut umbrüllt,
Bis an'« Gewölbe hob die finstem Wogen,
Das Mond und Sterne düster ihm verhüllt;
Nun aber, da die Wolken fortgeflogen,
Der Sturm verhallt, das Toben sich gestillt,
Und auf der Spiegelfläche sich die Straten
Der schimmernden Gestirne friedlich malen:
66»
So schwinden Todesgraus und Furcht und Bebens
Vorüber ist das schreckliche Gericht !
Und süsser, froher Jubellaute Schweben
Ergiesst um uns ein morgenhelles Licht.
Sit preissen ihn , der uns den Weg zum Leben
Geebnet, der die Macht der Hölle bricht} .
Gebenedeyet schallen sie dem Frommen,
Der in de« Herren Namen ist gekommen!
67.
O Meister! Herrlich ist das Werk gelungen,
Das Dich Dein hoher Genius gelehrt;
In Wonn* und Wehmuth hast Du jetzt gerungen,
Des Lebens Mark hat es Dir aufgezehrt!
Er achtet kaum der vielen Huldigungen
Von allen, so es staunend angehört;
Ihn bald bewundern, glühend in Entzücken,
Bald Trennung ahnend schmerzroll auf ihn blicken«
0
i
5» .
#
Die letzten Thranen muss sein Auge thauen;
Als die Gesang» um ew'ge Ruhe fleh'n.
Da fühlt» er von des Paradieses Auen
Des Friedens Palmen kühl herüber weh'n.
Es strebt sein Geist das ew'ge Licht zu schaue»,
Er sieht die Erde neblig untcrgeh'n :
Sanft lös't sein Engel ihm die ird'schen Bande
Und er entschwebt zum lichten Sternenlande.
211
i
M o & a r t • i Grab*
Wo ist Dein Grab? Wo duften die Cypressen?
Wo prangt der wappenstolze Marmorstein?
Hat denn die Welt den Iieil'gen Ort vergessen.
Der Deine Hüllo tchliesst in Dunkel ein?
Hat sie geglaubt, es wäre zu vermessen,
Dir eines Denkmals ird'sche Zier zu weih'n?
Und Jeder spricht: „Vergeblich ist Dein Fragen;
Durch jenes Thor ward er hinaus getragen."
Wo Ist ein Land, das rühmt «ich Deines Gleichen,
Das einen Solchen hat der Welt geboren^
Dem Deinen Kranz dio Nachwelt müsstt reichen, * »
Weil sie Dein Bild aus ihrem Aug* verloren,
Weil Deine Glorie vor ihm erbleichen
Sie sah dort an des Tempels Strahlenthoren?
Und leise hallt's: „Wohl prangen neue Sterne^
Doch Mozart strahlet fort in hoher Ferne.44
Wo isf Dein Lohn, die Schatze, dio Jnwelen» -
Die Deine Zeit als armen Dank Dir gab ?
Wo der Palast, dess Mauern mir erzählen:
„Hier schwang der Meister seinen Zauberstab"?
Wollt Ihr mir neidisch Alles denn verhehlen?
Ein Jeder wendet schweigend sich mir ab.
Da sprach's: „Um dessen Stirn der Lorber pranget,.
Dem ziemt es nicht, dass er nach Gold verlanget*"
So ist nur Prüfung Künstlers Erdenwallen,
Ob er in Feuersgluth bestehet rein?
Ob er entsagen kann den Freuden allen,
Die auch der ärmste Sterbliche nennt sein?'
Ob ihm's genügt, zu wandeln in den Hallen,
Durch die das Weltgeräusch nicht dringet ein,
Durch die nur leise Geisterworte dringen,
Die nieder aus den hohen Sphären Idingen?
Du gingst im Wald und mit Dir Deine Töne:
Du standest am Meer*, sein Brausen ward Gesang: •> •
Du hörtest in den Wogen Angsrgestöhne,
Im Geist des Weltgerichts Posaunenklang:
Du lasest in der Storno Wunderschöne
Auch da der Sphären - Melodieen Gang:
14*
uigiiizeo
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212
Im Becherklaug remahmst Du süsse Lieder,
Im Taubenruf Cytheren« Stimme -wieder.
» •
So schwebtest Du auf leichten Aetherwogen
Imraitten durch des Zeitrada Brausen fort.
Von Himmelsahnung sanft hinauf gezogen,
Vernahmst Du, ach su früh! das Schickaalswort.
Seht, wo die Leyer prangt am Himmelsbogen,
Dahin entfloh der Geist. Ich ahn' ihn dort.
D'rum lob' ich Dich in Deiner hohen Ferne,
In stiller Nacht, Du schönste« Bild der Sterne!
Verzeichnis* derjenigen TPerle,
die über Mozart ex profesao erschienen
sind, oder in denen gelegentlich von
ihm mit einiger Ausführlichkeit ge-
handelt wird«
1) Mozart's Leben, in Schlichtegroll's Nekrolog.
Gotha, 1791,
2) Mozart's Leben, von Sonnleithner jun., in sei-
nem Wiener Theater -Almanache für 1794.
3) Mozart's Leben, mit seinem Bildnisse. Grätz,
1794. (Nachdruck des NekrologSt)
4) Mozart's Biographie in musikalischer Hinsicht,
von N.. Br. Prag, 1797.
5) Mozart's Leben, von Niemtschek* Prag, 1798.
Zweyte Auflage. 1808.
6) Kurze Darstellung des Lebens und der Manier
Mozart's, vpn Siebigke, in seinem Museum be-
rühmter Tonküustler. Breslau, 1801.
7) Mozart's Geist. Seine kurze Biographie und äs-
thetische Darstellung seiner Werke. Bildungsbuch
für junge Tonkünstler. Erfurt* x8o3.
•
1
uigitizGu Dy \j
I
213
' 8) Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung, in
welcher viele Anekdoten von Mozart, namentlich
vom Hofrath Rochlitz zu Papiere gebracht sind.
Jahrg. I. Seite 17, 4q, 81, n5, i45, ity9 289, 56o.
— Jahrg. IL Seite 64 1. — Jahrg. III. Seite 45o,
495, 590. — Jahrg. VIII. No. 29. über Musik und
Poesie. — Jahrg. XI. S. 793. — Ausserdem über
ihn und seine Werke fast in allen Jahrgängen.
9) Account of a very remarcable young Musician,
von Barrington. Philosophical Transactions Vol.
LX. London, 1770.
10) Anecdotes sur Mozart, in MlUmges de litdra-
ture, de Suand. Tom. 2. i8o4. pag. 55? — 347.
11) Notices sur Mozart, par Winckler, in Magaz.
encyclopidique. VII. annie. T. III. Paris, 1801. •
redige' par Miliin. pag. 29—72.
12) Cramer Anecdotes sur Mozart. Traduites.
Paris, 1801, chez Viditeur, rue des bons enfans.
(Sind die erwähnten Rochlitz'schen mit einigen
Anmerkungen.)
13) Notice sur Mozart, par Gingueni. Decad.
Philos. T.%U
■
14) Notice sur Mozart, par Sevelinges. Nach dem
Titelblatte des i8o5 vom Pariser Conservatorium
herausgegebenen Mozart'schen Requiem.
15) Memorie intorno la vita e gli studj del celebre
Mozart, in Novelle politico-literarie di Mantova
4 Gennaro 1806. Unter der Rubrik: Varietä
letterarie.
16) Memoire encyclop. romane, T.I. 1806.
17) Cenni biografici intorno a Mozart, von Lich-
tenthai. Milano, 1816.
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214 *
18) Elogio storico di Mozart, von dem Grafen
»
Schizzi. Cremona, 1817«
19) Mozart und Haydn. Nachtrage zu, ihren Biogra-
phieen. Versuch einer Parallele, Erfurt, 1810.
20) Biographie Mozart'* , in An account of tJie first
Edinburgh musical festival, by Graham. Edin-
burgh, 1816.
21) Bombet. Lettres dcrites de Vienne sur Haydn,
suivies d'une vie de Mozart. Paris, Didot l'aine.
i8i4. (<5W M^$«4ffo)
22) Bombet. Life» of Haydn and Mozart, in a se-
ries of Utters , translated from the french. Lon-
don* Murrey, 1817.
23) Vie* de Haydn, Mozart et Metastase, par
• Stendhal. .
24) Vie de Rossini, par Stendlial. Ist ohngeßhr
die Uebersetzung August Wendt's ü\ Rossinis
Leben und Treiben,
25) Holländische Uebersetzung der von Rochlitz ge-
lieferten Anekdoten in der Leipz. Allgera, musik.
Zeitung.
26) Discours tenu le 11. Octobre 1766 ä Lausanne
/ (über Mozart). In Aristide ou le citoyen N. XVI.
ä Lausanne, chez Francois Grasset et Comp.
27) Dieselbe Rede deutsch. 1771.
28) Oesterreichischer Plutarch.
29) Neuer Plutarch, nach Peter Blanchard, fortgesetzt
Von Kraft, im ersten »Bande. Pesth, 18 15.
30) Geschichte der Tonkunst, von Jones, übersetzt
u. s. w. von Mosel. Wien, 1821.
31) Ideen zu einer Aesthetik der Tonkunst, von
Schubart. Wien, x8o6.
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<
s, L —
32) Allgemeine Geschichte der Musik, von Busby,
übers, von Michaelis. 2ter Band. Leipzig, 1822.
33) Rochlitz. Für Freunde der Tonkunst. Leipzig.
2 Bände.
34) Cacilia. Zeitschrift für die musikalische Welt.
Mainz, 1024. fi.
35) Wiener allgemeine musikalische Zeitung.
36) Lexikon salzburgischer Künstler, von Pill wein.
Salzburg, 1821.
37) Gerber's Tonkünstler- Lexikon, altes und neues.
Leipzig, 1790. 1812.
38) Conversations-Lexikon, 6ter Band der 5ten Aufl.
Leipzig, 1820.
39) Baierisches Musik-Lexikon, von Lipowsky. Mün-
chen, 1811.
40) Lebensnachrichten von Mozart, in der musikali-
schen Correspondenz. Speyer, 1792.
41) Gallerie historischer Gemälde aus dem i8ten
Jahrhunderte, von Baur. 4ter Theil. Hof, i8o5.
42) Mozart, ein. dramatisches Gedicht, von D. Hoff-
hauer. Grätz, 1825.
43) Mozart's Tod, ein Original - Trauerspiel, von
A. von Schaden. Augsburg, 1825.
44) Mozart's eigener thematischer Katalog. Offen-
bach a. M.
4.5) Gretry's Versuche über die Musik, von Spazier.
Leipzig, 1800.
46) Geschichte der Musik, nach dem Französischen
der Frau von Bawr, frey bearb. von August Lewald.
Nürnberg, 1826.
47) Allgemeine deutsche Bibliothek, Recension des
zvpeyten Bandes vom Nekrolog 1791.
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48) Recenaionen der Schriften über Mozart in der
Jenaischen, Hallischen und Leipziger Literatur-
Zeitung*
49) Ueber Reinheit der Tonkunst. Heidelberg 1826.
zweyte Auflage.
50) Journal Deutschlands von 1799. Zwey tadelnde
Aufsätze über Mozart, wahrscheinlich von J. F.
Reichardt.
51) W. A- Mozart, eine begründete und ausführliche
Biographie von J. A. Schlosser. Prag, 1828-
Ausserdem wird mehr und weniger von Mo-
zart in folgeuden Schriften gesprochen:
Joseph Haydn's Biographie. Erfurt, 1810.
Dittersdorfs Biographie, von ihm selbst. Leipzig.
Cherubini'a Biographie. Erfurt, 1810.
Winter's Biographie. Erfurt.
Paesiello's Biographie. Daselbst.
Hiller's Leben von ihm selbst.
Hiller's Lebensbeschreibungen berühmter Ton-
künstler, erster Band. Leipzig.
Griesinger'* biographische Notizen von Joseph
Haydn. Leipzig, 1810.
ForkeFs musikalischer Almanach 1782. ff.
• Bossler'sche Zeitung, 1789. 1791.
Musikalisches Taschenbuch von Werden, Leip-
zig, i8ö5.
Aeltere und neuere Berliner musikalische Zeitung.
Reichardt's Briefe über Italien in der musikali-
schen Monatsschrift.
Reichardt's Reise nach Wien 1790. 1791.
Gallerie der berühmtesten Tonkünstler. Erfurt,
1810.
«
«
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*
217
Burney 's musikalische Reisen, dritter Band,
Burney General History of Music, vierter Band
1788. Vol. 5. 1789. Vol. 4. 1789. VoL 2. 1782. '
Cramer's Magazin der Musik.
Forkel^ Literatur der Musik.
Forkel's Geschichte der Musik.
Meusel's Museum für Künstler.
Meusel's Künstler- Lexikon.
Wiener Jahrbücher der Literatur, 1821. Ent-
halt einen Aufsatz von Mosel.
LucianBonaparte's Rede im Conservatorium 1799*
Journal des Luxus und der Moden. November
*799« No: 29. 55. 1825.
Augsburger Intelligenzblätter 1762. Ein Brief
aus Wien über Mozart's Kinder.
Mozart's Briefe an die Duschek, 1781. M s er«
Grimmas und Diderot's Korrespondenz, beson-
ders aus den ersten Jahren Mozart's.
Stadler's Geschichte der Musik in Oesterreich.
Salieri's Biographie von Mosel. Wien«
Und nächstdem giebt es eine Menge kleiner
Aufsätze über Mozart und dessen Werke in sehr
vielen periodischen Blättern.
•
/
15
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218
Schliesslich erfülle ich noch die liebe Pflicht,
denjenigen Mozart'schen Verehrern und namentlich
dem Hrn. Kapellmeister und Ritter Spontini in 13 er-
liu, Hrn. Chor-Director A. Jähndl in Salzburg, Hrn.
D. jur. Hoffbauer in Graz, Hrn. Musik -Director
Weber in Prag, Hrn. Hofrath Andre in Ottenbach
a. M., Hrn. Banquier A. Bridi in Roveredo, Hrn.
D. med. Lichtenthal in Mailand, Hrn. Postoff. C.
Dannliausen in München, Hrn. Apotheker Fenderl
in Innspruk, Hrn. D. med. Feuerstein in Pirna und
Baronesse Eggers in Copenhagen etc. die theils durch
gütige und wichtige Beyträge und theils auf andere
Weise bemüht waren, diese Biographie möglichst zu
vervollständigen, auch zugleich im Namen meiner
beyden Kinder und meines seeligen Nissen's den
schuldigsten, tiefgerührtesten und unversiegbarsten
Dank hier öffentlich .abzustatten. Möge ihnen Au-
dio vielen Beweise ihrer Liebe und Verehrung um
die Manen des Meisters Gott das lohnen, was ich
nicht weiter vermag! —
Zugleich scheint nöthig und zweckmässig zu seyn
-
liier zu bekennen, dass ich früher weder Notizen
von Mozart's Leben, noch auch Beyträge zu den
schon erschienenen Biographieen Mozart's zum Be-
huf der öffentlichen Bekanntmachung gegeben habe.
21')
So wie ich mich unterstand diese Biographie mit
meines Nissen's Portrait zu beginnen , so vermag ich
nicht zu unterlassen sie mit der Abbildung seines
hier in Marmor errichteten Monumentes und den
daran befindlichen Inschriften zu beschliessen. Mö-
4
gen mir die hochverehrten Leser dieses entschuldi-
gen und das trauliche Liebesopfer in dem Sinne mit
hinnehmen, als es gegeben ist.
• * .
Salzburg, zu Michaelis, 1828.
, Constanze,
verwittwete Etatsräthin von Nissen,
früher Wittwe Mozart.
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Inhalt:
Verzeichniss ron Mozart's hintcrlassenen Werken . « • «
Mozart und dio Eigenthundiehkeit seiner Werke . » ?;
Pas Grosso der Kunst «»»»,«»..•»«. 4fj
Mozart1« Opern überhaupt .♦,.,»....«,» fiß
Insbesondere : ,
Mitridate, Opera seria 7f
Lucio Sulla, Opera sevia . . 72
.fca /fafa Giardiniera, Opera bufia 74
Irfomeneo , di Creta. Opera seria ........ 74
JP/'c Jintfiihrung aus dem Serail , oder Belmont und Con-
stanze, deutsches Singspiel 77
/Ar .S'< hausficl - Dircctor . komisrhes Singspiel S.~>
//<? AV>=zg glt Figaro t Opera baffa » »♦««•»»» g|
('o.w /////e, Opera buda f'J
iPo» Giovanni \ Opera .»»•.«...«.»» W
JPi'g Zauberflöte % deutsche Oper ««..♦....» 1A1
7/Q clemenza di Tito (Titus der Gutige) Opera seria * • 130
Mozart's Pianoforte- Spiel und seine Compositioncn dafür . 134
Instrumental - Musik • ««<»#.♦..» 1TJ
Kirchen- Comp ositioneri «»««»»««•• Ii V?
— Requiem ............... 168
Denkmale W. A. Mozart's t r.>;
J)enkmiinzen auf ihn •»«•«»•..•••> « « 179
Mozart's Bildnisse, in Kupfer gestochen und in Holz geschnitten j?Q
— Silhouetten f>:»>
— Gemälde — Büsten • • « • • 181
Gedichte auf Mozart 181
* HL
Hinterseite.
LTHATER
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MOZART
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InER GATTIN
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LFGANG MOZART.
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